Wenn der Papst „privat“ spricht, ist es doch öffentlich?

L'Osservatore Romano 30. Juli 2014
L’Os­ser­va­to­re Roma­no 30. Juli 2014

(Vati­kan) Die zwie­späl­ti­ge Öffent­lich­keits­ar­beit des Vati­kans gibt immer neue Rät­sel auf. Mehr noch dürf­te sie Ver­wir­rung unter Gläu­bi­gen und Nicht-Gläu­bi­gen stif­ten. „Die täg­li­che Mes­se des Pap­stes ist pri­vat, die voll­stän­di­gen Tex­te sei­ner Pre­dig­ten wer­den nicht ver­öf­fent­licht, wenn er aber pri­vat die Pfingst­ler besucht dann…“, kom­men­tier­te die spa­nisch­spra­chi­ge katho­li­sche Inter­net­sei­te Secretum Meum Mihi. Grund ist der heu­te erfolg­te voll­in­halt­li­che Abdruck der Papst­re­de vor den Evan­ge­li­ka­len in Caser­ta durch den Osser­va­to­re Roma­no (sie­he Bild). Bereits gestern war die Rede im offi­zi­el­len Bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes ver­öf­fent­licht wor­den, eben­so auf der Inter­net­sei­te des Hei­li­gen Stuhls, wo sie unter „Anspra­chen“ gereiht wur­de.

Einer­seits gel­ten die Pre­dig­ten in der mor­gend­li­chen Hei­li­gen Mes­se in San­ta Mar­ta nicht als Teil des päpst­li­chen Lehr­am­tes. Den­noch ent­schied der Vati­kan „nach auf­merk­sa­mer Über­le­gung“, so Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di am 29. Mai 2013, eine Zusam­men­fas­sung zu ver­öf­fent­li­chen „um einem gro­ßen Publi­kum den Reich­tum der Homi­li­en des Pap­stes“ zugäng­lich zu machen. Aus die­sem Grund wer­den gleich zwei unter­schied­li­che Zusam­men­fas­sun­gen ange­fer­tigt und ver­öf­fent­licht, eine von Radio Vati­kan und eine wei­te­re vom Osser­va­to­re Roma­no. Begrün­det wur­de es unter ande­rem mit „der situa­ti­ons­be­ding­ten, spon­ta­nen und fami­liä­re­ren Aus­drucks­wei­se des Hei­li­gen Vaters“, die die­ser in San­ta Mar­ta ver­wen­de.

Die Pre­digt vom 7. Juli in San­ta Mar­ta wur­de jedoch voll­in­halt­lich ver­öf­fent­licht, wie­der­um im Osser­va­to­re Roma­no. „Demü­tig bit­te ich um Ver­ge­bung“, lau­te­te der Titel. Papst Fran­zis­kus hat­te sich mit Opfern sexu­el­len Miß­brauchs durch Kle­ri­ker getrof­fen. Die voll­stän­di­ge Pre­digt wur­de neben der Tages­zei­tung des Vati­kans auch im Bul­le­tin, durch VIS und Radio Vati­kan ver­brei­tet.

Wenn es ein­mal geht, könn­te es auch immer gehen. War­um ver­öf­fent­licht der Hei­li­ge Stuhl nicht täg­lich die Pre­dig­ten voll­in­halt­lich? Oder viel­leicht gar nicht? Auch das wäre eine Opti­on. Wahr­schein­lich sogar die bes­se­re ange­sichts eines „pri­va­ten“ Lehr­am­tes des Pap­stes, das drauf und dran ist, das offi­zi­el­le Lehr­amt zu über­flü­geln und in den Schat­ten zu drän­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Osser­va­to­re Roma­no

