Bischofssynode mit Tendenz „sich die Welt zum Freund zu machen“

Papst Franziskus mit Synodalen auf dem Weg in die Synodenaula
Papst Fran­zis­kus mit Syn­oda­len auf dem Weg in die Syn­ode­nau­la

(Rom) Kar­di­nal Peter Erdö mach­te den Anfang am Beginn der Bischofs­syn­ode. In sei­ner Eröff­nungs­re­de, Rela­tio ante dis­cept­atio­nem, signa­li­sier­te er eine Öff­nung in Rich­tung Ände­rung der pasto­ra­len Pra­xis in Sachen kirch­li­cher Leh­re zu Ehe und Fami­lie. Gleich­zei­tig setz­te er eini­ge Mark­stei­ne, über die es bes­ser sei, nicht hin­aus­zu­ge­hen: Huma­nae vitae, die ernst­haf­te Ver­tie­fung der ortho­do­xen Pra­xis oder eine Tren­nung von Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit. Zu erklä­ren, daß „auch die Geschie­de­nen Teil der Kir­che sind“, wie es Erdö tat, war aller­dings kei­ne Neu­ig­keit. Nie­mand hat das je in Zwei­fel gezo­gen. Dar­an erin­ner­te erst jüngst auch Kar­di­nal Vel­asio De Pao­lis, einer der Geg­ner von Kas­pers The­se einer „neu­en Offen­heit“.

Mit Beginn der Dis­kus­si­on wur­de es rich­tig leben­dig. Die Front der Befür­wor­ter eines „aggior­na­men­to“ lei­ste­te sofort die Löwen­ar­beit. Es geht um die The­men­füh­rer­schaft. Von den 70 Rede­bei­trä­gen am Mon­tag und Diens­tag mach­te sich eine gro­ße Mehr­heit in der einen oder ande­ren Form die The­se von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per zu eigen, die die­ser beim Kon­si­sto­ri­um im ver­gan­ge­nen Febru­ar vor­brach­te.

Zahlenmäßiges Übergewicht der „Liberalen“ gegen intellektuelle und rhetorische Brillanz der „Konservativen“

Doch etwas über­ra­schend haben sie damit zumin­dest zah­len­mä­ßig die ande­re Sei­te in der ersten Run­de deut­lich über­trof­fen. Auf die­ser ande­ren Sei­te ste­chen intel­lek­tu­ell und rhe­to­risch die Kar­di­nä­le Ray­mond Bur­ke und Seba­sti­an Agui­l­ar her­vor. Auch beim mehr­spra­chi­gen Brie­fing des vati­ka­ni­schen Pres­se­saals war schnell zu ver­ste­hen, daß in der Aula über die Glau­bens­leh­re dis­ku­tiert wird, da mit meh­re­ren Wort­mel­dun­gen gefor­dert wur­de, daß die Leh­re den des­ori­en­tier­ten Gläu­bi­gen bes­ser erklärt wer­den sol­le. Alles nur eine Fra­ge des Stils? Die Syn­oden­vä­ter bekräf­tig­ten, dar­in zumin­dest waren sich alle einig, daß die Fami­lie als Grund­zel­le der Gesell­schaft zu betrach­ten sei.

Zu den ersten, die das Wort ergrif­fen, gehör­te Kar­di­nal Oscar Rodri­guez Mara­dia­ga, Ver­tre­ter Mit­tel­ame­ri­kas im C9-Kar­di­nal­s­rat. Er schlug eine Art von Katechu­me­nat für Braut­paa­re vor, die damit beim Braut­leu­te­kurs auch einer kate­che­ti­schen Unter­wei­sung unter­zo­gen wer­den soll­ten. Kar­di­nal Marx leg­te der Syn­ode ein aus­ge­feil­tes Doku­ment der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz vor, das die Unter­schrift aller deut­schen Bischö­fe trägt, die damit den Vor­schlag Kas­pers unter­stüt­zen.

