Die Buße — vom Himmel erwartet und der Welt verhaßt

Christusmonogramm: "Jede Erneuerung in der Kirchengeschichte begann als Buße und Sühne"
Christusmonogramm: "Jede Erneuerung in der Kirchengeschichte begann als Buße, um Sühne zu leisten für die Übel"

von Rober­to de Mattei*

Wenn eine Hal­tung der heu­ti­gen Men­ta­li­tät radi­kal fremd ist, dann die der Buße. Begriff und Ver­ständ­nis von Buße läßt an ein Lei­den den­ken, das wir uns selbst zufü­gen, um unse­re eige­ne Schuld oder die ande­rer zu süh­nen, und um uns mit den Ver­dien­sten des heil­brin­gen­den Lei­dens Unse­res Herrn Jesus Chri­stus zu ver­ei­nen. Die moder­ne Welt lehnt die Hal­tung der Buße ab, weil sie vom Hedo­nis­mus durch­drun­gen ist und einen Rela­ti­vis­mus bekennt, der die Leug­nung einer jeden Form von Wohl, per­sön­li­chem oder all­ge­mei­nem ist, für das es lohnt, sich zu opfern, außer es gin­ge um die Suche nach Freu­de, Genuß und Unter­hal­tung.

Nur so las­sen sich Epi­so­den erklä­ren, wie die der­zeit statt­fin­den­de, wil­de Medi­en­at­tacke gegen die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta, deren Klö­ster als Ort schlimm­ster Kastei­un­gen behaup­tet wer­den, nur weil dort ein beschei­de­nes Leben stren­ger Nüch­tern­heit und Süh­ne geführt wird. Der Kon­trast ist für die Spaß­ge­sell­schaft zu groß, zu fern, als daß sie es noch ver­ste­hen könn­te. Ein Cili­ci­um, ein Büßer­hemd zu tra­gen, oder das Mono­gramm des Namens Jesu auf die Brust ein­prä­gen zu las­sen, wird als Bar­b­ar­bei ver­ris­sen, wäh­rend Sado­ma­so­chis­mus und Ganz­kör­per­tä­to­wie­run­gen zur Mode sti­li­siert wer­den und als „Recht“ eines jeden Men­schen gel­ten.

Die Fein­de der Kir­che wie­der­ho­len mit aller Kraft, zu der die Medi­en fähig sind, die anti­kle­ri­ka­len Anschul­di­gun­gen aller Zei­ten. Neu dar­an ist die Hal­tung jener kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten, die die ver­leum­de­ten Ordens­schwe­stern, statt sie zu ver­tei­di­gen, mit stil­ler Genug­tu­ung den Medi­en­hen­kern über­las­sen. Die Genug­tu­ung rührt von der Unver­ein­bar­keit zwi­schen der Ordens­re­gel die­ser Schwe­stern und den neu­en Stan­dards her, die ein „mün­di­ger Katho­li­zis­mus“ auf­drängt.

Der Süh­ne­geist gehört seit ihren Ursprün­gen zur katho­li­schen Kir­che, wie uns die Gestal­ten des Hei­li­gen Johan­nes dem Täu­fer und der Hei­li­gen Maria Mag­da­le­na in Erin­ne­rung rufen. Heu­te aber hal­ten auch vie­le Kir­chen­män­ner jede Erin­ne­rung an die alten aske­ti­schen Übun­gen für uner­träg­lich. Und doch gibt es kei­ne ver­nünf­ti­ge­re Leh­re als jene von der Not­wen­dig­keit zur Abtö­tung des Flei­sches.

Der Heilige Petrus Damiani (1006-1072)
Der Hei­li­ge Petrus Damia­ni (1006–1072)

Wenn der Kör­per gegen den Geist revol­tiert (Gal 5,16–25), ist es dann nicht etwa ver­nünf­tig und klug ihn zu züch­ti­gen? Kein Mensch ist frei von Sün­de, auch nicht die „mün­di­gen Chri­sten“. Wenn jemand die eige­nen Sün­den durch die Buße sühnt, han­delt er damit nicht nach einem eben­so logi­schen wie gesun­den Grund­satz? Die Buß­übun­gen beschä­men das Ich, wei­sen die rebel­li­sche Natur in die Schran­ken und lei­sten Wie­der­gut­ma­chung und Süh­ne für die eige­nen Sün­den und die Sün­den ande­rer. Wenn wir dann noch an die See­len den­ken, die Gott lie­ben, und die die Ähn­lich­keit mit dem Kreuz suchen, dann wird die Buße etwas, was die Lie­be ver­langt.