19 Kommentare

  1. Genau das scheint geplant: Das „pri­va­te Lehr­amt“ über­flü­gelt das öffent­li­che Lehr­amt und stellt es in den Schat­ten. Das ist der erste Schritt. Bis das offi­zi­el­le Lehr­amt im Schat­ten ver­küm­mert.
    Der zwei­te Schritt ist, dass das „pri­va­te Lehr­amt“, da es ja pri­vat ist, nicht mehr an den geof­fen­bar­ten Glau­ben gebun­den ist.
    Da der Papst jedoch nicht auf die Macht ver­zich­tet, die mit sei­nem Amt ver­bun­den ist, haben wir einen Papst, der sei­ne Per­son, sei­ne per­sön­li­chen Gedan­ken, Gefüh­le, Abnei­gun­gen, Zunei­gun­gen in den Mit­tel­punkt stellt. Die er nicht mehr am geof­fen­bar­ten Glau­ben mes­sen muss. Das ist der letz­te Schritt: Die Per­ver­tie­rung des Papst­am­tes, die Zer­stö­rung der katho­li­schen Kir­che. In die­ser Pha­se dürf­ten wir uns bereits befin­den.
    Dass die deutsch­spra­chi­ge Hier­ar­chie sich nicht auf­rafft, um den Glau­ben zu ver­tei­di­gen, kann nie­man­den wun­dern. Dass sich kein Kar­di­nal welt­weit auf­rafft, ist bit­ter.

    Erz­bi­schof Lef­eb­v­re und der wenig bekann­te Bischof de Castro May­er haben vor über 40 Jah­ren die Gefahr erkannt und gehan­delt. Wie sehr hat der Erz­bi­schof recht behal­ten.
    Doch auch sein Werk ist längst in Gefahr, es möge sich nie­mand Illu­sio­nen machen. Die FSSPX hat unge­mein viel gelei­stet, doch geist­lich wirkt sie inzwi­schen erschlafft. Die Wider­stands­kraft gegen das Rom des Herrn Ber­go­glio wirkt wie erlo­schen.
    Das heißt nicht, dass sie die Irr­tü­mer der Kon­zils­kir­che über­nom­men hät­te. Noch kann man das nicht sagen. Doch wer den Glau­ben nicht gegen die gegen­wär­ti­gen Irr­tü­mer ver­tei­digt, schwächt ihn.
    Die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten sind zum bedin­gungs­lo­sen Gehor­sam ver­ur­teilt, wenn sie nicht ihre Exi­stenz aufs Spiel set­zen wol­len. Wie unter sol­chen Umstän­den der Glau­be voll­um­fäng­lich bewahrt wer­den kann, ist rät­sel­haft.
    Den­noch wird das Mess­op­fer zele­briert, der über­lie­fer­te Glau­be wird in klei­nen Nischen über­le­ben. Glück­lich die Katho­li­ken, die zwi­schen allen Trüm­mern ihre Nische haben, die ein Dach über dem Kopf haben. Das ist bes­ser als nichts…

    • @Zeitlos
      Habe Ihnen unter dem Titel „Papst sus­pen­diert Prie­ster­wei­hen“ geant­wor­tet bzw. eine Fra­ge gestellt. Wür­den Sie nach­se­hen?

  2. Man muss aller­dings der Fair­ness hal­ber bemer­ken, dass Ber­go­glio damit nicht ange­fan­gen hat.
    es hat schon für Befrem­den gesorgt, dass Bene­dikt XVI. sei­ne Jesus­bü­cher „pri­vat“ ver­öf­fent­licht hat und in sei­nem Vor­wort zur ange­reg­ten Debat­te mit ihm auf­ge­ru­fen hat.
    Kann mich noch erin­nern, dass damals pro­te­stan­ti­sche Bekann­te mir ent­ge­gen­hiel­ten, das sei nur vor­ge­scho­ben — alles, was ein Papst öffent­lich äuße­re, gehö­re auch zu sei­nem Lehr­amt, andern­falls wür­de er es ja für sich behal­ten haben!
    Wie wahr!
    Auch Bene­dikt XVI. woll­te nicht so recht Papst sein und lie­ber Pri­vat­ge­lehr­ter blei­ben…

  3. Im übri­gen ist es eine Fra­ge, was eigent­lich „pri­vat“ und was „öffent­lich“ heißt?
    Der Pri­vatus ist ein „Beraub­ter“, frü­her oft ein „Empor­kömm­ling“, ehe­ma­li­ge Skla­ven, die sich hoch­ge­ar­bei­tet haben etc.
    Heu­te bedeu­tet „pri­vat“ so etwas wie „intim“, „per­sön­lich“, „sub­jek­tiv“.

