„Die Kirche muß eine neue Form annehmen“ — Kardinal Kasper über die Kirche der Zukunft

Kardinal Walter Kasper fordert "neue Form" für die Kirche
Kardinal Walter Kasper fordert "neue Form" für die Kirche

(Rom) Radio Vati­kan – Ita­lie­ni­sche Sek­ti­on ver­öf­fent­lich­te ein Inter­view mit Kar­di­nal Wal­ter Kas­per über das bevor­ste­hen­de Hei­li­ge Jahr der Barm­her­zig­keit. Von einer „Fort­set­zung der Dis­kre­di­tie­rungs­kam­pa­gne gegen die Kir­che“ spricht hin­ge­gen Secretum Meum Mihi.

Der Kar­di­nal kon­stru­ie­re einen Gegen­satz zwi­schen einer Kir­che seit dem 13. März 2013 und einer Kir­che vor dem 13. März 2013. Er adap­tie­re dazu eine Metho­de, Gegen­sät­ze zu schü­ren, die bereits die Nach­kon­zils­zeit präg­te, als die Kir­chen­ge­schich­te in eine „hel­le, neue Ära“ nach dem Kon­zil einer „dunk­len, über­wun­de­nen Ära“ vor dem Kon­zil gegen­über­ge­stellt wur­de, „und alles vor­her für schlecht erklärt und dem Ver­ges­sen über­ant­wor­tet wur­de“. Kar­di­nal Kas­per, der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de des Päpst­li­chen Rates zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten, drück­te es so aus: „Es ist ein schwer­wie­gen­der Skan­dal, daß die Kir­che heu­te von vie­len als unbarm­her­zig betrach­tet wird“.

Das Inter­view führ­te Fabio Cola­gran­de. Anlaß war, daß Papst Fran­zis­kus dem deut­schen Kar­di­nal ver­gan­ge­ne Woche in einem Inter­view für die Wochen­zei­tung Crede­re erneut die „Urhe­ber­schaft“ für den Schwer­punkt „Barm­her­zig­keit“ sei­nes Pon­ti­fi­kats zuge­schrie­ben hat­te („Die Revo­lu­ti­on von heu­te ist die Zärt­lich­keit“ – Inter­view von Papst Fran­zis­kus zum Jubel­jahr).

Kasper: Jubeljahr der Barmherzigkeit für eine Kirche der offenen Türen

Kar­di­nal Kas­per: Ich den­ke, daß Papst Fran­zis­kus die aktu­el­le Situa­ti­on betrach­tet hat, und in der Welt von heu­te haben wir wirk­lich gro­ßen Bedarf an Barm­her­zig­keit, an neu­em Schwung, an einem Neu­be­ginn: Wir kön­nen nicht so wei­ter­ma­chen wie bis­her. Wir müs­sen uns gegen­sei­tig ver­ge­ben, die einen den ande­ren und vor allem bedür­fen wir der Ver­ge­bung Got­tes und der Barm­her­zig­keit Got­tes. Wir alle sind Sün­der, aber wir müs­sen von vor­ne neu begin­nen und ich den­ke, daß die Initia­ti­ve des Pap­stes, ein Hei­li­ges Jahr der Barm­her­zig­keit anzu­kün­di­gen, wirk­lich eine pro­phe­ti­sche Hand­lung war, die dem Bedürf­nis unse­rer Zeit ent­spricht.

In der Ankün­di­gungs­bul­le erklär­te der Papst, daß die Kir­che viel an Glaub­wür­dig­keit ver­lo­ren hat, weil sie es nicht ver­stan­den hat, die Barm­her­zig­keit zu prak­ti­zie­ren …

Kar­di­nal Kas­per: Wir haben oft von einem Gott gespro­chen, der straft oder von einem Gott der droht, einem Gott der Rache. Das alles ist auch im Alten Testa­ment, das gibt es aber nicht bei Jesus; und wir müs­sen von Jesus aus­ge­hen, der das Gesicht Got­tes ist, das Gesicht eines barm­her­zi­gen Got­tes und des­halb müs­sen wir auf eine neue Wei­se von einem Gott spre­chen, der annimmt, von einem Gott, der zuhört, von einem Gott, der das Elend des Men­schen sieht, der uns beglei­tet. Und ich den­ke, daß die­ser Gott wirk­lich eine neue Attrak­ti­vi­tät für den Men­schen von heu­te haben kann.

Kardinal Kasper, der "Theologe des Papstes" und "Urheber" der "neuen Barmherzigkeit"
Kar­di­nal Kas­per, der „Theo­lo­ge des Pap­stes“ und „Urhe­ber“ der „neu­en Barm­her­zig­keit“

Sie haben einen sehr schö­nen Aus­druck gebracht: „Die Mystik der Barm­her­zig­keit ist die Mystik der offe­nen Augen“: Was heißt das?