Berühmt sind die Sei­ten von De Lau­de fla­gello­rum des Hei­li­gen Petrus Damia­ni, dem gro­ßen Bene­dik­ti­ner, Kar­di­nal und Refor­ma­tor des 11. Jahr­hun­derts, der zum Kir­chen­leh­rer erho­ben wur­de. Das Klo­ster Fon­te Avel­la­na bei Gub­bio, des­sen Pri­or er war, war geprägt von äußer­ster Stren­ge der Ordens­re­gel. „Ich möch­te das Mar­ty­ri­um für Chri­stus erlei­den, habe aber nicht Gele­gen­heit dazu, indem ich mich aber den Schlä­gen unter­zie­he, bekun­de ich zumin­dest den Wil­len mei­ner bren­nen­den See­le“ (Epi­sto­la VI, 27, 416c). Jede Reform in der Kir­chen­ge­schich­te erfolg­te mit der Absicht, durch Stren­ge, Nüch­tern­heit und Buße für die Übel der Zeit Wie­der­gut­ma­chung zu lei­sten.

Im 16. und 17. Jahr­hun­dert prak­ti­zier­ten die Min­der­sten Brü­der des Hei­li­gen Franz von Pao­la, der Pau­la­ner­or­den, das Gelüb­de eines stren­gen Lebens der Umkehr, der Buße und des Fastens, die der Hei­li­ge in den Wor­ten vita qua­re­si­ma­le zusam­men­faß­te. Die­ses Gelüb­de wur­de bis 1975, bis zur Anwen­dung der neu­en Ordens­re­gel nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, prak­ti­ziert. Sie ver­lang­te von den Brü­dern die stän­di­ge Ent­halt­sam­keit nicht nur von Fleisch, son­dern auch von Eiern, Milch und allen Milch­pro­duk­ten. Die Rekol­lek­ten nah­men ihre Mahl­zei­ten am Boden sit­zend ein, misch­ten Asche unter ihre Spei­sen und leg­ten sich vor dem Ein­gang zum Refek­to­ri­um nie­der, damit die ande­ren Brü­der über sie drü­ber stei­gen muß­ten, um ein­zu­tre­ten. Die Barm­her­zi­gen Brü­der vom hei­li­gen Johan­nes von Gott sahen in ihren Regeln vor, „am Boden zu essen, die Füße der Brü­der zu küs­sen, öffent­li­che Ermah­nun­gen zu erdul­den und sich öffent­lich anzu­kla­gen“. Ähn­lich waren die Regeln ande­rer stren­ger Reform­or­den wie der Barn­abi­ten, der Pia­ri­sten, der Ora­to­ria­ner des Hei­li­gen Phil­ipp Neri oder der Thea­ti­ner. Es gibt kei­ne reli­giö­se Ordens­ge­mein­schaft, wie der aus Ham­burg stam­men­de und zur katho­li­schen Kir­che kon­ver­tier­te Lukas Hoste (1596–1661) doku­men­tier­te, die in den eige­nen Regeln nicht Buß­übun­gen vor­sieht, etwa durch Fasten an meh­re­ren Tagen der Woche, oder die Redu­zie­rung der Schlaf- und Ruhe­zei­ten (Codex regu­lar­um mona­sti­car­um et cano­ni­car­um, 1759, Aka­de­mi­sche Druck und Ver­lag­an­stalt, Graz 1958).

