Franziskus zu Scalfari: „Bekehren Sie sich nicht“ — „Revolutionäre verstehen sich eben“

Eugenio Scalfari und Papst Franziskus: "Unter Revolutionären versteht man sich eben"?
Eugenio Scalfari und Papst Franziskus: "Unter Revolutionären versteht man sich eben"?

(Rom) Euge­nio Scal­fa­ri, der Grün­der und ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca, der ein­zi­gen Tages­zei­tung, die Papst Fran­zis­kus laut eige­ner Anga­be täg­lich liest, beharrt dar­auf: die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen wer­den wie­der zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen wer­den. Dies schrieb der beken­nen­de Athe­ist aus einer Fami­lie mit alter frei­mau­re­ri­scher Tra­di­ti­on und Doy­en des lin­ken Jour­na­lis­mus in Ita­li­en am gest­ri­gen Sonn­tag in sei­ner Kolum­ne.

Wegen eini­ger, höchst umstrit­te­ner Inter­views, die er mit Papst Fran­zis­kus füh­ren konn­te, schuf sich Scal­fa­ri den Nim­bus eines „lai­zi­sti­schen Freun­des des Pap­stes“ und sogar als „lai­zi­sti­sche Stim­me des Pap­stes“. Von der Titel­sei­te der Repub­bli­ca ver­kün­de­te Scal­fa­ri, wie Papst Fran­zis­kus die Kir­che „ver­än­dern“ wol­le. „Papst Fran­zis­kus: So wer­de ich die Kir­che ver­än­dern“, lau­te­tet die Schlag­zei­le am 1. Okto­ber 2013, als das erste Scal­fa­ri-Inter­view mit dem Papst abge­druckt wur­de.

Scalfaris Kolumne: „Wiederverheiratet Geschiedene werden zur Kommunion zugelassen werden“

Am 1. Novem­ber 2015 schrieb Scal­fa­ri weni­ge Tage nach dem Ende der hit­zig ver­lau­fe­nen Bischofs­syn­ode über die Fami­lie, der Papst habe ihn ange­ru­fen und ihm ange­kün­digt: „Alle wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen wer­den die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen“. Dar­an knüpf­te sei­ne gest­ri­ge Kolum­ne an.

Dar­in nahm er unter ande­rem zur Hal­tung der Kir­che in der „Homo-Ehe“-Diskussion Stel­lung und erklär­te sei­ner Leser­schaft, war­um Papst Fran­zis­kus sein Pro­gramm nicht so schnell und noch nicht ganz durch­set­zen habe kön­nen:

„Natür­lich muß Fran­zis­kus, wie bereits in der syn­oda­len Dis­kus­si­on über das The­ma der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen gesche­hen, die die Wie­der­zu­las­sung zu den Sakra­men­ten wün­schen, (vor­über­ge­hen­de) Kom­pro­miß­lö­sun­gen suchen, um die Ein­heit der syn­oda­len Kir­che zu bewah­ren.

Der Kom­pro­miß zum The­ma der Sakra­men­te für die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen war, den Bischö­fen und den von ihnen beauf­trag­ten Beicht­vä­tern die Ent­schei­dung zu über­tra­gen, ob der Antrag­stel­ler wie­der ange­nom­men wer­den kann oder nicht. Auf die­se Wei­se wur­de die Tür der Wie­der­zu­las­sung zur Hälf­te geöff­net, Fall für Fall. Es ist aber jenen, die es wün­schen — soll­ten sie vom Beicht­va­ter ein nega­ti­ves Gut­ach­ten erhal­ten haben — immer mög­lich, nach einer gewis­sen Buß­zeit erneut einen Antrag zu stel­len, und es ist eben­so mög­lich, viel­mehr sogar sicher, daß die­ser zwei­te Antrag ange­nom­men wird.

In die­ser Pha­se – wie wir wis­sen — hat die Span­nung zwi­schen dem Papst und der Kurie ihr Maxi­mum erreicht, was bedeu­tet, daß Fran­zis­kus die größt­mög­li­che Mehr­heit des Epi­sko­pats zusam­men­hal­ten muß, die eine pasto­ra­le Akti­on bevor­zugt und auf die­se Wei­se die von Fran­zis­kus gewoll­te mis­sio­na­ri­sche Kir­che reprä­sen­tiert. Das erklärt umfas­send den Kom­pro­miß in Sachen Ehe und ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaf­ten.“

Soweit Scal­fa­ri in sei­ner Kolum­ne vom 24. Janu­ar, der sich als Athe­ist erstaun­lich detail­liert für die katho­li­sche Kir­che, deren Sakra­men­te und sogar den Zugang zu die­sen inter­es­siert.

