„Laudato Si“ — Öko-Enzyklika als „aktuelle Fortschreibung der katholischen Soziallehre“

Öko-Enzyklika von Papst Franziskus
„Lau­da­to Si“, die Öko-Enzy­kli­ka von Papst Franziskus

(Rom) Der Hei­li­ge Stuhl ver­öf­fent­lich­te am heu­ti­gen Vor­mit­tag die Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to Si von Papst Fran­zis­kus. Die „Super-Enzy­kli­ka“, so Rora­te Cae­li, stel­le das Kon­zept einer „inte­gra­len Öko­lo­gie“ in den Mit­tel­punkt, wie Kar­di­nal Peter Turk­son, der Vor­sit­zen­de des Päpst­li­chen Rats Ius­ti­tia et Pax bei der Vor­stel­lung sag­te. Dabei hand­le es sich um ein „Para­dig­ma, das imstan­de ist, die fun­da­men­ta­len Bezie­hun­gen der Per­son mit Gott, mit sich selbst, mit den ande­ren mensch­li­chen Wesen und mit der gan­zen Schöp­fung aus­zu­drücken“, so der Kar­di­nal. Ein erster Blick in das Dokument.

Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ sag­te, die Enzy­kli­ka sei „auf neue Wei­se vor­be­rei­tet“ wor­den. Seit einem Monat habe der Papst mit­tels E‑Mail ver­schie­de­ne Tei­le des Tex­tes in unter­schied­li­chen Pha­sen der Tex­ter­stel­lung Bischö­fen in der gan­zen Welt zuge­schickt und deren Mei­nung ein­ge­holt. Wie der Vati­kan­spre­cher am Ran­de bestä­tig­te, sei bis zuletzt am Text gefeilt worden.

Die Enzy­kli­ka besteht aus 246 Para­gra­phen und sieht sich als „Aktua­li­sie­rung“ der katho­li­schen Sozi­al­leh­re, so Kar­di­nal Turk­son. Der Papst rich­tet sich dar­in „an jede Per­son, die die­sen Pla­ne­ten bewohnt“. Der voll­stän­di­ge Text der Enzy­kli­ka auf der Sei­te des Hei­li­gen Stuhls.

Die Enzy­kli­ka beginnt im zwei­ten Absatz mit den Worten:

Wir sind in dem Gedan­ken auf­ge­wach­sen, dass wir ihre Eigen­tü­mer und Herr­scher sei­en, berech­tigt, sie aus­zu­plün­dern. Die Gewalt des von der Sün­de ver­letz­ten mensch­li­chen Her­zens wird auch in den Krank­heits­sym­pto­men deut­lich, die wir im Boden, im Was­ser, in der Luft und in den Lebe­we­sen bemer­ken. Dar­um befin­det sich unter den am mei­sten ver­wahr­lo­sten und miss­han­del­ten Armen die­se unse­re unter­drück­te und ver­wü­ste­te Erde, die „seufzt und in Geburts­we­hen liegt“ (Röm 8,22). Wir ver­ges­sen, dass wir sel­ber Erde sind (vgl. Gen 2,7). Unser eige­ner Kör­per ist aus den Ele­men­ten des Pla­ne­ten gebil­det; sei­ne Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Was­ser belebt und erquickt uns.

Unter Nr. 23 wird die men­schen­ge­mach­te Erd­er­wär­mungs­theo­rie übernommen:

Das Kli­ma ist ein gemein­schaft­li­ches Gut von allen und für alle. Es ist auf glo­ba­ler Ebe­ne ein kom­pli­zier­tes System, das mit vie­len wesent­li­chen Bedin­gun­gen für das mensch­li­che Leben ver­bun­den ist. Es besteht eine sehr star­ke wis­sen­schaft­li­che Über­ein­stim­mung dar­über, dass wir uns in einer besorg­nis­er­re­gen­den Erwär­mung des Kli­ma­sy­stems befin­den. In den letz­ten Jahr­zehn­ten war die­se Erwär­mung von dem stän­di­gen Anstieg des Mee­res­spie­gels beglei­tet, und außer­dem dürf­te es schwie­rig sein, sie nicht mit der Zunah­me extre­mer meteo­ro­lo­gi­scher Ereig­nis­se in Ver­bin­dung zu brin­gen, abge­se­hen davon, dass man nicht jedem beson­de­ren Phä­no­men eine wis­sen­schaft­lich bestimm­ba­re Ursa­che zuschrei­ben kann.