Zu die­sen in den Regeln vor­ge­se­he­nen Buß­übun­gen füg­ten die eif­rig­sten unter den Ordens­leu­ten noch die soge­nann­ten „super­e­ro­ga­to­ri­schen“ Buß­übun­gen hin­zu, die der per­sön­li­chen Ent­schei­dung über­las­sen blie­ben. Der Hei­li­ge Albert von Jeru­sa­lem zum Bei­spiel schrieb in der Ordens­re­gel für die Kar­me­li­ten, die von Papst Hono­ri­us III. 1226 bestä­tigt wur­de, am Ende des Kapi­tels über die Art des Ordens­le­bens und sei­ne Buß­prak­ti­ken: „Wenn jemand mehr geben will, wird ihn der Herr selbst bei Sei­ner Wie­der­kunft beloh­nen.“

Anteilnahme am Leiden Christi (Passionistenorden)
Anteil­nah­me am Lei­den Chri­sti (Pas­sio­ni­sten­or­den)

Bene­dikt XIV., der ein mil­der und aus­ge­wo­ge­ner Papst war, beauf­trag­te die bei­den gro­ßen Büßer, den Hei­li­gen Fran­zis­ka­ner Leon­hard von Por­to Mau­ri­zio und den Hei­li­gen Pas­sio­ni­sten Paul vom Kreuz mit den Vor­be­rei­tun­gen für das Hei­li­ge Jahr 1750. Fra Die­go von Flo­renz hat uns ein Tage­buch über die Volks­mis­si­on auf der Piaz­za Navo­na hin­ter­las­sen, die der Hei­li­ge Leon­hard von Por­to Mau­ri­zio vom 13. bis 25. Juli 1759 pre­dig­te. Mit einer schwar­zen Ket­te um den Hals und einer Dor­nen­kro­ne auf dem Kopf gei­ßel­te er sich dabei vor der Men­ge und rief: „Ent­we­der Buße oder Höl­le“ (San Leo­nar­do da Por­to Mau­ri­zio, Ope­re com­ple­te. Dia­rio di Fra Die­go, Vene­zia 1868, Bd. V, S. 249).

Der Hei­li­ge Paul vom Kreuz been­de­te sei­ne Pre­dig­ten auf öffent­li­chen Plät­zen, indem er sich gei­ßel­te. Dabei führ­te er so hef­ti­ge Schlä­ge, daß man­che Gläu­bi­ge nicht län­ger zuschau­en konn­ten und auf das Podest spran­gen, um ihn davon abzu­hal­ten und dabei selbst ris­kier­ten, von der Gei­ßel getrof­fen zu wer­den (I pro­ces­si di bea­ti­fi­ca­zio­ne di cano­niz­za­zio­ne di san Pao­lo del­la Cro­ce, Postu­la­zio­ne gene­ra­le dei PP. Pas­sio­ni­sti, Bd. I, Roma 1969, S. 493).

Heilige Therese von Lisieux (1873-1897)
Hei­li­ge The­re­se von Lisieux (1873–1897)

Die Buße ist eine seit zwei­tau­send Jah­ren unun­ter­bro­chen von den Hei­li­gen (kano­ni­siert oder nicht) geüb­te Pra­xis, die mit ihrem Leben dazu bei­getra­gen haben, die Geschich­te der Kir­che zu schrei­ben, von der Hei­li­gen Johan­na Fran­zis­ka von Chan­tal und der Hei­li­gen Vero­ni­ca Giu­lia­ni, die sich mit einem glü­hen­den Eisen das Chri­sto­gramm in die Brust präg­ten, bis zur Hei­li­gen The­re­se vom Kin­de Jesu, die in das Buch mit den Hei­li­gen Evan­ge­li­en, das sie immer bei sich auf dem Her­zen trug, am Ende das Glau­bens­be­kennt­nis mit ihrem Blut hin­ein­schrieb.

