Älteste Bibel der Welt online

Sie ist Mit­te des 4. Jahr­hun­derts in Ägyp­ten ent­stan­den und gilt somit als älte­ste Bibel der Welt: Mehr als die Hälf­te des „Codex Sinai­ti­cus“ kann seit heu­te im Inter­net gele­sen wer­den. Ver­ste­hen wer­den ihn aller­dings vor allem jene, die Alt­grie­chisch beherr­schen. Auf Deutsch liegt bis­her nur das Buch Esther aus dem Alten Testa­ment vor. Die älte­ste Bibel der Welt ist im Besitz von vier Insti­tu­tio­nen: der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Leip­zig, der Bri­tish Libra­ry Lon­don, dem Katha­ri­nen­klo­ster auf dem Sinai und der Rus­si­sche Natio­nal­bi­blio­thek St. Peters­burg.

Seit 2006 wur­den hoch­auf­ge­lö­ste Bil­der der grie­chi­schen Hand­schrift her­ge­stellt, den Text wis­sen­schaft­lich zu tran­skri­bie­ren und eine gründ­li­che Ana­ly­se des Zustands aller Per­ga­ment­blät­ter zu pro­to­kol­lie­ren. Im Inter­net sind nun über 800 Sei­ten der Bibel zu sehen, das ist mehr als die Hälf­te des gesam­ten Werks, dar­un­ter auch die kom­plet­te Ver­si­on des Neu­en Testa­ments.

Die vier­spal­ti­ge Bibel­ab­schrift in alt­grie­chi­scher Spra­che gilt als eines der größ­ten Per­ga­ment­bü­cher der Anti­ke. Sie war jahr­hun­der­te­lang im St. Katha­ri­nen­klo­ster im ägyp­ti­schen Sinai­ge­bir­ge auf­be­wahrt. 1844 hat­te der deut­sche Theo­lo­ge Kon­stan­tin von Tisch­endorf die 33,5 Zen­ti­me­ter brei­ten und 37,5 Zen­ti­me­ter hohen Per­ga­ment­blät­ter in einem Papier­korb des Klo­sters ent­deckt. Die Mön­che erlaub­ten ihm, 43 von ins­ge­samt 129 gefun­de­nen Blät­tern mit nach Leip­zig zu neh­men.

1859 kehr­te Tisch­endorf mit Unter­stüt­zung des rus­si­schen Zaren noch ein­mal zurück und ent­deck­te wei­te­re Frag­men­te. Er konn­te die Mön­che schließ­lich über­re­den, sie dem Zaren zu schen­ken. 1933 ver­kauf­te die Sowjet­uni­on 347 Blät­ter an das Bri­ti­sche Muse­um in Lon­don, sechs befin­den sich noch in St. Peters­burg. 1975 gab es einen drit­ten Fund. Die­se 38 Sei­ten lie­gen noch im St. Katha­ri­nen­klo­ster. Etwa 300 Blät­ter, auf denen sich Tei­le des Alten Testa­ments befan­den, feh­len.

Die am Pro­jekt betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen wer­den laut Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Leip­zig wei­ter am elek­tro­ni­schen Codex Sinai­ti­cus arbei­ten, wei­te­re Tei­le in Über­set­zung zugäng­lich machen und eine gebun­de­ne Fak­si­mi­le-Aus­ga­be her­aus­brin­gen. — Link: https://www.codexsinaiticus.org.

(science.orf.at)