Türkei: Organisation verdächtigt, politische und religiöse Attentate begangen zu haben — Erkennt Erdogan Rolle des Ökumenischen Patriarchen an?

(Istan­bul) In der tür­ki­schen Stadt Istan­bul wur­de eine natio­na­li­sti­sche Orga­ni­sa­ti­on ent­deckt, die ver­däch­tigt wird, für poli­ti­sche und reli­giö­se Atten­ta­te ver­ant­wort­lich zu sein, dies berich­tet die Pres­se­agen­tur Asia­news. Die Grup­pe nennt sich „Ergere­ken“ und könn­te auch hin­ter dem Mord am arme­ni­schen Jour­na­li­sten Hrant Dink stecken. Inzwi­schen scheint der tür­ki­sche Regie­rungs­chef Erdogan, den Titel und die Rol­le des Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel inner­halb der ortho­do­xen Welt aner­ken­nen zu wollen.

Die tür­ki­sche Poli­zei hat nach acht­mo­na­ti­gen Ermitt­lun­gen 35 Per­so­nen fest­ge­nom­men, die ver­däch­tigt wer­den, der gehei­men natio­na­li­sti­schen Orga­ni­sa­ti­on „Ergere­ken“ anzu­ge­hö­ren. Der Name bezeich­net den legen­dä­ren Ort, an dem das tür­ki­sche Volk ent­stan­den sein soll.

Die Geheim­or­ga­ni­sa­ti­on wird ver­däch­tigt, neben poli­ti­schen Gewalt­ta­ten gegen Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen, auch Atten­ta­te gegen christ­li­che Per­sön­lich­kei­ten geplant zu haben, dar­un­ter die Ermor­dung des Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen Bar­tho­lo­mä­us I.

Die Orga­ni­sa­ti­on soll vor allem ehe­ma­li­ge Mili­tärs, Jour­na­li­sten und Rechts­an­wäl­te in ihren Rei­hen gezählt haben. Unter den Ver­haf­te­ten befin­det sich auch der bekann­te pen­sio­nier­te Gene­ral Veli Kucuk, der ver­däch­tigt wird, Grün­der einer gehei­men Ein­heit inner­halb der Poli­zei zu sein, die für eine Rei­he von Atten­ta­ten und Mor­den ver­ant­wort­lich gemacht wird.

In Jour­na­li­sten­krei­sen wird ver­mu­tet, daß mit der Ope­ra­ti­on “Ergere­ken“ alte Seil­schaf­ten zwi­schen Mili­tär, Poli­zei, öffent­li­cher Ver­wal­tung, Wirt­schaft und orga­ni­sier­tem Ver­bre­chen zer­schla­gen wer­den sol­len, die erst­mals bereits 1996 bekannt­ge­wor­den sei­en. Die Ope­ra­ti­on könn­te aber auch ein Vor­wand für die isla­mi­sche Regie­rungs­par­tei Erdogans sein, sich der ver­blie­be­nen Geg­ner vor allem im Mili­tär zu entledigen.

Die Regie­rung scheint dabei auch eine alte, staat­lich geför­der­te Riva­li­tät inner­halb der ortho­do­xen Kir­che been­den zu wol­len. 1924 grün­de­te der ortho­do­xe Prie­ster Eftim, der – obwohl ver­hei­ra­tet – Bischof wer­den woll­te, nach sei­ner Ableh­nung ein eige­nes „Patri­ar­chat der ortho­do­xen Tür­ken“. Der jung­tür­ki­sche Staat erhoff­te sich dadurch eine Spal­tung der ortho­do­xen Kir­che und erkann­te das „Patri­ar­chat“ Eftims offi­zi­ell an.

Der Neu­grün­dung folg­ten aber nur weni­ge Gläu­bi­ge, der Scha­den für die ortho­do­xe Kir­che jedoch groß. Der tür­ki­sche Staat bevor­zug­te das „tür­ki­sche Patri­ar­chat“ demon­stra­tiv vor dem Öku­me­ni­schen Patri­ar­chat, das zahl­rei­chen Schi­ka­nen und Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen wur­de. Eine Enke­lin Eftims, Sev­gi Ere­n­erol, war in undurch­sich­ti­ge Machen­schaf­ten der genann­ten alten Seil­schaf­ten ver­strickt und wur­de bereits zu einem frü­he­ren Zeit­punkt verhaftet.

Beob­ach­ter glau­ben daher nicht an einen Zufall, wenn Mini­ster­prä­si­dent Erdogan heu­te auf einer Pres­se­kon­fe­renz mit dem grie­chi­schen Amts­kol­le­gen Kara­man­lis, erste Zei­chen einer Öff­nung in Rich­tung Öku­me­ni­schem Patri­ar­chat bekannt­ge­ge­ben hat. Offen­sicht­lich „prüft“ die tür­ki­sche Regie­rung die Aner­ken­nung der Rol­le, die dem Öku­me­ni­sche Patri­ar­chat in der ortho­do­xen Chri­sten­heit zukommt. Auch das Prie­ster­se­mi­nar von Hal­ki, das 1971 durch den Staat geschlos­sen wur­de, sei Gegen­stand der „Prü­fung durch die Regie­rung“, so Erdogan.

(asia­news/RP)