Dazu Nr. 24:

Die Erwär­mung beein­flusst ihrer­seits den Koh­len­stoff­kreis­lauf. Dadurch ent­steht ein Teu­fels­kreis, der die Situa­ti­on wei­ter ver­schärft und der die Ver­füg­bar­keit uner­läss­li­cher Res­sour­cen wie das Trink­was­ser, die Ener­gie und die Agrar­pro­duk­ti­on in den hei­ße­sten Zonen beein­träch­ti­gen und das Aus­ster­ben eines Teils der bio­lo­gi­schen Viel­falt des Pla­ne­ten ver­ur­sa­chen wird. Durch das Schmel­zen des Polar­ei­ses und der Hoch­ge­birgs­flä­chen droht eine sehr gefähr­li­che Frei­set­zung von Methan­gas, und die Ver­we­sung der tief­ge­fro­re­nen orga­ni­schen Stof­fe könn­te die Aus­strö­mung von Koh­len­di­oxid noch wei­ter erhöhen.

Nr. 25 bringt die Migra­ti­ons­wel­len in die west­li­chen Län­der mit der Erd­er­wär­mung in Zusam­men­hang und weist sie damit als natur­ge­ge­ben aus, obwohl die Her­kunfts­län­der vie­ler Ein­wan­de­rer wesent­lich frucht­ba­rer und rei­cher an Boden­schät­zen sind, als bei­spiels­wei­se die mei­sten euro­päi­schen Länder:

Der Kli­ma­wan­del ist ein glo­ba­les Pro­blem mit schwer­wie­gen­den Umwelt-Aspek­ten und ern­sten sozia­len, wirt­schaft­li­chen, dis­tri­bu­ti­ven und poli­ti­schen Dimen­sio­nen; sie stellt eine der wich­tig­sten aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen an die Mensch­heit dar. Die schlimm­sten Aus­wir­kun­gen wer­den wahr­schein­lich in den näch­sten Jahr­zehn­ten auf die Ent­wick­lungs­län­der zukom­men. Vie­le Arme leben in Gebie­ten, die beson­ders von Phä­no­me­nen heim­ge­sucht wer­den, die mit der Erwär­mung ver­bun­den sind, und die Mit­tel für ihren Lebens­un­ter­halt hän­gen stark von den natür­li­chen Reser­ven und den öko­sy­ste­mi­schen Betrie­ben wie Land­wirt­schaft, Fisch­fang und Wald­be­stand ab. Sie betrei­ben kei­ne ande­ren Finanz­ak­ti­vi­tä­ten und besit­zen kei­ne ande­ren Res­sour­cen, die ihnen erlau­ben, sich den Kli­ma­ein­flüs­sen anzu­pas­sen oder Kata­stro­phen die Stirn zu bie­ten, und sie haben kaum Zugang zu Sozi­al­dien­sten und Ver­si­che­rung. So ver­ur­sa­chen die kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen zum Bei­spiel Migra­tio­nen von Tie­ren und Pflan­zen, die sich nicht immer anpas­sen kön­nen, und das schä­digt wie­der­um die Pro­duk­ti­ons­quel­len der Ärm­sten, die sich eben­falls genö­tigt sehen abzu­wan­dern, mit gro­ßer Unge­wiss­heit im Hin­blick auf ihre Zukunft und die ihrer Kin­der. Tra­gisch ist die Zunah­me der Migran­ten, die vor dem Elend flüch­ten, das durch die Umwelt­zer­stö­rung immer schlim­mer wird, und die in den inter­na­tio­na­len Abkom­men nicht als Flücht­lin­ge aner­kannt wer­den; sie tra­gen die Last ihres Lebens in Ver­las­sen­heit und ohne jeden gesetz­li­chen Schutz. Lei­der herrscht eine all­ge­mei­ne Gleich­gül­tig­keit gegen­über die­sen Tra­gö­di­en, die sich gera­de jetzt in bestimm­ten Tei­len der Welt zutra­gen. Der Man­gel an Reak­tio­nen ange­sichts die­ser Dra­men unse­rer Brü­der und Schwe­stern ist ein Zei­chen für den Ver­lust jenes Ver­ant­wor­tungs­ge­fühls für unse­re Mit­men­schen, auf das sich jede zivi­le Gesell­schaft gründet.

