„Eventlocation“ Vatikan: Kongreß über Ästhetische Gynäkologie, G‑Punkt und Vagina-Lifting


(Rom) Im Okto­ber 2014 wur­de die Six­ti­ni­sche Kapel­le im Vati­kan an den Por­sche Tra­vel Club ver­mie­tet. Wo sich sonst jeden Tag 15.000 Men­schen drän­gen, um zumin­dest für eini­ge Minu­ten das ein­zig­ar­ti­ge Pracht­werk Michel­an­ge­los betrach­ten zu kön­nen, genos­sen 40 Por­sche­fah­rer das Pri­vi­leg eines Pri­vat­kon­zer­tes. Die Ein­tritts­kar­te zum exklu­si­ven Ereig­nis koste­te 4.990 Euro. Im Gegen­zug für den pri­vi­le­gier­ten Zugang über­wies der Por­sche Tra­vel Club dem Vati­kan eine unge­nann­te Sum­me, ça va sans dire zur Unter­stüt­zung wohl­tä­ti­ger Initia­ti­ven von Papst Franziskus.

Am ver­gan­ge­nen 8. Dezem­ber wur­de ein Licht­spek­ta­kel auf Fas­sa­de und Kup­pel des Peters­doms pro­ji­ziert. Gespon­sert von der Welt­bank tum­mel­ten sich als Licht­spiel Schim­pan­sen, Fische und Hin­dus auf dem alt­ehr­wür­di­gen Gemäuer.

„Schamlippen-Vergrößerung“ und „G‑Spot-Amplification“

Der näch­ste Schritt folgt 2016. Am 20./21. April wird der Vati­kan zum Aus­tra­gungs­ort des 1° World Con­gress der Euro­pean Socie­ty of Aest­e­thic Gyneco­lo­gy (ESAG). Am Päpst­li­chen Patri­sti­schen Insti­tut Augu­sti­nia­num, das sich nor­ma­ler­wei­se mit der Theo­lo­gie­ge­schich­te des Früh­chri­sten­tums befaßt, wird im kom­men­den Jahr über ganz ande­re Argu­men­te dis­ku­tiert: etwa über die „opti­ma­le Sti­mu­lie­rung des G‑Punktes für ein befrie­di­gen­des Sexu­al­le­ben“, über „O‑S­pot-Ampli­fi­ca­ti­on“, „neue Hori­zon­te der Vagi­nal-Rekon­struk­ti­on“, die Ver­grö­ße­rung oder Ver­klei­ne­rung von Scham­lip­pen, Tech­ni­ken zur „Vagi­nal­ver­jün­gung“, „Lif­ting der Cli­to­ris, „neue Aspek­te der sex the­ra­py“ und Kol­po­poe­se, die Anle­gung einer künst­li­chen Vagi­na. Sie wird bei Vagi­nala­pla­sie und Gynat­re­sie ein­ge­setzt, aber auch bei Geschlechts­um­wand­lun­gen von Män­nern zu Frauen.

Eventlocation Vatikan G-Punkt Vagina Lifting Schamlippen Als letz­ter Punkt wird auch „Fema­le Geni­tal Muti­la­ti­on (FGM)“ genannt. Die weib­li­che Geni­tal­ver­stüm­me­lung wird im Islam von allen vier sun­ni­ti­schen Rechts­schu­len befür­wor­tet, wenn auch nicht über­all in glei­chem Aus­maß prak­ti­ziert. Die Scha­fii­ten schrei­ben sie aus­drück­lich vor, was die enor­me Ver­brei­tung der weib­li­chen Geni­tal­ver­stüm­me­lung in Ägyp­ten, dem Jemen, Malay­sia, Indo­ne­si­en, Ost­afri­ka und unter den Kur­den erklärt. Die Mali­ki­ten schrei­ben sie nicht vor, sehen dar­in aber eine Pro­phe­ten­tra­di­ti­on (Moham­med). Im mal­ki­ti­schen Ein­zugs­ge­biet ist sie vor allem im schwarz­afri­ka­ni­schen Teil ver­brei­tet, nicht aber – auf­fal­len­der­wei­se – im einst christ­lich gepräg­ten Nord­afri­ka. Die auf­fäl­li­ge Prä­senz mos­le­mi­scher Mit­glie­der der ESAG dürf­te mit der weib­li­chen Geni­tal­ver­stüm­me­lung zu tun haben.

Als Pro­gramm­punkt des Kon­gres­ses wird auch die Teil­nah­me an der Gene­ral­au­di­enz des Pap­stes genannt. Wäh­rend des Kon­gres­ses sind „Pro­jek­tio­nen“ vor­ge­se­hen. „Soll­ten die­se öffent­lich erfol­gen, ist ein über­füll­ter Peters­platz garan­tiert“, so Mes­sa in Lati­no. Der Vati­kan scheint jeden­falls als Event­lo­ca­ti­on beliebt zu sein.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: ESAG (Screen­shots)