Papst und Synode: Der Übergang von der Moral des Gesetzes zur Moral der Person?

Papst Franziskus und die Richter der Sacra Rota Romana
Papst Franziskus und die Richter der Sacra Rota Romana

(Rom) Papst Fran­zis­kus setz­te nach sei­ner Wahl die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zur Kom­mu­ni­on ganz oben auf sein per­sön­li­ches Regie­rungs­pro­gramm. Der revo­lu­tio­nä­re Schritt soll­te durch eine eigens ein­be­ru­fe­ne Bischofs­syn­ode über die Fami­lie durch­ge­setzt wer­den. Gewis­se Wider­stän­de wur­den vor­ab in Rech­nung gestellt, wes­halb die Syn­ode gleich im Dop­pel­pack ange­kün­digt und durch­ge­führt wur­de. Doch schon vor Beginn der zwei­ten Syn­ode im Okto­ber 2015 war deut­lich gewor­den, daß die Mehr­heit der Kar­di­nä­le und Bischö­fe kei­nes­wegs auf einen sol­chen „Befrei­ungs­schlag“ des Pap­stes gewar­tet hat­te. Ein „Befrei­ungs­schlag“, mit dem der „Schrei des Vol­kes“ erhört wer­den soll­te, wie es Fran­zis­kus am 5. Okto­ber 2014 am Vor­abend zum ersten Teil der Syn­ode dra­ma­ti­sie­rend über­zeich­ne­te, und damit betre­te­nes Schwei­gen bei den Kas­pe­ria­nern und kopf­schüt­teln­des Stau­nen bei den ande­ren Kir­chen­ver­tre­tern her­vor­rief.

Papst eröffnete neben der lauten Synode eine stille zweite Front

Als Reak­ti­on auf die Wider­stän­de von Kar­di­nä­len wie Mül­ler, Bur­ke, Pell, Sarah, De Pao­lis und Caf­farra mach­te das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt eine zwei­te, stil­le und daher kaum beach­te­te Front auf: die Reform der Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren. Wer inter­es­siert sich schon für ver­fah­rens­recht­li­che Fra­gen des Kir­chen­rechts. Ihr Ver­ständ­nis ent­zieht sich fast der Gesamt­heit des Got­tes­volks und ermü­det selbst bereit­wil­li­ge und auf­merk­sa­me Zeit­ge­nos­sen.

„Die extre­me Leich­tig­keit der Pro­zes­se war die von Papst Fran­zis­kus aus­ge­klü­gel­te Lösung, um die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on zulas­sen zu kön­nen“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. „Doch nicht alles funk­tio­niert wie vor­ge­se­hen.“

Die Versuchsballons der beiden Papst-Vertrauten

Zwei Ver­trau­te des Pap­stes, Pater Anto­nio Spa­daro, der Chef­re­dak­teur der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift Civi­li­tà  Cat­to­li­ca, und Bischof Mar­cel­lo Semer­a­ro von Alba­no und Sekre­tär des C9-Kar­di­nal­s­ra­tes, lie­ßen — mit Blick auf die Schluß­fol­ge­run­gen des Pap­stes zur Fami­li­en­syn­ode — erste „Ver­suchs­bal­lons“ stei­gen. Damit soll­ten Reak­tio­nen gete­stet wer­den. Sowohl Pater Spa­daro als auch Bischof Semer­a­ro lie­ßen dabei erken­nen, daß die Ver­su­che, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen, kei­nes­wegs auf­ge­ge­ben wur­den.

Semeraros Schrift über die Synode
Semer­a­ros Schrift über die Syn­ode

Im Juris­dik­ti­ons­be­reich von Bischof Semer­a­ro liegt die päpst­li­che Som­mer­re­si­denz. Jor­ge Mario Ber­go­glio kann­te Semer­a­ro bereits aus der Zeit, bevor der Papst wur­de. Er berief ihn in den eng­sten Bera­ter­kreis und ernann­te ihn zum Mit­glied des Redak­ti­ons­ko­mi­tees für den Schluß­be­richt der Syn­ode.

