Erosion der deutschen Kirche — Gänswein: „Hirte darf nicht aufgrund des Medienapplauses entscheiden“

Flashmob in Rio de Janeiro - sich der Lächerlichkeit preisgeben
Flashmob in Rio de Janei­ro — sich der Lächer­lich­keit preis­ge­ben

(Rom/Berlin) Die katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr die Rekord­zahl von fast 218.000 Kir­chen­aus­trit­ten zu ver­zeich­nen. 39.000 mehr als im Jahr zuvor.

Mehr sogar als im Jahr 2010, als die deut­sche Kir­che vom sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dal an Min­der­jäh­ri­gen gebeu­telt wur­de und unter mas­si­vem öffent­li­chen Druck stand.

Die Zah­len erhel­len einen Neben­schau­platz: Zwi­schen 2005 und 2013 wur­den die Kir­chen­aus­trit­te all­jähr­lich Papst Bene­dikt XVI. ange­la­stet, wenn es nicht gera­de loka­le „Schul­di­ge“ gab, denen man sie in die Schu­he schie­ben konn­te, wie Bischof Krenn in Öster­reich oder die Bischö­fe Mixa und Tebartz-van Elst in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Gegen Benedikt XVI. instrumentalisierte Kirchenaustrittszahlen — Seither Schweigen

„Umstrit­te­ne Hand­lun­gen von Papst Bene­dikt XVI.“ sei­en schuld gewe­sen, etwa „Aus­gren­zung von Homo­se­xu­el­len“, „man­geln­de Gleich­stel­lung der Frau­en“ oder die „Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on für die lef­eb­vria­ni­schen Bischö­fe“, wuß­ten bei­spiels­wei­se 2010 der öster­rei­chi­sche Pasto­ral­theo­lo­ge Paul Zuleh­ner (Wien) und Bischofs­vi­kar Wil­li Vie­böck (Linz) zu behaup­ten. Doch noch nie gab es bei­der­seits des Inns mehr Kir­chen­aus­trit­te als unter Papst Fran­zis­kus. Seit­her herrscht betre­te­nes Schwei­gen unter bis dahin wort­rei­chen Kir­chen­ver­tre­tern und den Medi­en. Ihre „Aus­le­gun­gen“ wer­den nach­träg­lich als kir­chen­po­li­ti­sche Instru­men­ta­li­sie­run­gen ent­larvt .

In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist die Kir­chen­zu­ge­hö­rig­keit direkt mit der Steu­er­lei­stung gekop­pelt. Die aner­kann­ten Kon­fes­sio­nen for­dern und erhal­ten die soge­nann­te „Kir­chen­steu­er“, die vom Staat berech­net und ein­ge­ho­ben und an die Kir­chen wei­ter­ge­lei­tet wird.

Kirchensteuer sichert Einfluß

Die Geld­men­ge ist enorm. Allein 2011 nahm die katho­li­sche Kir­che in Deutsch­land in etwa 5,8 Mil­li­ar­den Euro ein.

Mit 1,3 Mil­lio­nen Ange­stell­ten ist die katho­li­sche Kir­che nach dem öffent­li­chen Dienst der zweit­größ­te Arbeit­ge­ber Deutsch­lands. Das größ­te Pri­vat­un­ter­neh­men, Sie­mens, beschäf­tigt knapp mehr als 400.000 Mit­ar­bei­ter.

Mit dem prall­ge­füll­ten Säckel übt die deut­sche Kir­che beacht­li­chen Ein­fluß in der Drit­ten Welt aus.

Großteil der deutschen Bischöfe will Glaubenslehre der Kirche ändern

Eini­ge Kom­men­ta­to­ren, wie der US-Ame­ri­ka­ner Geor­ge Weigel, schrei­ben den wach­sen­den Ero­si­ons­pro­zeß, neben finan­zi­el­len Grün­den, der Nei­gung eines Groß­teils der deut­schen Bischö­fe zu, die Glau­bens­leh­re der Kir­che ändern zu wol­len.

