Papst Franziskus und die falsche Anklage gegen die katholische Kirche — Die Wahrheit über die Bartholomäusnacht

Francois Dubois: Bartholomäusnacht
"Bartholomäusnacht" von Francois Dubois, einem französischen Hugenotten, der allerdings nicht Augenzeuge war.

(Rom) Am ver­gan­ge­nen 11. Novem­ber konn­te Euge­nio Scal­fa­ri, der Grün­der und Haupt­ko­lum­nist der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung La Repub­bli­ca wie­der einer „Tref­fer“ lan­den. Papst Fran­zis­kus gewähr­te ihm erneut ein Inter­view, die in katho­li­schen Krei­sen bereits als „berüch­tigt“ gel­ten. Scal­fa­ri, der Doy­en des lin­ken Jour­na­lis­mus aus einer Fami­lie mit frei­mau­re­ri­scher Tra­di­ti­on, hat­te in der Ver­gan­gen­heit zuge­ge­ben, daß er die Ant­wor­ten des Papst selbst for­mu­liert. Sie wür­den aller­dings inhalt­lich die Mei­nung des katho­li­schen Kir­chen­ober­haup­tes getreu wie­der­ge­ge­ben. Trotz der unge­wöhn­li­chen Vor­gangs­wei­se besteht kein Grund, an Scal­fa­ris Anga­ben zu zwei­feln. Die von ihm dem Papst in den Mund geleg­ten Wor­te wur­den vom Vati­kan bis­her nie demen­tiert. Die ersten Inter­views fan­den sogar Ein­gang in einen vom Vati­kan­ver­lag her­aus­ge­ge­ben Sam­mel­band. Im jüng­sten Inter­view unter­nimmt Papst Fran­zis­kus einen histo­ri­schen Exkurs und bezich­tigt dabei die katho­li­sche Kir­che, das „grau­sam­ste Gemet­zel“ aller Reli­gi­ons­krie­ge unter­stützt zu haben, weil sie die „welt­li­che Macht dem Glau­ben und der Barm­her­zig­keit vor­ge­zo­gen“ habe. Das hät­ten zwar ande­re Reli­gio­nen auch getan, die katho­li­sche Kir­che jedoch „manch­mal mehr als die ande­ren“. Hält Papst Fran­zis­kus die katho­li­sche Kir­che tat­säch­lich für die graumsam­ste und macht­gie­rig­ste aller Reli­gio­nen? Wie steht es mit den Fakten?

Ein kur­zer Blick in die Geschich­te soll hel­fen, Klar­heit zu schaffen.

Das Blutbad in der Bartholomäusnacht

„Jesus sah Natanaà«l auf sich zukom­men und sag­te über ihn: Da kommt ein ech­ter Israe­lit, ein Mann ohne Falsch­heit“ (Joh 1,47). Natanaà«l hieß der Apo­stel Bar­tho­lo­mä­us (Natanaà«l Bar-Tol­mai). Michel­an­ge­lo hat sein Mar­ty­ri­um, das er unter den Arme­ni­ern erlitt, auf ein­präg­sa­me Wei­se dar­ge­stellt. Der Bru­der des arme­ni­schen Herr­schers Poly­mi­os ließ dem Apo­stel bei leben­di­gem Leib die Haut abzie­hen und dann mit dem Kopf nach unten kreu­zi­gen. Die Arme­ni­er wur­den spä­ter das erste christ­li­che Volk der Welt und Arme­ni­en das erste christ­li­che König­reich. Die Gebei­ne des Apo­stels und Mär­ty­rers wur­den von Kai­ser Otto II. nach Rom gebracht. Kai­ser Fried­rich II. über­führ­te einen Teil in den Kai­ser­dom nach Frank­furt am Main, dem Krö­nungs­ort der deut­schen Köni­ge, der nach dem Apo­stel St. Bar­tho­lo­mä­us benannt wurde.

