Zum Geheimnis des Menschen als „Imago Dei“ — Reflexionen über die Geschlechter (I)

Adam und Eva im ParadiesGast­kom­men­tar von Han­na Jüng­ling

„Simile – Fac simile!“ (Mach ein Gleiches!)

Der Schöp­fungs­be­richt kennt zwei Ver­sio­nen über die Erschaf­fung des Men­schen, eine kur­ze, zusam­men­fas­sen­de Erzäh­lung und eine aus­führ­li­che Beschrei­bung des Nach­ein­an­ders der Erschaf­fung von Mann und Frau.
Nur in der kur­zen zusam­men­fas­sen­den Erzäh­lung wird der Mensch, „als Mann und Frau“, Eben­bild – „ima­go et simi­li­tu­do“ — Got­tes genannt:
„Ait: Facia­mus homi­nem ad ima­gi­nem et simi­li­tu­di­nem nos­tram : (…) Et crea­vit Deus homi­nem ad ima­gi­nem suam : ad ima­gi­nem Dei crea­vit illum, mas­cu­lum et femi­nam crea­vit eos.“ ((Gen. 1, 26+27, alle Bibel­stel­len soweit nicht anders ange­ge­ben, sind eigen­stän­di­ge Über­set­zun­gen der Autorin nach der Vul­ga­ta Cle­men­ti­na, glei­ches gilt für die Zita­te des hei­li­gen Tho­mas von Aquin))
Im aus­führ­li­chen Bericht (Gen. 2, 15–25), in dem die Erschaf­fung Adams, das „Non est bonum“ ((Gen. 2, 18)) sei­ner Ein­sam­keit und die Erschaf­fung Evas für ihn beschrie­ben wird, fällt der Begriff „ima­go“ kein ein­zi­ges Mal.

„Ad ima­gi­nem et simi­li­tu­di­nem“, sagt Gott und spricht hier an die­ser Stel­le von einem „Wir“. Da das Hebräi­sche kei­nen plu­ra­lis maie­sta­tis kennt, ist die latei­ni­sche Plu­ral­über­set­zung eben­so wie die hebräi­sche For­mu­lie­rung wört­lich zu ver­ste­hen. Die Kir­che hat dies als eine erste Kenn­zeich­nung der Tri­ni­tät erkannt. Der Mensch als Mann und Frau in Bezo­gen­heit auf­ein­an­der, als ein „Wir“, und in der gemein­sa­men Auf­ga­be, die Schöp­fung zu pfle­gen und zu nut­zen, ist Eben­bild die­ses gött­li­chen „Wir“. Wie Gott Herr über das All ist, ist der Mensch eine Minia­tur davon und soll die Erde mit allem, was auf ihr lebt und webt, regie­ren.

Da Adam im aus­führ­li­chen Schöp­fungs­be­richt unter den Wesen im Gar­ten Eden, die er hüten, bebau­en und benen­nen („prae­es­se“ – die Lei­tung, Herr­schaft haben ((Gen. 1))) soll, nicht den adiutor simi­lis – eben­bür­ti­ge Hil­fe — fin­det, den Gott für ihn aus­drück­lich als not­wen­dig erach­tet, ist ein­deu­tig zu erken­nen, dass Gott nicht vor­ge­se­hen hat­te, dass Adam über Eva herr­schen soll oder sie über ihn.
Hät­te Er das so vor­ge­se­hen, müss­te man anneh­men, dass die inner­gött­li­che Gemein­schaft der Tri­ni­tät eben­falls durch Herr­schafts­ver­hält­nis­se gekenn­zeich­net wäre, einer der Drei die „Unter­neh­mens­lei­tung hät­te“, und der Mensch die­se Struk­tur folg­lich in glei­cher Wei­se abbil­de. Es ist ersicht­lich, dass sogar Gott sei­ner­seits über Sein Eben­bild nicht herr­schen woll­te, son­dern ihm einen voll­stän­dig unab­hän­gi­gen Wil­len ließ und lässt und sich danach sehnt(e), von Sei­nem Eben­bild frei geliebt zu wer­den. Der Mensch ist ursprüng­lich nicht als Nied­ri­ger oder Leib­ei­ge­ner, son­dern als ein Frei­er, „pau­lo minus ab ange­lis; glo­ria et hono­re coro­na­sti eum ; et con­sti­tu­isti eum super ope­ra manu­um tuar­um“ ((Psalm 8, 6)) – „nur ein klein wenig ent­fernt von den Engeln, von dir mit Ruhm und Ehre gekrönt, und von dir über die Wer­ke dei­ner Hän­de gesetzt“, geschaf­fen.

In der Musik schrei­ben wir unter eine Pas­sa­ge, die wir „genau­so“, „eben­so“, „völ­lig gleich“ gespielt haben wol­len wie eine bestimm­te ande­re vor­aus­ge­hen­de Pas­sa­ge, das italienische/lateinische Wort „simi­le“ – „gleich“. Wenn ein Hand­wer­ker den Auf­trag bekam, ein bestimm­tes Werk­stück abso­lut gleich zu kopie­ren, dann erhielt er den Befehl: „Fac simi­leSchaff ein Glei­ches!“ Die­ses „Fak­si­mi­le“, je bes­ser es ist, steht dem „Ori­gi­nal“ in nichts nach. Der Mensch als Mann und Frau, der sich in die­ser Kon­stel­la­ti­on ver­meh­ren kann, ist zum tri­ni­ta­ri­schen Gott, in des­sen Gemein­schaft es kei­ne Sub­or­di­na­tio­nen gibt, ein sol­ches „simi­le“, die simi­li­tu­do zum gött­li­chen „Wir“. Gott schafft ja nichts Unvoll­kom­me­nes, ein „simi­le“ ist bei IHM ein ech­tes, voll­kom­me­nes „Glei­ches (Abbild) “ … Es gibt nur eine Ein­schrän­kung: die „ima­go“ ver­liert ihren Cha­rak­ter als voll­kom­me­nes Eben­bild, wenn sie sich selbst von der Stel­le ver­rückt, von der aus es ihr allein mög­lich ist, das, was sie abbil­det, voll­kom­men eben­bild­lich abzu­bil­den.

Inwiefern ist das „Simile“ abhängig vom Urbild?

Heiligste Dreifaltigkeit„…qui est ima­go Dei invi­si­bi­lis, pri­mo­ge­ni­tus omnis crea­tu­rঠ: quo­ni­am in ipso con­dita sunt uni­ver­sa in cà¦lis, et in ter­ra, visi­bi­lia, et invi­si­bi­lia, sive thro­ni, sive domi­na­tio­nes, sive princi­pa­tus, sive pote­sta­tes : omnia per ipsum et in ipso crea­ta sunt : et ipse est ante omnes, et omnia in ipso con­stant…“ — …der das Eben­bild des unsicht­ba­ren Got­tes ist, der Erst­ge­bo­re­ne aller Geschöp­fe : in IHM sind ja alle Din­ge im Him­mel und auf Erden geschaf­fen, die sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Din­ge, die Thro­ne und Herr­schaf­ten, die Für­sten und Macht­ha­ber : alles ist durch ihn und in ihm erschaf­fen : und er war vor allem da, und in ihm hat alles Bestand. ((Kol. 1, 15 f))

Der Mensch ist mit Herr­lich­keit und Ehre ver­se­hen durch Gott, stellt ein ech­tes „Simi­le“ dar, aber die­se hohe Wür­de erlischt in dem Augen­blick, in dem der Mensch sich von dem los­sagt, in dem allei­ne er fest­ste­hen kann: von Gott, von Chri­stus, der vor aller Zeit war und aus dem und für den alles geschaf­fen ist.
Auch die­ser Zusam­men­hang bil­det sich im Men­schen ab, aller­dings mit einer wei­te­ren Ein­schrän­kung:
Wie alle Din­ge durch Ihn und aus Ihm ent­stan­den sind, ist die Frau aus dem Mann her­aus ent­stan­den. Wie Gott selbst den Men­schen ersehn­te und sich selbst einen „adiutor simi­lis“ schaf­fen woll­te, der mit Ihm regiert, so erzeug­te Gott auch in dem zuerst geschaf­fe­nen Mann die­sen unbän­di­gen Wunsch nach einem „Simi­le“, das mit ihm die Erde hegt und pflegt. Der ein­schrän­ken­de Umstand aller­dings, der die vom Mann unter Sün­de ger­ne auf­ge­stell­te Behaup­tung, der Mann ste­he des­halb näher bei Gott als die Frau, voll­kom­men aus­schließt, liegt dar­in, dass nicht Adam etwa aus sich selbst her­aus Eva erschafft (wie Gott aus sich her­aus die Din­ge schuf), son­dern die­ser Akt Gott vor­be­hal­ten blieb, wäh­rend Adam damit über­haupt nichts zu schaf­fen haben durf­te: Gott ver­setz­te ihn in einen tie­fen Schlaf, in eine Nar­ko­se. Adam bleibt hier also wie Eva auf der bedürf­ti­gen, in allen Din­gen ganz von sei­nem Schöp­fer abhän­gi­gen Posi­ti­on. Erst die wei­te­re Erschaf­fung von Men­schen legt Gott dann in die Hand von Mann und Frau gemein­sam: “Cres­ci­te et mul­ti­pli­ca­mi­ni et rep­le­te ter­ram – Wachst, mehrt euch und füllt die Erde“ ((Gen. 1, 28))

Die spä­ter noch ein­mal genau­er betrach­te­te Beschrei­bung der Schöp­fungs­ord­nung beim hl. Pau­lus gibt eben­falls einen sub­ti­len Hin­weis dar­auf, dass die Frau nicht total abhän­gi­ge „Ima­go“ des Man­nes ist, son­dern nur eine „rela­ti­ve Ima­go“, wenn über­haupt: „(Vir)… ima­go et glo­ria est Dei; mulier autem glo­ria viri est. ((1. Kor. 11, 7)) Vom Mann heißt es, er sei „Ima­go“ Got­tes. Aus der Gene­sis wis­sen wir, dass dies simul­tan und selbst­ver­ständ­lich auch für die Frau gilt. Der hl. Pau­lus sagt dar­über hin­aus, der Mann sei aber auch „glo­ria“, also Ruhm, Glanz oder Ehre Got­tes, die Frau sei „glo­ria“ des Man­nes. Man beach­te den sub­ti­len Umstand, dass hier ver­mie­den wird, die Frau als „ima­go“ des Man­nes zu bezeich­nen. In der mensch­li­chen „ima­go“ des drei­fal­ti­gen Got­tes ist sie eben­so „ima­go Dei“ wie der Mann. Inner­halb der mensch­li­chen „ima­go“ wie­der­um bil­det sie die Kir­che ab, der Mann Chri­stus, und inso­fern ist die Frau „glo­ria“ des Man­nes als die Kir­che „glo­ria“ Chri­sti ist.

Eine Eman­zi­pa­ti­on der Frau vom Mann dem­ge­gen­über, wie sie der Frau unter Sün­de vor­schwebt, die man par­al­lel zur auf­klä­re­ri­schen Eman­zi­pa­ti­on des „mün­di­gen Men­schen“ von Gott ver­ste­hen muss, führt zum Tod. Eine Mensch­heit, die ihren Schöp­fer töten will, muss ster­ben. Eman­zi­pa­ti­on im Sin­ne der Selbst­set­zung ist dem Men­schen nur um den Preis des Todes mög­lich. War­um ist das so?

Der ent­schei­den­de Unter­schied zwi­schen Gott und Mensch trotz der Eben­bild­lich­keit, die ein ech­tes „Simi­le“ bedeu­tet, ist, dass eine „ima­go“, die nicht mehr in der abbil­den­den Bezie­hung zu dem, den sie abbil­det, ste­hen will, zum Ster­ben ver­ur­teilt ist, wohin­ge­gen das Urbild auch ohne Eben­bild leben könn­te. Was soll „Men­schen­wür­de“ sein, wenn nicht die­ses „Abbil­den“, die­ses groß­ar­ti­ge „Simi­le“ zu Gott? Wie soll der Mensch in sich ste­hen als Per­son, wenn er nicht mehr dar­in dem glei­chen will, der allei­ne allem die­ses In-sich-Ste­hen ermög­licht? Omnia in ipso con­stant … ohne Ihn hat nichts Bestand, ohne Ihn ver­sinkt der Mensch ins Tohu­wa­buhu, er mag die Potenz zum In-sich-Ste­hen noch in sich tra­gen, aber er wird sie ohne Ihn kaum ent­fal­ten kön­nen.

Es wäre ande­rer­seits auch unsin­nig und wider­sprä­che dem bibli­schen Text total, wenn man sagen woll­te: der Mann sei als „Urbild“ der Frau allei­ne etwas ((Die­se Behaup­tung wird in der Lite­ra­tur immer wie­der auf­ge­stellt. Zum Bei­spiel Oda Schnei­der: Vom Prie­ster­tum der Frau. 1993 (Neu­auf­la­ge von 1934) )), die Frau ohne den Mann aber nicht. Wer das behaup­tet, wider­spricht dem „Non est bonum“, das Gott über dem Mann ohne Frau spricht eben­so wie der Fest­stel­lung, dass bei­de Geschlech­ter Got­tes „ima­go et simi­li­tu­do“ sind. Denn Adam ist ja kein in sich ste­hen­des „Urbild“ wie Gott! Er ist Eben­bild Got­tes, und Eva ist Eben­bild Got­tes wie Adam und eben­so noch ein­mal Eben­bild des Eben­bil­des. Dies geht auch ein­deu­tig aus der Inter­pre­ta­ti­on durch den hei­li­gen Pau­lus her­vor, der dar­auf hin­weist, dass der Mann eben­so „durch die Frau“ kom­me wie die Frau ein­mal „aus dem Mann“ geschaf­fen wor­den sei. ((1. Kor. 11, 11 f)) Es ist aber ersicht­lich, dass die Rol­le der Frau kom­ple­xer erscheint, mehr­di­men­sio­na­ler und dadurch auch zen­tra­ler.

Fest steht: Gott hät­te uns nicht gebraucht, aber wir sind ohne Ihn nichts.
Dass Gott in Sei­ner Grö­ße nicht allei­ne sein, nicht ohne uns sein woll­te, und sich uns geschaf­fen hat, wir Ihn aber ver­ach­tet haben, kann mich nur erschüt­tert schwei­gen las­sen.