Dazu gehö­ren die Ehe- und Sexu­al­mo­ral, beson­ders die Leh­re über die Zugangs­be­rech­ti­gung zum Ehe­sa­kra­ment und zum Altarsa­kra­ment. Es geht kon­kret um die Aner­ken­nung der Zweit­ehe und die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zur Kom­mu­ni­on. Mit genau die­sen The­men wird sich die Bischofs­syn­ode im kom­men­den Okto­ber beschäf­ti­gen.

Was Kurienerzbischof Geogr Gänswein dazu meint

„Inter­es­sant ist, zu hören, was Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein, Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses und Pri­vat­se­kre­tär von Bene­dikt XVI. in einem weit umfang­rei­che­ren Inter­view zu sagen hat“, so Mar­co Tosat­ti. Das Inter­view führ­te Jau­me Figa i Vael­lo für die kata­la­ni­sche und spa­ni­sche Sei­te +1 Sumant Hosto­ries der Uni­ver­si­tat Inter­nacio­nal de Catalunya.

Fra­ge: Eini­ge die­ser Streit­fra­gen kom­men aus Ihrer Hei­mat Deutsch­land. War­um?

Erz­bi­schof Gäns­wein: Ja. Es stimmt, daß nicht alle Feh­ler von dort kom­men, der frag­li­che Punkt aber bestimmt: Vor 20 Jah­ren lehn­te es Johan­nes Paul II. nach einer lan­gen und mühe­vol­len Ver­hand­lung ab, daß wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne Zugang zur Kom­mu­ni­on erhal­ten. Wir kön­nen unser Lehr­amt nicht ein­fach über­ge­hen und die Din­ge ändern.

Fra­ge: War­um wol­len eini­ge Hir­ten , was nicht mög­lich ist?

Erz­bi­schof Gäns­wein: Ich weiß es nicht. Viel­leicht geben sie dem Zeit­geist nach, viel­leicht las­sen sie sich vom Applaus der Men­schen lei­ten, der von den Medi­en gemacht wird … Kri­tisch gegen­über den Mas­sen­me­di­en zu sein, ist sicher weni­ger ange­nehm. Ein Hir­te darf aber nicht auf der Grund­la­ge ent­schei­den, ob die Medi­en applau­die­ren oder nicht. Der Maß­stab sind das Evan­ge­li­um, der Glau­ben, die gesun­de Leh­re, die Tra­di­ti­on.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

14 Kommentare

  1. Eine Amts­kir­che die ihre eige­ne Theo­lo­gie ver­rät, die laut über ihre Hal­tung zu Homo­se­xua­li­tät nach­denkt, die welt­wei­ten Chri­sten­mor­de aber fast uner­wähnt läßt, die Glocken läu­tet für Ertrun­ke­ne, an abge­trie­be­ne Kin­der aber kei­nen Gedan­ken ver­schwen­det, die es zuläßt, daß Bischö­fe gemein­sam mit eini­gen Medi­en die Men­schen gegen einen unbe­que­men Bischof auf­het­zen und ihn aus dem Amt drän­gen, eine Kir­che, die die Zer­stö­rung der Fami­lie nicht bekämpft, son­dern deren Bischof Acker­mann sei­ne Zustim­mung zur 24-Stun­den-Kita öffent­lich kund­tut, eine Kir­che deren ober­ste Füh­rung sich fast nur noch mit welt­li­chen Pro­ble­men aus­ein­an­der­setzt, dafür den Glau­bens­in­halt ver­wäs­sert oder gar ins Gegen­teil ver­kehrt, die sich fast lie­be­vol­ler um frem­de Schäf­chen küm­mert, als um die eige­nen, ohne die­se frem­den Schäf­chen mis­sio­nie­ren zu wol­len, die ver­liert eben die­se eige­nen Schäf­chen, die für die Abkehr vom wah­ren Glau­ben nicht auch noch immer mehr Kir­chen­steu­er zah­len wol­len!

