Glaubenskongregation erklärt Anerkennung der Marienerscheinungen von Lipa für null und nichtig

Lipa 1948: Bischof Verzosa, links hinter ihm Priorin Maria Cecilia, links neben ihr die Novizin Teresita Castillo
Lipa 1948: Bischof Verzosa, links hinter ihm Priorin Maria Cecilia, links neben ihr die Novizin Teresita Castillo

(Rom) Die römi­sche Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on revi­dier­te die Ent­schei­dung des Erz­bi­schofs von Lipa und hob die Aner­ken­nung der Mari­en­er­schei­nun­gen von Lipa wie­der auf.

Bereits 1951 hat­te eine zustän­di­ge Kom­mis­si­on meh­re­rer phil­ip­pi­ni­scher Bischö­fe erklärt, daß die „Mari­en­er­schei­nun­gen“ von Lipa nicht über­na­tür­li­chen Ursprungs sind. Die Ent­schei­dung wur­de von Papst Pius XII. appro­biert.

Im Novem­ber 2009 setz­te sich der amtie­ren­de Erz­bi­schof, Msgr. Ramon Cabre­ra Argüel­les, über das Nega­tiv­ur­teil hin­weg. Er hob auf­grund neu­er Unter­su­chun­gen, die 1991 begon­nen wor­den waren, das Ver­dikt gegen die Echt­heit der Erschei­nun­gen auf. 2015 sprach er schließ­lich die kirch­li­che Aner­ken­nung des Phä­no­mens aus, das er für „glaub­wür­dig“ hält und von des­sen „über­na­tür­li­chem“ Cha­rak­ter er über­zeugt ist.

Es gilt weiterhin das Negativurteil von 1951

Wie der Erz­bi­schof Cabre­ra Argüel­les am 31. Mai bekannt­ge­ben muß­te, wur­de sei­ne Ent­schei­dung vom 15. Sep­tem­ber 2015 nun von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on für „null und nich­tig“ erklärt.

Erklärung des Erzbischofs von Lipa zur Entscheidung Roms
Erklä­rung des Erz­bi­schofs von Lipa zur Ent­schei­dung Roms

Das Nega­tiv­ur­teil vom 11. April 1951, das durch den Papst bestä­tigt wur­de, sei eine defi­ni­ti­ve Ent­schei­dung gewe­sen. Die Zustän­dig­keit, über das „Phä­no­men von Lipa“ zu ent­schei­den, lie­ge seit­her nicht mehr beim Orts­bi­schof.

Das ent­spre­chen­de Doku­ment der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wur­de am 11. Dezem­ber 2015 vom Kar­di­nal­prä­fek­ten Ger­hard Mül­ler und dem Sekre­tär der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Luis Ladar­ia SJ unter­zeich­net und am 30. Mai dem Erz­bi­schof offi­zi­ell aus­ge­hän­digt.

Im damals in Lipa bestehen­den Kar­me­li­tin­nen­klo­ster soll am 18. August 1948 der Novi­zin Tere­si­ta Castil­lo die Got­tes­mut­ter Maria erschie­nen sein. Die Erschei­nung, beglei­tet von „himm­li­schem Geruch“, sei eine „wun­der­schö­ne Frau“ gewe­sen. Bei jeder der ins­ge­samt 19 „Erschei­nun­gen“ im Klo­ster­gar­ten soll es Rosen­blät­ter mit hei­li­gen Dar­stel­lun­gen vom Him­mel gereg­net haben. Auf den Rosen­blät­tern sei­en das Jesus­kind, der hei­li­ge Joseph, der seg­nen­de Jesus, die hei­li­ge Fami­lie mit dem Hei­li­gen Geist, der Gekreu­zig­te, das Letz­te Abend­mahl, Maria mit dem Jesus­kind und ande­re Moti­ve zu sehen. Bei der letz­ten „Erschei­nung“ habe sich Maria als „Mitt­le­rin aller Gna­den“ vor­ge­stellt.