Synode brachte den „Übergang von der Moral des Gesetzes zur Moral der Person“

Ende 2015 ver­öf­fent­lich­te Semer­a­ro ein klei­nes Buch mit dem Titel: „Die Fami­li­en­syn­ode mei­ner Kir­che erzählt“ (Il sin­o­do del­la famiglia rac­con­ta­to alla mia Chie­sa). Dar­in erklärt der Bischof, daß die grund­le­gen­de Neu­ig­keit der Syn­ode „der Über­gang von der Moral des Geset­zes zur Moral der Per­son“ gewe­sen sei. Gemeint ist der Über­gang von einer objek­ti­ven zu einer sub­jek­ti­ven Moral, indem das per­sön­li­che Gewis­sen zur letzt­lich höch­sten Instanz erho­ben wird.

Zur Wie­der­zu­las­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten schreibt er:

„Die Syn­ode hat dar­auf ver­zich­tet, dem Papst auf bloß theo­re­ti­sche und abstrak­te Wei­se die spe­zi­fi­sche Fra­ge einer mög­li­chen Zulas­sung der Getauf­ten, die ehe­lich in der Situa­ti­on von stan­des­amt­lich wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen leben, zu den Sakra­men­ten der Buße und der Eucha­ri­stie, zu unter­brei­ten. Sie hat gefor­dert, sich an die Sei­te der Per­son zu stel­len. Sie ist damit das Pro­blem nicht etwa umgan­gen, son­dern hat die Basis für eine Lösung gelegt, allein durch die Tat­sa­che, daß sie die Fra­ge nach der Anre­chen­bar­keit einer Tat ein­ge­fügt hat.“

Mit zwei Fuß­no­ten, so Magi­ster, führt Semer­a­ro näher aus, wor­auf er hin­aus­will, bzw. was er von Papst Fran­zis­kus im noch aus­stän­di­gen nach­syn­oda­len Schrei­ben erwar­tet.

Das Innere Forum und ein Schreiben der Glaubenskongregation von 1973

In der ersten Fuß­no­te sagt Semer­a­ro, daß die Lösun­gen im „forum inter­num“, von denen der Syn­oden­schluß­be­richt spricht, über die Ent­schei­dung des indi­vi­du­el­len Gewis­sens hin­aus­ge­hen. Sie stel­len „einen wirk­li­chen Pro­zeß (forum) dar, der sich im sakra­men­ta­len Bereich (inter­num) abspielt, dem Sakra­ment der Ver­söh­nung und der Buße, und der einen Gläu­bi­gen und einen beauf­trag­ten Ver­tre­ter der Kir­che betrifft“.

In der zwei­ten Fuß­no­te ver­weist der Bischof auf ein Schrei­ben der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on an die Bischö­fe vom 11. April 1973, um zu zei­gen, daß bereits damals die Kir­che zu einer beson­de­ren Auf­merk­sam­keit gegen­über jenen ermu­tig­te, die in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on leben, und neben ande­ren ange­mes­se­nen Mit­teln auch zur Anwen­dung der „von der Kir­che aner­kann­ten Pra­xis im forum inter­num“ ermu­tig­te.

Erst danach sei es durch Papst Johan­nes Paul II. zu Ein­schrän­kun­gen gekom­men, als die­ser von den in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on leben­den Paa­ren als Vor­aus­set­zung für den Kom­mu­nion­emp­fang ein Leben „in Ent­halt­sam­keit“ for­der­te.

Familiaris Consortio überwinden – Bruch statt Kontinuität mit Benedikt XVI.

Nun aber hofft Bischof Semer­a­ro, daß man wie­der zur vor­he­ri­gen Pra­xis zurück­keh­re, indem man den Weg zu den soge­nann­ten Lösun­gen im forum inter­um öff­net. Genau das habe, laut Semer­a­ro, die Syn­ode getan, indem sie die von Johan­nes Paul II. mit Fami­lia­ris Con­sor­tio ein­ge­führ­ten Ein­schrän­kun­gen ver­schwie­gen hat und damit den Schluß­be­richt „offen“ ließ, „weil sie dem Papst eine neue Unter­schei­dung anver­trau­en woll­te“. Mit ande­ren Wor­ten: Papst Fran­zis­kus sol­le die Zugangs­be­stim­mun­gen für nicht in der sakra­men­ta­len Ehe leben­de Paa­re neu defi­nie­ren, jeden­falls anders defi­nie­ren als Johan­nes Paul II., und kon­kret die Zulas­sung zur Kom­mu­ni­on ermög­li­chen.