Eugenio Scalfari und Papst Franziskus
Euge­nio Scal­fa­ri und Papst Franziskus

In der Nacht des Gedenk­ta­ges, an dem die Kir­che lit­ur­gisch den Apo­stel Bar­tho­lo­mä­us fei­ert, kam es in Paris, vie­le Jahr­hun­der­te nach sei­nem Tod, zu einem Blut­bad an Huge­not­ten. So nann­ten sich die fran­zö­si­schen Cal­vi­ni­sten in Anleh­nung an das deut­sche Wort „Eid­ge­nos­sen“. Mehr als 2.000 Huge­not­ten wur­den getö­tet, die in die fran­zö­si­sche Haupt­stadt gekom­men waren, um die Hoch­zeit ihres Anfüh­rers, Hein­rich von Bour­bon, König von Navar­ra, mit Prin­zes­sin Mar­ga­re­te von Valo­is, der Schwe­ster des Königs von Frank­reich zu fei­ern. Die Hoch­zeit war Teil eines Plans, um das im Krieg zwi­schen Katho­li­ken und Pro­te­stan­ten zer­rüt­te­te Land zu befrieden.

Da die Ehe für die Cal­vi­ni­sten kein Sakra­ment ist, konn­te die Hoch­zeit nicht in der Kir­che geschlos­sen wer­den, son­dern ledig­lich auf dem Vor­platz. Hein­rich hat­te sich gewei­gert, eine katho­li­sche Kir­che zu betre­ten. Die fran­zö­si­sche Kro­ne kam damit unüber­seh­bar den Pro­te­stan­ten ent­ge­gen, obwohl deren Bekennt­nis durch das­sel­be Edikt von Saint-Ger­main, das auch die Ehe­schlie­ßung fest­leg­te, aus­ge­schlos­sen wor­den war.

In der Nacht des 24. August 1572 ent­lud sich eine Gewalt, die ohne Unter­schied allen Huge­not­ten galt. Der ent­hemm­te Volks­zorn läßt sich nur als Fol­ge des jah­re­lan­gen huge­not­ti­schen Mor­dens und Brand­schat­zens erklä­ren. In Berich­ten wird der Satz „Der König will es“ über­lie­fert. Sei­ne Urhe­ber­schaft läßt sich aller­dings nicht zuord­nen, dürf­te aber dem Volk den Ein­druck der Legi­ti­ma­ti­on für die Rache ver­mit­telt haben. Das Mas­sa­ker wird in den Geschichts­bü­chern als blut­rün­sti­ges Ver­bre­chen dar­ge­stellt, wobei die Ver­ant­wor­tung dafür den Katho­li­ken zuge­schrie­ben. Die Kir­che hat­te damit aller­dings nichts zu tun.

Luthers Revolution und die Machtgier der Fürsten

1517 hat­te Mar­tin Luther sei­ne Revo­lu­ti­on gegen die Kir­che begon­nen. Seit­her kam es zu einer Plün­de­rung des Kir­chen­be­sit­zes in einer kaum vor­stell­ba­ren Grö­ßen­ord­nung. Im pro­te­stan­tisch gewor­de­nen Teil Deutsch­lands ris­sen sich die „refor­mier­ten“ Herr­scher wider­recht­lich ein Drit­tel des Lan­des unter den Nagel. Die Raub­rit­ter der dama­li­gen Zeit waren im Ver­gleich zu einem sol­chen Rechts­bruch gera­de­zu Wai­sen­kna­ben. Die Armen­für­sor­ge und Kran­ken­pfle­ge bra­chen weit­ge­hend zusam­men, weil sie von der Kir­che getra­gen und aus die­sem Besitz finan­ziert wor­den waren. Luther unter­stütz­te den Raub­zug der Für­sten. Mit dem Kir­chen­be­sitz, der  nicht Luther gehör­te, „bezahl­te“ er den Schutz, den die pro­te­stan­tisch gewor­de­nen Für­sten ihm gewährten.

