Petri Stuhlfeier — Der Thron und die drei erschütternden Fragen Jesu an den Papst

Kathedra des Heiligen Petrus(Rom) Am 22. Febru­ar begeht die Kir­che das Fest Petri Stuhl­fei­er. Sicht­ba­ren, aller­dings alle­go­risch über­höh­ten Aus­druck hat das Fest, das an den Auf­trag und die Auto­ri­tät des Papst­tums erin­nert, im über­le­bens­gro­ßen Bron­ze­mo­nu­ment des Berni­ni im Peters­dom, das ein gigan­ti­sches Reli­qui­ar für den päpst­li­chen Thron aus Holz bil­det. Gestützt wird die über­di­men­sio­na­le Thron­nach­bil­dung von den vier Kir­chen­vä­tern Augu­sti­nus, Hie­ro­ny­mus, Ambro­si­us und Atha­na­si­us. Die Histo­ri­ke­rin Cri­sti­na Sic­car­di befaßt sich mit dem lit­ur­gi­schem Fest, sei­nem Hin­ter­grund und sei­ner Bedeu­tung bis zum heu­ti­gen Tag: Dem ein­zig­ar­ti­gen Auf­trag und der ein­ma­li­gen Auto­ri­tät, aber auch der immensen Ver­ant­wor­tunng des Pap­stes.

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Das Fest der Kathedra des Heiligen Petrus

von Cri­sti­na Sic­car­di

Um der Aus­brei­tung und der Festi­gung des Chri­sten­tums im Osten und im Westen zu geden­ken, fei­ert das Mar­ty­ro­lo­gi­um Roma­num am 22. Febru­ar das lit­ur­gi­sche Fest der Stuhl­fei­er des Hei­li­gen Petrus zu Antio­chi­en und am 18. Janu­ar das Fest der Stuhl­fei­er des Hei­li­gen Petrus zu Rom. Die Reform des lit­ur­gi­schen Kalen­ders hat die bei­den Gedenk­ta­ge am 22. Febru­ar ver­eint. An die­sem Tag erin­nert die Kir­che an die beson­de­re Mis­si­on, die Jesus Chri­stus dem Apo­stel Petrus anver­traut hat.

Tu es Petrus

Die Kir­che, erklärt das Mis­sa­le Roma­num, fei­ert an die­sem Fest, daß Chri­stus sie auf Petrus als Fel­sen gegrün­det hat, dem er die Schlüs­sel des Him­mel­reichs über­ge­ben und die ober­ste Hir­ten­ge­walt über­tra­gen hat und der als Hir­te zu den Men­schen spricht. Der Papst ist als Stell­ver­tre­ter Chri­sti direkt dem Haupt der Kir­che ver­ant­wort­lich und Haupt der Kir­che ist allein der Sohn Got­tes: „Tu es Petrus, et super hanc petram aedi­fi­c­abo eccle­si­am meam» (Mat­thä­us 16,18). Die­ses macht­vol­le Her­ren­wort wird im Meß­pro­pri­um am 22. Febru­ar wie­der­holt. Vom Stuhl Petri aus macht sich der Nach­fol­ger des Petrus zum Spre­cher der unver­än­der­li­chen Leh­re des himm­li­schen Königs, den er ver­tritt. Die­se Leh­re wur­de vom Hei­land und Ret­ter direkt dem Hei­li­gen Petrus anver­traut und wird durch die Über­lie­fe­rung getreu wei­ter­ge­ge­ben. Alle Päp­ste in recht­mä­ßi­ger Suk­zes­si­on sind ver­pflich­tet, die emp­fan­ge­ne Tra­di­ti­on ihrer­seits wie­der wei­ter­zu­ge­ben.

