Ukraine: Gericht erklärt Stalin schuldig an Hungersnot

(Kiew) Ein ukrai­ni­sches Beru­fungs­ge­richt hat die dama­li­ge Füh­rung der Sowjet­uni­on sowie der ukrai­ni­schen Sowjet­re­pu­blik für schul­dig an der Hun­gers­not der Jah­re 1932 und 1933 erklärt. Da alle Schul­di­gen schon längst tot sind, wur­de das Ver­fah­ren damit aber ein­ge­stellt.

Josef Sta­lin, Wjat­sches­law Molo­tow und vier wei­te­re hoch­ran­gi­ge Sowjet­funk­tio­nä­re wur­den in der Gerichts­ent­schei­dung für schul­dig befun­den, einen „Geno­zid an der ukrai­ni­schen Volks­grup­pe“ orga­ni­siert zu haben. Dies geschah, in dem sie Lebens­be­din­gun­gen schu­fen, die dar­auf aus­ge­legt waren, die Men­schen phy­sisch zu ver­nich­ten, hieß es dar­in. Eini­ge der „Ange­klag­ten“ waren wäh­rend der sta­li­ni­sti­schen Repres­sio­nen in den 30er Jah­ren selbst dem Sowjet­sy­stem zum Opfer gefal­len. Aller­dings wur­den sie unter Chruscht­schow wie­der reha­bi­li­tiert.

In dem Ver­fah­ren war eine Exper­ti­se des Demo­gra­phie- und Sozio­lo­gie-Insti­tu­tes der ukrai­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten vor­ge­legt wor­den, wonach die Zahl der Todes­op­fer der dama­li­gen Hun­gers­not mit 3,941 Mil­lio­nen bezif­fert wur­de.

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Vik­tor Juscht­schen­ko sprach von einem histo­ri­schen Urteil. „Es stellt die histo­ri­sche Gerech­tig­keit wie­der her und gibt die Chan­ce, die Ukrai­ne auf ehr­li­che und demo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en zu begrün­den“, so Juscht­schen­ko, der die Auf­ar­bei­tung die­ser Epo­che der Ver­gan­gen­heit beson­ders for­ciert hat­te.

In Ruß­land wur­de die Bewer­tung des „Golo­do­mor“ in der Ukrai­ne als Geno­zid scharf kri­ti­siert.

Poli­ti­ker und Histo­ri­ker wie­sen dar­auf hin, daß die dama­li­ge ver­häng­nis­vol­le Poli­tik nicht gezielt gegen die Ukrai­ner gerich­tet war, son­dern die Land­be­völ­ke­rung in der Sowjet­uni­on ins­ge­samt betraf.

(.rufo)