    Aber davon abge­se­hen — „öffent­lich“ ist alles, was ich öffent­lich sage und tu. Wenn ich hier ein Posting set­ze, ist das öffent­lich — an jeder­mann gerich­tet, im Prin­zip so wie auch die F.-Perlen an jeder­mann gerich­tet sind und F.-Interviews von Jour­na­li­sten dann an jeder­mann wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Andern­falls wür­de man schwei­gen oder nur einem erwähl­ten Kreis per­sön­li­cher Bezugs­per­so­nen, die kei­ne Bedeu­tung zur Öffent­lich­keit hin haben, eine Mit­tei­lung machen.

    Und was soll­te man von mir hal­ten, wenn ich „pri­vat“ das Gegen­teil des­sen sagen wür­de, was ich hier poste?

    • Der römi­sche Katho­lik hängt an sei­nem Papst wie der Jun­kie an der Dro­ge. Für die mei­sten Katho­li­ken gilt: lie­ber ein häre­ti­scher Papst als gar kei­ner. War­um wohl lehr­te der hl. Pau­lus: Es ist e i n Gott und e i n Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen, der Mensch Chri­stus Jesus? (1Tim 2,5) — Vor­ge­stern abend hat­te ich ein Gespräch mit einem Prie­ster (gläu­big, fromm und Dr. theol.). Als ich „unser The­ma“ ansprach, sag­te er mir: ein hoch­ran­gi­ger Prä­lat habe ihm sei­ne Mei­nung anver­traut, dass Gott des­halb Fran­zis­kus zuge­las­sen habe, damit wir ler­nen, in einer kom­men­den Chri­sten­ver­fol­gung nicht auf den Papst zu bau­en, son­dern auf das Wesent­li­che des Glau­bens.

      • Der Papst ist der Stell­ver­tre­ter Chri­sti — aller­dings nicht inso­fern als alle ande­ren Gläu­bi­gen nun nicht mehr IHN abbil­den wür­den.

        Sein spe­zi­fi­scher Part ist die Sor­ge über die rech­te Leh­re und die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on.

        Auch in der Geschich­te schon muss­ten Päp­ste auf Hei­li­ge hören, vor­aus­ge­setzt sie waren demü­tig und ech­te Päp­ste.
        Es ist ja gera­de eine fal­sche Ein­stel­lung der Tra­di­ti­on, dass sie den Papst wie einen Halb­gott ver­steht und über­haupt das Reich Got­tes wie eine vul­gär-plum­pe „Hier­ar­chie“ ver­steht.
        Immer wie­der stol­pe­re ich über die­se Idee in der tra­di­tio­na­li­sti­schen Lite­ra­tur, wie schon öfter gesagt bereits im 19. Jh. Das hängt histo­risch natür­lich mit der Auf­lö­sung der alten poli­ti­schen Ord­nun­gen zusam­men. Ab da schlich sich gera­de bei den Kon­ser­va­ti­ven die­ser Kar­di­nal­feh­ler ein. Das berührt aller­dings nicht das Unfehl­bar­keits­dog­ma, denn das grenzt tat­säch­lich ein auf die oben genann­te Auto­ri­tät, die dann aber auch gel­ten muss. Wird ein Papst ihr nicht gerecht, ist er auch nicht der Papst. So ein­fach ist das, und nie­mand muss ihm gehor­chen.

        Dabei hat es Jesus oft genug gesagt: Vor Gott sind vie­le der Ersten die letz­ten!

        Es gab die Päp­ste, die sich mah­nen lie­ßen, weil sie es müs­sen — denn sie sind nicht Gott! Ich den­ke an Petrus, der sich von Pau­lus hart ermah­nen las­sen muss­te, und es ist uns sogar im Schrift­ka­non über­lie­fert. Ich den­ke an Papst Eugen, der „Schü­ler“ sei­nes See­len­füh­rers Bern­hards von Clair­veaux war und des­sen Mah­nun­gen an sein „Kind“ heu­te noch nach­les­bar sind. Oder der berühm­te­ste Fall der Katha­ri­na von Sie­na.

        All die­se Hei­li­gen waren mit­nich­ten Leu­te, die die Auto­ri­tät des Pap­stes bestrit­ten hät­ten. Aber wer nicht mehr gemahnt wird oder wer­den müss­te, kann nur in die Irre gehen.

