Bischof Schneider: „Synodendokument eine wirkliche Schande — Ehre des Apostolischen Stuhls beschmutzt“

Bischof Athanasius Schneider
Bischof Atha­na­si­us Schneider

(Asta­na) Das fol­gen­de Inter­view über die Fami­li­en­syn­ode mit Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, Weih­bi­schof der Erz­diö­ze­se der Aller­hei­lig­sten Jung­frau Maria in Asta­na, Kasach­stan, erschien in der pol­ni­schen Zeit­schrift Polo­nia Chri­stia­na und wur­de bereits an ande­rer Stel­le (Gloria.tv, Arbeits­kreis für Katho­li­ken) ver­öf­fent­licht.
Wegen sei­ner Bedeu­tung und weil das Inter­view hoch­ak­tu­ell ist, wol­len wir es den­noch auch doku­men­tie­ren. Bischof Schnei­der nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn er vom vor­läu­fi­gen Schluß­do­ku­ment der Bischofs­syn­ode vom ver­gan­ge­nen Okto­ber als einer „wirk­li­chen Schan­de“ spricht, mit der der „Apo­sto­li­sche Stuhl beschmutzt“ wur­de. Eine unzwei­deu­ti­ge Kri­tik an Papst Fran­zis­kus. Kein Bischof des deut­schen Sprach­raums übte bis­her auch nur annäh­rend eine sol­che Kri­tik. Mehr noch: Es wur­de über­haupt kei­ne Kri­tik geübt an den Inhal­ten, der frag­wür­di­gen Regie und der dahin­ter­ste­hen­den Absicht. Wer Kri­tik äußert, tut es nur hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Ande­re schwei­gen mit Bauch­schmer­zen. Ein wei­te­rer Teil betei­ligt sich tat­kräf­tig an der Beschmutzung.

Der Ruß­land­deut­sche Atha­na­si­us Schnei­der ist ein Regu­lar­ka­no­ni­ker vom Hei­li­gen Kreuz (OCR), die sich selbst als Brü­der vom Hei­li­gen Kreuz bezeich­nen. 1990 zum Prie­ster geweiht, ernann­te ihn Papst Bene­dikt XVI. 2005 zum Syn­oda­len der Bischofs­syn­ode über die Eucha­ri­stie. 2006 folg­te mit der Ernen­nung zum Weih­bi­schof von Kara­gan­da die Bischofs­wei­he. Seit 2011 ist Msgr. Schnei­der Weih­bi­schof des Erz­bis­tums Asta­na. Er besitzt die Erlaub­nis, im sla­wisch-byzan­ti­ni­schen Ritus zu zele­brie­ren, ist Lit­ur­gie­be­auf­trag­ter der Rus­si­schen Bischofs­kon­fe­renz, zele­briert regel­mä­ßig in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus und ist ein gro­ßer För­de­rer der eucha­ri­sti­schen Anbe­tung und der knien­den Mundkommunion.

1. Fra­ge: Exzel­lenz, was ist Ihre Mei­nung zur jüng­sten Syn­ode über die Fami­lie? Was ist deren Bot­schaft für die Familie?

S.E.Athanasius Schnei­der: „Wäh­rend der Syn­ode gab es Augen­blicke offen­sicht­li­cher Mani­pu­la­ti­on sei­tens eini­ger Prä­la­ten, die Schlüs­sel­po­si­tio­nen in der Redak­ti­on und Lei­tung der Syn­ode ein­nah­men. Der Zwi­schen­be­richt (Rela­tio post dis­cept­atio­nem) war ein­deu­tig ein vor­ge­fer­tig­ter Text ohne Bezug zu den tat­säch­li­chen Aus­sa­gen der Syn­oden­vä­ter. In den Abschnit­ten über Homo­se­xua­li­tät, Sexua­li­tät und „wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne“ und deren Zulas­sung zu den Sakra­men­ten ver­trat der Text eine radi­ka­le, neu­heid­ni­sche Ideologie.