Die­se Groß­zü­gig­keit in der per­sön­li­chen Hin­ga­be cha­rak­te­ri­sier­te nicht nur die kon­tem­pla­ti­ven Ordens­frau­en. Im 20. Jahr­hun­dert lie­ßen zwei hei­li­ge Diplo­ma­ten die Römi­sche Kurie erstrah­len: Kar­di­nal Rafa­el Mer­ry del Val (1865–1930), Staats­se­kre­tär des Hei­li­gen Pap­stes Pius X., und der Die­ner Got­tes Msgr. Giu­sep­pe Cano­vai (1904–1942), diplo­ma­ti­scher Ver­tre­ter des Hei­li­gen Stuhls in Argen­ti­ni­en und Chi­le. Der erste trug unter dem Kar­di­nal­spur­pur ein Büßer­hemd mit klei­nen Eisen­ha­ken. Über den zwei­ten, der ein Gebet geschrie­ben mit sei­nem Blut hin­ter­ließ, sag­te Kar­di­nal Siri: „Die klei­nen Ket­ten, die Buß­hem­den, die schreck­li­chen Gei­ßeln aus Rasier­klin­gen, die Wun­den, die Nar­ben älte­rer Ver­let­zun­gen ste­hen nicht am Beginn, son­dern am Ende eines inne­ren Feu­ers. Sie sind nicht der Grund, son­dern die bered­te und ent­hül­len­de Explo­si­on des­sel­ben. Es han­del­te sich um die Klar­heit, in allem einen Grund zu sehen, um Gott zu lie­ben und im blu­ten­den Opfer die Ehr­lich­keit des inne­ren Ver­zichts garan­tiert zu sehen“ (Com­me­mo­ra­zio­ne per la Posi­tio di bea­ti­fi­ca­zio­ne, 23. März 1951).

Kirchenrechtler und Diplomat, Giuseppe Canovai (1904-1942)
Kir­chen­recht­ler und Diplo­mat, Giu­sep­pe Cano­vai (1904–1942)

In den 50er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts began­nen die aske­ti­schen und spi­ri­tu­el­len Übun­gen der Kir­che nach­zu­las­sen. Pater Jean-Bap­ti­ste Jans­sens, der Gene­ral­obe­re des Jesui­ten­or­dens (1946–1964) inter­ve­nier­te mehr als ein­mal, um die eige­nen Mit­brü­der an den Geist des hei­li­gen Igna­ti­us zu mah­nen. 1952 schick­te er ihnen einen Brief über die „stän­di­ge Abtö­tung“. Dar­in wider­setz­te er sich den Posi­tio­nen der nou­vel­le théo­lo­gie, die eine wie­der­gut­ma­chen­de und erwir­ken­de Süh­ne aus­schlie­ßen woll­te und schrieb, daß Fasten, Gei­ßeln, Buß­hem­den und ande­re selbst­auf­er­leg­te Wid­rig­kei­ten nach dem Wil­len Chri­sti (Mt 6,16–18) vor den Men­schen ver­bor­gen blei­ben, aber den jun­gen Jesui­ten gelehrt wer­den sol­len ab dem drit­ten Jahr der Pro­ba­ti­on (Dizio­na­rio degli Isti­tu­ti di Per­fe­zio­ne, Bd. VII, Sp. 472). De Buß­for­men kön­nen sich im Lau­fe der Jahr­hun­der­te ändern, nicht aber der Geist, der sich immer dem der Welt wider­setzt.

Den geist­li­chen Glau­bens­ab­fall des 20. Jahr­hun­derts vor­her­se­hend rief die Got­tes­mut­ter per­sön­lich in Fati­ma zur Buße. Die Buße ist nichts ande­res als die Zurück­wei­sung der fal­schen Wor­te, Ideen und Hal­tun­gen der Welt; der Kampf gegen die Mäch­te der Fin­ster­nis, die gegen die Mäch­te der Engel die Herr­schaft über die See­len gewin­nen wol­len; und die stän­di­ge Abtö­tung der unge­ord­ne­ten Sinn­lich­keit und des Stol­zes, die im tief­sten unse­res Seins ver­wur­zelt sind.
Nur wenn wir die­sen Kampf gegen die Welt, den Dämon und das Fleisch (Eph 6,10–12) akzep­tie­ren, wer­den wir die Bedeu­tung der Visi­on ver­ste­hen kön­nen, deren 100. Jah­res­tag wir in einem Jahr bege­hen. Die Hir­ten­kin­der von Fati­ma haben „links von Unse­rer Lie­ben Frau etwas ober­halb einen Engel gese­hen, der ein Feu­er­schwert in der lin­ken Hand hielt; es sprüh­te Fun­ken und Flam­men gin­gen von ihm aus, als soll­ten sie die Welt anzün­den; doch die Flam­men ver­lo­schen, als sie mit dem Glanz in Berüh­rung kamen, den Unse­re Lie­be Frau von ihrer rech­ten Hand auf ihn aus­ström­te: den Engel, der mit der rech­ten Hand auf die Erde zeig­te und mit lau­ter Stim­me rief: Buße, Buße, Buße!“