Kar­di­nal Kas­per: Das will sagen: offe­ne Augen um das Elend des ande­ren zu sehen, für die Bedürf­nis­se, die heu­te sich schnell ändern; offe­ne Augen, um im ande­ren das Gesicht Jesu Chri­sti zu sehen, der gesagt hat: „Was ihr einem ande­ren getan habt, das habt ihr mir getan“. Die­se offe­nen Augen sind daher eine wirk­lich neue oder erneu­er­te Mystik: es ist die Mystik des Guten Sama­ri­ters und Papst Paul VI. hat nicht zufäl­lig am Ende des Kon­zils gesagt: „Die Spi­ri­tua­li­tät des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils ist die des Guten Sama­ri­ters“.

Könn­te man also sagen, daß es ohne Barm­her­zig­keit kei­ne Zukunft gibt?

Kar­di­nal Kas­per: Ohne Barm­her­zig­keit blei­ben wir immer im Kreis­lauf der Rache und der Unge­rech­tig­kei­ten. Wir müs­sen hin­ge­gen „Schluß“ sagen, von vor­ne begin­nen, gemein­sam: Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir geeint sind. Wir wer­den kei­ne Zukunft haben, wenn einer gegen den ande­ren sein wird. Des­halb ist die Barm­her­zig­keit auch die Kraft, die uns in die Zukunft führt, und zugleich ist sie ein Geschenk Got­tes, weil es eine gewis­se „Nobles­se“ braucht, um die Barm­her­zig­keit anzu­wen­den: Das ist ein Geschenk Got­tes, ein Geschenk für die Zukunft der Welt von heu­te.

Kann die Barm­her­zig­keit, aus ekkle­sio­lo­gi­scher Sicht, ein Ele­ment sein, um der Kir­che eine neue Form zu geben?

Kar­di­nal Kas­per: Ja, die Kir­che ist Zei­chen und Instru­ment der Gna­de und auch der Barm­her­zig­keit Got­tes. Sie kann aber nur Zei­chen und Instru­ment der Barm­her­zig­keit sein, wenn sie durch die Barm­her­zig­keit geformt ist. Und ich den­ke, daß es ein gro­ßes Skan­dal ist, daß die Kir­che von vie­len, außer­halb von ihr, als unbarm­her­zig betrach­tet wird. Die­sen Aspekt muß die Kir­che ändern, sie muß – wie der Papst sagt – eine Kir­che der offe­nen Türen und der offe­nen Fen­ster wer­den, eine Kir­che, die hin­aus­geht an die Rän­der, und nicht eine geschlos­se­ne Festung.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

22 Kommentare

  1. Jeder weiss, dass ein sat­tes Raub­tier zufrie­den gähnt. Sät­tigt den Tiger und wir haben Barm­her­zig­keit.

  2. Gera­de das Gleich­nis vom barm­her­zi­gen Sama­ri­ter ( Lk 10,25 — 37) zeigt in der rich­ti­gen Aus­le­gung durch die Leh­re der Kir­che sei­ne tie­fe heils­my­ste­ri­sche Dimen­si­on.

    Der unter die Räu­ber gefal­le­ne, aus­ge­raub­te geschla­ge­ne und halb tot lie­gen gelas­se­ne Mann steht für den durch die Erb­sün­de gefal­le­nen Men­schen ( mit Aus­nah­me der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, deren Hoch­fest ihrer unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis am mor­gi­gen 8. Dezem­ber gefei­ert wird) 

    - Der „Prie­ster und der Levit“ ste­hen für das Alte Testa­ment und deren Unmög­lich­keit dage­gen etwas zu tun. 

    - Der barm­her­zi­ge Sama­ri­ter steht für unse­ren Herrn und Gott Jesus Chri­stu­sund das Neue Testa­ment, den Neu­en und Ewi­gen Bund.… die Erlö­sung von Sün­de und Tod; „zwei Dena­re“ ste­hen für den uner­mess­lich kost­ba­ren Preis, bezahlt durch das kost­bar­ste Blut Chri­sti;

    „Öl und Wein“ ste­hen für die hl. Sakra­men­te als hei­len­de Mit­tel der ver­wun­de­ten See­len.