Zug fährt in Richtung Änderung: „Epochales Zeichen, weil es Kräfte gab, die Kirche vor das Konzil zurückführen wollten“

Nach die­sen ersten Wort­ge­fech­ten zeich­net sich in Sum­me ab, daß der Zug in Rich­tung Ände­rung der Pra­xis fährt, wie auch die Wor­te des „schwar­zen Pap­stes“ zei­gen. Der Gene­ral­obe­re des Jesui­ten­or­dens, Pater Adol­fo Nico­las sag­te zu Vati­can Insi­der: „Die freie und offe­ne Dis­kus­si­on geht in Rich­tung Ände­rung, in Rich­tung pasto­ra­le Anpas­sung an die ver­än­der­te Rea­li­tät unse­rer Zeit“. Doch nicht nur das. Nico­las stellt die­se Ent­wick­lung in einen Kon­text, der sich unaus­ge­spro­chen gegen Bene­dikt XVI. und Johan­nes Paul II. rich­tet: „Das ist ein epo­cha­les Zei­chen, weil es in die­sen Jah­ren Kräf­te gab, die ver­sucht haben, die Kir­che hin­ter die gro­ße Sai­son des Kon­zils zurück­zu­füh­ren.“

Nico­las Wor­te wer­den durch das bestä­tigt, was beim Jour­na­li­sten-Brie­fing gesagt wur­de. Vie­le Syn­oden­vä­ter hät­ten die For­de­rung erho­ben, die Kir­che sol­le ihre Spra­che anpas­sen „und sich die Welt zum Freund machen“. Denn „wenn die Kir­che nicht auf die Welt höre, wer­de die Welt auch nicht der Kir­che zuhö­ren“, wur­de die Logik dahin­ter erklärt.

Australische Auditoren machen Homosexualität zum Thema — Bischof kritisiert Katechismus

Obwohl man mit dem eigent­li­chen „hei­ßen“ Eisen der Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen noch gar nicht begon­nen hat, wur­de schon an den ersten bei­den Syn­oden­ta­gen mit grund­sätz­li­chen Wort­mel­dun­gen klar, daß der Ein­satz, um den es in Rom geht, wesent­lich umfang­rei­cher und grund­le­gen­der ist. Nicht von unge­fähr wur­de an bei­den Tagen aus­führ­lich über die Situa­ti­on homo­se­xu­el­ler Paa­re gespro­chen. Den Auf­takt dazu mach­te das austra­li­sche Audi­to­ren-Ehe­paar Roma­no und Mavis Piro­la vom Austra­li­an Catho­lic Mar­ria­ge and Fami­ly Coun­cil. Es folg­te ein Syn­oda­le, der den Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (KKK) kri­ti­sier­te: Die Bezeich­nung der Homo­se­xua­li­tät im Canon 2357 als „eine objek­tiv unge­ord­ne­te Nei­gung“, füh­re nur dazu, die Men­schen von Chri­stus weg­zu­füh­ren, so der Bischof.

Die afri­ka­ni­schen Bischö­fe spra­chen vor allem über das Pro­blem der Poly­ga­mie, das dort stär­ker wahr­ge­nom­men, im Westen aber kaum beach­tet wird, da das Phä­no­men im Zuge der isla­mi­schen Ein­wan­de­rung auf­tritt, wenn bei Fami­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen zwei, drei oder vier Frau­en ins Land gelas­sen oder an drei oder vier Wit­wen eine Wit­wen­ren­te bezahlt wer­den muß. Tat­sa­chen, mit denen die mei­sten euro­päi­schen Staa­ten bereits kon­fron­tiert sind, die wegen der „Will­kom­mens­kul­tur“ jedoch ver­schwie­gen wer­den.

Strengere Ehevorbereitung

Die vor­herr­schen­de Linie der ersten Syn­oden­ta­ge lau­tet zusam­men­ge­faßt: der Weg der Beglei­tung der Paa­re zur Ehe sei einer radi­ka­len Über­prü­fung zu unter­zie­hen. Er müs­se „län­ger und indi­vi­du­el­ler“ wer­den. Es sei grö­ße­re „Stren­ge“ anzu­le­gen und den Paa­ren klar zu machen, daß ihr Ehe­ver­spre­chen etwas ern­stes und rea­les ist, nicht nur eine Fik­ti­on, die man des schö­nen Schau­spiels einer Hoch­zeit in der Kir­che mit vie­len Gästen, Blu­men und Foto­gra­fen wegen mache. Man dür­fe sich nicht davor fürch­ten, die Zahl der Ehe­schlie­ßun­gen in der Kir­che zu redu­zie­ren, for­der­te etwa der eng­li­sche Kar­di­nal Vin­cent Nichols auf der offi­zi­el­len Pres­se­kon­fe­renz.