Die­ser ille­ga­le Besitz­wech­sel gigan­ti­schen Aus­ma­ßes führ­te zu Bür­ger­krie­gen, zuerst zum Auf­stand der Rit­ter, dann der Bau­ern. 1526 kam es zum Bruch zwi­schen Luthe­ra­ner und Refor­mier­ten. 1534 begann Cal­vin sei­ne Refor­ma­ti­on in den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Raum zu tra­gen, und auch er beraub­te die Kir­che ihres Besit­zes, der ihr von unzäh­li­gen Gläu­bi­gen im Lau­fe der Jahr­hun­der­te gestif­tet wor­den war. Eini­ge Für­sten waren sofort zur Stel­le, um die Gele­gen­heit zur eige­nen Macht­er­wei­te­rung zu nüt­zen. Schließ­lich ging es dar­um, eine gigan­ti­sche Beu­te zu ver­tei­len. Wäh­rend in Deutsch­land die Lan­des­für­sten die eigent­li­chen Mäch­ti­gen waren, die bereits seit 250 Jah­ren erfolg­reich die kai­ser­li­che Macht zu schwä­chen ver­such­ten, war Frank­reich ein zen­tra­li­stisch aus­ge­rich­te­ter Staat. Die könig­li­che Neben­li­nie der Bour­bo­nen trach­te­te danach mit Hil­fe der Refor­ma­ti­on die Königs­ge­walt in ihre Hän­de zu brin­gen. Noch aber regier­ten die Valois.

König Franz I. von Frank­reich (1515–1547) bekämpf­te die Huge­not­ten. Unter sei­nem Sohn Hein­rich II. (1547–1559) ändern sich die Din­ge. In Frank­reich bekämpf­te er die Huge­not­ten, wäh­rend er sich gleich­zei­tig mit den pro­te­stan­ti­schen deut­schen Für­sten gegen den Kai­ser ver­bün­de­te, die ihm dafür groß­zü­gig Reichs­ge­biet über­lie­ßen, kon­kret die Hoch­stif­te Metz, Toul und Ver­dun. Sei­ne jung zur Wit­we gewor­de­ne Frau, Katha­ri­na von Medi­ci, über­nahm nach sei­nem Tod die Regent­schaft, wäh­rend sich auf dem Thron Frank­reichs drei sei­ner Söh­ne (Franz II., Karl IX. und Hein­rich III.) durch frü­hen Tod in schnel­ler Abfol­ge nach­folg­ten. Die Fol­gen waren poli­ti­sche Insta­bi­li­tät, dyna­sti­sche Unsi­cher­heit und ein blu­ti­ger Religionskrieg.

Den frü­hen Tod Hein­richs II. und die Regent­schaft sei­ner Wit­we Katha­ri­na, woll­ten die Bour­bo­nen, der nach­fol­gen­de Zweig in der Erb­fol­ge zur Macht­über­nah­me nüt­zen. Ein Teil der Fami­lie hat­te sich dem Pro­te­stan­tis­mus ange­schlos­sen. Eine Ent­schei­dung, die dem Muster deut­scher pro­te­stan­ti­scher Für­sten folg­te, sich den Kir­chen­be­sitz zu ver­schaf­fen und in Frank­reich sogar nach der Königs­macht zu grei­fen. Der Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­den mit sei­nem Cui­us regio eius reli­gio gefiel den Bour­bo­nen. Dar­in erkann­te sie, und der mit ihnen ver­bün­de­te Teil des Adels unge­ahn­te Chan­cen gegen­über der Krone.

Der Ver­such Lud­wigs I. von Bour­bon das König­tum zu usur­pie­ren, mün­de­te in den katho­lisch-huge­not­ti­schen Religionskrieg.

Die protestantische Internationale

Wegen der „Rein­heit“ ihres von Cal­vin gewoll­ten, refor­mier­ten Glau­bens lehn­ten die fran­zö­si­schen Cal­vi­ni­sten in ihrer Radi­ka­li­tät ande­re pro­te­stan­ti­sche Bekennt­nis­se wie die Luthe­ra­ner und die Angli­ka­ner ab. Der Kampf gegen die katho­li­sche Kir­che führ­te sie den­noch dazu, mit den ande­ren pro­te­stan­ti­schen Kräf­ten inter­na­tio­na­le Bünd­nis­se zu schlie­ßen. Das war offe­ner Lan­des­ver­rat, dem die poli­tisch zu schwa­che Köni­gin­wit­we als Regen­tin ihrer noch min­der­jäh­ri­gen Söh­ne nur eine wan­kel­mü­ti­ge, zwei­deu­ti­ge Poli­tik ent­ge­gen­zu­set­zen wuß­te, die in Wirk­lich­keit die Pro­te­stan­ten begünstigt.