„Phänomen nur vorgetäuscht“

Der dama­li­ge Bischof von Lipa (die Erhe­bung zum Erz­bis­tum erfolg­te erst 1972), Msgr. Alfre­do Ver­zo­sa y Flo­ren­tin, for­der­te ein Wun­der, um die Echt­heit des Phä­no­mens zu bestä­ti­gen. Dar­auf­hin sei Tere­si­ta völ­lig erblin­det. Die Prio­rin des Klo­sters, Mut­ter Maria Ceci­lia de Jesus habe eine Stim­me gehört, die ihr gesagt habe, die Blind­heit der Novi­zin wer­de erst enden, wenn sie deren Augen küßt. Im Bei­sein des Bischofs küß­te die Prio­rin Tere­si­tas Augen, und die konn­te wie­der sehen. Der Bischof war seit­her von der Echt­heit des Phä­no­mens über­zeugt.

Ein Rosenblatt (Kreuzigungsszene), die 1948 vom Himmel gefallen sei
Ein Rosen­blatt (Kreu­zi­gungs­sze­ne), die 1948 vom Him­mel gefal­len sei

Das Phä­no­men wur­de dar­auf­hin von einer Theo­lo­gen­kom­mis­si­on unter­sucht, die rasch zu einem ganz ande­ren Schluß gelang­te. Bereits 1949 wur­de den zustän­di­gen Stel­len im Vati­kan ein nega­ti­ves Urteil über­mit­telt (Prot. Nr. 226/1949 Pre­su­med Appa­ri­ti­ons of the BVM at the Car­me­li­te Con­vent in Lipa, Phil­ip­pi­nes).

Das Phä­no­men von Lipa sei „nicht über­na­tür­li­chen Ursprungs“, son­dern von Tere­si­ta vor­ge­täuscht und von der Prio­rin unter­stützt wor­den. Eine Kom­mis­si­on aus sechs Bischö­fen, dar­un­ter auch der neu ernann­te Apo­sto­li­sche Admi­ni­stra­tor von Lipa  stell­te 1951 ein Nega­tiv­ur­teil aus. Mit päpst­li­cher Zustim­mung wur­de die Auf­he­bung des Kar­me­li­tin­nen­klo­ster und das Ver­bot jeg­li­cher Ver­eh­rung rund um das Phä­no­men ver­ord­net.

Rosenblätterregen, Heilungen, Bekehrungen und Strafmaßnahmen

Den­noch kam es in Lipa zu Bekeh­run­gen, Hei­lun­gen und dem bereits geschil­der­ten wun­der­ba­ren Rosen­blät­ter­re­gen mit hei­li­gen Dar­stel­lun­gen. Rom sah dar­in kei­nen Wider­spruch. Das vor­ge­täusch­te Phä­no­men habe in den Men­schen Erwar­tun­gen geweckt und sie für Got­tes Wir­ken geöff­net.

Eine Mari­en­sta­tue, die die „Mitt­le­rin aller Gna­den“ hat­te der öffent­li­chen Sicht­bar­keit ent­zo­gen zu wer­den. 1992 erlaub­te Erz­bi­schof Maria­no Gavio­la, der Vor­gän­ger von Ramon Cabre­ra Argüel­les die öffent­li­che Aus­stel­lung.

Die Prio­rin und die Sub-Prio­rin wur­den aus dem Klo­ster ver­bannt.

Der dama­li­ge Weih­bi­schof von Lipa, der Beicht­va­ter im Kar­me­li­tin­nen­klo­ster war, wur­de ver­setzt.

Der Karmel von Lipa
Der Kar­mel von Lipa

Bischof Ver­zo­sa y Flo­ren­tin wur­de wegen der Ereig­nis­se 1951 vor­zei­tig eme­ri­tiert. Bis zu sei­nem Tod 1954 leb­te er in gro­ßer Zurück­ge­zo­gen­heit. 2013 wur­de von Kar­di­nal Gau­den­cio Rosa­les, der eme­ri­tier­te Erz­bi­schof von Mani­la, ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Ver­zo­sa.