    - die Her­ber­ge steht für die für das See­len­heil sor­gen­de Hei­li­ge Mut­ter Kir­che 

    - „Dann geh und hand­le genau so“ ist die Auf­for­de­rung Chri­sti die­se uns zuteil gewor­de­ne Gna­den­fül­le auch wei­ter­zu­ge­ben

    Unmiss­ver­ständ­lich zeugt die­se Stel­le von der Not­wen­dig­keit der Ver­kün­di­gung der wah­ren Barm­her­zig­keit der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che, der allei­ne das See­len­heil am Her­zen liegt.…
    d.h. ihre ste­te Mah­nung zu Reue, Bus­se und Umkehr.
    Durch die wirk­mäch­ti­gen hl. Sakra­men­te führt sie als der mysti­sche Leib Chri­sti das Erlö­sungs­werk Chri­sti fort. Somit ist auch die wah­re Näch­sten­lie­be untrenn­bar mit der Sor­ge um das See­len­heil des Näch­sten ver­bun­den, was wie­der­um auch eine gesun­de Selbst­lie­be im Sin­ne des Stre­bens nach Voll­kom­men­heit / Hei­lig­keit vor­aus­setzt.

    Eine wie auch immer ange­dach­te „auto­no­me Barm­her­zig­keit“ fern der voll­stän­di­gen Leh­re der Kir­che ist denn auch men­schen­ge­dacht und somit letzt­end­lich frucht­los.

  3. Man kann nur noch rät­seln, was einen Mann wie Kar­di­nal Kas­per dazu bewegt, neue Wege der
    Kir­che auf­zu­zei­gen. Wider bes­se­rem Wis­sen um die schlech­ten Früch­te des II.Vatikanum, beeilt
    sich die­ser lin­ke Kir­chen­mann, sei­ne Ideen an den Mann zu brin­gen. Dabei kommt ihm Fran­zis-
    kus sehr ent­ge­gen. Die neue syn­oda­le Kir­che der Barm­her­zig­keit, muss nach Kas­per, die Türen
    und Fen­ster weit auf­ma­chen, dabei ver­gisst der Kar­di­nal, dass das schon das Kon­zil gemacht hat,
    mit dem Ergeb­nis: Welt rein und Kir­chen­volk raus. Wir sol­len uns gegen­sei­tig ver­ge­ben, ver­ge­ben
    wofür ? Um Ver­ge­bung bit­ten müs­sen wir aller­dings den lie­ben Gott, dass wir ihn so wenig ge-
    liebt und ange­be­tet haben. Wir kön­nen so nicht wei­ter machen wie bis­her, meint Kas­per ! Das
    stimmt haar­ge­nau, sonst gibt es unse­re Kir­che bald nicht mehr. Das müss­ten sich alle Kar­di­nä­le
    Bischö­fe und Auto­ri­tä­ten hin­ter die Ohren schrei­ben

  4. Ja lie­ber Hr. Kar­di­nal!

    Schluss mit der Rache, Schluss mit den Unge­rech­tig­kei­ten. Wir müs­sen (hin­ge­gen) „Schluß“ sagen, von vor­ne begin­nen.

    Ja das Pro­jekt „Geist des Kon­zils“ ist geschei­tert: lee­re Kir­chen, Semi­na­re und Klö­ster. Extre­mer Glau­bens­ver­lust in Kle­rus und Volk, Anbie­de­rung an die Pro­te­stan­ten und Evan­ge­li­ka­len uvm.

    Ja ich stim­me Ihnen voll und ganz zu: Schluss mit der Kir­chen­steu­er, Schluss mit dem libe­ra­lem Kle­rus, Schluss mit der Anbie­de­rung an den Zeit­geist, Schluss mit der Dis­kri­mi­nie­rung der Freun­de der über­lie­fer­ten Lit­ur­gie. Ein neu­er Anfang: das tun was das Kon­zil woll­te.

    Lie­ber Hr. Kar­di­nal, end­lich sind wir uns einig.

  5. „.….und ich den­ke, dass es ein gro­ßer Skan­dal ist, dass die Kir­che von vie­len, außer­halb von ihr, als unbarm­her­zig betrach­tet wird.…“ ‚soweit das Zitat von Kas­per.
    Hat der hohe Kar­di­nal schon mal was davon gehört, dass der Geist Got­tes von jeher im Zwist mit dem Geist der Welt liegt? Wahr­schein­lich macht er sich auch nicht die Mühe wenig­stens ab und zu das hei­li­ge Evan­ge­li­um zu lesen, sonst wür­de er auch sol­che Jesus­zi­ta­te ken­nen wie: „Euch ist es gege­ben die Geheim­nis­se des Rei­ches Got­tes zu ver­ste­hen, jene drau­ßen aber, sol­len sehen, aber doch nicht sehen, hören, aber doch nicht ver­ste­hen!“ Oder auch: „Wer auch nur das klein­ste Iota auf­hebt und die Men­schen ent­spre­chend lehrt, wird im Him­mel­reich der Klein­ste sein!“
    Spä­te­stens, wenn der Herr ihm ein­mal sagen wird: „Hin­weg von mir ihr Über­tre­ter des Geset­zes, ich ken­ne euch nicht!“, hat er genü­gend Zeit, um über die Zukunft der Kir­che nach­zu­den­ken!