Unab­hän­gig davon gehen die Mei­nun­gen unter den Syn­oden­vä­ter über das Evan­ge­li­um der Fami­lie stark aus­ein­an­der mit deut­li­cher Ten­denz sich „die Welt zum Freund“ machen zu wol­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can Insi­der (Screen­shot)

19 Kommentare

  1. „Es dür­fe sich nicht davor fürch­ten, die Zahl der Ehe­schlie­ßun­gen in der Kir­che zu redu­zie­ren, for­der­te etwa der eng­li­sche Kar­di­nal Vin­cent Nichols auf der offi­zi­el­len Pres­se­kon­fe­renz.“
    Dann erlebt ihr aber einen „Shit­s­torm“. Auch der laue Katho­lik will das Glanz und Glo­ria einer katho­li­schen Ehe­schlie­ßung und gibt sich nicht zufrie­den mit einer dür­ren stan­des­amt­li­chen Trau­ung. Denkt immer dar­an das die „Barm­her­zig­keits­keu­le“ bei vie­len Katho­li­ken heut­zu­ta­ge sehr locker sitzt wenn es dar­um geht ihren Wil­len und Wün­schen nicht gerecht zu wer­den. Die moder­ne Kir­che die mit die­ser Welt im Ein­klang leben möch­te wird wohl als Dienst­lei­stungs­or­ga­ni­sa­ti­on irgend­wann in einem Bran­chen­buch ste­hen.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Genau das habe ich mir auch gedacht. Als wir hier in Boli­vi­en bei der Tau­fe eine Art „klei­ne Kate­che­se, Tauf­ge­spräch + Teil­nah­me am Sonn­tags­got­tes­dienst wenig­stens 5x for­der­ten, beka­men wir kei­ne Rücken­deckung von unse­ren Prä­la­ten, sprich von den jewei­li­gen Erz­bi­schö­fen. Die Tauf­an­wär­ter (Eltern und Paten) wichen halt auf Nach­bar­pfar­rei­en aus, wo man die Tau­fe „umsonst“ bekam, d.h. ohne Vor­be­rei­tung. Manch­mal ist es sogar heu­te noch so und der zustän­di­ge Bischof signa­li­siert: „Ich kann auch nichts machen.“

  2. Ich ver­ste­he nicht, wie alle deut­schen Bischö­fe das Doku­ment von Marx unter­zeich­nen konn­ten.
    Hat denn kei­ner mehr den Mut eine eige­ne Mei­nung zu ver­tre­ten. Ich kann mir nicht vor­stel­len, das sie alle die­ser Mei­nung sind. Aber wis­sen sie denn nicht, das man Gott mehr gehor­chen muss, als den Men­schen, wie wol­len sie dies alles ver­ant­wor­ten.…

    • Man­geln­der Mut der Bischö­fe — das war auch mein erster Gedan­ke.
      Sind wirk­lich alle eines Sin­nes?
      Hat­te kei­ner von ihnen soviel Rück­grat, sich gegen die Mei­nungs­ho­heit domi­nan­ter Tei­le der Bischö­fe zu stel­len?
      Haben sie es wenig­stens ver­sucht?
      Was mag sich alles abspie­len und abge­spielt haben hin­ter den Kulis­sen?

  3. Wer sich die Welt zum Freund machen will, ern­tet nicht Freund­schaft, son­dern Ver­ach­tung. Außer­dem ist es völ­lig naiv, zu glau­ben, „die Welt“ wer­de end­lich Ruhe geben, wenn man sich in eini­gen Punk­ten etwas nach­gie­big und fle­xi­bler zei­ge. Es wird für „die Welt“ nur noch mehr Ansporn sein, die Kir­che unter Druck zu set­zen und zu attackie­ren, damit sie end­lich ihre (dann noch) unlieb­sa­men Posi­tio­nen auf­gibt.

  4. Ach ja, wenn nur die deut­schen Bischö­fe 1933 auf die Zei­chen der Zeit gehört und sich ein­mü­tig die Welt zum Freund gemacht hät­ten, was wäre da wohl her­aus­ge­kom­men!? Schon die­ses Gedan­ken­spiel zeigt über­deut­lich, wie naiv, pri­mi­tiv und ober­fläch­lich die Argu­men­te der Aggior­na­men­ti­sten sind. Wie sag­te schon Erich Hon­ecker: „Den Sozia­lis­mus in sei­nem Lauf, hal­ten weder Ochs noch Esel auf!“ Auch die Bischofs­syn­ode scheint ent­schlos­sen, die Kir­che unauf­halt­sam in den Abgrund des Rela­ti­vis­mus und der Welt­an­pas­sung rasen zu las­sen. Wer den Men­schen nach dem Mun­de redet, dem hören die Men­schen des­halb noch lan­ge nicht zu. Man kann Anemp­fin­der ein­fach nicht ernst neh­men.

