Streit um Armenier-Genozid: Türkei droht USA mit Botschafterabzug

(Anka­ra) Die Tür­kei will ihren Bot­schaf­ter aus Washing­ton „zu Kon­sul­ta­tio­nen“ abzie­hen, soll­te der US-Kon­greß die Ver­fol­gung der Arme­ni­er wäh­rend des Ersten Welt­krie­ges im Osma­ni­schen Reich als Völ­ker­mord aner­ken­nen. Das berich­ten tür­ki­sche Medi­en am Don­ners­tag unter Beru­fung auf diplo­ma­ti­sche Krei­se in Anka­ra. Die Abstim­mung im US-Kon­greß über eine ent­spre­chen­de Reso­lu­ti­on ist für den heu­ti­gen Don­ners­tag geplant.

Das tür­ki­sche Außen­amt hat­te bereits zuvor gewarnt, daß eine Annah­me der Reso­lu­ti­on die Bezie­hun­gen zwi­schen bei­den Staa­ten schwer bela­sten wür­de. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge rief der tür­ki­sche Prä­si­dent Abdul­lah Gül sei­nen US-Kol­le­gen Barack Oba­ma in einem Tele­fo­nat am Mitt­woch auf, die Kon­greß­mit­glie­der zu über­zeu­gen, gegen die Reso­lu­ti­on zu stim­men. Zu dem glei­chen Zweck hält sich eine Dele­ga­ti­on tür­ki­scher Par­la­men­ta­ri­er in Washing­ton auf.

Die Ermor­dung von rund 1,5 Mil­lio­nen Arme­ni­ern im Jah­re 1915 im dama­li­gen Osma­ni­schen Reich ist seit Jah­ren ein Stol­per­stein zwi­schen Arme­ni­en und der Tür­kei. Bei­de Staa­ten unter­hal­ten kei­ne diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen. Die Gren­ze zwi­schen ihnen wur­de 1993 auf Wunsch Anka­ras gesperrt. Die Tür­kei stellt als Vor­be­din­gung für die Nor­ma­li­sie­rung der Bezie­hun­gen einen Ver­zicht Arme­ni­ens auf die Poli­tik der inter­na­tio­na­len Aner­ken­nung des Völ­ker­mords.

Den­noch haben bereits vie­le Län­der, dar­un­ter auch Deutsch­land, aber auch 42 US-Bun­des­staa­ten die Ver­fol­gung der Arme­ni­er als Geno­zid aner­kannt. Auch US-Prä­si­dent Oba­ma hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr den Völ­ker­mord an Arme­ni­ern als histo­ri­sche Tat­sa­che bezeich­net.

(RIA Novo­sti)