Ambivalente Haltung des Vatikans: halbherzige Dementi

Scal­fa­ri bedient das Kli­schee des „guten“ Pap­stes, der von einer „bösen“ Kurie dar­an gehin­dert wer­de, sein Regie­rungs­pro­gramm umzu­set­zen, weil er Rück­sich­ten neh­men müs­se, um die Ein­heit der Kir­che nicht zu gefähr­den. Scal­fa­ri erklärt damit dem Publi­kum, daß auch in der Kir­che erst ein­mal Mehr­hei­ten gefun­den wer­den müß­ten und nur schritt­wei­se vor­ge­gan­gen wer­den kön­ne. Zudem fällt sei­ne Beto­nung der „syn­oda­len Kir­che“ auf, die er als neue Kir­che signa­li­siert.

Papst Fran­zis­kus gewähr­te Scal­fa­ri meh­re­re Gesprä­che, deren Inhalt vom La Repub­bli­ca-Grün­der nach eige­nen Anga­ben frei wie­der­ge­ge­ben wur­de. Seit­her ist die Rede von einem „Scal­fa­ri-Lehr­amt“. Die Reak­tio­nen dar­auf waren ambi­va­lent. Einer­seits demen­tier­te das Pres­se­amt des Vati­kans jeweils anschlie­ßend den Inhalt, ohne eine wirk­li­che Klä­rung her­bei­zu­füh­ren. Ande­rer­seits hält Papst Fran­zis­kus an den Gesprä­chen fest. Die umstrit­te­nen Inter­views wur­den sogar in einen Sam­mel­band mit Papst-Inter­views auf­ge­nom­men und vom Vati­kan­ver­lag ver­öf­fent­licht. Eine ernst­haf­te Distan­zie­rung sieht anders aus.

Scalfaris Anekdoten  und Begninis: „Unter Revolutionären versteht man sich eben“

Euge­nio Scal­fa­ri genießt es unter­des­sen, ein „aus­ge­zeich­ne­tes fee­ling“ zum Papst zu haben, wie es beim 40. Grün­dungs­fest von La Repub­bli­ca hieß, das am ver­gan­ge­nen 14. Janu­ar gefei­ert wur­de. Bei die­ser Gele­gen­heit erzähl­te Scal­fa­ri, daß ihn Papst Fran­zis­kus gebe­ten habe, sich „nicht zu bekeh­ren“, denn, so der Papst, er wüß­te sonst nicht, wo er dann einen ande­ren Ungläu­bi­gen wie ihn fän­de, mit dem er reden kön­ne, um neu­en Ansporn zu bekom­men. „Belu­stig­tes und applau­die­ren­des Publi­kum“, beschrieb La Noti­zia die Sze­ne.

Scal­fa­ri saß bei der Vor­stel­lung des Gesprächs­bu­ches von Andre­as Tor­ni­el­li und Papst Fran­zis­kus im Vati­kan als Ehren­gast in der ersten Rei­he. Die Prä­sen­ta­ti­on erfolg­te durch den in Ita­li­en über­aus belieb­ten Schau­spie­ler und Komi­ker Rober­to Benig­ni, was maxi­ma­le Ein­schalt­quo­ten und Sym­pa­thie sicher­te. Begni­ni sag­te, in sei­ner gewohnt bur­les­ken Vor­trags­wei­se, daß ihm „die­ser Papst gefällt, aber sehr sehr “ sogar und man über die­sen Papst „nicht auf maß­vol­le Art gut spre­chen kann: ent­we­der man redet gut über ihn oder gar nicht“. Papst Fran­zis­kus „ist ein Revo­lu­tio­när, wie ihn Euge­nio Scal­fa­ri genannt hat, der auch ein Revo­lu­tio­när ist. Unter Revo­lu­tio­nä­ren ver­steht man sich eben“, so Begni­ni.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: UCCR
Video: La Repub­bli­ca (mit Wer­be­vor­spann, der nicht aus­ge­schal­tet wer­den kann)

33 Kommentare

  1. Bei den ersten Scal­fai-Inter­views über­schlu­gen sich from­me Katho­li­ken dar­in, auf Scal­fa­ri als Lüg­ner und Ver­zer­rer ein­zu­hacken und F. hin­zu­stel­len, als habe er das ganz gewiss so nicht gesagt…

    Ich sehe den Fall aber wie auch den Bene­dikts: Hier ste­hen Aus­sa­gen im Raum, die nicht wider­legt wer­den kön­nen!