  4. Wenn er nicht so viel reden wür­de dann hät­ten vie­le Katho­li­ken viel­leicht ein Chan­ce Chri­stus und die­se Zeit bes­ser zu ver­ste­hen. Sie könn­ten sich bes­ser auf das Wesent­li­che vor­be­rei­ten. Ich hal­te das für sehr wich­tig.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  5. Auf kath.net kommt die Mel­dung, dass der Papst zu Fuß zum Zahn­arzt geht. Er wird — wie auch der Kai­ser — an ande­re Orte zu Fuß gehen. Jeden Tag wer­den die Mel­dun­gen über das Leben des Hei­li­gen Vaters bana­ler und zur gro­ßen Demuts­show inszi­niert. Der Papst, der in der Men­sa ißt, etc. Der Kum­pel in Weiß von neben­an. Als näch­stes geht er in den Super­markt. Fran­zis­kus, der nicht pro­mo­viert hat und kei­ne Fremd­spra­chen spricht, kann nur wie popu­li­sti­sche Poli­ti­ker punk­ten: Kin­der umar­men, mit dem Arbei­ter um die Ecke ein Bier heben und über die Beam­ten (Kurie) schimp­fen. Aber die Rech­nung wird nicht auf­ge­hen. Irgend­wann merkt jeder, dass Kai­ser und Papst kei­ne neu­en Klei­der tra­gen, son­dern nackt durch die Stra­ßen mar­schie­ren und lächer­lich gewor­den sind. Noch beju­beln alle Medi­en sein Auf­tre­ten, aber immer mehr sagen es hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand:
    Guck mal, der hat ja gar nix an; da is ja nix; da kommt auch nix.

    • Dem­nächst wird in allen Welt- und Kir­chen­me­di­en zu lesen sein, Papst Fran­zis­kus habe beim Mit­tag­essen in der Casa Mar­tha geäu­ßert: „War­um rülp­set und fur­zet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“. Dar­an wird sich eine tage­lan­ge Dis­kus­si­on ent­spin­nen, ob er es wirk­lich gesagt hat oder ob es ihm nur unter­ge­scho­ben wur­de, und ob es zu dem Zweck war, die Leib­lich­keit des Men­schen theo­lo­gisch ins Licht zu rücken oder um die Öku­me­ne mit den Luthe­ra­nern neu anzu­sto­ßen. Pater Lom­bar­di wird zunächst schwei­gen, dann demen­tie­ren, dann das Demen­ti demen­tie­ren, dann wie­der schwei­gen. Radio Vati­kan und der Osser­va­to­re Roma­no wer­den ver­schie­de­ne Fas­sun­gen brin­gen, wobei die eng­li­sche Fas­sung von Radio Vati­kan abweicht von der deut­schen Fas­sung. Die ita­lie­ni­sche Ori­gi­nal­fas­sung auf einem you­tube-Video, das ein Casa-Mar­ta-Gast mit sei­nem Han­dy zufäl­lig mit­ge­schnit­ten hat, weist an die­ser Stel­le eine offen­kun­di­ge Lücke auf. Mil­lio­nen Katho­li­ken wer­den, je nach­dem, jubeln­de oder ent­rü­ste­te Kom­men­ta­re in Inter­net-Foren schrei­ben. Und die Höl­le lacht ein sar­do­ni­sches Geläch­ter.

      • Haha­ha — Sie soll­ten das irgend­wo für die Sati­re­seit ein­rei­chen!

        Aber es ist trau­rig, dass man über Ber­go­glio fast nicht umhin kommt, sati­risch zu wer­den:

        Dif­fi­ci­le est, sati­ram non scri­be­re.

