Glaubensspaltung

Die Glau­bens­spal­tung gehört mit dem gro­ßen Schis­ma zu den schwer­sten Kri­sen, wel­che die Kir­che seit ihrer Ver­wur­ze­lung in der abend­län­di­schen Völ­ker­ge­mein­schaft erlitt. Es hat lan­ge gedau­ert, ehe den christ­li­chen Völ­kern voll bewußt wur­de, daß das Orga­ni­sier­te System des Mit­tel­al­ters gesprengt, die kirch­li­che Ein­heit des Abend­lan­des zer­stört und die Auf­lö­sung der durch die Kir­che getra­ge­nen Kul­tur im Gan­ge war. Statt der einen Kir­che gab es nun „Kir­chen“.

Im Bereich des Luther­tums führ­te die Ein­engung des Blickes auf die per­sön­li­che Heils­ge­wiß­heit, die Locke­rung des Zusam­men­han­ges von Reli­gi­on uund Sitt­lich­keit viel­fach zu einer rein sub­jek­ti­ven Fröm­mig­keit; bei der Mas­se schlug sie teil­wei­se zu einem von den Refor­ma­to­ren selbst beklag­ten Laxis­mus um.

Der jun­ge Luther hat­te das sub­jek­ti­ve Gewis­sen zum Prin­zip erho­ben; aber nur durch Auf­ge­ben die­ses Prin­zips lie­ßen sich die Pro­te­stan­ti­sche Kir­chen­bil­dun­gen auf­recht erhal­ten. Der Kampf gegen den For­ma­lis­mus in der Scho­la­stik hin­der­te nicht das Auf­kom­men einer engen Ortho­do­xie und end­lo­sen Streit zwi­schen Cal­vi­nis­mus und Luther­tum und der ein­zel­nen Rich­tun­gen unter­ein­an­der, eben­so­we­nig der Kampf gegen die Rechts­kir­che die Aus­bil­dung eines Pro­te­stan­ti­schen Kir­chen­rechts.

Die düste­re Fröm­mig­keit des Cal­vi­nis­mus ver­nich­te­te die rei­chen For­men reli­giö­sen Lebens und christ­li­cher Kunst, die das Mit­tel­al­ter geschaf­fen; sei­ne Unduld­sam­keit und sein Ver­nich­tungs­wil­le gegen alles Katho­li­sche trug wesent­lich zur Fana­ti­sie­rung des reli­giö­sen Kamp­fes bei.

Bei­de Zwei­ge des Pro­te­stan­tis­mus ver­war­fen das sicht­ba­re Opfer und höhl­ten den Sakra­ments­be­griff aus; damit bra­chen sie Edel­stei­ne aus der Kro­ne des Chri­sten­tums.

(LThK, 2. neu­bearb. Aufl., 8. Band)