Hättest du doch geschwiegen… Richard D. Precht zum Zweiten …

Richard D. Precht: "Komplexe Welt" und ihre Deuter
Richard D. Precht: "Komplexe Welt" und ihre zeitgeistigen Deuter

Im  ersten Buch sei­ner drei­bän­di­gen ‚Geschich­te der Phi­lo­so­phie’ behan­delt der Phi­lo­soph Richard David Precht Erkennt­nis­se der Anti­ke. Zum The­ma Juden­tum und Chri­sten­tum hat er sich heil­los ver­irrt.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Im Inter­view mit der Mün­che­ner Abend­zei­tung wird Precht nach sei­nen Moti­ven gefragt. Sei­ne Ant­wort: Ich hat­te das unbän­di­ge Bedürf­nis, ein Buch zu schrei­ben, das ich als Stu­dent sel­ber ger­ne gele­sen hät­te, um den Über­blick zu bekom­men.

Eine wei­te­re Fra­ge lau­te­te: Wozu braucht man Reli­gi­on? Er per­sön­lich brau­che kei­ne, meint der Schrift­stel­ler.

Aber ich zei­ge in mei­nem Buch ja auch, wie das Chri­sten­tum ent­stan­den ist. Erstaun­lich eigent­lich, denn es hat­te zuvor schon so viel Klü­ge­res gege­ben. Die Phi­lo­so­phie war schon auf einem viel höhe­ren Niveau als das, was dann kam. Das Chri­sten­tum war ein enor­mer kul­tu­rel­ler Rück­schritt.

Mit dem vie­len Klu­gen in der Zeit vor dem Chri­sten­tum meint Precht ins­be­son­de­re die gro­ßen grie­chi­schen Phi­lo­so­phen wie Sokra­tes, Pla­ton und Ari­sto­te­les, auch wohl die römi­sche Stoa. Durch die Aus­brei­tung des Chri­sten­tums sei dann ein kul­tu­rel­ler Rück­schritt ein­ge­tre­ten. Mit die­ser The­se zeigt der Phi­lo­soph, wie wenig er vom frü­hen Chri­sten­tum und sei­ner Bezie­hung zur Phi­lo­so­phie ver­stan­den hat.

Das griechische Erbe gehört wesentlich zum Christentum

Es war das beson­de­re For­schungs­ge­biet vom Theo­lo­gen Joseph Ratz­in­ger, der Hel­le­ni­sie­rung des Chri­sten­tums nach­zu­spü­ren und sie zu recht­fer­ti­gen. In sei­ner Regens­bur­ger Rede kommt er dar­auf zurück, dass das grie­chi­sche Erbe wesent­lich zum Christ­li­chen Glau­ben gehört. Das inne­re Auf­ein­an­der­zu­ge­hen zwi­schen bibli­schem Glau­ben und grie­chi­schem phi­lo­so­phi­schem Fra­gen sei schon in der jüdisch-bibli­schen Zeit der Weis­heits­li­te­ra­tur aus­ge­prägt gewe­sen. Als Bei­spiel nennt er die in Alex­an­dria ent­stan­de­ne grie­chi­sche Über­set­zung des Alten Testa­ments, die Sep­tu­ag­in­ta. In ihr habe das Beste des grie­chi­schen Den­kens den ent­my­tho­lo­gi­sier­ten Glau­bens­ho­ri­zont  der jüdi­schen Spät­zeit inspi­riert. Es sei dabei zutiefst  um die Begeg­nung zwi­schen Glau­be und Ver­nunft, zwi­schen rech­ter Auf­klä­rung und Reli­gi­on gegan­gen.

Samenkörner der Wahrheit in der griechischen Philosophie

Wenn Johan­nes in sei­ner Evan­ge­li­ums­ein­lei­tung Gott den logos nennt, was sowohl  Wort wie auch Ver­nunft bedeu­tet, dann ist schon bald nach Jesu Tod eine erste Syn­the­se von bibli­schem Glau­ben und grie­chi­schem Den­ken auf den Weg gebracht, so Papst Bene­dikt 2006 in Regens­burg. Ein wei­te­rer Zeu­ge dafür ist der Mär­ty­rer Justin (+165). Der heid­ni­sche Phi­lo­soph war mit den Haupt­strö­mun­gen der dama­li­gen Denk­schu­len ver­traut wie Pla­to­ni­ker, Peri­pa­teti­ker, Pytha­go­rä­er und Stoa. Er bekehr­te sich schließ­lich zum Chri­sten­tum, das er die allein zuver­läs­si­ge und brauch­ba­re Phi­lo­so­phie nann­te.  In Justin mani­fe­stie­re sich die kla­re Opti­on der frü­hen Kir­che für eine Phi­lo­so­phie, die von den heid­ni­schen Mythen und Göt­ter­kul­ten sowie von den kul­tu­rel­len Gewohn­hei­ten der Zeit gerei­nigt ist, um der Wahr­heit des Seins den Vor­rang zu geben – so fass­te es Papst Bene­dikt in sei­ner öffent­li­chen Kate­che­se am 21. März 2007 zusam­men. In der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie zeig­ten sich die Samen­kör­ner der Wahr­heit, die sich dann in der geschicht­li­chem und per­so­na­len Offen­ba­rung des Logos im Chri­sten­tum ent­fal­ten konn­ten.

