Iuvenescit Ecclesia – Die hierarchischen und charismatischen Gaben in der Kirche


Iuvenescit Ecclesia über die Beziehung der hierarchischen und der charismatischen Gaben im Leben und in der Sendung der Kirche (Bild: Pfingsten)
Iuvenescit Ecclesia über die Beziehung der hierarchischen und der charismatischen Gaben im Leben und in der Sendung der Kirche (Bild: Pfingsten)

WARNUNG: Ver­wai­ster Fuß­no­ten­start-Tag-Short­code gefunden.

Wenn die­se War­nung irrele­vant ist, deak­ti­vie­re bit­te die Syn­tax-Vali­die­rungs­funk­ti­on im Dash­board unter All­ge­mei­ne Ein­stel­lun­gen > Fuß­no­ten Start- und Ende-Short­codes > Prü­fe auf aus­ge­gli­che­ne Shortcodes.

Unaus­ge­gli­che­ner Start-Tag-Short­code zuvor gefunden:

“Ebd., Nr. 21.). Die Zutei­lung der hier­ar­chi­schen Gaben muss also vor allem auf die Fül­le des Wei­he­sa­kra­men­tes zurück­ge­führt wer­den, die durch die Bischofs­wei­he ver­lie­hen wird. Die­se über­trägt „mit dem Amt der Hei­li­gung auch die Ämter der Leh­re und der Lei­tung, die jedoch ihrer Natur nach nu…”

Schreiben Iuvenescit Ecclesia
an die Bischöfe der katholischen Kirche
über die Beziehung zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben
im Leben und in der Sendung der Kirche

Ein­lei­tung

1. Die Kir­che wird durch die Kraft des Evan­ge­li­ums ver­jüngt, und der Geist erneu­ert, erbaut und lei­tet sie alle­zeit „durch die ver­schie­de­nen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben“ ((Zwei­tes Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 4.)). Immer wie­der hat das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil auf das wun­der­ba­re Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes ver­wie­sen, der das Volk Got­tes hei­ligt, lenkt, mit Kraft erfüllt und mit beson­de­ren Gna­den für sei­nen Auf­bau berei­chert. Viel­fäl­tig ist die Tätig­keit des gött­li­chen Bei­stan­des in der Kir­che, wie die Väter zu unter­strei­chen pfle­gen. Johan­nes Chry­so­sto­mus schreibt: „Wel­che Gna­den, die unser Heil wir­ken, wer­den uns nicht durch den Hei­li­gen Geist gespen­det? Durch ihn sind wir von der Skla­ve­rei befreit und zur Frei­heit geru­fen, sind wir zur Annah­me an Kin­des Statt geführt und gleich­sam neu geschaf­fen, nach­dem wir das schwe­re und wider­wär­ti­ge Joch unse­rer Sün­den abge­legt haben. Durch den Hei­li­gen Geist sehen wir Ver­samm­lun­gen von Prie­stern und haben wir Scha­ren von Leh­rern; die­ser Quel­le ent­sprin­gen Gaben der Offen­ba­rung, Gna­den der Hei­lung und alle ande­ren Cha­ris­men, die die Kir­che Got­tes schmücken“ ((Johan­nes Chry­so­sto­mus, Homi­lia de Pen­te­co­ste, II, 1: PG 50, 464.)). Dank des Lebens der Kir­che selbst, der zahl­rei­chen Äuße­run­gen des Lehr­amts und der theo­lo­gi­schen For­schung ist das Bewusst­sein der viel­fäl­ti­gen Tätig­keit des Hei­li­gen Gei­stes in der Kir­che gewach­sen. So wird den cha­ris­ma­ti­schen Gaben, mit denen das Volk Got­tes zu jeder Zeit für die Erfül­lung sei­ner Sen­dung berei­chert wird, eine beson­de­re Auf­merk­sam­keit zuteil.

In unse­ren Tagen ist die Auf­ga­be, das Evan­ge­li­um wirk­sam wei­ter­zu­ge­ben, beson­ders drin­gend. Papst Fran­zis­kus mahnt in sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um: „Wenn uns etwas in hei­li­ge Sor­ge ver­set­zen und unser Gewis­sen beun­ru­hi­gen soll, dann ist es die Tat­sa­che, dass so vie­le unse­rer Brü­der und Schwe­stern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freund­schaft mit Jesus Chri­stus leben, ohne eine Glau­bens­ge­mein­schaft, die sie auf­nimmt, ohne einen Hori­zont von Sinn und Leben“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um (24. Novem­ber 2013), Nr. 49: AAS 105 (2013), 1040.)). Die Ein­la­dung, eine Kir­che „im Auf­bruch“ zu sein, führt dazu, das gan­ze christ­li­che Leben in mis­sio­na­ri­scher Per­spek­ti­ve neu zu lesen ((Vgl. ebd., Nr. 20–24: a.a.O., 1028–1029.)). Die Auf­ga­be der Evan­ge­li­sie­rung betrifft alle Berei­che der Kir­che: die gewöhn­li­che Seel­sor­ge, die Ver­kün­di­gung an jene, die den christ­li­chen Glau­ben auf­ge­ge­ben haben, und beson­ders an die Men­schen, die nie vom Evan­ge­li­um Jesu erreicht wor­den sind oder ihn immer abge­lehnt haben ((Vgl. ebd., Nr. 14: a.a.O., 1025.)). Bei die­ser unum­gäng­li­chen Auf­ga­be ist es mehr denn je not­wen­dig, die zahl­rei­chen Cha­ris­men anzu­er­ken­nen und zu schät­zen, wel­che das Glau­bens­le­ben des Vol­kes Got­tes zu wecken und zu näh­ren vermögen.

Viel­fäl­ti­ge kirch­li­che Vereinigungen

2. Sowohl vor als auch nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil sind zahl­rei­che kirch­li­che Ver­ei­ni­gun­gen ent­stan­den, die eine gro­ße Res­sour­ce der Erneue­rung für die Kir­che und die drin­gen­de „pasto­ra­le und mis­sio­na­ri­sche Neu­aus­rich­tung“ ((Ebd., Nr. 25: a.a.O., 1030.)) des gan­zen kirch­li­chen Lebens bil­den. Zum wert­vol­len Schatz der tra­di­tio­nel­len Ver­bän­de, die durch beson­de­re Zie­le gekenn­zeich­net sind, sowie der Insti­tu­te des geweih­ten Lebens und der Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens kom­men die­se neue­ren Grup­pie­run­gen, die als Ver­ei­ni­gun­gen von Gläu­bi­gen, kirch­li­che Bewe­gun­gen und neue Gemein­schaf­ten beschrie­ben wer­den kön­nen und um die es im vor­lie­gen­den Schrei­ben geht. Die­se kön­nen nicht ein­fach als freie Ver­bän­de von Per­so­nen zur Errei­chung eines beson­de­ren reli­giö­sen oder sozia­len Zie­les ver­stan­den wer­den. Als „Bewe­gun­gen“ zeich­nen sie sich im kirch­li­chen Pan­ora­ma dadurch aus, dass sie als stark dyna­mi­sche Grup­pie­run­gen eine beson­de­re Anzie­hungs­kraft für das Evan­ge­li­um zu wecken ver­mö­gen und auf einen ten­den­zi­ell umfas­sen­den christ­li­chen Lebens­ent­wurf abzie­len, der alle Aspek­te des mensch­li­chen Daseins beinhal­tet. Der Zusam­men­schluss von Gläu­bi­gen, die ihr Christ­sein in einer inten­si­ven Wei­se tei­len, um das Leben des Glau­bens, der Hoff­nung und der Lie­be zu stär­ken, bringt tref­fend die Dyna­mik der Kir­che als Geheim­nis der Gemein­schaft für die Sen­dung zum Aus­druck und mani­fe­stiert sich als ein Zei­chen der Ein­heit der Kir­che in Chri­stus. In die­sem Sinn haben die­se kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen, die aus einem mit­ein­an­der geteil­ten Cha­ris­ma her­vor­ge­hen, ten­den­zi­ell „das all­ge­mei­ne apo­sto­li­sche Ziel der Kir­che“ ((Zwei­tes Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dekret Apo­sto­li­cam actuo­sitatem, Nr. 19.)) vor Augen. In die­ser Hin­sicht sind sol­che Ver­ei­ni­gun­gen von Gläu­bi­gen, kirch­li­che Bewe­gun­gen und neue Gemein­schaf­ten erneu­er­te For­men der Nach­fol­ge Chri­sti, in denen die Gemein­schaft mit Gott (com­mu­nio cum Deo) und die Gemein­schaft zwi­schen den Gläu­bi­gen (com­mu­nio fide­li­um) ver­tieft und die Fas­zi­na­ti­on der Begeg­nung mit dem Herrn Jesus sowie die Schön­heit eines ganz und gar christ­li­chen Lebens in neue sozia­le Schich­ten hin­ein­ge­tra­gen wird. In die­sen Grup­pie­run­gen zeigt sich auch eine beson­de­re Form der Sen­dung und des Zeug­nis­ses, die ein leben­di­ges Bewusst­sein der eige­nen christ­li­chen Beru­fung wie auch blei­ben­de Wege der christ­li­chen For­mung und Hil­fen zur evan­ge­li­schen Voll­kom­men­heit för­dert und ent­wickelt. Gemäß den unter­schied­li­chen Cha­ris­men kön­nen die­sen Ver­ei­ni­gun­gen Gläu­bi­ge ver­schie­de­ner Lebens­stän­de ange­hö­ren (Lai­en, Kle­ri­ker, Per­so­nen des geweih­ten Lebens). So brin­gen sie den viel­fäl­ti­gen Reich­tum der kirch­li­chen Gemein­schaft zum Aus­druck. Die gemein­schafts­stif­ten­de Kraft ist in die­sen Grup­pie­run­gen ein bedeut­sa­mes Zeug­nis dafür, dass die Kir­che „nicht durch Pro­se­ly­tis­mus, son­dern ‚durch Anzie­hung‘“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 14: AAS 105 (2013), 1026; vgl. Bene­dikt XVI., Homi­lie wäh­rend der Eucha­ri­stie­fei­er zur Eröff­nung der V. Gene­ral­ver­samm­lung der Bischö­fe von Latein­ame­ri­ka und der Kari­bik im Hei­lig­tum „La Apa­re­ci­da“ (13. Mai 2007): AAS 99 (2007), 437.)) wächst.

Als sich Johan­nes Paul II. an die Ver­tre­ter der Bewe­gun­gen und der neu­en Gemein­schaf­ten wand­te, sag­te er, dass er in die­sen eine „Ant­wort der Vor­se­hung“ ((Johan­nes Paul II., Anspra­che an die Mit­glie­der der kirch­li­chen Bewe­gun­gen und der neu­en Gemein­schaf­ten (30. Mai 1998), Nr. 7: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XXI,1 (1998), 1123.))erkenne, die vom Hei­li­gen Geist erweckt wur­de, um das Evan­ge­li­um in der gan­zen Welt wei­ter­zu­ge­ben, und zwar mit Rück­sicht auf die sich voll­zie­hen­den gro­ßen Ver­än­de­rungs­pro­zes­se auf glo­ba­ler Ebe­ne, die oft von einer stark säku­la­ri­sier­ten Kul­tur geprägt sind. Die­ses Fer­ment des Gei­stes brach­te „im Leben der Kir­che eine uner­war­te­te und zum Teil sogar bahn­bre­chen­de Neu­heit“ ((Ebd., Nr. 6: a.a.O., 1122.)). Der­sel­be Papst erin­ner­te dar­an, dass für alle die­se kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen die Zeit der „kirch­li­chen Rei­fe“ kommt, die zu ihrer vol­len Wert­schät­zung und Ein­glie­de­rung „in die Orts­kir­chen und in die Pfar­rei­en führt und immer in Gemein­schaft mit den Hir­ten und in Über­ein­stim­mung mit ihren Richt­li­ni­en bleibt“ ((Ebd., Nr. 8: a.a.O., 1124.)). Die­se neu­en Grup­pie­run­gen, die das Herz der Kir­che mit Freu­de und Dank­bar­keit erfül­len, sind geru­fen, mit allen ande­ren Gaben im kirch­li­chen Leben in Ver­bin­dung zu treten.

Ziel des vor­lie­gen­den Schreibens

3. Mit dem vor­lie­gen­den Schrei­ben möch­te die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re – im Licht der Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben – an jene theo­lo­gi­schen und ekkle­sio­lo­gi­schen Ele­men­te erin­nern, deren Ver­ständ­nis eine frucht­ba­re und geord­ne­te Teil­nah­me der neu­en Ver­ei­ni­gun­gen an der Gemein­schaft und an der Sen­dung der Kir­che för­dern kann. Zu die­sem Zweck wer­den zuerst eini­ge grund­le­gen­de Aspek­te der Leh­re über die Cha­ris­men im Neu­en Testa­ment und in der lehr­amt­li­chen Refle­xi­on über die­se neu­en Grup­pie­run­gen dar­ge­legt. Aus­ge­hend von eini­gen theo­lo­gi­schen Grund­prin­zi­pi­en wer­den dann Iden­ti­täts­merk­ma­le der hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben sowie eini­ge Kri­te­ri­en für die Unter­schei­dung neu­er kirch­li­cher Ver­ei­ni­gun­gen vorgelegt.