Nr. 26 ver­leiht der Kli­ma-Agen­da ein mora­li­sches Güte­sie­gel, wenn es heißt:

Dar­um ist es drin­gend gebo­ten, poli­ti­sche Pro­gram­me zu ent­wickeln, um in den kom­men­den Jah­ren den Aus­stoß von Koh­len­di­oxid und ande­ren stark ver­un­rei­ni­gen­den Gasen dra­stisch zu redu­zie­ren, zum Bei­spiel indem man die Ver­bren­nung von fos­si­lem Kraft­stoff ersetzt und Quel­len erneu­er­ba­rer Ener­gie entwickelt.

Zu Lebens­recht und „repro­duk­ti­ver Gesund­heit“ heißt es unter Nr. 50:

Anstatt die Pro­ble­me der Armen zu lösen und an eine ande­re Welt zu den­ken, haben eini­ge nichts ande­res vor­zu­schla­gen als eine Redu­zie­rung der Gebur­ten­ra­te. Es fehlt nicht an inter­na­tio­na­lem Druck auf die Ent­wick­lungs­län­der, indem wirt­schaft­li­che Hil­fen von gewis­sen poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen zugun­sten der „Fort­pflan­zungs­ge­sund­heit“ abhän­gig gemacht wer­den. Doch „wenn es zutrifft, dass die unglei­che Ver­tei­lung der Bevöl­ke­rung und der ver­füg­ba­ren Res­sour­cen die Ent­wick­lung und den ver­tret­ba­ren Umgang mit der Umwelt behin­dern, muss auch aner­kannt wer­den, dass eine wach­sen­de Bevöl­ke­rung mit einer umfas­sen­den und soli­da­ri­schen Ent­wick­lung voll und ganz zu ver­ein­ba­ren ist“. Die Schuld dem Bevöl­ke­rungs­zu­wachs und nicht dem extre­men und selek­ti­ven Kon­sum­ver­hal­ten eini­ger anzu­la­sten, ist eine Art, sich den Pro­ble­men nicht zu stel­len. Es ist der Ver­such, auf die­se Wei­se das gegen­wär­ti­ge Modell der Ver­tei­lung zu legi­ti­mie­ren, in dem eine Min­der­heit sich für berech­tigt hält, in einem Ver­hält­nis zu kon­su­mie­ren, das unmög­lich ver­all­ge­mei­nert wer­den könn­te, denn der Pla­net wäre nicht ein­mal imstan­de, die Abfäl­le eines sol­chen Kon­sums zu fas­sen. Außer­dem wis­sen wir, dass etwa ein Drit­tel der pro­du­zier­ten Lebens­mit­tel ver­schwen­det wird, und dass „Nah­rung, die weg­ge­wor­fen wird, gleich­sam vom Tisch des Armen […] geraubt wird“. Auf jeden Fall steht fest, dass das Ungleich­ge­wicht in der Ver­tei­lung der Bevöl­ke­rung über das Ter­ri­to­ri­um sowohl auf natio­na­ler als auch auf glo­ba­ler Ebe­ne beach­tet wer­den muss, denn der Anstieg des Kon­sums wür­de zu kom­ple­xen regio­na­len Situa­tio­nen füh­ren wegen der Kom­bi­na­ti­on von Pro­ble­men, die unter ande­rem mit der Umwelt­ver­schmut­zung, dem Ver­kehrs­we­sen, der Hand­ha­bung der Abfäl­le, dem Ver­lust der Res­sour­cen und der Lebens­qua­li­tät ver­bun­den sind.