Europa ist auf drei antiken Hügeln gebaut: Akropolis, Kapitol und Golgata

Jerusalem
Jeru­sa­lem

Auf die­ser Linie konn­ten spä­te­re Theo­lo­gen wei­ter­ar­bei­ten – etwa mit der Sen­tenz, nach dem Logos – also ver­nunft­mä­ßig – zu han­deln dem Wesen Got­tes gemäß sei. Bene­dikt  cha­rak­te­ri­siert in sei­ner Regens­bur­ger Rede die ent­spre­chen­de For­mu­lie­rung des ost­rö­mi­schen Kai­ser Manu­el II. von 1395  als wirk­lich aus dem inne­ren Wesen des christ­li­chen Glau­bens her­aus (ent­stan­den) und zugleich aus dem Wesen des Grie­chi­schen, das sich mit dem Glau­ben ver­schmol­zen habe. Das Chri­sten­tum hat zwar sei­nen Ursprung und wich­ti­ge Ent­fal­tun­gen im Ori­ent gehabt, so der Papst, aber sei­ne geschicht­lich ent­schei­den­de Prä­gung hat es in Euro­pa gefun­den. Die Begeg­nung des Chri­sten­tums mit der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie, zu der dann noch das Erbe Roms trat, habe die Wer­te­grund­la­gen Euro­pas geschaf­fen. Das ist auch mit dem bekann­ten Dik­tum gemeint, nach dem Euro­pa auf drei Hügeln auf­ge­baut ist: Die Akro­po­lis steht für grie­chi­sche Phi­lo­so­phie, das Kapi­tol für das römi­sche Ver­wal­tungs- und Rechts­we­sen und schließ­lich Gol­ga­tha bei Jeru­sa­lem als der Ort, von dem aus die christ­li­che Erlö­sungs­bot­schaft der Näch­sten­lie­be den Völ­kern der dama­li­gen Welt eine befrei­en­de Per­spek­ti­ve gege­ben hat.

Die Maxime der Frühchristen: Prüft alles, das Gute behaltet!

Natür­lich haben die früh­christ­li­chen Kir­chen­vä­ter von den grie­chi­schen Phi­lo­so­phen nicht alle und alles über­nom­men, son­dern einen kri­ti­schen Sich­tungs­pro­zess vor­ge­nom­men nach dem Pau­lus­wort:

Prüft alles, das Gute behal­tet (1 Tess 5,21).

So etwa haben sie die von Pla­ton geför­der­te Pädo­phi­lie ver­wor­fen oder die von Ari­sto­te­les legi­ti­mier­te Abtrei­bung sowie Aus­set­zung von behin­der­ten Kin­dern abge­lehnt.

Ins­be­son­de­re die Tran­szen­denz-Leh­ren von Pla­ton nah­men die Kir­chen­vä­ter als Samen­kör­ner der Wahr­heit auf. Augu­sti­nus und wei­te­re bedeu­ten­de Autoren der Kir­chen­vä­ter­zeit brach­ten den Neu-Pla­to­nis­mus in die Theo­lo­gie ein. Im Mit­tel­al­ter wur­de schließ­lich von den christ­li­chen Uni­ver­si­tä­ten das Lehr­werk des Ari­sto­te­les’ zur Grund­la­ge der scho­la­sti­schen Lehr- und Lern­me­tho­de gemacht.

Die The­se Prechts vom Abstieg oder Abbruch der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie durch das Chri­sten­tum ist nicht zutref­fend.

Verhackstückung von Judentum und Christentum

Akropolis
Akro­po­lis

Der Zei­tungs­in­ter­view­er fragt nach Prechts Abwer­tung des Chri­sten­tum dann mit Recht: War­um wur­de es dann ein Erfolg?