Semer­a­ro kon­stru­iert einen Gegen­satz zwi­schen einem Vor­her und Nach­her. Er ver­sucht dem Vor­schlag einer­seits mehr Gewicht zu ver­lei­hen, indem er behaup­tet, daß damit nur eine älte­re Pra­xis wie­der­be­lebt wer­de und behaup­tet ande­rer­seits eine Ver­klä­rung der Nach­kon­zils­zeit vor der impli­zit als „restau­ra­tiv“ abge­wer­te­ten Ära der Pon­ti­fi­ka­te von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. Das wie­der­um impli­ziert einen Gegen­satz zwi­schen Papst Fran­zis­kus und sei­nem Kir­chen­kurs und jenem sei­ner Vor­gän­ger. Semer­a­ros Argu­men­ta­ti­ons­li­nie ist das genaue Gegen­teil der viel­fach beton­ten „Kon­ti­nui­tät“ zwi­schen Bene­dikt XVI. und Fran­zis­kus.

Was bereits für die Über­le­gun­gen von Pater Spa­daro galt, gilt auch für das Büch­lein von Bischof Semer­a­ro. Da es sich um zwei der eng­sten Papst­ver­trau­ten han­delt, ist anzu­neh­men, „daß es das Den­ken von Papst Fran­zis­kus wider­spie­gelt“, so Magi­ster.

Glaubenskongregation wollte Unauflöslichkeit der Ehe gegen „liberale Entwicklungen“ verteidigen

Der angeb­lich blo­ße Rück­griff auf eine älte­re Pra­xis, wie ihn Semer­a­ro behaup­tet, sei aber nicht halt­bar, so Magi­ster. Die Schei­dungs­fra­ge sei damals erst kon­kre­ter gewor­den, wäh­rend sie vor­her nicht wirk­lich eine Rol­le spiel­te. Aus die­sem Grund fin­det sie auch in den Kon­zils­do­ku­men­ten kei­ne Erwäh­nung. In dem von Semer­a­ro ange­führ­ten Schrei­ben von 1973 fin­det sich kein aus­drück­li­cher Hin­weis auf wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne. Dort ist all­ge­mein von Per­so­nen die Rede, die in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on leben.

Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger ging als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on in einem 1998 von eben die­ser Kon­gre­ga­ti­on her­aus­ge­ge­be­nen Buch aus­führ­lich auf das Doku­ment von 1973 ein. Er schrieb, daß es der Zweck des­sel­ben war, „die Unauf­lös­lich­keit der Ehe gegen­über bestimm­ten libe­ra­len Ent­wick­lun­gen zu schüt­zen und zu ver­tei­di­gen“. In der Tat wird die­se Absicht bereits im Titel deut­lich: „Schrei­ben über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe“. Dar­aus eine Auf­wei­chung des Ehe­sa­kra­ments ablei­ten zu wol­len, erscheint zumin­dest ver­we­gen.

„Der Ver­weis auf die erprob­te Pra­xis im forum inter­num war offen für unter­schied­li­che Inter­pre­ta­tio­nen. In bestimm­ten Fäl­len erteil­ten die Beicht­vä­ter den wie­der­ver­hei­ra­te­ten geschie­de­nen Gläu­bi­gen die Abso­lu­ti­on und lie­ßen sie zum Kom­mu­nion­emp­fang zu. Umstrit­ten war auch die Fra­ge, wie jenen Gläu­bi­gen Gerech­tig­keit wider­fah­ren konn­te, die nach ihrem Gewis­sen von der Nich­tig­keit ihrer vor­he­ri­gen Ver­bin­dung über­zeugt waren, aber dies nicht durch kon­kre­te Fak­ten bewei­sen konn­ten.“

Und wei­ter: „Die­se und ähn­li­che Fra­gen ver­lang­ten nach einer Klä­rung.“

Ratzinger: Notwendige Klärung erfolgte durch Familiaris Consortio

Genau das geschah mit der Fami­li­en­syn­ode von 1980 und dem dar­auf fol­gen­den nach­syn­oda­len Schrei­ben Fami­lia­ris Con­sor­tio von Johan­nes Paul II., aber auch durch den neu­en Codex des Kir­chen­rechts von 1983.