I. Die Cha­ris­men nach dem Neu­en Testament

Gna­de und Charisma

4. Der Aus­druck „Cha­ris­ma“ kommt vom grie­chi­schen Wort chá­ris­ma, das in den pau­li­ni­schen Brie­fen oft ver­wen­det wird und auch im ersten Petrus­brief vor­kommt. Es bedeu­tet all­ge­mein „groß­zü­gi­ge Gabe“ und wird im Neu­en Testa­ment nur in Bezug auf die gött­li­chen Gaben ver­wen­det. An eini­gen Stel­len kommt dem Wort vom Kon­text her eine prä­zi­se­re Bedeu­tung zu (vgl. Röm 12, 6; 1 Kor 12, 4. 31; 1 Petr 4, 10), deren Grund­merk­mal die unter­schied­li­che Zutei­lung von Gaben ist ((„Es gibt ver­schie­de­ne Gna­den­ga­ben (charà­smata)“ (1 Kor 12, 4); „wir haben unter­schied­li­che Gaben (charà­smata)“ (Röm 12, 6); „jeder hat sei­ne Gna­den­ga­be (chá­ris­ma) von Gott, der eine so, der ande­re so“ (1 Kor 7, 7).)). Dies ist auch die vor­herr­schen­de Bedeu­tung der von die­sem grie­chi­schen Aus­druck abge­lei­te­ten Wor­te in den moder­nen Spra­chen. Nicht jedes ein­zel­ne Cha­ris­ma wird allen zuge­teilt (vgl. 1 Kor 12, 30), im Unter­schied zu den grund­le­gen­den Gna­den, wie etwa der hei­lig­ma­chen­den Gna­de, oder der Gaben des Glau­bens, der Hoff­nung und der Lie­be, die für jeden Chri­sten unab­ding­bar sind. Die Cha­ris­men sind beson­de­re Gaben, die der Geist zuteilt, „wie er will“ (1 Kor 12, 11). Um den ver­schie­de­nen Cha­ris­men in der Kir­che gebüh­rend Rech­nung zu tra­gen, gebrau­chen die bei­den wich­tig­sten Tex­te (Röm 12, 4–8; 1 Kor 12, 12–30) den Ver­gleich mit dem mensch­li­chen Leib: „Denn wie wir an dem einen Leib vie­le Glie­der haben, aber nicht alle Glie­der den­sel­ben Dienst lei­sten, so sind wir, die vie­len, ein Leib in Chri­stus, als ein­zel­ne aber sind wir Glie­der, die zuein­an­der gehö­ren. Wir haben unter­schied­li­che Gaben, je nach der uns ver­lie­he­nen Gna­de“ (Röm 12, 4–6). Unter den Glie­dern des Lei­bes ist die Ver­schie­den­heit nicht eine Anoma­lie, die zu ver­mei­den ist, son­dern im Gegen­teil eine Not­wen­dig­keit, die zur Erfül­lung der ver­schie­de­nen vita­len Funk­tio­nen uner­läss­lich ist: „Wären alle zusam­men nur ein Glied, wo blie­be dann der Leib? So aber gibt es vie­le Glie­der und doch nur einen Leib“ (1 Kor 12, 19–20). Von einer engen Bezie­hung zwi­schen den beson­de­ren Cha­ris­men (charà­smata) und der Gna­de (chá­ris) Got­tes spricht Pau­lus in Röm 12, 6 und Petrus in 1 Petr 4, 10 ((In der grie­chi­schen Spra­che haben die bei­den Wor­te (chá­ris­ma, chá­ris) die­sel­be Wur­zel.)). Die Cha­ris­men wer­den als Zei­chen „der viel­fäl­ti­gen Gna­de Got­tes“ (1 Petr 4, 10) aner­kannt. Es han­delt sich dabei also nicht bloß um mensch­li­che Fähig­kei­ten. Ihr gött­li­cher Ursprung wird in unter­schied­li­cher Wei­se zum Aus­druck gebracht: Nach eini­gen Tex­ten kom­men sie von Gott (vgl. Röm 12, 3; 1 Kor 12, 28; 2 Tim 1, 6; 1 Petr 4, 10); nach Eph 4, 7 kom­men sie von Chri­stus; nach 1 Kor 12, 4–11 vom Geist. Weil die zuletzt genann­te Stel­le die dich­te­ste ist (hier wird sie­ben­mal der Geist erwähnt), wer­den die Cha­ris­men gewöhn­lich als „Offen­ba­rung des Gei­stes“ (1 Kor 12, 7) dar­ge­legt. Es ist aber klar, dass die­se Zuschrei­bung nicht aus­schließ­lich ist und den bei­den vor­aus­ge­hen­den nicht wider­spricht. Die Gaben Got­tes bezie­hen sich immer auf den gan­zen tri­ni­ta­ri­schen Hori­zont, wie die Theo­lo­gie im Westen und im Osten seit den Anfän­gen unauf­hör­lich bekräf­tigt hat ((Vgl. Orig­e­nes, De prin­ci­pi­is, I, 3, 7: PG 11, 153:„Was als Gabe des Gei­stes bezeich­net wird, wird durch den Sohn ver­mit­telt und durch den Vater hervorgebracht“.)).

Gaben zum Nut­zen ande­rer und Pri­mat der Liebe

5. In 1 Kor 12, 7 erklärt Pau­lus: „Jedem aber wird die Offen­ba­rung des Gei­stes geschenkt, damit sie nützt“ oder, wie vie­le Über­set­zer anfü­gen, „damit sie ande­ren nützt“. Denn die mei­sten, wenn auch nicht alle Cha­ris­men, die vom Apo­stel erwähnt wer­den, haben unmit­tel­ba­ren Nut­zen für die ande­ren. Die­se Bestim­mung zum Auf­bau aller wur­de zum Bei­spiel von Basi­li­us dem Gro­ßen tref­fend aus­ge­drückt, wenn er sagt: „Die­se Gaben erhält jeder mehr für die ande­ren als für sich selbst […]. Im Leben in Gemein­schaft ist es not­wen­dig, dass die Kraft des Hei­li­gen Gei­stes, die einer erhal­ten hat, an alle wei­ter­ge­ge­ben wird. Wer für sich selbst lebt, mag viel­leicht ein Cha­ris­ma haben, aber er macht es nicht nütz­lich und lässt es unge­braucht, weil er es bei sich selbst behält“ ((Basi­li­us von Cäsarea, Regu­lae fusi­us Trac­tae, 7, 2: PG 31, 933–934.)). Pau­lus schließt aber nicht aus, dass ein Cha­ris­ma nur der Per­son, die es erhal­ten hat, nütz­lich sein kann. Dies ist bei der Gabe der Zun­gen­re­de der Fall, die sich in die­ser Hin­sicht von der Pro­phe­ten­ga­be unter­schei­det ((„Wer in Zun­gen redet, erbaut sich selbst; wer aber pro­phe­tisch redet, baut die Gemein­de auf“ (1 Kor 14, 4). Der Apo­stel ver­ach­tet die Gabe der Zun­gen­re­de nicht, die für die per­sön­li­che Got­tes­be­zie­hung im Gebet nütz­lich sein kann, und er aner­kennt sie als ech­tes Cha­ris­ma, auch wenn sie nicht unmit­tel­bar einen all­ge­mei­nen Nut­zen hat: „Ich dan­ke Gott, dass ich mehr als ihr alle in Zun­gen rede. Doch vor der Gemein­de will ich lie­ber fünf Wor­te mit Ver­stand reden, um auch ande­re zu unter­wei­sen, als zehn­tau­send Wor­te in Zun­gen stam­meln“ (1 Kor 14, 18–19).)). Die Cha­ris­men, die von all­ge­mei­nem Nut­zen sind, sei­en es Cha­ris­men des Wor­tes (der Weis­heit, der Erkennt­nis, der Pro­phe­tie, der Ermah­nung) oder des Tuns (der Wun­der­kräf­te, des Dien­stes, der Lei­tung), haben auch einen per­sön­li­chen Nut­zen, weil ihr Ein­satz zum Gemein­wohl bei denen, die sie besit­zen, das Wachs­tum in der Lie­be för­dert. Pau­lus schreibt dies­be­züg­lich, dass auch die erha­ben­sten Cha­ris­men der Per­son, die sie erhal­ten hat, nichts nüt­zen, wenn die Lie­be fehlt (vgl. 1 Kor 13, 1–3). Ein ern­ster Abschnitt im Mat­thä­us­evan­ge­li­um bringt das­sel­be zum Aus­druck: Die Aus­übung der auf­fäl­li­gen Cha­ris­men (Pro­phe­tie, Exor­zis­men, Wun­der­ta­ten) kann lei­der mit dem Feh­len einer ech­ten Bezie­hung zum Erlö­ser ein­her­ge­hen (vgl. Mt 7, 22–23). Des­halb bestehen sowohl Petrus als auch Pau­lus auf der Not­wen­dig­keit, alle Cha­ris­men auf die Lie­be aus­zu­rich­ten. Petrus bie­tet eine all­ge­mei­ne Regel: „Dient ein­an­der als gute Ver­wal­ter der viel­fäl­ti­gen Gna­de Got­tes, jeder mit der Gabe, die er emp­fan­gen hat“ (1 Petr 4, 10). Pau­lus sorgt sich vor allem um die Aus­übung der Cha­ris­men bei den Ver­samm­lun­gen der christ­li­chen Gemein­schaft und sagt: „Alles gesche­he so, dass es auf­baut“ (1 Kor 14, 26).

Viel­falt der Charismen

6. In eini­gen Tex­ten fin­den wir eine Auf­zäh­lung von Cha­ris­men, manch­mal sum­ma­risch (vgl. 1 Petr 4, 10), ande­re Male mehr detail­liert (vgl. 1 Kor 12, 8–10. 28–30; Röm 12, 6–8). Unter den erwähn­ten Cha­ris­men gibt es außer­ge­wöhn­li­che Gaben (der Hei­lung, der Wun­der­kräf­te, der Zun­gen­re­de) und gewöhn­li­che Gaben (der Leh­re, des Dien­stes, der Wohl­tä­tig­keit), Dien­ste zur Lei­tung der Gemein­schaft (vgl. Eph 4, 11) und Gaben, die durch die Auf­le­gung der Hän­de ver­mit­telt wer­den (vgl. 1 Tim 4, 14; 2 Tim 1, 6). Es ist nicht immer klar, ob alle die­se Gaben als „Cha­ris­men“ im eigent­li­chen Sinn betrach­tet wer­den oder nicht. Von den außer­ge­wöhn­li­chen Gaben, die wie­der­holt in 1 Kor 12–14 genannt wer­den, ist näm­lich in spä­te­ren Tex­ten nicht mehr die Rede. Die Auf­zäh­lung von Röm 12, 6–8 beinhal­tet nur weni­ger auf­fal­len­de Cha­ris­men, die einen blei­ben­den Nut­zen für das Leben der christ­li­chen Gemein­schaft haben. Kei­ne die­ser Auf­zäh­lun­gen bean­sprucht Voll­stän­dig­keit. An ande­rer Stel­le weist Pau­lus dar­auf hin, dass die Wahl der Ehe­lo­sig­keit aus Lie­be zu Chri­stus – wie auch die Wahl der Ehe – als Frucht eines Cha­ris­mas zu ver­ste­hen ist (vgl. 1 Kor 7, 7 im Kon­text des gan­zen Kapi­tels). Die­se bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lun­gen hän­gen vom Stand der Ent­wick­lung ab, den die Kir­che in jener Zeit erreicht hat­te; ihnen kön­nen ande­re Cha­ris­men hin­zu­ge­fügt wer­den. Die Kir­che wächst näm­lich bestän­dig in der Zeit dank des leben­spen­den­den Wir­kens des Geistes.

Rech­te Aus­übung der Cha­ris­men in der kirch­li­chen Gemeinschaft

7. Aus dem Gesag­ten geht deut­lich her­vor, dass es in den Schrift­tex­ten kei­nen Gegen­satz zwi­schen den ver­schie­de­nen Cha­ris­men gibt, son­dern viel­mehr eine har­mo­ni­sche Ver­bun­den­heit und Kom­ple­men­ta­ri­tät. Die Gegen­über­stel­lung einer insti­tu­tio­nel­len Kir­che jüdisch-christ­li­cher Prä­gung und einer cha­ris­ma­ti­schen Kir­che pau­li­ni­scher Art, wie sie von gewis­sen ver­kür­zen­den ekkle­sio­lo­gi­schen Inter­pre­ta­tio­nen behaup­tet wur­de, fin­det im Neu­en Testa­ment kein Fun­da­ment. Weit davon ent­fernt, die Cha­ris­men auf der einen und die Insti­tu­tio­nen auf der ande­ren Sei­te zu sehen oder einer Kir­che „der Lie­be“ eine Kir­che „der Insti­tu­ti­on“ gegen­über­zu­stel­len, nennt Pau­lus in einer ein­zi­gen Auf­zäh­lung Cha­ris­men der Lei­tung und der Lie­be, Cha­ris­men, die dem gewöhn­li­chen Leben der Gemein­schaft nüt­zen, und Cha­ris­men, die auf­fäl­li­ger sind ((Vgl. 1 Kor 12, 28: „So hat Gott in der Kir­che die einen als Apo­stel ein­ge­setzt, die andern als Pro­phe­ten, die drit­ten als Leh­rer; fer­ner ver­lieh er die Kraft, Wun­der zu tun, sodann die Gaben, Krank­hei­ten zu hei­len, zu hel­fen, zu lei­ten, end­lich die ver­schie­de­nen Arten der Zun­gen­re­de“.)). Der­sel­be Pau­lus beschreibt sei­nen Apo­stel­dienst als „Dienst der Gei­stes“ (2 Kor 3, 8). Er weiß sich mit Voll­macht (exousà­a) beklei­det, die der Herr ihm ver­lie­hen hat (vgl. 2 Kor 10, 8; 13, 10), einer Voll­macht, die sich auch auf die Cha­ris­ma­ti­ker erstreckt. Sowohl er als auch Petrus geben den Cha­ris­ma­ti­kern Anwei­sun­gen, wie die Cha­ris­men zu gebrau­chen sind. Sie neh­men die Cha­ris­men wohl­wol­lend an und sind davon über­zeugt, dass sie gött­li­chen Ursprungs sind; sie betrach­ten sie aber nicht als Gaben, die dazu berech­ti­gen, sich dem Gehor­sam gegen­über der kirch­li­chen Hier­ar­chie zu ent­zie­hen, oder das Recht auf einen unab­hän­gi­gen Dienst gewäh­ren. Pau­lus ist sich bewusst, dass die unge­ord­ne­te Aus­übung der Cha­ris­men in der christ­li­chen Gemein­schaft Scha­den anrich­ten kann ((Bei den gemein­schaft­li­chen Zusam­men­künf­ten kann ein Zuviel an cha­ris­ma­ti­schen Aus­drucks­wei­sen Scha­den anrich­ten und zu einer Atmo­sphä­re der Riva­li­tät, der Unord­nung und der Ver­wir­rung füh­ren. Die weni­ger mit Gaben aus­ge­stat­te­ten Chri­sten könn­ten in die Gefahr kom­men, einen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex zu ent­wickeln (vgl. 1 Kor 12, 15–16), die gro­ßen Cha­ris­ma­ti­ker könn­ten der Ver­su­chung erlie­gen, hoch­mü­ti­ge und ver­ach­ten­de Hal­tun­gen ein­zu­neh­men (vgl. 1 Kor 12, 21).)). Der Apo­stel greift des­halb mit Voll­macht ein, um genaue Rege­lun­gen für die Aus­übung der Cha­ris­men „vor der Gemein­de“ (1 Kor 14, 19. 28), also bei den Zusam­men­künf­ten der Gemein­schaft (vgl. 1 Kor 14, 23. 26), zu schaf­fen. Er limi­tiert bei­spiels­wei­se die Aus­übung der Zun­gen­re­de ((Bei den gemein­schaft­li­chen Zusam­men­künf­ten kann ein Zuviel an cha­ris­ma­ti­schen Aus­drucks­wei­sen Scha­den anrich­ten und zu einer Atmo­sphä­re der Riva­li­tät, der Unord­nung und der Ver­wir­rung füh­ren. Die weni­ger mit Gaben aus­ge­stat­te­ten Chri­sten könn­ten in die Gefahr kom­men, einen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex zu ent­wickeln (vgl. 1 Kor 12, 15–16), die gro­ßen Cha­ris­ma­ti­ker könn­ten der Ver­su­chung erlie­gen, hoch­mü­ti­ge und ver­ach­ten­de Hal­tun­gen ein­zu­neh­men (vgl. 1 Kor 12, 21).)). Ähn­li­che Regeln gibt er auch für die Gabe der Pro­phe­tie (vgl. 1 Kor 14, 29–31) ((Pau­lus ist gegen unauf­halt­ba­re pro­phe­ti­sche Ein­ge­bun­gen und bekräf­tigt: „Die Äuße­rung pro­phe­ti­scher Ein­ge­bun­gen ist näm­lich dem Wil­len der Pro­phe­ten unter­wor­fen. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unord­nung, son­dern ein Gott des Frie­dens“ (1 Kor 14, 32–33). Er schreibt wei­ter: „Wenn einer meint, Pro­phet zu sein oder gei­ster­füllt, soll er in dem, was ich euch schrei­be, ein Gebot des Herrn erken­nen. Wer das nicht aner­kennt, wird nicht aner­kannt“ (1 Kor 14, 37–38). Er schließt aber posi­tiv und lädt ein, nach der Pro­phe­ten­ga­be zu stre­ben und nie­mand dar­an zu hin­dern, in Zun­gen zu reden (vgl. 1 Kor 14, 39).)).