    • Nur eine klei­ne Kor­rek­tur, Maria­An­na!
      Es war nicht Bischof Acker­mann, son­dern sein Kol­le­ge Over­beck, der die Plä­ne Frau Schwe­sigs gut­hieß und sich für die „24 Stun­den-Kita“ aus­sprach.
      Ich hat­te mich des­halb in einer Mail an Bischof Over­beck gewandt.
      Die Bestä­ti­gung des Ein­gangs bekam ich zwar durch das Büro, aber das war auch alles.
      Es könn­te natür­lich gut sein, dass auch Bischof Acker­mann ähn­lich denkt, wir wis­sen es nicht.
      In allem, was Sie sonst geschrie­ben haben, stim­me ich Ihnen ohne Ein­schrän­kung zu.

      • Dan­ke, Mari­en­zweig, für die Kor­rek­tur. Fast — als Erklä­rungs­ver­such — möch­te ich sagen: da die deut­schen Bischö­fe sich in ihrem Kampf um Medi­en­ap­plaus und den 1. Platz im Zeit­geist­ren­nen schier über­bie­ten, ist es geich, wer was sagt oder tut!
        Aber trotz allem, die katho­li­sche Kir­che wird mich nicht los, ich blei­be, wenn auch mit Bau­grim­men. Spen­den jedoch erhal­ten nur die latei­ni­sche Mes­se lesen­den Orden, Bru­der­schaf­ten oder Isti­tu­tio­nen!

  2. Was mag Erz­bi­schof Gäns­wein wohl ins­ge­heim über die zahl­rei­chen und unüber­seh­ba­ren gesten- und wort­rei­chen Aus­rut­scher sei­nes „Chefs“ den­ken?
    Nicht, dass es beson­ders wich­tig wäre, doch habe ich mich dies schon des öfte­ren gefragt.

    Wenn Papst Fran­zis­kus den Bei­fall der Welt erhält, war­um soll­te dies irgend­je­mand ani­mie­ren, in die Kir­che ein­zu­tre­ten?
    Er sagt ja, was jeder ande­re auch sagt. Des­we­gen braucht man also nicht Kir­chen­mit­glied zu wer­den.
    Und war­um so vie­le Leu­te aus­tre­ten?
    Ist es wegen der Steu­er? Ist es, weil ihnen die Umfor­mung zu einer zeit­ge­mä­ßen Insti­tu­ti­on zu lan­ge dau­ert?
    Ist es gene­rell die Gleich­gül­tig­keit, die sie dazu ver­an­lasst?
    Sind es die treu­en Gläu­bi­gen, die ange­sichts des der­zei­ti­gen Inha­bers des Papst­thro­nes jeg­li­ches Ver­trau­en ver­lo­ren haben und dar­aus die Kon­se­quen­zen zie­hen?
    Man müss­te sie fra­gen kön­nen!

  3. Um den deut­schen Bis­tü­mern nicht mehr das Geld für anti­ka­tho­li­sche Posi­tio­nen geben zu müßen, soll­te es doch mög­lich sein, aus­zu­tre­ten und gleich­zei­tig in eine mit Rom unier­te ortho­do­xe Kir­che ein­zu­tre­ten?

  4. Nun, Mari­en­zweig, den größ­ten Teil mei­nes Lebens habe ich Kir­chen­steu­er bezahlt, und es hat mir nichts aus­ge­macht. Ich habe nie die Leu­te ver­stan­den, die aus der Kir­che aus­tre­ten wegen der Kir­chen­steu­er. Jetzt, wo ich seit eini­ger Zeit kei­ne Kir­chen­steu­er mehr zah­len brau­che, bin ich aus der Kör­per­schaft aus­ge­tre­ten, weil ich mei­nen Namen nicht beschmut­zen will mit der gegen Gott und sei­ne Gebo­te gerich­te­ten Poli­tik einer Kir­che, die einst­mals eine christ­li­che war.

