Wenn sich Priester wie Finanzberater kleiden?


Generalvikar Wagener von Luxemburg
Generalvikar Wagener von Luxemburg

(Luxem­burg) Das Pho­to zeigt Msgr. Leo Wage­ner, den Gene­ral­vi­kar des Erz­bis­tums Luxem­burg.  „Klei­der machen Leu­te“, sagt der Volks­mund, und so steht auch der Ver­kün­di­gungs­stil in einem Zusam­men­hang mit dem Kleidungsstil. 

Vor noch nicht all­zu lan­ger Zeit nann­te man es „Räu­ber­zi­vil“, wenn ein Prie­ster nicht an sei­ner Klei­dung zu erken­nen ist. Dabei ist die Klei­dung eines Prie­sters von der Kir­che vor­ge­schrie­ben. Selbst im deut­schen Sprach­raum haben die Bischofs­kon­fe­ren­zen bestimmt , daß der Prie­ster „in der Öffent­lich­keit durch sei­ne Klei­dung ein­deu­tig als sol­cher erkenn­bar sein“ muß. Wäh­rend die Kir­che all­ge­mein die Sou­ta­ne als das All­tags­ge­wand des Prie­sters vor­schreibt, wur­de von den Bischofs­kon­fe­ren­zen für den deut­schen Sprach­raum das römi­sche Kol­lar oder der Ora­to­ria­ner­kra­gen fest­ge­legt. Nur in „begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len“ darf ein „dunk­ler Anzug mit Kreuz“ getra­gen wer­den. Die viel­fa­che und seit Jahr­zehn­ten andau­ern­de Nicht­ein­hal­tung der Klei­der­ord­nung spie­gelt die all­ge­mei­ne Nicht­ein­hal­tung kirch­li­cher Nor­men ein­schließ­lich der unver­kürz­ten Glau­bens­ver­kün­di­gung wie­der. Sie gibt auch Aus­kunft über den Wil­len der zustän­di­gen Bischö­fe, für die Ein­hal­tung zu sorgen.

„Wenn Prie­ster sich wie Finanz­be­ra­ter klei­den …“, schreibt das katho­li­sche Monats­ma­ga­zin Il Timo­ne zum Bild und über­läßt wei­te­re Schluß­fol­ge­run­gen dem Leser. Das Maga­zin ver­öf­fent­lich­te dazu einen Aus­zug aus dem Schrei­ben von Papst Johan­nes Paul II. an Kar­di­nal­vi­kar Ugo Polet­ti vom 8. Sep­tem­ber 1982.

„Aus­ge­sandt von Chri­stus zur Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums haben wir eine Bot­schaft wei­ter­zu­ge­ben, die sich sowohl in Wor­ten als auch in äuße­ren Zei­chen aus­drückt, beson­ders in der heu­ti­gen Welt, die sich so sen­si­bel für die Spra­che der Bil­der zeigt. Die Prie­ster­klei­dung, wie die der Ordens­leu­te, hat eine beson­de­re Bedeu­tung: für den Diö­ze­san­prie­ster hat sie in erster Linie den Cha­rak­ter eines Zei­chens, das ihn von der welt­li­chen Umge­bung unter­schei­det, in der er lebt; für den Ordens­mann und für die Ordens­frau bringt sie auch den Cha­rak­ter der Wei­he zum Aus­druck und hebt die escha­to­lo­gi­sche Ziel­set­zung des Ordens­le­bens her­vor. Die Klei­dung nützt also dem Zweck der Evan­ge­li­sie­rung und ver­an­laßt dazu, über die Wirk­lich­keit nach­zu­den­ken, die wir in der Welt reprä­sen­tie­ren und auch über den Vor­rang der geist­li­chen Wer­te, den wir in der Exi­stenz des Men­schen bekräf­ti­gen. Mit Hil­fe die­ses Zei­chens wird es den ande­ren leich­ter gemacht, zum Geheim­nis zu gelan­gen, des­sen Trä­ger wir sind, zu Ihm, dem wir nach­fol­gen und den wir mit unse­rem gan­zen Sein ver­kün­den wollen.“

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Il Timone