Arianischer Hass auf das „Simile“

Heiligste Dreifaltigkeit Gott Vater - Sohn - Heiliger GeistDie Kir­che hat mit der aria­ni­schen „Herr­schafts“- und „Unterordnungs“-Vorstellung lan­ge gekämpft und tut es wie­der. Die­se häre­ti­sche Auf­fas­sung wur­de auf dem Kon­zil von Chal­ke­don von 451, das die For­mel für das Gott­men­schen­tum Jesu Chri­sti und die abso­lu­te Wesens­gleich­heit und Gleich­ran­gig­keit des Vaters und des Soh­nes defi­nier­te, ein für alle­mal ver­wor­fen. Der nach­fol­gen­de, Jahr­hun­der­te wäh­ren­de, prin­zi­pi­ell immer mit den Aus­läu­fern des Aria­nis­mus rin­gen­de Streit um das „Filio­que“, den Zusatz zum Nicä­ni­schen Glau­bens­be­kennt­nis, der defi­niert, dass der Hei­li­ge Geist aus dem Vater und dem Sohn her­vor­geht und nicht nur aus dem Vater (wor­auf die Ortho­do­xie bis heu­te besteht), wur­de mit der Dog­ma­ti­sie­rung des „Filio­que“ auf dem 4. Later­an­kon­zil von 1215 abge­schlos­sen. Inner­halb der in sich selbst wesens­glei­chen Tri­ni­tät gibt es nach der römisch-katho­li­schen Leh­re kei­ner­lei Sub­or­di­na­tio­nen und Wesens­un­ter­schie­de. Folg­lich gibt es auch inner­halb der kom­ple­men­tä­ren Anla­ge des Men­schen als Mann und Frau von Anbe­ginn her kei­ne Sub­or­di­na­tio­nen und Wesens­un­ter­schie­de. Die­ses Prin­zip gilt grund­sätz­lich zwi­schen allen Men­schen. Im Volk Isra­el des Alten Bun­des durf­te nie­mand ver­sklavt wer­den: „fra­tres autem vestros fili­os Israà«l ne oppri­ma­tis per poten­ti­am.“ – Eure Brü­der aus den Kin­dern Isra­els aber dürft ihr nicht mit Gewalt ver­skla­ven. ((Lev. 25, 46)) Auch wenn die­se Vor­schrift – unter dem Joch der Sün­de — inkon­se­quent bleibt, weil Israe­li­ten sehr wohl Skla­ven aus frem­den Völ­kern hal­ten durf­ten, wird den­noch spür­bar, dass in einem gehei­lig­ten Volk sol­che Unter­wer­fun­gen am Wesen Got­tes vor­bei füh­ren, Ihn belei­di­gen. Mit der Chri­stia­ni­sie­rung wur­de nach und nach die Skla­ve­rei wenig­stens stark zurück­ge­drängt und in Mit­tel­eu­ro­pa for­mell ganz abge­schafft. ((https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Sklaverei#Mittelalter, abge­ru­fen am 29.5.2014)) Aller­dings wage ich die The­se vor­zu­tra­gen, dass sie über­all da wie­der auf­flamm­te bzw. ver­blieb, wo man aria­ni­schen Got­tes­vor­stel­lun­gen wei­ter­hin oder erneut anhing oder sich unkon­trol­liert wähn­te (in Kolo­nien, abge­le­ge­nen Gegen­den, in pro­te­stan­ti­schen und ortho­do­xen Räu­men). Die Wei­sung des hei­li­gen Pau­lus im Brief an Phi­le­mon ist grund­sätz­lich ein­deu­tig: der Skla­ve One­si­mus ist der Glau­bens­bru­der sei­nes Herrn und soll von ihm so behan­delt wer­den. Es ist kaum davon aus­zu­ge­hen, dass der hei­li­ge Pau­lus das „rein theo­re­tisch“ mein­te. Wenn er dem ent­lau­fe­nen Skla­ven gebot, zurück­zu­keh­ren, meint dies zunächst ein­mal, dass es nicht Sache des Chri­sten ist, Herr­schafts­ver­hält­nis­se zu stür­zen oder ihnen davon­zu­lau­fen. Sie bestehen in Chri­stus schlicht und ein­fach nicht mehr – gleich, was uns an sozia­len Lasten auf­er­legt ist. Wenn also der hei­li­ge Pau­lus Phi­le­mon dazu auf­for­dert, in One­si­mus den Bru­der zu sehen, One­si­mus aber ande­rer­seits dazu auf­for­dert, zurück­zu­keh­ren zu die­sem … Bru­der, dann heißt das, dass das Ver­hält­nis zwi­schen die­sen bei­den Chri­sten nach der Rück­kehr des Jun­gen ein ande­res sein muss­te als zuvor. Das Ver­hält­nis der Chri­sten zuein­an­der ist das der gegen­sei­ti­gen Unter­ord­nung im Herrn, um Ihn, der sich sei­ner­seits für uns hin­ge­ge­ben hat, zu ver­herr­li­chen (s. u.).
Die Mei­nung, bestimm­te Men­schen sei­en dazu geschaf­fen, sich ande­ren unter­zu­ord­nen, belei­digt das Wesen Chri­sti zutiefst, und es ist eine Schan­de, wenn Katho­li­ken poli­ti­sche Ideo­lo­gien, die sol­cher­lei behaup­ten, für „katho­lisch“ hal­ten.

Es ist dem natür­li­chen Men­schen unter Sün­de ein Ärger­nis, dass wir an einen Gott glau­ben, der so gar nicht an Macht und Unter­wer­fung inter­es­siert scheint. Aria­nisch gefärb­te Auf­fas­sun­gen – und sie lau­ern in allen Nischen der Kir­che — haben gro­ße Pro­ble­me mit dem dog­ma­tisch so defi­nier­ten Got­tes­bild der Kir­che. In sei­ner Trag­wei­te sicht­bar wird die­se tri­ni­täts­theo­lo­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung an der Gestalt und Bedeu­tung Mari­as als Toch­ter des Vaters, Braut des Hei­li­gen Gei­stes und als Got­tes­ge­bä­re­rin. Die Hal­tung zu ihr ist der Grad­mes­ser der Got­tes­furcht. Es ist kein Zufall, dass nicht ein Mann, son­dern eine Frau die­se zen­tra­le Rol­le im Heils­ge­sche­hen ein­nimmt. Ich wer­de dar­auf spä­ter zurück­kom­men.

Auf die aus­drück­li­che Ableh­nung der Tri­ni­tät, die kei­ne Macht‑, son­dern eine Lie­bes­ge­mein­schaft ist, durch das Juden­tum und den Islam soll hier nur knapp hin­ge­wie­sen wer­den. Eine Über­ein­stim­mung im Glau­ben an den einen Gott kann folg­lich nicht behaup­tet wer­den.

Es ist dar­über hin­aus aber auch ein Ärger­nis, dass Gott zwi­schen den Men­schen von Anfang an kei­ne Sub­or­di­na­tio­nen woll­te. Der Mensch unter Sün­de kann die Welt nur unter macht­ideo­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten deu­ten. Dies wird anhand der Geschich­te deut­lich, die uns das Alte Testa­ment über die For­de­rung des gehei­lig­ten Vol­kes Isra­el nach einem Macht­ha­ber erzählt. Das Volk tritt mit der For­de­rung nach einem König, „wie es bei allen Völ­kern der Fall ist“, an den alten Pro­phe­ten Samu­el her­an. ((1. Samu­el 8, 5)) Samu­el, der erfah­re­ne Got­tes­mann, Rich­ter und Pro­phet, der erkennt, dass es im Volk Got­tes kei­ne Unter­wer­fun­gen geben soll­te, weil sie das Wesen Got­tes belei­di­gen, ist ver­är­gert. Der Herr spricht zu ihm jedoch: „Mich haben sie ver­wor­fen: Ich soll nicht mehr ihr König sein.“ ((1. Samu­el 8, 7)) Gott beauf­tragt Samu­el, dem Volk vor Augen zu füh­ren, was es heißt, unter­wor­fen zu sein. In den düster­sten Far­ben und sehr aus­führ­lich fächert Samu­el den Israe­li­ten auf allen Ebe­nen das Pan­ora­ma auf, das sie erwar­tet, wenn sie sich unter einen König unter­ord­nen müs­sen. Das Volk nimmt die­se War­nun­gen nicht ernst und beharrt: „Nein, ein König soll über uns herr­schen!“ ((1. Samu­el 8, 19))

Die groß­ar­ti­ge Unter­ord­nungs­ge­ste, gepaart mit einer Auf­for­de­rung, über sie zu herr­schen, mit der Frau­en oft gegen­über Män­nern auf­tre­ten, vor allem, wenn sie sich dabei beson­ders fromm wäh­nen, dürf­te daher in den sel­ten­sten Fäl­len mit ech­ter Demut und Lie­be asso­zi­iert sein. Die­se Geste ist Fol­ge der Sün­de, wie wir spä­ter sehen wer­den. Man kann viel­leicht zuge­spitzt sagen: in Gemein­schaf­ten, in denen Gott der Herr ist, kann es kei­ne Herr­scher geben, son­dern nur gegen­sei­ti­ge Unter­ord­nung im Herrn, der dar­in ein uns beschä­men­des Vor­bild war und ist. Hat Er sich nicht bis heu­te in die Hand sün­di­ger Men­schen gege­ben? Lässt er sich nicht bis heu­te auch von Unwür­di­gen ver­spei­sen (in der Kom­mu­ni­on)? Wer sich das ein­mal vor Augen führt, wird sei­ne Hand, die über Macht und Domi­nanz ange­ben will, sin­ken las­sen müs­sen…

Ob der Mensch macht­vol­le Hier­ar­chien oder – wenn er genug hat von den Macht­ha­bern, nach denen er zuvor geschrien hat­te — erzwun­ge­ne, eman­zi­pa­to­ri­sche „Gleich­heit“ pro­kla­miert, immer setzt er die Not­wen­dig­keit des gegen­sei­ti­gen Domi­nie­rens oder des „Jeder-ist-sein-eige­ner-Herr!“ vor­aus. Wir fin­den davon kein Ster­bens­wort im Schöp­fungs­be­richt: So wie in Ihm Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist zwar wesens­gleich, aber den­noch unter­schied­lich sind, so sind auch Mann und Frau para­dox gleich und ungleich ange­legt. Sie sind einer­seits völ­lig „simi­lis“ und doch auf eine asym­me­tri­sche Wei­se unter­schied­lich. Wie das Wesen Got­tes unbe­greif­lich bleibt, bleibt sich auch der Mensch unbe­greif­lich. Er kann eini­ge Unter­schie­de der Geschlech­ter erfas­sen, aber vie­les ver­mag er nicht zu defi­nie­ren oder zu erklä­ren, obwohl er es täg­lich “erlebt“. Alle Ver­su­che, das „Wesen“ des Man­nes und der Frau exakt zu unter­schei­den, sind daher zum Schei­tern ver­ur­teilt. Nur der bio­lo­gi­sche Unter­schied ist offen­kun­dig und beschreib­bar, aber schon an die­ser Stel­le rutscht dem For­scher all­zu oft der Faden aus der Hand… So wie Gott sich nicht nur selbst gehö­ren woll­te, soll auch der Mensch sich nicht selbst gehö­ren, son­dern an Gott und in Gott an den ande­ren ver­schen­ken. Er hat es aber vor­ge­zo­gen, einen schein­bar „attrak­ti­ve­ren“ Weg zu gehen – den Weg der Domi­nanz und Macht. Aus der Uner­fass­bar­keit der Kom­ple­men­ta­ri­tät ergab sich ursprüng­lich der ewi­ge Reiz zwi­schen den Geschlech­tern, ihre Ver­wo­ben­heit und Lie­be zuein­an­der, ihre Frucht­bar­keit und Schöp­fer­kraft. Und ganz ver­lo­ren haben wir die­ses reiz­vol­le und unbe­fan­ge­ne Spiel ja nicht…
Man muss sich klar­ma­chen, dass jeder, der behaup­tet, die gute Ord­nung Got­tes sehe eine Sub­or­di­na­ti­on der Frau unter den Mann vor (oder eine Sub­or­di­na­ti­on des Man­nes unter die Frau), bewusst oder unbe­wusst dem Aria­nis­mus anhängt und Ihn schwer belei­digt.
Bei aller üblen Mei­nung über die Frau gab dies selbst der Kir­chen­va­ter Chryso­sto­mus frei­mü­tig zu: „Vor­her (vor dem Sün­den­fall Anm. HJ) war davon (einer unter­ge­ord­ne­ten Stel­lung) kei­nem (sic) Rede gewe­sen.“ ((Chryso­sto­mus (+ 407): 9. Homi­lie über den 1. Brief an Timo­theus. In: Biblio­thek der Kir­chen­vä­ter auf https://www.unifr.ch/bkv/kapitel4472.htm#4 „Deß­halb hat Gott ihr eine unter­ge­ord­ne­te Stel­lung ange­wie­sen, da sie von ihrer über­ge­ord­ne­ten oder viel­mehr von ihrer Gleich­stel­lung einen schlech­ten Gebrauch gemacht hat. „Zu dei­nem Man­ne,“ heißt es, „sollst du dei­ne Zuflucht neh­men. Vor­her war davon kei­nem (sic) Rede gewe­sen“ (Anm. d. Autorin: Über­tra­gung von Gen. 3, 16) am 5.6.2013))

Bildwelten des „Simile“

Heiligste DreifaltigkeitInter­es­sant und über­ra­schend sind die man­nig­fal­ti­gen „Simile“-Ebenen, von denen die Hei­li­ge Schrift spricht. Sie kön­nen und müs­sen näm­lich noch wei­ter gefasst wer­den. Man ent­deckt gan­ze Bild­wel­ten, so kom­plex und mul­ti­di­men­sio­nal, dass einem schwin­delt! Die Leh­re von der Hei­li­gen Drei­fal­tig­keit sagt uns, dass der Sohn aus dem Vater gezeugt wer­de. Der Vater ist der Erste, der Sohn der Zwei­te. Damit wird jedoch nicht gesagt, der Vater ste­he im Rang über dem Sohn. Sie sind abso­lut wesen­gleich und eben­bür­tig, wenn auch real ver­schie­den. ((Pius X. Kate­chis­mus, § 19))

Der hei­li­ge Pau­lus sagt über den Sohn, er sei das Eben­bild, ima­go des Vaters:
« (Filius)…qui est ima­go Dei invi­si­bi­lis, pri­mo­ge­ni­tus omnis crea­tu­rঅ » ((Kol. 1, 15)) Nicht nur der Mensch war ursprüng­lich Eben­bild Got­tes, son­dern vor dem Men­schen war schon der aus dem Vater gezeug­te Sohn Got­tes des­sen wesens­glei­che gött­li­che „ima­go“. Wer den Sohn sieht, sieht den Vater: „Qui vidit me, vidit Patrem“ ((Joh. 14, 9)). Nur durch das Abbild des Vaters im Sohn kön­nen wir den Vater erken­nen. Die­ser Satz erklärt logisch jeden Ver­such, Gott unter Umge­hung der Tri­ni­tät erken­nen zu wol­len, als einen Irr­tum. Es erklärt aber auch die Mei­nung, man kön­ne im ungläu­bi­gen Men­schen unter Sün­de Gott in sei­nem wah­ren Wesen, das der im wah­ren Glau­ben ste­hen­de Gläu­bi­ge anbe­tet, erken­nen, als Irr­tum. Der natür­li­che Mensch erkennt aus den Wer­ken der Schöp­fung, unter ande­rem auch aus dem Men­schen, mit­tels Ver­nunft, dass ein Gott sein muss. Die­sem Erken­nen fehlt aber die über­na­tür­li­che Dimen­si­on des Glau­bens.

Der Mensch zeugt Söh­ne und Töch­ter, ist also vor ihnen da. Es wäre ver­fehlt, die­se Nach­kom­men als „unter­ge­ord­net“ oder nicht wesen­gleich zu ihren Eltern zu ver­ste­hen. Was selbst unter Sün­de, die die Fami­lie zur „patri­ar­cha­li­schen“ Platt­form von Hack­ord­nun­gen, in denen Frau(en) und Kin­der zum „Inven­tar“ des „Haus­her­ren“ degra­diert wur­den, sich dann aber ihrer­seits und auf ungu­te Wei­se Macht ver­schaf­fen, wie uns „patri­ar­cha­li­sche“ ((Der Begriff steht hier in Anfüh­rungs­zei­chen, weil er zwar viel gebraucht wird, aber nur eine Hypo­the­se sozio­lo­gi­scher For­schung und weni­ger als siche­re Rea­li­tät zu betrach­ten ist. Gemeint ist hier jede Kul­tur, die die Frau zurück­stellt und mit weni­ger Rech­ten ver­sieht als den Mann.)) Kul­tu­ren auf erschrecken­de Wei­se zei­gen, trotz allem stark emp­fun­den wur­de und wird, ist die Eben­bild­lich­keit der Kin­der zu ihren Eltern. Sie tra­gen aus­schließ­lich die kör­per­li­chen und see­li­schen Merk­ma­le von Mut­ter und Vater an sich, wenn auch in einer indi­vi­du­el­len Mischung, ent­spre­chen ihnen also sub­stan­zi­ell voll­kom­men.