Canon 1536, Para­graph 2 leg­te fest, daß auch die Erklä­run­gen der Par­tei­en einen aus­rei­chen­den Nich­tig­keits­be­weis dar­stel­len kön­nen, wenn auch im Zusam­men­hang mit ande­ren Ele­men­ten, die sie erhär­ten.

Kar­di­nal Ratz­in­ger bedau­er­te 1998, daß „die neu­en kano­ni­schen Bestim­mun­gen“ in vie­len Län­dern noch nicht in die Pra­xis umge­setzt wor­den sei.

Papst Fran­zis­kus setz­te im Som­mer 2015 mit dem Motu pro­prio Mit­is iudex Domi­nus Iesus zu einem regel­rech­ten Schnitt in der Ehe­ge­richts­bar­keit der Kir­che an und erleich­ter­te die Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren enorm. Ohne den Aus­gang der zwei­ten Bischofs­syn­ode abzu­war­ten, lie­fer­te er der Kir­che eine „prak­ti­sche Lösung“ in der Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen. Die neu­en Bestim­mun­gen tun bis­her unge­ahn­te Wege für die Fest­stel­lung der Ehe­nich­tig­keit auf, wes­halb sie auch schon als „katho­li­sche Schei­dung“ bezeich­net wer­den.

Canon 1536 wur­de nun dahin­ge­hend erwei­tert, daß allein die Erklä­run­gen der Ehe­gat­ten als Beweis genü­gen. „Nimmt man zu die­ser Neue­rung noch alle ande­ren Refor­men des Ehe­pro­zes­ses hin­zu, bleibt prak­tisch kein Fall mehr übrig“, der nicht durch ein Kir­chen­ge­richt für nich­tig erklärt wer­den könn­te, so Magi­ster. Letzt­lich, so der Vati­ka­nist wei­ter, bräuch­te es damit die Beru­fung auf das „forum inter­num“ gar nicht, auf das Spa­daro, Semer­a­ro „und alle Herol­de der Kom­mu­ni­on­zu­las­sung für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne“ mit sol­chem Nach­druck ver­wei­sen.

Neue Schwierigkeiten und nicht enden wollende Mißverständnisse

Doch mit der neu­en von Papst Fran­zis­kus erlas­se­nen und von Msgr. Pio Vito Pin­to, dem Dekan der Hei­li­gen Rota Roma­na und Papst-Ver­trau­ten in die­ser Sache, ent­wickel­ten Pro­zeß­ord­nung, zeich­nen sich erheb­li­che neue Schwie­rig­kei­ten ab. „Es scheint kei­nes­wegs aus­ge­reift“, so Magi­ster. Eine Rei­he von Kir­chen­recht­ler wie Dani­lo Castel­la­no und Gui­do Fer­ro Cana­le haben meh­re­re kri­ti­sche Punk­te „ad intra“ auf­ge­zeigt. Doch auch „ad extra“ wei­sen die neu­en kirch­li­chen Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren zahl­rei­che Schwach­stel­len auf, so Magi­ster.

Wel­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me durch Aus­sa­gen und Gesten des amtie­ren­den Kir­chen­ober­haup­tes auf­tre­ten, zeig­te ein Vor­fall in Bari, wo ein wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner unter Beru­fung auf Papst Fran­zis­kus der festen Über­zeu­gung war, er habe, ohne etwas an sei­ner Situa­ti­on ändern zu wol­len, Zugang zu den Sakra­men­ten und ein „Recht“ auf Los­spre­chung im Beicht­stuhl (sie­he „Der Beicht­va­ter ist kein Notar“ – Miß­ver­ständ­nis­se rund um das Hei­li­ge Jahr der Barm­her­zig­keit).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

18 Kommentare

  1. Ehe­schei­dun­gen haben sehr schwer­wie­gen­de Fol­gen. Die Ehe­schei­dung mei­ner Schwe­ster hat unse­re gan­ze Fami­lie gescha­edigt. Und auch ihre Kin­der gehen nicht mehr in die Kir­che und leben ohne Glauben.Es scheint dass man­che hohe Geist­li­che das nicht wahr­ha­ben wol­len.