  6. Schaut euch mal die Fin­ger­stel­lung der rech­ten Hand von K.K. auf dem Foto oben an: Mich jeden­falls erin­nern sie an die berühm­te Geste „the horns of S.…!“ (bei P.F. auch schon beob­ach­tet!)

  7. „Es ist ein schwer­wie­gen­der Skan­dal, daß die Kir­che heu­te von vie­len als unbarm­her­zig betrach­tet wird.“
    Vie­le Katho­li­ken, die ich ken­ne, hal­ten ihre Kir­che kei­nes­wegs für unbarm­her­zig, sie wis­sen näm­lich über­haupt nicht mehr „wor­an man sich hal­ten soll“. Ist das etwa nicht skan­da­lös?

  8. Die Kir­che, die sich der lie­be Herr Kar­di­nal (und hof­fent­lich nicht Papst Fran­zis­kus) so vor­stellt, ist eine Kir­che „anything goes“, die kei­ner braucht. Jesus hat das Gesetz nicht auf­ge­ho­ben, son­dern erfüllt. Der Kar­di­nal hat ja recht, wenn er sagt, dass wir nicht so wei­ter­ma­chen kön­nen, wie bis­her, indem wir alles lau­fen las­sen wie es zeit­ge­mäß so läuft, heu­te so, mor­gen so. Wir müs­sen wie­der von unse­ren Bischö­fen, auch von unse­rem lie­ben Kar­di­nal, end­lich wie­der Glau­bens­in­hal­te und
    die damit ver­bun­de­nen Kon­se­quen­zen für das eige­ne Leben ver­mit­telt bekom­men. Das hat nichts mit einer Droh- und Straf­ver­kün­di­gung zu tun. Tho­mas von Aquin sagt: „Gerech­tig­keit ohne Barm­her­zig­keit ist grau­sam. Barm­her­zig­keit aber ohne Gerech­tig­keit ist die Auf­lö­sung aller Ord­nung“.

    • @Leone
      Das wae­re eine Mischung, der Gross­kotz aus Ame­ri­ka schmeisst ein­fach mal ein Atom­bo­embchen, sor­ry friends all for demo­cra­cy and free­dom und das „Kas­per­pack“ gibt der Kir­che den Rest.
      Schoe­ne Zuta­ten fuer ein jueng­stes Gericht, oder ?

  9. Kar­di­nal Kas­pers Barm­her­zig­keits­ver­ständ­nis ist völ­lig los­ge­löst von Gerech­tig­keit. Damit per­ver­tiert sich aber Barm­her­zig­keit. Der Mob, der Jes­se Washing­ton auf grau­sam­ste Art und Wei­se lynch­te und sich an der Qual die­ses Jun­gen öffent­lich wei­de­te, wäre von ihr eben­so bedin­gungs­los umschlos­sen, wie die Fol­ter­knech­te, die in Maj­da­nek, Sobi­bor, Treb­lin­ka, Dach­au und Ausch­witz Men­schen auf bestia­li­sche Wei­se ermor­de­ten. Eine Barm­her­zig­keit, die Gerech­tig­keit „über­steigt“, wie es Kas­per in sei­nen The­sen ver­tritt, kennt im Grun­de kein Gut oder Böse und Wahr oder Falsch. Tie­fe Reue des Sün­ders, sein Lei­den an der bösen Tat, ist nicht län­ger die Vor­aus­set­zung für Barm­her­zig­keit. Damit ver­liert aber das Chri­sten­tum sei­ne grund­le­gen­de Wahr­heit, die immer auch Gerech­tig­keit ist. Nur Gott kann die Gerech­tig­keit wie­der her­stel­len, die der Mensch zer­stört hat und immer wie­der zer­stört. Gerech­tig­keit heißt auch nicht Rache son­dern Rei­ni­gung. Da der Wil­le sich jedoch radi­kal gegen die Wahr­heit stellt, wo er rest­los dem Bösem ver­fällt und im Bösen ver­harrt, da ver­fällt der Mensch dem gött­li­chen Gericht, da wird er sehr wohl in die Höl­le gewor­fen. Wer behaup­tet, die Höl­le sei leer, der macht Gott zu einem Demi­ur­gen, der den Men­schen ledig­lich für ein per­ver­ses „Spiel“ geschaf­fen habe. Kar­di­nal Kas­per will die Got­tes­furcht besei­ti­gen, damit besei­tigt er aber not­wen­dig auch die Sün­de. Gott ist nicht nur der güti­ge, in allen Grau­sam­kei­ten duld­sa­me Betrach­ter des Bösen, son­dern er ist auch ein zor­ni­ger und damit ein rich­ten­der Gott. Alles ande­re ist Kin­de­rei und eine Ver­höh­nung aller Opfer des mensch­li­chen Grau­en. Kar­di­nal Kas­pers The­sen zer­plat­zen an der Rea­li­tät des Bösen. Welch men­schen­ver­ach­ten­de Vor­stel­lung wäre es, wenn Hit­ler und Sta­lin fried­lich ver­eint mit den von ihnen ermor­de­ten im Him­mel dem gött­li­chen Licht teil­haf­tig wür­den. Kas­per und sei­ne Anhän­ger wol­len das Böse eli­mi­nie­ren, indem sie es ins Abstrak­te und damit Fol­gen­lo­se auf­lö­sen.

