Beraterin von Angela Merkel betont katholische Soziallehre

(Rom) Arbeits­lo­sig­keit, Min­dest­lohn­an­for­de­run­gen, Kin­der­krip­pen… The­men, über die Deutsch­land in die­sen Wochen spricht. Poli­ti­ker und Öko­no­men prä­sen­tie­ren ihre Lösungs­vor­schlä­ge. Auch die katho­li­sche Kir­che kann einen Bei­trag in die wirt­schafts­po­li­ti­sche Dis­kus­si­on ein­brin­gen. Davon ist die jun­ge Öko­no­min Andrea Schnei­der über­zeugt. Sie ist seit kur­zem Bera­te­rin im Stab von Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel. Schnei­der mißt der katho­li­schen Sozi­al­leh­re eine wich­ti­ge Bedeu­tung zu – auch für Deutsch­land.


„Was die Sozi­al­leh­re der katho­li­schen Kir­che betrifft, so soll sie uns einer­seits mit ein­be­zie­hen und ande­rer­seits das Ver­ständ­nis des Men­schen klar­stel­len. Sie gibt uns aber auch Prin­zi­pi­en, die wir anwen­den kön­nen. Das Prin­zip der Soli­da­ri­tät, der Sub­si­dia­ri­tät, des Gemein­wohls. Wir glau­ben in Deutsch­land, die­se Prin­zi­pi­en bereits anzu­wen­den. Aber viel­leicht inter­pre­tie­ren wir die­se Prin­zi­pi­en nicht neu. Sub­si­dia­ri­tät, so wie sie die katho­li­sche Sozi­al­leh­re ver­steht, ist eine zwei­sei­ti­ge Ange­le­gen­heit. Das ist die Sor­ge der Rei­chen, der Wohl­ha­ben­den, denen es gut geht, für die Armen, denen es nicht so gut geht. Auf der ande­ren Sei­te gibt es die­je­ni­ge, die arbeits­los sind oder denen es nicht gut geht, aber auch sie sol­len zur Gesell­schaft bei­tra­gen, was sie bei­tra­gen kön­nen.“

Schnei­der hat in die­sen Tagen in Rom den mit 10.000 US-Dol­lar dotier­ten Novak Award erhal­ten. Benannt nach dem renom­mier­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Theo­lo­gen Micha­el Novak, zeich­net der Preis jun­ge Wis­sen­schaft­ler aus, die in ihrer aka­de­mi­schen Lauf­bahn das Ver­ständ­nis des Zusam­men­hangs von Reli­gi­on, Men­schen­wür­de und wirt­schaft­li­cher Frei­heit beför­dert haben. Andrea Schnei­der hat sich beson­ders für die Bedeu­tung der Enzy­kli­ka „Cen­te­si­mus Annus“ ein­ge­setzt.

„Gera­de als Öko­no­min war „Cen­te­si­mus Annus“ eine ganz wich­ti­ge Lek­tü­re. Es hät­te mir auch sehr gehol­fen, wenn ich „Cen­te­si­mus Annus“ schon im ersten Seme­ster gele­sen hät­te oder wenig­stens im wei­te­ren Ver­lauf des Stu­di­ums. Denn dort habe ich vie­le Grund­la­gen gelernt, die ich im Stu­di­um nicht bekom­men habe. Zum Bei­spiel die Fra­gen: Was macht den Men­schen aus? Wie ist er? Da ist es hilf­reich oder essen­ti­ell, gera­de im Bereich der Wirt­schafts­po­li­tik, wirk­lich gut bera­ten zu kön­nen. Wie sol­len Insti­tu­tio­nen gestrickt wer­den? Wel­cher Art soll­te unse­re Wirt­schaft- und Sozi­al­ord­nung gestal­tet wer­den, damit sie dem Men­schen ent­spricht?“

(Radio Vati­kan)