    • Schei­dun­gen kön­nen auch psy­chi­sche Pro­ble­me bei Kin­dern der ersten Ehe hin­ter­las­sen, ganz zu schwei­gen davon, dass Got­tes Segen nicht auf zivi­len Ehen, son­dern nur auf sakra­men­tal gül­ti­gen Ehen liegt. Papst Fran­zis­kus scheint die Fol­gen sei­ner Ehe­po­li­tik nicht zu sehen, denn die­se sind in der Regel immer lebens­lang sicht­bar. Er kann hof­fen, dass das Leid, das er damit in Fami­li­en ver­ur­sacht, nicht auf ihn selbst zurück­kommt. Allei­ne schon, wenn man bedenkt, wel­chen Zwist sei­ne unkla­ren, belie­big inter­pre­tier­ba­ren Aus­sa­gen stif­ten, soet­was gab es bei den rich­ti­gen Päp­sten frü­her nicht. Wenn Streit, Ver­wir­rung und der­glei­chen herr­schen, ist näm­lich nicht sel­ten der Satan am Werk.

      • Zivi­le Ehen sind nicht zwin­gend sakra­men­tal ungül­tig! Jede erste Ehe zwi­schen nicht­ka­tho­li­schen Getauf­ten gilt als sakra­men­tal — auch dann, wenn sie nicht in deren Kir­che geschlos­sen wur­de. Das hat sei­nen Grund dar­in, dass in kei­ner pro­te­stan­ti­schen Kir­che die Ehe als Sakra­ment gilt und daher auch nicht in der Kir­che geschlos­sen wer­den muss.
        Nach katho­li­schem Recht ist eine sol­che Ehe den­noch unauf­lös­lich und sakra­men­tal. Pro­te­stan­ten kön­nen nicht auf Nich­tig­keit ihrer Ehe plä­die­ren. Das galt auch bei Pro­te­stan­ten eben­so wie bei Katho­li­ken — Schei­dun­gen oder gar Wie­der­ver­hei­ra­tung war auch dort ver­pönt. Erst mit der Post­mo­der­ne begann die Auf­lö­sung die­ses Prin­zips. Sie hiel­ten dar­an fest, weil nach der Schrift Jesus bei einer Wie­der­ver­hei­ra­tung von Ehe­bruch und schwe­rer Sün­de sprach. Auf­grund des „sola scrip­tu­ra“ wag­ten sie an sich nicht, dar­an zu rüt­teln. Der berühm­te Fall bei Luther oder auch Hein­richs VIII. ist kein Beweis dafür, dass die Pro­te­stan­ten nicht sehr genau wuss­ten und wis­sen, dass das nicht in Ord­nung ist.

        Eben­so kann man auch nicht ein­fach behaup­ten, eine natur­recht­lich geschlos­se­ne Ehe zwi­schen Hei­den sei auf­lös­lich. Denn wenn man das Prin­zip der Unauf­lös­lich­keit gül­tig geschlos­se­ner Ehen (im Hori­zont derer, die sie schlie­ßen), das bei­den Part­nern eine freie, nicht gewalt­sa­me Zustim­mung abver­langt und zuge­bil­ligt hat, anneh­men muss (und das tut auch der hl. Pau­lus!), dann ruht dar­auf auch prin­zi­pi­ell der Segen Got­tes, der schließ­lich die­se natür­li­che Ehe im Anfang der Schöp­fung (nach den Wor­ten Jesu!) gestif­tet hat. Feh­len tut einer sol­chen Ehe nur die sakra­men­ta­le Gegen­wart Jesu. Nach den Wor­ten des hl. Pau­lus stellt sich aber bei einer sol­chen natür­li­chen Ehe eben­falls die sakra­men­ta­le Gegen­wart Jesu ein, sobald sich ein Part­ner bekehrt und Christ wird. Er sagt aus­drück­lich, man sol­le bei dem ungläu­bi­gen Part­ner, wenn der es will, wei­ter­hin blei­ben, weil die Chan­ce offen­bar nicht gering ist, ihn oder sie zu ret­ten. Die Kin­der aus die­ser Ehe sind, so sagt er aus­drück­lich, „gehei­ligt“.

