Paglias Pfeile gegen Ratzinger und Familiaris Consortio

Amoris laetitia
Msgr. Vincenzo Paglia am 17. März bei seinem Vortrag über Amoris laetitia. In Kombination mit einem Interview, das er dort gab, erhellt er die Strategie des Heiligen Stuhls in Sachen Amoris laetitia.

(Rom) Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia ist der Über­zeu­gung, daß „sehr weni­ge“ der Kri­ti­ker des umstrit­te­nen Apo­sto­li­schen Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia über­haupt gele­sen haben. Sei­ne Pfei­le zie­len aber noch weit tie­fer.

Aleteia-Interview mit Msgr. Paglia
Ale­teia-Inter­view mit Msgr. Paglia

Msgr. Paglia gehört der Gemein­schaft von Sant’Egidio an. Er war bereits „Fami­li­en­mi­ni­ster“ des Hei­li­gen Stuhls und ist seit Auf­lö­sung des Päpst­li­chen Fami­li­en­ra­tes Groß­kanz­ler des neu aus­ge­rich­te­ten Päpst­li­chen Theo­lo­gi­schen Insti­tuts Johan­nes Paul II. für Ehe- und Fami­li­en­wis­sen­schaf­ten (vor­mals Päpst­li­ches Insti­tut Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie) und Vor­sit­zen­der der eben­falls umge­bau­ten Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben. Sei­ne Ernen­nung zum „Lebens­schutz­mi­ni­ster“ des Vati­kans, wur­de von der inter­na­tio­na­len Lebens­rechts­be­we­gung nicht als beson­ders ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me wahr­ge­nom­men.

Er gehört nicht zum eng­sten Ver­trau­ten­kreis von Papst Fran­zis­kus, dafür aber zu sei­nen eif­ri­gen Par­tei­gän­gern.

Vor kur­zem hielt sich Msgr. Paglia in Mexi­ko auf, wo er der mehr­spra­chi­gen Nach­rich­ten­platt­form Ale­teia ein Inter­view gab, das gestern unter dem Titel „Paglia über Amo­ris lae­ti­tia: ‚Die Kir­che muß eine Mut­ter sein, nicht ein Gericht‘“ ver­öf­fent­licht wur­de.

Kritiker und Medien sind schuld

Gleich die erste Fra­ge des Inter­view­ers Jai­me Sep­tién lau­te­te:

Ale­teia: War­um hat Amo­ris lae­ti­tia so vie­le Kon­tro­ver­sen aus­ge­löst? Wer­den jene, die es attackie­ren, gele­sen haben?

Msgr. Paglia: Ich glau­be, daß es nur weni­ge gele­sen haben wer­den, aber vie­le haben hef­tig dar­auf reagiert, vor allem gegen das ach­te Kapi­tel. Die Pres­se hat die Kom­mu­ni­on für die Geschie­de­nen als ein Haupt­ele­ment des Schrei­bens dar­ge­stellt. Das ist aber nicht das vor­ran­gi­ge The­ma.
Papst Fran­zis­kus woll­te die Auf­merk­sam­keit der Kir­che auf das The­ma der Fami­lie len­ken. Wor­über er sich Sor­gen mach­te, war nicht, eine neue Defi­ni­ti­on der Fami­lie zu ent­wickeln, son­dern sich der rea­len Situa­ti­on der Fami­li­en in der Welt zu stel­len und wie ihnen gehol­fen wer­den kann, bes­ser zu leben, beson­ders jenen, sie sich in grö­ße­ren Schwie­rig­kei­ten befin­den. Die Kir­che muß eine Mut­ter sein, nicht ein Gericht.
Die Kir­che hat ver­stan­den, daß sie auf der Sei­te der Fami­li­en ste­hen muß, um ihnen zu hel­fen, nicht um über sie zu urtei­len und noch weni­ger, um sie zu ver­ur­tei­len.
In die­sem Sinn ist Amo­ris lae­ti­tia ein Text vol­ler Sym­pa­thien für die Fami­lie, von gro­ßer Sym­pa­thie für alles, was den Geschmack von „Fami­lie“ hat, auch wenn es in ihnen sehr pro­ble­ma­ti­sche Situa­tio­nen gibt.
Papst Fran­zis­kus sagt: „Hel­fen wir ihnen, ver­ur­tei­len wir sie nicht“. War­um? Weil die Fami­lie das Herz der Kir­che und der Gesell­schaft ist. Sie zu zer­stö­ren oder nicht auf die Fami­lie zu ach­ten, heißt, nicht auf die Zukunft und die christ­li­che Gemein­schaft und die Gesell­schaft selbst zu ach­ten.

