Der Resolutionsentwurf zur Anerkennung des Genozid an den Armeniern kann im Kongreß Mitte November scheitern

(Washing­ton) Der von einer Mehr­heit der Demo­kra­ti­schen Par­tei beherrsch­te Kon­greß­aus­schuß für Aus­wär­ti­ges hat am Don­ners­tag ein Reso­lu­ti­ons­ent­wurf zur Aner­ken­nung des Geno­zids an Arme­ni­ern mit 27 zu 21 Stim­men vor­ge­legt. Er mach­te damit den Weg frei für die end­gül­ti­ge Abstim­mung der rein sym­bo­li­schen US-Reso­lu­ti­on 27–21 im Ple­num des Kon­gres­ses; sie soll Mit­te Novem­ber und noch vor dem Thanks­gi­ving Day (16. Novem­ber) statt­fin­den.

Die Abstim­mun­gen fin­den unter dem mas­si­ven Druck nicht nur diver­ser Lob­by­grup­pen, son­dern vor allem der Regie­rung der USA statt. Acht ehe­ma­li­ge Außen­mi­ni­ster der USA hat­ten sich öffent­lich gegen die Ver­ab­schie­dung der Reso­lu­ti­on aus­ge­spro­chen, weil die­se angeb­lich gro­ße Gefah­ren für die Sicher­heits­la­ge und aus­wär­ti­gen Bezie­hun­gen der USA ber­ge; auch die der­zei­ti­ge Außen­mi­ni­ste­rin Con­do­leez­za Rice und Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Robert Gates wand­ten sich in einer gemein­sa­men Erklä­rung gegen die Reso­lu­ti­on. Prä­si­dent Geor­ge W. Bush, der sich vor sei­ner Wahl zum Prä­si­den­ten den etwa 1,4 Mil­lio­nen arme­nisch­stäm­mi­gen Bür­gern der USA durch das Ver­spre­chen, in sei­ner Amts­zeit den Völ­ker­mord „anzu­er­ken­nen“ emp­foh­len hat­te, appel­lier­te kurz vor der Aus­schuß­sit­zung an die Kon­greß­mit­glie­der, die Reso­lu­ti­on abzu­leh­nen. Er begrün­det sei­ne jet­zi­ge Hal­tung mit den bekann­ten offi­zi­el­len Argu­men­ten der Tür­kei: Die „Mas­sa­ker an den Arme­ni­ern“ sei­en eine histo­ri­sche und kei­ne poli­ti­sche Ange­le­gen­heit. Die tür­ki­sche Bot­schaft in Washing­ton gab bis­her monat­lich über 300.000,- Dol­lar pro Monat aus, um über drei Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fir­men Druck auf die Kon­greß­ab­ge­ord­ne­ten aus­zu­üben. Umso bemer­kens­wer­ter ist der Umstand, daß der Kon­greß dem Druck und den Dro­hun­gen bis­her stand­ge­hal­ten hat.

Geor­ge W. Bush ver­hält sich eben­so wie sein demo­kra­ti­scher Amts­vor­gän­ger Bill Clin­ton. Bei­de hat­ten vor ihrer Wahl eine Aner­ken­nung in Aus­sicht gestellt, aber im Amt ihr Ver­spre­chen gebro­chen. Ver­su­che, im Kon­greß eine Geno­zid-Reso­lu­ti­on zur Abstim­mung zu brin­gen, schei­ter­ten zuletzt im Okto­ber 2000, als Bill Clin­ton buch­stäb­lich 15 Minu­ten vor Abstim­mung mit Beru­fung auf angeb­li­che Gefah­ren für die natio­na­le Sicher­heit die Befas­sung mit der Reso­lu­ti­on von der Tages­ord­nung strei­chen ließ. Es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, daß sich ein sol­ches Sze­na­rio wie­der­ho­len könn­te, nur dies­mal mit repu­bli­ka­ni­scher Rol­len­be­set­zung.

92 Jah­re post fac­tum: Geno­zid oder „tra­gi­sches Leid“? Geor­ge W. Bush zum Völ­ker­mord an den Arme­ni­ern – vor und nach sei­ner Wahl zum US-Prä­si­den­ten

Vor der Wahl, am 19. Febru­ar 2000:

“Das 20. Jahr­hun­dert war von Krie­gen von unvor­stell­ba­rer Bru­ta­li­tät, von Mas­sen­mord und Geno­zid über­schat­tet. Die Geschich­te über­lie­fert, daß die Arme­ni­er das erste Volk war, das im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert die­se Grau­sam­kei­ten erlei­den muß­te. Die Arme­ni­er waren einem geno­zi­da­len Feld­zug aus­ge­setzt, der das Fas­sungs­ver­mö­gen über­steigt und allen anstän­di­gen Men­schen gebie­tet, sich zu erin­nern und die Tat­sa­chen und Lek­tio­nen eines gräß­li­chen Ver­bre­chens in einem Jahr­hun­dert der blu­ti­gen Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit anzu­er­ken­nen. Falls ich zum Prä­si­den­ten gewählt wer­de, wür­de ich dafür ein­tre­ten, daß unse­re Nati­on das tra­gi­sche Lei­den des arme­ni­schen Vol­kes aner­kennt.“

„The twen­tieth cen­tu­ry was mar­red by wars of uni­ma­gin­ab­le bru­ta­li­ty, mass mur­der and geno­ci­de. Histo­ry records that the Arme­ni­ans were the first peop­le of the last cen­tu­ry to have endu­red the­se cru­el­ties. The Arme­ni­ans were sub­jec­ted to a geno­ci­dal cam­pai­gn that defies com­pre­hen­si­on and com­man­ds all decent peop­le to remem­ber and ack­now­ledge the facts and les­sons of an awful crime in a cen­tu­ry of bloo­dy cri­mes against huma­ni­ty. If elec­ted Pre­si­dent, I would ensu­re that our nati­on pro­per­ly reco­gni­zes the tra­gic suf­fe­ring of the Arme­ni­an peop­le.“

Nach der Wahl, am 10. Okto­ber 2007:

“Ich ersu­che die Mit­glie­der, die jetzt vom Aus­wär­ti­gen Aus­schuß des Hau­ses erör­ter­te Reso­lu­ti­on zum arme­ni­schen Geno­zid abzu­leh­nen. Wir alle bedau­ern zutiefst das tra­gi­sche Leid des arme­ni­schen Vol­kes, das 1915 begann. Die­se Reso­lu­ti­on ist nicht die rich­ti­ge Ant­wort auf die­se histo­ri­schen Mas­sen­tö­tun­gen, und ihre Ver­ab­schie­dung wür­de unse­ren Bezie­hun­gen mit einem Haupt­ver­bün­de­ten in der NATO sowie im glo­ba­len Krieg gegen den Ter­ror schwe­ren Scha­den zufü­gen.“

“I urge mem­bers to oppo­se the Arme­ni­an geno­ci­de reso­lu­ti­on now being con­si­de­red by the Hou­se For­eign Affairs Com­mit­tee. We all deeply reg­ret the tra­gic suf­fe­ring of the Arme­ni­an peop­le that began in 1915. This reso­lu­ti­on is not the right respon­se to the­se histo­ric mass kil­lings, and its pas­sa­ge would do gre­at harm to our rela­ti­ons with a key ally in NATO and in the glo­bal war on ter­ror.“

(AGA/ JF)