Befreiungstheologe beschimpft Kardinal Müller als „reinen und harten Fundamentalisten“

Juan José Tamayo mit seinem Buch "Einladung zur Utopie"
Befreiungstheologe Juan José Tamayo mit seinem Buch "Einladung zur Utopie"

(Madrid) Der Befrei­ungs­theo­lo­ge Juan José Tama­yo übte Kri­tik an der neu­en Instruk­ti­on Ad res­ur­gen­dum cum Chri­sto über die Beer­di­gung der Ver­stor­be­nen und die Auf­be­wah­rung der Asche im Fall der Feu­er­be­stat­tung, die von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on am 25. Okto­ber ver­öf­fent­licht wur­de. Tama­yo beschimpf­te den Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler, als „rei­nen und har­ten Fun­da­men­ta­li­sten“.

Die Instruk­ti­on bekräf­tigt, daß die Feu­er­be­stat­tung „an sich“ dem christ­li­chen Glau­ben wider­spricht. Sie wird daher von der Kir­che nur gedul­det unter der Bedin­gung, daß die Ver­bren­nung nicht aus anti­christ­li­cher Gesin­nung, aus Haß gegen die katho­li­sche Reli­gi­on und Kir­che oder Ableh­nung der christ­li­chen Dog­men erfolgt. Die­se Pra­xis, die sich bereits nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ein­ge­bür­gert hat­te, wur­de 1983 mit die­ser Ein­schrän­kung in den neu­en Kodex des kano­ni­schen Rech­tes auf­ge­nom­men, 1990 auch in den Kodex der katho­li­schen Ost­kir­chen. Weil sich die Feu­er­be­stat­tung in eini­gen Län­dern stark aus­ge­brei­tet hat, und zugleich neue Prak­ti­ken und Ideen, die dem christ­li­chen Glau­ben wider­spre­chen, sah die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on die Not­wen­dig­keit, die kirch­li­chen Bestim­mun­gen und die Glau­bens­leh­re zu Tod und Erlö­sung in Erin­ne­rung zu rufen. „Chri­stus wird uns am Letz­ten Tag auf­er­wecken“, heißt es in der Instruk­ti­on. „Durch den Tod wird die See­le vom Leib getrennt; in der Auf­er­ste­hung aber wird Gott unse­rem ver­wan­del­ten Leib das unver­gäng­li­che Leben geben, indem er ihn wie­der mit unse­rer See­le ver­eint.“

„Im Glau­ben an die Auf­er­ste­hung der Toten exi­stie­ren wir.“ Die vom Chri­sten­tum gepfleg­te Erd­be­stat­tung erfolgt mit Blick auf die Auf­er­ste­hung des Herrn „- ein Geheim­nis des Lich­tes, in dem der christ­li­che Sinn des Ster­bens offen­bar wird“.

„Indem die Kir­che den Leich­nam der Ver­stor­be­nen beer­digt, bekräf­tigt sie den Glau­ben an die Auf­er­ste­hung des Flei­sches.  Zugleich möch­te sie so die hohe Wür­de des mensch­li­chen Lei­bes als wesent­li­cher Teil der Per­son, des­sen Geschich­te der Leib teilt, ins Licht stel­len.  Sie kann des­halb nicht Hal­tun­gen oder Riten erlau­ben, die fal­sche Auf­fas­sun­gen über den Tod beinhal­ten, etwa wenn er als end­gül­ti­ge Ver­nich­tung der Per­son, als Moment ihrer Ver­schmel­zung mit der Mut­ter Natur oder dem Uni­ver­sum, als Etap­pe im Pro­zess der Reinkar­na­ti­on oder als end­gül­ti­ge Befrei­ung aus dem ‚Gefäng­nis‘ des Lei­bes ver­stan­den wird.“ In die­sem Zusam­men­hang steht auch die Ver­eh­rung der Mär­ty­rer und der Hei­li­gen der Kir­che.

Die Kir­che stel­le sich damit auch gegen die Ten­denz, „das Ster­ben und des­sen Bedeu­tung für die Chri­sten zu ver­schlei­ern oder zu pri­va­ti­sie­ren“.

Zudem ent­spre­che die Beer­di­gung auf dem Fried­hof oder einem ande­ren hei­li­gen Ort der Ehr­furcht und Ach­tung, die den Lei­bern der Ver­stor­be­nen gebüh­ren, „wel­che durch die Tau­fe Tem­pel des Hei­li­gen Gei­stes gewor­den“.