Aus der­sel­ben Sub­stanz, zu der Gott die Erde geformt hat, um Adam zu erschaf­fen, — aus der sta­bi­len Kno­chen­sub­stanz direkt bei des­sen Herz („Rip­pe“) — , formt Gott eine wei­te­re mensch­li­che Per­son („Haec nunc os ex ossi­bus meis et caro de car­ne mea!“ ((Gen. 2, 23))). Sie ist aus iden­ti­scher Her­zens­sub­stanz des Man­nes gemacht. Gott nennt die Frau „adiuto­ri­um bzw. adiutor simi­lis“, nach­dem er den Mann adiutor-bedürf­tig geschaf­fen hat ((Gen. 2, 18+20)). Es sei dar­an erin­nert, dass Gott selbst sich in den Psal­men viel­fach als „adiutor“ oder „adiuto­ri­um“ anspre­chen lässt … ((Zum Bei­spiel in Psalm 70 mit der berühm­ten Ein­gangs­for­mel für das Stun­den­ge­bet „Deus, in adiuto­ri­um meum inten­de..“ oder Psalm 62, 7 f: „Si memor fui tui super stra­tum meum, in matu­ti­nis medi­ta­bor in te. Quia fuisti adju­tor meus, et in velamen­to alar­um tuar­um exsult­abo. Adhà¦sit ani­ma mea post te ; me sus­c­epit dex­te­ra tua.“)) Und so wie der Psalm­be­ter sich an Gott „klebt“ („Adhae­sit ani­ma mea post te“ Ps. 62, 9), so klebt sich auch nach der Schöp­fungs­ord­nung der Mann an die Frau: „Relin­quet homo patrem suum, et matrem, et adhà¦rebit uxori suà¦.“ ((Gen. 2, 24)) Mehr­fach wie­der­holt das Neue Testa­ment die­ses Ord­nungs­ele­ment. ((Mt. 19, 5; Mk. 10, 8; Eph. 5, 31; 1. Kor. 6, 16)) Der Mann tut dies nach den Wor­ten der Gene­sis aus sei­nem natür­li­chen Wesen her­aus, weil er in der Frau das „Simi­le“ erkennt, das ihn einer­seits an ihn selbst erin­nert, das ande­rer­seits in ihr, der Frau, das Bild des eigent­li­chen gött­li­chen „adiutor“ auf­schei­nen lässt.

Hier an die­ser Stel­le kann man zwei „neur­al­gi­sche“, angreif­ba­re Punk­te im Mann und in der Frau erah­nen:
Für den Mann ste­hen zwei gute und gott­ge­woll­te „adiuto­res“ im Raum: Gott selbst und die Frau, und es ist sein Auf­trag, in der Frau zwar das Abbild des gött­li­chen „adiutor“ zu erken­nen, sie aber nicht über Gott zu stel­len, ihr also nur inso­fern zu gehor­chen, als ihr „adiuto­ri­um“ voll­kom­men iden­tisch mit dem Wil­len Got­tes ist. Immer­hin hat Gott dem Mann das Gebot über­ge­ben, das allen Men­schen gel­ten soll, nicht vom Baum in der Mit­te des Gar­tens Eden zu essen, und der Mann hat die Auf­ga­be, es wei­ter­zu­ge­ben und vor der Frau zu ver­tre­ten. Kei­ne beque­me Auf­ga­be! Oder aber ein Ein­falls­tor für Herrsch­sucht und Selbst­ver­got­tung? Ande­rer­seits kann man die Ver­su­chung erspü­ren, die in der Frau liegt, sich in dem Cha­ris­ma, das das adiutor-Sein zwei­fel­los bedeu­tet, zu über­he­ben und dem Mann gegen­über an Got­tes Stel­le zu set­zen. Der Satan hat den Men­schen an die­sem neur­al­gi­schen Punkt ange­grif­fen und „kas­siert“.
Doch davon spä­ter und zurück zur guten Ord­nung Got­tes. Die Frau erkennt im Mann, der zuerst da war, das „Zuvor“ Got­tes und ach­tet im Mann den, der schon da war, bevor es sie gab, und sie so schmerz­lich ersehnt hat. Der Mann bil­det in die­ser schmerz­li­chen Sehn­sucht nach der Frau wie­der­um Gott ab, der nicht geruht hat, bis Er sich den Men­schen als Sein Eben­bild erschaf­fen hat aus Lie­be und noch­mals Lie­be. Die Frau hat eine kom­for­ta­ble, fast bevor­zug­te Stel­lung: sie bil­det die­se Mensch­heits­braut, die Gott sich schaf­fen will, noch ein­mal spe­zi­ell als Frau in ihrer Weib­lich­keit ab und trägt noch dazu alle Men­schen­kin­der, wie Hil­de­gard es schau­te, „leuch­tend in ihrem Schoß.“ ((Hil­de­gard von Bin­gen: Sci­vi­as – Wis­se die Wege. S. 100 f))

Man erahnt, war­um selbst der hei­li­ge Chryso­sto­mus kurz sei­ne frau­en­kri­ti­sche Fas­sung ver­lo­ren hat und von einer „über­ge­ord­ne­ten Stel­lung“ der Frau gespro­chen hat (s.o). Und man ahnt, war­um die Frau den Satan beson­ders in Wut ver­setzt haben könn­te und dass dar­in der Grund liegt, war­um er zuerst sie anfiel: sie ist das bezau­bern­de Abbild der Lie­be Got­tes.
Wel­che Über­fül­le an „Simi­le“! Und wir wer­den sehen, wie sich nach dem Sün­den­fall im Heils­plan Got­tes die­se Bild­wel­ten trotz­dem oder gera­de erst recht immer wei­ter ent­fal­ten!
„Wer mich sieht, sieht den Vater!“ hieß es oben. Das heißt, Chri­stus macht dem Vater Ehre, Er ist „ima­go“ und „glo­ria“ des Vaters, aber nicht in einem sub­al­ter­nen Sin­ne, son­dern total!

Man kann das ana­log beim Men­schen sehen: Der Ehren­ko­dex vie­ler Kul­tu­ren weiß davon, wenn auch unter Sün­de ver­zerrt: Kin­der machen in ihrem Ver­hal­ten und ihrer Erschei­nung Mut­ter und Vater Schan­de oder sind ihr Schmuck und Ruhm. Eben­so die Frau: sie ist dem Mann ein Ehren­kleid oder sie zer­stört sei­nen Ruf und sei­ne inne­re Sta­bi­li­tät. Ihr Ein­fluss auf den Mann scheint aller Erfah­rung nach viel weit­rei­chen­der und sub­ti­ler als der des Man­nes auf die Frau.
Bei­de, Mann und Frau, machen Gott glei­cher­ma­ßen Ehre oder aber Schan­de. Die Rede von den „Belei­di­gun­gen Got­tes“ in den Erschei­nun­gen von Fati­ma ((Mura/Huber: Fati­ma-Rom-Mos­kau. Stutt­gart 2010 (Sar­to), S. 22: Im Gebet des Engels an die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit heißt es: „… zur Süh­ne für alle Läste­run­gen, Sakri­le­gi­en, Gleich­gül­tig­kei­ten, durch die ER selbst belei­digt wird.…“)) wird so voll­ends in ihrer Trag­wei­te ver­ständ­lich: der Mensch macht mit dem Anbruch der „Neu­en Zeit“ (s.u.), die mit dem end­gül­ti­gen Unter­gang des Kai­ser­tums und dem Auf­stieg des Libe­ra­lis­mus und Kom­mu­nis­mus und aller damit ver­bun­de­nen ideo­lo­gi­schen Impli­ka­tio­nen nach dem 1. Welt­krieg beginnt, dem Hei­li­gen Gott immer mehr Schan­de.

„Volo autem vos sci­re quod omnis viri caput Chri­stus est, caput autem mulie­ris vir, caput vero Chri­sti Deus.“ ((1. Kor. 11, 13)) – Ich möch­te, dass ihr wisst, dass Chri­stus das Haupt des Man­nes ist, das Haupt der Frau der Mann, das Haupt aber Chri­sti Gott.
Da die­se Stel­le ja kei­nes­wegs einer aria­ni­schen Posi­ti­on Unter­stüt­zung lie­fern kann, meint sie nicht, dass Chri­stus dem Vater nicht abso­lut gleich oder gar „unter­ge­ord­net“ wäre. Sie kann nur mei­nen, dass der Vater das Urbild ist, Chri­stus sein tota­les Abbild (das, weil es sich als Gott nie­mals gegen Gott auf­leh­nen wür­de, auch nicht wei­ter in der Mög­lich­keit, sich vom Urbild zu eman­zi­pie­ren, reflek­tiert wer­den muss), der Mann Abbild Chri­sti und die Frau das Abbild des Man­nes – inso­fern er wirk­lich Chri­stus total abbil­det — sein soll. Hier steht der Begriff „caput“ (Haupt). Kurz zuvor schreibt der hei­li­ge Pau­lus: „(Vir)… ima­go et glo­ria est Dei; mulier autem glo­ria viri est. ((1. Kor. 11, 7)) Anstel­le von „caput“ steht hier „glo­ria“, ein­mal nur „ima­go“. „Ima­go“ kann nicht anders als im Sin­ne der Gene­sis auf Mann und Frau bezo­gen gemeint sein, denn der hei­li­ge Pau­lus hat mit Gewiss­heit nicht die Hei­li­ge Schrift kor­ri­gie­ren wol­len. Es ist wich­tig, dies zu beto­nen, denn ande­re Kir­chen­män­ner haben tat­säch­lich die­se Text­stel­le umfor­mu­liert und ihren Sinn total ver­fälscht. So behaup­tet bei­spiels­wei­se Gra­ti­an: „„Hec ima­go Dei est in homi­ne, ut unus fac­tus sit ex quo cete­ri ori­an­tur, habens inpe­ri­um Dei, qua­si uica­ri­us eius, quia uni­us Dei habet ima­gi­nem, ideo­que mulier non est fac­ta ad Dei ima­gi­nem. Sic eten­im dicit: „Et fecit Deus homi­nem; ad ima­gi­nem Dei fecit illum.“ Hinc eti­am Apo­sto­lus: „Vir qui­dem,“ ait, „non debet uel­a­re caput, quia ima­go et glo­ria Die est; mulier ideo uelat, quia non est glo­ria aut ima­go Dei.“ ((Decretum gra­tia­ni (um 1140), Cau­sa XXXIII, quae­stio V, c. XIII)) Gra­ti­an wider­spricht damit nicht nur glatt­weg und ohne mit der Wim­per zu zucken der Gene­sis, son­dern er hat noch dazu den Text der Hei­li­gen Schrift eigen­mäch­tig ver­fälscht für sei­ne Zwecke. Der Vul­ga­ta-Text hat im Lauf der Jahr­hun­der­te wegen eini­ger gra­vie­ren­der Über­set­zungs­feh­ler meh­re­re Revi­sio­nen erfah­ren, aber ich habe in kei­ner älte­ren Ver­si­on, auch nicht bei Hie­ro­ny­mus selbst, die­se Ver­fäl­schung gefun­den, mit der Gra­ti­an hier auf­war­tet.

Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang, dass Tho­mas von Aquin schreibt: „Pri­mo qui­dem, per hoc quod, cum secund­um aequa­li­tatem essen­tiae fili­us sit patri simi­lis, neces­se est, si homo sit fac­tus ad simi­li­tu­di­nem filii, quod sit fac­tus ad simi­li­tu­di­nem patris. Secun­do quia, si homo esset fac­tus solum ad ima­gi­nem filii, non dice­ret pater, facia­mus homi­nem ad ima­gi­nem et simi­li­tu­di­nem nos­tram, sed tuam. ((Tho­mas von Aquin, Sum­ma theo­lo­gi­ca I q. 93 a. 5 ad 4. …die Fort­set­zung der obi­gen Argu­men­ta­ti­on lau­tet übri­gens: „Cum ergo dici­tur, ad ima­gi­nem Dei fecit illum, non est intel­li­gen­dum quod pater fece­rit homi­nem solum ad ima­gi­nem filii, qui est Deus, ut qui­dam expo­su­er­unt, sed intel­li­gen­dum est quod Deus Tri­ni­tas fecit homi­nem ad ima­gi­nem suam, idest toti­us Tri­ni­ta­tis. Cum autem dici­tur quod Deus fecit homi­nem ad ima­gi­nem suam, dupli­ci­ter potest intel­li­gi. Uno modo, quod haec pra­e­po­si­tio ad desi­gnet ter­mi­num fac­tio­n­is, ut sit sen­sus, facia­mus homi­nem tali­ter, ut sit in eo ima­go. Alio modo, haec pra­e­po­si­tio ad potest desi­gna­re cau­sam exem­pla­rem; sicut cum dici­tur, iste liber est fac­tus ad illum. Et sic ima­go Dei est ipsa essen­tia divina, quae abusi­ve ima­go dici­tur, secund­um quod ima­go poni­tur pro exem­pla­ri. Vel, secund­um quod qui­dam dicunt, divina essen­tia dici­tur ima­go, quia secund­um eam una per­so­na aliam imi­ta­tur.“)) – Erstens also ist es dadurch, dass der Wesens­gleich­heit hal­ber der Sohn dem Vater gleich ist, not­wen­dig, dass der Mensch, wenn er zum Bild des Soh­nes geschaf­fen ist, auch zum Bild des Vaters geschaf­fen ist. Zwei­tens des­halb: wäre der Mensch nur zum Bild des Soh­nes geschaf­fen, dann hät­te der Vater nicht gesagt „Lasst uns den Men­schen zu unse­rem Bild und Gleich­nis schaf­fen“, son­dern „zu dei­nem (Bild)“.

Wenn also der Apo­stel Pau­lus sagt, der Vater sei Haupt des Soh­nes, der Sohn sei Haupt des Man­nes, der Mann aber der Frau und zugleich auch, der Mann sei Bild und Glanz Got­tes (Chri­sti), die Frau Glanz des Man­nes, dann kann man aus die­sem Satz kei­nen Rück­schluss auf die kom­ple­xe Struk­tur der „simi­li­tu­do“ des Men­schen zie­hen. Hier wird eine ein­zel­ne Linie in der mul­ti­di­men­sio­na­len Abbil­dungs­struk­tur her­aus­ge­ho­ben und für die Ehe als Abbild der Bezie­hung zwi­schen Chri­stus und Kir­che, die wie­der­um eine „ima­go“ der Lie­be zwi­schen Vater und Sohn zu sein scheint, defi­niert. Damit erschöpft sich weder die Eben­bild­lich­keit des Men­schen zu Gott im Gan­zen, noch ist damit gar behaup­tet, die Frau sei nicht „ima­go Dei“.