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt erschie­nen: Vica­rio di Cri­sto. Il pri­mato di Pie­tro tra nor­ma­li­tà  ed ecce­zio­ne (Stell­ver­tre­ter Chri­sti. Der Pri­mat des Petrus zwi­schen Nor­ma­li­tät und Aus­nah­me), Vero­na 2013; in deut­scher Über­set­zung zuletzt: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, Rup­pich­teroth 2011.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/OFM Cata­nia (Screen­shots)

13 Kommentare

  1. Der fran­zö­si­sche Prie­ster Adol­phe Tan­que­rey (1854 — 1934) hat in sei­nem Werk „Grund­riss der asze­ti­schen und mysti­schen Theo­lo­gie“ die The­ma­tik der Abtö­tung sehr detail­liert behan­delt.

    Ein Aus­zug:
    -
    [.…]
    „Die Abtö­tung muss den gan­zen Men­schen, Leib und See­le, umfas­sen,
    denn bei man­geln­der Zucht ist der gan­ze Mensch Anlass zur Sün­de.
    Frei­lich ist es in Wirk­lich­keit nur der Wil­le, wel­cher sün­digt.
    Er fin­det aber Mit­schul­di­ge und Werk­zeu­ge
    am Lei­be und an sei­nen äuße­ren Sin­nen,
    wie auch an der See­le mit allen ihren Fähig­kei­ten.
    Der gan­ze Mensch muss somit in Zucht gehal­ten oder abge­tö­tet wer­den.
    [.…]
    Die Abtö­tung muss also in der Ent­zie­hung von schlech­ten Freu­den bestehen, jener,
    die der gött­li­chen Welt­ord­nung, dem Gebo­te Got­tes oder der Kir­che ent­ge­gen sind.
    Fer­ner in der Ent­sa­gung von gefähr­li­chen Freu­den,
    um sich nicht der Gefahr zur Sün­de aus­zu­set­zen.
    Ja, selbst in der Ent­hal­tung eini­ger erlaub­ter Freu­den,
    um die Herr­schaft des Wil­lens über das Gefühl zu sichern.
    Zu dem­sel­ben Zweck soll man sich nicht nur eini­ger Freu­den berau­ben,
    son­dern sich auch eini­ge posi­ti­ve Abtö­tun­gen auf­er­le­gen.
    Die Erfah­rung näm­lich lehrt,
    nichts zähmt wirk­sa­mer den Lust­reiz als die Über­nah­me einer Arbeit oder eines über­ge­bühr­li­chen Lei­dens.
    Die Abtö­tung muss jedoch auf klu­ge und dis­kre­te Art gesche­hen.
    Sie muss den phy­si­schen und mora­li­schen Kräf­ten eines jeden,
    sowie der Erfül­lung der Stan­des­pflich­ten ange­passt sein.

    1.
    Man soll mit den leib­li­chen Kräf­ten haus­hal­ten,
    denn nach dem hl. Franz v. Sales „sind wir
    in zwei­er­lei Lagen gro­ßen Ver­su­chun­gen aus­ge­setzt
    näm­lich wenn der Leib zu gut genährt wird und wenn er zu geschwächt ist.“
    In letz­te­rem Fal­le wird dann gefahr­ber­gen­de Scho­nung not­wen­dig.

    2.
    Man soll auch mit den Gei­stes­kräf­ten behut­sam umge­hen,
    d.h. anfangs sich nicht über­mä­ßi­ge Ent­beh­run­gen auf­er­le­gen,
    die man dann nicht fort­set­zen kann
    und wel­che in dem Augen­blicke des Auf­ge­bens Erschlaf­fung her­be­füh­ren kön­nen.