Daher gilt, daß auch die Asche von Ver­stor­be­nen, „wenn aus legi­ti­men Grün­den die Wahl der Feu­er­be­stat­tung getrof­fen wird“, an einem „hei­li­gen Ort auf­zu­be­wah­ren sind“. Die Auf­be­wah­rung der Asche „im Wohn­raum ist nicht gestat­tet“, eben­so­we­nig die „Auf­tei­lung“ unter ver­schie­de­nen Per­so­nen. „Um jeg­li­che Zwei­deu­tig­keit pan­the­isti­scher, natu­ra­li­sti­scher oder nihi­li­sti­scher Fär­bung zu ver­mei­den, ist es nicht gestat­tet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Was­ser oder auf ande­re Wei­se aus­zu­streu­en oder sie in Erin­ne­rungs­ge­gen­stän­den, Schmuck­stücken oder ande­ren Objek­ten auf­zu­be­wah­ren.“

Wenn sich Ver­stor­be­ne „offen­kun­dig aus Grün­den“ ver­bren­nen las­sen, „die der christ­li­chen Glau­bens­leh­re wider­spre­chen (…), ist das kirch­li­che Begräb­nis nach Maß­ga­be des Rechts zu ver­wei­gern.“

Am 2. März 2016 wur­de die neue Instruk­ti­on von Papst Fran­zis­kus appro­biert und am 15. August offi­zi­el­le erlas­sen, wenn auch erst vor weni­gen Tagen ver­öf­fent­licht.

Tamayo: „Kardinal Müller Anführer der Oppositionsbewegung gegen die Reformen von Franziskus“

Dage­gen erhob der Befrei­ungs­t­ho­lo­ge Juan José Tama­yo sei­ne Stim­me in einer Kolum­ne in der Zeit­schrift El Period­ico von Bar­ce­lo­na. Ziel­schei­be sei­ner Kri­tik ist dabei vor allem Kar­di­nal Mül­ler. Tama­yo macht sei­ne Kri­tik an der Instruk­ti­on zu einem Teil eines gigan­ti­schen glo­ba­len Kamp­fes zwi­schen „Pro­gres­si­ven“ und „Kon­ser­va­ti­ven“, oder mit den Wor­ten des spa­ni­schen Theo­lo­gen aus­ge­drückt: zwi­schen Fran­zis­kus und den „Kon­ser­va­ti­ven“. Tama­yo beschreibt Kar­di­nal Mül­ler mit den Wor­ten:

„Anfüh­rer der Oppo­si­ti­ons­be­we­gung an der vati­ka­ni­schen Kurie und der kon­ser­va­ti­ven Bischö­fe der gan­zen Welt gegen die Refor­men von Fran­zis­kus.

Tama­yo geht noch wei­ter und unter­stellt, es sei eine List gewe­sen, Fran­zis­kus sei­ne Unter­schrift unter das Doku­ment setz­ten zu las­sen:

„Der Kar­di­nal ver­steht die Auf­er­ste­hung der Toten als eine Reani­ma­ti­on eines Kada­vers oder die Rück­kehr zum Leben in den­sel­ben phy­si­schen und Zeit-Raum-Bedin­gun­gen vor dem Tod. Das ist rei­ner und har­ter Fun­da­men­ta­lis­mus.“

Tama­yo gibt dann wie schon öfter in der Ver­gan­gen­heit zu ver­ste­hen, daß nicht das zäh­le, was die Kir­che sagt, son­dern was er denkt:

„Mei­ne Mei­nung ist, daß die Ver­bren­nung und das Aus­streu­en der Asche über das Land, das Meer oder in der Luft legi­ti­me Prak­ti­ken sind.“

Tamayo widerspricht der katholischen Morallehre und fordert die Anerkennung der Homosexualität
Tama­yo wider­spricht der katho­li­schen Moral­leh­re und for­dert die Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät

Das Leben Tama­yos ist von Unge­hor­sam und Wider­spruch geprägt. Den in jüng­ster Zeit wie­der aus­ge­gra­be­nen Kata­kom­ben­pakt von 1965 beschrieb er jüngst tref­fend ehr­lich. Der Pakt war am Ende des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils am 16. Novem­ber 1965 in den Domi­til­la­kata­kom­ben in Rom von 40 pro­gres­si­ven Kon­zils­vä­tern unter­zeich­net wor­den. Initia­to­ren waren Hel­der Cama­ra und Kar­di­nal Gia­co­mo Ler­ca­ro. Der Pakt postu­lier­te eine „arme Kir­che“. Gemeint war im Kli­ma der „Arbei­ter­prie­ster­be­we­gung“ eine Annä­he­rung und anzu­stre­ben­de Alli­anz zwi­schen Mar­xis­mus und Chri­sten­tum.