Wer den Sohn sieht, sieht den Vater. Der Vater und Chri­stus sind eins. ((Joh. 10, 30: „Ego et Pater unum sumus.“)) Kann man gemäß der Pau­lus-Text­stel­le sagen: Wer die Ehe­frau sieht, sieht den Mann als den, der wie­der­um Chri­stus abbil­det? Man kann es sagen, aller­dings wie oben dar­ge­legt nicht in der Mei­nung, damit sei alles gesagt über die Bild­struk­tu­ren zwi­schen Gott und Mensch. Die Aus­sa­ge beschreibt eine Bild­di­men­si­on, näm­lich die zwi­schen Ehe­leu­ten. Der hei­li­ge Pau­lus hät­te sich nie­mals zu einer Abwer­tung der Frau ver­stie­gen, wie dies lei­der vie­le getan haben. Er stellt im Gegen­teil bei all sei­nen Aus­füh­run­gen fest: „Sacra­men­tum hoc magnum est.“ ((Eph. 5, 32)) – Das Geheim­nis ist groß! Es geht nie­mals um eine vul­gä­re Rang­ord­nung, son­dern um ein Geheim­nis der „simi­li­tu­do“, das auch er, wie er zuge­ben muss, nicht voll­stän­dig zu erfas­sen ver­mag. Die Aus­sa­ge des hl. Pau­lus greift die Abfol­ge der Schöp­fungs­ak­te als rei­ne Abfol­ge ohne wei­te­re Wer­tun­gen auf. Dass dar­in kei­ne sub­stan­ti­el­len Wer­tun­gen lie­gen kön­nen, geht dar­aus her­vor, dass er sagt, der Vater sei das Haupt Chri­sti. Er sagt weder aus­drück­lich oder ein­schrän­kend, noch kann das geschlos­sen wer­den, dass die Frau nicht auch selbst Chri­stus abbil­det. Wür­de er das behaup­ten, käme er in Wider­spruch zu eini­gen ande­ren Aus­sa­gen, die er macht. Er sagt bei­spiels­wei­se, dass eine Ehe mit­samt der Fami­lie, in der nur die Frau gläu­big ist, durch die Frau „gehei­ligt“ ist. ((1. Kor. 7, 14: „sanc­ti­fi­ca­tus est enim vir infi­de­lis per mulie­rem fide­lem, et sanc­ti­fi­ca­ta est mulier infi­de­lis per vir­um fide­lem : alio­quin filii vestri immun­di essent, nunc autem sanc­ti sunt.“)) Wäre die Frau ein voll­stän­dig vom Mann abhän­gi­ges Eben­bild Chri­sti, könn­te er dies nicht behaup­ten: eine sol­che Ehe, deren Mann ungläu­big ist, müss­te dar­aus fol­gend völ­lig chri­stus­fern blei­ben. Mit einer sol­chen Idee gibt sich der hei­li­ge Pau­lus nicht ein­mal ansatz­wei­se ab! Im Gegen­teil: er schärft der Frau eben­so wie dem Mann – für den Fall, dass nur einer von den Ehe­part­nern gläu­big ist — simul­tan ein: „Unde enim scis mulier, si vir­um sal­vum faci­es ? aut unde scis vir, si mulie­rem sal­vam faci­es? ((1. Kor. 7, 16)) – Des­halb also: was weißt du, Frau, ob du den Mann nicht selig machst? Oder genau­so du, Mann: was weißt du, ob du die Frau nicht selig machst?

Für den ver­mut­lich häu­fi­gen Fall, dass der Ehe­mann hier ver­sagt oder lan­ge vor der Frau stirbt oder aber die Frau gar kei­nen Mann hat, muss gel­ten: wer die (Ehe-)Frau sieht, muss Ihn sehen kön­nen. Noch ein wei­te­rer Umstand spricht gegen die vul­gä­re Ver­ein­sei­ti­gung der dis­ku­tier­ten Text­stel­le:
Die aus­ge­spro­chen star­ke Mög­lich­keit, dass eine Frau sich direkt Chri­stus ver­mählt, der ja tat­säch­lich als Mann ins Fleisch kam und inso­fern für jede Frau der „vir“ schlecht­hin ist, bespricht Pau­lus bereits aus­führ­lich und hält dies sogar noch für den bes­se­ren und der Ehe, wem es gege­ben ist, vor­zu­zie­hen­den Weg! ((1. Kor. 7 ganz)) Die zöli­ba­tä­re Frau bil­det als die Chri­stus unter Ver­zicht auf einen irdi­schen Mann ange­trau­te Braut eben­so wie die welt­li­che Ehe­frau, deren Mann nicht gläu­big ist, sogar extrem stark Ihn direkt ab, inso­fern sie Sei­ne „ima­go et glo­ria“ ist und nichts ande­res sein will. Der zöli­ba­tä­re Mann wie­der­um bil­det als Mann eben­falls voll­kom­men IHN ab, hier sogar in der Potenz zu der über­aus erho­be­nen, for­mel­len Rol­le als Prie­ster, die dem Ehe­mann nach der gesam­ten Tra­di­ti­on nicht in der Radi­ka­li­tät und Sta­bi­li­tät zukommt! Es ist im zöli­ba­tä­ren Leben die voll­kom­me­ne Frei­heit der Geschlech­ter zu Ihm hin erst voll­ends sicht­bar und die römisch-katho­li­sche Kir­che allei­ne hat das erkannt. Man kann aller­dings den Ein­druck gewin­nen, dass in die­sem Gefü­ge die Posi­ti­on des Ehe­man­nes die schwäch­ste ist und allein schon des­we­gen die Frau ihn unbe­dingt ehren und sich ihm unter­ord­nen soll, um Gott nicht zu belei­di­gen, der kei­ne Sub­or­di­na­tio­nen will unter den Men­schen.

Der Mann ver­lässt nach der guten Ord­nung Got­tes sein Eltern­haus, um sich an die Frau zu „kle­ben“ (adha­e­re­re). So wie der Psalm­be­ter sich an Gott „klebt“. Man kann des­halb radi­kal die Frau als „alter ego“ des Man­nes betrach­ten. Sie, mit der er sich „ver­kle­ben“ will, ist tat­säch­lich er: „Ita et viri debent dili­ge­re uxo­res suas ut cor­po­ra sua. Qui suam uxo­rem dili­git, sei­p­sum dili­git; nemo enim umquam car­nem suam odio habuit, sed nut­rit et fovet eam sicut et Chri­stus eccle­si­am. (…) “ ((Eph. 5, 28))

Der Grund, war­um der Apo­stel zuvor die Ehe­frau auf­for­dert, sich dem Ehe­mann ganz zu unter­stel­len, liegt also über­haupt nicht dar­in, dass sie ihm natur­haft oder auf­grund schwä­che­rer Fähig­kei­ten sowie­so schon „unter­ge­ord­net“ wäre. Wäre dies der Fall, bedürf­te es kei­ner Auf­for­de­rung zur frei­wil­li­gen Unter­ord­nung. Sie soll ihm inso­fern unter­tan sein, als sie die Kir­che, die gelieb­te Braut abbil­det, die sich ganz Chri­stus unter­stellt, der sich aber sei­ner­seits völ­lig ent­äu­ßert hat, um sich für sie hin­zu­ge­ben und mit ihr unauf­lös­lich zu ver­bin­den. Der Ehe­mann wird daher deut­lich ermahnt, sei­ne Frau zu lie­ben und sich für sie hin­zu­ge­ben. Erst dar­in emp­fängt er sei­ne eigent­li­che und gro­ße Rol­le in der Fami­lie und Gesell­schaft. Sein Vor­bild ist der hei­li­ge Joseph, der jeden Domi­nan­z­an­spruch fah­ren ließ und der Mis­si­on sei­ner Braut dien­te und dadurch ein Hei­li­ger und ein Held wur­de.

„Mulier propter virum“ — die Degradierung der Frau durch die modernistische Ekklesiologie

„Mulier prop­ter vir­um“ ((1. Korin­ther 11, 9)), die Frau ist „wegen des Man­nes geschaf­fen“ (nicht umge­kehrt!), weil der Mensch als „ima­go et simi­li­tu­do Dei“ Gott zulie­be geschaf­fen wor­den ist: wie der Mensch – in der Frau stell­ver­tre­tend sicht­bar wer­dend – um Got­tes wil­len, so – im Abbild — die Frau um des Man­nes wil­len. An die­ser Stel­le kann ich mir eine Kri­tik an Kar­di­nal Ger­hard Lud­wig Mül­ler nicht ver­sa­gen: Er schreibt, die Geschaf­fen­heit der „Frau für den Mann“ (1. Kor. 11,9) bedeu­te nicht, sie sei „um des Man­nes wil­len“ geschaf­fen wor­den. ((Ger­hard Lud­wig Mül­ler: Kann nur der getauf­te Mann gül­tig das Wei­he­sa­kra­ment emp­fan­gen? In: ders. (Hg.): Frau­en in der Kir­che. Eigen­sein und Mit­ver­ant­wor­tung. Würz­burg 1999 (Ech­ter). S. 298)) Das „mulier prop­ter vir­um“ heißt dem­ge­gen­über wört­lich sehr wohl, dass die Frau „wegen“ oder „um des Man­nes wil­len“ geschaf­fen ist. Die Frau reprä­sen­tiert dar­in nichts Gerin­ge­res als die gan­ze Mensch­heit (übri­gens stell­ver­tre­tend auch für den Mann!), die auf Gott hin und für Ihn geschaf­fen ist. Die Ver­nei­nung die­ser gro­ßen Rol­le der Frau im Moder­nis­mus, hier aus­ge­spro­chen vom Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, hat ihre Ursa­che im Evo­lu­ti­ons­glau­ben, der der Schöp­fungs­er­zäh­lung in ihren Ein­zel­hei­ten bezüg­lich des Men­schen kei­ne tie­fe Bedeu­tung zuer­ken­nen kann, dem auch Mül­ler anhängt ((Ger­hard Lud­wig Mül­ler: Gott und sei­ne Geschich­te. Der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gra­ga­ti­on über Bibel und Glau­be. Frei­burg 2005/2012, digi­ta­le Ver­si­on. Kapi­tel „Der Gott des Bun­des mit Isra­el“)), und in der versch®obenen Ekkle­sio­lo­gie, die das Vati­ca­num II for­mu­liert hat. „Lumen gen­ti­um“ hat­te über die Kir­che gesagt: „Die Kir­che ist ja in Chri­stus gleich­sam das Sakra­ment, das heißt Zei­chen und Werk­zeug für die innig­ste Ver­ei­ni­gung mit Gott wie für die Ein­heit der gan­zen Mensch­heit.“ ((Lumen gen­ti­um 1)) Das klingt sehr erha­ben, sagt nichts Prä­zi­ses und sug­ge­riert, die Kir­che selbst sei das Sakra­ment der „einen Mensch­heit“, die nun als ein über­na­tür­li­cher All­be­griff gedacht wird, der das Wol­len des ein­zel­nen Men­schen erstickt. Inso­fern spielt das Mann- und Frau­sein kei­ner­lei beson­de­re Rol­le mehr. Es ist schlüs­sig, wenn eine nach­kon­zi­lia­re Kir­che, aus der man im übri­gens auch die rea­le Prä­senz der Got­tes­mut­ter ent­fernt hat, nicht mehr ver­ste­hen kann, war­um das Prie­ster­tum dann dem Mann vor­be­hal­ten ist. Kar­di­nal Mül­ler ver­wischt die ohne­hin schon ver­wisch­te Ekkle­sio­lo­gie des Vati­ca­num II noch mehr. Auf­fal­lend ist, dass er buch­stäb­lich in jedem Satz Macht­ver­hält­nis­se (!) klä­ren muss, unbe­ab­sich­tigt einem unsäg­li­chen Kle­ri­ka­lis­mus frönt, am Wesen der Lie­be Got­tes zu uns total vor­bei­schießt, wie ich mei­ne, und von daher auch kei­ner­lei Ima­gi­na­ti­on davon haben kann, was die Frau dar­stellt oder sicht­bar macht, geschwei­ge denn, dass er den Mann ver­ste­hen könn­te:

„Denn die „Hier­ar­chie“ ist nicht die Herr­schaft der Geist­li­chen über die Kir­che , son­dern „hei­li­ge Voll­macht“. Sie wird, inso­fern der Sen­den­de sich sel­ber im Gesand­ten (Apo­stel) reprä­sen­tiert, von Chri­stus als Ursprung (Haupt) allen kirch­li­chen Han­delns aus­ge­übt. Die zum Wesen der Kir­che gehö­ren­de Mit­wir­kung und Prä­senz der Lai­en ergibt sich nicht aus der Über­nah­me demo­kra­ti­scher Ele­men­te, son­dern aus Tau­fe und Kir­chen­mit­glied­schaft. Was Kir­che ist, gilt es neu zu ent­decken (…) Sie ist in Chri­stus Zei­chen und Werk­zeug der ange­bro­che­nen und in der Geschich­te sich dyna­misch durch­set­zen­den Got­tes­herr­schaft.“ ((a.a.O. Ger­hard Lud­wig Mül­ler, S. 284 f)) Unter dem Schutt­berg einer sol­chen unver­ständ­li­chen Ter­mi­no­lo­gie ist nicht nur für die Frau und Got­tes­mut­ter kein eigen­stän­di­ger und unver­zicht­ba­rer Platz, son­dern über­haupt für die Kir­che als „Heils­werk Got­tes“, wie Leo XIII. sie nann­te ((Leo XIII., Enzy­kli­ka „Satis cogni­tum“ 1896, 2.2.1.1)), das nicht ver­wech­selt wer­den darf mit einer „dyna­misch sich durch­set­zen­den Got­tes­herr­schaft“. Es ist ein gra­vie­ren­de Ver­schie­bung der Meta­pho­rik, wenn wir die Kir­che nicht mehr als makel­lo­se Braut Chri­sti betrach­ten, die an die Kran­ken­bet­ten der ein­zel­nen Sün­der eilt, son­dern als eine Insti­tu­ti­on, die die Got­tes­herr­schaft in der „Mensch­heits­fa­mi­lie“ (wie Johan­nes XXIII. und Pauls VI. zu sagen pfleg­ten) durch­setzt. Die Rede von der „hei­li­gen Voll­macht“ der Kle­ri­ker ist eben­so ver­wa­schen. Tra­di­tio­nell hat doch jeder Gläu­bi­ge, weil jeder zur Hei­lig­keit beru­fen ist, grund­sätz­lich die Potenz zur „hei­li­gen Voll­macht“. Es han­delt sich dabei um Cha­ris­men ver­schie­de­ner Art. Sol­che „hei­li­ge Voll­macht“ hängt gewiss nicht am Wei­he­sa­kra­ment. Mül­ler inter­pre­tiert also das Wei­he­amt als cha­ris­ma­ti­sches Amt. Dies raubt dem Wei­he­amt jedoch sei­nen spe­zi­fi­schen, objek­ti­ven, for­mel­len Cha­rak­ter. Die Hier­ar­chie ist zwar tat­säch­lich kei­ne „Herr­schaft der Geist­li­chen über die Kir­che“, son­dern sie soll die Herr­schaft Chri­sti, sei­ne Rol­le als „caput eccle­siae“ objek­tiv und eben gera­de nicht cha­ris­ma­tisch sicht­bar machen. Das schließt selbst­ver­ständ­lich nicht aus, dass Wei­he­trä­ger auch Hei­li­ge sind oder sein kön­nen. Das „caput eccle­siae“, näm­lich der „spon­sus Chri­stus“, der sich, wie wir sahen, für die­se Braut ans Kreuz nageln ließ, ist kein Macht­ha­ber, wie ihn sich die Israe­li­ten zu Samu­els Zei­ten, aber auch hin­sicht­lich des erwar­te­ten Mes­si­as vor­stell­ten, son­dern ein Lamm, das sich zur Schlacht­bank füh­ren ließ… Der Kle­rus ist for­mel­les Abbild die­ses Lamm-Königs und han­delt for­mell „in per­so­na Chri­sti“. Ander­seits aber ist jeder Gläu­bi­ge ein infor­mel­les Abbild die­ses aller­lieb­sten und zer­schla­ge­nen Herrn. Das Cha­rak­te­ri­sti­kum des Wei­he­trä­gers ist nicht die „hei­li­ge Voll­macht“, son­dern die for­mel­le Voll­macht, in per­so­na Chri­sti zu han­deln!
Sprach man nicht immer vom „Reich Got­tes“ und dem „Himm­li­schen Jeru­sa­lem“, das „unse­re Mut­ter“ und durch­aus nicht von die­ser Welt ist? “Illa autem, quae sur­sum est Ieru­sa­lem, libe­ra est, quae est mater nostra.“ – Jene aber, die erho­ben ist, Jeru­sa­lem (das himm­li­sche Jeru­sa­lem), die frei ist, ist unse­re Mut­ter.“ ((Gal. 4, 26)) Woher plötz­lich die­ses poli­ti­sche und macht­ori­en­tier­te Gere­de von „dyna­misch sich durch­set­zen­der Got­tes­herr­schaft“, die­ser Aus­tausch des „Himm­li­schen Jeru­sa­lems“ gegen eine Herr­schafts­per­spek­ti­ve, die eher nach Islam als nach Chri­sten­tum klingt?
Die moder­ni­sti­sche Theo­lo­gie hat die Frau als Frau, als Gegen­stand der beson­de­ren Lie­be Got­tes und des Man­nes, als Abbild des „Himm­li­schen Jeru­sa­lem“ und der „Kir­che“, die nicht auf die Erde zurück­ver­weist, son­dern im Kreuz Chri­sti von der Erde hin­auf in den Him­mel, ersatz­los aus der Kir­che gewor­fen und die Got­tes­mut­ter als „Toch­ter Zion“, die den Alten mit dem Neu­en Bund ver­knüpft ((Ratz­in­ger Joseph, Ein­füh­rung in das Chri­sten­tum. Mün­chen 2005, S. 255 ff)), zu einer herz- und geist­lo­sen Kupp­lung, zu einem toten Schar­nier und zu einer gesichts­lo­sen Pro­zess-Funk­ti­on, die den Got­tes­sohn, den man vor allem als Men­schen­sohn wahr­nimmt, wie auch immer und unwe­sent­lich gebo­ren und auf­ge­zo­gen hat, degra­diert. Das kommt auch im unglück­li­chen Ver­such Pauls VI., die aller­se­lig­ste Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, die als das, was sie ist, sträf­lich bei­sei­te gedrängt wur­de auf dem Vati­ca­num II, den Titel „Mater eccle­siae“ zu ver­lei­hen ((S. näch­ste Anm.)), zum Vor­schein. Bis­lang war Maria selbst die „Mut­ter der Gläu­bi­gen“, die „Guss­form“ (Augu­sti­nus) der Kir­che, die ihre Kin­der barg und nicht die Mut­ter die­ses nach Herr­schaft stre­ben­den, cha­ris­ma­tisch-kle­ri­ka­len Voll­machts­ap­pa­ra­tes, dem ein eben­so cha­ris­ma­ti­sches „pil­gern­des Got­tes­volk“ asso­zi­iert ist … Der Titel „Mater eccle­siae“ kata­pul­tiert die Got­tes­mut­ter aus ihrem urei­gen­sten Amt als Urty­pus und Mut­ter Jesu und aller Sei­ner in Ihr hin­zu­ge­won­ne­nen Adop­tiv­ge­schwi­ster in ein nicht wei­ter defi­nier­tes Außen, wäh­rend im Innern die Söh­ne Herr­schaft unter dem Deck­man­tel eines kol­le­gia­len und cha­ris­ma­ti­schen Wür­ge­griffs spie­len, der der Frau die Wahl lässt zwi­schen völ­li­ger Igno­ranz als Frau oder einer bru­ta­len Mas­ku­li­ni­sie­rung… Nicht nur, dass Paul VI. schon wie­der ein „Neu­es Pfing­sten“, dies­mal für den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent, anhand des Mari­en­ti­tels „Mut­ter der Kir­che“ vor­her­sag­te, son­dern schon der erste Satz sei­ner fei­er­li­chen Anru­fung Mari­ens steckt vol­ler frag­wür­di­ger Set­zun­gen:
„O Maria, Mut­ter Got­tes und Mut­ter der Kir­che, Dank Dir hat sich am Tag der Ver­kün­di­gung, am Mor­gen der neu­en Zeit, das gan­ze Men­schen­ge­schlecht mit sei­nen Kul­tu­ren vol­ler Freu­de als bereit erkannt für die Auf­nah­me des Evan­ge­li­ums.“ ((Paul VI., „Mater eccle­siae“, Pro­kla­ma­ti­on am 21. Novem­ber 1964, der Ver­kün­di­gung von „Lumen gen­ti­um“, abge­ru­fen auf https://www.kathpedia.com/index.php?title=Mater_Ecclesiae_%28Marientitel%29#Feierliche_Proklamation am 27.5.2014))
Uns ist über­haupt nir­gends in der Tra­di­ti­on eine „neue Zeit“ ver­hei­ßen wor­den, auf die wir zule­ben sol­len, son­dern auf die Wie­der­kunft Chri­sti sol­len wir gedul­dig und wach­sam war­ten, die einem bei­spiel­lo­sen Glau­bens­ab­fall fol­gen wird…
Und wei­ter muss man sich fra­gen, woher Paul VI. denn weiß, ob das „gan­ze Men­schen­ge­schlecht“ sich “als bereit erkannt“ hat „für die Auf­nah­me des Evan­ge­li­ums“. Sag­te Jesus nicht viel­mehr, Er wer­de, wenn Er kommt, kaum mehr Glau­ben vor­fin­den auf der Erde? ((Lk. 18, 8 : „Ver­um­tamen Fili­us homi­nis veni­ens, putas, inve­niet fidem in ter­ra?“))

