Bischof Crepaldi von Triest: „Die Verpflichtung zu kämpfen“

Erzbischof Giampaolo Crepaldi Bischof von Triest
Erzbischof Giampaolo Crepaldi, Bischof von Triest

“Die Ver­tei­di­gung der nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te ver­langt auch eine Form des Kamp­fes. Es gilt fal­schen Geset­zen ent­ge­gen­zu­tre­ten, auf den Stra­ßen, im Par­la­ment und in den Medi­en. Man muß dafür kämp­fen, daß ein sol­ches Gesetz nicht ver­ab­schie­det wird. Eben­so muß ein rich­ti­ges Gesetz gegen die Angrif­fe durch die Rich­ter ver­tei­digt wer­den. […] Die Ver­tei­di­gung und die För­de­rung der nicht ver­han­del­ba­ren Grund­sät­ze ver­langt nach Kampf­geist. Nun exi­stiert im Den­ken vie­ler Chri­sten die­ses Ver­ständ­nis aber nicht mehr.

Man denkt zum Bei­spiel, daß es rich­ti­ger, ange­brach­ter und auch christ­li­cher sei, die Schön­heit des Glau­bens auf­zu­zei­gen, anstatt sich die fal­schen Din­ge zur Brust zu neh­men. Man denkt, daß der Glau­ben auf letz­te­re Wei­se als eine Oppo­si­ti­on, eine Nega­ti­on wahr­ge­nom­men wird, mehr ein Nein-Sagen zu die­sem und zu jenem als eine Ver­kün­di­gung. Vie­le den­ken, daß ein christ­li­ches Eltern­paar die Schön­heit die­ses Seins bezeu­gen soll­te, anstatt auf die Stra­ße zu gehen, um ande­re dar­an zu hin­dern, es nicht zu sein.

Mei­nes Erach­tens ist die­ser Ver­weis auf das Posi­ti­ve in der Ver­kün­di­gung wahr und wich­tig. Zuerst kommt die Ver­kün­di­gung, dann die Ankla­ge. Das Posi­ti­ve hat immer Vor­rang. Es ist jedoch unmög­lich, das Gute zu ver­kün­di­gen, ohne auch das Böse zu bekämp­fen. Ohne die­se Kom­po­nen­te wird das Zeug­nis für das Posi­ti­ve zum Ali­bi für feh­len­des Enga­ge­ment.

Erz­bi­schof Giam­pao­lo Crepal­di, Bischof von Tri­est, in sei­nem Buch: A com­pro­messo alcu­no. Fede e poli­ti­ca dei princi­pi non nego­zia­bi­li (Kom­pro­miß­los. Glau­ben und Poli­tik der nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te), Sie­na, Can­tagal­li, 2014, S. 37–38.
Ab 1994 Unter­se­kre­tär und ab 2001 Sekre­tär des Päpst­li­chen Rates für Gerech­tig­keit und Frie­den, wur­de 2009 von Papst Bene­dikt XVI. zum Bischof von Tri­est und gleich­zei­tig zum Erz­bi­schof ad per­so­nam ernannt. Er ist Grün­der und Vor­sit­zen­der des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thuà¢n für die Sozi­al­leh­re der Kir­che.

Bild: Diö­ze­se Tri­est (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Aus obi­gem Bericht:
    „Es ist jedoch unmög­lich, das Gute zu ver­kün­di­gen, ohne auch das Böse zu bekämp­fen.“

    Das ist sicher rich­tig, doch ist das nicht erst der zwei­te Schritt?
    Zu Beginn müss­te das Böse zunächst ein­mal als sol­ches erkannt und dann auch kon­kret benannt wer­den.
    Und da hapert es ja schon! Was gilt denn heu­te noch als böse?
    Ein ein­fluss­rei­cher Teil der Gesell­schaft bestimmt inzwi­schen, was als böse zu gel­ten hat. Da hat die christ­li­che Leh­re schlech­te Kar­ten, da sie ja größ­ten­teils als ein­engend und der per­sön­li­chen Frei­heit zuwi­der­lau­fend ein­ge­schätzt wird, selbst von angeb­lich Glau­ben­den.
    Wir brau­chen vor­nehm­lich eine Her­an­bil­dung und ein Wach­sen des per­sön­li­chen Mutes, uns gegen die all­ge­mei­ne Träg­heit und Bequem­lich­keit ‑auch in uns selbst- zu stel­len.

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