Hier­ar­chi­sche und cha­ris­ma­ti­sche Gaben

8. Zusam­men­fas­send ergibt sich aus der Durch­sicht der bibli­schen Tex­te bezüg­lich der Cha­ris­men, dass das Neue Testa­ment zwar kei­ne voll­stän­di­ge syste­ma­ti­sche Leh­re dar­über bie­tet, aber doch Aus­sa­gen von gro­ßer Bedeu­tung ent­hält, die für das Nach­den­ken und die kirch­li­che Pra­xis rich­tung­wei­send sind. Man muss auch aner­ken­nen, dass wir dort kei­nen ein­heit­li­chen Gebrauch des Wor­tes „Cha­ris­ma“ fin­den, son­dern eine Viel­falt an Bedeu­tun­gen, zu deren Ver­ständ­nis die theo­lo­gi­sche Refle­xi­on und das Lehr­amt im Rah­men einer umfas­sen­den Sicht auf das Geheim­nis der Kir­che bei­tra­gen. Im vor­lie­gen­den Schrei­ben wird die Auf­merk­sam­keit auf die bei­den Aus­drücke „hier­ar­chi­sche und cha­ris­ma­ti­sche Gaben“ gelegt, die in der Dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­tio­nen Lumen gen­ti­um, Nr. 4, vor­kom­men und zwi­schen denen es enge, klar arti­ku­lier­te Bezie­hun­gen gibt. Sie haben den­sel­ben Ursprung und das­sel­be Ziel. Sie sind Gaben von Gott, vom Hei­li­gen Geist, von Chri­stus, um in ver­schie­de­ner Wei­se zum Auf­bau der Kir­che bei­zu­tra­gen. Wer in der Kir­che die Gabe der Lei­tung erhal­ten hat, dem kommt auch die Auf­ga­be zu, über die rech­te Aus­übung der ande­ren Cha­ris­men zu wachen, so dass alles dem Wohl der Kir­che und der Sen­dung zur Evan­ge­li­sie­rung dient, dar­um wis­send, dass der Hei­li­ge Geist die cha­ris­ma­ti­schen Gaben jedem zuteilt, wie er will (vgl. 1 Kor 12, 11). Der­sel­be Geist gibt der Hier­ar­chie der Kir­che die Fähig­keit, die ech­ten Cha­ris­men zu unter­schei­den, sie mit Freu­de und Dank­bar­keit anzu­neh­men, sie groß­her­zig zu för­dern und sie väter­lich und wach­sam zu beglei­ten. Die Geschich­te bezeugt uns das viel­fäl­ti­ge Wir­ken des Gei­stes, durch das die Kir­che, die „auf das Fun­da­ment der Apo­stel und Pro­phe­ten gebaut“ ist und deren Schluss­stein „Chri­stus Jesus selbst“ ist (Eph 2, 20), ihre Sen­dung in der Welt lebt.

II. Die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben
im jün­ge­ren Lehramt

Zwei­tes Vati­ka­ni­sches Konzil

9. Das Auf­kom­men ver­schie­de­ner Cha­ris­men ist im Lau­fe der jahr­hun­der­te­lan­gen Geschich­te der Kir­che nie abge­bro­chen, aber erst in jün­ge­rer Zeit hat sich eine syste­ma­ti­sche Refle­xi­on dar­über ent­wickelt. Viel Raum wird der Leh­re über die Cha­ris­men im Lehr­amt von Pius XII. in der Enzy­kli­ka Mysti­ci cor­po­ris ((Vgl. Pius XII., Enzy­kli­ka Mysti­ci cor­po­ris (29. Juni 1943): AAS 35 (1943), 206–230.)) gege­ben. Einen ent­schei­den­den Schritt im rech­ten Ver­ständ­nis der Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben macht das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Die ein­schlä­gi­gen Stel­len zu die­sem The­ma ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 4, 7, 11, 12, 25, 30, 50; Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum, Nr. 8; Dekret Apo­sto­li­cam actuo­sitatem, Nr. 3, 4, 30; Dekret Pres­by­terorum ordi­nis, Nr. 4, 9.)) wei­sen dar­auf hin, dass es im Leben der Kir­che neben dem geschrie­be­nen und über­lie­fer­ten Wort Got­tes, den Sakra­men­ten und dem hier­ar­chi­schen Wei­he­amt auch Gaben, beson­de­re Gna­den oder Cha­ris­men gibt, die den Gläu­bi­gen aller Lebens­si­tua­tio­nen zuge­teilt wer­den. Der dazu wich­tig­ste Abschnitt ist in Lumen gen­ti­um, Nr. 4, ent­hal­ten: „Der Geist […] führt die Kir­che in alle Wahr­heit ein (vgl. Joh 16, 13), eint sie in Gemein­schaft und Dienst­lei­stung, berei­tet und lenkt sie durch die ver­schie­de­nen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben und schmückt sie mit sei­nen Früch­ten (vgl. Eph 4, 11–12; 1 Kor 12, 4; Gal 5, 22)“ ((Dass., Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 4)).Wenn die Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um so die Gaben ein und des­sel­ben Gei­stes dar­legt, unter­streicht sie durch die Unter­schei­dung von hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben deren Ver­schie­den­heit in der Ein­heit. Bedeut­sam erschei­nen auch die Aus­sa­gen über die Cha­ris­men in Lumen gen­ti­um, Nr. 12, wo im Kon­text der Teil­nah­me des Vol­kes Got­tes am pro­phe­ti­schen Amt Chri­sti aus­ge­führt wird: „Der­sel­be Hei­li­ge Geist hei­ligt außer­dem nicht nur das Got­tes­volk durch die Sakra­men­te und die Dienst­lei­stun­gen, er führt es nicht nur und berei­chert es mit Tugen­den, son­dern […] ver­teilt unter den Gläu­bi­gen jeg­li­chen Stan­des auch beson­de­re Gna­den. Durch die­se macht er sie geeig­net und bereit, für die Erneue­rung und den vol­len Auf­bau der Kir­che ver­schie­de­ne Wer­ke und Dien­ste zu übernehmen“.

Schließ­lich wird auch die Viel­falt der Cha­ris­men und ihre Rol­le im Plan der Vor­se­hung beschrie­ben: „Sol­che Gna­den­ga­ben, ob sie nun von beson­de­rer Leucht­kraft oder aber schlich­ter und all­ge­mei­ner ver­brei­tet sind, müs­sen mit Dank und Trost ange­nom­men wer­den, da sie den Nöten der Kir­che beson­ders ange­passt und nütz­lich sind“ ((Ebd., Nr. 12.)). Ähn­li­che Über­le­gun­gen fin­den sich auch im Kon­zils­de­kret über das Lai­en­apo­sto­lat ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dekret Apo­sto­li­cam actuo­sitatem, Nr. 3: „Zum Voll­zug die­ses Apo­sto­la­tes schenkt der Hei­li­ge Geist, der ja durch den Dienst des Amtes und durch die Sakra­men­te die Hei­li­gung des Vol­kes Got­tes bewirkt, den Gläu­bi­gen auch noch beson­de­re Gaben (vgl. 1 Kor 12, 7); ‚einem jeden teilt er sie zu, wie er will‘ (1 Kor 12, 11), damit ‚alle, wie ein jeder die Gna­den­ga­be emp­fan­gen hat, mit die­ser ein­an­der hel­fen‘ und so auch selbst ‚wie gute Ver­wal­ter der man­nig­fa­chen Gna­de Got­tes‘ sei­en (1 Petr 4, 10) zum Auf­bau des gan­zen Lei­bes in der Lie­be (vgl. Eph 4, 16)“.)). Das­sel­be Doku­ment unter­streicht, dass die­se Gaben im Leben der Kir­che nicht als neben­säch­lich ange­se­hen wer­den dür­fen. Denn „aus dem Emp­fang die­ser Cha­ris­men, auch der schlich­te­ren, erwächst jedem Glau­ben­den das Recht und die Pflicht, sie in Kir­che und Welt zum Wohl der Men­schen und zum Auf­bau der Kir­che zu gebrau­chen. Das soll gewiss mit der Frei­heit des Hei­li­gen Gei­stes gesche­hen“ ((Ebd.)). Die ech­ten Cha­ris­men sind des­halb als Gaben von unver­zicht­ba­rer Bedeu­tung für das Leben und die Sen­dung der Kir­che zu betrach­ten. Schließ­lich lehrt das Kon­zil bestän­dig, dass die Hir­ten bei der Unter­schei­dung der Cha­ris­men und für ihre geord­ne­te Aus­übung inner­halb der kirch­li­chen Gemein­schaft eine wesent­li­che Rol­le spie­len ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 12: „Das Urteil über ihre Echt­heit und ihren geord­ne­ten Gebrauch steht bei jenen, die in der Kir­che die Lei­tung haben und denen es in beson­de­rer Wei­se zukommt, den Geist nicht aus­zu­lö­schen, son­dern alles zu prü­fen und das Gute zu behal­ten (vgl. 1 Thess 5, 12. 19–21)“. Auch wenn sich dies unmit­tel­bar auf die Unter­schei­dung der außer­or­dent­li­chen Gaben bezieht, gilt das Gesag­te ana­log für jedes Cha­ris­ma ganz allgemein.))