Bischof Lui­gi Bet­t­az­zi, damals Weih­bi­schof von Kar­di­nal Ler­ca­ro in Bolo­gna, erklär­te als letz­ter leben­der Unter­zeich­ner des Kata­kom­ben­pak­tes im Herbst 2015 in Würz­burg, daß die Anlie­gen des Pak­tes durch Papst Fran­zis­kus ihre „Umset­zung“ fin­den.

Der Befrei­ungs­theo­lo­ge Tama­yo wie­der­um sag­te über den Pakt:

„Der im Novem­ber 1965 unter­zeich­ne­te ‚Kata­kom­ben­pakt für eine arme und die­nen­de Kir­che‘ war zur Gän­ze ein revo­lu­tio­nä­res Pro­gramm.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Reli­gi­on digi­tal (Screen­shots)

 

11 Kommentare

  1. Die Feu­er­be­stat­tung sei „an sich“ mit dem christ­li­chen Glau­ben nicht ver­ein­bar: das Doku­ment sagt das exak­te Gegen­teil; näm­lich: die Kre­ma­ti­on ist mit dem christ­li­chen Glau­ben an sich nicht unver­ein­bar, aber…

  2. Vor­weg: Kein Mensch kann Mate­rie ver­nich­ten. Der Pro­zess des Ver­bren­nens oder des Ver­mo­derns füh­ren zum sel­ben Ergeb­nis: Die Ato­mi­sie­rung des mensch­li­chen Lei­bes.
    Und was die Art der Bestat­tung betrifft, so sagt Jesus : Mt 8 22 Jesus ent­geg­ne­te ihm: „Fol­ge mir und laß die Toten ihre Toten begra­ben.“ *

    Im Glau­bens­be­kennt­nis beten wir, dass wir an die Auf­er­ste­hung von den Toden glau­ben und nicht an die Auf­er­ste­hung des Flei­sches.
    Mt 22
    29 Jesus gab ihnen zur Ant­wort: „Ihr seid im Irr­tum; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Got­tes.
    30 Denn nach der Auf­er­ste­hung hei­ra­ten sie nicht mehr und wer­den auch nicht gehei­ra­tet; sie wer­den sein wie die Engel im Him­mel.
    1 Kor Kap 15
    Mög­lich­keit der Auf­er­ste­hung
    35 Nun könn­te einer fra­gen: Wie wer­den denn die Toten auf­er­weckt, und mit was für einem Leib wer­den sie kom­men?
    36 Du Tor, was du säst, muß erst ster­ben, ehe es leben­dig wird.
    37 Und was du säst, ist nicht die Pflan­ze, die erst wer­den soll, son­dern ein blo­ßes Samen­korn, etwa Wei­zen oder sonst etwas.
    38 Gott aber gibt ihm eine Gestalt, wie er will, und zwar jedem Samen sei­ne beson­de­re Gestalt.
    Also, der ver­klär­te Kör­per ist es, was wir im Auge haben sol­len und nicht 0,001 % unse­res irdi­schen Seins, das nach dem Tod kei­ne Bedeu­tung haben wird.
    Denn der größ­te Teil unse­res irdi­schen Seins besteht aus dem Vaku­um, das zwi­schen den Atom­ker­nen und den Elek­tro­nen exi­stiert, aber nicht leer ist son­dern ange­füllt ist von mas­sen­wei­se Infor­ma­tio­nen, die unse­re Per­son betref­fen. Also sind wir letzt­lich schon hier auf Erden GEISTWESEN.
    Das ein­zi­ge sinn­vol­le, das wir unse­ren Toden zukom­men las­sen kön­nen ist das Gebet.
    Die Blu­men auf dem Fried­hof stin­ken schnell.

    • Der Leib soll nicht mut­wil­lig ver­brannt wer­den, da Gott ihn geschaf­fen hat! Eine Ein­äsche­rung hat mit Barm­her­zig­keit nichts zu tun. Tode begra­ben ist eine Barm­her­zig­keit. Es ist eine Stan­des­pflicht sei­nem Näch­sten wür­dig zu beer­di­gen.

      • Außer­dem hieß es im frü­he­ren Glau­bens­be­kennt­nis sehr wohl „Auf­er­ste­hung des Flei­sches“!
        Ihre aus­ge­such­ten Schrift­stel­len haben Sie aus dem eigent­li­chen Zusam­men­hang genom­men und falsch inter­pre­tiert.