Das ist das erste Mal in der Kir­chen­ge­schich­te, dass ein sol­cher hete­ro­do­xer Text als Doku­ment einer offi­zi­el­len Ver­samm­lung katho­li­scher Bischö­fe unter der Lei­tung eines Pap­stes ver­öf­fent­licht wur­de, unbe­scha­det der Tat­sa­che dass der Text nur einen vor­läu­fi­gen Cha­rak­ter besaß. Dank sei Gott und den Gebe­ten der Gläu­bi­gen auf der gan­zen Welt, dass eine kon­si­sten­te Anzahl von Syn­oden­vä­tern die­se Agen­da ent­schlos­sen abge­lehnt hat, die den kor­rup­ten und heid­ni­schen Main­stream unse­rer Zeit wider­spie­gelt, der welt­weit durch poli­ti­schen Druck und durch die fast all­mäch­ti­gen offi­zi­el­len Mas­sen­me­di­en durch­ge­setzt wird, die den Prin­zi­pi­en der welt­wei­ten Gen­der-Ideo­lo­gie-Par­tei loy­al sind.
Ein sol­ches, wenn auch nur vor­läu­fi­ges Syn­oden­do­ku­ment ist eine wirk­li­che Schan­de und ein Hin­weis auf das Aus­maß, in dem der Geist der anti­christ­li­chen Welt in so wich­ti­ge Ebe­nen des Lebens der Kir­che ein­ge­drun­gen ist. Die­ses Doku­ment wird für künf­ti­ge Genera­tio­nen und für die Histo­ri­ker ein schwar­zer Flecken sein, der die Ehre des Apo­sto­li­schen Stuhls beschmutzt hat. Glück­li­cher­wei­se ist die Schluss­bot­schaft der Syn­oden­vä­ter ein echt katho­li­sches Doku­ment, das die gött­li­che Wahr­heit über die Fami­lie aus­drückt, ohne über die tie­fe­ren Wur­zeln der Pro­ble­me zu schwei­gen, das heißt, über die Rea­li­tät der Sün­de. Es gibt wirk­lich Mut und Trost für katho­li­sche Familien.
Eini­ge Zita­te: „Wir den­ken an die vom Leben auf­er­leg­ten Lasten und Lei­den, die durch ein Kind mit beson­de­ren Bedürf­nis­sen ent­ste­hen kann, durch schwe­re Krank­heit, durch die Schwie­rig­kei­ten des Alters oder durch den Tod eines gelieb­ten Men­schen. Wir bewun­dern die Treue so vie­ler Fami­li­en, die die­se Lei­den mit Mut, Glau­ben und Lie­be ertra­gen. Sie sehen sie nicht als eine ihnen auf­er­leg­te Last, son­dern als etwas, in dem sie sich sel­ber geben und die Lei­den Chri­sti in der Schwach­heit des Flei­sches sehen. […] Die ehe­li­che Lie­be, die ein­zig­ar­tig und unauf­lös­lich ist, hält trotz vie­ler Schwie­rig­kei­ten durch. Sie ist eines der schön­sten und zugleich am wei­te­sten ver­brei­te­ten Wun­der. Die­se Lie­be brei­tet sich durch Frucht­bar­keit und Zeu­gung aus. Sie umfasst nicht nur die Zeu­gung von Kin­dern, son­dern auch die Gabe des gött­li­chen Lebens in der Tau­fe, die reli­giö­se Unter­wei­sung und die Aus­bil­dung der Kin­der. […] Die Anwe­sen­heit der Fami­lie von Jesus, Maria und Joseph in deren beschei­de­nem Haus schwebt über euch“.

