„Maßloser“ Westen – Zweierlei Maß gegenüber Christen und Moslems


Weltverfolgungsindex der Christen Open Doorsvon Johan­nes Becker

(Brüs­sel) Im poli­ti­schen Seg­ment der Mul­ti­kul­tu­ra­li­sten gilt es als Stan­dard, mit zwei­er­lei Maß zu mes­sen. Glo­ba­li­sie­rung betrei­ben sie, trotz anders­lau­ten­der Ver­bal­ver­packung, als Anti-Hal­tung zur Zer­schla­gung gewach­se­ner Ord­nun­gen, gleich­gül­tig ob sich die­se Staat, Volk, Kul­tur, Spra­che, Reli­gi­on oder Fami­lie nen­nen. Ein Blick in ein Nach­bar­land erleich­tert viel­leicht den Zugang zur Frage.

Ita­li­ens Innen­mi­ni­ster Ange­li­no Alfa­no (Neue rech­te Mit­te) schlug jüngst Alarm: „Laut vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen war­ten in Nord­afri­ka zwi­schen 300.000 und 600.000 Men­schen, um das Mit­tel­meer zu über­que­ren. Euro­pa muß sei­ne Gren­zen sichern.“ Die Zahl blei­be kon­stant, weil die Wirt­schafts­mi­gra­ti­on für kri­mi­nel­le Schlep­per­ban­den ein lukra­ti­ves Mil­li­ar­den­ge­schäft ist und daher stän­dig neu ent­facht wird.

Gleich­zei­tig schaff­te das ita­lie­ni­sche Par­la­ment das Delikt der Ille­ga­li­tät ab. Nach jah­re­lan­gem lin­kem Trom­mel­feu­er („Kein Mensch ist ille­gal“) wur­de von der Gro­ßen Koali­ti­on unter Füh­rung der Links­de­mo­kra­ten, ein zen­tra­les Instru­ment gegen ille­ga­le Ein­wan­de­rung gekippt. Nicht der Mensch ist ille­gal, aber sei­ne Hand­lun­gen kön­nen ille­gal sein, etwa auch dann, wenn er unrecht­mä­ßig und unter Miß­ach­tung aller Geset­ze in das Staats­ge­biet eines ande­ren Lan­des ein­dringt. Doch nach links­ra­di­ka­ler Logik gibt es kei­ne Straf­tä­ter, son­dern nur „Opfer“ repres­si­ver Herr­schafts­sy­ste­me, zu dem auch der kapi­ta­li­sti­sche Westen gehört.

Der Erz­bi­schof von Mai­land, Ange­lo Kar­di­nal Sco­la, sag­te auf einer Tagung an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Mai­land: „Die Reli­gi­ons­frei­heit ist solan­ge nicht erfüllt, solan­ge es kei­ne Kult­or­te gibt. Ich wür­de kei­ne gro­ßen Pro­ble­me machen wegen der Mina­ret­te, so lan­ge sie es nicht am Dom­platz machen.“ Die Anspie­lung rich­te­te sich an die Dis­kus­si­on um den Bau von Moscheen mit Mina­ret­ten als demon­stra­ti­vem Bei­werk und die ille­ga­le Beset­zung des Dom­plat­zes durch mos­le­mi­sche Ein­wan­de­rer zum Freitagsgebet.

Minarette kein Problem?

Der Kar­di­nal füg­te hin­zu: „Das Pro­blem ist prak­ti­scher Natur, denn in erster Linie gilt es zu schau­en, wer eine Moschee ver­langt und zu wel­chen Bedin­gun­gen. Ob es sich um eine wirk­li­che Gemein­schaft han­delt oder um eine Ein­fluß­nah­me von außen durch ande­re Staa­ten. Eine Moschee muß im Respekt vor der Geschich­te und der Tra­di­ti­on eines Lan­des errich­tet wer­den, weil der Dia­log zwi­schen den Reli­gio­nen nicht bedeu­tet, sich an einen Tisch zu set­zen, son­dern eine Öff­nung gegen­über den Mos­lems, die hier leben.“

Die Spra­che des Kar­di­nals ist aus dem Mund deut­scher Poli­ti­ker hin­läng­lich bekannt. Die „Will­kom­mens­kul­tur“ för­dert das Frem­de und ernied­rigt im Umkehr­schluß, wenn auch meist unaus­ge­spro­chen das Eige­ne. Zumin­dest wird es bis zur Unkennt­lich­keit versteckt.

Christenverfolgungindex: neun von zehn Staaten sind islamische Länder

So sag­te der Kar­di­nal auch kein Wort zum Schick­sal der Chri­sten in den mehr­heit­lich isla­mi­schen Län­dern. In der World Watch List 2014 von Open Doors Inter­na­tio­nal, einer seit 55 Jah­ren täti­gen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für ver­folg­te Chri­sten, sind neun der zehn Staa­ten, in denen die Chri­sten am schwer­sten ver­folgt wer­den, isla­mi­sche Staa­ten: Soma­lia, Syri­en, Irak, Afgha­ni­stan, Sau­di-Ara­bi­en, Male­di­ven, Paki­stan, Iran und Jemen.

Wie steht es also wirk­lich um den Dia­log zwi­schen den Reli­gio­nen? Unter wel­chen Bedin­gun­gen soll und kann er geführt wer­den? Oder soll es ein Dia­log um des Dia­lo­ges wil­len sein, wie er west­li­chem Den­ken in einer Art Wol­ken­kuckucks­heim so lieb ist? Mit wel­chem Islam soll der Dia­log geführt wer­den: Gibt es ver­schie­de­ne Isla­me? Gibt es einen Islam solan­ge die Men­schen in den isla­mi­schen Staa­ten leben und mit einem Schlag einen ande­ren, sobald sie in den Westen einwandern?

Wie kann die christ­li­che Reli­gi­on der mos­le­mi­schen gleich­ge­stellt wer­den, die in vie­len Län­dern die Ver­fol­gung und Dis­kri­mi­nie­rung der Chri­sten betreibt? Auf der Grund­la­ge wel­cher mensch­li­chen Logik beab­sich­tigt man eine „Öff­nung gegen­über den Mos­lems, die hier leben“, ohne gleich­zei­tig mit den Instru­men­ten der Diplo­ma­tie und des Völ­ker­rechts in den Her­kunfts­län­dern der Ein­wan­de­rer die Ein­hal­tung der ele­men­tar­sten Men­schen­rech­te ein­zu­for­dern? Zu die­sen gehört auch das Recht auf Reli­gi­ons­frei­heit, die kei­ne Ein­bahn­stra­ße sein kann. Und dazu gehört auch die Bekämp­fung des Men­schen­han­dels, den kri­mi­nel­le Schlep­per­or­ga­ni­sa­tio­nen in gro­ßem Stil betrei­ben und die Mas­sen­wan­de­rung in den Westen immer neu anfachen.

Bild: Open Doors