Die Frau als von Gott und Mann Geliebte

Wel­che Über­la­ge­rung von Abbil­dern dem­ge­gen­über in den über­lie­fer­ten Wor­ten der Schrift und der Tra­di­ti­on! Aber in wel­che Rich­tung wei­sen uns die­se „Ima­gi­nes“: Gott klebt sich in Chri­stus an die Kir­che. Die beten­de Kir­che klebt sich an Ihn, der Mann klebt sich an die Frau und die Frau, als „Ima­go Dei“ und „Ima­go eccle­siae“ und „Glo­ria viri“ umwor­ben, kann, sofern sie nicht völ­lig ver­dor­ben ist, dazu nur sagen … Fiat! Ja! Amen! Auf sie wei­sen alle Bild­zei­ger der Lie­be Got­tes. Sie ist Aus­druck und Gegen­stand der lei­den­schaft­li­chen Lie­be. Sie ist dar­um auch Gegen­stand des sata­ni­schen Has­ses. Dar­auf wer­de ich spä­ter zurück­kom­men. Im Buch Weis­heit glänzt die­se tota­le Lie­be zur Frau sowohl von­sei­ten des Man­nes als auch von­sei­ten Got­tes auf wie ein strah­len­des Licht. Nicht eine ein­zi­ge Stel­le in der gan­zen Hei­li­gen Schrift macht dem Mann eine solch zärt­li­che Lie­bes­er­klä­rung:

„In ihr ist ein Geist, gedan­ken­voll, hei­lig, man­nig­fal­tig, zart, beweg­lich, durch­drin­gend, unbe­fleckt, klar, unver­letz­lich, das Gute lie­bend, scharf, nicht zu hem­men, wohl­tä­tig, men­schen­freund­lich, fest, sicher, ohne Sor­ge, alles ver­mö­gend, alles über­wa­chend und alle Gei­ster durch­drin­gend … Sie habe ich geliebt und gesucht von Jugend auf, ich such­te sie als Braut heim­zu­füh­ren und fand Gefal­len an ihrer Schön­heit. Im Umgang mit Gott beweist sie ihren Adel, der Herr über das All gewann sie lieb. Ein­ge­weiht in das Wis­sen Got­tes, bestimmt sie sei­ne Wer­ke … So beschloss ich, sie als Lebens­ge­fähr­tin heim­zu­füh­ren, denn ich wuss­te, dass sie mir guten Rat gibt und Trost in Sor­ge und Leid.“ ((Weis­heit 7, 22–23; 8, 2–4; 9,1, Ein­heits­über­set­zung))

So ist das Bild unse­rer wah­ren Tra­di­ti­on von der Frau, wie Gott sie gedacht hat, voll­kom­men erfüllt in der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria. Wie­so soll­te eine Frau das nicht mit Freu­den anneh­men? Und da sie schon einen so hohen Rang hat, geziemt es ihr – uns Frau­en — tat­säch­lich, den Mann – im mensch­li­chen Umgang — zu ehren, ihm den Vor­tritt zu las­sen, ihm die Wür­de zuzu­ge­ste­hen, die dar­in liegt, dass er die­ses Wer­ben reprä­sen­tie­ren darf und dar­in sein Wesen fin­det, das ihn ganz eng mit Chri­stus ver­bin­det. Die Potenz des Man­nes besteht dar­in, dass er dazu beru­fen und befä­higt ist, Gott als den Lie­ben­den zu reprä­sen­tie­ren, den lie­ben­den Vater, Hir­ten, Bräu­ti­gam und … Sohn. Das ist schön!

Subiecti invicem – unterstellt euch einander gegenseitig!

Pau­lus sieht in der Tat­sa­che, dass es dem Mann (vor dem Sün­den­fall) gesetzt ist, Vater und Mut­ter zu ver­las­sen, um sich an sei­ne Frau zu bin­den, das Bild für die inni­ge Lie­be Chri­sti zur Kir­che: „…sicut et Chri­stus dil­e­xit eccle­si­am et sei­p­sum tra­di­dit pro ea, ut illam sanc­ti­fi­ca­ret mund­ans lava­cro aquae in ver­bo, ut exhi­be­ret ipse sibi glo­rio­sam eccle­si­am non haben­tem macu­lam aut rugam aut ali­quid eius­mo­di, sed ut sit sanc­ta et imma­cu­la­ta…“ — … wie auch Chri­stus die Kir­che geliebt hat und sich selbst für sie ent­äu­ßert hat, damit er sie im Was­ser und im Wort hei­lig und rein mach­te, so will er sich auch die Kir­che herr­lich vor Augen stel­len, ohne Makel und Run­zel oder irgend­et­was der­glei­chen, damit sie hei­lig und makel­los sei. ((Eph. 5, 25f))

Es klingt, als hät­te Gott schon bei der Erschaf­fung des Men­schen „geplant“, dass der Mensch fal­len wür­de und von Vorn­her­ein im Men­schen die Lie­be des Soh­nes zur Kir­che gleich mit abge­bil­det, indem er dem Mann setz­te, er müs­se sei­ne Eltern ver­las­sen, um der Frau zu fol­gen. Auch hier über­la­gern sich wie­der die Bil­der, sagt Jesus doch spä­ter, wer nicht bereit sei, Vater und Mut­ter zu ver­las­sen, um Ihm nach­zu­fol­gen, sei Ihn nicht wert. ((Mt. 10, 37 f: „Qui amat patrem aut matrem plus quam me, non est me dignus; et, qui amat fili­um aut filiam super me, non est me dignus; et, qui non acci­pit crucem suam et sequi­tur me, non est me dignus.“))

Aus der Über­schrift, die der hei­li­ge Pau­lus über die­sen Abschnitt setzt, geht um ein wei­te­res her­vor, dass mit der Bild­fol­ge auf kei­nen Fall eine Emana­ti­on, gemeint sein kann:
„Sub­iec­ti invicem in timo­re Chri­sti.“ ((Eph. 5, 21)) – Unter­stellt euch ein­an­der in der Ehr­furcht vor Chri­stus.
Einer­seits bil­den Mann und Frau Chri­stus und die Kir­che ab. Ande­rer­seits bil­den sie aber auch mit Chri­stus Gott ab, Er als der Got­tes- und Men­schen­sohn, sie als die Adop­tiv­söh­ne und –töch­ter.

Nicht das „sub­ice­re“ unter dem Gesichts­punkt der Domi­nanz beschreibt das voll­kom­me­ne Wesen der Bezie­hun­gen zwi­schen den Men­schen unter­ein­an­der und Got­tes zu den Men­schen und in sich selbst, son­dern das „sub­ice­re“ ist die ein­zig ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf die Tota­li­tät des Abbil­dens in Lie­be, die in Chri­stus für uns alle wie­der­her­ge­stellt ist. ((Im triden­ti­ni­schen Mess-Ordo heißt dies: „Deus, qui huma­nae sub­stan­tiae digni­tatem mira­bi­li­ter con­di­di­sti et mirab­li­us refor­masti…“ (Gott, der Du die Wür­de der mensch­li­chen Natur wun­der­bar begrün­det und noch wun­der­ba­rer erneuert/wiederhergestellt hast…“) )) Die gegen­sei­ti­ge Unter­ord­nung trägt dem gemein­schaft­li­chen Abbil­den Got­tes Rech­nung, weil es das ein­zig gute und wich­ti­ge Ziel alles mensch­li­ches Seins ist. Die genaue­re Aus­fal­tung, wie die­se gegen­sei­ti­ge Unter­ord­nung aus­se­hen soll­te, trägt dem „inter­nen“ mensch­li­chen Abbild Rech­nung: „…sin­gu­li unus­quis­que suam uxo­rem sicut sei­p­sum dili­gat; uxor autem time­at vir­um…“ ((Eph. 5, 33)) – Jeder von euch lie­be sei­ne Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.

Die Zukunft der Geschlechterbeziehung ist zölibatär

Jesus hat uns vor­her­ge­sagt, dass wir im Him­mel nicht mehr hei­ra­ten wür­den („in resur­rec­tio­ne enim neque nubent neque nuben­tur, sed sunt sicut ange­li in cae­lo.“ Mt. 22, 30), die Bezie­hung der Geschlech­ter sich also wesent­lich ändern wird. Die Kir­che hat – im Gegen­satz etwa zur Ortho­do­xie – die Ehe nur bis zur Gren­ze des Todes als unauf­lös­lich ange­se­hen. ((CIC, Can. 1141)) Es ist die ein­zig sinn­vol­le Les­art der Mat­thä­us-Stel­le, die oben zitiert ist. Wenn kei­ner der Ehe­män­ner der Frau in dem Fall­bei­spiel, das die Sad­du­zä­er mit Jesus durch­spie­len wol­len, im Him­mel mehr als ihr Mann gilt, kann man nur fol­gern, dass im Him­mel die Ehe, auch die gewe­se­nen Ehen, als Ehen kei­ne Rol­le mehr spie­len wer­den. Die Vor­stel­lung, man sei im Him­mel immer noch ver­hei­ra­tet, wie man es auf Erden war, ist dem­nach unhalt­bar. Den himm­li­schen Zustand neh­men die­je­ni­gen vor­weg, die im Zöli­bat leben. Ihre Bezie­hun­gen zum ande­ren Geschlecht drücken bereits den voll­kom­men frei­en Zustand aus, der der uns allen ver­hei­ßen ist. Ande­rer­seits sagt der hei­li­ge Pau­lus auch hin­sicht­lich der Ehe­leu­te: „qui habent uxo­res, tam­quam non haben­tes sint“ ((1. Kor. 7, 29)) – die Frau­en haben, sei­en so, als hät­ten sie kei­ne.

Inwie­fern das Mann- und Frau­sein dann über­haupt noch von Rele­vanz sein wird, kön­nen wir uns kaum aus­den­ken. Ist es Abbild des tri­ni­ta­ri­schen Got­tes, wird es wohl kaum ein­fach „neu­tra­li­siert“ oder „weg­ge­gen­dert“. Es wür­de – in die­ser Argu­men­ta­ti­on — bestehen wie bei Zöli­ba­tä­ren, die ja voll­stän­di­ge und lie­bes­fä­hi­ge Män­ner und Frau­en sind, aber das Hin- und Her­ge­ris­sen­sein zwi­schen dem mensch­li­chen „adiutor“ und dem „adiuto­ri­um“ Got­tes, das Gespal­ten­sein zwi­schen gött­li­cher und mensch­li­cher „Obö­di­enz“ – um es iro­nisch zu sagen — , von dem der Apo­stel spricht ((1. Kor. 7, 33 f: „qui autem cum uxo­re est, solli­ci­tus est, quae sunt mun­di, quo­mo­do placeat uxori, et divi­sus est. Et mulier innupta et vir­go cogi­tat, quae Domi­ni sunt, ut sit sanc­ta et cor­po­re et spi­ri­tu; quae autem nupta est, cogi­tat, quae sunt mun­di, quo­mo­do placeat viro.“)), um Chri­sti wil­len auf­ge­ge­ben haben. Sie sind uns ande­ren star­kes Zei­chen für das, wor­auf wir hin­le­ben. Sol­che Män­ner und Frau­en sind in eige­ner Wei­se Abbild Got­tes und sie sol­len es eben­so total, viel­leicht noch viel radi­ka­ler sein als Ehe­leu­te. Die­se Gedan­ken legen ande­rer­seits die Vor­stel­lung nahe, dass wir im Him­mel auf eine völ­lig ande­re Art Got­tes Eben­bild sein könn­ten, die von der Aus­stat­tung als Mann und Frau her gedacht, nicht abseh­bar ist.