Der erste Satz sei­ner Ant­wort ist noch eini­ger­ma­ßen zustim­mungs­fä­hig: Das Chri­sten­tum ent­wickel­te den per­so­nel­len Got­tes­be­zug, das hat die Men­schen extrem ange­spro­chen. Doch im Wei­te­ren zeigt der Schrift­stel­ler, dass er an Bibel und Theo­lo­gie wie mit einem Busch­mes­ser her­an­geht, um sich Juden­tum und Chri­sten­tum auf dem Hau­klotz nach sei­nem  Gusto zurecht­zu­hacken. Hier das Ergeb­nis sei­ner lächer­li­chen Ver­hack­stückung:

Im Früh­chri­sten­tum  durf­te man alle töten, die nicht an Gott glaub­ten. Bei den Juden war das anders. Es gab ja ande­re Göt­ter neben Jah­we, die waren aber schwä­cher. Im Chri­sten­tum gibt es nur den einen Gott, und wer nicht an den glaubt, der hat sein Leben ver­wirkt. Die Radi­ka­li­tät der Früh­chri­sten fin­det man heu­te wie­der bei denen, die sich für den IS rekru­tie­ren las­sen. Glück­li­cher­wei­se hat sich das Chri­sten­tum dann wei­ter­ent­wickelt.

Sind Polytheisten friedlicher?

Die Aus­füh­run­gen Prechts gehen erkenn­bar auf eine alte The­se von Jan Ass­mann aus dem Jahr 1997 zurück. Danach sei erst mit der mosa­isch-jüdi­schen Her­aus­stel­lung eines ein­zig­ar­ti­gen, wah­ren Got­tes Into­le­ranz und reli­gi­ös moti­vier­te Gewalt in die bis dahin poly­the­istisch-fried­li­che Völ­ker­ge­schich­te ein­ge­zo­gen. Die­se grob­schläch­ti­ge The­se hat sich im bis­he­ri­gen Dis­kurs als unzu­tref­fend erwie­sen, so dass Ass­mann sie in sei­nem neu­en Buch Exo­dus teil­wei­se revi­die­ren muss­te. Tat­säch­lich glaub­ten die Hebrä­er, dass vie­le (Volks-) Göt­ter exi­stier­ten, aber Jah­we der stärk­ste wäre. Doch gera­de der von Precht gelob­te poly­the­isti­sche Kon­text des alt-israe­li­schen Glau­bens führ­te zu töd­li­chen Gewalt­ak­tio­nen inner­halb des jüdi­schen Vol­kes: Nach­dem ein Teil der Hebrä­er einen gol­de­nen Stier­gott ange­be­tet hat­ten, töte­ten die Levi­ten auf Anwei­sung Moses etwa 3000 ihrer Volks­ge­nos­sen (vgl. Ex 32,26). Damit ist Prechts The­se hin­fäl­lig, dass die Exi­stenz ande­rer Göt­ter neben Jah­we die Juden vor Tötungs­auf­ru­fen bewahrt hät­te, wäh­rend das mono­the­isti­sche Chri­sten­tum die Tötung von Nicht-Chri­sten legi­ti­miert hät­te.

Unter dem monotheistischen Schöpfergott sind alle Menschen Geschwister

Rom
Rom

Erst in nach­exi­li­scher Zeit erkann­te man in Isra­el den allei­ni­gen Schöp­fer­gott als Vater aller Men­schen, die damit als Geschwi­ster anzu­se­hen sind. So zeig­te sich erst in die­sem spät­jü­di­schen Glau­ben der Hori­zont eines völ­ker­um­fas­sen­den Mono­the­is­mus, der im Mes­si­as Chri­stus und sei­ner Leh­re zur Voll­endung kommt. Der ernst­haf­te Glau­be an Herr­schaft und Erbar­men Got­tes für alle Men­schen sowie die ent­spre­chen­de Ent­gren­zung der Näch­sten­lie­be führt aber – so die nahe­lie­gen­de Fol­ge­rung — bei den (mono­the­isti­schen) Gläu­bi­gen eher zur Min­de­rung der Gewalt­be­reit­schaft.  In der Frie­dens- und Fried­lich­keits­leh­re Chri­sti sowie sei­nem Bei­spiel in Leben und Tod erweist sich Ass­manns The­se (und sei­ner Epi­go­nen) end­gül­tig als falsch. Neben­bei ist durch die Aus­füh­run­gen klar gewor­den, dass Prechts Behaup­tung von dem durch­ge­hen­den Poly­the­is­mus des  vor­christ­li­chen Juden­tums augen­schein­lich falsch ist.

