Chinas Katholiken „werden Verfolgung standhalten“ — Kirche will „auch heute und in der Zukunft großen Beitrag für China leisten“

(Hong Kong) Nach zehn Jah­ren ver­läßt der Apo­sto­li­sche Dele­gier­te für Chi­na Hong Kong, um Nun­ti­us auf Mada­gas­kar zu wer­den. In einem Gespräch mit Asia­news zog er Bilanz über sei­ne Arbeit und das Leben der Kir­che in Chi­na, das Zeug­nis der ver­folg­ten Chri­sten, die Ein­heit der Kir­che, die diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zwi­schen der Volks­re­pu­blik Chi­na und dem Hei­li­gen Stuhl sowie die inter­nier­ten Bischö­fe und Prie­ster.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg resi­dier­te ein Apo­sto­li­scher Nun­ti­us in Natio­nal-Chi­na. 1979 wur­de im Zuge der inter­na­tio­na­len Aner­ken­nung des kom­mu­ni­sti­schen Chi­nas die Ver­tre­tung in Tai­peh auf­ge­ge­ben und nach Hong Kong ver­legt, solan­ge die Ent­sen­dung eines Nun­ti­us nach Peking nicht mög­lich ist. Der Dele­gier­te muß­te die zehn Jah­re vor den Toren der Volks­re­pu­blik ver­brin­gen, weil ihm Peking die Ein­rei­se ver­wei­ger­te.

Der Ire Msgr. Euge­ne Mar­tin Nugent lei­te­te seit 2000 die Hong Kon­ger Ver­tre­tung. Am 18. März wird er zum Erz­bi­schof geweiht und über­nimmt die Lei­tung der diplo­ma­ti­schen Ver­tre­tung des Hei­li­gen Stuhls für Mada­gas­kar, Komo­ren und Reuni­on. Sein chi­ne­si­scher Name lau­tet Liu Yuz­heng. Die chi­ne­si­schen Katho­li­ken nann­ten ihn „Dai­ban“. Wegen sei­nes enor­men Gedächt­nis­ses und sei­ner Hin­ga­be für die Evan­ge­li­sie­rung Chi­nas wur­de er all­ge­mein geschätzt. Sein Auf­ga­ben­be­reich umfaß­te 138 Diö­ze­sen, von denen 22 nicht aktiv sind, mit rund 90 Bischö­fen, 3000 Prie­stern, 5000 Ordens­frau­en, zehn Prie­ster­se­mi­na­ri­en und 22 Gym­na­si­en der offi­zi­el­len Kir­che und wei­te­ren zehn Prie­ster­se­mi­na­ri­en der Unter­grund­kir­che.

„Ich bewun­de­re den Glau­ben der Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en, das Zeug­nis, das sie für den Glau­ben geben in einer wirk­lich schwie­ri­gen Situa­ti­on“, erklär­te Msgr. Nugent. Eine der schwie­rig­sten Her­aus­for­de­run­gen sei­en die ille­ga­len Bischofs­wei­hen gewe­sen, „vor allem die drei Fäl­le des Jah­res 2006“. Die­se vom kom­mu­ni­sti­schen Regime ver­an­laß­ten Wei­hen sei­en „eine schmerz­li­che Erfah­rung“ gewe­sen. „Sie haben mir vie­le schlaf­lo­se Näch­te berei­tet“, so Msgr. Nugent.

Im Ver­gleich zum Jahr 2000 befin­de sich die Kir­che in Chi­na heu­te „deut­li­cher auf dem Weg zur ‚Nor­ma­li­tät‘ “. Der Brief Papst Bene­dikts XVI. habe den chi­ne­si­schen Katho­li­ken eine kla­re Rich­tung gewie­sen. Mit „Nor­ma­li­tät“ meint Msgr. Nugent die Anwen­dung des uni­ver­sal gel­ten­den Kir­chen­rechts, wo es bis­her aus unter­schied­li­chen histo­ri­schen Grün­den und Not­wen­dig­kei­ten Son­der­re­ge­lun­gen gab.

„Ich bin der Über­zeu­gung, daß eini­ge Füh­rungs­kräf­te der chi­ne­si­schen Regie­rung die Bedeu­tung der Ein­heit unter den Katho­li­ken sehr wohl erken­nen, nicht nur in Chi­na, son­dern auch mit der Welt­kir­che, wie sie der Papst in sei­nem Brief beson­ders betont hat“, so der Apo­sto­li­sche Dele­gat. Die Kir­che müs­se auch in Chi­na das Recht auf vol­le Reli­gi­ons­frei­heit erhal­ten, wie es den Katho­li­ken welt­weit zuste­he. Die Gläu­bi­gen, die in Ein­heit, Soli­da­ri­tät und Frie­den mit­ein­an­der leben „wer­den einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ein­heit, Soli­da­ri­tät und zum Frie­den der chi­ne­si­schen Gesell­schaft lei­sten“, so Msgr. Nugent.

Eine der größ­ten Schwie­rig­kei­ten habe dar­in bestan­den, direk­ten Kon­takt mit den Bischö­fen Chi­nas zu hal­ten, da er sie nicht in ihren Diö­ze­sen besu­chen habe kön­nen. „Das war und ist lei­der immer noch nicht mög­lich. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­läuft in vie­le Fäl­len nur über Drit­te.“ Der­zeit gibt es in Chi­na 90 Bischö­fe der staat­li­che aner­kann­ten und der rom­treu­en Unter­grund­kir­che. Um dem über­ge­ord­ne­ten Ziel der Ein­heit zu die­nen, sei häu­fig eine Grat­wan­de­rung not­wen­dig gewe­sen.