        Es geht außer­dem um die Wür­de des Men­schen und um das Gebot der Selbst­lie­be. Dem wider­spricht es, sich nach dem Tod selbst ver­bren­nen zu las­sen. Vor allem schwingt dabei immer der Gedan­ke mit, dass wer so eine „Ein­äsche­rung“ für sich zu Leb­zei­ten ver­fügt, nicht aus dem rech­ten Glau­ben her­aus han­delt.
        Ihnen fehlt die Ein­fach­heit des katho­li­schen Glau­bens, denn sol­che Denk­mög­lich­kei­ten ent­ste­hen nur wenn man sich zu sehr dem Zeit­geist anpasst, Herr Stratz.

    • Wer­ter Leo Stratz, lei­der ist Ihre Argu­men­ta­ti­on unka­tho­lisch, da sie nicht der Leh­re der Kir­che ent­spricht. Lesen Sie bezüg­lich der Auf­er­ste­hung des Flei­sches: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19831214_carnis-resurrectionem_ge.html
      Eben­so falsch ist die Behaup­tung, dass Ver­bren­nung und „Ver­mo­de­rung“ zum sel­ben Ergeb­nis führ­ten. Kon­sul­tie­ren Sie klas­si­sche Archäo­lo­gen, die spe­zi­fi­sche DNA noch aus älte­sten Kno­chen­frag­men­ten zu gewin­nen ver­mö­gen. Aus Asche ver­mö­gen sie es nicht. Schon allein die­ser Umstand erweist nicht nur den fun­da­men­ta­len Unter­schied zwi­schen bei­den Bestat­tungs­for­men, viel­mehr zeigt sich, dass der tote Leib wei­ter­hin Trä­ger indi­vi­du­el­ler und also auch gei­sti­ger Per­sön­lich­keits­merk­ma­le ist (des­halb besitzt er auch eine spe­zi­fi­sche Wür­de). Dies ent­spricht übri­gens auch der Leh­re der Kir­che von der Ver­eh­rungs­wür­dig­keit der Reli­qui­en sowie der Leh­re der Kir­che vom Mensch als Leib-Geist-See­le-Wesen und der Leh­re der Kir­che vom Auf­er­ste­hungs­leib. Ihre Argu­men­ta­ti­on hält also weder wis­sen­schaft­li­cher noch lehr­mä­ßi­ger Über­prü­fung stand. Was Jesu Wort von den Toten betrifft, die ihre Toten begra­ben sol­len, so dürf­te es Ihnen bei genau­er Ana­ly­se des Tex­tes nicht ent­ge­hen, dass es Jesus hier­bei um die gei­sti­ge Dimen­si­on der Arbeit am Neu­en Reich Got­tes und nicht um eine Gleich­gül­tig­keit gegen­über der Bestat­tung von Toten geht. Wäre dies sei­ne Leh­re gewe­sen, hät­te er das Nar­den­ge­fäß weit von sich sto­ßen müs­sen, hät­ten die Jün­ger Jesu Leich­nam am Kreuz den Hun­den und den Vögeln in der Luft über­las­sen kön­nen.

    • @ Leo Stratz
      Trotz­dem ist — und bleibt es auch im Tod — unser Leib ein Tem­pel des Hl. Gei­stes, eine Kir­che, die mit dem kost­bar­ste Oel gesalbt und ein­ge­weiht wur­de! Wer aber über­gibt eine Kir­che, die aus­ge­dient hat, schon mut­wil­lig dem Feu­er? — Doch nur die Fein­de!

  3. Die­ser Arti­kel zeigt ein­mal mehr, wie weit sich die Mensch­heit von Gott ent­fernt hat und wie sehr sie in eine gott­fer­ne Indi­vi­dua­li­tät abge­drif­tet ist. Der angeb­li­che Theo­lo­ge müss­te es ja eigent­lich bes­ser wis­sen, trotz­dem gibt er Ansich­ten wie­der die mit dem katho­li­schen Glau­ben nicht ver­ein­bar sind.
    Sol­che Theo­lo­gen erhe­ben sich mit ihren effekt­ha­schen­den, halt­lo­sen Behaup­tun­gen selbst zum Schöp­fer und unter­gra­ben damit per­ma­nent die katho­li­sche Leh­re.
    Was ja dem Berufs­stand der Theo­lo­gen heut­zu­ta­ge nicht gera­de ein gutes Image beschert.

  4. @dhmg: es heisst auch heu­te noch „CARNIS resur­rec­tio­n­em“ — an die Auf­er­ste­hung des Flei­sches; die „neue“ deut­sche Fas­sung ist bewusst falsch!

    • Genau, das war es. Das haben sie rich­tig prä­zi­siert. Das erin­nert an die Wand­lungs­wor­te ‚Pro Mul­tis‘, die fälsch­li­cher­wei­se als für alle über­setzt wur­den.

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