2. Fra­ge: Wer eine Ände­rung der kirch­li­chen Leh­re zu mora­li­schen Fra­gen (z.B. Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on oder eine Form der Zulas­sung homo­se­xu­el­ler Lebens­ge­mein­schaf­ten) erwar­tet hat, wur­de wahr­schein­lich durch die Schluss-Rela­tio ent­täuscht. Exi­stiert aber nicht die Gefahr, dass eine Infra­ge­stel­lung und Dis­kus­si­on von Din­gen, die für die Leh­re der Kir­che grund­le­gend sind, zukünf­tig die Türen für schwe­re Miss­bräu­che und für ähn­li­che Ver­su­che einer Revi­si­on der kirch­li­chen Leh­re öff­nen können?

S.E. Atha­na­si­us Schnei­der: Ein gött­li­ches Gebot, in unse­rem Fall das sech­ste Gebot, die abso­lu­te Unauf­lös­lich­keit der sakra­men­ta­len Ehe, eine von Gott bestimm­te Regel, bedeu­tet, dass jene, die sich im Zustand schwe­rer Sün­de befin­den, nicht zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den kön­nen. Das wird durch den hei­li­gen Pau­lus in sei­nem durch den Hei­li­gen Geist inspi­rier­ten Brief in 1. Korin­ther 11,27–30 gelehrt. Dar­über kann man nicht abstim­men, so wie man nie­mals über die Gott­heit Chri­sti abstim­men könnte.
Eine Per­son, die in einem unauf­lös­li­chen sakra­men­ta­len Ehe­band lebt und unge­ach­tet des­sen eine dau­er­haf­te ehe­ähn­li­che Lebens­ge­mein­schaft mit einer ande­ren Per­son unter­hält, ist durch gött­li­ches Gesetz vom Emp­fang der Hei­li­gen Kom­mu­ni­on aus­ge­schlos­sen. Die­se Per­son durch eine öffent­li­che kirch­li­che Erklä­rung zuzu­las­sen, wür­de auf ver­werf­li­che Wei­se eine Leug­nung der Unauf­lös­lich­keit der christ­li­chen Ehe legi­ti­mie­ren und gleich­zei­tig das sech­ste Gebot Got­tes leug­nen: „Du sollst nicht ehebrechen“.
Kei­ne mensch­li­che Insti­tu­ti­on, nicht ein­mal der Papst oder ein Kon­zil, besit­zen die Auto­ri­tät und Kom­pe­tenz, eines der zehn Gebo­te oder die gött­li­chen Wor­te Chri­sti auf irgend­ei­ne, auch nicht gerin­ge oder indi­rek­te Wei­se auf­zu­he­ben: „Was nun Gott zusam­men­ge­fügt hat, soll der Mensch nicht tren­nen“ (Math. 19,6). Unge­ach­tet die­ser leuch­ten­den Wahr­heit, die immer und gleich­blei­bend — weil unver­än­der­lich — durch alle Zei­ten vom kirch­li­chen Lehr­amt bis in unse­re Tage, zum Bei­spiel in „fami­lia­ris con­sor­tio“ von Johan­nes Paul II, im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che und von Papst Bene­dikt XVI. gelehrt wur­de, hat man auf der Syn­ode über die Fra­ge der Zulas­sung soge­nannt „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on abge­stimmt. Die­se Tat­sa­che ist schwer­wie­gend und ver­rät eine Hal­tung der kle­ri­ka­len Arro­ganz gegen­über der gött­li­chen Wahr­heit des Wor­tes Got­tes. Der Ver­such, über die gött­li­che Wahr­heit und über das gött­li­che Wort abzu­stim­men, ist jener unwür­dig, die als Ver­tre­ter des Lehr­am­tes das Depo­si­tum fidei als gute und treue Ver­wal­ter (vgl. Math. 24,45) eif­rig wei­ter­ge­ben müssen.