    Ich glau­be, dass Scal­fa­ri uns das sagt, wozu sich der Vati­kan bis­lang noch nicht auf­ge­rafft hat, und es ist gera­de­zu beschä­mend, dass unse­re Hel­den­bi­schö­fe, für die hier so vie­le so „dank­bar“ sind, ver­schwei­gen, geschwei­ge denn, dass sie dar­auf reagier­ten, was uns der Welt­mann unge­schminkt mit­teilt.

    F. hat selbst tau­send Andeu­tun­gen in die­se Rich­tung gemacht.
    Wir wis­sen, wohin die Rei­se geht.

    Eines aber muss man sehen: es war Bene­dikt, der die­sen Pro­zess ange­sto­ßen hat. Er war es, der aus­drück­lich gera­ten hat, die Annul­lie­rungs­ver­fah­ren noch aus­zu­bau­en.
    F. greift die Vor­ar­bei­ten sei­ner Vor­gän­ger auf.

    • Eine Kon­ti­nui­tät in die­sem Punkt zwi­schen Bene­dikt und Fran­zis­kus zu behaup­ten, wirkt sehr kon­stru­iert. Pla­ka­tiv for­mu­liert, klingt das so:
      Bene­dikt sagt, man soll die Fra­ge des Prie­ster­z­ö­li­bats theo­lo­gisch ver­tie­fen [also kla­rer her­aus­ar­bei­ten],
      Fran­zis­kus hebt dann den Zöli­bat auf und behaup­tet, das sei eine „theo­lo­gi­sche Ver­tie­fung“.
      Da kann man ja nicht behaup­ten, es gibt eine Kon­ti­nui­tät. Wor­te sind gedul­dig. Man kann die glei­chen ver­wen­den, aber mit ganz ande­rem Inhalt fül­len…
      Bene­dikt hat bei Ehe­sa­chen nur eine zeit­li­che Beschleu­ni­gung ange­regt. Das ist ange­mes­sen, weil die Ver­fah­ren oft Jah­re dau­ern. Das sagt aber nichts zum Inhalt des Urteils, son­dern nur, daß die Zei­ten für ein Urteil ange­mes­sen sein sol­len. Das ist übri­gens im staat­li­chen Recht sogar mit genau­en Fri­sten gere­gelt.
      Bene­dikt XVI. hat hin­ge­gen aus­drück­lich im Zusam­men­hang mit der Bischofs­syn­ode einen älte­ren Auf­satz aus den frü­hen 70er Jah­ren kor­ri­giert, um nicht von Kas­per & Co. für deren Ziel­set­zun­gen miß­braucht wer­den zu kön­nen. Was Fran­zis­kus will, aber sich nicht offen sagt, hat Bene­dikt nie ver­langt, nicht direkt und nicht indi­rekt.

      • Bene­dikt hat noch viel mehr ange­regt als nur das…

        Er hat aus­drück­lich die Idee in den Raum gestellt, dass ein gro­ßer Teil katho­li­scher Eehen nie zustan­de gekom­men sei, weil der erfor­der­li­che Ehe­wil­le (angeb­lich) gefehlt habe.

        Er woll­te die Annul­lie­rung auf­grund des man­geln­den Ehe­wil­lens als Legi­ti­ma­ti­on der gewünsch­ten Schei­dungs- und Wie­der­ver­hei­ra­tungs­pra­xis frucht­bar machen.

        Lesen Sie bit­te hier und for­schen Sie von dort aus wei­ter: http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_angebote_detail?k_beitrag=4301233

        Es ist hart, aber es ist so — ich habe Bene­dikt anfangs auch nicht als den gese­hen, der er doch so ganz offen­kun­dig und unge­schminkt ist (!).

        Die Wahr­heit ist aber: F. führt nur des­sen Ideen zu Ende.

      • Viel­leicht sind wir alle zu naiv mit Bene­dikts Wor­ten umge­gan­gen. Er „kor­ri­gier­te“ ledig­lich sei­ne jugend­li­che Mei­nung, man kön­ne wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zur hl. Kom­mu­ni­on zulas­sen.
        Sei­ne Ansicht, dass sie in geord­ne­ten ver­hält­nis­sen leb­tem, hat er aber nicht zurück­ge­nom­men.

