Der Tod von Hochwürden Florian Kolfhaus

Sohn und Diener der Kirche

Im Gedenken an den Priester, Gelehrten, Diplomaten und Publizisten Msgr. Florian Kolfhaus
Im Gedenken an den Priester, Gelehrten, Diplomaten und Publizisten Msgr. Florian Kolfhaus

Von Ema­nue­le Pressacco*

Am 6. August 2026 starb in Mün­chen Flo­ri­an Kolf­haus, Prie­ster der katho­li­schen Kir­che, Diplo­mat des Hei­li­gen Stuhls und Publi­zist. Er wur­de am 26. Okto­ber 1974 in Strau­bing gebo­ren und hin­ter­lässt ein mensch­li­ches und prie­ster­li­ches Lebens­zeug­nis, in dem sich Stu­di­um, Gebet, kirch­li­cher Dienst und die Lie­be zur Kir­che auf beson­de­re Wei­se mit­ein­an­der verbinden.

Schon in sei­ner Jugend war sein Leben von einer frü­hen Bereit­schaft zum Dienst geprägt. In Strau­bing war er Mini­strant, Jugend­lei­ter und Mit­glied des Jugend­ra­tes der Stadt. Dar­über hin­aus wid­me­te er vie­le Jah­re sei­ne Zeit den Bewoh­nern des Pfle­ge­heims St. Wolf­gang, in dem Kin­der mit gei­sti­ger Behin­de­rung betreut wurden.

Von beson­de­rer Bedeu­tung war sei­ne Zuge­hö­rig­keit zur Katho­li­schen Pfad­fin­der­schaft Euro­pas, bei denen er als Grup­pen­lei­ter tätig war und denen er zeit­le­bens eng ver­bun­den blieb.

Mit sei­ner Mari­en­ver­eh­rung ver­bun­den war ein kon­kre­tes Werk, dem Flo­ri­an Kolf­haus beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­me­te: die Fati­ma­ka­pel­le auf dem Stein­berg bei Thiers­heim. Sie wur­de auf sei­ne Initia­ti­ve hin im Jahr 2003 ange­sto­ßen und am 1. Okto­ber 2005 geweiht. Seit­dem ist sie ein Ort des Gebe­tes und ein Wall­fahrts­ziel für die Pfar­rei­en der Regi­on. Sie war nicht ledig­lich ein Bau­pro­jekt, son­dern der sicht­ba­re Aus­druck einer zutiefst prie­ster­li­chen Hal­tung: Orte zu schaf­fen, an denen der Glau­be bewahrt, gefei­ert und wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann.

Am 15. Sep­tem­ber 2000 emp­fing Flo­ri­an Kolf­haus von Bischof Kurt Krenn von St. Pöl­ten die Prie­ster­wei­he. Nach einer kur­zen Zeit in der Ordens­ge­mein­schaft der Ser­vi Jesu et Mariae setz­te er sei­nen prie­ster­li­chen Dienst im Bis­tum Regens­burg fort.

Sei­ne Aus­bil­dung führ­te ihn anschlie­ßend nach Rom. Zwi­schen 2004 und 2006 besuch­te er die Päpst­li­che Diplo­ma­ten­aka­de­mie und erwarb an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na das Dok­to­rat in Dog­ma­ti­scher Theo­lo­gie. Sei­ne For­schungs­ar­beit wid­me­te sich dem pasto­ra­len Cha­rak­ter der Leh­re des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Die unter der Lei­tung des Jesui­ten Karl Josef Becker erar­bei­te­te Dis­ser­ta­ti­on unter­such­te Unita­tis Red­in­te­gra­tio, Dignita­tis Hum­a­nae und Nost­ra Aet­a­te und befass­te sich dabei mit einer der sen­si­bel­sten Fra­gen der Rezep­ti­on des Kon­zils: der Fra­ge, auf wel­che Wei­se ein öku­me­ni­sches Kon­zil sei­ne Auto­ri­tät in der Leh­re der Kir­che aus­übt. Flo­ri­an Kolf­haus erwarb außer­dem das Lizen­ti­at im Kano­ni­schen Recht.

Sei­ne Refle­xi­on über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ver­such­te, die­ses jen­seits ideo­lo­gi­scher Gegen­sät­ze zu betrach­ten. Bei der For­mu­lie­rung bestimm­ter Kon­zils­tex­te unter­schied er zwi­schen dem tra­di­tio­nel­len munus deter­mi­n­an­di und einer Form der Aus­übung des Lehr­am­tes, die er als munus prae­di­can­di bezeich­ne­te: einer authen­ti­schen und maß­geb­li­chen Leh­re, die auf das kon­kre­te Leben der Kir­che aus­ge­rich­tet ist, jedoch nicht not­wen­dig in der Form jener lehr­amt­li­chen Defi­ni­tio­nen zum Aus­druck kommt, wie sie für die frü­he­re kon­zi­lia­re Tra­di­ti­on kenn­zeich­nend waren. Mit die­ser Per­spek­ti­ve woll­te er ein Instru­ment für eine Deu­tung des Kon­zils anbie­ten, die sowohl eine ideo­lo­gi­sche Ver­ab­so­lu­tie­rung sei­ner Tex­te als auch deren Zurück­wei­sung vermeidet.