Durch die Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on eta­blie­ren die­se Bischö­fe nach eige­nem Gut­dün­ken eine neue Tra­di­ti­on und über­tre­ten damit das Gebot Got­tes. Chri­stus hat die Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten des­we­gen ein­mal geta­delt (vgl. Mt. 15,3). Noch schwer­wie­gen­der ist die Tat­sa­che, dass die­se Bischö­fe ver­su­chen, ihre Untreue gegen­über dem Wor­te Chri­sti durch Argu­men­te wie „pasto­ra­le Not­wen­dig­keit“, „Barm­her­zig­keit“, „Offen­heit für den Hei­li­gen Geist“ zu legi­ti­mie­ren. Außer­dem haben sie kei­ne Angst und kei­ne Skru­pel, die wah­re Bedeu­tung die­ser Wör­ter in einem gno­sti­schen Sinn zu ent­stel­len, indem sie zugleich jene, die ihnen wider­ste­hen und das unver­än­der­li­che gött­li­che Gebot und die nicht vom Men­schen gemach­te Tra­di­ti­on ver­tei­di­gen, als starr, skru­pel­haft oder tra­di­tio­na­li­stisch eti­ket­tie­ren. Wäh­rend der gro­ßen aria­ni­schen Kri­se des 4. Jahr­hun­derts wur­den die Ver­tei­di­ger der Gott­heit des Got­tes­soh­nes auch als „unnach­gie­big“ oder als „Tra­di­tio­na­li­sten“ bezeich­net. Der hei­li­ge Atha­na­si­us wur­de sogar von Papst Libe­ri­us exkom­mu­ni­ziert. Libe­ri­us begrün­de­te das mit dem Argu­ment, dass Atha­na­si­us mit den ori­en­ta­li­schen Bischö­fen, die meist Ket­zer oder Halb­ket­zer waren, nicht in Gemein­schaft war. Basi­li­us der Gro­ße erklär­te in die­ser Situa­ti­on fol­gen­des: „Nur eine Sün­de wird heu­te hart bestraft: die auf­merk­sa­me Beach­tung der Über­lie­fe­run­gen unse­rer Väter. Aus die­sem Grund wer­den die Guten aus ihren Posi­tio­nen ver­drängt und in die Wüste geschickt“ (Ep. 243).
Die Bischö­fe, wel­che die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on für „wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne“ befür­wor­ten, sind die neu­en Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten, weil sie das Gebot Got­tes ver­nach­läs­si­gen. Sie för­dern die Tat­sa­che, dass aus dem Leib und dem Her­zen der „wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen“ noch mehr „Ehe­bruch her­vor­geht“ (Mt 15,19), weil sie eine äußer­lich „sau­be­re“ Lösung wol­len und in den Augen derer, wel­che die Macht haben (die Mas­sen­me­di­en, die öffent­li­che Mei­nung), „sau­ber“ daste­hen wol­len. Wenn sie aller­dings vor dem Rich­ter­stuhl Chri­sti erschei­nen, wer­den sie sicher­lich zu ihrer Bestür­zung die­se Wor­te Chri­sti hören: „Was zählst du mei­ne Sat­zun­gen auf, was redest du von mei­nem Bund, da du doch Zucht hasst und mei­ne Wor­te hin­ter dich wirfst? … mit Ehe­bre­chern hältst du Gemein­schaft“ (Ps 50/49,16–18).