    „Gott gibt es, und Gott weiß, Gerech­tig­keit zu schaf­fen auf eine Wei­se, die wir nicht erdenken kön­nen und die wir doch im Glau­ben ahnen dür­fen. Ja, es gibt die Auf­er­ste­hung des Flei­sches. Es gibt Gerech­tig­keit. Es gibt den „Wider­ruf“ des ver­gan­ge­nen Lei­dens, die Gut­ma­chung, die das Recht her­stellt. Daher ist der Glau­be an das Letz­te Gericht zual­ler­erst und zual­ler­meist Hoff­nung — die Hoff­nung, deren Not­wen­dig­keit gera­de im Streit der letz­ten Jahr­hun­der­te deut­lich gewor­den ist. Ich bin über­zeugt, dass die Fra­ge der Gerech­tig­keit das eigent­li­che, jeden­falls das stärk­ste Argu­ment für den Glau­ben an das ewi­ge Leben ist. Das bloß indi­vi­du­el­le Bedürf­nis nach einer Erfül­lung, die uns in die­sem Leben ver­sagt ist, nach der Unsterb­lich­keit der Lie­be, auf die wir war­ten, ist gewiss ein wich­ti­ger Grund zu glau­ben, dass der Mensch auf Ewig­keit hin ange­legt ist, aber nur im Ver­ein mit der Unmög­lich­keit, dass das Unrecht der Geschich­te das letz­te Wort sei, wird die Not­wen­dig­keit des wie­der­keh­ren­den Chri­stus und des neu­en Lebens voll­ends ein­sich­tig.

    Der Pro­test gegen Gott um der Gerech­tig­keit wil­len ist nicht dien­lich. Eine Welt ohne Gott ist eine Welt ohne Hoff­nung (Eph 2, 12). Nur Gott kann Gerech­tig­keit schaf­fen. Und der Glau­be gibt uns die Gewiss­heit: Er tut es. Das Bild des Letz­ten Gerichts ist zual­ler­erst nicht ein Schreck­bild, son­dern Bild der Hoff­nung, für uns viel­leicht sogar das ent­schei­den­de Hoff­nungs­bild. Aber ist es nicht doch auch ein Bild der Furcht? Ich wür­de sagen: ein Bild der Ver­ant­wor­tung. Ein Bild daher für jene Furcht, von der der hei­li­ge Hil­ari­us sagt, dass all unse­re Furcht in der Lie­be ihren Ort hat. Gott ist Gerech­tig­keit und schafft Gerech­tig­keit. Das ist unser Trost und unse­re Hoff­nung. Aber in sei­ner Gerech­tig­keit ist zugleich Gna­de. Das wis­sen wir durch den Blick auf den gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen Chri­stus. Bei­des — Gerech­tig­keit und Gna­de — muss in sei­ner rech­ten inne­ren Ver­bin­dung gese­hen wer­den. Die Gna­de löscht die Gerech­tig­keit nicht aus. Sie macht das Unrecht nicht zu Recht. Sie ist nicht ein Schwamm, der alles weg­wischt, sodass am Ende dann eben doch alles gleich gül­tig wird, was einer auf Erden getan hat. Gegen eine sol­che Art von Him­mel und von Gna­de hat zum Bei­spiel Dosto­jew­ski in sei­nen Brü­dern Kara­ma­sow mit Recht Pro­test ein­ge­legt. Die Mis­se­tä­ter sit­zen am Ende nicht neben den Opfern in glei­cher Wei­se an der Tafel des ewi­gen Hoch­zeits­mahls, als ob nichts gewe­sen wäre.“ [Bene­dikt XVI. Enzy­kli­ka „Spe sal­vi“]

  10. Kar­di­nal Kas­per: „Wir haben oft von einem Gott gespro­chen, der straft oder von einem Gott der droht, einem Gott der Rache. Das alles ist auch im Alten Testa­ment, das gibt es aber nicht bei Jesus;“