Die Stuhlreliquie Kaiser Karls des Kahlen

Der Stuhl Petri ist nicht nur eine imma­te­ri­el­le Idee, son­dern eine Gedenk­re­li­quie, ein wirk­li­cher Thron aus Holz aus dem 9. Jahr­hun­dert. Er wur­de 875 vom Fran­ken­kö­nig Karl dem Kah­len (823–877) Papst Johan­nes VIII. (820–882) geschenkt. Anlaß war Karls Rom­rei­se und sei­ne Kai­ser­krö­nung, die am Christ­tag 875 erfolg­te. Der Stuhl wur­de von den Päp­sten aus­schließ­lich für lit­ur­gi­sche Zwecke ver­wen­det und war das aus­drück­li­che Sym­bol der päpst­li­chen Auto­ri­tät und der Legi­ti­mi­tät ihres Pon­ti­fi­kats. Die Kathe­dra wird noch heu­te im Inne­ren des gigan­ti­schen Bron­ze­mo­nu­ments auf­be­wahrt, das Loren­zo Berni­ni (1589–1680) auf Wunsch von Papst Alex­an­der VII. (1599–1667) dafür schuf und das sich seit dem 17. Janu­ar 1666 in der Apsis des Peters­doms unter­halb des berühm­ten Glas­fen­sters des Hei­li­gen Gei­stes befin­det. Der Stuhl Petri war jahr­hun­der­te­lang Ziel von Pil­gern und Objekt der Ver­eh­rung durch die Gläu­bi­gen. Mit der bron­ze­nen Umklei­dung durch Berni­ni wur­de er zwar künst­le­risch über­höht, aller­dings auch den Augen der Gläu­bi­gen ent­zo­gen, wes­halb die Ver­eh­rung in den ver­gan­ge­nen 350 Jah­ren mehr und mehr nach­ließ und an Bedeu­tung ver­lor.

Una Petri sedes unum verumque lavacrum

Bezeich­nend ist hin­ge­gen, daß die Stuhl­fei­er Petri in Rom bereits im frü­hen vier­ten Jahr­hun­dert fest ver­an­kert war. Der frü­he­ste Beleg geht auf das Jahr 336 zurück, weist aber auf eine weit älte­re Tra­di­ti­on hin. Sie ist nicht mit einem tat­säch­lich erhal­ten geblie­be­nen Bischofs­stuhl des Apo­stel­für­sten ver­bun­den, son­dern mit der Auto­ri­tät und der Löse- und Bin­de­ge­walt des Petrus, die sie zum Aus­druck brach­te und bis heu­te zum Aus­druck bringt. Eine Auto­ri­tät und Voll­macht, die von Nach­fol­ger zu Nach­fol­ger wei­ter­ge­ge­ben wird. Der Stuhl Petri ist das Zei­chen der Ein­heit für die gesam­te Kir­che, wie bereits der hei­li­ge Papst Dama­sus I. (305–384) im Tauf­becken des Vati­kans ein­gra­vie­ren ließ: „Una Petri sedes unum ver­um­que lava­crum vin­cu­la nul­la tenet quem liqu­or iste lavat“ (Es gibt nur einen ein­zi­gen Stuhl des Petrus und nur ein ein­zi­ges wah­res Tauf­becken, nichts fes­selt mehr, wer dar­in gewa­schen wur­de).

Calvins Verleugnung des Petrus förderte Verehrung der Kathedra

Als Cal­vin 1543 die Bedeu­tung der Kathe­dra leug­ne­te, indem er behaup­te­te, die ein­zi­ge Macht in der Kir­che sei ohne jede kirch­li­che Auto­ri­tät der Dienst am Wort, erleb­te der Holz­thron Kai­ser Karls des Kah­len eine gro­ße Auf­wer­tung. Er wur­de noch viel mehr zum Gegen­stand der Volks­fröm­mig­keit. Er mach­te für die Gläu­bi­gen die zeit­lo­se päpst­li­che Auto­ri­tät sicht­bar, wie sie von den größ­ten Kir­chen­leh­rern des Ostens und des Westens bezeugt wur­de. Als 120 Jahr spä­ter der Holz­thron die­ser Sicht­bar­keit ent­zo­gen wur­de, brach die Ver­eh­rung im Volk plötz­lich und uner­war­tet zusam­men. Eigent­lich hat­te man es im Vati­kan durch sei­ne künst­le­ri­sche Beto­nung anders gedacht gehabt, doch die Volks­fröm­mig­keit hat ihre eige­ne Sen­si­bi­li­tät.