Ein Grund dafür war die fran­zö­si­sche Erb­feind­schaft gegen das Reich und beson­ders die Habs­bur­ger, denen es gelun­gen war, die Reichs­ge­walt wie­der­her­zu­stel­len und durch eine glück­li­che Ehe­po­li­tik auch die Län­der der spa­ni­schen Kro­ne ein­schließ­lich der Neu­en Welt zu gewin­nen. Die katho­li­schen Habs­bur­ger waren aus Pari­ser Sicht die natür­li­chen Fein­de der fran­zö­si­schen Köni­ge. Sie waren aber auch die erklär­ten Fein­de des Pro­te­stan­tis­mus, der durch Luthers Revo­lu­ti­on das Reich defi­ni­tiv zer­ris­sen hat­te. Die Habs­bur­ger als römisch-deut­sche Kai­ser waren die Hüter der uni­ver­sa­len Reichs­idee, und damit auch Haupt­ver­tei­di­ger der Kir­che und ihrer Güter.

Frank­reich hat­te sich im deut­schen Bru­der­krieg zwi­schen Stau­fern und Wel­fen und dem Inve­sti­tur­streit von der uni­ver­sa­len Reichs­idee ent­kop­pelt. Es nütz­te jede Schwä­che des Rei­ches und streb­te selbst die Vor­macht in Euro­pa an. Zur Errei­chung die­ses Zie­les ver­bün­de­te es sich mit allen Fein­den der Kir­che: den Tür­ken eben­so wie den Pro­te­stan­ten. Damit aber war die inne­re Abwehr geschwächt.

Waffen, Geld und Truppen für Frankreichs Hugenotten

Das fran­zö­si­sche Volk blieb katho­lisch. Anders sah es unter den Eli­ten aus. Nach dem Tod Hein­richs II. soll­te es in Frank­reich zwi­schen 1560 und 1598 zu acht Reli­gi­ons­krie­gen kom­men. Kei­ner war von den Katho­li­ken gewollt. Aus­ge­löst wur­den sie vom huge­not­ti­schen Macht­stre­ben, das von den Luthe­ra­nern und Angli­ka­nern mit Trup­pen, Geld und Waf­fen unter­stützt wur­de. Wie­der­holt über­zo­gen die Pro­te­stan­ten die süd­li­chen und zen­tra­len Regio­nen Frank­reichs mit Gewalt und Brand­schat­zung. Hun­der­te von Dör­fern, Kir­chen und Klö­stern fie­len dem cal­vi­ni­sti­schen Wahn zum Opfer.

Zur Ver­tei­di­gung der Katho­li­ken kämpf­te die Fami­lie Guisa, eine in den Dienst Frank­reichs getre­te­ne Neben­li­nie der Her­zö­ge von Loth­rin­gen, einer der älte­sten Adels­fa­mi­li­en Euro­pas. Sie besteht noch heu­te in der Linie Habs­burg-Loth­rin­gen. Für die Kir­che Frank­reichs und die fran­zö­si­schen Katho­li­ken kämpf­ten zudem der Hei­li­ge Stuhl und vor allem Phil­ipp II. von Spa­ni­en, der Sohn Kai­ser Karls V. 1560 hei­ra­te­te er Eli­sa­beth von Valo­is, die Toch­ter des damals bereits ver­stor­be­nen fran­zö­si­schen Königs Hein­rich II. und der Katha­ri­na von Medi­ci. Die Ehe­schlie­ßung war Teil des 1559, nach 16 Jah­ren Krieg zwi­schen Spa­ni­en und Frank­reich, erreich­ten Frie­dens, wes­halb die Spa­ni­en ihre jun­ge Köni­gin Isa­bel de la Paz nann­ten. Obwohl die Ehe poli­tisch moti­viert war, wur­de dar­aus eine Lie­bes­ehe, die 1568 durch den frü­hen Tod Eli­sa­beths endete.

Gegen das cal­vi­ni­sti­sche Wüten ent­steht in Frank­reich eine Abwehr­be­we­gung, die zur regel­rech­ten Volks­be­we­gung wird, und der sich bald 90 Pro­zent des Lan­des ange­schlos­sen hat­ten. Man kann von einer natio­na­len Reak­ti­on gegen die aus­län­di­sche Aggres­si­on spre­chen, die von den Huge­not­ten ange­zet­telt wor­den war. Der fran­zö­si­sche Cal­vi­nis­mus wur­de in den Augen des Vol­kes mit Gewalt und mit der Unter­stüt­zung und Inva­si­on aus­län­di­scher Mäch­te gleichgesetzt.