  5. Es geht doch für die (weni­gen) Bewah­rer von Ehe und Fami­lie nur noch dar­um, wel­chen Platz sie dann für sich in der Kir­che von 2015/16 sehen- und damit auch für alle, die den gan­zen Schmarrn nicht akzep­tie­ren und mit­ma­chen. Wie wird sich das in der Pra­xis dar­stel­len?
    Die Häre­sie ist grund­sätz­lich bereits beschlos­sen und es ist dar­über kein Zwei­fel mehr mög­lich. Die Wür­fel sind gefal­len. Es wer­den jetzt von den Häre­ti­kern vie­le Nebel­ker­zen ver­schos­sen, gar das Kon­zil von Tri­ent wird dafür in Anspruch genom­men.

    Das Miß­trau­en wächst. Die Kir­che liegt in den letz­ten Zügen. Das soll noch Kir­che sein?

    • Der „manif pour tous“ in Frank­reich wird sich bald fra­gen, wofür sie eigent­lich auf die Stra­sse gehen.

  6. Die „neue Kir­che“ geht in Stel­lung:
    -
    „Rich­tung Ände­rung, in Rich­tung pasto­ra­le Anpas­sung an die ver­än­der­te Rea­li­tät unse­rer Zeit“
    -

    „Pasto­ra­le Anpas­sung“ inkl. „Wei­ter­ent­wick­lung der Leh­re“ wie es Kar­di­nal Marx ger­ne hät­te ?
    Das Homo­lob­by-Plä­doy­er des austra­li­schen Ehe­paa­res soll­te offen­bar die­se „ver­än­der­te Rea­li­tät der Zeit“ auf­zei­gen.

    Ange­sichts der frei­gei­sti­gen Kaprio­len im Sin­ne der Kar­di­nä­le Kas­per und Marx u.a. sehnt man sich nach Beken­ner­kar­di­nä­len wie den dama­li­gen Kar­di­nal Rafa­el Mer­ry del Val, unter dem hl. Papst Pius X. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär:

    -
    „Han­deln wir nie­mals, um der Welt zu gefal­len. 
    Haben wir den Mut, 
    die Kri­tik, die Miss­bil­li­gung der Welt zu ertra­gen; 
    wenn Gott zufrie­den ist, braucht uns nichts ande­res zu küm­mern.

    Wir müs­sen den Mut haben, die Wahr­heit zu bezeu­gen und kei­ner Auf­ga­be aus­zu­wei­chen. 
    Wir müs­sen den Mut haben, dem Lächer­li­chen die Stirn zu bie­ten, 
    denn oft besteht unse­re Auf­ga­be im Spott der Welt. 
    Tut das aus Lie­be zu Unse­rem Herrn, 
    und um Ihm nach­zu­ei­fern.“
    -

  7. Egal, ob schwul, ob hete­ro,
    Fran­zi macht jetzt alle froh!
    Für Prie­ster­sex und freie Lie­be,
    Nur für die Tra­dis, da gibt’s Hie­be!

    Wer zuviel betet sün­digt schwer,
    da muß ein Kom­mis­sar gleich her.
    Mit kon­zi­lia­rer Wach­sam­keit
    sind Fran­zis Scher­gen stets bereit.

    Die Prie­ster, die sind stets die Bösen,
    wenn sie sich nicht vom Alten lösen.
    Wer den Gestank der Scha­fe mei­det,
    dem wird das Prie­ster­tum ver­lei­det.

    Wer heu­te noch Gebo­te lehrt,
    der macht’s natür­lich ganz ver­kehrt.
    Wird als Pela­gia­ner schnell ver­bannt,
    am besten in ein fer­nes Land.

    So schnellt die Revo­lu­ti­on vor­an,
    für die Senor Ber­go­glio kam.
    Aus einem wei­ten, fer­nen Land
    an uns­ren schö­nen Tiberstrand.

    Jetzt, Katho­li­ken, ist es Zeit
    vom Mode­nis­mus euch befreit.
    Bleibt gleich den Mak­ka­bä­ern treu,
    und von Ber­go­glio macht euch frei!