        Er hat einen ele­gan­ten Weg gesucht, um dem Makel, bei einer bereits gül­ti­gen Ehe sich wie­der zu ver­hei­ra­ten, zu ent­ge­hen: durch Annul­lie­rung der Erste­he in gro­ßem Umfang.

      • @Zeitschnur
        Ich blei­be dabei, Ihre Kon­ti­nui­täts­be­haup­tung wirkt in die­sem Fall kon­stru­iert. Wozu eigent­lich?
        Bene­dikt hat in Sachen „Ehe­wil­len“ ledig­lich gesagt, die Fra­ge sei zu stu­die­ren. Er hat in kei­ner Wei­se vor­weg­ge­nom­men, wel­ches Ergeb­nis er sich evtl. erwar­tet. Das ist wie mit dem Recht auf ein Urteil in ange­mes­se­ner Zeit. Das sagt nichts aus — im Gegen­satz zu Fran­zis­kus — wie das Urteil aus­fal­len soll.
        Ich wür­de mich freu­en, wenn ich an Ihrer Rund­um­kri­tik an allen und jedem in der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te erken­nen könn­te, dass die­se einem guten Zweck dient und nicht bloß Kri­tik der Kri­tik wegen oder Bes­ser­wis­se­rei ist. Das fällt mir aber manch­mal (nicht immer) schwer.

      • @ Lio­ba

        Und ich blei­be auch dabei — da ist gar nichts kon­stru­iert, son­dern wer A sagt, darf auch auf A ange­spro­chen wer­den, auch dann, wenn einer ande­rer aus A wei­te­re Schlüs­se zieht.

        Bene­dikt kam 2014 abso­lut so rüber, auch in der welt­li­chen Pres­se. Kapiert haben es bloß die Bene­dikt-Fans nicht. Lie­be macht blind…

        „Statt­des­sen emp­fiehlt Bene­dikt, dass die Kir­che das Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren aus­baut — das könn­te fest­stel­len, dass eine Ehe wegen psy­chi­scher Unrei­fe von Anfang an ungül­tig war, einer zwei­ten Hei­rat stün­de dann nichts im Weg. Auch ohne die­ses Ver­fah­ren soll­ten Geschie­de­ne in kirch­li­chen Gre­mi­en aktiv und Pate wer­den kön­nen.“ http://www.sueddeutsche.de/panorama/aeusserung-von-benedikt-xvi-der-dagegen-papst‑1.2222774

        Tut mir leid, aber damit müs­sen Sie leben. Das ist die Rea­li­tät!

        Ich bin übri­gens ein­fach nur kri­tisch. Wenn ich damit Ihre Wagen­burg „rund­um“ schlei­fe, ist das viel­leicht nicht nur mein Feh­ler, son­dern auch Ihrer.

        Und es ist kei­ne „Bes­ser­wis­se­rei“, wenn man lie­bes­blin­den Bene­dikt­fans zeigt, was Bene­dikt wirk­lich und nach­weis­lich gesagt hat.

        In der gegen­wär­ti­gen Kri­se ist Nüch­tern­heit und Weit­blick — auch rück­wärts in die Ver­gan­gen­heit — ange­sagt. Dar­um bemü­he ich mich. Bigott-har­mo­nie­süch­ti­ge Schön­fär­be­rei ver­hin­dert, dass wir unser Pro­blem ver­ste­hen. Es wird nur wei­ter berg­ab gehen.

        Nicht zuletzt geht es heu­te kon­kret dar­um, sich inner­lich zu distan­zie­ren von einem „lehr­amt“, das den namen nicht mehr ver­dient, weil es die See­len in die Höl­le kom­pli­men­tie­ren will. und da hat auch der gute Bene­dikt ganz offen­kun­dig mit bei­getra­gen und dies nicht zu knapp, dafür aber stil­voll und edel. Es ist aber ziem­lich egal, ob wir mit Bene­dikts roten, hüb­schen Schüh­chen oder in F.s Ortho­pä­den­lat­schen in die Höl­le wan­dern.