Nach­kon­zi­lia­res Lehramt

10. In der Zeit nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil haben die Äuße­run­gen des Lehr­amts zu die­sem The­ma zuge­nom­men ((Vgl. zum Bei­spiel Paul VI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii nun­ti­an­di (8. Dezem­ber 1975), Nr. 58: AAS 68 (1976), 46–49; Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te und für die Säku­lar­in­sti­tu­te – Kon­gre­ga­ti­on für die bischö­fe, Leit­li­ni­en Mutuae rela­tio­nes (14. Mai 1978): AAS 70 (1978), 473–506; Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci (30. Dezem­ber 1988): AAS 81 (1989), 393–521; Apo­sto­li­sches Schrei­ben Vita con­se­cra­ta (25. März 1996): AAS 88 (1996), 377–486.)). Dazu hat die wach­sen­de Vita­li­tät neu­er Bewe­gun­gen, Ver­ei­ni­gun­gen von Gläu­bi­gen und kirch­li­cher Gemein­schaf­ten bei­getra­gen, aber auch die Not­wen­dig­keit einer genaue­ren Orts­be­stim­mung des geweih­ten Lebens inner­halb der Kir­che ((Bezeich­nend ist die Aus­sa­ge im oben erwähn­ten inter­dik­aste­ri­el­len Doku­ment Mutuae rela­tio­nes, in dem in Erin­ne­rung geru­fen wird: „Es wäre ein schwe­rer Irr­tum, das Ordens­le­ben und die kirch­li­chen Struk­tu­ren von­ein­an­der unab­hän­gig zu machen – noch viel schwe­rer wäre der Irr­tum, woll­te man das eine dem ande­ren ent­ge­gen­set­zen –, so als ob es zwei Kir­chen gäbe: eine cha­ris­ma­ti­sche und eine insti­tu­tio­nel­le. Viel­mehr bil­den bei­de Aspek­te, die Gei­stes­ga­ben und die kirch­li­chen Struk­tu­ren, eine ein­zi­ge, wenn auch kom­ple­xe Wirk­lich­keit“ (Nr. 34).)). Johan­nes Paul II. hat in sei­nem Lehr­amt beson­ders das Prin­zip der Gleich­we­sent­lich­keit die­ser Gaben betont: „Mehr­mals hat­te ich die Gele­gen­heit zu unter­strei­chen, dass es in der Kir­che kei­nen Gegen­satz oder Wider­spruch gibt zwi­schen der insti­tu­tio­nel­len und der cha­ris­ma­ti­schen Dimen­si­on, für die die Bewe­gun­gen ein bedeut­sa­mer Aus­druck sind. Bei­de sind gleich­we­sent­lich für die gött­li­che Struk­tur der Kir­che, die von Jesus gegrün­det wor­den ist, damit sie gemein­sam dazu bei­tra­gen, das Geheim­nis Chri­sti und sein Heils­werk in der Welt gegen­wär­tig zu machen“ ((Johan­nes Paul II., Bot­schaft an die Teil­neh­mer des Welt­kon­gres­ses der kirch­li­chen Bewe­gun­gen (27. Mai 1998), Nr. 5: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XXI, 1 (1998), 1065; vgl. Ders., Bot­schaft an die kirch­li­chen Bewe­gun­gen beim Zwei­ten Inter­na­tio­na­len Kol­lo­qui­um (2. März 1987): Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, X,1 (1987), 476–479.)). Bene­dikt XVI. bekräf­tig­te die Gleich­we­sent­lich­keit der Cha­ris­men und ver­tief­te die Aus­sa­ge sei­nes Vor­gän­gers, wenn er dar­an erin­ner­te: „In der Kir­che sind auch die wesent­li­chen Insti­tu­tio­nen cha­ris­ma­tisch, und auf der ande­ren Sei­te müs­sen sich auch die Cha­ris­men in der einen oder ande­ren Wei­se insti­tu­tio­na­li­sie­ren, damit ihnen Kohä­renz und Kon­ti­nui­tät beschie­den ist. So wir­ken bei­de Dimen­sio­nen, die ja vom sel­ben Hei­li­gen Geist für den­sel­ben Leib Chri­sti her­vor­ge­bracht wor­den sind, zusam­men, um das Geheim­nis und das Heils­wir­ken Chri­sti in der Welt zu ver­ge­gen­wär­ti­gen“ ((Bene­dikt XVI., Anspra­che an die Mit­glie­der der kirch­li­chen Bewe­gung „Comu­nio­ne e Libe­ra­zio­ne“ (24. März 2007): Inseg­na­men­ti di Bene­det­to XVI, III, 1 (2007), 558.)). Hier­ar­chi­sche und cha­ris­ma­ti­sche Gaben blei­ben auf die­se Wei­se von ihrem Ursprung her auf­ein­an­der bezo­gen. Papst Fran­zis­kus hat schließ­lich an die „Har­mo­nie“ erin­nert, die der Geist zwi­schen den ver­schie­de­nen Gaben schafft, und er hat die cha­ris­ma­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen zur mis­sio­na­ri­schen Offen­heit, zum not­wen­di­gen Gehor­sam gegen­über den Hir­ten und zur Ver­bun­den­heit mit der Kir­che auf­ge­ru­fen ((„Das gemein­sa­me Unter­wegs­sein in der Kir­che unter der Füh­rung der Hir­ten, die ein spe­zi­el­les Cha­ris­ma und Amt haben, ist ein Zei­chen für das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes; die Kirch­lich­keit ist ein grund­sätz­li­ches Merk­mal für jeden Chri­sten, für jede Gemein­schaft, für jede Bewe­gung“: Fran­zis­kus, Homi­lie an Pfing­sten (19. Mai 2013): Inseg­na­men­ti di Fran­ces­co, I, 1 (2013), 208.)). Denn „in der Gemein­schaft sprie­ßen und blü­hen die Gaben, mit denen der Vater uns erfüllt; und in der Gemein­schaft lernt man, sie als Zei­chen sei­ner Lie­be zu allen sei­nen Kin­dern zu erken­nen“ ((Ders., Gene­ral­au­di­enz (1. Okto­ber 2014): L’Osservatore Roma­no (2. Okto­ber 2014), 8.)). Abschlie­ßend kann man also eine Über­ein­stim­mung des jün­ge­ren Lehr­amts dar­in fest­stel­len, dass die hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben gleich­we­sent­lich sind. Ein Gegen­satz oder gar ein Wider­spruch zwi­schen die­sen Gaben wäre gleich­be­deu­tend mit einem irri­gen und unvoll­stän­di­gen Ver­ständ­nis über das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes im Leben und in der Sen­dung der Kirche.

III. Das Theo­lo­gi­sche Fun­da­ment der Beziehung
zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben

Tri­ni­ta­ri­scher und chri­sto­lo­gi­scher Hori­zont der Gaben des Hei­li­gen Geistes

11. Um die tie­fen Grün­de für die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben zu begrei­fen, ist es ange­bracht, ihr theo­lo­gi­sches Fun­da­ment in Erin­ne­rung zu rufen. Denn die Heils­ord­nung selbst, wel­che die inner­lich auf­ein­an­der bezo­ge­nen Sen­dun­gen des fleisch­ge­wor­de­nen Wor­tes und des Hei­li­gen Gei­stes umfasst, erfor­dert not­wen­di­ger­wei­se, jeden ste­ri­len Wider­spruch oder äuße­ren Gegen­satz zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben zu über­win­den. In Wirk­lich­keit schließt jede Gabe des Vaters den Bezug zum gemein­sa­men und unter­schied­li­chen Wir­ken der gött­li­chen Sen­dun­gen ein: Jede Gabe kommt vom Vater durch den Sohn im Hei­li­gen Geist. Die Gabe des Gei­stes in der Kir­che ist an die Sen­dung des Soh­nes gebun­den, die sich unüber­biet­bar in sei­nem Pascha-Myste­ri­um erfüllt hat. Jesus selbst ver­bin­det die Erfül­lung sei­ner Mis­si­on mit der Sen­dung des Hei­li­gen Gei­stes in der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen ((Vgl. Joh 7, 39; 14, 26; 15, 26; 20, 22.)). Des­halb kann der Hei­li­ge Geist kei­ne ande­re Heils­ord­nung ein­füh­ren, die von jener des mensch­ge­wor­de­nen, gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen gött­li­chen Logos ver­schie­den wäre ((Vgl. Kon­gre­ga­ti­on Für Die Glau­bens­leh­re, Erklä­rung Domi­nus Iesus (6. August 2000), Nr. 9–12: AAS 92 (2000), 749–754.)). Denn die gan­ze sakra­men­ta­le Heils­ord­nung der Kir­che ist die geist­ge­wirk­te Ver­wirk­li­chung der Mensch­wer­dung: Des­we­gen wird der Hei­li­ge Geist von der Tra­di­ti­on als See­le der Kir­che, des Lei­bes Chri­sti, bezeich­net. Das Han­deln Got­tes in der Geschich­te beinhal­tet immer die Bezie­hung zwi­schen dem Sohn und dem Hei­li­gen Geist, die Ire­nä­us von Lyon tref­fend „die bei­den Hän­de des Vaters“ ((Ire­nä­us von lyon, Adver­sus haere­ses, IV, 7, 4: PG 7, 992–993; V, 1, 3: PG 7, 1123; V, 6, 1: PG 7, 1137; V, 28, 4: PG 7, 1200.)) nennt. In die­sem Sinn steht jede Gabe des Gei­stes in Bezie­hung zum fleisch­ge­wor­de­nen Wort ((Vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Erklä­rung Domi­nus Iesus, Nr. 12: AAS 92 (2000), 752–754.)).

Das ursprüng­li­che Band zwi­schen den hier­ar­chi­schen Gaben, die durch die sakra­men­ta­le Wei­he­gna­de ver­lie­hen wer­den, und den cha­ris­ma­ti­schen Gaben, die frei vom Hei­li­gen Geist zuge­teilt wer­den, hat des­halb sei­ne letz­te Wur­zel in der Bezie­hung zwi­schen dem fleisch­ge­wor­de­nen gött­li­chen Logos und dem Hei­li­gen Geist, der immer Geist des Vaters und des Soh­nes ist. Gera­de um zwei­deu­ti­ge theo­lo­gi­sche Sicht­wei­sen zu ver­mei­den, wel­che eine „Kir­che des Gei­stes“ postu­lie­ren, die von der hier­ar­chisch-insti­tu­tio­nel­len Kir­che ver­schie­den und getrennt wäre, muss unter­stri­chen wer­den, dass sich die bei­den gött­li­chen Sen­dun­gen in jeder Gabe, die der Kir­che ver­lie­hen wird, gegen­sei­tig impli­zie­ren. In Wirk­lich­keit schließt schon die Sen­dung Jesu Chri­sti in sich das Han­deln des Gei­stes ein. Johan­nes Paul II. hat in sei­ner Enzy­kli­ka Domi­num et vivi­fi­can­tem über den Hei­li­gen Geist gezeigt, dass das Wir­ken des Gei­stes in der Sen­dung des Soh­nes von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist ((Vgl. Johan­nes Paul II., Enzy­kli­ka Domi­num et vivi­fi­can­tem (18. Mai 1986), Nr. 50: AAS 78 (1986), 869–870; Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 727–730.)). Bene­dikt XVI. hat dies im Apo­sto­li­schen Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis ver­tieft und Fol­gen­des in Erin­ne­rung geru­fen: Der Para­klet, „der schon in der Schöp­fung am Werk war (vgl. Gen 1, 2), ist voll­ends gegen­wär­tig im gesam­ten Leben des fleisch­ge­wor­de­nen Wor­tes: Jesus Chri­stus wur­de ja durch das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes von der Jung­frau Maria emp­fan­gen (vgl. Mt 1, 18; Lk 1, 35); zu Beginn sei­ner öffent­li­chen Sen­dung sieht er ihn am Jor­da­nufer in Form einer Tau­be auf sich her­ab­kom­men (vgl. Mt 3, 16 und Par.); in eben­die­sem Geist han­delt, redet und froh­lockt er (vgl. Lk 10, 21); und in ihm kann er sich selbst als Opfer dar­brin­gen (vgl. Hebr 9, 14). In den soge­nann­ten, von Johan­nes auf­ge­zeich­ne­ten ‚Abschieds­re­den‘ stellt Jesus eine deut­li­che Bezie­hung her zwi­schen der Hin­ga­be sei­nes Lebens im Pascha-Myste­ri­um und der Gabe des Gei­stes an die Sei­nen (vgl. Joh 16, 7). Als Auf­er­stan­de­ner, der die Zei­chen der Pas­si­on an sei­nem Leib trägt, kann er mit sei­nem Hauch den Geist aus­strö­men (vgl. Joh 20, 22) und so die Sei­nen an der eige­nen Sen­dung betei­li­gen (vgl. Joh 20, 21). Der Geist wird dann die Jün­ger alles leh­ren und sie an alles erin­nern, was Chri­stus ihnen gesagt hat (vgl. Joh 14, 26), denn als Geist der Wahr­heit (vgl. Joh 15, 26) kommt es ihm zu, die Jün­ger in die gan­ze Wahr­heit zu füh­ren (vgl. Joh 16, 13). In der Apo­stel­ge­schich­te wird berich­tet, dass der Geist am Pfingst­tag auf die mit Maria im Gebet ver­sam­mel­ten Apo­stel her­ab­kommt (vgl. 2, 1–4) und sie zu der Auf­ga­be anfeu­ert, allen Völ­kern die Fro­he Bot­schaft zu ver­kün­den“ ((Bene­dikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis (22. Febru­ar 2007), Nr. 12: AAS 99 (2007), 114.)).

Han­deln des Hei­li­gen Gei­stes in den hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben

12. Der Ver­weis auf den tri­ni­ta­ri­schen und chri­sto­lo­gi­schen Hori­zont der gött­li­chen Gaben beleuch­tet auch die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben. In den hier­ar­chi­schen Gaben erscheint auf­grund ihrer Bin­dung an das Wei­he­sa­kra­ment in erster Linie die Bezie­hung zum Heils­han­deln Chri­sti, wie zum Bei­spiel zur Ein­set­zung der Eucha­ri­stie (vgl. Lk 22, 19f.; 1 Kor 11, 25), zur Voll­macht, Sün­den zu ver­ge­ben (vgl. Joh 20, 22f.), zur apo­sto­li­schen Sen­dung mit dem Auf­trag zu evan­ge­li­sie­ren und zu tau­fen (vgl. Mk 16, 15f.; Mt 28, 18–20). Genau­so deut­lich ist, dass kein Sakra­ment ohne das Han­deln des Hei­li­gen Gei­stes gespen­det wer­den kann ((Vgl. Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 1104–1107.)). Die cha­ris­ma­ti­schen Gaben, die vom Geist ver­lie­hen wer­den, der „weht, wo er will“ (Joh 3, 8), und sei­ne Gaben zuteilt, „wie er will“ (1 Kor 12, 11), sind ihrer­seits objek­tiv in Bezie­hung zum neu­en Leben in Chri­stus, inso­fern „jeder ein­zel­ne“ ein Glied an sei­nem Leib ist (1 Kor 12, 27). Des­we­gen kön­nen die cha­ris­ma­ti­schen Gaben nur in Bezug auf die Gegen­wart Chri­sti und sei­nen Dienst rich­tig ver­stan­den wer­den. Johan­nes Paul II. hat bekräf­tigt: „Die wah­ren Cha­ris­men kön­nen nur zur Begeg­nung mit Chri­stus in den Sakra­men­ten füh­ren“ ((Johan­nes Paul II., Anspra­che an die Mit­glie­der der kirch­li­chen Bewe­gun­gen und der neu­en Gemein­schaf­ten (30. Mai 1998), Nr. 7: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XX,1 (1998), 1123.)). Die hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben sind also in ihrer Aus­rich­tung auf die inne­re Bezie­hung zwi­schen Jesus Chri­stus und dem Hei­li­gen Geist mit­ein­an­der ver­bun­den. Der Para­klet ist jener, der durch die Sakra­men­te wirk­sam die vom gestor­be­nen und auf­er­stan­de­nen Chri­stus ange­bo­te­ne Heils­gna­de aus­teilt, und zugleich jener, der die Cha­ris­men spen­det. In der lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on der Chri­sten des Ostens, beson­ders in der syri­schen Tra­di­ti­on, wird all das sehr deut­lich, wenn die Rol­le des Hei­li­gen Gei­stes im Bild des Feu­ers dar­ge­stellt wird. Der gro­ße Theo­lo­ge und Dich­ter Ephräm der Syrer sagt: „Das Feu­er des Mit­leids ist her­ab­ge­stie­gen und hat im Brot Woh­nung genom­men“ ((Ephräm der Syrer, Hym­nen über den Glau­ben, X, 12: CSCO 154, 20.)). Er ver­weist damit nicht nur auf die ver­wan­deln­de Kraft des Gei­stes in Bezug auf die Gaben, son­dern auch im Blick auf die Gläu­bi­gen, die das eucha­ri­sti­sche Brot essen. Die ori­en­ta­li­sche Sicht­wei­se lässt uns durch ihre aus­drucks­star­ken Bil­der ver­ste­hen, wie Chri­stus uns beim Hin­tre­ten zur Eucha­ri­stie den Geist spen­det. Durch sein Han­deln in den Gläu­bi­gen nährt der Geist das Leben in Chri­stus und führt sie auch zu einem tie­fe­ren sakra­men­ta­len Leben, vor allem durch die Eucha­ri­stie. Auf die­se Wei­se erreicht das freie Han­deln der Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit in der Geschich­te die Gläu­bi­gen mit der Gabe des Heils und treibt sie zugleich an, damit sie frei und umfas­send mit dem Ein­satz des eige­nen Lebens dar­auf antworten.