        Es liegt also im west­rö­mi­schen Bereich, von emo­tio­nal und ideo­lo­gisch hoch­auf­ge­la­de­nen histo­ri­schen Aus­nah­men abge­se­hen, nir­gends eine ech­te Tra­di­ti­on der Wie­der­ver­hei­ra­tung vor — nicht mal bei den Pro­te­stan­ten. Man kann das an vie­len histo­ri­schen Bei­spie­len nach­wei­sen. Wenn etwa die evan­ge­li­sche Kir­che in der Markraf­schaft Baden-Dur­lach ihren Mark­gra­fen Carl Wil­helm wegen des­sen Huren­wirt­schaft in aller Öffent­lich­keit auf­for­der­te, die­ses ekel­haf­te und sün­di­ge Trei­ben zu unter­las­sen und er sich dar­auf tat­säch­lich auch ein­ließ und öffent­lich sei­ne Umkehr zusi­cher­te, dann sagt uns das sehr genau, wo wir eigent­lich ste­hen. Es gibt kei­nen „Schrei des Vol­kes“, der eine Wie­der­hei­rat benö­tig­te. Das Volk ächzt unter sei­nen insta­bi­len, chao­ti­schen Bezie­hun­gen!
        Wer dage­gen hier mas­siv gegen das Wort des Herrn ver­stieß, war die Ortho­do­xie!

      • @Zeitschnur:
        Ich habe aus­schließ­lich davon geschrie­ben, dass Got­tes Segen nicht auf zivi­len Ehen liegt. Falls Sie nur mir ant­wor­ten woll­ten: Woher glau­ben Sie mei­ne Gedan­ken zu ken­nen, dass Sie da etwas ganz ande­res anspre­chen, das ich mit mei­nem Kom­men­tar aber nicht ein­mal gestreift habe?

      • Die gro­ßen pro­te­stan­ti­schen Kir­chen nicht mehr, aber klei­ne­re biblisch-gläu­bi­ge Gemein­den und Gemein­schaf­ten hal­ten auch heu­te an der stren­gen Unauf­lös­lich­keit der Ehe fest, übri­gens auch der zwi­schen Nicht­chri­sten geschlos­se­nen Ehe, eben weil die Ein­ehe zur Schöp­fungs­ord­nung gehört und wegen des kla­ren Jesus­wor­tes.

  2. Befrei­ungs­schlag? Schrei des Vol­kes? Wann wer­den wir end­lich vom Wahn­sinn Ber­go­glio befreit?

    • Ein Mit­glied mei­ner Fami­lie schläft laut eige­nen Anga­ben manch­mal bewusst wäh­rend der Hl. Mes­se und beruft sich dabei auf Papst Fran­zis­kus, der gesagt hat, dass das in Ord­nung wäre.

  3. Alle war­ten auf den Schluss­be­richt der bei­den Syn­oden. Der von Fran­zis­kus gewünsch­te
    Befrei­ungs­schlag könn­te zu einem “ Pau­ken­schlag “ wer­den. Mit sei­nem lieb­äu­geln zur
    “ katho­li­schen Ehe­schei­dung “ soll letzt Endes, der Kom­mu­nion­emp­fang für wie­der Ver-
    hei­ra­te­te Geschie­de­ne, mög­lich wer­den. Es dürf­te dem letz­ten Gut­men­schen lang­sam
    klar wer­den, dass Fran­zis­kus eigen­mäch­tig ent­schei­den und es durch­set­zen wird, auch
    zur Freu­de der Deut­schen Bischof­kon­fe­renz.