        Nein: Bei aller Kri­tik an F., die ich als eine der ersten hier deut­lich aus­ge­spro­chen hat­te, und für die ich als erste von eini­gen papo­la­tri­schen Hyä­nen hier halb tot geprü­gelt wur­de, ist doch F. nicht der Böse, der alles kaputt­macht, was der lie­be Bene­dikt so schön wie­der ein­ge­rich­tet hat­te.
        F. führt das wei­ter, was Bene­dikt ange­legt hat. Punkt.
        Das ist mei­ne begrün­de­te Über­zeu­gung, nach­dem auch ich mal so gedacht hat­te wie Sie. Aber das konn­te einer kalt­blü­ti­gen, kri­ti­schen Prü­fung eben nicht stand­hal­ten.

        Ver­führt Dich dein Auge zur Sün­de, reiß es aus!

    • Die „Wiederverheiratung„s‑Diskussion hat etwas Deli­ka­tes! Das „Super­kon­zil“ hat bewußt die Ehe­zwecke ver­kehrt. Bezüg­lich der Not­wen­dig­keit und Qua­li­tät des „Wiederverheiratung„s‑Konkubinates wird jetzt aller­dings in einer Wei­se argu­men­tiert, die wie­der dem Ver­hält­nis der Ehe­zwecke vor dem „Super­kon­zil“ ent­spricht … (Was natür­lich für die Rich­tig­keit der über­lie­fer­ten Auf­fas­sung spricht.)
      Man heilt also jetzt die durch das Kon­zil geschla­ge­nen Wun­den mit den Argu­men­ten der Tra­di­ti­on. Der kon­se­quent näch­ste Schritt ist nun, auch für die eigent­li­che Hei­rat die segens­rei­che her­ge­brach­te Auf­fas­sung als sol­che wie­der zu erken­nen.

  2. Dass die Bemer­kung, sich nicht zu bekeh­ren, scherz­haft gemeint war, liegt auf der Hand, wenn man den Bericht liest. Jedem, der das nicht sieht, fehlt wohl die rech­te Beur­tei­lungs­fä­hig­keit, die übli­cher­wei­se als ein wesent­li­cher Teil der mensch­li­chen Intel­li­genz ange­se­hen wird.

    • @Galilei
      sagen wir so: Sie wol­len die Bemer­kung „scherz­haft gemeint“ sehen, weil Ihnen — zurecht — das Gegen­teil Bauch­schmer­zen berei­ten wür­de.
      Aller­dings, und das gilt auch für den Papst, soll­te man über man­che Din­ge nicht scher­zen.
      Zudem kann ich mich erin­nern, dass Fran­zis­kus Scal­fa­ri gleich im ersten Inter­view sag­te, er wol­le ihn nicht bekeh­ren. Erfun­den hat es Scal­fa­ri also nicht. ob es nur eine Blö­de­lei eines blö­deln­den Pap­stes war, wer­den wir wohl nie erfah­ren. Wir wis­sen aller­dings, dass er auf die Juden­mis­si­on ver­zich­tet, dass er die Evan­ge­li­ka­len nicht bekeh­ren will und seit dem Video der Gebets­mei­nun­gen von die­sem Monat, daß er über­haupt der Mei­nung ist, dass alle Men­schen „Kin­der Got­tes“ sind und damit jeder bei sei­ner Reli­gi­on blei­ben soll. Also, grü­bel, grü­bel, von „scherz­haft gemeint“ scheint echt kei­ne Rede sein zu kön­nen.
      Die­ser Papst denkt wie Les­sing und die beschürz­ten Brü­der mit ihrem Gro­ßen Bau­mei­ster. Jeder nach sei­ner Façon… Der per­fekt Mann für die „Ver­ein­ten Reli­gio­nen der Welt“

      • Dies dach­te ich bei einer ande­ren Gele­gen­heit. So ‚scherzt‚ die­ser Herr wie­der­holt, er hät­te sich eigent­lich statt Fran­zis­kus I.,
        Jesus II. nen­nen sol­len.
        Daß auch hier nicht nur gescherzt wird zeigt er mit sei­ner ‚Kor­rek­tur‚ Jesu bei der Fuß­wa­schung am Grün­don­ners­tag.