IV. Die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben
im Leben und in der Sen­dung der Kirche

In der Kir­che, dem Myste­ri­um der Gemeinschaft

13. Die Kir­che zeigt sich als „das von der Ein­heit des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes her geein­te Volk“ ((Cypri­an von Car­tha­go, De ora­tio­ne domi­ni­ca,23: PL 4, 553; vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 4.)), in dem die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben auf die vol­le Teil­nah­me der Gläu­bi­gen an der Gemein­schaft und an der evan­ge­li­sie­ren­den Sen­dung aus­ge­rich­tet erscheint. Zu die­sem neu­en Leben sind wir aus Gna­de in Chri­stus vor­aus­be­stimmt (vgl. Röm 8, 29–31; Eph 1, 4–5). Der Hei­li­ge Geist „schafft die­se wun­der­ba­re Gemein­schaft der Gläu­bi­gen und ver­bin­det sie in Chri­stus so innig, dass er das Prin­zip der Ein­heit der Kir­che ist“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dekret Unita­tis red­in­te­gra­tio, Nr. 2.)). Denn in der Kir­che wer­den die Men­schen ver­sam­melt, um Glie­der Chri­sti zu wer­den ((Vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Erklä­rung Domi­nus Iesus, Nr. 16: AAS 92 (2000), 757: „Die Fül­le des Heils­my­ste­ri­ums Chri­sti (gehört) auch zur Kir­che, die untrenn­bar mit ihrem Herrn ver­bun­den ist“.)), und in der kirch­li­chen Gemein­schaft ver­ei­nen sie sich in Chri­stus als Glie­der unter­ein­an­der. Gemein­schaft ist immer „eine zwei­fa­che vita­le Anteil­nah­me: die Ein­glie­de­rung der Chri­sten in das Leben Chri­sti und das Strö­men der­sel­ben Lie­be im gan­zen Gefü­ge der Gläu­bi­gen in die­ser und in der kom­men­den Welt. Ver­ei­ni­gung mit Chri­stus und in Chri­stus; sowie Ver­ei­ni­gung unter den Chri­sten in der Kir­che“ ((Paul VI., Gene­ral­au­di­enz (8. Juni 1966): Inseg­na­men­ti di Pao­lo VI, IV (1966), 794.)). In die­sem Sinn ist das Myste­ri­um der Kir­che „in Chri­stus gleich­sam das Sakra­ment, das heißt Zei­chen und Werk­zeug für die innig­ste Ver­ei­ni­gung mit Gott wie für die Ein­heit der gan­zen Mensch­heit“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 1.)). Hier zeigt sich die sakra­men­ta­le Wur­zel der Kir­che als Myste­ri­um der Gemein­schaft: „Es geht grund­sätz­lich um die Gemein­schaft mit Gott durch Jesus Chri­stus im Hei­li­gen Geist. Die­se Gemein­schaft ver­wirk­licht sich im Wort Got­tes und in den Sakra­men­ten. Die Tau­fe“ – eng ver­bun­den mit der Fir­mung – „ist die Tür und das Fun­da­ment der Gemein­schaft der Kir­che. Die Eucha­ri­stie ist die Quel­le und der Höhe­punkt des gan­zen christ­li­chen Lebens“ ((II. Ausser­or­dent­li­che voll­ver­samm­lung der Bischofs­syn­ode, Eccle­sia sub Ver­bo myste­ria Chri­sti cele­brans pro salu­te mun­di. Rela­tio fina­lis (7. Dezem­ber 1985), II, C, 1: Enchi­ri­d­ion Vati­ca­num, 9, 1800; vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Schrei­ben Com­mu­nio­nis notio, Nr. 4–5: AAS 85 (1993), 839–841.)). Die Sakra­men­te der Initia­ti­on sind kon­sti­tu­tiv für das christ­li­che Leben, auf sie stüt­zen sich die hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben. Das Leben der kirch­li­chen Gemein­schaft, das so in sei­nem Inne­ren geord­net wird, lebt vom bestän­di­gen ehr­fürch­ti­gen Hören auf das Wort Got­tes und wird durch die Sakra­men­te genährt. Das­sel­be Wort Got­tes zeigt sich uns tief ver­bun­den mit den Sakra­men­ten, vor allem mit der Eucha­ri­stie ((Vgl. Bene­dikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Ver­bum Domi­ni (30. Sep­tem­ber 2010), Nr. 54: AAS 102 (2010), 733–734; Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 174: AAS 105 (2013), 1092–1093.)), inner­halb des einen sakra­men­ta­len Hori­zonts der Offen­ba­rung. Die öst­li­che Tra­di­ti­on sieht die Kir­che, den vom Hei­li­gen Geist beseel­ten Leib Chri­sti, als eine geord­ne­te Ein­heit, was sich auch auf der Ebe­ne der Gei­stes­ga­ben aus­drückt. Die wirk­sa­me Gegen­wart des Gei­stes in den Her­zen der Gläu­bi­gen (vgl. Röm 5, 5) ist die Wur­zel die­ser Ein­heit auch der cha­ris­ma­ti­schen Aus­drucks­for­men ((Vgl. Basi­li­us von cäsarea, De Spi­ri­tu Sanc­to, 26: PG 32, 181.)). Die Cha­ris­men, die den Ein­zel­nen ver­lie­hen wer­den, gehö­ren näm­lich zur sel­ben Kir­che und sind auf ein inten­si­ve­res kirch­li­ches Leben hin­ge­ord­net. Die­se Sicht­wei­se erscheint auch in den Schrif­ten von John Hen­ry New­man: „So müss­te also das Herz eines jeden Chri­sten die katho­li­sche Kir­che im Klei­nen dar­stel­len, macht doch ein und der­sel­be Geist die gan­ze Kir­che und jedes Glied der­sel­ben zu sei­nem Tem­pel“ ((John Hen­ry New­man, Ser­mons Bea­ring on Sub­jects of the Day, Lon­don 1869, 132.)). Auf die­se Wei­se wird der Grund noch deut­li­cher, wes­halb es kei­ne Gegen­sät­ze oder Wider­sprü­che zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben geben kann.

Zusam­men­fas­send kann man sagen, dass die Bezie­hung zwi­schen den cha­ris­ma­ti­schen Gaben und der sakra­men­ta­len Struk­tur der Kir­che die Gleich­we­sent­lich­keit der hier­ar­chi­schen Gaben, die in sich bestän­dig, blei­bend und unwi­der­ruf­lich sind, und der cha­ris­ma­ti­schen Gaben bestä­tigt. Auch wenn die Cha­ris­men in ihren histo­ri­schen For­men nie für immer ver­bürgt sind ((Vgl. die para­dig­ma­ti­sche Fest­stel­lung von Johan­nes Paul II. für das geweih­te Leben: Gene­ral­au­di­enz (28. Sep­tem­ber 1994), Nr. 5: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XVII, 2 (1994), 404–405.)), kann die cha­ris­ma­ti­sche Dimen­si­on für das Leben und die Sen­dung der Kir­che doch nie fehlen.

Iden­ti­tät der hier­ar­chi­schen Gaben

14. Im Blick auf die Hei­li­gung jedes Glie­des des Got­tes­vol­kes und die Sen­dung der Kir­che in der Welt ragt unter den ver­schie­de­nen Gaben „die Gna­de der Apo­stel her­aus, deren Auto­ri­tät der Geist selbst auch die Cha­ris­ma­ti­ker unter­stellt“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 7.)). Jesus Chri­stus selbst hat hier­ar­chi­sche Gaben gewollt, um sei­ne ein­zi­ge Heils­ver­mitt­lung zu allen Zei­ten sicher­zu­stel­len. Des­halb „sind die Apo­stel mit einer beson­de­ren Aus­gie­ßung des her­ab­kom­men­den Hei­li­gen Gei­stes von Chri­stus beschenkt wor­den (vgl. Apg 1, 8; 2, 4; Joh 20, 22–23). Sie hin­wie­der­um über­tru­gen ihren Hel­fern durch die Auf­le­gung der Hän­de die geist­li­che Gabe (vgl. 1 Tim 4, 14; 2 Tim 1, 6–7)“ ((Ebd., Nr. 21.). Die Zutei­lung der hier­ar­chi­schen Gaben muss also vor allem auf die Fül­le des Wei­he­sa­kra­men­tes zurück­ge­führt wer­den, die durch die Bischofs­wei­he ver­lie­hen wird. Die­se über­trägt „mit dem Amt der Hei­li­gung auch die Ämter der Leh­re und der Lei­tung, die jedoch ihrer Natur nach nur in der hier­ar­chi­schen Gemein­schaft mit Haupt und Glie­dern des Kol­le­gi­ums aus­ge­übt wer­den kön­nen“[55]. „In den Bischö­fen, denen die Prie­ster zur Sei­te ste­hen, ist also inmit­ten der Gläu­bi­gen der Herr Jesus Chri­stus anwe­send […]; vor­züg­lich durch ihren erha­be­nen Dienst ver­kün­det er allen Völ­kern Got­tes Wort und spen­det den Glau­ben­den immer­fort die Sakra­men­te des Glau­bens. Durch ihr väter­li­ches Amt (vgl. 1 Kor 4, 15) fügt er sei­nem Leib kraft der Wie­der­ge­burt von oben neue Glie­der ein. Durch ihre Weis­heit und Umsicht end­lich lenkt und ord­net er das Volk des Neu­en Bun­des auf sei­ner Pil­ger­schaft zur ewi­gen Selig­keit“ ((Ebd.)). Die ost­kirch­li­che Tra­di­ti­on, die beson­ders stark den Vätern ver­bun­den ist, liest all das in der beson­de­ren Vor­stel­lung der Ord­nung (taxis). Nach Basi­li­us dem Gro­ßen steht fest, dass die Ord­nung der Kir­che ein Werk des Hei­li­gen Gei­stes ist, und die­se Ord­nung, in deren Zusam­men­hang Pau­lus die Cha­ris­men auf­zählt (vgl. 1 Kor 12, 28), „gemäß der Zutei­lung der Gaben des Gei­stes“ ((Basi­li­us von Cäsarea, De Spi­ri­tu Sanc­to, 16, 38: PG 32, 137.)) besteht, als deren erste er die Gabe der Apo­stel erwähnt. Vom Bezug zur Bischofs­wei­he her wer­den auch die hier­ar­chi­schen Gaben in Bezug auf die ande­ren Wei­he­gra­de ver­ständ­lich; vor allem bezüg­lich der Prie­ster, die „zur Ver­kün­di­gung der Froh­bot­schaft, zum Hir­ten­dienst an den Gläu­bi­gen und zur Fei­er des Got­tes­dien­stes geweiht“ sind; „unter der Auto­ri­tät des Bischofs hei­li­gen und lei­ten sie den ihnen zuge­wie­se­nen Anteil der Her­de des Herrn“; als Vor­bil­der der Her­de „sol­len sie ihrer Orts­ge­mein­de […] vor­ste­hen und die­nen“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 28.)). Die Bischö­fe und Prie­ster wer­den im Wei­he­sa­kra­ment durch die prie­ster­li­che Sal­bung „dem Prie­ster Chri­stus gleich­för­mig, so dass sie in der Per­son des Haup­tes Chri­stus han­deln kön­nen“ ((Dass., Dekret Pres­by­terorum ordi­nis, Nr. 2.)). Den prie­ster­li­chen Gaben sind jene bei­zu­fü­gen, die den Dia­ko­nen ver­lie­hen wer­den, „wel­che die Hand­auf­le­gung nicht zum Prie­ster­tum, son­dern zur Dienst­lei­stung emp­fan­gen. […] Mit sakra­men­ta­ler Gna­de gestärkt, die­nen sie dem Volk Got­tes in der Dia­ko­nie der Lit­ur­gie, des Wor­tes und der Lie­bes­tä­tig­keit in Gemein­schaft mit dem Bischof und sei­nem Pres­by­te­ri­um“ ((Dass., Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 29.)). Die hier­ar­chi­schen Gaben, die dem Wei­he­sa­kra­ment in sei­nen ver­schie­de­nen Stu­fen eigen sind, wer­den also ver­lie­hen, damit in der Gemein­schaft der Kir­che nie einem Gläu­bi­gen das objek­ti­ve Ange­bot der Gna­de der Sakra­men­te, die bevoll­mäch­tig­te Ver­kün­di­gung des Wor­tes Got­tes und die pasto­ra­le Sor­ge fehle.