    Die­se Behaup­tung ist völ­li­ger Unsinn. Wie oft sag­te Jesus in der Hei­li­gen Schrift, Din­ge wie:

    Mt 11, 21–24:

    21 Weh dir, Cho­ra­zin! Weh dir, Bet­sai­da! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wun­der gesche­hen wären, die bei euch gesche­hen sind — man hät­te dort in Sack und Asche Buße getan.5
    22 Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm erge­hen wie euch.
    23 Und du, Kafar­na­um, meinst du etwa, du wirst bis zum Him­mel erho­ben? Nein, in die Unter­welt wirst du hin­ab­ge­wor­fen. Wenn in Sodom die Wun­der gesche­hen wären, die bei dir gesche­hen sind, dann stün­de es noch heu­te.
    24 Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm erge­hen wie dir.

    Mt 23, 13–39:

    13 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr ver­schließt den Men­schen das Him­mel­reich. Ihr selbst geht nicht hin­ein; aber ihr lasst auch die nicht hin­ein, die hin­ein­ge­hen wol­len.
    14 []4
    15 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen ein­zi­gen Men­schen für euren Glau­ben zu gewin­nen; und wenn er gewon­nen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Höl­le, der dop­pelt so schlimm ist wie ihr selbst.
    16 Weh euch, ihr seid blin­de Füh­rer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tem­pel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tem­pels schwört, der ist an sei­nen Eid gebun­den.
    17 Ihr blin­den Nar­ren! Was ist wich­ti­ger: das Gold oder der Tem­pel, der das Gold erst hei­lig macht?
    18 Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das kein Eid; wer aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, der ist an sei­nen Eid gebun­den.
    19 Ihr Blin­den! Was ist wich­ti­ger: das Opfer oder der Altar, der das Opfer erst hei­lig macht?
    20 Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was dar­auf liegt.
    21 Und wer beim Tem­pel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der dar­in wohnt.
    22 Und wer beim Him­mel schwört, der schwört beim Thron Got­tes und bei dem, der dar­auf sitzt.
    23 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr gebt den Zehn­ten von Min­ze, Dill und Küm­mel und lasst das Wich­tig­ste im Gesetz außer Acht: Gerech­tig­keit, Barm­her­zig­keit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das ande­re zu las­sen.
    24 Blin­de Füh­rer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und ver­schluckt Kame­le.
    25 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr hal­tet Becher und Schüs­seln außen sau­ber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maß­lo­sig­keit zusam­men­ge­raubt habt.
    26 Du blin­der Pha­ri­sä­er! Mach den Becher zuerst innen sau­ber, dann ist er auch außen rein.
    27 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr seid wie die Grä­ber, die außen weiß ange­stri­chen sind und schön aus­se­hen; innen aber sind sie voll Kno­chen, Schmutz und Ver­we­sung.
    28 So erscheint auch ihr von außen den Men­schen gerecht, innen aber seid ihr voll Heu­che­lei und Unge­hor­sam gegen Got­tes Gesetz.
    29 Weh euch, ihr Schrift­ge­lehr­ten und Pha­ri­sä­er, ihr Heuch­ler! Ihr errich­tet den Pro­phe­ten Grab­stät­ten und schmückt die Denk­mä­ler der Gerech­ten
    30 und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unse­rer Väter gelebt hät­ten, wären wir nicht wie sie am Tod der Pro­phe­ten schul­dig geworden.5
    31 Damit bestä­tigt ihr selbst, dass ihr die Söh­ne der Pro­phe­ten­mör­der seid.
    32 Macht nur das Maß eurer Väter voll!
    33 Ihr Nat­tern, ihr Schlan­gen­brut! Wie wollt ihr dem Straf­ge­richt der Höl­le ent­rin­nen?
    34 Dar­um hört: Ich sen­de Pro­phe­ten, Wei­se und Schrift­ge­lehr­te zu euch; ihr aber wer­det eini­ge von ihnen töten, ja sogar kreu­zi­gen, ande­re in euren Syn­ago­gen aus­peit­schen und von Stadt zu Stadt ver­fol­gen.
    35 So wird all das unschul­di­ge Blut über euch kom­men, das auf Erden ver­gos­sen wor­den ist, vom Blut Abels, des Gerech­ten, bis zum Blut des Zacha­ri­as, Bara­chi­as‘ Sohn, den ihr im Vor­hof zwi­schen dem Tem­pel­ge­bäu­de und dem Altar ermor­det habt.6
    36 Amen, das sage ich euch: Das alles wird über die­se Genera­ti­on kom­men.
    37 Jeru­sa­lem, Jeru­sa­lem, du tötest die Pro­phe­ten und stei­nigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft woll­te ich dei­ne Kin­der um mich sam­meln, so wie eine Hen­ne ihre Küken unter ihre Flü­gel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.
    38 Dar­um wird euer Haus (von Gott) verlassen.7
    39 Und ich sage euch: Von jetzt an wer­det ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: Geseg­net sei er, der kommt im Namen des Herrn!