Unter Nr. 120 heißt es zur Abtreibung:

Da alles in Bezie­hung steht, ist die Ver­tei­di­gung der Natur auch nicht mit der Recht­fer­ti­gung der Abtrei­bung ver­ein­bar. Ein erzie­he­ri­scher Weg, die Schwa­chen anzu­neh­men, die uns umge­ben und die uns manch­mal lästig oder unge­le­gen sind, scheint nicht mach­bar, wenn man nicht einen mensch­li­chen Embryo schützt, selbst wenn sei­ne Geburt Grund für Unan­nehm­lich­kei­ten und Schwie­rig­kei­ten sein soll­te: „Wenn der per­sön­li­che und gesell­schaft­li­che Sinn für die Annah­me eines neu­en Lebens ver­lo­ren­geht, ver­dor­ren auch ande­re, für das gesell­schaft­li­che Leben hilf­rei­che For­men der Annahme.

Nr. 155 ver­tei­digt der Papst die natür­li­che Unter­schei­dung der Geschlech­ter in Mann und Frau:

Die Human­öko­lo­gie beinhal­tet auch einen sehr tief­grün­di­gen Aspekt: die not­wen­di­ge Bezie­hung des Lebens des Men­schen zu dem mora­li­schen Gesetz, das in sei­ne eige­ne Natur ein­ge­schrie­ben ist. Die­se Bezie­hung ist uner­läss­lich, um eine wür­di­ge­re Umge­bung gestal­ten zu kön­nen. Papst Bene­dikt XVI. sag­te, dass es eine „Öko­lo­gie des Men­schen“ gibt, denn „auch der Mensch hat eine Natur, die er ach­ten muss und die er nicht belie­big mani­pu­lie­ren kann“. Auf die­ser Linie muss man aner­ken­nen, dass unser Kör­per uns in eine direk­te Bezie­hung zu der Umwelt und den ande­ren Lebe­we­sen stellt. Das Akzep­tie­ren des eige­nen Kör­pers als Gabe Got­tes ist not­wen­dig, um die gan­ze Welt als Geschenk des himm­li­schen Vaters und als gemein­sa­mes Haus zu emp­fan­gen und zu akzep­tie­ren, wäh­rend eine Logik der Herr­schaft über den eige­nen Kör­per sich in eine manch­mal sub­ti­le Logik der Herr­schaft über die Schöp­fung ver­wan­delt. Zu ler­nen, den eige­nen Kör­per anzu­neh­men, ihn zu pfle­gen und sei­ne viel­schich­ti­ge Bedeu­tung zu respek­tie­ren, ist für eine wahr­haf­ti­ge Human­öko­lo­gie wesent­lich. Eben­so ist die Wert­schät­zung des eige­nen Kör­pers in sei­ner Weib­lich­keit oder Männ­lich­keit not­wen­dig, um in der Begeg­nung mit dem ande­ren Geschlecht sich selbst zu erken­nen. Auf die­se Wei­se ist es mög­lich, freu­dig die beson­de­re Gabe des ande­ren oder der ande­ren als Werk Got­tes des Schöp­fers anzu­neh­men und sich gegen­sei­tig zu berei­chern. Eben des­we­gen ist die Ein­stel­lung des­sen nicht gesund, der den Anspruch erhebt, „den Unter­schied zwi­schen den Geschlech­tern aus­zu­lö­schen, weil er sich nicht mehr damit aus­ein­an­der­zu­set­zen versteht“.