Der Schluss­be­richt der Syn­ode ent­hält lei­der auch den Absatz mit der Abstim­mung über eine Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on. Auch wenn er die erfor­der­li­chen zwei Drit­tel der Stim­men nicht erreich­te, bleibt die Sor­ge und erstaun­li­che Tat­sa­che, dass die abso­lu­te Mehr­heit der anwe­sen­den Bischö­fe zugun­sten einer Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on abge­stimmt hat, ein trau­ri­ges Spie­gel­bild der geist­li­chen Qua­li­tät des katho­li­schen Epi­sko­pats in unse­ren Tagen. Dar­über hin­aus ist trau­rig, dass die­ser Absatz, der die erfor­der­li­che qua­li­ta­ti­ve Mehr­heit nicht erreich­te, in der Schluss-Rela­tio ver­blie­ben ist und für eine wei­te­re Dis­kus­si­on an alle Diö­ze­sen gesen­det wird. Das wird die dog­ma­ti­sche Ver­wir­rung bei Prie­stern und Gläu­bi­gen sicher­lich nur erhö­hen, weil in der Luft ist, dass gött­li­che Gebo­te und die gött­li­chen Wor­te Chri­sti und des Apo­stels Pau­lus mensch­li­cher Ent­schei­dungs­fin­dung unter­wor­fen wer­den. Ein Kar­di­nal, der offen und nach­drück­lich eine Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on und sogar die schänd­li­chen Aus­sa­gen des Zwi­schen­be­rich­tes über homo­se­xu­el­le „Paa­re“ unter­stütz­te, zeig­te sich mit dem Schluss­be­richt unzu­frie­den und erklär­te frech: „Das Glas ist halb voll“ und im Bild blei­bend mein­te er, dass man dar­an arbei­ten müs­se, damit das Glas im näch­sten Jahr auf der Syn­ode ganz voll sei. Wir müs­sen aber fest glau­ben, dass Gott die Plä­ne der Unehr­lich­keit, der Untreue und des Ver­rats zunich­te­ma­chen wird. Chri­stus hält unfehl­bar das Ruder des Boo­tes sei­ner Kir­che inmit­ten eines so gro­ßen Sturms. Wir glau­ben und ver­trau­en dem wahr­haf­ti­gen Herr­scher der Kir­che, unse­rem Herrn Jesus Chri­stus, der die Wahr­heit ist“.

3. Fra­ge: Wir erle­ben der­zeit eine mas­si­ve Aggres­si­on gegen die Fami­lie. Die­se Aggres­si­on wird im Bereich der Wis­sen­schaft von einer enor­men Ver­wir­rung bezüg­lich des Men­schen und der mensch­li­chen Iden­ti­tät beglei­tet. Lei­der gibt es Ver­tre­ter der kirch­li­chen Hier­ar­chie, die bei der Erör­te­rung die­ser Fra­gen Mei­nun­gen äußern, die der Leh­re des Herrn wider­spre­chen. Wie sol­len wir mit den Men­schen, die Opfer die­ser Ver­wir­rung wer­den, spre­chen, um ihren Glau­ben zu stär­ken und sie zum Heil zu führen?

S.E. Atha­na­si­us Schnei­der: „In die­ser außer­or­dent­lich schwie­ri­gen Zeit rei­nigt Chri­stus unse­ren katho­li­schen Glau­ben, damit die Kir­che durch die­se Prü­fung hel­ler leuch­te und wirk­lich Licht und Salz für die fade neu­heid­ni­sche Welt sei Dank der Treue und dem rei­nen, ein­fa­chen Glau­ben zunächst der Gläu­bi­gen, der Klei­nen in der Kir­che, der „Eccle­sia doc­ta“ (der ler­nen­den Kir­che), die in unse­ren Tagen die „Eccle­sia docens“ stär­ken wird (die leh­ren­de Kir­che, das heißt, das Lehr­amt) sowie wäh­rend