Iden­ti­tät der cha­ris­ma­ti­schen Gaben

15. Wenn durch die Aus­übung der hier­ar­chi­schen Gaben im Lau­fe der Geschich­te das Ange­bot der Gna­de Chri­sti dem gan­zen Volk Got­tes zuge­si­chert ist, so sind alle Gläu­bi­gen geru­fen, die­ses Ange­bot anzu­neh­men und per­sön­lich in den kon­kre­ten Umstän­den des eige­nen Lebens dar­auf zu ant­wor­ten. Die cha­ris­ma­ti­schen Gaben wer­den frei vom Hei­li­gen Geist ver­lie­hen, damit die sakra­men­ta­le Gna­de im christ­li­chen Leben in unter­schied­li­cher Wei­se und auf allen Ebe­nen Frucht tra­ge. Da die­se Cha­ris­men „den Nöten der Kir­che beson­ders ange­passt und nütz­lich sind“ ((Ebd., Nr. 12.)), kann das Volk Got­tes durch ihren viel­fäl­ti­gen Reich­tum die Sen­dung zur Evan­ge­li­sie­rung in Fül­le leben, die Zei­chen der Zeit erfor­schen und im Licht des Evan­ge­li­ums deu­ten ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Pasto­ral­kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et spes, Nr. 4, 11.)). Denn die cha­ris­ma­ti­schen Gaben drän­gen die Gläu­bi­gen, in vol­ler Frei­heit und in einer der Zeit ent­spre­chen­den Wei­se auf die Gabe des Heils zu ant­wor­ten, indem sie aus ihrem Leben eine Lie­bes­ga­be für die ande­ren und ein authen­ti­sches Zeug­nis des Evan­ge­li­ums vor allen Men­schen machen.

Mit ande­ren geteil­te cha­ris­ma­ti­sche Gaben

16. In die­sem Zusam­men­hang ist es nütz­lich, dar­an zu erin­nern, wie unter­schied­lich die cha­ris­ma­ti­schen Gaben sein kön­nen, und zwar nicht nur auf­grund ihrer beson­de­rer Eigen­art, son­dern auch wegen ihrer Ver­brei­tung in der kirch­li­chen Gemein­schaft. Die cha­ris­ma­ti­schen Gaben „wer­den dem Ein­zel­nen gege­ben, kön­nen aber von ande­ren geteilt wer­den, so dass sie als kost­ba­res und leben­di­ges Erbe in der Zeit fort­dau­ern und zwi­schen ein­zel­nen Men­schen eine beson­de­re geist­li­che Ver­wandt­schaft schaf­fen“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 24: AAS 81 (1989), 434.)). Die Bezie­hung zwi­schen dem per­sön­li­chen Cha­rak­ter des Cha­ris­mas und der Mög­lich­keit, dar­an Anteil zu neh­men, bringt ein ent­schei­den­des Ele­ment sei­ner Dyna­mik zum Aus­druck, weil in der kirch­li­chen Gemein­schaft die Per­son immer mit der Gemein­schaft in Bezie­hung steht ((Vgl. ebd., Nr. 29: a.a.O., 443–446)). Die cha­ris­ma­ti­schen Gaben kön­nen in der Pra­xis eine Affi­ni­tät, Nähe und geist­li­che Ver­wandt­schaft stif­ten, wodurch das cha­ris­ma­ti­sche Erbe – aus­ge­hend von der Grün­der­ge­stalt – geteilt und ver­tieft wird und so wah­re und eigent­li­che geist­li­che Fami­li­en ent­ste­hen. Die kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen stel­len in ihren ver­schie­de­nen For­men sol­che mit ande­ren geteil­te Cha­ris­men dar. Kirch­li­che Bewe­gun­gen und neue Gemein­schaf­ten zei­gen, wie ein bestimm­tes ursprüng­li­ches Cha­ris­ma Gläu­bi­ge ver­sam­meln und die­sen hel­fen kann, ihre eige­ne christ­li­che Beru­fung und ihren Lebens­stand im Dienst an der kirch­li­chen Sen­dung ganz zu leben. Die kon­kre­ten histo­ri­schen For­men die­ser Anteil­nah­me kön­nen unter­schied­lich sein. Des­halb ist es mög­lich, dass aus einem ursprüng­li­chen Grün­dungs­cha­ris­ma ver­schie­de­ne Grün­dun­gen her­vor­ge­hen, wie die Geschich­te der Spi­ri­tua­li­tät zeigt.

Aner­ken­nung durch die kirch­li­che Autorität

17. Unter den cha­ris­ma­ti­schen Gaben, die vom Geist frei ver­lie­hen wer­den, gibt es sehr vie­le, die von einem Mit­glied der christ­li­chen Gemein­schaft ange­nom­men und gelebt wer­den, ohne dass es dafür eine beson­de­re Rege­lung braucht. Wenn es sich aber um ein Ursprungs- oder Grün­dungs­cha­ris­ma han­delt, bedarf es einer spe­zi­fi­schen Aner­ken­nung, damit die­ser Reich­tum sich in rech­ter Wei­se in der kirch­li­chen Gemein­schaft arti­ku­liert und getreu in der Zeit wei­ter­ge­ge­ben wird. Hier zeigt sich die maß­geb­li­che Auf­ga­be der Unter­schei­dung, die der kirch­li­chen Auto­ri­tät zukommt ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 12.)). Die Aner­ken­nung der Echt­heit eines Cha­ris­ma ist nicht immer eine ein­fa­che Auf­ga­be, aber ein not­wen­di­ger Dienst, den die Hir­ten ver­rich­ten müs­sen. Denn die Gläu­bi­gen haben „das Recht, von den Hir­ten über die Echt­heit der Cha­ris­men und über die Zuver­läs­sig­keit jener, die sich als ihre Trä­ger prä­sen­tie­ren, in Kennt­nis gesetzt zu wer­den“ ((Johan­nes Paul II., Gene­ral­au­di­enz (9. März 1994), Nr. 6: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XVII, 1 (1994), 641.)). Zu die­sem Zweck muss sich die Auto­ri­tät bewusst sein, dass die vom Hei­li­gen Geist erweck­ten Cha­ris­men in der Tat nicht vor­her­seh­bar sind und gemäß der Regel des Glau­bens im Blick auf den Auf­bau der Kir­che bewer­tet wer­den müs­sen ((Vgl. Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 799f.; Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te und für die Säku­lar­in­sti­tu­te – Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, Leit­li­ni­en Mutuae rela­tio­nes, Nr. 51: AAS 70 (1978), 499–500; Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Vita con­se­cra­ta, Nr. 48: AAS 88 (1996), 421–422; Ders., Gene­ral­au­di­enz (24. Juni 1992), Nr. 6: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XV, 1 (1992), 1935–1936.)). Dabei geht es um einen Pro­zess, der sich eine gewis­se Zeit dahin­zieht, ange­mes­se­ne Schrit­te für ihre Beglau­bi­gung erfor­dert und durch eine ernst­haf­te Prü­fung bis zur Aner­ken­nung ihrer Echt­heit reicht. Die Ver­ei­ni­gung, die aus einem Cha­ris­ma her­vor­geht, braucht eine ange­mes­se­ne Zeit der Erpro­bung und der Kon­so­li­die­rung, die über die Anfangs­be­gei­ste­rung hin­aus zu einer sta­bi­len Gestalt hin­führt. Auf dem gan­zen Weg der Prü­fung muss die Auto­ri­tät der Kir­che die neue Ver­ei­ni­gung wohl­wol­lend beglei­ten. Dabei geht es um eine Beglei­tung durch die Hir­ten, die nie feh­len wird, denn nie man­gelt es an der Väter­lich­keit jener, die in der Kir­che beru­fen sind, die Stell­ver­tre­ter des­sen zu sein, der der Gute Hirt ist und des­sen für­sorg­li­che Lie­be nicht auf­hört, sei­ne Her­de zu begleiten.

Kri­te­ri­en für die Unter­schei­dung der cha­ris­ma­ti­schen Gaben

18. An die­ser Stel­le kön­nen eini­ge Kri­te­ri­en für die Unter­schei­dung der cha­ris­ma­ti­schen Gaben in Bezug auf kirch­li­che Ver­ei­ni­gun­gen genannt wer­den, die das Lehr­amt der Kir­che wäh­rend der letz­ten Jah­re her­vor­ge­ho­ben hat. Die­se Kri­te­ri­en haben das Ziel, zur Aner­ken­nung einer ech­ten Kirch­lich­keit der Cha­ris­men beizutragen.

a) Pri­mat der Beru­fung jedes Chri­sten zur Hei­lig­keit. Jede Gemein­schaft, die aus der Teil­ha­be an einem ech­ten Cha­ris­ma her­vor­geht, muss immer ein Werk­zeug der Hei­li­gung in der Kir­che und dar­um der Stär­kung in der Lie­be und einer authen­ti­schen Aus­rich­tung auf die Voll­kom­men­heit in der Lie­be sein ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 39–42; Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 446.)).

b) Ein­satz für die mis­sio­na­ri­sche Aus­brei­tung des Evan­ge­li­ums. Die authen­ti­schen Cha­ris­men sind „Geschen­ke des Gei­stes, die in den Leib der Kir­che ein­ge­glie­dert und zur Mit­te, die Chri­stus ist, hin­ge­zo­gen wer­den, von wo aus sie in einen Evan­ge­li­sie­rungs­im­puls ein­flie­ßen“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 130: AAS 105 (2013), 1074.)). Auf­die­se Wei­se müs­sen sie „die Über­ein­stim­mung mit der apo­sto­li­schen Ziel­set­zung der Kir­che, an der sie teil­ha­ben“, zum Aus­druck brin­gen und deut­lich einen „mis­sio­na­ri­schen Elan“ bezeu­gen, „der sie immer mehr zu Sub­jek­ten einer neu­en Evan­ge­li­sie­rung macht“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 447; vgl. Paul VI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii nun­ti­an­di, Nr. 58: AAS 68 (1976), 49.)).

c) Bekennt­nis des katho­li­schen Glau­bens. Jedes Cha­ris­ma muss Ort der Erzie­hung zum Glau­ben in sei­ner Fül­le sein und „die Wahr­heit über Chri­stus, die Kir­che und den Men­schen im Gehor­sam zum Lehr­amt, das sie authen­tisch inter­pre­tiert“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 446–447.)), anneh­men und ver­kün­den. Des­halb muss ver­mie­den wer­den, „sich jen­seits (pro­agon) der Leh­re und der kirch­li­chen Gemein­schaft zu bewe­gen“; denn wenn man „nicht dar­in bleibt, ist man nicht mit dem Gott Jesu Chri­sti ver­bun­den (vgl. 2 Joh 9)“ ((Fran­zis­kus, Homi­lie an Pfing­sten (19. Mai 2013): Inseg­na­men­ti di Fran­ces­co, I, 1 (2013), 208.)).

d) Zeug­nis einer wirk­li­chen Gemein­schaft mit der Kir­che. Dies beinhal­tet eine „kind­li­che Abhän­gig­keit vom Papst, dem blei­ben­den und sicht­ba­ren Prin­zip der Ein­heit der Uni­ver­sal­kir­che, und vom Bischof, dem sicht­ba­ren Prin­zip und Fun­da­ment der Ein­heit in der Teil­kir­che“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 447; vgl. Paul VI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii nun­ti­an­di, Nr. 58: AAS 68 (1976), 48.)). Dazu gehö­ren auch die „auf­rich­ti­ge Bereit­schaft, ihr Lehr­amt und ihre pasto­ra­len Richt­li­ni­en anzu­neh­men“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 447.)), sowie die „Bereit­schaft, sich in die Pro­gram­me und Initia­ti­ven der Kir­che auf Orts­ebe­ne, auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ein­zu­brin­gen“, der „Ein­satz in der Kate­che­se und die päd­ago­gi­sche Fähig­keit, Chri­sten zu for­men“ ((Ebd.: a.a.O., 448.)).

e) Wert­schät­zung und Aner­ken­nung ande­rer Cha­ris­men der Kir­che in ihrer gegen­sei­ti­gen Kom­ple­men­ta­ri­tät. Dar­aus ergibt sich auch die Bereit­schaft zur gegen­sei­ti­gen Zusam­men­ar­beit ((Vgl. ebd.: a.a.O., 447.)). Denn „ein deut­li­ches Zei­chen für die Echt­heit eines Cha­ris­mas ist sei­ne Kirch­lich­keit, sei­ne Fähig­keit, sich har­mo­nisch in das Leben des hei­li­gen Got­tes­vol­kes ein­zu­fü­gen zum Wohl aller. Eine authen­ti­sche vom Geist erweck­te Neu­heit hat es nicht nötig, einen Schat­ten auf ande­re Spi­ri­tua­li­tä­ten und Gaben zu wer­fen, um sich durch­zu­set­zen“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 130: AAS 105 (2013), 1074–1075.))

f) Annah­me von Zei­ten der Erpro­bung in der Unter­schei­dung der Cha­ris­men. Weil die cha­ris­ma­ti­sche Gabe „die Bür­de einer Neu­heit im geist­li­chen Leben für die gan­ze Kir­che“ mit sich brin­gen kann, „die auf den ersten Blick auch unbe­quem erschei­nen mag“, zeigt sich ein Kri­te­ri­um der Echt­heit in der „Demut im Ertra­gen von Wider­stän­den: Die rech­te Bezie­hung zwi­schen einem ech­ten Cha­ris­ma, der Dimen­si­on des Neu­en und dem inne­ren Lei­den schafft einen dau­ern­den histo­ri­schen Zusam­men­hang zwi­schen dem Cha­ris­ma und dem Kreuz“ ((Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te und für die Säku­lar­in­sti­tu­te – Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, Leit­li­ni­en Mutuae rela­tio­nes, Nr. 12: AAS 70 (1978), 480–481; vgl. Johan­nes Paul II., Anspra­che an die Mit­glie­der der kirch­li­chen Bewe­gun­gen und der neu­en Gemein­schaf­ten (30. Mai 1998), Nr. 6: Inseg­na­men­ti di Gio­van­ni Pao­lo II, XXI, 1 (1998), 1122.)). Das Auf­tre­ten even­tu­el­ler Span­nun­gen ver­langt von allen Sei­ten das Üben einer grö­ße­ren Lie­be im Blick auf eine stets tie­fe­re kirch­li­che Gemein­schaft und Einheit.