    • Selbst wenn es scherz­haft gemeint war — solch eine flap­sig hin­ge­wor­fe­ne Bemer­kung ver­fehlt den­noch nicht ihre Wir­kung.
      Wird am Stamm­tisch, in der Kan­ti­ne beim gemein­sa­men Mit­tags­tisch unter Kol­le­gen, beim abend­li­chen Tref­fen im Fami­li­en- oder Freun­des­kreis nicht anders gespro­chen als es ein amtie­ren­der Pon­ti­fex in sei­ner Funk­ti­on tun soll­te?
      Aber es stimmt ja, es waren ja „nur“ ein paar locke­re, ober­fläch­li­che Wor­te unter Freun­den — und ganz bestimmt ohne jeden Hin­ter­sinn.
      Ganz bestimmt!

      Natür­lich soll­te ein Papst auch ein­mal etwas im Scherz sagen dür­fen, aber müss­te er nicht etwas behut­sa­mer dar­auf ach­ten, wel­chen Inhalt er dadurch trans­por­tiert?

    • Das ist schon klar, Gali­lei. Nur drückt die­ser Scherz eben sei­ne Sor­ge aus, sei­ne Dia­lek­tik zu ver­lie­ren, sei­nen dia­lek­ti­schen Part­ner. Und hier wird sei­ne leicht­fer­ti­ge Äuße­rung auch wie­der zu einem Aus­druck eines sei­ner Grund­irr­tü­mer. Und: Sei­ne Sor­ge soll­te nicht der Dia­lek­tik, son­dern dem Glau­ben gel­ten.

  3. Ist das Zeit­al­ter des „sekun­dä­ren Chri­sten­tums“ ange­bro­chen ?
    Roma­no Ame­rio — ein röm. kath. Phi­lo­soph und Theo­lo­ge hat in einer Stu­die über die Ver­än­de­run­gen in der katho­li­schen Kir­che im 20. Jahr­hun­dert Fol­gen­des fest­ge­hal­ten:
    -
    „Der Sta­tus der gegen­wär­ti­gen Zivi­li­sa­ti­on besteht in der Unab­hän­gig­keit und Asei­tät, d.h. die Welt weist jeg­li­che Abhän­gig­keit von sich, mit Aus­nah­me der Abhän­gig­keit von sich selbst.
    Die Kir­che scheint zu befürch­ten, von ihr ver­wor­fen zu wer­den, was durch einen hohen Pro­zent­satz der Mensch­heit in der Tat geschieht.
    Daher ist sie nun dabei, ihren axio­lo­gi­schen Eigen­cha­rak­ter ver­blas­sen zu las­sen und hin­ge­gen jene Züge zu bele­ben, die sie mit der Welt gemein­sam hat.
    Alle Belan­ge der Welt wer­den Belan­ge der Kir­che.
    Sie erweist der Welt ihren Dienst und ver­sucht, den Fort­schritt des Men­schen­ge­schlechts anzu­füh­ren.

    Die­se Ten­denz habe ich an ande­rer Stel­le sekun­dä­res Chri­sten­tum genannt,
    wobei es sich um den im 19. Jahr­hun­dert auf­ge­keim­ten Irr­tum han­delt.“
    -

    • Man wird m.E. mit dem gegen­wär­ti­gen Poblem nicht fer­tig, wenn man das 20. Jh bloß in Gegen­satz zum 19. Jh setzt.
      Das ist das typi­sche tra­di­tio­na­li­sti­sche Nar­ra­tiv — aber es ver­zerrt die Kir­chen­ge­schich­te und damit auch die Theo­lo­gie der­ma­ßen, dass man nun kei­nen Schritt mehr vor­wärts und rück­wärts kommt. Ein ideo­lo­gisch hoch auf­ge­la­de­nes Nar­ra­tiv.

      Bleibt nur stän­di­ges Lamen­tie­ren über das böse „Heut­zu­ta­ge“.
      Soll’s das gewe­sen sein?

      • „Bleibt nur stän­di­ges Lamen­tie­ren über das böse „Heut­zu­ta­ge“.
        Soll’s das gewe­sen sein?“

        Das sagt die Rich­ti­ge! Tja, was bleibt Ihnen denn, außer Ihrem nerv­tö­ten­den, alles und jeden mit­tels Ver­leum­dung, Ver­dre­hung und bil­lig­ster Pro­pa­gan­da ver­nich­ten­den Zer­stö­rungs­werk, das Sie hier betrei­ben? Sie sind doch die Fleisch gewor­de­ne Destruk­ti­vi­tät für das gestern, heu­te und mor­gen!