Philosophische Halluzinationen

Bezüg­lich des Chri­sten­tums stellt Precht drei auf­ein­an­der bezo­ge­ne The­sen auf:

  • Die Leh­re des christ­li­chen Ein­gott­glau­bens beinhal­te, dass alle Nicht-Gläu­bi­gen ihr Leben ver­wirkt hät­ten.
    Die­se Behaup­tung ist eine phi­lo­so­phi­sche Hal­lu­zi­na­ti­on, besten­falls ein Aus­fluss von Ass­manns fal­scher Grund­the­se. Jeden­falls fin­det sie in der christ­li­chen Bibel kei­ner­lei Anhalts­punk­te oder Basis.
  • Im Früh­chri­sten­tum sei es die Leh­re des Chri­sten­tums gewe­sen, dass Nicht-Glau­ben­de getö­tet wer­den dürf­ten.
    Bei den früh­christ­li­chen Theo­lo­gen, also den aner­kann­ten Kir­chen­vä­tern, kann Precht kei­ne Zeu­gen für sei­ne The­se fin­den, dass Hei­den wegen ihres Nicht-Glau­bens an den einen Gott getö­tet wer­den dürf­ten oder soll­ten. Und selbst wenn er eine mar­gi­na­le Quel­le für die­se The­se gäbe – Leh­re der Kir­che war das nicht. War­um behaup­tet ein Phi­lo­soph, der für sich und sein Werk Ratio­na­li­tät bean­sprucht, so einen unbe­leg­ba­ren Unsinn? Da bleibt als Erklä­rung nur der seit Vol­taires Zei­ten ver­brei­te­te Kir­chen­hass übrig.
  • Schließ­lich unter­stellt Precht in die­sem Zusam­men­hang mit der For­mu­lie­rung Radi­ka­li­tät der Früh­chri­sten, dass die Tötung von Nicht-Glau­ben­den von Chri­sten prak­ti­ziert wor­den sei.
    Anschei­nend ver­wech­selt Precht die im Römi­schen Reich ver­folg­ten Chri­sten mit den heid­ni­schen Römern. Die haben wäh­rend zwei­ein­halb Jahr­hun­der­ten peri­odisch Chri­sten gefol­tert und getö­tet, wenn die auf ihrem Nicht-Glau­ben an den Gott-Kai­ser beharr­ten.

In spä­te­ren Zeit­al­tern nach dem Früh­chri­sten­tum hat es tat­säch­lich Gewalt­ex­zes­se gegen Nicht-Gläu­bi­ge von Sei­ten (un)christlicher Herr­scher gege­ben. Man den­ke etwa an die Aktio­nen von Karl dem Gro­ßen gegen die wider­spen­sti­gen Sach­sen. Auch wenn sol­che Straf­ak­tio­nen im Namen der Kir­che durch­ge­führt wur­den, so waren sie doch in kei­ner Wei­se aus und auf der Basis der biblisch-christ­li­chen Leh­re begrün­det.

Im 11. Jahr­hun­dert hat es von Kir­chen­leu­ten begrün­de­te Gewalt­an­wen­dung gegen Ket­zer gege­ben. Aber die ent­spre­chen­den Legi­ti­mie­run­gen der Theo­lo­gen – etwa im Umfeld von Papst Gre­gor VII. – konn­ten eben­falls nicht aus der christ­li­chen Bibel her­ge­lei­tet wer­den, son­dern bezo­gen sich aus­schließ­lich auf alt­jü­di­sche Gewalt­ak­tio­nen, also gera­de aus dem (poly­the­isti­schen) Kon­text, der nach Precht glau­bens­to­le­rant und gewalt­ab­leh­nend gewe­sen sein soll­te. Auch die­se histo­ri­schen Bei­spie­le zei­gen somit, dass der Phi­lo­soph mit sei­ner früh­christ­li­chen Radi­ka­li­täts­the­se völ­lig falsch liegt.

Unsinn zu Absurdität gesteigert

Als wenn der Unsinn nicht schon ein Über­maß erreicht hät­te, stei­gert der Phi­lo­soph die Absur­di­tät sei­ner Behaup­tung noch ein­mal mit dem Hin­weis, dass sich die angeb­li­che Radi­ka­li­tät der Früh­chri­sten mit dem isla­misch moti­vier­ten Ter­ror der ISla­mi­sten ver­glei­chen lie­ße. Will Precht etwa die selbst­mör­de­ri­schen Kampf-„Mär­ty­rer“ des Isla­mi­schen Staa­tes mit den früh­christ­li­chen Pas­si­ons-Mär­ty­rern gleich­set­zen, die selbst unter Fol­ter und Todes­schlä­gen ihren Glau­ben bezeug­ten?