    • Lie­ber Leo Lämm­lein,
      ich ver­ste­he Sie und Ihre Erleich­te­rung dar­über, sich von etwas befreit zu haben, was Sie nur noch als Bela­stung emp­fun­den haben, sehr gut.
      Den­noch, es gibt mir einen Stich, nein — es tut rich­tig weh, wenn ich ehr­lich bin.
      „Wie­der einer weni­ger, der die Kir­che tra­gen könn­te!“
      „Bau mei­ne Kir­che wie­der auf!“ hör­te der Poverel­lo aus Assi­si Gott sagen.
      Und der Inha­ber des Papst­thro­nes mit glei­chem Namen — müs­sen wir fürch­ten, dass die­ser die Kir­che „abbaut?
      Was wäre das für eine schreck­li­che Iro­nie, falls es so sein soll­te?

      Sie sind gegan­gen! Muss das Häuf­lein immer klei­ner wer­den?
      Manch­mal füh­le ich mich so ver­las­sen. Dies soll jetzt bit­te nicht weh­lei­dig und nach Mit­leid hei­schend klin­gen.
      Und ich möch­te Ihnen auch kein schlech­tes Gewis­sen machen, denn ich ver­ste­he Sie ja auch!
      Ich kann nur hof­fen, dass noch gerin­ge­re Mit­glie­der­zah­len die Bischö­fe zum Nach­den­ken und anschlie­ßen­dem Han­deln zwin­gen.
      Wie der Alko­ho­li­ker, der häu­fig erst dann etwas unter­nimmt, wenn er end­gül­tig am Boden liegt.
      Ich wün­sche Ihnen viel Gutes auf Ihrem wei­te­ren Glau­bens­weg!
      ,

      • Lie­be Mari­en­zweig,
        „Erleich­te­rung“ war nicht das Gefühl, das ich hat­te, als ich am Herz-Jesu-Hoch­fest die Aus­tritts-Pro­ze­dur erle­dig­te. Zuerst die rich­ti­ge Abtei­lung im Amts­ge­richt einer tra­di­tio­nell katho­li­schen Kreis­stadt fin­den, dann die Ange­stell­te abwar­ten, die irgend­wo unter­wegs war, dann mit einem Zet­tel über die Stra­ße den Hügel hin­auf in ein ande­res Gebäu­de gehen, durch die Schleu­se mit dem Metall­de­tek­tor hin­durch, zur Gerichts­kas­se, wo die Ange­stell­te zuerst mei­nen Namen falsch schrieb (nicht weil er so schwie­rig ist, son­dern weil sie mein­te, mei­nen Namen bes­ser zu ken­nen als ich und ihn kor­ri­gie­ren zu müs­sen), dann zurück ins erste Gebäu­de, auf die Ange­stell­te war­ten, die wie­der unter­wegs war. (Ihre ande­re Zustän­dig­keit außer für Kir­chen­aus­trit­te war übri­gens für Insol­venz­fäl­le.) Wäh­rend ich das For­mu­lar aus­füll­te, frag­te ich sie: Sind Sie Chri­stin? Sie woll­te dar­auf nicht ant­wor­ten. Ich sag­te: Wenn Sie Chri­stin sind, dann ste­hen Sie doch dazu. Sie ant­wor­te­te: Sie sind es doch, der aus der Kir­che aus­tritt, nicht ich. (Sie war katho­lisch.) Ich sag­te: Ich bin Christ, und des­halb tre­te ich heu­te aus die­ser öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaft aus. Das schrieb ich auch auf das Aus­tritts­for­mu­lar dazu, dass ich aus der Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, aber nicht aus dem Leib Chri­sti aus­tre­te. Das war ihr unan­ge­nehm. Sie sag­te, ich brau­che nichts dazu­schrei­ben, das zäh­le sowie­so nicht. Ich sag­te, dann kann es ja auch nicht scha­den, wenn ich es dazu­schrei­be. Als ich ging, sag­te ich: Ich möch­te Ihnen noch etwas schen­ken, und über­reich­te ihr eine Bro­schü­re, „Lebens­ent­schei­dend“ von John Blan­chard. Sie war über­rascht und nahm sie dan­kend an. — Als ich wie­der drau­ßen auf der Stra­ße war und über mei­ne neue Situa­ti­on nach­dach­te, war mir klar, dass ich jetzt so etwas wie ein Aso­zia­ler war. Da drü­ben stand die goti­sche Stifts­kir­che, so groß und stark mit ihrem Dop­pel­turm und lan­gen Schiff, wo ich schon gebe­tet hat­te, alles dar­in ordent­lich und sau­ber, wohl­erhal­ten und gepflegt, wie das gan­ze auf fast 2000 Jah­re zurück­schau­en­de System der Kir­che mit ihren Ordi­na­ria­ten und Pfarr­äm­tern, Ver­bän­den und Orga­ni­sa­tio­nen, das ich seit mei­ner Kind­heit kann­te, als Mess­die­ner in der Pfar­rei und bei mei­nem Reli­gi­ons­leh­rer, spä­ter als Kom­mu­ni­on­hel­fer und Mit­glied geist­li­cher Gemein­schaf­ten, eine Zeit­lang sogar beruf­lich. Noch vor andert­halb Jah­ren wur­de ich Tauf­pa­te eines Mos­lems, der Katho­lik wur­de. Und jetzt war ich drau­ßen. Wenn ich mor­gen ster­ben wür­de, hät­te ich nie­mand, der mir ein kirch­li­ches Begräb­nis geben wür­de. Da war kein Gefühl der Erleich­te­rung. Im sel­ben Moment wur­de mir bewusst, dass ich jetzt nur Gott hat­te, auf den ich mich ver­ließ, und ich spür­te die Nähe unse­res Herrn Jesus Chri­stus, der als Aus­ge­sto­ße­ner nicht in der hei­li­gen Stadt, son­dern außer­halb, vor ihren Toren gestor­ben ist, ver­ur­teilt und ver­wor­fen vom reli­giö­sen Estab­lish­ment. Viel­leicht kommt Ihnen das ver­mes­sen vor, aber das war es, was ich emp­fand.