Unter Nr. 136 greift Papst Fran­zis­kus die Grün-Bewe­gung an, die sich zwar für Umwelt­schutz ein­set­ze, aber gleich­zei­tig Expe­ri­men­te an mensch­li­chen Embryo­nen zulassen:

Ande­rer­seits ist es besorg­nis­er­re­gend, dass eini­ge öko­lo­gi­sche Bewe­gun­gen, wenn sie die Unver­sehrt­heit der Umwelt ver­tei­di­gen und zu Recht gewis­se Gren­zen für die wis­sen­schaft­li­che For­schung for­dern, bis­wei­len die­sel­ben Prin­zi­pi­en nicht für das mensch­li­che Leben anwen­den. Für gewöhn­lich wird das Über­schrei­ten aller Gren­zen gerecht­fer­tigt, wenn mit leben­den mensch­li­chen Embryo­nen Expe­ri­men­te durch­ge­führt wer­den. Man ver­gisst, dass der unver­äu­ßer­li­che Wert eines Men­schen jen­seits sei­ner Ent­wick­lungs­stu­fe liegt. Auf die glei­che Wei­se wird die Tech­nik, wenn sie die gro­ßen ethi­schen Prin­zi­pi­en ver­leug­net, schließ­lich jeg­li­che Pra­xis für legi­tim hal­ten. Wie wir in die­sem Kapi­tel gese­hen haben, wird eine von der Ethik abge­kop­pel­te Tech­nik schwer­lich in der Lage sein, ihre Macht selbst zu beschränken.

Kapi­ta­lis­mus­kri­tisch äußert sich Papst Fran­zis­kus gegen Aus­wüch­se der Welt­herr­schaft des Gel­des unter Nr. 109:

Das tech­no­kra­ti­sche Para­dig­ma ten­diert auch dazu, die Wirt­schaft und die Poli­tik zu beherr­schen. Die Wirt­schaft nimmt jede tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung im Hin­blick auf den Ertrag an, ohne auf mög­li­che nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen für den Men­schen zu ach­ten. Die Finan­zen ersticken die Real­wirt­schaft. Man hat die Lek­tio­nen der welt­wei­ten Finanz­kri­se nicht gelernt, und nur sehr lang­sam lernt man die Lek­tio­nen der Umwelt­schä­di­gung. In man­chen Krei­sen meint man, dass die jet­zi­ge Wirt­schaft und die Tech­no­lo­gie alle Umwelt­pro­ble­me lösen wer­den, eben­so wie man in nicht aka­de­mi­scher Aus­drucks­wei­se behaup­tet, dass die Pro­ble­me des Hun­gers und das Elend in der Welt sich ein­fach mit dem Wachs­tum des Mark­tes lösen wer­den. Es han­delt sich nicht um eine Fra­ge von Wirt­schafts­theo­rien, die viel­leicht heu­te kei­ner zu ver­tei­di­gen wagt, son­dern um deren Ein­bin­dung in die tat­säch­li­che Ent­wick­lung der Wirt­schaft. Auch wer sie zwar nicht in Wor­te fasst, unter­stützt sie aber doch mit sei­nen Taten, wenn ein rech­tes Aus­maß der Pro­duk­ti­on, eine bes­se­re Ver­tei­lung des Reich­tums, ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Umgang mit der Natur oder die Rech­te der zukünf­ti­gen Genera­tio­nen ihn nicht zu küm­mern schei­nen. Mit sei­nem Ver­hal­ten bringt er zum Aus­druck, dass für ihn das Ziel der Gewinn­ma­xi­mie­rung aus­reicht. Der Markt von sich aus gewähr­lei­stet aber nicht die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung des Men­schen und die sozia­le Inklu­si­on. Unter­des­sen ver­zeich­nen wir „eine Art ver­schwen­de­ri­sche und kon­sum­ori­en­tier­te Über­ent­wick­lung, die in unan­nehm­ba­rem Kon­trast zu anhal­ten­den Situa­tio­nen ent­mensch­li­chen­den Elends steht“, und es wer­den nicht schnell genug wirt­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen und sozia­le Pro­gram­me erar­bei­tet, die den Ärm­sten einen regu­lä­ren Zugang zu den Grund­res­sour­cen ermög­li­chen. Man wird nie genug dar­auf hin­wei­sen kön­nen, wel­ches die tief­sten Wur­zeln des gegen­wär­ti­gen Ungleich­ge­wichts sind, die mit der Aus­rich­tung, den Zie­len, dem Sinn und dem sozia­len Kon­text des tech­no­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Wachs­tums zu tun haben.