  6. @Zeitschnur
    Ich habe selbst kri­ti­siert, dass Bene­dikt XVI. mit sei­nen Büchern in eine Debat­te ein­ge­grif­fen hat, die er als Papst ent­schei­den muss. Es war, als hät­te er Urlaub vom Amt des Pap­stes genom­men und sei wie­der in die Rol­le des Gelehr­ten geschlupft.
    Den­noch bestehen wesent­li­che Unter­schie­de zu Herrn Ber­go­glio:
    1. Er hat es ganz deut­lich geschrie­ben: Sei­ne Bücher sind kein lehr­amt­li­cher Akt. Jeder, der die Bücher las, konn­te es lesen .
    2. Er hat höchst seri­ös gear­bei­tet. Sorg­fäl­tig, mit Quel­len­an­ga­ben, in Aus­ein­an­der­set­zung mit füh­ren­den Gelehr­ten, er hat — neben­bei erwähnt — sei­nen Urlaub weit­ge­hend dafür geop­fert.
    3. Er hat den über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben als Gelehr­ter ver­tei­digt.
    Ich wie­der­ho­le es: Das geht als Papst nicht mehr. Aber sei­ne Bücher waren alles ande­re als zer­stö­re­risch für den Glau­ben. Er konn­te damit Men­schen errei­chen, die auf lehr­amt­li­che Akte nichts geben.
    Nun zu Herrn Ber­go­glio:
    1. Er pre­digt täg­lich, 2 Fas­sun­gen sei­ner Pre­dig­ten wer­den ver­öf­fent­licht — unse­ri­ös! Hin­ter wel­cher Fas­sung steht Herr Ber­go­glio?
    2. Damit stif­tet Herr Ber­go­glio bewusst Ver­wir­rung, was man Bene­dikt XVI. nie und nim­mer vor­wer­fen kann.
    3. Herr Ber­go­glio arbei­tet genau­so unse­ri­ös in Inter­views. Was hat er gesagt, was dich­tet ihm sein Inter­view­part­ner an? Kaum jemand weiß es. Herr Ber­go­glio macht es ganz bewusst, es ist sei­ne Stra­te­gie.
    4. Die Äuße­run­gen die­ses Taschen­spie­lers, die­ses Tricksers auf dem Stuhl Petri sind viel zu oft direkt gegen den über­lie­fer­ten Glau­ben gerich­tet. Den er damit zer­stört.

    Abschlie­ßend möch­te ich bemer­ken: Nach mei­ner Mei­nung darf man die Feh­ler der bei­den Päp­ste nicht über einen Kamm sche­ren. Die Unter­schie­de sind der­ma­ßen gra­vie­rend, dass man selbst in Gefahr gerät, nicht mehr seri­ös zu argu­men­tie­ren, wenn man es macht.

    • Ich bit­te um sach­ge­mä­ßes Lesen mei­nes Postings. ich habe kei­ne Gene­ral­ver­gleich zwi­schen den bei­den „Päp­sten“ ange­stellt — also bit­te kei­ne Unter­stel­lun­gen über „Über einen Kamm sche­ren“ und ähn­li­ches:

      Mir ging es um die Pro­ble­ma­tik, dass ein Papst über­haupt nach außen sug­ge­riert, es gebe eine „pri­va­te öffent­li­che“ und eine „öffent­lich-öffent­li­che“ Sei­te sei­ner Per­son.

      Letzt­end­lich begrün­det die­se fal­sche Hal­tung Bene­dikts auch sei­nen Rück­tritt und den „papa eme­ri­tus“.

      Das Bene­dikt wesent­lich intel­li­gen­ter und stil­vol­ler ist, und dass er die­se feh­ler­haf­te Hal­tung nicht so vul­ga­ri­siert hat, wie Ber­go­glio das tut, mag ja sein, aber es ändert nichts an dem, was ich her­vor­he­ben woll­te:

      dass die­se prin­zi­pi­el­le Auf­fas­sung des Papst­am­tes außer­halb der Tra­di­ti­on steht, ob nun stil­voll und in der fal­schen Hal­tung kon­se­quent oder vul­gär und in der­sel­ben fal­schen Hal­tung inkon­se­quent.

      • @ Zeit­schnur
        Ich habe Ihren Kom­men­tar auf­merk­sam gele­sen. Mein Hin­weis, dass bei­de Päp­ste „nicht über einen Kamm zu sche­ren sind“, war all­ge­mein gemeint, nicht direkt auf Sie bezo­gen. Das Miss­ver­ständ­nis tut mir leid.
        Ich habe den­noch eine abwei­chen­de Mei­nung, und das ist ja auch nicht schlimm.
        Ich den­ke schon, dass ein Papst ein Buch schrei­ben und bemer­ken darf, es habe nicht aus­drück­lich lehr­amt­li­chen Cha­rak­ter, der Inhalt sei nicht ver­bind­lich für alle Katho­li­ken zu glau­ben. Ob es sinn­voll ist, ist eine ande­re Fra­ge.