Sei­ne theo­lo­gi­sche und juri­sti­sche Kom­pe­tenz führ­te bald in den diplo­ma­ti­schen Dienst. Hochw. Flo­ri­an Kolf­haus wur­de an die Apo­sto­li­sche Nun­tia­tur in Bogo­tá in Kolum­bi­en sowie zum Euro­pa­rat in Straß­burg ent­sandt. Ab 2009 war er in der Sek­ti­on für die Bezie­hun­gen mit den Staa­ten des Staats­se­kre­ta­ri­ats des Hei­li­gen Stuhls tätig, wo er sich auch mit den Bezie­hun­gen zu inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen befass­te. Zu den The­men, denen er beson­de­re Auf­merk­sam­keit wid­me­te, gehör­ten die Lage der Chri­sten in Euro­pa und die Fra­ge der Religionsdiskriminierung.

Am 19. Juli 2011 wur­de er zum Kaplan Sei­ner Hei­lig­keit ernannt und erhielt damit den Titel eines Mon­si­gno­re. Neben sei­nen diplo­ma­ti­schen und insti­tu­tio­nel­len Auf­ga­ben übte er wei­ter­hin sei­nen prie­ster­li­chen Dienst aus, unter ande­rem als Kaplan der Capi­to­li­na, einer katho­li­schen römi­schen Stu­den­ten­ver­bin­dung. Außer­dem war er asso­zi­ier­tes Mit­glied der Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Päpst­li­chen Aka­de­mie. Ab Sep­tem­ber 2017 wirk­te er als Bera­ter an der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Prag.

Wenn er in der Diplo­ma­tie sei­ne Kennt­nis­se in den Dienst des Hei­li­gen Stuhls stell­te, fand er im Schrei­ben hin­ge­gen einen beson­de­ren Raum, um den Glau­ben zu ver­tie­fen und wei­ter­zu­ge­ben. Sei­ne Bücher zei­gen eine beson­de­re Vor­lie­be für das Lei­den Chri­sti, den Rosen­kranz und die maria­ni­sche Spiritualität.

In Via Dolo­ro­sa – Der Kreuz­weg Chri­sti führt Hochw. Flo­ri­an Kolf­haus den Leser auf dem Weg des Lei­dens Chri­sti und ver­steht den Kreuz­weg nicht ledig­lich als Fröm­mig­keits­übung, son­dern als einen Weg der Betrach­tung des Geheim­nis­ses der Erlösung.

Der Jung­frau Maria wid­me­te er Totus tuus, Maria – Zwölf Tage der Vor­be­rei­tung auf die Wei­he an die Got­tes­mut­ter und zur Ver­tie­fung des geist­li­chen Lebens nach den Schrif­ten des hei­li­gen Lud­wig Maria Gri­g­nion de Mont­fort. Eine ähn­li­che maria­ni­sche und kon­tem­pla­ti­ve Prä­gung kenn­zeich­net Der Rosen­kranz – Theo­lo­gie auf Knien, ein Titel, der tref­fend zusam­men­fasst, wie Hochw. Flo­ri­an Kolf­haus das Ver­hält­nis zwi­schen theo­lo­gi­scher Refle­xi­on und Gebet verstand.

Sei­ne Mario­lo­gie fand eine beson­ders eigen­stän­di­ge Aus­ar­bei­tung in dem Buch Stär­ker als der Tod – War­um Maria nicht starb. Dar­in ver­trat er die The­se, Maria habe ihr irdi­sches Leben voll­endet, ohne den Tod zu durch­schrei­ten, und sei lebend in die Herr­lich­keit auf­ge­nom­men worden.

Zu der Viel­falt sei­ner Schrif­ten gehört auch die Her­aus­ga­be der Tage­bü­cher des Diplo­ma­ten Msgr. Giu­sep­pe Cano­vai. Bei Flo­ri­an Kolf­haus waren der Prie­ster, der Gelehr­te und der Diplo­mat daher kei­ne von­ein­an­der getrenn­ten Lebens­be­rei­che, son­dern Aus­druck ein und der­sel­ben Beru­fung. Die Genau­ig­keit des Wis­sen­schaft­lers, die in den Jah­ren bei den Pfad­fin­dern erwor­be­ne Dis­zi­plin, die Wei­te sei­ner inter­na­tio­na­len Erfah­run­gen und die Sen­si­bi­li­tät des Prie­sters flos­sen in einer Exi­stenz zusam­men, die ganz auf den Dienst an der Kir­che aus­ge­rich­tet war.

Sein Erbe bleibt sei­nen Schrif­ten, den von ihm mit­ge­stal­te­ten Gebets­stät­ten, den Men­schen, die er in sei­nem prie­ster­li­chen Dienst beglei­tet hat, und dem Zeug­nis eines vom Zusam­men­spiel von Bil­dung und Glau­ben gepräg­ten Lebens anvertraut.

Die letz­ten Jah­re sei­nes Lebens ver­brach­te er krank in Bay­ern. Der Kir­che, die ihn als Sohn und Die­ner auf­ge­nom­men hat­te, und allen, die ihn kann­ten, bleibt nun die Auf­ga­be des Geden­kens. Ein dank­ba­res Geden­ken – vor allem aber ein betendes.

Requi­em aeter­nam dona ei, Domi­ne, et lux per­pe­tua luceat ei. Requiescat in pace. 

*Ema­nue­le Press­ac­co ist ein ita­lie­ni­scher Publi­zist, der sich in sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen ins­be­son­de­re mit katho­li­scher Kir­chen­ge­schich­te, kirch­li­cher Tra­di­ti­on und dem reli­giö­sen Leben der Gegen­wart beschäf­tigt. Er publi­ziert regel­mä­ßig bei Cor­ri­spon­den­za Roma­na und ver­bin­det histo­ri­sche Recher­che mit einer katho­li­schen Perspektive.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*