der gro­ßen Glau­bens­kri­se im vier­ten Jahr­hun­dert, zu wel­cher der seli­ge Kar­di­nal John Hen­ry New­man schreibt: „Das ist eine sehr bemer­kens­wer­te Tat­sa­che, die aber eine Moral ent­hält. Viel­leicht wur­de sie zuge­las­sen, um der Kir­che, die genau in die­ser Zeit aus ihrem Zustand der Ver­fol­gung her­vor­kam, die gro­ße Leh­re des Evan­ge­li­ums ein­zu­prä­gen, dass nicht die Wei­sen und Mäch­ti­gen, son­dern die Unbe­deu­ten­den, die Unge­lern­ten und die Schwa­chen die wah­re Stär­ke der Kir­che dar­stel­len. Das Hei­den­tum wur­de vor allem von den ein­fa­chen Gläu­bi­gen gestürzt. Die Gläu­bi­gen haben unter der Lei­tung des Atha­na­si­us und der ägyp­ti­schen Bischö­fe, und an eini­gen Orten unter­stützt von ihren Bischö­fen und Prie­stern, den schlimm­sten Häre­si­en wider­stan­den und sie aus dem hei­li­gen Bereich aus­ge­merzt. … In die­ser Zeit der immensen Ver­wir­rung wur­de das Dog­ma der Gött­lich­keit unse­res Herrn ver­kün­det, durch­ge­setzt, bewahrt. Mensch­lich gespro­chen wur­de sie weit mehr von der „Eccle­sia doc­ta“ als von der „Eccle­sia docens“ bewahrt. Die Gesamt­heit der Bischö­fe war ihrer Auf­ga­be untreu gewor­den, wäh­rend die Gesamt­heit der Lai­en treu zur Tau­fe stand. Bald erklär­te der Papst, bald ein Patri­arch, ein Metro­po­lit oder sonst ein wich­ti­ger Bischof oder ein Gene­ral­kon­zi­le, was man nicht hät­te sagen sol­len oder sie taten, was die offen­bar­te Wahr­heit ver­dun­kel­te und kom­pro­mit­tier­te. Auf der ande­ren Sei­te war das christ­li­che Volk unter der Lei­tung der Vor­se­hung die kirch­li­che Stär­ke eines Atha­na­si­us, Hil­ari­us, Euse­bi­us von Ver­cel­li und ande­rer gro­ßer und ein­sa­mer Beken­ner, die ohne die Gläu­bi­gen geschei­tert wären“ (Aria­ner des vier­ten Jahr­hun­derts, 466).
Wir müs­sen gewöhn­li­che Katho­li­ken ermu­ti­gen, dem gelern­ten Kate­chis­mus, den kla­ren Wor­ten Chri­sti im Evan­ge­li­um und dem ihnen über­lie­fer­ten Glau­ben ihrer Väter und Vor­vä­ter treu zu blei­ben. Wir müs­sen Stu­di­en­zir­kel und Vor­trä­ge über die bestän­di­ge Leh­re der Kir­che zu Fra­gen der Ehe und Keusch­heit orga­ni­sie­ren und dazu vor allem jun­ge Men­schen und Ehe­paa­re ein­la­den. Wir müs­sen die gro­ße Schön­heit eines Lebens in Keusch­heit, die gro­ße Schön­heit der christ­li­chen Ehe und Fami­lie, den gro­ßen Wert des Kreu­zes und des Opfers in unse­rem Leben auf­zei­gen. Wir müs­sen das Bei­spiel der Hei­li­gen sowie bei­spiel­haf­ter Per­so­nen dar­stel­len, die zeig­ten, dass sie, obwohl sie die glei­chen Ver­su­chun­gen des Flei­sches, die glei­che Feind­se­lig­keit und den glei­chen Spott der heid­ni­schen Welt erlit­ten, den­noch mit der Gna­de Chri­sti ein glück­li­ches Leben in Keusch­heit, in einer christ­li­chen Ehe oder in der Fami­lie führ­ten. Der Glau­be, der rei­ne und inte­gra­le katho­li­sche und apo­sto­li­sche Glau­ben, wird die Welt über­win­den (vgl. 1. Joh. 5,4).