    • Sehr geehr­ter Herr Lämm­lein,
      aber ist es nicht so, dass man durch einen Kir­chen­aus­tritt auch den glau­bens- und Chri­stu­streu­en Die­nern Got­tes sei­ne Unter­stüt­zung ent­zieht? Ich war selbst über ca. 10 Jah­re aus­ge­tre­ten, weil mich die Kir­che nicht erreicht, aber auch nicht son­der­lich inter­es­siert hat. Und als ich dann (ich möch­te sagen, durch die Mitt­le­rin aller Gna­den unse­rer Mut­ter Got­tes) doch noch auf den rich­ti­gen Weg gekom­men bin, hat es mich nicht mehr los­ge­las­sen. Und des­halb bin ich vor vie­len Jah­ren — dies­mal aus Über­zeu­gung — wie­der Kir­chen­mit­glied gewor­den. Wer die Insti­tu­ti­on Kir­che haben will — die ja trotz allem auch viel Gutes bewirkt — soll­te sich auch über­le­gen, die­se zu unter­stüt­zen. Ggf. könn­te man dabei ja gezielt an bestimm­te Prie­ster den­ken (und müss­te dafür auch nicht „Mit­glied“ sein).

      Zumin­dest ist das mei­ne jet­zi­ge Mei­nung. Wie das mit der Kir­chen­steu­er wei­ter­ge­hen soll, wenn es tat­säch­lich zu einem Schis­ma (näch­ste Fami­li­en­syn­ode) kommt, ist die gro­ße Fra­ge. Dann wird man sich ganz bestimmt genau über­le­gen müs­sen, wenn man noch unter­stüt­zen kann. Die Abtrün­ni­gen jeden­falls nicht mehr.

