Warum ausgerechnet dieser Papst die Piusbruderschaft anerkennen könnte

Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft, mit einem Porträt von Papst Pius X
Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft, mit einem Porträt von Papst Pius X.

(Rom) Setzt Papst Fran­zis­kus bald einen außer­ge­wöhn­li­chen Schritt zugun­sten der Pius­bru­der­schaft? „Es ist all­ge­mei­ne Mei­nung im Vati­kan, und beson­ders unter jenen, die der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei nahe­ste­hen, die mit dem lef­eb­vria­ni­schen Dos­sier beauf­tragt ist, daß der Papst bald eine eigen­mäch­ti­ge und auf­se­hen­er­re­gen­de Geste gegen­über der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. set­zen wird“, so der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti auf sei­nem Blog.

Das lan­ge Gespräch zwi­schen dem Papst und dem Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft, Bischof Ber­nard Fel­lay, am 1. April sei „mit Sicher­heit ein Zei­chen in die­se Rich­tung“.

Damit steht die Fra­ge im Raum, war­um aus­ge­rech­net ein Papst, der „gewiß kei­ne Sym­pa­thien für die Kon­ser­va­ti­ven hat, und der es zuläßt, daß die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta wegen des blo­ßen Ver­dachts einer ‚lef­eb­vria­ni­schen Schlag­sei­te‘ seit Jah­ren durch den Fleisch­wolf gedreht wer­den, bereit scheint, die ehe­ma­li­gen Schis­ma­ti­ker wie­der völ­lig anzu­er­ken­nen.“ Auf die­se Fra­ge wer­den „zwei mög­li­che Ant­wor­ten“ gege­ben, so Tosat­ti.

Der Hang zu aufsehenerregenden Gesten

Erstens: Der Grund sei die cha­rak­ter­li­che Prä­dis­po­si­ti­on des Pap­stes, der Wunsch und die Genug­tu­ung, eini­ge auf­se­hen­er­re­gen­de Gesten zu set­zen wie die Umar­mung mit dem rus­sisch-ortho­do­xen Patri­ar­chen Kyrill I. auf Kuba. Gesten, die weder Johan­nes Paul II. noch Bene­dikt XVI. ver­gönnt waren, sei­nen bei­den direk­ten Vor­gän­gern, deren Pon­ti­fi­ka­te er mit eini­ger inne­rer Distanz betrach­te. Dabei hat­ten sich bei­de mit gro­ßem Ein­satz dar­um bemüht. Zu den geeig­ne­ten Berei­chen für auf­se­hen­er­re­gen­de Gesten gehört auch die Pius­bru­der­schaft. Die Annä­he­rung unter Johan­nes Paul II. mün­de­te mit der von Rom erklär­ten Exkom­mu­ni­ka­ti­on im genau­en Gegen­teil. Bene­dikt XVI. emp­fing Bischof Fel­lay bald nach sei­ner Wahl in Audi­enz und leg­te damit den Grund­stein zu den seit­her nicht mehr abge­bro­che­nen Gesprä­chen. 2009 hob er das Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­kret auf und im Mai 2012 schien die kano­ni­sche Aner­ken­nung so gut wie sicher. Es kam erneut anders. Mit der Wahl des argen­ti­ni­schen Pap­stes schie­nen dann mit einem Schlag alle Aus­sich­ten wei­ter ent­fernt denn je.

Die Einschätzung, die Tradition sei überholt

Zwei­tens: Der Grund sei eine stra­te­gi­sche Ana­ly­se des Pap­stes. Gemeint ist die Optik, mit der Papst Fran­zis­kus die Tra­di­tio­na­li­sten sieht. Trotz ihrer beacht­li­chen Stär­ke, („man­che spre­chen von einer Mil­li­on“, so Tosat­ti) hal­te der Papst sie zah­len­mä­ßig nicht für „gefähr­lich“. Gemäß der Logik, die Fran­zis­kus im Febru­ar 2014 gegen­über den tsche­chi­schen Bischö­fen äußer­te, sieht er im Inter­es­se für die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus „nur eine Mode“. Sei­ner Mei­nung nach sei­en die Ansich­ten und Posi­tio­nen der Tra­di­ti­on — auch die theo­lo­gi­schen — über­holt. Die Geschich­te wer­de ihnen nicht recht geben. Der Papst ver­tre­te — nach die­ser Mei­nung — jene selbst­über­schät­zen­de Sie­ges­zu­ver­sicht des pro­gres­si­ven Den­kens, das sich per defi­ni­tio­nem im Recht wäh­ne. Der Papst wür­de in die­ser Mei­nung bestärkt durch sei­ne Beob­ach­tung, daß der Ein­fluß der Tra­di­tio­na­li­sten auf die Kir­che und auf die Mas­sen­me­di­en gering scheint. Ihre Aner­ken­nung und Wie­der­zu­las­sung sei daher eine kosten­gün­sti­ge Gele­gen­heit, mit einem auf­se­hen­er­re­gen­den und medi­en­wirk­sa­men Schritt die eige­ne Groß­her­zig­keit und Väter­lich­keit zu bewei­sen. Das Schlie­ßen einer bald 30jährigen Wun­de wür­de Fran­zis­kus alle­mal einen Ein­trag in die Kir­chen­ge­schich­te ein­brin­gen, wenn — aus sei­ner Sicht — auch nur vom Umfang einer Fuß­no­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. Die­ser Papst erkannt ja unter­schieds­los alle an: Kom­mu­ni­sten, Frei­mau­rer aller Art, kirch­li­che oder halb­kirch­li­che Gemein­schaf­ten mit aller­hand Dif­fu­sem im Gepäck usw. Und nun die Pius­bru­der­schaft.
    Für ihn hät­te Gott sicher­lich nicht Fleisch anzu­neh­men brau­chen in Maria und auch nicht letzt­lich, für unse­re Erlö­sung, am Kreuz aus Lie­be hät­te sich hin­ge­ben müs­sen. Denn das ist die Aus­sa­ge nicht allein sei­ner Janu­ar­bot­schaft.

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