        Bei Bene­dikt ver­hielt es sich anders, weit­aus bedenk­li­cher. Er griff in eine Debat­te ein, in der wesent­li­che Glau­bens­in­hal­te geleug­net wer­den. Er darf dann nicht nur als Gelehr­ter den Glau­ben ver­tei­di­gen, son­dern er muss als Papst ver­ur­tei­len.
        Wir alle wis­sen, er hat es nicht getan. Doch die­se Ent­wick­lung hat Johan­nes XXIII. zu ver­ant­wor­ten. Was Bene­dikt nicht grund­sätz­lich ent­schul­digt, aber sein Ver­hal­ten ver­ste­hen lässt.

        Es ist wirk­lich kom­pli­ziert: Zwi­schen den vor­kon­zi­lia­ren Päp­sten und den Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­sten besteht ein­deu­tig ein Bruch. Doch es ist auch nicht zu bestrei­ten, dass Bene­dikt XVI. von all die­sen „Bruch- Päp­sten“ der seriö­se­ste war, der den Bruch nicht woll­te. Der gera­de des­halb ange­fein­det wur­de, wie kaum ein Mann der Kir­che nach dem 2. Vat. Kon­zil. Der mit „Summorum Pon­ti­fi­cum“ den über­lie­fer­ten römi­schen Ritus auf­ge­wer­tet hat, was ihm sei­ne Geg­ner nie ver­zei­hen wer­den. Denn die­se Auf­wer­tung kann ent­schei­dend zu einer Hei­lung der bedroh­li­chen Glau­bens- und Kir­chen­kri­se füh­ren, jeden­falls lang­fri­stig.

        Herr Ber­go­glio will den Bruch. Und zwar radi­kal, bru­tal. Er bekämpft den über­lie­fer­ten Ritus, so weit es ihm mög­lich ist.

        Sie bestrei­ten das nicht. Aber es gibt hier noch mehr Leser und Lese­rin­nen, wir füh­ren ja kei­nen pri­va­ten Aus­tausch.
        Des­we­gen beto­ne ich es noch­mal aus­drück­lich.

      • @ zeit­los

        Ich den­ke, Sie wis­sen ja, dass ich Bene­dikt XVI. anfangs posi­ti­ti­ver gese­hen habe und ihm viel zugu­te hielt. Er hat Stil, er ist klug, er konn­te etwas von dem „alten“ Papst­tum noch mal auf­le­ben las­sen, kei­ne Fra­ge.
        Ber­go­glio ist ein­fach nur vul­gär, wühlt aus­schließ­lich in der unter­sten Schub­la­de und behaup­tet auch noch frech, es gäbe nur die­se eine Schub­la­de…

        Aber mit zuneh­men­der Ratz­in­ger-Lek­tü­re muss­te ich zur Kennt­nis neh­men, dass er einen wesent­li­chen Teil der tra­dier­ten Leh­re zwar nicht direkt leug­net, aber das tut, was das Vati­ca­num I ver­wor­fen hat­te:

        „Wer sagt, es kön­ne gesche­hen, dass den von der Kir­che vor­ge­leg­ten Lehr­sät­zen ein­mal ent­spre­chend dem Fort­schritt der Wis­sen­schaft ein ande­rer Sinn zuzu­schrei­ben sei als der, den die Kir­che gemeint hat und meint: der sei mit dem Anathe­ma belegt.“ (Dei fili­us, Canon 3 über „Glau­be und Ver­nunft“

        Seit­her sehe ich ihn mit ande­ren Augen, denn sei­ne „Her­me­neu­tik der Reform“ macht ja in der Tat die theo­lo­gi­sche Reform zu einem unbe­re­chen­ba­ren und ideo­lo­gi­schen Fak­tor der gan­zen Theo­lo­gie. Denn die Fra­ge, wie eine sol­che Reform in Kon­ti­nui­tät eigent­lich aus­se­hen soll, hat er nir­gends so beant­wor­tet, dass nicht am Ende doch wie­der alles offen wäre.
        Er ist wegen sei­ner Intel­li­genz wesent­lich schwe­rer zu fas­sen und zu kri­ti­sie­ren … und auch zu stop­pen gewe­sen. Viel­leicht wis­sen Sie, dass sei­ne Habil­schrift von einem der Kor­rek­to­ren wegen die­ser moder­ni­sti­schen phi­lo­so­phi­schen Grund­la­ge ver­wor­fen wur­de. Man hat also durch­aus das Ratz­in­ger-Pro­blem in treu­en theo­lo­gi­schen Krei­sen gesehen…damals..