      • Nicht wahr, @smily-xy, wir lie­ben doch die Kir­che und kön­nen des­halb nicht aus­tre­ten.
        Wenn auch die Glie­der des mysti­schen Leibs Chri­sti sehr krank sein mögen, ER ist es nicht.
        Sie haben den Weg zurück­ge­fun­den, wie auch ich.
        Was man gefun­den hat, wirft man nicht so ein­fach weg.
        Lei­der hat @Leo Lämm­lein anders ent­schie­den!
        Er hat wohl kei­ne ande­re Mög­lich­keit gese­hen, mit der jet­zi­gen Situa­ti­on umzu­ge­hen.

  5. Der Medi­en­spre­cher des Bis­tums Chur — Giu­sep­pe Gar­cia — über die Pflich­ten eines Bischofs:
    -
    „Die öffent­li­che Mei­nung spiel­te hier kei­ne Rol­le.
    Ein Bischof rich­tet sei­ne Ent­schei­dun­gen 
    nicht 
    nach «öffent­li­chen Druck­ver­su­chen» 
    oder der «Mei­nung wech­seln­der Mehr­hei­ten», 
    son­dern
    nach der Leh­re der Kir­che. 
    Ein Bischof ist kein Poli­ti­ker, die Kir­chekei­ne Par­tei, 
    die ihr Pro­gramm nach Mehr­heits­stim­mun­gen aus­rich­tet.
    Bischö­fe emp­fan­gen die Ori­en­tie­rung bei ihrem Han­deln nicht vom Volk.
    Sie sind Hir­ten, 
    die sich zum Heil der See­len an der Leh­re der Kir­che ori­en­tie­ren.
    Die Kir­che ist aber kei­ne Demo­kra­tie.
    In der Kir­che geht alles von Chri­stus aus, des­we­gen ist sie hier­ar­chisch.“
    -

  6. War­um die Leu­te aus­tre­ten?
    Weil sie mit der Kir­che nichts mehr ver­bin­det — mit „der Kir­che“, bes­ser: „die­ser“ Kir­che.
    Das mag völ­lig unter­schied­li­che Hin­ter­grün­de haben — die einen gehen weg, weil „die Kir­che“ nicht mehr die wah­re Kir­che ist. Ande­re gehen weg, weil sie die wah­re Kir­che nicht mögen und Reste davon in „der Kir­che“ doch noch ver­mu­ten, man­che viel­leicht sogar ins­ge­heim hof­fend, im Kampf gegen sie von ihr besiegt zu wer­den…
    Aber die­se Kir­che ringt nicht mehr um ihre Kin­der. Sie ver­wei­gert das schmerz­haf­te Gebä­ren für Mut­ter und Kind.
    Es genügt also nicht, die­ser Kurs, der sich die Kin­der am lieb­sten mit Kai­ser­schnitt hol­len las­sen will oder sie gleich abtreibt…

    Unter Bene­dikt gab es in Deutsch­land auch (Wieder-)Eintrittswellen.

    Ins­ge­heim seh­nen sich die Leu­te nach einem Papst, der selbst zurück­setzt und Chri­stus sicht­bar wer­den lässt. Sie wol­len aber auch kei­nen auto­ri­tä­ren Macho, der meint, er müs­se nun Raz­zia machen (das ging schon bei Pius X. gewal­tig in die Hose) und das Übel mit der Wur­zel aus­rei­ßen.

    Das Übel, so sag­te es Leo XIII. am Ende sei­nes Lebens, kann man in die­ser Welt nicht aus­rei­ßen — man reißt alles Gute gleich mit her­aus. Die Welt bleibt immer die glei­che.

    Was riet Leo XIII.?
    Er riet zu Hoch­her­zig­keit, Groß­mü­tig­keit und Dis­zi­plin.