Denn nach Tho­mas von Aquin ist die Dif­fe­ren­zie­rung des Men­schen nach Mann und Frau vor Gott nur eine Dif­fe­ren­zie­rung der Phy­sis nach — kei­ne gei­sti­ge Dif­fe­ren­zie­rung:
„Prae­te­rea, Gen. I, crea­vit Deus homi­nem ad ima­gi­nem suam, ad ima­gi­nem Dei crea­vit illum, mas­cu­lum et femi­nam crea­vit eos. Sed distinc­tio mas­cu­li et femi­nae est secund­um cor­pus. Ergo eti­am secund­um cor­pus atten­ditur Dei ima­go in homi­ne, et non secund­um men­tem tan­tum. ((Sum­ma th., I q. 93 a. 6 arg. 2)) – Fer­ner, Gene­sis 1, schuf Gott den Men­schen zu Sei­nem Bild, zum Bild Got­tes schuf er ihn, männ­lich und weib­lich schuf er sie. Aber die Unter­schei­dung des Männ­li­chen und Weib­li­chen ist dem Lei­be nach. Dar­um wird man das Eben­bild Got­tes im Men­schen dem Lei­be nach auf­fas­sen, und nicht so sehr dem Geist nach. Tho­mas bezieht sich auf den Satz des hei­li­gen Pau­lus, der Mann (vir) sei „Ima­go Dei“, damit sei folg­lich die leib­li­che Erschei­nung gemeint und weni­ger die gei­sti­ge. Ande­rer­seits wider­spre­che dem, „quod apo­sto­lus dicit, ad Eph. IV, reno­va­mi­ni spi­ri­tu men­tis vestrae, et indu­i­te novum homi­nem, ex quo datur intel­li­gi quod reno­va­tio nostra, quae fit secund­um novi homi­nis indum­en­tum, ad men­tem per­ti­net. Sed ad Col. III, dicit, indu­en­tes novum homi­nem, qui reno­vatur in agni­tio­nem Dei, secund­um ima­gi­nem eius qui crea­vit eum, ubi reno­va­tio­nem quae est secund­um novi homi­nis indum­en­tum, attri­buit ima­gi­ni Dei. Esse ergo ad ima­gi­nem Dei per­ti­net solum ad men­tem.“ – dass der Apo­stel in Eph. 4 sagt, erneu­ert euern Geist, und zieht den neu­en Men­schen an, wor­aus erkannt wer­den kann, dass unse­re Erneue­rung, die im Gewand des neu­en Men­schen gesche­hen soll, sich auf den Geist bezieht. Aber in Kolos­ser 3 sagt er, zieht den neu­en Men­schen an, der in der Erkennt­nis Got­tes erneu­ert wird, nach dem Bild des­sen, der ihn geschaf­fen hat, also Erneue­rung, die im Gewand des neu­en Men­schen ist, dem Bild Got­tes ent­spricht. Folg­lich bezieht sich das Bild Got­tes nur auf den Geist. ((Tho­mas, Sum­ma th. I q. 93 a. 6 s. c.)) Die leib­li­che Dif­fe­renz scheint Tho­mas dem­nach in Chri­stus nicht über­schät­zen zu wol­len.
Zu dem­sel­ben Schluss gelangt auch der Apo­stel Pau­lus:
„Ver­um­tamen neque mulier sine viro, neque vir sine mulie­re in Domi­no; nam sicut mulier de viro, ita et vir per mulie­rem, omnia autem ex Deo.“ ((1. Kor. 11, 11 f)) – Ande­rer­seits aber ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau ; denn so wie die Frau vom Mann kommt, so auch der Mann durch die Frau, alles aber aus Gott.

In einer wei­te­ren Refle­xi­on wer­de ich vor allem die Dekon­struk­ti­on des soeben beschrie­ben kom­ple­men­tä­ren Wesens des Men­schen als „Ima­go Dei“ betrach­ten, die mit dem Sün­den­fall und dem Fluch, den die Men­schen über sich selbst gebracht haben, und den Gott laut aus­sprach, begann.

Text: Han­na Jüng­ling
Bild: Adam und Eva im Para­dies von Wil­liam Blake/Heiligste Drei­fal­tig­keit, Iko­ne der Schu­le von Kreta/Albrecht Dürer

20 Kommentare

  1. Prie­ster­tum der Frau?
    Wenn man die­sen Auf­satz liest, dann müß­te man als unvor­ein­ge­nom­mer­ner Leser schluß­fol­gern, daß sich als Quint­essenz u.a. die Fra­ge nach dem Prie­ster­tum der Frau bzw. bes­ser Män­nin stellt (engl. man- woman).
    Der Begriff „Frau“ bezeich­net ja nicht eigent­lich das Geschlecht, son­dern ist das Äqui­va­lent zu „Fron“-Herr. Es ist eine Bezeich­nung des sozia­len Ran­ges. Mehr­mals bezeich­net der Herr sei­ne Mut­ter Maria als „Frau“, was zunächst etwas befrem­dend wirkt. Aber Frau heißt über­setzt Her­rin.

    Die Evan­ge­li­en berich­ten, daß etli­che Frau­en den Herrn auf sei­nem Kreuz­weg beglei­te­ten und sein Lei­den haut­nah mit­ver­folg­ten und mit­lit­ten u.a. ins­be­son­de­re sei­ne Mut­ter, aber es ist nur von einem Mann spe­zi­ell die Rede, der unter dem Kreu­ze stand, näm­lich der hl. Apo­stel Johan­nes.
    Wie­so, so stellt sich auto­ma­tisch die Fra­ge, soll­ten Frauen/Männinen das Opfer Chri­sti nicht in unblu­ti­ger Wei­se dar­brin­gen kön­nen? Ja, es war kei­ne Frau beim Letz­ten Abend­mahl zuge­gen, als der Herr Brot und Wein in sein Fleisch und Blut wan­del­te. Aber dann waren sie unter dem Kreu­ze und die ersten Zeu­gen sei­ner Auf­er­ste­hung.
    Vor Gott und für Gott sind Mann und Män­nin pri­mär wesens­gleich. Die Unter­schie­de sind sekun­dä­rer Natur. Und wenn Pau­lus schreibt, daß es dann nicht mehr Mann und Frau gibt, schon in der hl. Mes­se hie­nie­den, dann stel­len sich Fra­gen bezüg­lich des Altar­dien­stes.

    • Ihre Her­lei­tung des Wor­tes Frau ist zwar inner­halb des Deut­schen rich­tig, nützt aber nichts, weil es — wie der Auf­satz zei­gen will — nie­mals um „Herr­schaft“ gehen kann, weder für den Mann noch für die Frau, weil Gott allein herrscht über uns — und sogar ER, der als ein­zi­ger dazu befugt wäre, hat sich der bösen Herr­schaft des Men­schen, in der Lei­dens­ge­schich­te Jesu sind es tat­säch­lich aus­schließ­lich Män­ner, die über IHN herr­schen wol­len (kei­ne Frau­en!), zu unse­rer aller­größ­ten beschä­mung und zu unse­rem Heil über­las­sen. Man muss sich das mal vor­stel­len: Gott ver­zich­tet auf Sei­ne Herr­schaft und lässt sich von uns zer­tre­ten am Kreuz. das ist so unge­heu­er­lich, dass man es nicht den­ken kann. Auch das ein Indiz dafür, dass die Mei­nung, der Mann sei zum Herr­schen gebo­ren alles nur nicht christ­lich ist. In Chri­stus ist nie­mand zum Herr­schen, son­dern aus­schließ­lich zum Die­nen gebo­ren — Mann wie Frau. Aber das Die­nen meint vor allem ande­ren IHN und nur von IHM her auch den Näch­sten.

      War­um die Frau kei­ne Prie­ste­rin sein kann? Weil sie als Frau an einem ande­ren Stand­ort des „Simi­le“ steht als der Mann. Es ist sehr ein­fach: die Leit­schnur ist für uns, dass es Gott in der Logik des „Simi­le“ als Mann ins Fleisch zu kom­men, dies aller­dings durch das „Fiat“ und die Muter­schaft der Frau. Wer also in per­so­na Chri­sti han­delt, for­mell — sakra­men­tal (Mess­op­fer, Beich­te), der muss in der Simi­le-Struk­tir blei­bend ein Mann sein.
      Die Frau ist Abbild der gan­zen Kir­che, viel­leicht auch des Soh­nes als des „Zwei­ten“, das muss man noch genau­er durch­den­ken, im Gebä­ren unter Schmer­zen auch des­sen, der uns durch sein Lei­den zu einer Neu­ge­burt ver­hol­fen hat, aber das ist anders gela­gert und muss von der „Mit­erlö­ser­rol­le“ Mari­ens her gedeu­tet wer­den.

      In dem Zusam­men­hang ist sogar von gro­ßer Bedeu­tung, dass sich die­ser Auf­er­stan­de­ne Herr als Mann zuerst einer Frau gezeigt hat: Maria Mag­da­le­na, die als „apo­sto­la apo­sto­lo­rum“, ja durch­aus von IHm selbst infor­mell zu den Apo­steln gesandt („Geh und sag“), denen, die ER dann for­mell sand­te „in per­so­na“ zu han­deln, über­haupt erst ein­mal kund­zu­ge­ben, was gesche­hen ist und was es bedeu­tet.

      Die „Prie­ster­rol­le“ der Frau — ich wür­de das nie­mals, um Ver­wir­rung zu ver­mei­den — so nen­nen wol­len ist ein Apo­sto­lat als „Mut­ter“: von unse­rem Zeug­nis hängt ab, ob die Prie­ster in per­so­na Chri­sti über­haupt „send­bar“ sind. Dass wir ver­sa­gen, offen­bart der deso­la­te Zustand des Prie­ster­tums.

    • Das Zuein­an­der von Mann und Frau spie­gelt nach Hw. Milch neben dem Ver­hält­nis Gottvater/Gottsohn auch das Zuein­an­der von Schöp­fer und Schöp­fung. Der Mann ist wesens­mä­ßig aktiv, die Frau rezep­tiv (emp­fan­gend). Das Spen­den eines Sakra­men­tes müs­se dem­nach im Gegen­satz zum Emp­fan­gen Män­nern als Reprä­sen­tan­ten des akti­ven Prin­zips vor­be­hal­ten sein.

  2. Dan­ke @zeitschnur für Ihre Aus­sa­gen. Ich bin mir auch bewußt, daß mei­ne Äuße­run­gen teil­wei­se (auch für mich selbst) soz. über­trie­ben waren.
    Ich bemer­ke, daß Frau­en auch ein Stück weit soz. männ­lich sind. War­um ist es heu­te bei uns so, daß sich die Geschlech­ter oft so miß­ver­ste­hen? Haben „wir“ teil­wei­se fal­sche „Bil­der“ von­ein­an­der und von uns jeweils selbst? Ich mei­ne, daß das durch­aus zutref­fend ist. Und daher rüh­ren dann auch vie­le Phä­no­me­ne wie z.bspw. Ehe­schei­dun­gen m.Er. Die Frau­en sind wirt­schaft­lich, mate­ri­ell weit selb­stän­di­ger gewor­den.
    Es gibt auch eine fal­sche Erzie­hung vor allem durch die Medi­en. Ich hal­te nichts von „Rol­len­bil­dern“- der Begriff ist schon abwe­gig. Es geht ja nicht um Rol­len, son­dern um das kon­kre­te Leben als Mann und Frau in einer Ehe z. Bsp. Da gibts kei­ne Rol­len- das ist ein Mit­ein­an­der in Freud und Leid. Bei­de leben für­ein­an­der und für die Kin­der.

    Aber was der Apo­stel Pau­lus schreibt, daß es also nicht mehr Mann und Frau/Männin usw. gebe, son­dern daß alle eins seien/sind in Chri­stus, der der wah­re und ein­zi­ge Hohe­prie­ster ist, dann ist das schon sehr hohe Theo­lo­gie- wie neu­er Him­mel und neue Erde. Und so ein „Gefühl“, daß wir alle eins sind, kann man doch schon annä­he­rungs­wei­se in der hl. Mes­se erfah­ren und hats auch schon erfah­ren. Dort mei­ne ich, soll die­se Einig­keit im Hl. Geist auch erfahr­bar sein.
    Daß das so ist, sagt der Herr auch in Bezug auf die Ehe­leu­te, die ein Fleisch sind und auch ein Geist.

  3. Auch das scheint zum aktu­el­len Not­stand zu gehö­ren, dass das Erar­bei­ten solch lehr­rei­cher Trak­ta­te von Lai­en wahr­ge­nom­men wer­den muss, weil von den eigent­lich dafür zustän­di­gen Ordi­na­ria­ten oder Lehr­in­sti­tu­ten dazu ent­we­der prak­tisch nichts, oder dann aber oft Ver­wir­ren­des zu hören ist. Vie­len Dank für die­se lehr­rei­che Arbeit, wer­te Fr. Zeit­schnur, auch schon für die Fort­set­zung!

    @Franzel: Wie schon beim Islam-The­ma, wo in Ihren Augen der „gemein­sa­me Abra­ham“ qua­si alles recht­fer­tigt, den­ken Sie mit Ihrem Ein­wurf mei­nes Erach­tens auch hier vom Ende statt vom Anfang her: man wünscht sich einen gewis­sen Zustand und biegt dazu „am Zeug“ her­um, dass die Schwar­ten kra­chen. Für ein Prie­ster­tum füh­ren Sie u.a. an, dass jene hl. Frau­en schließ­lich ja erste Zeu­gin­nen der Auf­er­ste­hung waren. Ver­zei­hung, dies ist aber „nur“ dem Umstand zuzu­schrei­ben, dass sie im Unter­schied zu den ver­äng­sti­gen Jün­gern — eben typisch Frau — mit­lei­dend („mensch­lich“) han­del­ten.

    Denn wes­halb gin­gen sie zum Grab? „Als der Sab­bat ver­gan­gen war, kauf­ten Maria von Mag­da­la und Maria, die Mut­ter des Jako­bus, und Salo­me wohl­rie­chen­de Öle, um hin­zu­ge­hen und ihn [den Leich­nam] zu sal­ben.“ Um den Glau­ben die­ser Treue­sten sah es also — sor­ry — um kei­nen Deut bes­ser aus als dem der sich ver­stecken­den Apo­stel, denn auch sie glaub­ten den Herrn tot — wozu sonst die Öle?!

    Wer aber ging NICHT zum Grab, obwohl sie mit IHM den Kreuz­weg ging, unter sei­nem Kreuz ver­harrt und ihn mit ins Grab gebet­tet hat­te und somit „vor Ort“ war? Sei­ne hoch­hei­li­ge Mut­ter; sie hat­te ihm also vom Anfang bis zum „Ende“ wirk­lich alles geglaubt!

    Ihr treu­er Beglei­ter auf dem Lei­dens­weg aber, der hl. Johan­nes, glaub­te erst, als er ins lee­re Grab hin­ein­ging und „sah“. Und dabei war es doch er, der IHN bei der Erschei­nung am See zuerst erken­nen soll­te: „Es ist der Herr!“, und von dem es — m.E. bedeu­tungs­voll — wei­ter heißt, dass er IHM schon gefolgt war, als ein gewis­ser Petrus dazu mit „Fol­ge mir nach!“ erst noch auf­ge­for­dert wer­den muss­te. — Ich füge dies hier an, weil ich der Ver­fas­se­rin des Gast­kom­men­tars auf­grund ihres dama­li­gen Leser­bei­trags zu den Wir­ren um die (H)Eiligsprechungen auch die­se Zusam­men­hän­ge ver­dan­ke.

    • „…als ein gewis­ser Petrus dazu mit ‚Fol­ge mir nach‘ erst noch auf­ge­for­dert wer­den muss­te.
      Der Satz ist mehr als bedenk­lich. Wor­auf läuft er hin­aus?