        Sie sagen es ja selbst, dass es unver­ant­wort­lich ist, in einer deso­la­ten theo­lo­gi­schen Jesus-Debat­te als Papst nun „ganz pri­vat“ ein Buch zu ver­öf­fent­li­chen. Immer­hin ist Jesus der Herr, der Bräu­ti­gam, der, dem die Kir­che gehört und dem ich gehö­re! Und Ratz­in­ger war sein Stell­ver­tre­ter!

        Ber­go­glio dage­gen ist vul­gär, tyran­nisch und popu­li­stisch. Er ist zudem ein Häre­ti­ker schlimm­ster Sor­te. Von Anfang an habe ich ihn so gese­hen und habe mich hier auf Katho­li­sches, aber auch über pri­va­te Emails und auf mei­nem Blog dafür halb tot­schla­gen las­sen müs­sen.
        Ich habe stets gute Grün­de genannt, und nie­mand konn­te sie auf der Sach­ebe­ne wider­le­gen. Die fort­schrei­ten­de Zeit zeigt, dass ich ihn nicht falsch beur­teilt habe — bis jetzt ist alles so gekom­men, wie ich es befürch­tet hat­te. Er wird bald ganz offen sein Visier her­un­ter­klap­pen, und dann wird es schlimm, rich­tig schlimm. Er ver­ur­sacht mir Alp­träu­me. Und ich wünsch­te immer noch, ich hät­te nicht recht…

        Sanc­ta Maria ora pro nobis pec­ca­to­ri­bus!

      • Zeit­los:

        Wenn etwas nicht sinn­voll ist, dann soll­te man es doch über­haupt nicht tun.

        Ist es nicht wie mit einem jeden Gedan­ken: Ent­we­der er ist gut — und damit gott­ge­fäl­lig, oder er ist schlecht — und stammt damit vom …?

  7. Immer schon spra­chen Päp­ste öffent­lich und pri­vat. Der Mensch ändert sich ja nicht. Es hängt sicher­lich gro­ßen­teils mit den Medi­en zusam­men, die omni­prä­sent sind, daß man das heu­te erst bemerkt und frü­her halt nicht- wie auch! Da wird jeder Fin­ger­zeig und alles Mög­li­che dann der gan­zen Welt zugleich „mit­ge­teilt“. Bei Bene­dikt wars mal so eine Niko­laus­kap­pe- es war ihm kalt, die das rege Inter­es­se der Medi­en­ge­mein­de fand. Von Johan­nes Paul II. wur­den etli­che Fotos auf sei­nen Rei­sen in alle Welt geschos­sen. Das Bild ist sooo wich­tig. Es ist auch wich­tig. Letzt­lich wich­ti­ger als Buch­sta­ben. Man hat ja ein Bild von sei­nen Lie­ben auf was auch immer ste­hen und nicht einen schö­nen Brief, den man sich täg­lich anschaut. Das Bild machts.

    Es gibt dann so „Bild“- Nach­rich­ten wie, daß der Papst zu Fuß zum Zahn­arzt geht und wo er sei­ne Piz­za ißt. Da kann der Papst aber nichts dafür. Das alles ist in der heu­ti­gen Medi­en­welt „inter­es­sant“ und fin­det sei­ne Leser und Zuse­her.
    Schein­bar Bana­les wird wich­tig, längst nicht alles, aber auch wich­tig. Der auf­er­stan­de­ne Herr zeig­te sich den Jün­gern und muß­te es auch. Er hät­te auch der Maria Mag­da­le­na ein Schrift­stück geben kön­nen: „Ich, Euer Jesus, bin auf­er­stan­den. War­tet auf den Hl. Geist. Auf Wie­der­se­hen im Him­mel! Machts gut!“