  8. Wenn per­ma­nen­ter Ehe­bruch „erlaubt“ ist (erlaubt, weil eine läss­li­che Sün­de nicht vom Emp­fang der Hl. Kom­mu­ni­on aus­schliesst), dann muss man kon­se­quent auch den ein­ma­li­gen Ehe­bruch zu einer läss­li­chen Sün­de machen.

    Und den Sex ausser­halb der Ehe natür­lich auch.

    DAS ist wirk­lich eine Revo­lu­ti­on.

  9. Wenn Kar­di­nal Bur­ke nicht weiß, wie er es „ver­dau­en“ wür­de wenn der kas­per­sche Vor­schlag wider Erwar­ten ange­nom­men wür­de, was wür­de dann eigent­lich pas­sie­ren? Gäbe es Über­trit­te zur FSSPX? Gäbe es neue Grup­pen von “ Wider­ständ­lern“? Was wer­den Opus Dei oder die Petrus­bru­der­schaft zum Bei­spiel dazu sagen? Es wäre jeden­falls ein neu­er Quan­ten­sprung im kri­sen­haf­ten Nie­der­gang der Kir­che und ein gro­ßer Glaub­wür­dig­keits­ver­lust des Lehr­am­tes selbst für „brav-kon­ser­va­ti­ve“.

    • Die wer­den in ihrer Papo­la­trie bzw. Papa-Devo­tio die ver­rück­te­sten intel­lek­tu­el­len Anstren­gun­gen unter­neh­men, um den beschlos­se­nen Schwach­sinn zu recht­fer­ti­gen — so wie bis­lang auch.

      Man lese doch nur diver­se Auf­sät­ze der FSSP in ihrem anson­sten wirk­lich lesens­wer­ten Por­tal, z.B. über die Fra­ge, ob alle Mono­the­isten an „den­sel­ben“ Gott glau­ben. Laut FSSP: ja — weil Gott ja nichts dafür kann, wenn man ihn falsch zeich­net. Womit dem inter­re­li­giö­sen Öku­me­nis­mus zumin­dest eine gewis­se Platt­form gege­ben wird. Dass die­ses Argu­ment phi­lo­so­phisch so schwach­sin­nig ist, dass es ein­fach nur noch pein­lich ist, ist eine Tat­sa­che. Aber genau­so wird es auch mit der Ehe sein — am Ende wird das Tra­di­la­ger das abwie­geln oder sogar noch ver­tei­di­gen.

      Und die­je­ni­gen Alt­ri­tu­el­len, die da nicht mit­ma­chen, sind aber zu einem gro­ßen Teil ander­wei­tig theo­lo­gisch so dege­ne­riert, dass das ein schwa­cher Trost sein dürf­te…

