Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XVI)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakrament

Aus der Hand­rei­chung Vorran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der bevor­ste­hen­den Bischofs­syn­ode über die Fami­lie vom 4. bis 25. Okto­ber 2015 im Vatikan.

31. Fra­ge: Sind die jüng­sten Ver­än­de­run­gen im fami­liä­ren und sexu­el­len Leben nicht Teil der moder­nen Kul­tur und Fol­ge einer unauf­halt­sa­men histo­ri­schen Evo­lu­ti­on, die nicht ver­ur­teilt wer­den darf, son­dern nur kurz Kennt­nis genom­men wer­den sollte?

Ant­wort: Die von der sexu­el­len Revo­lu­ti­on ver­ur­sach­ten sozio­kul­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen wer­den all­zu leicht als unver­meid­lich und irrever­si­bel akzep­tiert. In Wahr­heit sind sie aber häu­fig nur kurz­le­bi­ge patho­lo­gi­sche Erschei­nun­gen einer heil­ba­ren gei­sti­gen Krank­heit. Auf jeden Fall gibt es kei­ne mensch­li­chen Umstän­de oder Ver­hal­tens­wei­sen, die nicht einem mora­li­schen Urteil unter­wor­fen wer­den kön­nen; sie kön­nen und müs­sen mit dem Maß der Wahr­heit und der Gerech­tig­keit gemes­sen wer­den. Der hl. Pau­lus hat dies sehr oft getan und hat auch die einem Chri­sten nicht gezie­men­den Ver­hal­tens­wei­sen auf­ge­li­stet (Röm 1,26–32; 1 Kor 6,9–10; 1 Tim 1,9).

Vor kur­zem hat ein renom­mier­ter Moral­theo­lo­ge, Kar­di­nal Car­lo Caf­farra, Erz­bi­schof von Bolo­gna, über gewis­se Denk­mu­ster gespro­chen, die in der Kir­che ver­mie­den wer­den soll­ten. Als Bei­spiel nann­te er „das Gut­men­schen­tum, das die Mei­nung ver­tritt, die Kul­tur, von der ich gespro­chen habe [die der sexu­el­len Revo­lu­ti­on], sei ein unauf­halt­sa­mer histo­ri­scher Pro­zess. Als Lösung wird ein Kom­pro­miss (mit die­ser Revo­lu­ti­on) vor­ge­schla­gen, der alles ver­meint­lich Gute bewah­ren soll, was man in ihr zu erken­nen glaubt“ (Kar­di­nal Car­lo Caf­farra, Tre stra­de per costrui­re la veri­tà  del matri­mo­nio [Drei Wege, um die Wahr­heit der Ehe auf­zu­bau­en], Avve­ni­re v. 12.3.2015).

32. Fra­ge: Wel­che Fra­gen soll­te man sich dann über die aktu­el­le Tren­nung zwi­schen Kir­che und Welt stellen?

Ant­wort: Man soll­te sich die fol­gen­den Fra­gen stel­len: Wie ist es gekom­men, dass die „moder­ne Welt“ die Leh­re der Kir­che über so vie­le grund­le­gen­de Fra­gen der mensch­li­chen Exi­stenz zurück­ge­wie­sen hat? Wel­cher histo­ri­sche Pro­zess hat zur aktu­el­len Tren­nung zwi­schen Kir­che und Welt geführt? Wie kann die Kir­che die „Wun­den hei­len“, die in der heu­ti­gen Gesell­schaft auf­ge­bro­chen sind, und die ver­lo­re­ne Gesund­heit wie­der­her­stel­len, ohne sich von der Krank­heit anstecken zu las­sen? Die Beant­wor­tung die­ser Fra­gen wird zei­gen, auf wel­che rea­len Situa­tio­nen die Pasto­ral der Kir­che reagie­ren muss und wie sie dies tun kann, ohne die über­lie­fer­te Leh­re zu verleugnen.

Der Ver­such, nur die schwer­wie­gend­sten und am mei­sten ins Auge fal­len­den Fol­gen der Situa­ti­on auf­hal­ten zu wol­len, wird nicht viel brin­gen. Eine Krank­heit kann nur unter Anwen­dung der rich­ti­gen Arz­nei und durch Besei­ti­gung ihrer Ursa­chen geheilt wer­den. Doch dazu müs­sen die Hir­ten emo­tio­na­le Reak­tio­nen ver­mei­den, eine ehr­li­che und rich­ti­ge Dia­gno­se stel­len und dann die wirk­sam­ste Arz­nei ver­schrei­ben (vgl. Kar­di­nal Vel­asio de Pao­lis, Die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und die Sakra­men­te der Eucha­ri­stie udn der Buße, Vor­trag am Regio­na­len Kir­chen­ge­richt Umbri­en, 8.1.2015, S. 6–9).

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Anga­ben zur Handreichung:
Aldo di Cil­lo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schnei­der: Vor­ran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der Syn­ode. Vor­wort von Jor­ge A. Kar­di­nal Medi­na, Edi­zio­ni Sup­pli­ca Filia­le, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruck­te Aus­ga­be in deut­scher Spra­che kann ange­for­dert wer­den bei:
Deut­sche Gesell­schaft zum Schutz von Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP)
Gla­dio­len­stra­sse 11
60437 Frank­furt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org

1 Kommentar

  1. Das Gut­men­schen­tum birgt auch eine Gefahr in sich. Gut­men­schen sehen bis wei­len alles rosa-
    rot und mei­nen alles tole­rie­ren zu müs­sen und ver­ges­sen dabei, dass ihre Ansich­ten mit dem
    Glau­ben ver­ein­bar sein müs­sen. Das sieht man beson­ders beim Zusam­men­le­ben von unverhei-
    rate­ten, Mehr­ge­schlecht­lich­keit und bis­wei­len bei dem The­ma Abtrei­bung. Dadurch unterscheiden
    sich deut­sche Katho­li­ken nicht von den Katho­li­ken in Irland.

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