Die Medien und die Absicht von Amoris laetitia

Bemer­kens­wert an der Aus­sa­ge ist vor allem die Schuld­zu­wei­sung an die Medi­en. Die­se hät­ten in der Berichts­er­stat­tung über Amo­ris lae­ti­tia eine fal­sche Akzent­set­zung vor­ge­nom­men und dadurch die Kon­flik­te pro­vo­ziert. Nun sind es aber gera­de Papst Fran­zis­kus und die Ber­go­glia­ner, die einen sehr guten Draht zu den Medi­en haben. Eine fal­sche, vom Hei­li­gen Stuhl nicht gewoll­te Akzent­set­zung ist daher aus­zu­schlie­ßen. Gegen Pagli­as Aus­le­gung spricht auch die Gesamt­aus­rich­tung, mit der Papst Fran­zis­kus im Som­mer 2013 die Fami­li­en­syn­oden ein­be­rief, und noch deut­li­cher die Akzent­set­zung von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per in sei­ner Rede vor dem Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um am 20. Febru­ar 2014. Mit die­ser Rede war er von Papst Fran­zis­kus beauf­tragt wor­den.

Amoris laetitia
Msgr. Paglia in Mexi­ko

Die ein­zi­ge, wirk­li­che Neue­rung, die mit Amo­ris lae­ti­tia ein­ge­führt wur­de, betrifft die Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten, und damit die Aner­ken­nung – in wel­chem Grad auch immer – von Schei­dung und Ehe­bruch durch die Kir­che. Der Hei­li­ge Stuhl bedient sich der­sel­ben Medi­en, die Msgr. Paglia im Ale­teia-Inter­view kri­ti­siert, um die­se Neue­rung, die Grund des Wider­spruchs und der Kon­tro­ver­sen ist, bekannt­zu­ma­chen und durch­zu­set­zen. Papst Fran­zis­kus, und nicht „die Medi­en“, bezeich­ne­te die Richt­li­ni­en zur Umset­zung des umstrit­te­nen ach­ten Kapi­tels durch die Bischö­fe der Kir­chen­pro­vinz Bue­nos Aires, der Hei­mat­pro­vinz von Papst Fran­zis­kus, als ein­zig rich­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on: „Es gibt kei­ne ande­re“.

Fran­zis­kus war es, und nicht „die Medi­en“, der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin beauf­trag­te, die Richt­li­ni­en von Bue­nos Aires und das päpst­li­che Lob dafür, in den Acta Apo­sto­li­cae Sedis zu ver­öf­fent­li­chen, und sie damit zu einem Teil des „authen­ti­schen Lehr­am­tes“ zu machen.

Der Ablen­kungs­ver­such, den Paglia im Ale­teia-Inter­view unter­nimmt, liegt auf einer Linie mit dem von Papst Fran­zis­kus als dem eigent­li­chen Regis­seur hin­ter der gan­zen Ange­le­gen­heit vor­ge­ge­be­nen Kurs, und an die­sem Kurs haf­tet in Sum­me wie in den Details eine gehö­ri­ge Por­ti­on Unehr­lich­keit (sie­he auch die Ent­hül­lung von Erz­bi­schof Bru­no For­te).

So wirkt auch Pagli­as Ant­wort auf die Fra­ge von Jai­me Sep­tién unehr­lich und iro­nisch. Iro­nisch wirkt die rein sub­jek­ti­ve, aber im Brust­ton der Gewiß­heit („ich glau­be“) vor­ge­tra­ge­ne Behaup­tung, nur „sehr weni­ge“ der Kri­ti­ker von Amo­ris lae­ti­tia, hät­ten das Doku­ment über­haupt gele­sen. Offen­sicht­li­cher scheint, daß Paglia viel­mehr die Kri­tik an Amo­ris lae­ti­tia nicht gele­sen hat, nicht ein­mal die Dubia meh­re­rer Kar­di­nä­le, sonst wüß­te er das Gegen­teil.