  4. Noch vor dem Schluss­do­ku­ment der Syn­ode lie­ssen eini­ge bezeich­nen­de Aus­sa­gen des Gene­ral­obe­ren der „Arn­stei­ner Patres“
    — Hw Javier Álvarez Ossorio — auf­hor­chen. In einem Gespräch mit „radio­va­ti­can“ sag­te er:
    -
    „Prak­ti­sche Lösun­gen“ sind in Sicht­wei­te.
    Ich hof­fe, wir fin­den aus unse­rem übli­chen, etwas kle­ri­ka­len Sprech­stil her­aus, 
    der weit weg ist von der Rea­li­tät des Vol­kes Got­tes! 
    Hof­fent­lich kön­nen wir den Papst auf ein paar offe­ne Türen hin­wei­sen, 
    damit er dann wei­ter­ge­hen kann auf dem Weg der Annä­he­rung der Kir­che an alle Tei­le der Welt. 
    Ich hof­fe sehr auf neue Dyna­mi­ken in ver­schie­de­nen Welt­ge­gen­den – Kon­ti­nen­ten, Bischofs­kon­fe­ren­zen –, weil die Lösun­gen für kon­kre­te Pro­ble­me oft nur auf loka­ler Ebe­ne gefun­den wer­den kön­nen!
    Ich sehe da kein Pro­blem der Leh­re, wenn wir zei­gen wol­len, dass die Kir­che offen ist, 
    um alle auf­zu­neh­men 
    – zum Bei­spiel wenn wir über den Sakra­men­ten­emp­fang reden. 
    Den­ken wir doch an Jesus selbst, wie er das mach­te: 
    wie er sich hin­ge­ben hat, damit alle das Heil erlan­gen! 
    Ich bin über­zeugt, dass wir die Frei­heit haben, die Dis­zi­plin zu ändern, 
    ohne auch nur im gering­sten an die Leh­re zu rüh­ren.
    [.…]
    Wir sind auf einem Weg. 
    Eine Diver­si­tät von Prak­ti­ken zuzu­las­sen, solan­ge wir auf die­sem Weg sind, 
    heißt doch, dass die Kir­che ein Volk Got­tes auf dem Weg durch die Geschich­te ist. 
    Es wäre zuviel ver­langt, vom Ehe­sa­kra­ment zu erwar­ten, 
    dass es eine per­fek­te und histo­ri­sche Rea­li­sie­rung die­ses escha­to­lo­gi­schen Ide­als der Lie­be Chri­sti zur Kir­che sein muss. 
    Wir gehen zur Eucha­ri­stie, wir sind getauft, ich habe die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen, 
    aber wer von uns lebt denn das alles wirk­lich in sei­ner Fül­le? Kei­ner! 
    Wir alle sind Sün­der. 
    Dar­um sehe ich kein Pro­blem, wenn es ver­schie­de­ne Prak­ti­ken in der Kir­che gibt. 
    Wir haben doch alle den­sel­ben Blick auf Jesus gerich­tet und auf Got­tes Lie­be, 
    die immer grö­ßer ist als wir und als unse­re histo­ri­schen Rea­li­sie­run­gen.
    [.…]
    Fakt ist doch, dass die Gemein­schaft da ist. 
    Ich ver­ste­he die pasto­ra­len Sor­gen von vie­len, 
    die etwas ändern wol­len, und vie­len ande­ren, die nichts ändern wol­len. 
    Aus mei­ner Sicht ist es viel­leicht 
    gar nicht nötig, hier zu einer Eini­gungs­for­mel zu kom­men. 
    Gut wäre, 
    wenn die­se Syn­ode 
    dem Volk Got­tes einen etwas bes­se­ren Weg frei­ma­chen wür­de. 
    Und sie ist ja nicht der Ende des Pro­zes­ses, 
    son­dern kann die Etap­pe auf einem Weg sein, 
    der immer wei­ter­ge­hen muss.“

    -

    Die „pasto­ra­le Beglei­tung“ als „Räum­ge­rät“, um
    „einen etwas bes­se­ren (?) Weg frei­ma­chen“ zu kön­nen ?!…

  5. Das, was die­ser P. Alva­rez Ossorio sagt, ist lei­der der der­zei­ti­ge Kurs der offi­zi­el­len Kir­che und nie­mand scheint zu wis­sen wie wir aus die­sem Wahn­sinn her­aus­kom­men.

  6. Ich kom­me immer mehr zu der Über­zeu­gung, dass die Syn­ode nur ein Ablen­kungs­ma­nö­ver war. In deren Schat­ten kommt nun das neue Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren daher, wel­ches bis­her unge­ahn­te neue Mög­lich­kei­ten für die Kas­pe­ria­ner eröff­net, doch noch in der Pra­xis für die geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten den Sakra­men­ten­emp­fang zu ermög­li­chen. Das aller­dings ist auch nur eine Etap­pe auf „dem Weg“.