  4. Ja, ja. Die­ser hin­rei­chen­de Ehewille@ Damit wur­de schon in bes­se­ren Zei­ten eif­rig han­tiert. Wer den eini­ger­ma­ßen nach­wei­sen konn­te, hat­te beim bischöf­li­chen Offi­zi­al gute Kar­ten. Not­falls mach­te der Schwur aufs Hl . Evan­ge­li­um die Cau­sa per­fekt.

  5. Vor über 200 Jah­ren wur­den die Kir­chen­gü­ter ein­ge­zo­gen und sae­ku­la­ri­siert, Der Ent­zug der mate­ri­el­len Grund­la­gen in wei­ten Tei­len Euro­pas soll­te der Kir­che die Hand­lungs­fä­hig­keit neh­men und sie mar­gi­na­li­sie­ren. Real änder­te sich Eini­ges, aber es blieb der Kir­che die mora­li­sche Auto­ri­tät und damit der Ein­fluss. Es enstand in der Fol­ge die Welt­kir­che. Nun erle­ben wir die zwei­te Sae­ku­la­ri­sa­ti­on durch den Ein­lass der Kräf­te in das Inne­re der Kir­che, die Chri­stus nicht beken­nen, Leu­te wie Scal­fa­ri, Schell­nhu­ber und die „Inter­na­tio­na­len“ gehen ein und aus und neh­men Ein­fluss auf die Kirche.Franziskus hat die Tür weit geöff­net, damit der Geist des Anti­chri­sten unter dem Deck­man­tel des Huma­nis­mus Ein­zug hal­ten kann. Die Erobe­rung Troia´s lässt grü­ßen. Defen­dor hat Recht, die Kir­che wird ver­wor­fen und gefled­dert.

    • Hans
      Zu Ihrem Bild von der weit­ge­öff­ne­ten Kir­chen­tür fällt mir die­ses nach­den­kens­wer­te Wort Sören Kier­ke­gaar­ds ein:
      „Da die Türen ver­schlos­sen waren, kam Chri­stus zu den Jün­gern. Der­ge­stalt müs­sen die Türen ver­schlos­sen sein, ver­schlos­sen vor der Welt – dann kommt Chri­stus hin­ein, durch ver­schlos­se­ne Türen, er kommt ja auch von inwen­dig her. Als das Chri­sten­tum stritt, da waren die Türen stets ver­schlos­sen – die Ungleich­ar­tig­keit des Christ­li­chen. In der Chri­sten­heit hat man die Türen sperr­an­gel­weit offen ste­hen las­sen – Gleich­ar­tig­keit mit der Welt –, dann kommt Chri­stus auch nicht.“

      • Sehr klu­ges und inter­es­san­tes Zitat.

        Jesus tritt in unse­re Stein­her­zen ein, weil wir so ver­schlos­sen sind in unse­rem sünd­haf­ten Zustand!
        Das Äch­zen des unheil­bar kran­ken Her­zens genügt ihm, um ein­zu­tre­ten und sei­ne Hei­lands­ar­beit in so gro­ßer Geduld zu voll­zie­hen.

        Die Kir­che bana­li­siert vor allem den bekla­gens­wer­ten Zustand des natür­li­chen Men­schen in Sün­de. Die Kir­che hat­te ja im übri­gen immer weit offe­ne Türen, aber ein­mal ein­ge­tre­ten, begann die Hei­lands­ar­beit am ein­zel­nen.

        Dies wur­de aber mit der Ver­staat­li­chung des Chri­sten­tums bereits kon­ter­ka­riert. Mil­lio­nen Men­schen wur­den ein­fach in die Kir­che hin­ein­ge­drängt, die es nicht wirk­lich woll­ten und auch nicht ver­stan­den, was ihnen geschieht. Das war das ande­re Extrem. Heu­te macht man sich zum „Durch­lauf­er­hit­zer“. Und immer ging und geht es nur um Macht, Macht, Macht über die Her­zen. So oder so.

    • Ver­zei­hen Sie, aber das war doch vor­her schon so. Selbst wenn Män­ner das Chri­stus­be­kennt­nis for­mal im Mun­de führ­ten, fin­den Sie in der Kir­chen­ge­schich­te jede Men­ge Kar­rie­ri­sten, die auch ger­ne meh­re­re theo­lo­gi­sche Wand­lun­gen durch­schrit­ten, wenn es nur der Macht­gier ent­ge­gen­kam.

      Und was die­se Leu­te alles „ein­brach­ten“ — dar­an ist die Kir­che schon mehr­mals nahe­zu zer­bro­chen.