Hat der Autor Amoris laetitia gelesen?

Im April 2016 stand viel­mehr eine ganz ande­re Fra­ge im Raum.

Rückflug von Lesbos, April 2016
Rück­flug von Les­bos, April 2016

Am 8. April hat­te Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born in Rom das seit Mona­ten mit größ­ter Span­nung und eini­gen Befürch­tun­gen erwar­te­te Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt.

Am 16. April 2016, eine gute Woche spä­ter, wur­de Papst Fran­zis­kus auf dem Rück­flug von der Insel Les­bos auch zu Amo­ris lae­ti­tia, dem damals meist­dis­ku­tier­ten The­ma befragt. Die offi­zi­el­le Wie­der­ga­be die­ses Teils der flie­gen­den Pres­se­kon­fe­renz, wie sie vom Vati­kan ver­öf­fent­licht wur­de:

(Fran­cis Roc­ca, Wall Street Jour­nal)

Dan­ke, Hei­li­ger Vater! Ich sehe, dass die Fra­gen zur Ein­wan­de­rung, die ich mir über­legt hat­te, bereits gestellt wor­den sind, und Sie haben sehr gut geant­wor­tet. Wenn Sie mir also erlau­ben, wür­de ich ger­ne eine Fra­ge zu einem ande­ren Ereig­nis der letz­ten Tage stel­len, näm­lich zum Apo­sto­li­schen Schrei­ben. Wie Sie gut wis­sen, hat es nach der Ver­öf­fent­li­chung um einen der zahl­rei­chen Punk­te – ich weiß, wir haben uns sehr dar­auf kon­zen­triert – viel Dis­kus­si­on gege­ben: Eini­ge behaup­ten, es habe sich in Bezug auf die Dis­zi­plin, die den Zugang der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten regelt, nichts geän­dert und das Gesetz und die pasto­ra­le Pra­xis und natür­lich die Leh­re blie­ben so bestehen; ande­re behaup­ten hin­ge­gen, es habe sich viel geän­dert und es gebe vie­le neue Öff­nun­gen und Mög­lich­kei­ten. Die Fra­ge ist nun für eine Per­son, einen Katho­li­ken, der wis­sen möch­te: Gibt es neue kon­kre­te Mög­lich­kei­ten, die vor der Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens nicht bestan­den, oder gibt es sie nicht?

(Papst Fran­zis­kus)

Ich könn­te sagen: „Ja“ und nichts wei­ter. Aber das wäre eine zu enge Ant­wort. Ich emp­feh­le Ihnen allen, die Prä­sen­ta­ti­on zu lesen, die Kar­di­nal Schön­born gehal­ten hat, der ein gro­ßer Theo­lo­ge ist. Er ist Mit­glied der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re und kennt die Leh­re der Kir­che gut. In jener Prä­sen­ta­ti­on wird Ihre Fra­ge ihre Ant­wort fin­den. Dan­ke.

(Jean-Marie Gué­nois, Le Figa­ro)

Ich hat­te die­sel­be Fra­ge, aber es ist eine ergän­zen­de Fra­ge, denn man hat nicht ver­stan­den, war­um Sie die­se berühm­te Anmer­kung in Amo­ris lae­ti­tia über die Pro­ble­me der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen – die Anmer­kung 351 – geschrie­ben haben. War­um etwas so Wich­ti­ges in einer klei­nen Anmer­kung? Haben Sie Oppo­si­tio­nen vor­aus­ge­se­hen, oder woll­ten Sie sagen, dass die­ser Punkt nicht so wich­tig ist?