    Das wür­de genü­gen, und Bene­dikt hat­te sich des­sen noch nicht ganz ent­äu­ßert. Er ver­kör­per­te es, kann man viel­leicht sagen, seit Pius XII. zum ersten mal ein klein wenig wie­der! Dar­um lieb­ten ihn vie­le und sahen über sei­ne theo­lo­gi­sche Dis­zi­plin­lo­sig­keit hin­weg — und die hat er, es ist tau­sen­mal auf­ge­zeigt wor­den.

    Hoch­her­zig­keit, Groß­mut, Dis­zi­plin (in der Leh­re).

    Das fehlt immer mehr, und des­we­gen tre­ten sie aus, im Grun­de die einen wie die ande­ren, und sei­en sie noch so gegen­sätz­lich…

  7. Lie­ber Leo Lämm­lein,
    mir geht es wie den „Vor­red­nern“. Ich kann Ihren Schritt ange­sichts der heu­ti­gen Dar­stel­lung der Kir­che ratio­nal nach­voll­zie­hen, mag ihm aber emo­tio­nal nicht fol­gen. Nein es fehlt mir per­sön­lich nicht an Mut zu die­sem Schritt, aber ich glau­be immer noch zutiefst an die Wahr­heit der mir gelehr­ten und von mir als wahr erkann­ten christ­li­chen Leh­re. Die­ser Glau­be ver­bie­tet mir den juri­sti­schen Aus­tritt aus der Kir­che, als dem cor­pus Chri­sti mysti­cum. Wir erle­ben heu­te die kir­chen­ge­schicht­li­che Situa­ti­on, die Chri­stus selbst beschrie­ben hat als er sag­te, glaubt Ihr, dass der Men­schen­sohn noch Glau­ben vor­fin­det, wenn er wie­der­kommt? So ist das Ende der Kir­che auf Erden beschrie­ben und neben­bei gesagt: Die Kir­che Jesu Chri­sti ist die Ein­zi­ge Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die ein sol­ches tra­gi­sches Schick­sal in ihren Schrif­ten vor­aus­ge­sagt hat. Unter die­sen Prä­mis­sen gehe ich nicht von Bord, obgleich ich mas­siv zwei­fe­le, ob der heu­ti­ge Papst noch ein Lehr­amt- im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes — betreibt, ob sei­ne Leh­ren im Ver­gleich zu den über­lie­fer­ten Leh­ren und Dog­men der Kir­che nicht hae­re­tisch sind und ob der größ­te Teil des deut­schen Epi­sko­pa­tes noch auf dem Boden der Glau­bens­leh­re steht. Die erkenn­ba­re Ver­wir­rung ist über­groß. Aber wir alle, die wir glau­ben, wis­sen, wer dafür ver­ant­wort­lich ist.
    Lie­ber Leo Lämm­lein, Sie soll­ten über­le­gen, ob Ihr Schritt nicht vor­schnell war.
    Got­tes Segen
    Ihr Die­ter Fasen

    • Aus­tre­ten — und wohin denn dann gehen?
      Nicht nur, dass Jesus frag­te, ob Er noch Glau­ben fin­den wür­de, wenn Er wie­der­kommt.
      Er frag­te auch schon bei ande­rer Gele­gen­heit sei­ne Jün­ger und Gefähr­ten: „Wollt auch Ihr gehen?“
      Gilt die­se Fra­ge nicht auch uns?
      Petrus ant­wor­tet sei­nem Herrn auf die ein­zig rich­ti­ge Wei­se: „Zu wem soll­ten wir gehen, Du hast Wor­te des ewi­gen Lebens.“ (aus dem Gedächt­nis zitiert)
      Es soll­te auch unse­re Ant­wort auf Jesu Fra­ge sein!
      Da mein Ver­trau­en zu Papst Fran­zis­kus gänz­lich ver­schwun­den ist, muss ich mei­nen Glau­bens­weg halt ohne ihn gehen.
      Es gibt sie ja noch, die guten Prie­ster.
      Sie nicht zu ent­mu­ti­gen durch unse­ren Weg­gang könn­te auch ein Teil unse­rer Auf­ga­be sein.

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