    3.
    Vor allem ist es wich­tig
    dass die Abtö­tun­gen im Ein­klange mit den Stan­des­pflich­ten ste­hen,
    denn die­se sind vor­ge­schrie­ben, kom­men also in erster Linie in Betracht.
    Es wäre dem­nach sehr unrecht, woll­te eine Fami­li­en­mut­ter Streng­hei­ten hin­ge­ben,
    die sie in der Erfül­lung ihrer Pflich­ten gegen Mann und Kin­der hin­der­ten.
    1 Phi­lo­thea, 3. Buch, 23. Kap.1

    Bei den Abtö­tun­gen ist eine Rang­ord­nung zu beach­ten.
    Die inne­ren sind begreif­li­cher­wei­se wert­vol­ler als die äuße­ren,
    weil sie tie­fer die Wur­zel des Übels fas­sen.
    Man ver­ges­se jedoch nicht,
    dass die äuße­ren Abtö­tun­gen die inne­ren erleich­tern.
    Wer ohne Abtö­tung der Augen die Phan­ta­sie zügeln will,
    dem wird es schwer­lich gelin­gen,
    weil die Augen die sinn­fäl­li­gen Bil­der der Phan­ta­sie über­mit­teln,
    von denen letz­te­re sich nährt.

    Es war einer der Irr­tü­mer der Moder­ni­sten,
    die Streng­hei­ten der christ­li­chen Jahr­hun­der­te zu ver­höh­nen.
    In Wirk­lich­keit haben die Hei­li­gen aller Zei­ten ihren Leib und ihre äuße­ren Sin­ne hart in Zucht gehal­ten.
    Sie tru­gen die feste Über­zeu­gung in sich,
    im Zustan­de der gefal­le­nen Natur müs­se der gan­ze Mensch abge­tö­tet wer­den,
    um gänz­lich Gott anzu­ge­hö­ren.“
    [.…]
    -

  2. In dem Arti­kel fin­det sich viel Wah­res. Aller­dings blen­det er aus, dass sol­che „bru­ta­le“ Aske­se eben­so zu einer Eitel­keit wer­den kann und sich auch bei ande­ren Reli­gio­nen fin­det. Auch die Schii­ten gei­ßeln sich blu­tig. Auch die Hei­den rit­zen sich blu­tigm wie schon das AT die Baals­die­ner kenn­zeich­net. Ein wenig Distanz wäre hier von­nö­ten! Nüt­zen tut es näm­lich sowie­so nichts.

    Abtö­tung in die­ser Gewalt­sam­keit ist immer und not­wen­dig eine rein pri­va­te Radi­ka­li­tät und mensch­li­ches Gemäch­te.

    In einer gewis­sen Wei­se hat sol­che gewalt­tä­ti­ge Abtö­tung auch etwas Luxu­riö­ses: der wah­re Jün­ger Jesu soll­te doch ohne­hin in so hef­ti­ge Kämp­fe gestellt sein, dass er das eigent­lich gar nicht mehr nötig haben dürf­te.

    Am Ende bleibt bestehen, dass kör­per­li­che Abtö­tung auch die Hei­den betrei­ben und kaum etwas die Eitel­keit mehr ansta­chelt als sie. Es ist Schall und Rauch oder allen­falls die unter­ste Stu­fe.

    Inter­es­sant wird es da, wo nicht mehr der from­me Eifer selbst bestim­men will, wie er sich abtö­tet, son­dern der gro­ße Gott an uns arbei­tet, frei nach dem Wort Jesu an Petrus:

    „Frü­her hast du dich selbst gegür­tet und gingst wohin du woll­test, nun aber gür­tet dich ein ande­rer und führt dich dahin, wohin du nicht woll­test.“

    Ein gesun­des Miss­trau­en gegen all­zu gro­ße Aske­se ist also immer ange­passt.

    Man soll sich nicht sor­gen dar­um, dass Gott schon Aske­se genug abver­langt nach sei­nem Wil­len.
    Hat einer da über­schüs­si­ge Kräf­te, soll­te er sich fra­gen, wie das kom­men kann bei ech­tem Glau­ben?!