g) Vor­han­den­sein von geist­li­chen Früch­ten. Dazu gehö­ren etwa Lie­be, Freu­de, Frie­de, eine gewis­se mensch­li­che Rei­fe (vgl. Gal 5, 22); ein „noch inten­si­ve­res Leben mit der Kir­che“ ((Paul VI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii nun­ti­an­di, Nr. 58: AAS 68 (1976), 48.)), ein grö­ße­rer Eifer für „das Hören und die Betrach­tung des Wor­tes Got­tes“ ((Ebd.; vgl. Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 174–175: AAS 105 (2013), 1092–1093.)); die „erneu­te Freu­de am Gebet, an der Kon­tem­pla­ti­on, am lit­ur­gi­schen und sakra­men­ta­len Leben; der Ein­satz für das Auf­blü­hen von Beru­fun­gen zur christ­li­chen Ehe, zum Prie­ster­tum, zum geweih­ten Leben“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 448.)).

h) Sozia­le Dimen­si­on der Evan­ge­li­sie­rung. Man muss aner­ken­nen, dass das Keryg­ma dank des Impul­ses der Lie­be „einen unaus­weich­lich sozia­len Inhalt“ besitzt: „Im Mit­tel­punkt des Evan­ge­li­ums selbst ste­hen das Gemein­schafts­le­ben und die Ver­pflich­tung gegen­über den ande­ren“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 177: AAS 105 (2013), 1094.)). Die­ses Kri­te­ri­um der Unter­schei­dung, das sich nicht allein auf Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen in der Kir­che bezieht, unter­streicht die Not­wen­dig­keit, „einen leben­di­gen Ein­satz in der Teil­nah­me und Soli­da­ri­tät her­vor­zu­ru­fen, um in der Gesell­schaft gerech­te­re und geschwi­ster­li­che­re Lebens­be­din­gun­gen zu schaf­fen“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 30: AAS 81 (1989), 448.)). Wich­tig ist dies­be­züg­lich „die Moti­va­ti­on zur christ­li­chen Prä­senz in den ver­schie­de­nen Berei­chen des gesell­schaft­li­chen Lebens und das Schaf­fen und Lei­ten von kari­ta­ti­ven, kul­tu­rel­len und gei­sti­gen Wer­ken; der Geist der Ent­sa­gung und der Armut im Sinn des Evan­ge­li­ums zugun­sten einer hoch­her­zi­ge­ren Lie­be zu allen“ ((Ebd.)). Ent­schei­dend ist auch der Bezug zur kirch­li­chen Sozi­al­leh­re ((Vgl. Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 184, 221: AAS 105 (2013), 1097, 1110–1111.)). „Aus unse­rem Glau­ben an Chri­stus, der arm gewor­den und den Armen und Aus­ge­schlos­se­nen immer nahe ist, ergibt sich die Sor­ge um die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung der am stärk­sten ver­nach­läs­sig­ten Mit­glie­der der Gesell­schaft“ ((Ebd., Nr. 186: a.a.O., 1098.)), die in einer ech­ten kirch­li­chen Gemein­schaft nicht feh­len darf.

V. Die Kirch­li­che Pra­xis der Beziehung
zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben

19. Es ist not­wen­dig, in die­sem letz­ten Abschnitt eini­ge Aspek­te der kon­kre­ten kirch­li­chen Pra­xis zu erör­tern, und zwar im Blick auf die Bezie­hung zwi­schen den hier­ar­chi­schen und jenen cha­ris­ma­ti­schen Gaben, aus denen cha­ris­ma­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen inner­halb der kirch­li­chen Gemein­schaft ent­stan­den sind.

Gegen­sei­ti­ge Beziehung

20. In erster Linie erfor­dert die Pra­xis einer guten Bezie­hung zwi­schen den ver­schie­de­nen Gaben in der Kir­che, dass sich die Cha­ris­men wirk­lich in das pasto­ra­le Leben der Teil­kir­chen ein­fü­gen. Das beinhal­tet vor allem, dass die ver­schie­de­nen Ver­ei­ni­gun­gen die Auto­ri­tät der Hir­ten der Kir­che als wesent­li­chen Bestand­teil des christ­li­chen Lebens aner­ken­nen und auf­rich­tig danach ver­lan­gen, aner­kannt, ange­nom­men und even­tu­ell auch gerei­nigt zu wer­den, um sich in den Dienst der kirch­li­chen Sen­dung zu stel­len. Auf der ande­ren Sei­te müs­sen jene, die mit hier­ar­chi­schen Gaben aus­ge­stat­tet sind, bei der Unter­schei­dung und Beglei­tung der Cha­ris­men jene Gaben in herz­li­cher Offen­heit anneh­men, die der Geist inner­halb der kirch­li­chen Gemein­schaft erweckt, in der Seel­sor­ge ihnen Rech­nung tra­gen und ihren Bei­trag als ech­ten Reich­tum für das Wohl aller schätzen.

Cha­ris­ma­ti­sche Gaben in der Gesamt- und Teilkirche

21. In Bezug auf die Ver­brei­tung und Beson­der­heit der cha­ris­ma­ti­schen Grup­pie­run­gen ist die not­wen­di­ge kon­sti­tu­ti­ve Bezie­hung zwi­schen Gesamt­kir­che und Teil­kir­chen zu berück­sich­ti­gen. In die­sem Zusam­men­hang muss betont wer­den, dass die Kir­che Chri­sti, wie wir sie im Apo­sto­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis beken­nen, „die Gesamt­kir­che“ ist, „das heißt die uni­ver­sa­le Gemein­schaft der Jün­ger des Herrn, die gegen­wär­tig und wirk­sam wird in der kon­kre­ten Beson­der­heit und Ver­schie­den­heit der Per­so­nen, Grup­pen, Zei­ten und Orte“ ((Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Schrei­ben Com­mu­nio­nis notio, Nr. 7: AAS 85 (1993), 842.)). Die Dimen­si­on des Par­ti­ku­la­ren gehört inner­lich zur Dimen­si­on des Uni­ver­sa­len und umge­kehrt; zwi­schen den Teil­kir­chen und der Gesamt­kir­che besteht näm­lich eine Bezie­hung „gegen­sei­ti­ger Inner­lich­keit“ ((Ebd., Nr. 9: a.a.O., 843.)). Die hier­ar­chi­schen Gaben, die dem Nach­fol­ger Petri eigen sind, wer­den in die­sem Zusam­men­hang so aus­ge­übt, dass die­ser das Anwe­send-Sein der Gesamt­kir­che in den Lokal­kir­chen garan­tiert und för­dert, wie auch das apo­sto­li­sche Amt der ein­zel­nen Bischö­fe nicht auf die eige­ne Diö­ze­se beschränkt bleibt, son­dern – auch durch die affek­ti­ve und effek­ti­ve Kol­le­gia­li­tät und vor allem durch die Gemein­schaft mit jenem Zen­trum der Ein­heit der Kir­che, das der Papst dar­stellt, – auf die gan­ze Kir­che zurück­zu­flie­ßen bestimmt ist. Der Papst ist näm­lich „als Nach­fol­ger Petri das immer­wäh­ren­de, sicht­ba­re Prin­zip und Fun­da­ment für die Ein­heit der Viel­heit von Bischö­fen und Gläu­bi­gen. Die Ein­zelbi­schö­fe hin­wie­der­um sind sicht­ba­res Prin­zip und Fun­da­ment der Ein­heit in ihren Teil­kir­chen, die nach dem Bild der Gesamt­kir­che gestal­tet sind. In ihnen und aus ihnen besteht die eine und ein­zi­ge katho­li­sche Kir­che“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 23.)). Das bedeu­tet, dass in jeder Teil­kir­che „die eine, hei­li­ge, katho­li­sche und apo­sto­li­sche Kir­che wahr­haft wirkt und gegen­wär­tig ist“ ((Dass., Dekret Chri­stus Domi­nus, Nr. 11.)). Des­halb ist der Bezug zur Voll­macht des Nach­fol­gers Petri – die Gemein­schaft cum Petro et sub Petro – kon­sti­tu­tiv für jede Lokal­kir­che ((Vgl. ebd., Nr. 2; Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Schrei­ben Com­mu­nio­nis notio, Nr. 13–14, 16: AAS 85 (1993), 846–848.)).

Auf die­se Wei­se sind die Fun­da­men­te gelegt, um hier­ar­chi­sche und cha­ris­ma­ti­sche Gaben inner­halb des Ver­hält­nis­ses von Gesamt­kir­che und Teil­kir­chen mit­ein­an­der in Bezie­hung zu brin­gen. Denn einer­seits sind die cha­ris­ma­ti­schen Gaben der gan­zen Kir­che anver­traut; ande­rer­seits kann sich die Dyna­mik die­ser Gaben nur im Dienst einer kon­kre­ten Diö­ze­se ver­wirk­li­chen, die ein „Teil des Got­tes­vol­kes“ ist, „der dem Bischof in Zusam­men­ar­beit mit dem Pres­by­te­ri­um zu wei­den anver­traut wird“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dekret Chri­stus Domi­nus, Nr. 11.)). In die­sem Zusam­men­hang kann es nütz­lich sein, an den Schatz des geweih­ten Lebens zu erin­nern; die­ser Schatz ist näm­lich dem Leben der Orts­kir­che nicht fremd oder davon unab­hän­gig, son­dern stellt eine beson­de­re, durch die Radi­ka­li­tät des Evan­ge­li­ums gepräg­te Wei­se dar, im Inne­ren der Orts­kir­che mit sei­nen spe­zi­fi­schen Gaben gegen­wär­tig zu sein. Die tra­di­tio­nel­le Ein­rich­tung der „Exem­ti­on“ nicht weni­ger Insti­tu­te des geweih­ten Lebens ((Vgl. ebd., Nr. 35; CIC, can. 591; CCEO, can. 412, § 2; Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te und für die Säku­lar­in­sti­tu­te – Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, Leit­li­ni­en Mutuae rela­tio­nes, Nr. 22: AAS 70 (1978), 487.)) bedeu­tet nicht eine abstrak­te Über­ört­lich­keit oder eine falsch ver­stan­de­ne Auto­no­mie, son­dern eine tie­fe­re Wech­sel­wir­kung zwi­schen der uni­ver­sa­len und der par­ti­ku­la­ren Dimen­si­on der Kir­che ((Vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Schrei­ben Com­mu­nio­nis notio, Nr. 15: AAS 85 (1993), 847.)). In ana­lo­ger Wei­se dür­fen sich die neu­en cha­ris­ma­ti­schen Gemein­schaf­ten, die eine über­diö­ze­sa­ne Aus­rich­tung haben, nicht völ­lig unab­hän­gig von der Teil­kir­che ver­ste­hen; sie müs­sen die­se viel­mehr berei­chern und ihr kraft der eige­nen Beson­der­hei­ten, die über die Gren­zen einer ein­zel­nen Diö­ze­se hin­aus geteilt wer­den, dienen.

Cha­ris­ma­ti­sche Gaben und Lebens­stän­de der Gläubigen

22. Die cha­ris­ma­ti­schen Gaben, die vom Hei­li­gen Geist ver­lie­hen wer­den, kön­nen mit dem gan­zen Gefü­ge der kirch­li­chen Gemein­schaft – sowohl im Blick auf die Sakra­men­te wie auch auf das Wort Got­tes – in Bezie­hung tre­ten. Ent­spre­chend ihrer ver­schie­de­nen Beson­der­hei­ten kön­nen sie bei der Erfül­lung der Auf­ga­ben, die der Tau­fe, der Fir­mung, der Ehe und dem Wei­he­sa­kra­ment ent­sprin­gen, zu grö­ße­rer Frucht­bar­keit bei­tra­gen und auch ein tie­fe­res geist­li­ches Ver­ständ­nis der apo­sto­li­schen Über­lie­fe­rung ermög­li­chen, das – abge­se­hen vom Nach­sin­nen und Stu­di­um sowie von der Ver­kün­di­gung derer, die das siche­re Cha­ris­ma der Wahr­heit emp­fan­gen haben ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum, Nr. 8; Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 888–892.)), – auch wächst „durch inne­re Ein­sicht, die aus geist­li­cher Erfah­rung stammt“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Dei Ver­bum, Nr. 8.)). In die­sem Zusam­men­hang ist es nütz­lich, die wesent­li­chen Fra­gen bezüg­lich des Ver­hält­nis­ses zwi­schen den cha­ris­ma­ti­schen Gaben und den ver­schie­de­nen Lebens­stän­den zu erwäh­nen. Dabei ist beson­ders auf die Bezie­hung zum gemein­sa­men Prie­ster­tum des Vol­kes Got­tes und zum hier­ar­chi­schen Prie­ster­tum zu ver­wei­sen, „die sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Gra­de nach“ unter­schei­den, aber den­noch „ein­an­der zuge­ord­net“ sind: „das eine wie das ande­re näm­lich nimmt je auf beson­de­re Wei­se am Prie­ster­tum Chri­sti teil“ ((Dass., Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 10.)). Denn es han­delt sich um „zwei For­men der Teil­ha­be an dem einen Prie­ster­tum Chri­sti, in dem zwei Dimen­sio­nen vor­han­den sind, die sich im höch­sten Akt des Kreu­zes­op­fers ver­bin­den“ ((Johan­nes Paul II. Apo­sto­li­sches Schrei­ben Pas­to­res gre­gis (16. Okto­ber 2003), Nr. 10: AAS 96 (2004), 838.)).