Hugenotte wird König

1589 trat jedoch ein, womit nie­mand gerech­net hat­te. Obwohl die männ­li­chen Erben Hein­richs II. zahl­reich waren, und ihm drei Söh­ne als Köni­ge auf den Thron folg­ten, starb auch der Letz­te noch in jun­gen Jah­ren. Durch das Aus­ster­ben der männ­li­chen Linie des Hau­ses Valo­is, fiel die Kro­ne Frank­reichs über die weib­li­che Linie, durch die Ehe ihrer Schwe­ster Mar­ga­re­te, aus­ge­rech­net an den Bour­bo­nen Hein­rich von Navar­ra (gemeint war der zu Frank­reich gehö­ren­de Teil Nie­der-Navar­ra), den Anfüh­rer der huge­not­ti­schen Par­tei. Die zöger­li­che Poli­tik Katha­ri­nas und ihrer Söh­ne hat­te den Weg dazu geeb­net. Als Hein­rich IV. bestieg der Huge­not­te den Thron Frank­reichs und regier­te bis 1610.

For­mal kon­ver­tier­te Hein­rich als Vor­aus­set­zung für die Thron­be­stei­gung zur katho­li­schen Kir­che. Sol­che Kon­ver­sio­nen in die eine wie die ande­re Rich­tung soll­te er noch mehr­fach wie­der­ho­len. In Wirk­lich­keit blieb er jedoch Pro­te­stant. Hein­richs Mut­ter, Johan­na von Albret, 1555–1572 Köni­gin von Navar­ra, ver­folg­te die katho­li­sche Kir­che haß­er­füllt und ver­such­te den katho­li­schen Glau­ben in ihrem Herr­schafts­be­reich aus­zu­rot­ten. Bereits die Groß­mutter hat­te in Nie­der-Navar­ra Pro­te­stan­ten um sich gesammelt.

Der blu­ti­ge Reli­gi­ons­krieg ende­te 1598 mit dem Edikt von Nan­tes, das den katho­li­schen Glau­ben zur Staats­re­li­gi­on mach­te und im Gegen­zug den den Huge­not­ten Reli­gi­ons­frei­heit und Bür­ger­rech­te garantierte.

Geschichtsfälschung

Um jedoch die katho­li­sche Sei­te in Miß­kre­dit zu brin­gen, ord­ne­te Hein­rich IV. die Zer­stö­rung der im könig­li­chen Archiv auf­be­wahr­ten Doku­men­te der Katho­li­schen Liga an. Statt­des­sen ließ er Fäl­schun­gen anfer­ti­gen, drucken und ver­brei­ten. Damit woll­te er die katho­li­sche Sache, deren Beweg­grün­de und Ent­schei­dun­gen aus dem Gedächt­nis til­gen, und ihr die Schuld an dem das Land zer­rüt­ten­den Reli­gi­ons­krieg zuschie­ben. Da sich die pro­te­stan­ti­sche Geschichts­schrei­bung und vor allem  die Auf­klä­rung in ihrer Feind­schaft gegen den katho­li­schen Glau­ben nur zu ger­ne auf die Fäl­schun­gen stütz­ten, konn­te er damit bis zum heu­ti­gen Tag die Geschichts­schrei­bung beeinflussen.

Das Mas­sa­ker der Bar­tho­lo­mä­us­nacht, das als empör­te Ankla­ge im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis ver­an­kert wur­de, stand in kei­nem Zusam­men­hang mit der katho­li­schen Kir­che. Unmit­tel­ba­rer Aus­lö­ser war ein miß­glück­tes Atten­tat gegen einen huge­not­ti­schen Admi­ral. Grund war die Erschöp­fung des Vol­kes wegen des Zer­rüt­tung des Lan­des durch den Krieg der Huge­not­ten. Über die Mit­schuld der Köni­gin­wit­we Katha­ri­na und ihres damals regie­ren­den Soh­nes Karl IX., wegen ihrer wan­kel­mü­ti­gen Poli­tik gegen­über den Huge­not­ten, kann treff­lich gestrit­ten werden