  3. „Sie tru­gen die feste Über­zeu­gung in sich, im Zustan­de der gefal­le­nen Natur müs­se der gan­ze Mensch abge­tö­tet wer­den, um gänz­lich Gott anzu­ge­hö­ren.“
    Ok, die­sen Gedan­ken soll­te man dann aber logisch bis zum Ende füh­ren. Die Isla­mi­sten, die sich selbst und ande­re aus Glau­bens­über­zeu­gung in die Luft spren­gen, tun dies. Erst wenn der gan­ze Mensch nicht abge­tö­tet son­dern getö­tet wird, gehört er gänz­lich Gott. Welch wahn­sin­ni­ge Per­ver­si­on! Und man sieht dar­aus auch, wel­che Per­ver­si­on die­se hier beschrie­be­nen Buß­ak­te dar­stel­len. Ein Büßer­hemd mit Eisen­ha­ken, Gei­ßeln mit Rasier­klin­gen, das ist ein schwer­wie­gen­der Ver­stoß gegen das 5. Gebot und nichts ande­res. Wenn jemand Pro­ble­me hat, sei­nen Geist zu zügeln, dann soll­te er sich über­le­gen, wie er sein Leben ändern kann, damit sei­ne Situa­ti­on bes­ser wird — das ist Buße. Und wenn das nichts hilft, dann gehört er in ärzt­li­che Behand­lung wie mit jeder ande­ren Krank­heit auch. Gott sei Dank sind die­se „Buß­me­tho­den“ wie hier beschrie­ben, nicht mehr „in“. Ein Fort­schritt in die­ser Welt!

    • Gali­lei, die Welt ist nicht der Maß­stab. Und Abtö­tung hat nichts mit der Ermor­dung Unschul­di­ger zu tun! Was Sie da reden ist irre.

  4. Der Spaß­mensch von heu­te lehnt alles ab, was nicht zu sei­nem Ver­gnü­gen führt.
    Buße, Reue, selbst das Sün­den­be­wusst­sein ist total aus­ge­blen­det. Die­se Tat­sa-
    che wird nach wie vor nicht erkannt und des­halb auch kein Gegen­steu­ern. Der
    wache Christ schaut nach Rom und fragt sich :..was machen die da ? ( Pater Pio
    zum II.Vatikanum ). Damals war alles noch von der Tra­di­ti­on getra­gen und ent-
    sprech­lich christ­lich. Heu­te ist die­se Kir­che nicht mehr zu erken­nen, es gibt
    offen­bar die Sün­de nicht mehr und bezeich­net alles als Barm­her­zig­keit. Da die
    Chri­sten­heit nicht gelenkt und bekehrt wird, kommt alles wie von der Mut­ter-
    got­tes ange­kün­digt.

  5. Kur­ze Ant­wort: auf­grund der Erb­sün­de hat der Mensch den Drang zu sün­di­gen. Die Sün­de ist es aber, die den Men­schen von Gott trennt und erlö­sungs­be­dürf­tig macht. Durch das Blut Jesu Chri­sti wird die Sün­de der Welt gesühnt, bei jeder Hei­li­gen Mes­se. Man kann auch süh­nen, indem man den Rosen­kranz oder den Barm­her­zig­keits­ro­sen­kranz betet oder eben durch die oben beschrie­be­nen Arten, die heu­te weni­ger geläu­fig sind als frü­her.
    Man kann Sün­den ver­mei­den, indem man den Drang zu sün­di­gen abtö­tet, das ist sicher so. Es soll aber jeder tun wie er meint, wenn­gleich ich per­sön­lich auch nicht viel von die­ser kör­per­li­chen Buß­art hal­te.

  6. @Galilei: Hier muss ich Ihnen voll und ganz zustimmen!Gerade in der heu­ti­gen Zeit wären die Gren­zen zu Sado­ma­so flie­ssend.
    Das gei­sti­ge oder see­li­sche Leiden,das uns in die­ser heu­ti­gen Zeit wider­fährt ist mE.auch höher zu bewer­ten wie Gür­tel mit Radier­klin­gen!!