a) Zuerst ist der Wert der ver­schie­de­nen Cha­ris­men anzu­er­ken­nen, die kirch­li­che Ver­ei­ni­gun­gen unter allen Gläu­bi­gen begrün­den und dazu bei­tra­gen, die sakra­men­ta­le Gna­de unter der Lei­tung der recht­mä­ßi­gen Hir­ten frucht­bar zu machen. Sie ermög­li­chen auf authen­ti­sche Wei­se, die eige­ne christ­li­che Beru­fung zu leben und zu ent­fal­ten ((Vgl. ders., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les lai­ci, Nr. 29: AAS 81 (1989), 443–446.)). Die­se cha­ris­ma­ti­schen Gaben hel­fen den Gläu­bi­gen, im All­tag das gemein­sa­me Prie­ster­tum des Got­tes­vol­kes zu leben: „So sol­len alle Jün­ger Chri­sti aus­har­ren im Gebet und gemein­sam Gott loben (vgl. Apg 2, 42–47) und sich als leben­di­ge, hei­li­ge, Gott wohl­ge­fäl­li­ge Opfer­ga­be dar­brin­gen (vgl. Röm 12, 1); über­all auf Erden sol­len sie für Chri­stus Zeug­nis geben und allen, die es for­dern, Rechen­schaft able­gen von der Hoff­nung auf das ewi­ge Leben, die in ihnen ist (vgl. 1 Petr 3, 15)“ ((II. Öku­me­ni­sches­Va­ti­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 10.)). Auf der­sel­ben Linie befin­den sich auch die kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen, die beson­ders für das christ­li­che Leben in der Ehe von Bedeu­tung sind und „den Jugend­li­chen und den Ehe­leu­ten selbst, beson­ders den Jung­ver­hei­ra­te­ten, durch Rat und Tat bei­ste­hen und hel­fen, sie zu einem Fami­li­en­le­ben hin­zu­füh­ren, das sei­ner gesell­schaft­li­chen und apo­sto­li­schen Auf­ga­be gerecht wird“ ((Dass., Pasto­ral­kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et spes, Nr. 52; vgl. Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio (22. Novem­ber 1981), Nr. 72: AAS 74 (1982), 169–170.)).

b) Auch geweih­te Amts­trä­ger kön­nen in der Zuge­hö­rig­keit zu einer cha­ris­ma­ti­schen Gemein­schaft einen Auf­ruf ent­decken, den Sinn der eige­nen Tau­fe, durch die sie Kin­der Got­tes gewor­den sind, und auch ihre spe­zi­fi­sche Beru­fung und Sen­dung zu ver­tie­fen. Ein Gläu­bi­ger, der das Weihsa­kra­ment emp­fan­gen hat, kann in einer bestimm­ten kirch­li­chen Ver­ei­ni­gung Kraft und Hil­fe fin­den, um sei­nen beson­de­ren Dienst sowohl in Bezug auf das Got­tes­volk und vor allem die ihm anver­trau­te Gemein­de als auch im Blick auf den auf­rich­ti­gen Gehor­sam, den er dem eige­nen Bischof schul­det, bis auf den Grund zu leben ((Vgl. Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Pas­to­res dabo vobis (25. März 1992), Nr. 68: AAS 84 (1992), 777.)). Ähn­li­ches gilt auch für die Prie­ster­amts­kan­di­da­ten, die von einer bestimm­ten kirch­li­chen Ver­ei­ni­gung her­kom­men, wie das nach­syn­oda­le Schrei­ben Pas­to­res dabo vobis in Erin­ne­rung ruft: Eine sol­che geist­li­che Ver­wur­ze­lung muss sich in der ech­ten Füg­sam­keit bei der eige­nen spe­zi­fi­schen Aus­bil­dung aus­drücken, die gewiss den Reich­tum des ent­spre­chen­den Cha­ris­mas auf­neh­men kann ((Vgl. ebd., Nr. 31, 68: a.a.O., 708–709, 775–777.)). Die seel­sorg­li­che Hil­fe, die der Prie­ster der kirch­li­chen Ver­ei­ni­gung gemäß den Merk­ma­len der Bewe­gung selbst anbie­ten kann, bedarf immer der Ein­hal­tung der in der kirch­li­chen Gemein­schaft für das Wei­he­amt vor­ge­se­he­nen Ord­nung in Bezug auf die Inkar­di­na­ti­on ((Vgl. CIC, can. 265; CCEO, can. 357, § 1.)) und den Gehor­sam, der dem eige­nen Ordi­na­ri­us geschul­det ist ((Vgl. CIC, can. 273; CCEO, can. 370.)).

c) Der Bei­trag einer cha­ris­ma­ti­schen Gabe für das Tauf­prie­ster­tum sowie für das Prie­ster­tum des Dien­stes zeigt sich bei­spiel­haft im geweih­ten Leben, das an sich eine cha­ris­ma­ti­sche Gabe der Kir­che dar­stellt ((Vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Ordens­leu­te und für die Säku­lar­in­sti­tu­te – Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, Leit­li­ni­en Mutuae rela­tio­nes, Nr. 19, 34: AAS 70 (1978), 485–486, 493.)). Die­ses Cha­ris­ma, das durch das Ver­spre­chen der evan­ge­li­schen Räte „die beson­de­re Gleich­för­mig­keit mit dem keu­schen, armen und gehor­sa­men Chri­stus“ ((Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Vita con­se­cra­ta, Nr. 31: AAS 88 (1996), 404–405.)) in einer dau­er­haf­ten Lebens­form ((Vgl. II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 43.)) bewirkt, wird ver­lie­hen, um „rei­che­re Frucht aus der Tauf­gna­de emp­fan­gen zu kön­nen“ ((Ebd., Nr. 44; vgl. Dekret Per­fec­tae cari­ta­tis, Nr. 5; Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Vita con­se­cra­ta, Nr. 14, 30: AAS 88 (1996), 387–388, 403–404.)). Die Spi­ri­tua­li­tät der Insti­tu­te des geweih­ten Lebens kann für die christ­gläu­bi­gen Lai­en wie auch für die Prie­ster ein kost­ba­rer Reich­tum wer­den, um die eige­ne Beru­fung zu leben. Zudem kön­nen Mit­glie­der von Insti­tu­ten des geweih­ten Lebens, die Zustim­mung ihrer Obe­ren vor­aus­ge­setzt ((gl. CIC, can. 307, § 3; CCEO, can. 578, § 3.)), in der Ver­bun­den­heit mit neu­en Ver­ei­ni­gun­gen nicht sel­ten eine wich­ti­ge Stüt­ze fin­den, um die eige­ne spe­zi­fi­sche Beru­fung zu leben und ihrer­seits ein „fro­hes, treu­es und cha­ris­ma­ti­sches Zeug­nis des geweih­ten Lebens“ zu geben, das so „eine gegen­sei­ti­ge Berei­che­rung“ ((Kon­gre­ga­ti­on für die Insti­tu­te des geweih­ten Lebens und die Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens, Instruk­ti­on Neu­be­ginn in Chri­stus (19. Mai 2002), Nr. 30: Enchi­ri­d­ion Vati­ca­num, 21, 472.)) bewir­ken kann.

d) Schließ­lich ist es von Bedeu­tung, dass der Geist der evan­ge­li­schen Räte vom Lehr­amt jedem geweih­ten Amts­trä­ger anemp­foh­len wird ((Vgl. Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Pas­to­res dabo vobis, Nr. 27–30: AAS 84 (1992), 700–707.)). Auch der Zöli­bat, der von den Prie­stern in der ehr­wür­di­gen latei­ni­schen Tra­di­ti­on gefor­dert wird ((Vgl. Paul VI., Enzy­kli­ka Sacer­do­ta­lis cae­li­ba­tus (24. Juni 1967): AAS 59 (1967), 657–697.)), steht deut­lich auf der Linie der cha­ris­ma­ti­schen Gaben. Er hat nicht in erster Linie funk­tio­na­len Cha­rak­ter, son­dern ist „eine beson­de­re Anglei­chung an den Lebens­stil Chri­sti selbst“((Benedikt XVI., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis, Nr. 24: AAS 99 (2007), 124.)), in der sich die voll­kom­me­ne Selbst­hin­ga­be in der durch das Wei­he­sa­kra­ment ver­lie­he­nen Sen­dung aus­drückt ((Vgl. Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben Pas­to­res dabo vobis, Nr. 29: AAS 84 (1992) 703–705; II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dekret Pres­by­terorum ordi­nis, Nr. 16.)).

For­men der kirch­li­chen Anerkennung

23. Das vor­lie­gen­de Schrei­ben möch­te die theo­lo­gi­sche und ekkle­sio­lo­gi­sche Stel­lung der neu­en kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen aus­ge­hend von der Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben klä­ren, um so die kon­kre­te Suche nach den geeig­net­sten Wegen der kirch­li­chen Aner­ken­nung die­ser Ver­ei­ni­gun­gen zu för­dern. Der gel­ten­de Codex des kano­ni­schen Rech­tes kennt ver­schie­de­ne recht­li­che For­men der Aner­ken­nung für neue kirch­li­che Grup­pie­run­gen, die aus cha­ris­ma­ti­schen Gaben her­vor­ge­hen. Die­se For­men sind sorg­fäl­tig in Betracht zu zie­hen ((Die ein­fach­ste recht­li­che Form der Aner­ken­nung von Gemein­schaf­ten cha­ris­ma­ti­scher Art ist bis heu­te jene der pri­va­ten Ver­ei­ne von Gläu­bi­gen (vgl. CIC, cann. 321–326; CCEO, cann. 573, § 2–583). Aber es ist gut, auch die ande­ren recht­li­chen For­men mit ihren spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen, wie zum Bei­spiel die öffent­li­chen Ver­ei­ne von Gläu­bi­gen (vgl. CIC, cann. 312–320; CCEO, cann. 573, § 1–583), die kle­ri­ka­len Ver­ei­ne von Gläu­bi­gen (vgl. CIC, can. 302), die Insti­tu­te des geweih­ten Lebens (vgl. CIC, cann. 573–730; CCEO, cann. 410–571), die Gesell­schaf­ten des apo­sto­li­schen Lebens (vgl. CIC, cann. 731–746; CCEO, can. 572) und die Per­so­nal­prä­la­tu­ren (vgl. CIC, cann. 294–297).)). Zu ver­mei­den sind dabei jene Wege, die Grund­prin­zi­pi­en des Rech­tes oder Natur und Beson­der­hei­ten der ver­schie­de­nen cha­ris­ma­ti­schen Grup­pie­run­gen nicht ange­mes­sen berücksichtigen.

Im Blick auf die Bezie­hung zwi­schen hier­ar­chi­schen und cha­ris­ma­ti­schen Gaben ist es not­wen­dig, auf zwei Grund­kri­te­ri­en zu ach­ten, die bei­de zusam­men beach­tet wer­den müs­sen: a) Zum einen ist die cha­ris­ma­ti­sche Beson­der­heit der ein­zel­nen kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen zu respek­tie­ren, die recht­li­che Ein­engun­gen ver­mei­den hilft, wel­che die vom spe­zi­fi­schen Cha­ris­ma gebrach­te Neu­heit auf­ge­ben wür­de. Die ver­schie­de­nen Cha­ris­men dür­fen näm­lich nicht bloß als undif­fe­ren­zier­te Res­sour­ce im Innern der Kir­che betrach­tet wer­den. b) Zum ande­ren ist die grund­le­gen­de kirch­li­che Ord­nung zu berück­sich­ti­gen und die ech­te Ein­ord­nung der cha­ris­ma­ti­schen Gaben in das Leben der Gesamt- und Teil­kir­che zu för­dern. Dabei ist sicher­zu­stel­len, dass die cha­ris­ma­ti­sche Grup­pie­rung sich nicht als Par­al­lel­ge­mein­schaft zum kirch­li­chen Leben auf­fasst, die nicht in einer geord­ne­ten Bezie­hung zu den hier­ar­chi­schen Gna­den steht.

Schluss

24. In der Erwar­tung der Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Gei­stes ver­harr­ten die Jün­ger ein­mü­tig im Gebet, zusam­men mit Maria, der Mut­ter Jesu (vgl. Apg 1, 14). Sie hat die außer­ge­wöhn­li­chen Gna­den, mit denen sie in über­flie­ßen­dem Maß von der Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit beschenkt wor­den war, vor allem die Gna­de der Got­tes­mut­ter­schaft, in voll­kom­me­ner Wei­se ange­nom­men und frucht­bar gemacht. Wir alle kön­nen als Söh­ne und Töch­ter der Kir­che ihre unein­ge­schränk­te Ver­füg­bar­keit gegen­über dem Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes bewun­dern, eine Ver­füg­bar­keit im Glau­ben, ohne Wider­re­de und in leuch­ten­der Demut. Maria bezeugt so in Fül­le die gehor­sa­me und treue Annah­me einer jeden Gabe des Gei­stes. Zudem trägt sie, wie das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil lehrt, in ihrer müt­ter­li­chen Lie­be „Sor­ge für die Brü­der und Schwe­stern ihres Soh­nes, die noch auf der Pil­ger­schaft sind und in Gefah­ren und Bedräng­nis­sen wei­len, bis sie zur seli­gen Hei­mat gelan­gen“ ((II. Öku­me­ni­sches Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on Lumen gen­ti­um, Nr. 62.)). Da sie sich „vom Hei­li­gen Geist auf einem Weg des Glau­bens zu einer Bestim­mung des Dien­stes und der Frucht­bar­keit füh­ren“ ließ, rich­ten auch wir heu­te „unse­ren Blick auf sie, dass sie uns hel­fe, allen die Bot­schaft des Heils zu ver­kün­den, und dass alle neu­en Jün­ger zu Ver­kün­dern des Evan­ge­li­ums wer­den“ ((Fran­zis­kus, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 287: AAS 105 (2013), 1136.)). Aus die­sem Grund wird Maria als Mut­ter der Kir­che aner­kannt. Wir wen­den uns ver­trau­ens­voll an sie, damit die Cha­ris­men, die vom Hei­li­gen Geist im Über­fluss ver­lie­hen wer­den, durch ihre wirk­sa­me Hil­fe und ihre mäch­ti­ge Für­spra­che von den Gläu­bi­gen bereit­wil­lig ange­nom­men und für das Leben und die Sen­dung der Kir­che sowie für das Wohl der Welt frucht­bar gemacht werden.

Papst Fran­zis­kus hat in der dem unter­zeich­ne­ten Kar­di­nal­prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re am 14. März 2016 gewähr­ten Audi­enz das vor­lie­gen­de Schrei­ben, das in der Voll­ver­samm­lung die­ser Kon­gre­ga­ti­on beschlos­sen wor­den war, appro­biert und sei­ne Ver­öf­fent­li­chung angeordnet.

Gege­ben in Rom, am Sitz der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, am 15. Mai 2016, Hoch­fest Pfingsten.

Ger­hard Card. Müller
Präfekt

+ Luis F. Lada­ria, S.I.
Titu­lar­erz­bi­schof von Thibica
Sekretär