Wir müs­sen Grup­pen von Jugend­li­chen mit rei­nen Her­zen, Fami­li­en­grup­pen und Grup­pen katho­li­scher Ehe­paa­re, die ihren Ehe­ver­spre­chen ver­pflich­tet sind, grün­den und för­dern. Wir müs­sen Krei­se orga­ni­sie­ren, die zer­bro­che­nen Fami­li­en und allein­er­zie­hen­den Müt­tern mora­lisch und mate­ri­ell hel­fen, Grup­pen, die mit Gebet und Rat getrenn­te Paa­re unter­stüt­zen, Grup­pen und Per­so­nen, die „wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen“ hel­fen, einen Pro­zess der ernst­haf­ten Umkehr zu ermög­li­chen, indem sie in Demut ihre sünd­haf­te Lage erken­nen und mit der Gna­de Got­tes die Sün­den ver­las­sen, die das Gebot Got­tes und die Hei­lig­keit des Sakra­ments der Ehe ver­let­zen. Wir müs­sen Grup­pen schaf­fen, die Per­so­nen mit homo­se­xu­el­len Ten­den­zen sorg­sam unter­stüt­zen, den Pfad der christ­li­chen Bekeh­rung zu gehen, den glück­li­chen und schö­nen Pfad eines keu­schen Lebens und ihnen schließ­lich in dis­kre­ter Wei­se eine psy­cho­lo­gi­sche Hei­lung anbie­ten. Wir müs­sen unse­ren Zeit­ge­nos­sen in der neu­heid­ni­schen Welt die befrei­en­de Gute Nach­richt der Leh­re Jesu Chri­sti vor Augen füh­ren und pre­di­gen, dass das Gebot Got­tes, auch das sech­ste Gebot, wei­se und schön ist: „Das Gesetz des Herrn ist voll­kom­men. Es erquickt die See­le: das Zeug­nis des Herrn ist zuver­läs­sig. Es macht den Ein­fäl­ti­gen wei­se. Die Sat­zung des Herrn sind rich­tig, sie erfreu­en das Herz: das Gebot des Herrn ist lau­ter, es erleuch­tet die Augen „(Ps. 19/18,7–8)“.

4. Fra­ge: Wäh­rend der Syn­ode, bemän­gel­ten Erz­bi­schof GÄ…decki von Posen und eini­ge ande­re bedeu­ten­de Prä­la­ten öffent­lich, dass die Ergeb­nis­se der Dis­kus­sio­nen von der immer­wäh­ren­den Leh­re der Kir­che abwi­chen. Gibt es eine Hoff­nung, dass es inmit­ten die­ser Ver­wir­rung, ein Erwa­chen der Mit­glie­der des Kle­rus und jener Gläu­bi­gen geben wird, die sich bis­her nicht bewusst waren, dass es im Inne­ren der Kir­che Leu­te gibt, wel­che die Leh­re des Herrn untergraben?

S.E. Atha­na­si­us Schnei­der: „Es gereicht dem pol­ni­schen Katho­li­zis­mus sicher­lich zur Ehre, dass der Prä­si­dent des katho­li­schen Epi­sko­pats, Sei­ne Exzel­lenz Erz­bi­schof GÄ…decki mit Klar­heit und Mut die Wahr­heit Chri­sti über die Ehe und die mensch­li­che Sexua­li­tät ver­tei­digt hat. Dadurch offen­bar­te er sich als ein wah­rer geist­li­cher Sohn von Johan­nes Paul II. Kar­di­nal Geor­ge Pell bezeich­ne­te die libe­ra­le Sex-Agen­da und die angeb­lich barm­her­zi­ge und seel­sor­ge­ri­sche For­de­rung nach einer Zulas­sung „wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner“ zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on wäh­rend der Syn­ode sehr tref­fend als Spit­ze des Eis­bergs und Art Tro­ja­ni­sches Pferd in der Kirche.