Unter Nr. 206 nennt der Papst den Boy­kott von Pro­duk­ten als geeig­ne­tes Mit­tel, Fir­men zu Ver­hal­ten­än­de­run­gen anzuhalten:

Eine Ände­rung der Lebens­sti­le könn­te dazu füh­ren, einen heil­sa­men Druck auf die­je­ni­gen aus­zu­üben, die poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und sozia­le Macht besit­zen. Das ist es, was die Ver­brau­cher­be­we­gun­gen errei­chen, die durch den Boy­kott gewis­ser Pro­duk­te auf das Ver­hal­ten der Unter­neh­men ändernd ein­wir­ken und sie zwin­gen, die Umwelt­be­la­stung und die Pro­duk­ti­ons­mu­ster zu über­den­ken. Es ist eine Tat­sa­che, dass die Unter­neh­men, wenn die Gewohn­hei­ten der Gesell­schaft ihre Ren­di­te gefähr­den, sich genö­tigt sehen, ihre Pro­duk­ti­ons­wei­se zu ändern. Das erin­nert uns an die sozia­le Ver­ant­wor­tung der Ver­brau­cher. „Das Kau­fen [ist] nicht nur ein wirt­schaft­li­cher Akt, son­dern immer auch eine mora­li­sche Hand­lung.“ Daher ruft heu­te „das The­ma der Umwelt­ver­schmut­zung das Ver­hal­ten eines jeden von uns […] zur Rechenschaft.“

Unter Nr. 207 gibt der Papst ein Bekennt­nis zur „Erd-Char­ta“ ab:

Die Erd-Char­ta lud uns alle ein, eine Zeit der Selbst­zer­stö­rung hin­ter uns zu las­sen und neu anzu­fan­gen, doch wir haben noch kein uni­ver­sa­les Bewusst­sein ent­wickelt, das dies mög­lich macht. Des­halb wage ich, jene wert­vol­le Her­aus­for­de­rung erneut vor­zu­brin­gen: „Wie nie zuvor in der Geschich­te der Mensch­heit for­dert uns unser gemein­sa­mes Schick­sal dazu auf, einen neu­en Anfang zu wagen […] Lasst uns unse­re Zeit so gestal­ten, dass man sich an sie erin­nern wird als eine Zeit, in der eine neue Ehr­furcht vor dem Leben erwach­te, als eine Zeit, in der nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ent­schlos­sen auf den Weg gebracht wur­de, als eine Zeit, in der das Stre­ben nach Gerech­tig­keit und Frie­den neu­en Auf­trieb bekam, und als eine Zeit der freu­di­gen Fei­er des Lebens.“

Nr. 236 spricht über die hei­li­ge Eucharsitie:

In der Eucha­ri­stie fin­det die Schöp­fung ihre größ­te Erhö­hung. Die Gna­de, die dazu neigt, sich spür­bar zu zei­gen, erreicht einen erstaun­li­chen Aus­druck, wenn der mensch­ge­wor­de­ne Gott selbst so weit geht, sich von sei­nem Geschöpf ver­zeh­ren zu las­sen. Auf dem Höhe­punkt des Geheim­nis­ses der Inkar­na­ti­on woll­te der Herr durch ein Stück­chen Mate­rie in unser Inner­stes gelan­gen. Nicht von oben her­ab, son­dern von innen her, damit wir ihm in unse­rer eige­nen Welt begeg­nen könn­ten. In der Eucha­ri­stie ist die Fül­le bereits ver­wirk­licht, und sie ist das Lebens­zen­trum des Uni­ver­sums, der über­quel­len­de Aus­gangs­punkt von Lie­be und uner­schöpf­li­chem Leben. Ver­eint mit dem in der Eucha­ri­stie gegen­wär­ti­gen inkar­nier­ten Sohn sagt der gesam­te Kos­mos Gott Dank. Tat­säch­lich ist die Eucha­ri­stie von sich aus ein Akt der kos­mi­schen Lie­be: „Ja, kos­misch! Denn auch dann, wenn man die Eucha­ri­stie auf dem klei­nen Altar einer Dorf­kir­che fei­ert, fei­ert man sie immer in einem gewis­sen Sinn auf dem Altar der Welt.“ Die Eucha­ri­stie ver­eint Him­mel und Erde, umfasst und durch­dringt die gesam­te Schöp­fung. Die Welt, die aus den Hän­den Got­tes her­vor­ging, kehrt zu ihm zurück in seli­ger und voll­kom­me­ner Anbe­tung: Im eucha­ri­sti­schen Brot „ist die Schöp­fung auf die Ver­gött­li­chung, auf die hei­li­ge Hoch­zeit, auf die Ver­ei­ni­gung mit dem Schöp­fer selbst aus­ge­rich­tet“. Dar­um ist die Eucha­ri­stie auch eine Quel­le des Lichts und der Moti­va­ti­on für unse­re Sor­gen um die Umwelt und rich­tet uns dar­auf aus, Hüter der gesam­ten Schöp­fung zu sein.

Unter Nr. 243 und 244 spricht der Papst über das ewi­ge Leben:

Am Ende wer­den wir der unend­li­chen Schön­heit Got­tes von Ange­sicht zu Ange­sicht begeg­nen (vgl. 1 Kor 13,12) und kön­nen mit seli­ger Bewun­de­rung das Geheim­nis des Uni­ver­sums ver­ste­hen, das mit uns an der Fül­le ohne Ende teil­ha­ben wird. Ja, wir sind unter­wegs zum Sab­bat der Ewig­keit, zum neu­en Jeru­sa­lem, zum gemein­sa­men Haus des Him­mels. Jesus sagt uns: „Ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Das ewi­ge Leben wird ein mit­ein­an­der erleb­tes Stau­nen sein, wo jedes Geschöpf in leuch­ten­der Ver­klä­rung sei­nen Platz ein­neh­men und etwas haben wird, um es den end­gül­tig befrei­ten Armen zu bringen.

Inzwi­schen ver­ei­ni­gen wir uns, um uns die­ses Hau­ses anzu­neh­men, das uns anver­traut wur­de, da wir wis­sen, dass all das Gute, das es dar­in gibt, einst in das himm­li­sche Fest auf­ge­nom­men wird. Gemein­sam mit allen Geschöp­fen gehen wir unse­ren Weg in die­ser Welt – auf der Suche nach Gott, denn „wenn die Welt einen Ursprung hat und erschaf­fen wor­den ist, dann suche nach dem, der sie erschaf­fen hat, suche nach dem, der ihr den Anfang gege­ben hat, nach dem, der ihr Schöp­fer ist!“ Gehen wir sin­gend vor­an! Mögen unse­re Kämp­fe und unse­re Sor­gen um die­sen Pla­ne­ten uns nicht die Freu­de und die Hoff­nung nehmen

Zusam­men­stel­lung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Vatican.va

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