(Papst Fran­zis­kus)

Hören Sie, einer der letz­ten Päp­ste hat in einem Gespräch über das Kon­zil gesagt, dass es zwei Kon­zi­le gege­ben hat: das Vati­ka­num II, das in der Peters­ba­si­li­ka statt­fand, und das ande­re, das „Kon­zil der Medi­en“. Als ich die erste Syn­ode ein­be­rief, war das gro­ße Kopf­zer­bre­chen der Mehr­heit der Medi­en: Wer­den die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen? Und da ich nicht hei­lig bin, hat mir das ein biss­chen Ver­druss berei­tet und mich auch ein biss­chen trau­rig gemacht. Denn ich den­ke: Aber merkt denn die­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, wel­ches das und das und das sagt, nicht, dass dies nicht das wich­ti­ge Pro­blem ist? Merkt es nicht, dass die Fami­lie in aller Welt in einer Kri­se ist? Und die Fami­lie ist die Basis der Gesell­schaft! Merkt es nicht, dass die jun­gen Men­schen nicht hei­ra­ten wol­len? Merkt es nicht, dass der Gebur­ten­rück­gang in Euro­pa zum Wei­nen ist? Merkt es nicht, dass der Arbeits­man­gel und die Arbeits­mög­lich­kei­ten dazu füh­ren, dass der Vater und die Mut­ter bei­de zur Arbeit gehen und die Kin­der allei­ne auf­wach­sen, ohne zu ler­nen, in einem Dia­log mit dem Vater und der Mut­ter zu rei­fen? Das sind die gro­ßen Pro­ble­me! Ich erin­ne­re mich nicht an die­se Anmer­kung, aber wenn so etwas in der Anmer­kung steht, dann sicher, weil es in Evan­ge­lii gau­di­um gesagt wur­de. Sicher! Es muss ein Zitat aus Evan­ge­lii gau­di­um sein. Ich erin­ne­re mich nicht an die Num­mer, aber es ist sicher.

Was ant­wor­te­te Papst Fran­zis­kus damals? Das Gan­ze noch ein­mal:

„Ich erin­ne­re mich nicht an die­se Anmer­kung, aber wenn so etwas in der Anmer­kung steht, dann sicher, weil es in Evan­ge­lii gau­di­um gesagt wur­de. Sicher! Es muss ein Zitat aus Evan­ge­lii gau­di­um sein. Ich erin­ne­re mich nicht an die Num­mer, aber es ist sicher.“

Die Fuß­no­te 351 ist der umstrit­ten­ste Teil von Amo­ris lae­ti­tia, dar­um dreht sich alles: die Fra­ge­bö­gen vor den Fami­li­en­syn­oden, die Kas­per-Rede von 2014, die Fami­li­en­syn­oden 2014 und 2015, die ver­schie­de­nen Syn­oden­be­rich­te und Amo­ris lae­ti­tia selbst, und der Papst, der Autor des Schrei­bens, konn­te sich acht Tage nach der Prä­sen­ta­ti­on des Schrei­bens nicht dar­an „erin­nern“?

Die Fra­ge lau­te­te des­halb damals: Hat der Autor von Amo­ris lae­ti­tia, Papst Fran­zis­kus, das Doku­ment selbst gar nicht gele­sen?

Was geschah an die­ser Stel­le im Flug­zeug? Der dama­li­ge Vati­kan­spre­cher, Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ, würg­te die Pres­se­kon­fe­renz abrupt ab:

(Pater Lom­bar­di)

Dan­ke, Hei­lig­keit, Sie haben uns ein aus­führ­li­ches Gespräch über The­men die­ser Rei­se gewährt und es hat sich jetzt sogar auf das Apo­sto­li­sche Schrei­ben aus­ge­wei­tet. Wir wün­schen Ihnen eine gute Rei­se und eine gute Fort­set­zung Ihrer Arbeit.

(Papst Fran­zis­kus)

Dan­ke für Ihre Beglei­tung. Wirk­lich, ich füh­le mich sicher mit Ihnen. Vie­len Dank! Dan­ke für die Beglei­tung.

Fehlende Ehrlichkeit

Die Unehr­lich­keit, die von Papst Fran­zis­kus und sei­nen Adla­ten in der gan­zen Ange­le­gen­heit an den Tag gelegt wur­de, läßt sich am Bei­spiel Paglia leicht nach­wei­sen. Bei­spie­le gäbe es vie­le, doch soll nur das jüng­ste her­an­ge­zo­gen wer­den, weil es in direk­ten Zusam­men­hang mit dem Ale­teia-Inter­view gebracht wer­den kann.