  10. Im Rah­men des Wulf-Skan­dals sprach man von Sala­mi­tak­tik.
    Die­ser Aus­druck passt doch viel bes­ser zu den ‚exzes­siv Libe­ra­len‘ unter der Mei­nungs­füh­rer­schaft Fran­zis­kus‘. Scheib­chen­wei­se tastet man sich her­an, die alten Wer­te abzu­schnei­den — und sucht gleich­zwei­tig nach einem Nar­ko­ti­kum, dass der Pati­ent die Schnit­te nicht so arg wahr­nimmt.
    Ich den­ke, es geht in der links besetz­ten Kurie nur­mehr um ein Gefal­len, Ein­schmei­cheln, gegen­sei­ti­ges Über­trump­fen. Wir haben es alle­samt mit Schau­spie­lern zu tun, viel­fach selbst­ge­fäl­li­ge medi­en­hung­ri­ge Selbst­dar­stel­ler noch dazu. Die­se Leu­te soll­ten ins Fern­se­hen gehen, als Unter­hal­tungs­künst­ler, Schow­ma­ster, Schla­ger­sän­ger…
    Man­chem Kardinal/Bischof täte es gut, ein­mal in die inne­re Stil­le zu gehen. Ein Klo­ster­auf­ent­halt wäre das Richt­ri­ge.
    An ande­rer Stel­le wur­de gesagt, es sei heu­te kaum mehr mög­lich, einen hei­lig­mä­ßi­gen Prie­ster oder Ordens­mann zu fin­den, der wirk­lich füh­ren kön­ne. Die­se Mei­nung tei­le ich aus Erfah­rung.
    Wenn Sie sich nicht kon­se­quent sel­ber füh­ren, lau­fen sie in die Irre.
    Man muss heu­te in den Beicht­stuhl bestens gewapp­net gehen. Einer­seits muss man dem Sakra­ment nach­kom­men, ande­rer­seits darf man sich nicht durch die Rat­schlä­ge der Beicht­vä­ter in die Irre füh­ren las­sen. Man sel­ber stellt fest: Was ist das denn nun? Ich bin ja from­mer als die­ser Prie­ster. Was rät er mir da eigent­lich? Er spornt mich ja in der Sün­de gera­de­zu noch an. Ich habe noch nie wirk­lich Füh­rung dort erhal­ten kön­nen, wes­halb ich mir immer wie­der vor­neh­me, du redu­zierst dein Sün­den­be­kennt­nis auf ein bis zwei Sät­ze, dass der Geist­li­che sich nicht mit sei­nen per­sön­li­chen Ansich­ten ein­mi­schen kann.
    Hier­über, ins­be­son­de­re das Beichtsa­kra­ment lie­ße sich noch viel sagen. Ich bin dazu über­ge­gan­gen, mei­ne Beich­ten über län­ge­re Zeit­räu­me zu ver­tei­len. Denn wenn man jede Woche hin­läuft und sich ver­un­si­chern lässt, hat man gar kei­ne Chan­ce dar­auf, sei­nem Gewis­sen zu fol­gen.
    In den Beicht­stüh­len sit­zen meist nur Psy­cho­lo­gen, die sich fast gelang­weilt oder genervt füh­len und zu allem Ja und Amen sagen. Sei­en Sie sich sicher, dass Gott sie liebt.… Immer der glei­che Ser­mon. Ich gab manch­mal schon Kon­tra, indem ich sag­te: Ich erwar­te von ihnen eine kla­re, ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge, ein Mahn- und Macht­wort im Namen Jesu, an das ich mich hal­ten kann. Fast gequält kam dann zurück: Dann las­sen halt die­se oder jene Sün­de. Dann mach­te der Beicht­va­ter sogar Druck, als ich mich nicht zufrie­den geben woll­te, indem er sag­te: Das bringt nun nichts. Ich habe noch ein wich­ti­ges Tele­fo­nat zu füh­ren.
    Ein ande­res Mal erleb­te ich, dass Beicht­stüh­le in einem gut besuch­ten Klo­ster nicht besetzt waren bzw. wur­den, auch nach mehr­ma­li­gem Schel­len nicht; trotz aus­ge­wie­se­ner Beicht­ge­le­gen­heit. Ich ging zur Pfor­te und sag­te: Das ist so nicht in Ord­nung.
    Aber das ist nur ein Sym­ptom der gesam­ten Schief­la­ge in der Pasto­ral.

  11. Da jemand sich zuge­traut hat, sei­ne Ansich­ten in der Form eines Gedich­tes zu ver­öf­fent­li­chen, will auch ich mein Gedicht hier brin­gen, dass ich zu Beginn des Pon­ti­fi­kats von Fran­zis­kus schrieb. Vie­les hat sich bewahr­hei­tet bzw. wird sich noch bewahr­hei­ten:

    Vom Thron

    wenn du vom thron gestie­gen bist
    aus jahr­hun­der­te­al­tem sil­ber und gold
    und nur noch dem men­schen dienst
    umju­beln sie dich
    weil du „so mensch­lich“ bist –
    gewor­den bist.

    aber wenn du zwi­schen ihnen
    ange­kom­men bist
    zer­tre­ten sie dich
    und sei gewiss
    schau­en sie nach einem ande­ren aus
    der zu demon­tie­ren ist

    pre­digst du ihnen dann noch
    ver­la­chen sie dich
    als einen clown
    als einen von ihnen
    „der spinnt“
    der „irre spricht“
    der um nichts weni­ger zu ach­ten ist
    als ein zerr­bild ihrer selbst

    was sie ein­zig noch neh­men
    ist das gold

    beden­ke dar­um was pas­siert
    wenn du vom tron gestie­gen bist
    heu­te strei­cheln sie
    mor­gen tre­ten sie dich
    sei dir des­sen gewiss

    Ich habe die Selbst­de­mon­ta­ge und Demon­ta­ge des Papst­am­tes deut­lich gemacht, indem ich beim Wor­te Thron das alt­her­ge­brach­te ‚h‘ strich.
    Ich hof­fe, es gefällt. Ich erwar­te auch kei­nen Jubel.

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