    • Mt 23, 38 „Dar­um wird euer Haus(von Gott) ver­las­sen“ sagt übri­gens klar und deut­lich, dass der Alte Bund auf­ge­ho­ben wur­de.

  11. Kar­di­nal Kas­per: „Das will sagen: offe­ne Augen um das Elend des ande­ren zu sehen, für die Bedürf­nis­se, die heu­te sich schnell ändern; offe­ne Augen, um im ande­ren das Gesicht Jesu Chri­sti zu sehen, der gesagt hat: „Was ihr einem ande­ren getan habt, das habt ihr mir getan“.“

    Das will wohl sagen, Sozi­al­sor­ge statt Seel­sor­ge, genau das ist der beab­sich­tig­te Weg die­ses Pon­ti­fi­kats, und Kas­per als Theo­lo­ge des Pap­stes will hier wie­der ein­mal die Rich­tung vor­ge­ben.
    Die Hei­li­ge Schrift sagt aber ganz klar, dass Seel­sor­ge wich­ti­ger ist, als rei­ne Sozi­al­sor­ge.

    Mt 6, 31–34:

    31 Macht euch also kei­ne Sor­gen und fragt nicht: Was sol­len wir essen? Was sol­len wir trin­ken? Was sol­len wir anzie­hen?
    32 Denn um all das geht es den Hei­den. Euer himm­li­scher Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
    33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um sei­ne Gerech­tig­keit gehen; dann wird euch alles ande­re dazu­ge­ge­ben.
    34 Sorgt euch also nicht um mor­gen; denn der mor­gi­ge Tag wird für sich selbst sor­gen. Jeder Tag hat genug eige­ne Pla­ge.

    Kar­di­nal Kas­per: „Ja, die Kir­che ist Zei­chen und Instru­ment der Gna­de und auch der Barm­her­zig­keit Got­tes. Sie kann aber nur Zei­chen und Instru­ment der Barm­her­zig­keit sein, wenn sie durch die Barm­her­zig­keit geformt ist. Und ich den­ke, daß es ein gro­ßes Skan­dal ist, daß die Kir­che von vie­len, außer­halb von ihr, als unbarm­her­zig betrach­tet wird. Die­sen Aspekt muß die Kir­che ändern, sie muß – wie der Papst sagt – eine Kir­che der offe­nen Türen und der offe­nen Fen­ster wer­den, eine Kir­che, die hin­aus­geht an die Rän­der, und nicht eine geschlos­se­ne Festung.“

    So wie ich das ver­ste­he, bedeu­tet, „eine Kir­che, die hin­aus­geht an die Rän­der…“ wie­der nur, dass Sozi­al­sor­ge ange­trie­ben wer­den soll, Seel­sor­ge wird damit nicht ange­spro­chen. Und jeder kann sich den­ken, dass Lai­en in der katho­li­schen Kir­che höchst­wahr­schein­lich nicht den Mut haben, in Zei­ten des medi­al betrie­be­nen, öffent­li­chen Ruf­mords an der katho­li­schen Kir­che tat­säch­lich an die gesell­schaft­li­chen Rän­der zu gehen um dort evan­ge­li­sie­rend tätig zu sein. Also kann man es nur huma­ni­tär ver­ste­hen, was Kas­per da in unkla­rer Spra­che ein­for­dert.

    • Gute Wer­ke sind außer­dem nicht dar­in zu sehen, dass man Mus­li­me, die kei­ne Kriegs­flücht­lin­ge son­dern Wirt­schafts­flücht­lin­ge sind, quer durch die Bank nach Euro­pa ein­lädt und in Kauf nimmt, dass die­se auf mitt­le­re Sicht durch über­trie­be­ne öffent­li­che Rück­sicht­nah­me ihnen gegen­über die christ­li­chen Wur­zeln Euro­pas ersticken. Vor allem die ver­kehr­te Logik der media­len Öffent­lich­keit, dass Chri­sten auf­grund der Bibel über­all Tole­ranz und Näch­sten­lie­be wal­ten las­sen müss­ten und die Über­hand­nah­me der Isla­mi­sie­rung gut­hei­ßen müss­ten, zeugt von weit­rei­chen­der Unkennt­nis der katho­li­schen Glau­bens­leh­re, ins­be­son­de­re der Hei­li­gen Schrift, auch sei­tens vie­ler Chri­sten die die­ser öffent­li­chen Mei­nung aus Angst Fol­ge lei­sten. Ins­be­son­de­re hebt man damit reli­gi­ös, histo­risch und kul­tu­rell gese­hen, die Errun­gen­schaft der Kreuz­zü­ge, die die Rück­erobe­rung Euro­pas aus den Hän­den Moham­meds und sei­ner Gefolg­schaft her­vor­brach­te, bestän­di­gen Schrit­tes wie­der auf.