Paglias Vortrag vom 17. März
Pagli­as Vor­trag vom 17. März

Msgr. Paglia befand sich vom 13.–18. März in Mexi­ko, um erst­mals in sei­ner Funk­ti­on als Groß­kanz­ler, die er seit andert­halb Jah­ren aus­übt, die dor­ti­ge Nie­der­las­sung des Päpst­li­chen Theo­lo­gi­schen Insti­tuts Johan­nes Paul II. für Ehe- und Fami­li­en­wis­sen­schaf­ten zu besu­chen.

Paglia hielt in Mexi­ko am 17. März im Rah­men einer Tagung über Amo­ris lae­ti­tia einen Vortrag((Organisiert wur­de die Tagung vom CISAV — Cen­tro de Inve­sti­ga­ción Social Avanza­da. Inve­sti­ga­ción y edu­cación en Filo­sofía, Bio­é­ti­ca, Géne­ro, Fami­lia y Cien­ci­as Socia­les in Que­ré­ta­ro.)), der auf der Inter­net­sei­te der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben ver­öf­fent­licht wur­de. Wor­über sprach der Kuri­en­erz­bi­schof in Mexi­ko also zum Apo­sto­li­schen Schrei­ben, bei dem – laut sei­ner Aus­sa­ge – die Medi­en eine fal­sche Akzent­set­zung ver­ant­wort­lich sei­en? Setz­te er die „rich­ti­gen“ Akzen­te, jene von Fran­zis­kus beab­sich­tig­ten Schwer­punk­te, die nichts mit dem ach­ten Kapi­tel zu tun hät­ten? Nein, nichts der­glei­chen. Er sprach über „Das Ach­te Kapi­tel: Gra­dua­li­tät und pasto­ra­le Unter­schei­dung in Amo­ris lae­ti­tia“.

Im Text fin­det sich kein Wort von einer nicht gewoll­ten Akzent­set­zung, die ledig­lich von den Medi­en erzwun­gen sei. Ganz im Gegen­teil.

Der Angriff auf Kardinal Ratzinger und Familiaris consortio

Viel­mehr fin­det sich dar­in auf Sei­te 6 ein Angriff gegen Bene­dikt XVI., als er noch Kar­di­nal­prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on war. Dabei geht es dar­um, daß wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, weil sie im stän­di­gen Zustand einer schwe­ren Sün­de leben, von bestimm­ten Auf­ga­ben in der Kir­che nicht aus­üben dür­fen (Paten­schaft, Lek­to­ren­dienst, außer­or­dent­li­che Kom­mu­ni­ons­pen­dung, Reli­gi­ons­leh­rer, Kate­chi­sten zur Vor­be­rei­tung auf die Erst­kom­mu­ni­on und die Fir­mung, Mit­glied­schaft im Pfarr­ge­mein­de­rat). „Erst“ Kar­di­nal Ratz­in­ger habe die­sen Aus­schluß ver­an­kert, so Paglia tadelnd. Der eigent­li­che Angriff gegen den dama­li­gen Glau­bens­prä­fek­ten gilt aber Papst Johan­nes Paul II. und der Num­mer 84 des Apo­sto­li­schen Schrei­bens Fami­lia­ris con­sor­tio. Dort schärf­te der pol­ni­sche Papst im Anschluß an die von ihm gewoll­te Fami­li­en­syn­ode von 1980 ein, daß wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, die aus trif­ti­gen Grün­den (Kin­der­er­zie­hung) sich nicht tren­nen könn­ten, keusch wie Bru­der und Schwe­ster zusam­men­le­ben sol­len, wenn sie zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den wol­len.

Man­che Kri­ti­ker spre­chen davon, daß Amo­ris lae­ti­tia und die Dop­pel-Syn­ode über die Fami­lie über­haupt nur einen Zweck hat­te: die­se Ant­wort der Kir­che von 1981 zu annul­lie­ren.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Twitter/Cisav/PAV/Vatican.va (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Mir ist noch etwas ande­res auf­ge­fal­len. Fran­cis Roc­ca vom Wall Street Jour­nal ent­fleucht doch tat­säch­lich ein Wert­ur­teil über Aus­sa­gen des Pap­stes: „… Sie haben sehr gut geant­wor­tet.“ Ist dies nur eine unhöf­li­che Anma­ßung eines Repor­ters oder ist es sogar ganz selbst­ver­ständ­lich maß­geb­lich, wie das Wall Street Jour­nal sogar Papst­aus­sa­gen beur­teilt?

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