      Frag­lich ist aber, wie­so sol­che Män­ner in der Kir­che seit alters her über­haupt soweit kom­men konn­ten.

      Und die­se Fra­ge hat mir noch nie ein Recht­gläu­bi­ger schlüs­sig beant­wor­ten kön­nen.

      • Was haben Sie immer gegen Män­ner? Haben Sie Neid auf die­se, weil sie sel­ber eine Frau sind?
        Und was glau­ben Sie, wie­viel wür­de übrig blei­ben, wenn von allen ihren Kom­men­ta­ren nur das zuge­las­sen wür­de, was der Wahr­heit ent­spricht?

  6. Und dann die­se komi­schen Blicke die­ser Bei­den ‚Schauschpieler‘.Der auf der rech­ten Sei­te auf dem Foto ‚sticht ja ganz beon­ders her­vor Was war da nur auf dem Spei­se­zet­tel inklu­si­ve Geträn­ke im Gäste­haus drin? Na,na?

  7. Falls jemand dar­an zwei­feln soll­te, dass die von Scal­fa­ri dem „Bischof von Rom“ zuge­schrie­be­nen Wor­te nicht auch wirk­lich die Gedan­ken von „Fran­zis­kus“ sind, der sei dar­an erin­nert, dass der Vati­kan-Ver­lag sel­ber in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit ein Buch mit den Scal­fa­ri-Inter­views her­aus­ge­ge­ben hat (also eine direk­te, offi­zi­el­le Bestä­ti­gung).

    Übri­gens war Scal­fa­ri und sein Blatt in der Ver­gan­gen­heit immer dar­auf bedacht, Papst Bene­dikt in schlech­tes Licht zu rücken und sei­ne ein­ge­schla­ge­ne (Chri­stus-treue) Rich­tung mies zu machen.

    Wer also in Papst Bene­dikt einen schüch­ter­nen Wege-Ebner für „Fran­zis­kus“ sieht, der hat sich wohl intel­lek­tu­ell ver­ga­lo­piert.

    • Nöö, das ist kein „Ver­ga­lop­pie­ren“ — Sie müss­ten da erst mal prü­fen, ob Scal­fa­ri Been­dikt über­haupt ange­mes­sen rezi­piert hat…

      Im übri­gen ist es logisch gleich, was ein Scal­fa­ri denkt, wenn wir der Fra­ge nach­ge­hen, ob eine kla­re Kon­ti­nui­tät zwiw­che B. und F. nach­weis­bar ist.

      Sie wür­den andern­falls behaup­ten, eine Kon­ti­nui­tät kön­ne nur bestehen, wenn Scal­fa­ri sie uns bestä­tigt hät­te — und das ist logi­scher Unsinn.

      • Ich ken­ne Scal­fa­ri mitt­ler­wei­le sehr gut; Sie haben abso­lut kei­ne Ahnung, wie sehr er sich in gei­sti­gen Din­gen sehr wohl bestens zu ori­en­tie­ren weiß.

        Sehr weni­ge kön­nen ihm im gei­sti­gen Fein­ge­fühl das Was­ser rei­chen, wes­halb er es bestens ver­steht, ver­steckt und geheim (also fei­ge) die rich­ti­gen Fäden zu zie­hen, um der katho­li­schen Kir­che mög­lichst viel zu scha­den.

  8. Die­ser Pseu­do Papst ist die größ­te Kata­stro­phe, wel­che über die Kir­che jemals her­ein­ge­bro­chen ist. Er zer­stört alles was hei­lig ist, und selbst von pro­gres­si­sti­schen Päp­sten wie Paul VI. und Johan­nes Paul II. nicht ange­ta­stet wur­de. Ein wah­rer Revo­luz­zer auf dem Stuh­le Petri. Ob die Kir­che die­sen Sturm aus­hält, wenn selbst das Haupt der Chri­sten­heit zum Häre­ti­ker wird? Lang­sam kom­men mir Zwei­fel.

    • Der Papst ist nur der Stell­ver­tre­ter. Das Haupt der Kir­che ist zum Glück immer noch unser Herr Jesu Chri­stus.
      Manch­mal hört man den Aus­druck vom sicht­ba­ren Haupt der Kir­che für den Papst.
      Die­se Schu­he pas­sen dem Bischof von Rom wohl eher nicht.

Kommentare sind deaktiviert.