Die Novi­zin Tere­si­ta Castil­lo stamm­te aus einer der ein­fluß­reich­sten Fami­li­en der Pro­vinz Batan­ga. Sie war die Toch­ter von Mode­sto Castil­lo, einem hohen Rich­ter und ehe­ma­li­gen Gou­ver­neur der Pro­vinz. Der Ein­tritt in den Kar­mel erfolg­te an ihrem 21. Geburts­tag mit Errei­chung der Voll­jäh­rig­keit, weil ihre Fami­lie dage­gen war.  Allen Betei­lig­ten war 1948 vom Apo­sto­li­schen Nun­ti­us der Phil­ip­pi­nen ein Schwei­ge­ge­bot auf­er­legt wor­den. Wegen der stän­di­gen Befra­gun­gen, Denun­zia­tio­nen und Anschul­di­gung ver­fiel sie einer lan­gen Krank­heit. Die­se zwang sie schließ­lich das Klo­ster zu ver­las­sen, weil ihre Zeit als Novi­zin über­schrit­ten war.

Die heu­te 88-Jäh­ri­ge lebt seit­her in gro­ßer Zurück­ge­zo­gen­heit. 38 Jah­re lang half sie einem Prie­ster bei der Aus­ar­bei­tung eines eng­lisch-taga­lo­gi­schen Wör­ter­buchs. Einer ihrer weni­gen öffent­li­chen Auf­trit­te erfolg­te 2015 auf Ein­la­dung von Erz­bi­schof Cabre­ra Argüel­les im Rah­men sei­ner Aner­ken­nung der Mari­en­er­schei­nun­gen von 1948. Wie sie in einem Inter­view 2012 sag­te, sei ihr die Got­tes­mut­ter seit 1948 nicht mehr erschie­nen. „Ihre Nähe“ füh­le sie aber stän­dig. Aus­schlag­ge­bend für neue Unter­su­chun­gen, die 1991 vom dama­li­gen Erz­bi­schof von Lipa ein­ge­lei­tet wur­den, waren neue Rosen­blät­ter­re­gen zwi­schen 1991 und 1996. „Ins­ge­samt zehn Mal“, wie Tere­si­ta Castil­lo erklär­te. 1999 und 2000 habe sie an ihrem Geburts­tag auch ein „Rosen­blät­ter­ge­schenk“ erhal­ten. Sie sieht dar­in klei­ne Gun­ster­wei­se ihrer „Mut­ter Maria“.

Das Ver­bot von 1951 konn­te weder die Ver­eh­rung noch Pil­ger­fahr­ten nach Lipa unter­bin­den. Im Lau­fe der Zeit kam es zu einer „Wie­der­ent­deckung“ des Phä­no­mens und zu sei­ner För­de­rung, die ab 1991 ein­setz­te. Die­ser nicht abrei­ßen­de Zuspruch ver­an­laß­te Erz­bi­schof Cabre­ra Argüel­les, das Ver­dikt von 1951 auf­zu­he­ben und die „Erschei­nun­gen“ anzu­er­ken­nen.

Seit­her kom­men zahl­rei­che Pil­ger nach Lipa. 2008, zum 60. Jah­res­tag des Rosen­blü­ten­re­gens, befand sich auch die dama­li­ge phil­ip­pi­ni­sche Staats­prä­si­den­tin Arro­yo unter den Pil­gern.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: cristusrex/PCN (Screen­shots)

2 Kommentare

  1. Schoe­ne und span­nen­de Geschichte.Dank KatholischesInfo,ich hat­te nocht nie davon geho­ert.

  2. Wer macht sich die Arbeit und gestal­tet tau­sen­de von Rosen­blät­tern mit einer sol­chen Akri­bie der­art künst­le­risch?

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