  8. @ Zeit­schnur

    Viel­leicht muss man sich als Grund­la­ge jeder Debat­te immer wie­der vor Augen füh­ren: Wir leben in einem bei­spiel­lo­sen Wirr­warr, was den katho­li­schen Glau­ben anbe­trifft. Oder bild­lich gespro­chen: Das Kind ist in den Brun­nen gefal­len, das Lehr­amt der katho­li­schen Kir­che ist zusam­men­ge­bro­chen. Und das seit Jahr­zehn­ten.
    Was Ratz­in­ger anbe­trifft: Allein sein weit ver­brei­te­tes Buch „Ein­füh­rung in das Chri­sten­tum“ ent­hält Häre­si­en. Er hat sie als Kar­di­nal und spä­ter als Papst nie mehr wie­der­holt. Aber er hat sein Buch nie kor­ri­giert, jede Neu­auf­la­ge erscheint unver­än­dert.
    Die­se Wider­sprüch­lich­keit ist für ihn typisch.
    Viel­leicht gibt es für sei­ne Wider­sprüch­lich­keit eine Erklä­rung, die in sei­nem Cha­rak­ter begrün­det ist. Mensch­lich wirk­te er zwar beschei­den, aber als Gelehr­ter hat er sich enorm über­schätzt. Er bil­de­te sich ein, er kön­ne sei­ne teils neo­mo­der­ni­sti­schen Ideen mit der Tra­di­ti­on ver­bin­den.

    Ber­go­glio hasst die Tra­di­ti­on, Ratz­in­ger bil­de­te sich ein, er kön­ne sie ver­än­dern ohne sie zu zer­stö­ren.
    Nach den Grund­prin­zi­pi­en ist bei­des übel, man braucht eigent­lich nicht zu unter­schei­den.

    Doch die Fra­ge ist, wie ist die­se Kri­se zu über­win­den? Da bis­her in der Kir­chen­ge­schich­te die Vor­se­hung Got­tes sich mensch­li­cher Werk­zeu­ge bedient hat, könn­ten eini­ge Ent­schei­dun­gen Bene­dikt XVI. aus der Kri­se her­aus­füh­ren.

    Hier muss ich wie­der „Summorum Pon­ti­fi­cum“ erwäh­nen. Unter Bene­dikt XVI. hät­ten die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta die­ses Schick­sal, zer­stört zu wer­den, nicht erlit­ten. Wahr­schein­lich wären sie gar nicht auf­ge­blüht ohne ihre Hin­wen­dung zur Mes­se aller Zei­ten. Ähn­li­ches gilt für die Diö­ze­se Ciu­dad del Este. Ber­go­glio hat die Macht, auch dort zer­stö­re­risch zu wir­ken, und er wird sie aus­nut­zen.

    Aber irgend­wann ist es vor­bei mit die­ser Ber­go­glio-Genera­ti­on und ihren Nach­fol­gern. Und viel­leicht befin­det sich in irgend­ei­nem Semi­nar der Petrus­bru­der­schaft oder einer ande­ren Eccle­sia-Dei-Gemein­schaft ein jun­ger Semi­na­rist, der spä­ter Papst wird. Und die­ser Papst prak­ti­ziert den über­lie­fer­ten Glau­ben, er fei­ert das Mess­op­fer, spen­det die Sakra­men­te in der über­lie­fer­ten Form. Und es gibt genug Gläu­bi­ge, denen dank „Summorum Pon­ti­fi­cum“ sein Wir­ken ver­traut ist, die katho­lisch geblie­ben sind.

    Wer weiß, ob es so kommt. Wie immer es aus­geht: Vom Null­punkt kann kein Papst die Hei­lung ein­lei­ten. Ohne „Summorum Pon­ti­fi­cum“ wäre die Triden­ti­ni­sche Mes­se wahr­schein­lich ver­küm­mert. Mit der Mes­se Paul VI. ist eine Hei­lung undenk­bar.
    Davon bin ich über­zeugt.

    Auch wenn es grund­sätz­lich stimmt: Wer nur eine Glau­bens­wahr­heit leug­net, ver­zerrt, ver­dreht, der leug­net den gan­zen katho­li­schen Glau­ben, so kann man gegen­wär­tig nur noch nach den Gold­körn­chen suchen in all dem Staub und Schmutz. Und die sind im Pon­ti­fi­kat Bene­dikt XVI. zu fin­den, trotz sei­ner wider­sprüch­li­chen Theo­lo­gie.

    Der inte­gra­le katho­li­sche Glau­be ist das Ziel. Der Weg zum Ziel kann wahr­schein­lich nur noch schritt­wei­se erfol­gen.

Kommentare sind deaktiviert.