      Es ist rich­tig zu stel­len: Die Auf­for­de­rung Jesu Christi,„folge mir nach“ ist ein­deu­tig auf den Kreu­zes­tod bezo­gen, den Petrus in Sei­ner Nach­fol­ge in Rom erlei­den soll­te. Die­se Nach­fol­ge wird vom Apo­stel Johan­nes in die­ser Form nicht ver­langt, sie hat defi­ni­tiv nicht statt­ge­fun­den, als unser Herr die­se Auf­for­de­rung an Simon Petrus rich­te­te.

      Nur Simon Petrus, er ganz allein, erhält den Auf­trag von unse­rem Herrn, Sei­ne Läm­mer, Sei­ne Scha­fe zu wei­den. In fei­er­li­cher Form, drei Mal fragt unser Herr den Apo­stel­für­sten nach sei­ner Lie­be, um ihm dann das Hir­ten­amt zu über­tra­gen (Joh 21, 15 — 17), wie kei­nem ande­rem Apo­stel.
      Nie hat der hei­li­ge Johan­nes auch nur ansatz­wei­se den Pri­mat des Petrus, der auf sei­ne Nach­fol­ger über­ge­hen soll­te, bestrit­ten.

      Es ist ein Mär­chen, ich muss es so nen­nen, dass die Got­tes­mut­ter bei der Grab­le­gung in irgend­ei­ner Form betei­ligt war? Wo steht das im NT geschrie­ben?

      Die hei­li­ge The­re­se von Lisieux, die sehr die Hei­li­ge Schrift lieb­te und für ihr Glau­bens­le­ben sich immer wie­der von ihr nähr­te, wun­der­te sich schon damals, was alles in die Got­tes­mut­ter hin­ein­pro­ji­ziert, inter­pre­tiert, behaup­tet wur­de, was in den hei­li­gen Tex­ten nicht zu fin­den ist.
      Sie war eine gro­ße Ver­eh­re­rin der Got­tes­mut­ter. Sie ver­ehr­te ihre Demut, ihre „Ein­fach­heit“, wie sie es nann­te.

      Die Got­tes­mut­ter hat­te, so dür­fen wir anneh­men, einen weit­aus grö­ße­ren Ein­fluss auf die Urge­mein­de, als in den Schrif­ten des Neu­en Testa­ments berich­tet wird. Wir dür­fen aber nicht Hand­lun­gen erfin­den. Die Hei­li­ge Schrift ist die Quel­le der Offen­ba­rung neben der münd­li­chen Tra­di­ti­on, dem Lehr­amt der katho­li­schen Kir­che. Wir haben kein Recht, die­se Offen­ba­rung zu ändern, in unse­rem Sin­ne zu inter­pre­tie­ren.

      Die katho­li­sche Mari­en­ver­eh­rung, die sich ent­wickel­te, hat ihre Quel­le, ihren Grund in der Mensch­wer­dung der zwei­ten gött­li­chen Per­son. Sie wur­de aus­er­wählt, die Mut­ter Jesu Chri­sti zu sein, ein Vor­zug, den kei­ne Frau erhal­ten hat. Den wir uns im Grun­de gar nicht vor­stel­len kön­nen: Die Mut­ter des Gott­men­schen zu sein, des Ret­ters und Erlö­sers der Welt, das geht über unser Begrei­fen.
      Sie ist die Hei­lig­ste aller Hei­li­gen, sie ist unse­re mäch­tig­ste und wirk­sam­ste Für­spre­che­rin. Aber sie bleibt ein Geschöpf, das alle Geschöp­fe über­ragt. Sie hat den Gott­men­schen gebo­ren, sie ist Got­tes­ge­bä­re­rin. Doch zu sei­ner Gott­heit konn­te sie als Geschöpf nichts bei­tra­gen, als mensch­li­che Mut­ter lei­ste­te sie ihren Bei­trag zu sei­ner mensch­li­chen Natur.
      Man kann es bes­ser aus­drücken, doch das ist die katho­li­sche Leh­re. Wer wei­ter­ge­hen will, ver­kürzt ent­we­der die Gott­heit Jesu Chri­sti oder macht Maria zu einer Art Halb­göt­tin. Das ist nicht nur eine schlim­me Häre­sie, es bedeu­tet die unglaub­li­che Demut der aller­se­lig­sten Jung­frau Maria zu ver­zer­ren, ihr einen Anspruch unter­zu­schie­ben, den sie nie geäu­ßert hat.

      • @ zeit­los

        Sie stel­len etwas „rich­tig“ (?), das nie­mand so gesagt hat und wei­sen Aus­sa­gen zurück, die kei­ner gemacht hat. Die „Richtg­stel­lun­gen“ die­ser von nie­man­dem ver­tre­te­nen Aus­sa­gen geben vor, dem bibli­schen Text zu fol­gen, tun es aller­dings nur in einer eigen­wil­li­gen und ver­kür­zen­den Wei­se.

        „Das „Fol­ge mir nach!“, das Jesus am Schluss des Johan­nes-Evan­ge­li­ums sagt, kann in sei­ner bedeu­tung nicht redu­ziert wer­den auf den Kreu­zes­tod. Die enge­re Kenn­zeich­nung ist nach dem Text des Johan­nes dies: „Wenn du aber alt gewor­den bist, wird du dei­ne Hän­de aus­strecken udn ein ande­rer wird dich gür­ten und dich füh­ren, wohin du nicht willst“ (21,18). Zu die­sem Satz kom­men­tiert Johhaes: „Das sag­te Jesus, um anzu­deu­ten, durch wel­chen Tod er Gott ver­herr­li­chen wür­de.“ (V. 19a) Und erst dann sagt Jesus: „Fol­ge mir nach!“ In die­ser Sze­ne schwingt sehr vie­les mit, nicht nur ein Mär­ty­rer­tod, son­dern sehr wohl und zen­tral die Ver­leug­nung Jesu durch Petrus. Die­se vor­an­ge­gan­ge­ne schwe­re Nie­der­la­ge des Petrus im Glau­ben ist sogar die haupt­säch­li­che Bezugs­sze­ne… Jesus bekräf­tigt hier nicht in erster Linie einen Tod des Petrus, son­dern den Auf­trag, den ER ihm schon ein­mal gege­ben hat, Fels zu sein, die Läm­mer zu wei­den, und wenn er das tut und sich füh­ren lässt (!!!) und nicht etwa sel­ber meint füh­ren zu sol­len — dann wird die Nach­fol­ge ganz sein.
        Sie soll­ten jedoch hier nicht auf­hö­ren zu lesen, son­dern wei­ter­se­hen, was im Evan­ge­li­ums­text steht: Petrus schaut in dem Moment auf Johan­nes und fragt, was denn mit dem sei. War­um wohl? lesen wir doch ein­fach: „Petrus wand­te sich um und sah, wie der Jün­ger, den Jesus lieb­te, die­sem folg­te…“ (V. 20)
        @ Car­lo beschreibt also die Situa­ti­on ent­spre­chend der genau­en Text­stel­le — Sie dage­gen strei­chen die­sen Abschnitt ein­fach weg. War­um tun Sie das? Wenn Sie wei­ter­le­sen, wer­den Sie noch viel Erstaun­li­che­res hören. Jesus sagt zu Petrus: „Wenn ich will, dass er bis zu mei­nem Kom­men bleibt, was geht das dich an? Du aber fol­ge mir nach!“ (V. 22) Joh. kom­men­tiert das: jesus habe nicht gemeint, dass Johan­nes ewig lebe. Ja, was meint ER aber dann? ER kann im Grun­de nur eines mei­nen: dass Johan­nes, der ja Pro­to­typ des Prie­sters ist — blei­ben wird bis zur Wie­der­kunft, dass aber frag­lich ist, ob Petrus bis zur Wie­der­kunft die Nach­fol­ge „durch­hält“.
        Wie wahr die­se Johan­nes-Stel­le ist, erfah­ren wir heu­te!

        Was die Got­tes­mut­ter betrifft, ist The­re­se von Lisieux, auch wenn sie zur Kir­chen­leh­re­rin erho­ben wur­de, kein Gegen­be­weis gegen die Kir­chen­vä­ter und unge­zähl­te wei­te­re Hei­li­ge. Hei­li­ge sind durch­aus fehl­bar in ihren Schrif­ten, Gott sei Dank (!). The­re­se ist v.a. auch kein Gegen­be­weis gegen wirk­lich fast unzäh­li­ge Lehr­schrei­ben gera­de der Päp­ste ihrer Lebens­zeit, v.a. Leo XIII., aber auch spä­ter Pius X. es ist Ihr Pro­blem, dass Sie noch kei­nen tie­fen Zugang zur Mut­ter­got­tes gefun­den haben. Gri­g­ni­on de Mont­fort, selig­ge­spro­chen von Leo XIII. und hei­lig­ge­spro­chen von Pius XII. …

        (Forts.)

        • (Forts.)

          …schau­te vor­aus, dass am Ende der Zei­ten nur der, der sich an Maria ori­en­tiert, auch noch im Geist und in der Wahr­heit zu Jesus Zugang behält. Ableh­nung einer sol­chen hin­ge­bungs­vol­len Mari­en­ver­eh­rung bezeich­net er als Zei­chen für man­geln­den Glau­ben und man­geln­de Got­tes­furcht. Die mei­sten Men­schen ver­wech­seln Glau­ben mit Ethik oder Prin­zi­pi­en­rei­te­rei. Glau­be ist aber etwas Leben­di­ges! Die Kano­ni­sie­rung gera­de die­ses Man­nes, des­sen Wir­ken übri­gens über­aus segens­reich war — auch er „nur“ ein Johan­nes-Prie­ster — spricht eine deut­li­che Spra­che, wie ich fin­de, zumal sich zahl­lo­se wei­te­re Hei­li­ge von ihm befruch­ten lie­ßen, wie zum Bei­spiel der todes­mu­ti­ge Maxi­mi­li­an Kol­be. Wäh­rend Sie gegen deren Mari­en­ver­eh­rung anschrei­ben und damit in einem Land, das Maria ohne­hin nicht ver­ehrt und in einer Zeit, die sie aus der Kir­che kata­pul­tiert hat, auch noch gegen den letz­ten Rest lau­ben, der uns geschenkt wäre, ange­hen, haben all jene den Glau­ben hel­den­haft bekannt, auch in der Kreu­zes­nach­fol­ge. Nicht nur das: auch die Regi­on, in der Grg­ni­on wirk­te, die Vendée, war die ein­zi­ge Regi­on, die in der Revo­lu­ti­on erfolg­rei­chen Wider­stand lei­ste­te und dies auch heu­te gegen die gesetz­ge­bung in Frank­reich tut, die das Adop­ti­ons­recht für Homo­se­xu­el­le ein­ge­führt hat.

          Nicht Sie und nicht ich bestim­men, was „gesun­de“ Mari­en­ver­eh­rung ist. Durch ent­spre­chen­de Hei­lig­spre­chun­gen, aber noch viel mehr durch lehr­amt­li­che Defi­ni­tio­nen und Schrei­ben ist eigent­lich die Rich­tung vor­ge­ge­ben gewe­sen. Sie dage­gen fol­gen im Prin­zip dem moder­ni­sti­schen Stand­punkt, der auch in kon­ser­va­ti­ven Krei­sen nach dem Kon­zil um sich gegrif­fen hat. Anstatt Maria so zu ver­eh­ren, wie es ihr gebührt nach der ent­fal­te­ten Leh­re, haben dann selt­sa­me, „vagan­te“ Mari­en­er­schei­nun­gen und auch eine zwei­fel­haf­te Inan­spruch­nah­me der Got­tes­mut­ter durch JPII um sich gegrif­fen. Der Höhe­punkt sol­cher miss­bräuch­li­chen Mari­en­ver­eh­rung betreibt nun F.
          Schon Gri­g­ni­on beschreibt und benennt aus­führ­lich im „Gol­de­nen Buch“ das Argu­ment der Mari­en­ver­eh­rungs­kri­ti­ker: es sei unge­sund, neh­me Jesus sei­nen Rang etc. etc. Es hat sich also seit der Refor­ma­ti­on nichts geän­dert… Er beschreibt aber auch die ver­kitsch­ten und unauf­rich­ti­gen Ver­eh­rungs­for­men.
          Gri­g­ni­ons erbit­ter­te Fein­de waren zu sei­nen Leb­zei­ten bereits die Jan­se­ni­sten und die Cal­vi­ni­sten, die auch vor Mord­an­schlä­gen nicht zurück­scheu­ten. Auch sie Anhän­ger gar kei­ner oder einer „gesun­den“ Mari­en­ver­eh­rung.

          @ Car­lo: Die Epi­so­de um einen Men­schen wie Gri­g­ni­on zeigt, dass die spi­ri­tu­el­len Impul­se nicht vom Lehr­amt selbst kom­men müs­sen und auch noch nie nur von ihm kamen. Daher — wie­so sol­len nicht auch wir, wenn ins uns ein inne­res Bild über etwas ent­steht, dies für alle kund­tun? Das Lehr­amt hat von jeher davon pro­fi­tiert und sol­che Gedan­ken, Schau­un­gen und phi­lo­so­phi­schen Über­le­gun­gen — wenn sie recht waren — ein­be­zo­gen, wenn sich die Zeit dafür erfüllt hat. Jeder von uns will doch nur das ver­schen­ken, was er selbst emp­fängt, und legt es zur Prü­fung vor.

      • Zeit­los: plea­se calm down! Den durch @zeitschnur zwi­schen­zeit­lich gege­be­nen Ant­wor­ten und Kor­rek­tu­ren zu den „inkri­mi­nier­ten“ Pas­sa­gen mei­nes klei­nen Bei­trags kann ich mich nur anschlie­ßen und belas­se es dabei.

        Aber sehr bedau­er­lich, dass Sie dem­nach den Kreuz­weg kaum oder nur lücken­haft beten kön­nen bzw. die ein­zel­nen Sta­tio­nen so zu betrach­ten sich gestat­ten, wie die Kir­che seit Jahr­hun­der­ten dazu anlei­tet.

  4. Im übri­gen sind zöli­ba­tär leben­de Men­schen nicht auf Grund des Zöli­ba­tes ein Abbild Got­tes, son­dern durch den Schöp­fungs­akt Got­tes, wie alle ande­ren Men­schen. Danach ist der Mensch grund­sätz­lich Sein geschaf­fe­nes Eben­bild. Die katho­li­sche Kir­che hat den Zöli­bat nie­mals so inter­pre­tiert, dass die Zöli­ba­tä­ren den drei­fal­ti­gen Gott in beson­de­rer Wei­se abbil­den.

    Der Gott­mensch Jesus Chri­stus, der auf Erden und über­haupt jung­fräu­lich leb­te, ist das Vor­bild für den Zöli­ba­tä­ren. Gleich­zei­tig lässt die inne­re Ver­bin­dung zu Ihm nicht zu, dass die Lie­be zu Ihm mit einem Men­schen geteilt wird. Er nimmt im Leben des Zöli­ba­tä­ren den ersten Platz ein. Ganz real, nicht nur im Glau­ben. Des­we­gen bleibt der recht geleb­te Zöli­bat ein Vor­bild für alle Gläu­bi­gen.

    • Nie­mand hat behaup­tet, dass Zöli­ba­tä­re „auf­grund des Zöli­bats“ Abbil­der Got­tes sind. Bit­te machen Sie Ihre Aus­sa­gen doch ohne damit zu sug­ge­rie­ren, jeamnd hät­te etwas „Fal­sches“ behaup­tet. War­um immer die­se Sei­ten­hie­be?