Die letz­te Aus­stel­lung des Holz­throns vor den Gläu­bi­gen erfolg­te 1867 vom 28. Juni bis 9. Juli. Anlaß war das 1800. Todes­jahr des Apo­stel­für­sten, das der seli­ge Papst Pius IX. (1792–1878) aus­rief. Die Gedenk­re­li­quie wur­de aus dem Berni­ni-Kunst­werk her­aus­ge­ho­ben und auf den Altar der Gre­go­ria­ni­schen Kapel­le des Peters­doms über­führt.

Seit 350 Jahren verborgen

Seit­her erteil­te Papst Paul VI. (1897–1978) ledig­lich eini­gen Wis­sen­schaft­lern die Erlaub­nis die Reli­quie zu unter­su­chen. Am 26. Novem­ber 1968 wur­de der Stuhl Petri erneut aus dem gigan­ti­schen bro­ze­nen Reli­qui­ar des Berni­ni her­aus­ge­nom­men und in einen Raum neben der Sakri­stei der Kano­ni­ker gebracht. Am 30. Dezem­ber wur­den die Holz­ele­men­te unter­sucht. Das Inne­re des Stuhls ist aus Aka­zi­en­holz, das Äuße­re aus Eichen­holz. Die zeit­be­ding­ten Schä­den wur­den erho­ben, eben­so die Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten, die im Lauf der Jahr­hun­der­te durch­ge­führt wor­den waren. Zudem wur­den die Maße exakt auf­ge­nom­men und eine Alters­be­stim­mung vor­ge­nom­men. Wer weiß, ob die­se hei­li­ge Reli­quie eines Tages wie­der öffent­lich gezeigt und ver­ehrt wird?

Drei erschütternde Fragen Jesu an Petrus und seinen Nachfolger

Der päpst­li­che Stuhl bezeich­net unmiß­ver­ständ­lich die her­aus­ra­gen­de Posi­ti­on des Pap­stes im Apo­stel­kol­le­gi­um, die durch den aus­drück­li­chen Wil­len Jesu zum Aus­druck kommt, der ihm und nur ihm, dem Simon Petrus die Auf­ga­be über­tra­gen hat, Sei­ne Läm­mer zu wei­den (Johan­nes 21,15–23). Drei­mal frag­te Jesus ihn: „Simon, Sohn des Johan­nes, liebst du mich mehr als die­se?“ Mit den drei Anfra­gen, die Chri­stus an einen erstaun­ten und schließ­lich trau­ri­gen Petrus rich­te­te, endet das Evan­ge­li­um des Johan­nes. Drei Fra­gen von erschüt­tern­der Bedeu­tunng, die der Stuhl immer neu jedem Nach­fol­ger des Petrus stellt, der des­sen Erbe als Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden inne­hat und damit auch den Stuhl erbt.

Ein­lei­tung und Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Erst­ver­öf­fent­li­chung: Cor­ris­pon­den­za Roma­na
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

6 Kommentare

  1. Dan­ke, sehr inter­es­san­ter und auf­grund der Zeit­um­stän­de rele­van­ter Arti­kel! Die Volks­fröm­mig­keit hat tat­säch­lich ihre Sen­si­bi­li­tä­ten. Das Volk spürt oft sehr genau, was pas­send ist und was nicht.

    • Zur Zeit ist die Volks­fröm­mig­keit offen­bar nur sel­ten anzu­tref­fen. Die Ein­heits­me­di­en haben die Sicht völ­lig ver­ne­belt, die täög­li­che Hirn­wä­sche zeigt ihre „Erfol­ge“.

  2. Klei­ner Hin­weis: Ein sehr schö­ner Arti­kel über den Cathe­dra-Altar in St. Peter und das theo­lo­gi­sche Kon­zept die­ses Mei­ster­werks fin­det sich in der Febru­ar-Aus­ga­be des Vati­can Magazin.s