    • Das neue Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren kodi­fi­ziert doch nur eine Pra­xis, die im Herr­schafts­ge­biet vie­ler natio­na­ler (ille­gi­ti­mer) Bischofs­kon­fe­ren­zen schon lan­ge Usus ist. Es nutzt doch alles Weh­kla­gen nicht. Die Kar­re ist in den Morast gefah­ren und es gibt kei­nen Weg zurück. Was letz­te­res angeht, da hat Fran­zis­kus recht. Die Irr­tü­mer müs­sen sich voll­enden, der Kar­ren im Morast erst kom­plett ver­sin­ken. Gewin­nen wir schon jetzt aus den Bruch­stei­nen der Moder­ne den Schot­ter, um dann über dem Morast wie­der einen festen und gang­ba­ren Weg anle­gen zu kön­nen. Es wird neue Wege anstel­le des Mora­stes geben. Neue Wege, auch fern­ab der alten.

      • „Ich harr­te des HERRN, und er neig­te sich zu mir und hör­te mein Schrei­en.
        Er zog mich aus der grau­si­gen Gru­be, aus later Schmutz und Schlamm, und stell­te mei­ne Füße auf einen Fels, daß ich sicher tre­ten kann;
        Er hat mir ein neu­es Lied in mei­nen Mund gege­ben, zu loben unsern Gott. Das wer­den vie­le sehen und sich fürch­ten und auf den HERRN hof­fen.
        Wohl dem, der sei­ne Hoff­nung setzt auf den HERRN und sich nicht wen­det zu den Hof­fär­ti­gen und denen, die mit Lügen umge­hen.“
        Psalm 40,2–5

      • @ Eli­as

        Nein!
        Wir tun hier gar nichts außer beten und bit­ten!
        Bevor wir nicht end­lich, end­lich mal Gott allein machen las­sen, wird das nichts!

  7. …‚der Über­gang von einer objek­ti­ven zu einer sub­jek­ti­ven Moral, indem das per­sön­li­che Gewis­sen zur letzt­lich höch­sten Instanz erho­ben wird.‚

    Der ver­stock­te Ehe­bre­cher, hat den amtie­ren­den Papst bestens ver­stan­den.
    Von Anfang an ver­kün­det Papst Fran­zI. die Auto­no­mie des Gewis­sens.
    Die Mög­lich­keit eines irren­des Gewis­sen gibt es nicht.

    Die Glau­bens­zer­stö­rer habe zunächst die Lit­ur­gie zu einem Scher­ben­hau­fen gemacht, der näch­ste Schritt ist die Zer­stö­rung der Moral. Die Zer­stö­rer haben die Ziel­ge­ra­de ver­meint­lich erreicht.

  8. „Papst Fran­zis­kus setz­te nach sei­ner Wahl die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zur Kom­mu­ni­on ganz oben auf sein per­sön­li­ches Regie­rungs­pro­gramm.“
    Das glau­be ich nicht, die­ser Punkt war allei­ne das Anlie­gen des deut­schen Kle­rus gewe­sen mit dem er in Rom immer auf tau­be Ohren gesto­ssen war.
    Sieht man die Din­ge klar, erkennt man das Bischof Kas­per, der wich­tig­ste Bera­ter von Franz, ihm die­ses The­ma in den Mund gelegt hat, nach dem Mot­to „Wir waeh­len Dich zum Papst und Du gibst uns was wir wol­len“
    Franz ist theo­lo­gisch zu unbe­schla­gen um sich wirk­lich der Trag­wei­te die­ser Ent­schei­dung bewußt zu sein.
    Dafür ist er fast uner­träg­lich eitel und gel­tungs­be­dürf­tig, was er uns so oft lei­der beweist.
    Die­ses Pon­ti­fi­kat ist ein Schreck­nis !

    • Ach was, Unsinn — F. hat das The­ma schon in Bue­nos Aires genau­so behan­delt, wie er es jetzt tut, auch ohne Kas­per. So wich­tig sind die Deut­schen nun mal nicht!

      Lesen Sie nur mal sei­ne Ergüs­se aus argen­ti­ni­scher Zeit, dann gehen Ihnen Kron­leuch­ter auf.

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