Extremisten verwüsten koptisches Viertel

(Alex­an­dria / Frank­furt am Main) Mili­tan­te Isla­mi­sten haben am 8. Juni 2007 in der nord­ägyp­ti­schen Stadt Zawy­et Abdel-Qader 30 Kilo­me­ter west­lich von Alex­an­dria ein kop­ti­sches Wohn­vier­tel über­fal­len und ver­wü­stet. Nach Infor­ma­tio­nen der Inter­na­tio­na­len Gesell­schaft für Men­schen­rech­te (IGFM) wur­den sie­ben Chri­sten ver­letzt. Häu­ser und Geschäf­te von Kop­ten wur­den beschä­digt und geplün­dert. Wie die IGFM erfuhr, konn­ten die Isla­mi­sten ein­ein­halb Stun­den lang unbe­hel­ligt im Vier­tel ran­da­lie­ren, ehe die Poli­zei ein­traf und dem Trei­ben ein Ende setz­te.

Wie die IGFM berich­tet, sam­mel­ten sich die isla­mi­sti­schen Gewalt­tä­ter am 8. Juni 2007 nach dem Mit­tags­ge­bet vor einem Kaf­fee­haus in Zawy­et Abdel-Qader, nach­dem sie die Moschee ver­las­sen hat­ten. Per­so­nen von außer­halb brach­ten den Män­nern Taschen mit Waf­fen und Brenn­ma­te­ri­al. Die Grup­pe zog ins christ­li­che Vier­tel und begann, Häu­ser und Geschäf­te von Kop­ten zu zer­stö­ren. Türen und Fen­ster wur­den ein­ge­schla­gen und Geschäf­te geplün­dert. Bei dem Ver­such, ihr Eigen­tum zu schüt­zen, wur­den sie­ben Kop­ten zum Teil schwer ver­letzt. Sie erlit­ten Stich­wun­den sowie durch eine säu­re­ar­ti­ge Flüs­sig­keit Ver­let­zun­gen am Kopf, im Gesicht und am Rücken. Der Mob hat­te gera­de die Kir­chen des Vier­tel erreicht, als die Poli­zei ein­traf und der Gewalt ein Ende setz­te. Acht Isla­mi­sten und zehn Chri­sten wur­den fest­ge­nom­men.

Auch in Dek­hei­la, acht Kilo­me­ter von Alex­an­dria ent­fernt, grif­fen mili­tan­te Isla­mi­sten ver­gan­ge­ne Woche eine christ­li­che Ein­rich­tung an. Der Mob attackier­te am 12. Juni die „Kir­che der Hei­li­gen Jung­frau“ in Dek­hei­la. Nach einem Streit zwi­schen einem Kop­ten und einem Mus­lim eska­lier­te die Situa­ti­on und Gewalt­tä­ter began­nen, die Kir­che mit Fla­schen und Stei­nen zu bewer­fen. Ein Wach­mann der Kir­che schloß sofort alle Türen und Fen­ster und alar­mier­te die Poli­zei, die umge­hend ein­traf und außer gering­fü­gi­gen Schä­den Schlim­me­res ver­hin­dern konn­te. 15 Kop­ten und sie­ben Isla­mi­sten wur­den fest­ge­nom­men.

Die IGFM beob­ach­tet, daß sich die Über­grif­fe gegen die kop­ti­sche Min­der­heit in Ägyp­ten häu­fen. Beson­ders in Ober­ägyp­ten sind die als christ­li­che Min­der­heit stark benach­tei­lig­ten Kop­ten Ziel von Ter­ror, Unter­drückung und Gewalt durch extre­mi­sti­sche Mus­li­me. Im April 2007 wur­de in Alex­an­dria ein Kop­te durch eine Mes­ser­at­tacke getö­tet. Wei­te­re zwölf Chri­sten wur­den zum Teil schwer ver­letzt.

Die IGFM stellt jedoch fest, daß sich die Über­grif­fe nicht mehr nur auf Ober­ägyp­ten beschrän­ken. Im Mai 2007 über­fie­len in der Stadt Beh­ma 60 Kilo­me­ter süd­lich von Kai­ro mili­tan­te Isla­mi­sten Häu­ser und Geschäf­te von Kop­ten mit Zie­gel­stei­nen und Brand­bom­ben, weil sich das Gerücht ver­brei­te­te, die orts­an­säs­si­gen Kop­ten woll­ten eine Kir­che bau­en. Die sofort infor­mier­te Poli­zei erschien erst drei Stun­den nach Beginn der Unru­hen. In der Zwi­schen­zeit ver­ge­wal­tig­ten die Isla­mi­sten kop­ti­sche Frau­en, brann­ten Häu­ser ab und miß­han­del­ten kop­ti­sche Män­ner. Zehn Kop­ten wur­den zum Teil schwer ver­letzt. „Die ägyp­ti­schen Behör­den sind an die­ser Ent­wick­lung nicht ganz unschul­dig. Oft­mals haben sie isla­mi­stisch moti­vier­te Angrif­fe auf Kop­ten nur gering­fü­gig bestraft, um sich den Ärger der isla­mi­schen Bevöl­ke­rung vom Hals zu hal­ten“, kri­ti­siert Mar­tin Les­sent­hin, Vor­stands­spre­cher der IGFM.

(IGFM/JF)