Precht will mit sei­nem Buch einen Über­blick über die Phi­lo­so­phie-Geschich­te geben. Dabei hat er sich beim The­ma Juden­tum und Chri­sten­tum selbst heil­los ver­irrt und völ­lig den Über­blick ver­lo­ren.

Zumin­dest für die zitier­ten Pas­sa­gen soll­te man Precht das bekann­te Dik­tum zuru­fen: Si tacuis­ses, phi­lo­so­phus man­sis­ses – Wenn du (zu die­sen The­men) geschwie­gen hät­test, wärest du (viel­leicht) ein Phi­lo­soph geblie­ben.

Text: Hubert Hecker
Bild: ZDF (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. Precht hat ver­mut­lich die Absicht, sich zum Aus­hilfs-Desch­ner fort­zu­ent­wickeln (Stich­wort: Karl­heinz Desch­ner, Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chri­sten­tums). Der Haß auf das Chri­sten­tum und der Man­gel an Wis­sen­schaft­lich­keit und Kennt­nis sind bei­den sicher­lich gemein­sam. Den Unter­schied zwi­schen Desch­ner und Precht sehe ich dar­in, dass Letz­te­re sich auch noch als GEZ-Gebüh­ren­emp­fän­ger im Glanz der Staats­me­di­en aus­hal­ten las­sen darf.

  2. Nun denn: Einer der vie­len, so üblich wie über­flüs­si­gen, moder­nen Wich­tig­tu­er, die sich auf Kosten ande­rer zu pro­fi­lie­ren suchen.
    Es gibt eigent­lich, was die Reli­gi­on angeht, nur noch zwei Sor­ten von Wich­tig­tu­ern: Die­se und die, die aktu­ell die Kir­che wie­der für das poli­ti­sche Regime ein­span­nen. Letz­te­re gibt es vor allem in der Amts­kir­che und ich fin­de dies sehr viel erschrecken­der als es die äuße­ren Fein­de der Kir­che je sein kön­nen.
    Hei­li­ger Micha­el, bit­te für uns.

  3. Als phi­lo­so­phi­sche Ant­wort auf das Chri­sten­tum wur­de im drit­ten Jahr­hun­dert der Neu­pla­to­nis­mus ent­wor­fen, vor­ne­weg von Plo­tin.
    Liest man Plo­tin, so fällt genau­so wie bei Pla­ton auf, daß schwer­punkt­mä­ßig Fra­gen gestellt, aber kei­ne Ant­wor­ten gege­ben wer­den. Die­se Fra­gen sind gut und nütz­lich, aber nur, wenn man zu ihrer Durch­den­kung Zeit und Muße hat. Es ist also nur etwas für haupt­amt­li­che Phi­lo­so­phen und rei­che Sena­to­ren.
    Der schwer arbei­ten­de Mit­tel­ständ­ler hat dazu aber kei­ne Zeit, damals wie heu­te. Er will Ant­wor­ten. Gut fun­dier­te Ant­wor­ten, aber eben Ant­wor­ten. Und die boten Pla­ton und Plo­tin nicht. Dazu kam die Abge­ho­ben­heit der Fra­ge­stel­lun­gen. Ob das Eine ohne Eigen­schaft ist und die Welt vom Welt­geist erschaf­fen ist sicher span­nend. Vor allem dann, wenn ich als Sena­tor kei­ne ande­ren Sor­gen habe. Aber was bedeu­tet das für mein Leben kon­kret? Dazu hat der Neu­pla­to­nis­mus nie eine Ant­wort zu geben ver­mocht. Und die Stoa konn­te auch nur eine „du kannst mich mal“-Einstellung zum Leben bie­ten. Auch das nichts für den Fami­li­en­va­ter mit tod­kran­kem Kind oder einem vom Goten ange­zün­de­ten Haus.
    Jen­seits sei­ner schau­der­haf­ten Unbil­dung ist Precht halt haupt­amt­li­cher Phi­lo­soph. Eben­so wie moder­ne Theo­lo­gen kann er die Bedürf­nis­se des Durch­schnitts­glau­ben­den nicht ver­ste­hen. Und daher auch nicht den Sieg des Chri­sten­tums.

  4. „Im Früh­chri­sten­tum durf­te man alle töten, die nicht an Gott glaub­ten.“
    Stimmt das? Quel­len dafür?

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