  3. Aus­zug aus Lud­wig Ott’s — Grund­riss der Dog­ma­tik:
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    Chri­stus hat Petrus zum Fun­da­ment sei­ner Kir­che gemacht, d.h. zum Garan­ten der Ein­heit und uner­schüt­ter­li­chen Festig­keit, und hat ihr unver­gäng­li­che Dau­er ver­spro­chen (Mt 16, 18). Die Ein­heit und Festig­keit der Kir­che ist aber nicht mög­lich ohne den rech­ten Glau­ben. Petrus ist dar­um
    auch der ober­ste Glau­bens­leh­rer der Kir­che. Als sol­cher muss er in der amt­li­chen Glau­bens­ver­kün­di­gung in sei­ner eige­nen Per­son und in sei­nen Nach­fol­gern unfehl­bar sein, wenn die Kir­che so, wie sie von Chri­stus gestif­tet wur­de, für alle Zei­ten fort­be­stehen soll. Fer­ner hat Chri­stus dem Petrus (und sei­nen Nach­fol­gern) eine umfas­sen­de Bin­de- und Löse­ge­walt ver­lie­hen.
    Da man im rab­bi­ni­schen Sprach­ge­brauch unter Bin­den und Lösen auch die authen­ti­sche Geset­zes­er­klä­rung ver­stand, so ist dar­in auch die Gewalt ent­hal­ten, das Gesetz des Neu­en Bun­des, das Evan­ge­li­um, authen­tisch zu erklä­ren. Gott im Him­mel wird sein Urteil bestä­ti­gen. Dies setzt vor­aus, dass er als ober­ster Glau­bens­leh­rer vor Irr­tum bewahrt bleibt. Chri­stus hat Petrus (und sei­ne Nach­fol­ger) zum ober­sten Hir­ten über sei­ne gesam­te Her­de ein­ge­setzt (Jo 21, 15–17). Zur Auf­ga­be des ober­sten Hir­ten gehört die Beleh­rung in der christ­li­chen Wahr­heit und der Schutz vor Irr­tum.
    Die­se Auf­ga­be könn­te er nicht erfül­len, wenn er in der Aus­übung sei­nes ober­sten Lehr­am­tes selbst dem Irr­tum unter­wor­fen wäre. Chri­stus hat für Petrus um Glau­bens­stär­ke gebe­tet und hat ihn beauf­tragt, sei­ne Brü­der zu stär­ken. Lk 22, 31f: „Simon, Simon, sie­he, der Satan hat sich euch aus­ge­be­ten, um euch zu sie­ben wie den Wei­zen. Ich aber habe für dich gebe­tet, dass dein Glau­be nicht auf­hö­re. Du aber stär­ke, wenn du dich einst zurück­ge­fun­den hast, dei­ne Brü­der!“ Der Grund, war­um Jesus für Petrus beson­ders bete­te, lag dar­in, dass er nach sei­ner eige­nen Bekeh­rung den übri­gen Jün­gern Halt im Glau­ben bie­ten soll­te, was deut­lich auf sei­ne Stel­lung als Haupt der Apo­stel hin­weist. Die füh­ren­de Stel­lung des Petrus in der urchrist­li­chen Gemein­de zeigt, dass er den Auf­trag des Herrn erfüll­te. Ist das zunächst an Petrus per­sön­lich gerich­tet, so ist es in Ver­bin­dung mit Mt 16, 18f auch auf die­je­ni­gen zu bezie­hen, in denen Petrus als Haupt der Kir­che fort­lebt; denn die Gefähr­dung des Glau­bens, die zu allen Zei­ten besteht, macht die Stär­kung im Glau­ben immer zu einer vor­dring­li­chen Auf­ga­be des Haup­tes der Kir­che. Zur wirk­sa­men Erfül­lung der­sel­ben ist die Unfehl­bar­keit in Sachen des Glau­bens und der Sit­ten erfor­der­lich.“
    [.…]
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  4. Die drei Fra­gen sind wesent­lich, Joh 21, 15 — 23. Wenn ein Papst vor allem und aus­schließ­lich sich selbst liebt, sei­nem Nar­ziss­mus hem­mungs­los frönt und das als Ober­haupt einer Kir­che, die durch das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil mit sei­nen nach­kon­zi­lia­ren „Refor­men“ im Glau­ben aus­ge­mer­gelt ist, dann ist das eine Kata­stro­phe.
    Hof­fent­lich bringt der Arti­kel von Cri­sti­na Sic­car­di Ber­go­glio nicht auf die Idee, den ehr­wür­di­gen Stuhl zu ver­kau­fen, um das Geld den Armen zu spen­den. Zum Glück liest er ihn nicht.

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