Dass es mit­ten im Schoß der Kir­che Leu­te gibt, wel­che die Leh­re des Herrn unter­gra­ben, wur­de für die gan­ze Welt dank des Inter­nets und der Arbeit eini­ger katho­li­schen Jour­na­li­sten offen­sicht­lich, denen nicht gleich­gül­tig war, was mit dem katho­li­schen Glau­ben geschieht, der für sie ein Schatz Chri­sti ist. Ich war erfreut, dass eini­ge katho­li­sche Jour­na­li­sten und Inter­net-Blog­ger sich als gute Sol­da­ten Chri­sti benah­men und die öffent­li­che Auf­merk­sam­keit auf die kle­ri­ka­le Agen­da einer Unter­mi­nie­rung der bestän­di­gen Leh­re unse­res Herrn hin­lenk­ten. Kar­di­nä­le, Bischö­fe, Prie­ster, katho­li­sche Fami­li­en, katho­li­sche Jugend­li­che müs­sen klar sagen: Ich wei­ge­re mich, mich dem neu­heid­ni­schen Geist die­ser Welt anzu­pas­sen, auch wenn die­ser Geist von eini­gen Bischö­fen und Kar­di­nä­len ver­brei­tet wird. Ich wer­de deren trü­ge­ri­sche und abwe­gi­ge Instru­men­ta­li­sie­rung der hei­li­gen Barm­her­zig­keit Got­tes und deren Behaup­tung eines „neu­en Pfing­sten“ nicht akzep­tie­ren. Ich wei­ge­re mich, die Sta­tue des Göt­zen der Gen­der-Ideo­lo­gie, die Zweit­ehe und das Kon­ku­bi­nat zu beweih­räu­chern. Auch wenn mein Bischof das machen wür­de, ich wer­de es nicht tun. Mit der Gna­de Got­tes wer­de ich lie­ber lei­den als die gan­ze Wahr­heit Chri­sti über die mensch­li­che Sexua­li­tät und die Ehe zu verraten.
Die Zeu­gen wer­den die Welt über­zeu­gen, nicht die Leh­rer, sagt Paul VI. in „Evan­ge­lii nun­ti­an­di“. Die Kir­che und die Welt brau­chen drin­gend uner­schrocke­ne und ehr­li­che Zeu­gen der gan­zen Wahr­heit der Gebo­te und des Wil­lens Got­tes und der gan­zen Wahr­heit der Wor­te Chri­sti über die Ehe. Moder­ne kle­ri­ka­le Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­te, jene Bischö­fe und Kar­di­nä­le, wel­che die neu­heid­ni­schen Göt­zen der Gen­der-Ideo­lo­gie und des Kon­ku­bi­nat beweih­räu­chern, wer­den nie­man­den über­zeu­gen, an Chri­stus zu glau­ben oder bereit zu sein, das Leben für Chri­stus hin­zu­ge­ben. Es ist tat­säch­lich so: „Veri­tas Domi­ni manet in aeter­num“ (Ps. 116: „Die Wahr­heit des Herrn bleibt auf ewig“) und „Chri­stus ist der­sel­be gestern, heu­te und in Ewig­keit“ (Hebr. 13,8) und „die Wahr­heit wird euch frei machen“ (Joh. 8,32). Die­ser letz­te Satz war eine der Lieb­lings-Bibel­zi­ta­te von Johan­nes Paul II., des Pap­stes der Fami­lie. Wir kön­nen hin­zu­fü­gen: Die geof­fen­bar­te und unver­än­der­lich über­lie­fer­te gött­li­che Wahr­heit über die mensch­li­che Sexua­li­tät und die Ehe wird den See­len inner­halb und außer­halb der Kir­che wah­re Frei­heit zu brin­gen. Inmit­ten einer Kri­se der Kir­che und des schlech­ten mora­li­schen und dog­ma­ti­schen Bei­spiels eini­ger Bischö­fe sei­ner Zeit trö­ste­te der hei­li­ge Augu­sti­nus die ein­fa­chen Gläu­bi­gen mit den Wor­ten: „Was auch immer wir Bischö­fe sein mögen, Ihr seid sicher, die ihr Gott zum Vater und sei­ne Kir­che zur Mut­ter habt“ (Con­tra lit­te­ras Peti­lia­ni III, 9, 10)“.

+ Atha­na­si­us Schneider,
Weih­bi­schof der Erz­diö­ze­se der Aller­hei­lig­sten Jung­frau Maria zu Asta­na, Kasachstan.

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