Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert unverbindlichen EU-Beschluss für Irak-Flüchtlinge als „Tropfen auf den heißen Stein“

(Göt­tin­gen) Die Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker (GfbV) hat den Beschluß der EU-Innen­mi­ni­ster, 10.000 Flücht­lin­ge aus dem Irak auf­neh­men zu wol­len, als „Trop­fen auf den hei­ßen Stein“ bezeich­net. Es sei zwar begrü­ßens­wert, daß den Not lei­den­den Flücht­lin­gen end­lich eine hel­fen­de Hand ent­ge­gen gestreckt wer­de, erklär­te der GfbV-Gene­ral­se­kre­tär Til­man Zülch am Frei­tag in Göt­tin­gen. Doch es sei beschä­mend für ganz Euro­pa, daß damit für ein­zel­ne Staa­ten kei­ne Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me einer ver­bind­li­chen Anzahl von Flücht­lin­gen ver­bun­den sei.

Vor allem die Situa­ti­on der Min­der­hei­ten wie der christ­li­chen Assy­rer-Chaldä­er-Ara­mä­er, Man­dä­er und Yezi­den in Syri­en und Jor­da­ni­en sei dra­ma­tisch. Nach Anga­ben des Flücht­lings­hilfs­werks der Ver­ein­ten Natio­nen UNHCR sind min­de­stens 60.000 ira­ki­sche Flücht­lin­ge als so genann­te Här­te­fäl­le ein­zu­stu­fen, die auf kei­nen Fall in den Irak zurück­keh­ren kön­nen. Nach Ein­schät­zung der GfbV, die den syste­ma­ti­schen Ver­trei­bungs­ter­ror isla­mi­scher Fana­ti­ker gegen Min­der­hei­ten­an­ge­hö­ri­ge detail­liert doku­men­tiert, sind es min­de­stens 200.000.

Zülch wies auch dar­auf ihn, daß gera­de unter den Assy­rer-Chaldä­er-Ara­mä­ern eine gro­ße Zahl gut aus­ge­bil­de­te, inte­gra­ti­ons­freu­di­ge Men­schen sei­en, sie sich schnell inte­grie­ren wür­den. Es sei ent­täu­schend, daß sich die deut­schen Innen­mi­ni­ster nur zur Auf­nah­me von 2500 Flücht­lin­gen „durch­rin­gen“ konn­ten. Wenn der deut­schen Bevöl­ke­rung das gan­ze Aus­maß der Chri­sten­ver­fol­gung im Irak vor Augen geführt wor­den sei, wäre die Bereit­schaft zur Auf­nah­me von sehr viel mehr Ver­trie­be­nen mit Sicher­heit genau­so groß wie wäh­rend des Bos­ni­en­krie­ges. Damals fan­den rund 320.000 mus­li­mi­schen Bos­nia­ken Zuflucht in Deutschland.

(PM)