  7. Was die mei­sten See­len in der Ein­stu­fung der (not­wen­di­gen) Buße (lei­der) nicht zu sehen ver­mö­gen, ist die gei­sti­ge (spi­ri­tu­el­le) Freu­de, ja: Freu­de, die damit ver­bun­den ist!

    Wer see­lisch trau­rig Buße tut, lässt es bes­ser blei­ben (das kann der eige­nen See­le sogar scha­den).

    Wah­re Buße bringt see­li­schen Frie­den und see­li­sche, gei­sti­ge Freu­de mit sich (nicht als ober­fläch­li­ches Gefühl, son­dern als tief­ste See­len-Regung)!

    Die „Freu­de des Hei­li­gen Kreu­zes“ zu ent­decken ist eine der größ­ten Gna­den, die wir auf die­ser mise­ra­blen Welt aus­er­wählt sind, ent­decken zu ler­nen.

    • Die Spi­ri­tua­li­tät wird sowie­so viel zu sehr von der Theo­lo­gie ver­drängt, was es bräuch­te sind mehr Beten­de und Süh­nen­de.

  8. Ein sehr schö­ner Text von Rober­to de Mattei und es stimmt: Man muss beten und Buße tun als Süh­ne für die Ande­ren.

    Hät­te es den frü­he­ren Genera­tio­nen geist­lich nichts genützt, so hät­te es nie­mand getan. Es scheint irgend­wel­che Gna­den­quel­len offen­zu­le­gen. Da man es nach dem Kon­zil ver­wor­fen hat, muss es etwas sehr gutes sein.

    Aber natür­lich ist es in der nach­kon­zi­lia­ren Sicht­wei­se:

    1. Dua­li­stisch
    2. Sado-Maso­chi­stisch
    3. Stolz
    4. Leib­feind­lich etc.

    Aber das Her­um­lau­fen mit einer gespal­te­nen Zun­ge, Pier­cing etc. ist natür­lich gut, welt­of­fen, modern etc.

    Wir leben sicher­lich nicht in Zei­ten von über­trie­be­ner, kör­per­li­chen Buße. Man kann da sicher­lich Vie­les opti­mie­ren.

    Hät­ten sich mehr Kon­zils­vä­ter abge­tö­tet, so wäre das Kon­zil viel­leicht anders ver­lau­fen. Sie­he unse­ren letz­ten Bei­trag:
    https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/01/28/das-konzil-oder-warum-hat-es-keiner-gemerkt/

    • Tra­di­ti­on und Glau­ben, wie wahr, wie wahr! Das eit­le Super­kon­zil hat den Ver­stand hin­aus­ge­pu­stet. Doch ver­ges­sen wir nicht, was zeit­schnur ein­mal schrieb, es war halt auch eine Rereak­ti­on.
      Im Grun­de gehört das Super­kon­zil zur Syn­ode abge­stuft, die es eigent­lich auch war und das Vati­ca­num gehört außer­halb des Vati­kans ver­nünf­tig zuen­de geführt.

  9. Man könn­te viel­leicht noch hin­zu­fü­gen, dass eine Art von Süh­ne am Ende des Lebens alter Men­schen in Form von schwe­ren Krank­hei­ten, durch das The­ma Eutha­na­sie ten­den­zi­ell über­schat­tet wird.
    Da scheint es in der heu­ti­gen Zeit umso kon­tro­ver­ser, dass in Mut­ter Tere­sas Ster­be­ho­spi­zen angeb­lich kei­ne schmerz­min­dern­den Mit­tel ver­ab­reicht wur­den.
    Ich den­ke außer­dem, wir Men­schen haben ver­lernt, in Krank­hei­ten die Gott uns sen­det, Zei­chen der Süh­ne und Auf­ru­fe zur Umkehr zu sehen. Denn bevor die Erb­sün­de war, gab es noch kei­ne Krank­heit, son­dern einen voll­kom­me­nen Zustand im irdi­schen Para­dies. Auch das ist ein Gedan­ke, der mir wich­tig erscheint.

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