Pogrom gegen koptische Minderheit in Ägypten

(Mer­sa Matro­uh / Frank­furt) Am Frei­tag, den 12. März 2010, ist es im nord­ägyp­ti­schen Küsten­ort Mer­sa Matro­uh, rund 260 km west­lich von Alex­an­dria, erneut zu pogrom­ar­ti­gen Über­grif­fen gegen ein­hei­mi­sche Kop­ten gekom­men. Nach Infor­ma­tio­nen der Inter­na­tio­na­len Gesell­schaft für Men­schen­rech­te (IGFM), sol­len 2.000 bis 3.000 extre­mi­sti­sche Mus­li­me nach dem Abend­ge­bet „Allah ist grö­ßer“ und ande­re isla­mi­sche Paro­len skan­diert und Stei­ne gewor­fen haben. Ins­ge­samt sol­len 22 Geschäf­te und Werk­stät­ten von Kop­ten ver­wü­stet, 18 Häu­ser und eine Rei­he von Autos in Brand gesteckt wor­den sein.

Wie die IGFM berich­tet, rich­te­te sich die Gewalt beson­ders gegen das Gebäu­de des sozia­len Dien­stes der kop­ti­schen Kir­che, in dem sich rund 400 Kop­ten – Män­ner, Frau­en und Kin­der – auf­hiel­ten. Min­de­stens 25 Per­so­nen wur­den schwer ver­letzt, dar­un­ter Frau­en und Kin­der. Die anrücken­den Sicher­heits­kräf­te waren zah­len­mä­ßig dem Mob aus fana­ti­schen Mus­li­men weit unter­le­gen. Trotz des Ein­sat­zes von Trä­nen­gas brauch­ten die Beam­ten lan­ge, bis sie die Lage unter Kon­trol­le brin­gen konn­ten. Ob Rädels­füh­rer oder Gewalt­tä­ter ver­haf­tet wor­den sind, ist nicht bekannt. Am Sams­tag­mor­gen muß­ten Sicher­heits­kräf­te Kop­ten in ihre Häu­ser eskor­tie­ren. Über zwan­zig Kop­ten sind durch die Zer­stö­run­gen gänz­lich obdach­los und muß­ten in Gebäu­den der Kir­che unter­ge­bracht wer­den.

Nach Anga­ben des kop­ti­schen Pfar­rers Mat­ta Zaka­ria habe der Imam Shaikh Kha­mees wäh­rend des frei­täg­li­chen Abend­ge­be­tes dazu auf­ge­ru­fen, „die Fein­de [des Islam] zu bekämp­fen“. Wei­ter soll der isla­mi­sche Geist­li­che ver­kün­det haben, daß er nicht wol­le, daß Chri­sten mit Mus­li­men zusam­men­leb­ten.

Die IGFM for­dert die ägyp­ti­schen Behör­den auf, „die Taten schnell auf­zu­klä­ren und die Täter vor Gericht zu stel­len.“ Der Ein­druck, daß kop­ti­sche Opfer in den Augen der ägyp­ti­schen Justiz einen gerin­ge­ren Wert haben als mus­li­mi­sche, dür­fe sich nicht wei­ter ver­fe­sti­gen, erklär­te Mar­tin Les­sent­hin, Vor­stands­spre­cher der IGFM.

In Ägyp­ten sind ca. 10 Pro­zent der rund 70 Mil­lio­nen Ein­woh­ner christ­li­che Kop­ten. Nach Anga­ben der IGFM wer­den sie von staat­li­chen Stel­len, aber auch gesell­schaft­lich syste­ma­tisch dis­kri­mi­niert. Immer wie­der kom­me es zu gewalt­sa­men Über­grif­fen. Einen aktu­el­len Höhe­punkt erreich­te die staat­li­che Will­kür gegen Kop­ten nach einem Mas­sa­ker am ortho­do­xen Weih­nachts­fest am 6. Janu­ar 2010 in Nag Ham­ma­di, wo radi­ka­le Mus­li­me sechs Chri­sten und einen Mus­lim erschos­sen und meh­re­re Dut­zend Per­so­nen schwer ver­letzt hat­ten. Über 100 Chri­sten aus Nag Ham­ma­di wur­den dar­auf­hin ohne Anga­be von Grün­den von Sicher­heits­kräf­ten ver­haf­tet — als Druck­mit­tel gegen die Kir­che, damit die­se ihre Straf­an­zei­gen gegen die Täter zurück­zieht.

(PM/ JF)