Tat­sa­che ist, daß das Mas­sa­ker nicht annä­hernd mit dem blu­ti­gen Trei­ben der pro­te­stan­ti­schen Inter­na­tio­na­le zu ver­glei­chen ist, das vier­zig Jah­re in wei­ten Tei­len Frank­reichs wüte­te. Wäh­rend die Bar­tho­lo­mä­us­nacht als Reak­ti­on dar­auf bis heu­te in den Köp­fen prä­sent ist, nicht zuletzt durch den Schul­un­ter­richt und Spiel­fil­me, ist der Grund dafür auf wun­der­sa­me Wei­se, der Doku­men­ten­fäl­schung Hein­richs IV. und der anti­ka­tho­li­schen Auf­klä­rung „sei Dank“, in Ver­ges­sen­heit geraten.

Die­se Ver­ges­sen­heit ist so groß, daß sogar ein Papst in sei­nem jüng­sten Inter­view mit Euge­nio Scal­fa­ri, das am ver­gan­ge­nen Frei­tag von La Repub­bli­ca ver­öf­fent­licht wur­de, sich die pro­pa­gan­di­stisch ver­zerr­te Dar­stel­lung der Gegen­sei­te zu eigen machte.

Wört­lich sag­te Fran­zis­kus laut Scalfari:

„Sicher, es gab von der Kir­che gegen ande­re Reli­gio­nen unter­stütz­te Krie­ge und es gab sogar Krie­ge inner­halb unse­rer Reli­gi­on. Der Grau­sam­ste war das Gemet­zel der Bar­tho­lo­mä­us­nacht und lei­der vie­len ver­gleich­ba­re ande­re. Sie erfolg­ten, wenn die ver­schie­de­nen Reli­gio­nen und unse­re, manch­mal mehr als die ande­ren, die welt­li­che Macht dem Glau­ben und der Barm­her­zig­keit vor­ge­zo­gen haben.“

„Kein schlech­ter Schlag, Scal­fa­ri. Einer von so vie­len gegen die Kir­che, an die du uns im Lauf der Jahr­zehn­te gewöhnt hast“, schrieb dazu iro­nisch Leti­zia Lau­ren­zi in der Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na. Es ist nicht das erste Mal, daß Papst Fran­zis­kus irri­ge All­ge­mein­plät­ze über histo­ri­sche Zusam­men­hän­ge bekräf­tig­te, mit denen das Wir­ken der katho­li­schen Kir­che in der Geschich­te her­ab­ge­setzt wird.

Text: Andre­as Becker
Bild: Wikicommons/MiL

4 Kommentare

  1. Vie­len Dank für die­sen Arti­kel, der vie­le Infor­ma­tio­nen ent­hält und die Wahr­heit über die geschicht­li­chen Abläu­fe wie­der zurecht­rückt. Vie­le Mit­men­schen — auch Katho­li­ken — wer­den solch einen Arti­kel lei­der nicht lesen. Aber es ist schon mal gut und wich­tig, daß die Leser die­ser Sei­te lesen können.

    • Ja wirk­lich, erst ein­mal vie­len Dank!
      Aber für alle, die den­ken, der ein­zel­ne Laie könn­te das nicht herausbekommen:
      Sobald ich ein­mal die Lügen über die katho­li­sche Kir­che im zwei­ten Welt­krieg ent­deck­te, bzw. längst vor­her erkannt hat­te, dass mein pro­te­stan­ti­sches Welt­bild (wel­ches ich nicht frei­wil­lig bekam)vorne und hin­ten kei­nen Sinn mach­te, da fiel es mir wie Schup­pen von den Augen!
      Ich schau­te nach Luther, ich schau­te nach sei­nen Anhän­gern und allen die ihn ver­ehr­ten (vie­le von denen hat­te ich ob ihrer Selbst­herr­lich­keit und Heu­che­lei schon vor­her nicht gemocht) und mei­ne gan­ze, seit fast zwei Jahr­zehn­ten gepfeg­te Welt, brach zusammen!
      Doch eine so detail­lier­te Dar­stel­lung ist sehr wert­voll zum strei­ten für den katho­li­schen Glau­ben, danke!

  2. Man soll­te Ber­go­glio klar machen, dass auch das grau­sa­me Gemet­zel der sog. Bar­tho­lo­mä­us­nacht eine Frucht Mar­tin Luthers und sei­ner viel­ge­prie­se­nen Refor­ma­ti­on ist!!!

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