  12. Auch ich bin über den Satz gestol­pert, es sei „ein schwer­wie­gen­der Skan­dal, daß die Kir­che heu­te von vie­len als unbarm­her­zig betrach­tet wird.“ Ich dach­te, ein Skan­dal wäre es, wenn die Kir­che unbarm­her­zig wäre, nicht wenn sie als unbarm­her­zig betrach­tet wird. Eigent­lich ist die Kas­per­sche Theo­lo­gie eine Theo­lo­gie für Spie­ßer: „Was sol­len die Leu­te (Nach­barn) den­ken?“ Was für ein Unter­schied zur Theo­lo­gie Urs von Bal­ta­sars oder Ratz­in­gers.

    Dann der alles ver­ste­hen­de Jesus, den ich in den Evan­ge­li­en nicht fin­de: Barm­her­zig­keit ja, Lie­be bis zum Tod ja, aber ein Jesus ohne sei­nen hei­li­gen Zorn, ohne das zur Ent­schei­dung Drän­gen­de, ohne den Aspekt des Rich­tens ist eine arm­se­li­ge Kari­ka­tur, die eher alten Hol­ly­wood-Schin­ken ent­nom­men sein könn­te.

    Ich will auch nicht davon reden, dass Ori­gi­nes für sei­ne Leh­re der Apo­ka­ta­sta­sis von einem Kon­zil als Häre­ti­ker ver­ur­teilt wor­den ist (so viel zur lee­ren Höl­le), aber eine „Barm­her­zig­keit“ zum Null­ta­rif, ein Ver­ge­ben aller Sün­den ohne Reue und Buße wäre eine Ver­ge­wal­ti­gung des frei­en Wil­lens des Men­schen. Sie umschlös­se Figu­ren wie Hit­ler, Himm­ler, Sta­lin und Pol Pot.

  13. Die Barm­her­zig­keit Got­tes ist ja kein Hin­weg­se­hen über die Sün­den.

    Sie zielt dar­auf, dass der Mensch ganz und gar umge­stal­tet wird zur Braut Chri­sti, Chri­stus also so atem­be­rau­bend ähn­lich wer­den darf wie Maria es vor­ge­lebt hat.

    Wäre Maria nicht „begna­det“ gewe­sen, hät­te sie auch nicht ihr „Fiat“ gespro­chen, wäre sie nicht in der Lage gewe­sen, Gott zu gebä­ren. Got­tes Barm­her­zig­keit geht daher nicht pri­mär — wie F. in sei­ner Pre­digt sagt — sei­ner Gerech­tig­keit „vor­aus“ (Wie kann ein Wesens­merk­mal Got­tes dem ande­ren „vor­aus­ge­hen“?!?!), son­dern sei­ne Barm­her­zig­keit geht unse­rer Unge­rech­tig­keit immer vor­aus. So wird ein Schuh draus.

    Aber schon die Natur lehrt uns: Man kann nur Glei­ches gebä­ren, nie­mals Unglei­ches. Es muss nicht Iden­ti­sches sein, aber wenig­stens Ähn­li­ches, in der Tat: Wesens­ähn­li­ches.

    Das ist es, was die Barm­her­zig­keit Got­tes uns zuge­dacht hat. Man muss eigent­lich ver­stum­men vor Schreck: das ist doch fast nicht mög­lich, dass der gro­ße Gott, der uns doch viel unähn­li­cher als ähn­lich ist, sich soweit auf uns ein­lässt und uns soweit in Sei­ne Sphä­re heben will!

    Wenn das wahr ist, kann nie­mand, der die­se Barm­her­zig­keit erfah­ren hat, ein­fach wei­ter­sün­di­gen.
    All mein Sin­nen und Trach­ten soll sein: IHM ähn­lich zu sein, damit Er mich als die Sei­ne erkennt, wenn Er kommt.

    ER hat uns doch gewarnt: Es gibt auch eine Fröm­mig­keit, die nicht zu die­ser Ähn­lich­keit führt. Er wird man­chen sagen: Dich ken­ne ich nicht. Nicht aus Rache, son­dern weil sie IHM nicht ähneln und nicht ähneln woll­ten.

    In einem Punkt hat F. aber recht: Eine Fröm­mig­keit, die immer beim ande­ren die Unähn­lich­kei­ten zum Herrn wit­tern will, hat sich selbst schon gerich­tet.
    Da müs­sen wir alle auf­pas­sen.

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