  5. @Zeitschnur:
    ich kann Ihnen,was den Hl. Papst Johan­nes Paul II. betrifft nur emp­feh­len, sei­ne Äuße­run­gen zu lesen. Er sagt und bekennt näm­lich, daß er erst durch die Schrif­ten des hl. Gri­g­ni­on den Mont­fort die rich­ti­ge Mari­en­ver­eh­rung ver­stan­den habe. Und das hat er getan, nichts ande­res. Durch Maria zu Chri­stus- ganz biblisch.
    Es ist eine Schan­de wie Sie über Päp­ste spre­chen- und über Hei­li­ge. Das geht gar nicht.
    Solan­ge Sie den hei­li­gen Papst Johan­nes Paul II. angrei­fen, grei­fen Sie die Mut­ter­got­tes an.

  6. @Zeitschnur

    Ich hof­fe, Sie sehen es mir nach, dass ich die Auf­fas­sung der mei­sten vor­kon­zi­lia­ren katho­li­schen Exege­ten tei­le, wonach sich die Auf­for­de­rung Jesu Chri­sti, ihm nach­zu­fol­gen, auf den Mär­ty­rer­tod des Apo­stel­für­sten bezieht. Dass Nach­fol­ge natür­lich in der Gegen­wart beginnt, ver­steht sich von selbst, Petrus hat­te nicht zu war­ten, bis zu sei­nem Tod, und er tat es auch nicht, was selbst Sie nicht bestrei­ten wer­den.
    Nir­gend­wo steht im Neu­en Testa­ment, dass Johan­nes eher nach­folg­te als die übri­gen Apo­stel. Er war der Lieb­lings­jün­ger, ohne Zwei­fel, und er stand unter dem Kreuz. Aber dort stan­den nicht nur die Mut­ter Jesu, son­dern auch ihre Ver­wand­te und Maria Mag­da­le­na. Maria Mag­da­le­na und die Schwe­ster der Got­tes­mut­ter müss­ten dann eben­falls zu den ersten Nach­fol­gen­den gezählt wer­den, wenn Ihre pri­va­te Deu­tung stim­men wür­de.

    Wenn Sie den Kom­men­tar von „Car­lo“ lesen, wer­den Sie zur Kennt­nis neh­men müs­sen, dass er behaup­tet, die Mut­ter Jesu Chri­sti war bei der Grab­le­gung dabei. Es gibt kei­ne Stel­le im Neu­en Testa­ment, die dies auch nur mit einer Sil­be erwähnt. Es ist rei­ne Fan­ta­sie.

    Sie sind wirk­lich die mir bekann­te Erste, die behaup­tet, Jesus habe im Ernst gesagt, Johan­nes wer­de „blei­ben“, bis Er wie­der­kommt. WENN ICH WILL, dass er bleibt bis ich kom­me, ist eine Zurecht­wei­sung an Petrus. Es geht den Petrus nichts an, was mit Johan­nes geschieht, so wird die­se Stel­le von den seriö­sen Exege­ten aus­ge­legt. Wäre es anders, müss­te die Son­der­stel­lung des Apo­stels Johan­nes im Glau­ben der Kir­che ihren Nie­der­schlag gefun­den haben. Es gibt sie nicht, sie gehört dem Bereich der Fan­ta­sie an. Genau­so wie die Behaup­tung, Johan­nes sei der „Pro­to­typ des Prie­sters.“ Weil er unter dem Kreuz stand? Dann müss­ten wir sofort das Frau­en­prie­ster­tum for­dern, denn Maria Mag­da­le­na ist die Per­son, die am häu­fig­sten genannt wird als unter dem Kreuz Ste­hen­de. Näm­lich in drei Evan­ge­li­en wird sie nament­lich erwähnt.

    Ich habe von dem „Gol­de­nen Buch“ gehört, ich ken­ne und schät­ze Katho­li­ken, die die­ses Buch sehr gern lesen. Wir sind uns aller­dings einig: Das „Gol­de­ne Buch“ ist kei­ne Quel­le der Offen­ba­rung, es darf nie­mals auf einer Ebe­ne mit der Hei­li­gen Schrift gele­sen wer­den. Das min­dert nicht sei­nen Wert für die per­sön­li­che Fröm­mig­keit, aber es ist nicht all­ge­mein ver­bind­lich für Katho­li­ken.

    Der hei­li­ge Gri­g­ni­on von Mont­fort kann ver­ehrt wer­den von vie­len Katho­li­ken, aber er muss es nicht.

    Zu allen Zei­ten haben Hei­li­ge und ande­re from­me Katho­li­ken den Glau­ben der Kir­che inspi­riert, belebt, ver­tieft. Aber stets mit dem Lehr­amt, nie­mals ohne den Papst oder gegen ihn. Wenn ein Papst einen Hei­li­gen, eine Hei­li­ge, zu sei­nen Leb­zei­ten ver­kann­te, was vor­kam, hat sein Nach­fol­ger dies kor­ri­giert.

    Ich ver­bit­te mir Ihre Unter­stel­lung, ich schrei­be gegen die Mari­en­ver­eh­rung an. Ich habe ver­sucht, Ihre Mari­en­ver­eh­rung zu kor­ri­gie­ren, die teil­wei­se häre­tisch wirkt.

    Sie soll­ten drin­gend Ihre Ein­stel­lung zum Papst­tum über­prü­fen und Ihre Defi­zi­te behe­ben.

    • @zeitlos
      Stich­wort Mari­en­ver­eh­rung. Es gibt die älte­re Mari­en­ver­eh­rung und die neue­re. Die älte­re Mari­en­ver­eh­rung hat die Mut­ter­got­tes mit dem Kind, die neue­re seit Lour­des hat die Jung­frau ohne Kind.
      Das Bild der Mut­ter­got­tes, unter dem sie ver­ehrt wird, hat sich in neue­rer Zeit für vie­le Men­schen gewan­delt. Das alte Mari­en­bild geht auf die Schrift zurück. Das neue Bild stützt sich auf Pri­va­tof­fen­ba­run­gen.

      Ich erle­be es immer wie­der, daß Leu­ten, die sich an die alte Form hal­ten (Mut­ter mit Kind), und die mit der neue­ren nicht so viel anfan­gen kön­nen, unter­stellt wird, sie hät­ten kei­ne Mari­en­ver­eh­rung. Was dabei über­se­hen wird ist die Tat­sa­che, daß all die neue­ren Mari­en­bil­der (Lour­des, Fati­ma, Amster­dam usw.) meist nur in süß­li­chen bis kit­schi­gen Figu­ren ihren Nie­der­schlag fin­den. Es gibt zu die­sen Visio­nen kei­ne guten künst­le­ri­schen Abbil­der, die zur Ver­in­ner­li­chung anre­gen. Sie wir­ken oft schal, sen­ti­men­tal und schwach. Zufall oder ist es ein­fach nicht das Eigent­li­che?

      Ganz anders die alten Mut­ter­got­tes­bil­der. Das sind meist wirk­lich groß­ar­ti­ge hoch­ste­hen­de Kunst­wer­ke, die zu Gebet und Betrach­tung anre­gen. Die älte­ren Mut­ter­got­tes­bil­der zei­gen die Mut­ter, die gleich­zei­tig Jung­frau ist, zusam­men mit ihrem Kind, dem Gott­mensch Jesus Chri­stus. Sie brin­gen zum Aus­druck die Schön­heit, die Gra­zie, die Demut, die Klug­heit unse­ren himm­li­schen Mut­ter. Sie strah­len eine gro­ße Kraft aus. Man den­ke an Tschen­sto­chau, Alt­öt­ting, Ein­sie­deln u. vie­le ande­re.
      Die neue­ren Mari­en­bil­der zei­gen eine (eman­zi­pier­te) Frau, die (wie in Lour­des) die Hän­de zum Gebet gefal­tet zum Beten auf­for­dert oder als schö­ne Dame wie in Amster­dam den Betrach­ter anlä­chelt.
      Mir sagen die älte­ren Mut­ter­got­tes­bil­der mehr, sie haben ihren Ursprung in der Schrift.
      Die neue­ren Mut­ter­got­tes­bil­der haben ihren Ursprung in (zweit­ran­gi­gen) Pri­va­tof­fen­ba­run­gen und sind etwas neu­es, indem Maria das Wort führt und Bot­schaf­ten über­bringt. Die Kir­che macht kei­ne Vor­schrif­ten. Sie erlaubt es, bei­de Bil­der zu ver­eh­ren. Dem, der das alte Bild ver­ehrt — die Mut­ter mit dem Kind -, kann man nicht vor­wer­fen, er mache etwas falsch oder habe kei­ne Mari­en­ver­eh­rung.

      • das ist ein inter­es­san­ter Gedan­ke!
        Die alten Mari­en­dar­stel­lun­gen ken­nen in der Tat nur Maria mit dem Kind, Vari­an­ten der Pie­ta oder Hei­li­ge Fami­lie Dar­stel­lun­gen.
        Maria allei­ne ist unge­wöhn­lich.
        Und selbst da, wo sie dar­ge­stellt wird, als die Schlan­gen­zer­tre­te­rin, hält sie doch den Sohn im Arm, der mit dem Kreuz die Schlan­ge zunich­te macht.
        MIr per­sön­lich scheint die moder­ne Mari­en­ver­eh­rung einer­seits so eine Art fromm daher kom­men­der Femi­nis­mus zu sein, oder eher eine Art Not­blü­te.
        Über­all gilt die Frau als Frau gar nix, und das, was die Frau aus­macht ihre Frucht­bar­keit wird behan­delt wie eine chro­ni­sche Krank­heit, indem man da bestän­dig was dage­gen macht (Pil­le, oder Spi­ra­le oder sonst­was).
        So scheint mir die Erhö­hung Mari­ens, eine Art Abwehr zu sein, eine Ver­tei­di­gung der Jung­frau und Mut­ter, die aber. irgend­wie nicht klar ist.

  7. Nach­trag: Ich tei­le kei­nes­falls die Mei­nung von Fran­zel, Johan­nes Paul II., der Assi­si-Papst, sei ein Hei­li­ger. Doch er hat recht, dass Johan­nes Paul II. ein lei­den­schaft­li­cher Anhän­ger des hei­li­gen Gri­g­ni­on gewe­sen ist, dass er sei­ne Mari­en­ver­eh­rung voll­um­fäng­lich teil­te.

    Für unse­re katho­li­sche Kir­che wäre es fast lebens­wich­tig gewe­sen, Johan­nes Paul II. hät­te sich an das Lehr­amt der vokon­zi­lia­ren Päp­ste gehal­ten bis hin zum hei­li­gen Petrus. Dann hät­te er nicht die ver­häng­nis­vol­le Aller­lö­sungs­theo­rie ver­tre­ten und in die Glau­bens­pra­xis der Kir­che ein­ge­führt. Die unse­ren Glau­ben zer­stört.

    Hät­te er den hl. Pius X. ver­ehrt, hät­te er die Kir­che auf den Weg der Gene­sung geführt. Davon sind wir wei­ter ent­fernt denn je.

    • @ zeit­los

      Ich möch­te auf das alles nicht mehr beson­ders ant­wor­ten. Was immer ich oder auch ande­re sagen, Sie ver­zer­ren und zer­pflücken es, dass man immer noch mehr Miss­ver­ständ­nis­se und Ver­wir­run­gen klä­ren müsste.Man erkennt sei­ne eige­nen Gedan­ken nicht mehr wie­der. Da das aber nicht mein Pro­blem ist, wenn Sie per­ma­nent nega­tiv auf gesag­te Sät­ze reagie­ren, möch­te ich das ver­mei­den.

      Nur eines ist mir wich­tig: Dass Car­lo schrieb, dass Maria bei der Grab­le­gung war, stimmt. Aber Sie ord­nen die­sen Satz wie­der­um so ein, dass jeder, der Ihr Posting liest, das Gegen­teil von dem her­aus­hö­ren muss als das, was Car­lo geschrie­ben hat.

      was woll­te er sagen? Es ist ganz ein­deu­tig, wenn man unvor­ein­ge­nom­men liest: Ihm war es wich­tig dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Maria NICHT geglaubt hat — wie alle ande­ren — dass ER im Grab blie­be. Und das ist das Wesent­li­che, das Sie aber unter­schla­gen. Und es ist legi­tim, dass er dar­auf hin­weist.

      Und noch etwas: Sie sind nicht mein Beicht­va­ter und müs­sen mich nicht über mei­ne „Defi­zi­te“ beleh­ren, die wie­der­um Ihrer Fan­ta­sie ent­sprin­gen. Ich habe näm­lich kein Pro­blem mit dem Papst­tum — auch das wie­der eine Ihrer Unter­stel­lun­gen, weil Sie nicht genau hin­hö­ren. Mei­ne Gedan­ken haben noch nie­mals das Papst­tum selbst kri­ti­sert — im Gegen­teil: ich hal­te es sehr hoch! — , wenn Sie das bit­te zur Kennt­nis neh­men wol­len und mich nicht wei­ter ver­leum­den.

      Damit ver­ab­schie­de ich mich aus die­ser Strei­te­rei, die ich nicht brau­che und vor allem nicht will. Was ich geschrie­ben habe, kann ja jeder selbst nach­le­sen.

      • @ zeit­schnur,

        ich möch­te Ihnen ger­ne „raten“, sich nicht in die Dis­kus­sio­nen zu stür­zen über Ihr eige­nen Tex­te (die­ser hier ist sehr, sehr gut!! und ich freue mich schon auf den II. Teil), weil ich es nicht gut fin­de, wenn ein Autor sich mit dem Kri­ti­ker rum­strei­tet. Wenn ein Kri­ti­ker in der Zei­tung mei­ne Arbei­ten zer­reißt, den­ke ich mir mei­nen Teil — und schwei­ge.
        Ich wün­sche Ihnen ein gna­den­rei­ches Pfingst­fest !

        LAUDETUR JESUS CHRISTUS !!

        • Sie haben prin­zi­pi­ell recht, wenn man das Gan­ze unter feuil­le­to­ni­sti­schem Aspekt sieht. Also: einer legt für die All­ge­mein­heit eine Arbeit vor, und Kri­ti­ker, die sich selbst pro­fi­lie­ren wol­len (ist lei­der ein häu­fi­ges Pro­blem), suchen nun nach Haa­ren in der Sup­pe oder sie wer­fen Pro­ble­me auf, die nur ihrer Igno­ranz ent­sprin­gen — sie ver­ste­hen die Arbeit nicht, müs­sen aber ihren Senf dazu geben etc. etc. Berühmt Georg Kreis­lers „Der Musik­kri­ti­ker“…

          Mit geht es eigent­lich um etwas ande­res: Ich wür­de mir wün­schen, dass es Debat­ten auf hohem Niveau gibt, etwa so, wie nach einem Vor­trag im Semi­nar. Einer trägt eine Arbeit vor und anschlie­ßend wird sie dis­ku­tiert. Natür­lich muss der Vor­tra­gen­de selbst dabei sein. Sie haben recht: Das ist nur in einem ganz bestimm­ten Rah­men mög­lich. In dem Moment, in dem eine sol­che Debat­te mit dem Feuil­le­ton ver­mischt wird, kommt nichts mehr dabei her­aus. Und daher habe ich mich ja auch, wie Sie lesen konn­ten, aus der Strei­te­rei schon vor Ihrem Posting ver­ab­schie­det.

    • Ich emp­feh­le ihnen zur Lek­tü­re: Domi­nus IESUS.
      Von Aller­lö­sung ist da kei­ne Rede und war bei JP II. auch nie die Rede. Es gibt Blin­de und /oder Bös­ar­ti­ge, die sol­ches unter­stel­len und sagen. Zur Erin­ne­rung: Papst Johan­nes Paul II., der die­ses Doku­ment unter­zeich­ne­te, wur­de stark dafür ange­fein­det. Dar­in steht unmiß­ver­ständ­lich, daß Jesus Chri­stus der ein­zi­ge Herr und Erlö­ser ist für alle Men­schen und kein X und kein Y und kein Z. Außer­dem besagt die­ses Doku­ment, daß es nur eine wirk­li­che Kir­che in vol­lem Umfang gibt: die, die Chri­stus gegrün­det hat. Ganz aus­drück­lich bezeich­net das Doku­ment die röm.-kath. Kir­che als die Kir­che Chri­sti.

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