Das Schrei­ben des Pap­stes an die Katho­li­ken Chi­nas von 2007 sei ein kla­rer Weg­wei­ser, „wenn die Resul­ta­te auch noch nicht so sicht­bar sei­en“. Seit­her sei „allen klar, wel­che Rich­tung ein­zu­schla­gen ist“. „Wir for­dern weder von der Unter­grund­kir­che aus der Deckung zu kom­men und sich staat­lich regi­strie­ren zu las­sen noch von der staat­lich aner­kann­ten Kir­che in den Unter­grund zu gehen. Wir wün­schen aber von bei­den Sei­ten eine ehr­li­che Anstren­gung zu unter­neh­men auf dem Weg der Ver­söh­nung und der Wie­der­ver­ei­ni­gung.“ Msgr. Nugent äußer­te in die­sem Zusam­men­hang vor allem die Hoff­nung, daß die staat­lich aner­kann­te Kir­che „muti­ge­re Schrit­te zur Ein­heit mit der Unter­grund­kir­che setzt“. Den berühm­ten Satz Papst Johan­nes Pauls II. „Habt kei­ne Angst!“ zitie­rend rief Msgr. Nugent die Katho­li­ken Chi­nas zum Abschied auf, „mutig“ zu sein und „kei­ne Kom­pro­mis­se“ in Fra­gen der kirch­li­chen Leh­re und Grund­sät­ze zu akzep­tie­ren.

Bei den Begeg­nun­gen mit den Bischö­fen und Prie­stern Chi­nas habe er fest­stel­len kön­nen, daß es sich um eine „jun­ge, dyna­mi­sche und akti­ve“ Kir­che han­delt. Gleich­zei­tig han­delt es sich um eine „gespal­te­ne und ver­folg­te Kir­che“, in der der Glau­be „auf eine har­te Pro­be gestellt“ sei. Obwohl die Kir­che zahl­rei­chen Kon­trol­len und Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen ist, sei sie „vol­ler Ener­gie und Vita­li­tät“. Die Katho­li­ken Chi­nas „sind stark im Glau­ben und wer­den der Ver­fol­gung stand­hal­ten“, so Msgr. Nugent.

Zum Abschied rich­te­te der „Dai­ban“ einen Appell an die Regie­rung in Peking, die inhaf­tier­ten und inter­nier­ten Bischö­fe und Prie­ster frei­zu­las­sen und der Kir­che die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, „frei und ohne staat­li­che Kon­trol­le“ über ihre Ange­le­gen­hei­ten spre­chen und ent­schei­den zu kön­nen. „Ich bin über­zeugt, daß dies zum Nut­zen aller wäre, der Kir­che, aber auch des Lan­des“, so der iri­sche Diplo­mat.

„Mein Gesamt­ein­druck ist sehr posi­tiv. Wir kön­nen nicht unse­re west­li­chen Kri­te­ri­en anle­gen, um die Men­schen zu beur­tei­len, die so gro­ße Schwie­rig­kei­ten wie die Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von 1966 bis 1976 durch­ma­chen muß­ten.“ Vie­le Katho­li­ken, auch Semi­na­ri­sten und Prie­ster besä­ßen daher nicht immer eine aus­rei­chen­de Aus­bil­dung. Es sei des­halb vor­ran­gi­ges Ziel des Vati­kans, die Aus­bil­dung zu ver­stär­ken.

Per­sön­lich habe er nur ein­mal die Volks­re­pu­blik Chi­na berei­sen dür­fen, das war im Jahr 2003 anläß­lich eines inter­na­tio­na­len Tref­fens. In allen ande­ren Fäl­le habe ihm die Pekin­ger Regie­rung das Ein­rei­se­vi­sum ver­wei­gert. „Wenn es mir eines Tages erlaubt wer­den soll­te, Chi­na berei­sen zu kön­nen, möch­te ich jeden Bischof besu­chen, der in Ein­heit mit dem Papst aus­harrt, jeden ein­zel­nen umar­men und mit ihnen gemein­sam beten“, so Msgr. Nugent.

Heu­te stün­den zumin­dest alle Diö­ze­sen im Kon­takt mit dem Hei­li­gen Stuhl. Dem Auf­bau direk­ter oder indi­rek­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le zu allen Bis­tü­mern habe sei­ne vor­dring­li­che Auf­ga­be gegol­ten. Die Lage sei frü­her „sehr pre­kär“ gewe­sen.

Zu den Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Volks­re­pu­blik Chi­na und dem Hei­li­gen Stuhl erklär­te Msgr. Nugent ledig­lich, daß die­se „strikt dem Staats­se­kre­ta­ri­at und dem chi­ne­si­schen Außen­mi­ni­ste­ri­um vor­be­hal­ten“ sei­en, aber „regel­mä­ßi­ge Kon­tak­te“ bestün­den. „Ich den­ke, daß mit etwas gutem Wil­len die Pro­ble­me gelöst wer­den kön­nen. Es gibt kei­nen Grund, daß man vor­ein­an­der Angst hat.“ Die katho­li­sche Kir­che habe „bereits frü­her einen gro­ßen Bei­trag zur chi­ne­si­schen Kul­tur gelei­stet“ und wol­le dies „auch heu­te und in Zukunft für die­se gro­ße Nati­on tun“.

(Asianews/GN, Bild: Asia­news)