„Sterben in Christus“

GeneralaudienzLie­be Brü­der und Schwe­stern!

Guten Tag und mei­ne Hoch­ach­tung für euren Mut in die­ser Käl­te auf dem Platz. Alle Ach­tung! Ich möch­te die Kate­che­sen über das Glau­bens­be­kennt­nis zu Ende brin­gen, die im „Jahr des Glau­bens“ gehal­ten wur­den, das letz­ten Sonn­tag abge­schlos­sen wur­de. In die­ser und in der näch­sten Kate­che­se möch­te ich über das The­ma der Auf­er­ste­hung des Flei­sches spre­chen und zwei Aspek­te davon auf­grei­fen, wie sie vom Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che dar­ge­legt wer­den: unser Ster­ben und unser Auf­er­ste­hen in Jesus Chri­stus. Heu­te ver­wei­le ich beim ersten Aspekt, dem „Ster­ben in Chri­stus“.

Gewöhn­lich wird der Tod bei uns auf fal­sche Wei­se betrach­tet. Der Tod betrifft uns alle, er stellt uns vor tie­fe Fra­gen, beson­ders dann, wenn er uns aus der Nähe betrifft oder wenn er die Klei­nen, die Wehr­lo­sen heim­sucht, auf eine Wei­se, die uns „skan­da­lös“ erscheint. Mich hat stets die Fra­ge bewegt: War­um lei­den die Kin­der? War­um ster­ben die Kin­der? Wenn man den Tod als das Ende aller Din­ge betrach­tet, dann erschreckt er, macht Angst, dann wird er zu einer Bedro­hung, die jeden Traum, jede Per­spek­ti­ve zer­stört, jede Bezie­hung zer­bricht und jeden Weg abbricht. Das geschieht dann, wenn wir unser Leben als eine zwi­schen zwei Pole ein­ge­spann­te Zeit betrach­ten: Geburt und Tod; wenn wir nicht an einen Hori­zont glau­ben, der über das gegen­wär­ti­ge Leben hin­aus­geht; wenn man so lebt als exi­stie­re Gott nicht. Die­se Auf­fas­sung vom Tod ist typisch für das athe­isti­sche Den­ken, das die Exi­stenz als zufäl­li­ge Anwe­sen­heit in der Welt und Unter­wegs­sein zum Nichts betrach­tet. Es gibt jedoch auch einen prak­ti­schen Athe­is­mus, der dar­in besteht, nur für die eige­nen Inter­es­sen und nur für die irdi­schen Din­ge zu leben. Wenn wir uns von die­ser fal­schen Sicht­wei­se vom Tod ver­ein­nah­men las­sen, dann haben wir kei­ne ande­re Wahl als den Tod zu ver­stecken, zu leug­nen oder zu bana­li­sie­ren, damit er uns kei­ne Angst macht.

Gegen die­se fal­sche Lösung rebel­liert jedoch das „Herz“ des Men­schen, das Ver­lan­gen, das wir alle nach der Unend­lich­keit haben, die Sehn­sucht, die wir alle nach der Ewig­keit haben. Was also ist der christ­li­che Sinn des Todes? Wenn wir auf die schmerz­lich­sten Augen­blicke unse­res Lebens blicken, in denen wir einen lie­ben Men­schen ver­lo­ren haben – die Eltern, einen Bru­der, eine Schwe­ster, den Ehe­part­ner, ein Kind, einen Freund –, dann mer­ken wir, dass auch im Dra­ma des Ver­lu­stes, auch im Schmerz der Tren­nung aus dem Her­zen die Über­zeu­gung auf­steigt, dass nicht alles zu Ende sein kann, dass das Gute, das gege­ben und emp­fan­gen wur­de, nicht umsonst war. Es gibt in uns eine macht­vol­le Ahnung, die uns sagt, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet.

Die­ser Durst nach Leben hat sei­ne wirk­li­che und ver­läss­li­che Ant­wort in der Auf­er­ste­hung Jesu Chri­sti gefun­den. Die Auf­er­ste­hung Jesu schenkt nicht nur die Gewiss­heit des Lebens nach dem Tod, son­dern sie erleuch­tet auch das Geheim­nis des Todes eines jeden von uns. Wenn wir mit Chri­stus ver­eint leben, ihm treu, wer­den wir in der Lage sein, auch dem Über­gang des Todes mit Hoff­nung und Frie­den zu begeg­nen. Die Kir­che betet näm­lich: „Bedrückt uns auch das Los des siche­ren Todes, so trö­stet uns doch die Ver­hei­ßung der künf­ti­gen Unsterb­lich­keit.“ Das ist ein schö­nes Gebet der Kir­che! Ein Mensch stirbt gewöhn­lich so, wie er gelebt hat. Wenn mein Leben ein Weg mit dem Herrn war, ein Weg des Ver­trau­ens auf sei­ne unend­li­che Barm­her­zig­keit, dann wer­de ich vor­be­rei­tet sein, den letz­ten Augen­blick mei­nes irdi­schen Daseins als end­gül­ti­ge ver­trau­ens­vol­le Hin­ga­be in sei­ne lie­be­vol­len Hän­de anzu­neh­men, in der Erwar­tung, sein Ant­litz von Ange­sicht zu Ange­sicht zu betrach­ten. Das ist das Schön­ste, was uns gesche­hen kann: das wun­der­ba­re Ant­litz des Herrn von Ange­sicht zu Ange­sicht zu betrach­ten, ihn zu sehen wie er ist: schön, vol­ler Licht, vol­ler Lie­be, vol­ler Zärt­lich­keit. Wir gehen bis zu die­sem Punkt: den Herrn schau­en.

Vor die­sem Hori­zont ver­steht man die Auf­for­de­rung Chri­sti, stets bereit, wach­sam zu sein, im Wis­sen, dass das Leben in die­ser Welt uns auch gege­ben ist, um das kom­men­de Leben vor­zu­be­rei­ten, das Leben mit dem himm­li­schen Vater. Und dafür gibt es einen siche­ren Weg: sich gut auf den Tod vor­zu­be­rei­ten, indem man Jesus nahe ist. Das ist die Gewiss­heit: Ich berei­te mich auf den Tod vor, indem ich Jesus nahe bin. Und wie ist man Jesus nahe? Mit dem Gebet, in den Sakra­men­ten und auch in der Übung der Näch­sten­lie­be.

Erin­nern wir uns dar­an, dass er in den Schwa­chen und Not­lei­den­den gegen­wär­tig ist. Er selbst hat sich mit ihnen im berühm­ten Gleich­nis vom Welt­ge­richt iden­ti­fi­ziert, wo er sagt: „Ich war hung­rig, und ihr habt mir zu essen gege­ben; ich war dur­stig, und ihr habt mir zu trin­ken gege­ben; ich war fremd und obdach­los, und ihr habt mich auf­ge­nom­men; ich war nackt, und ihr habt mir Klei­dung gege­ben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefäng­nis, und ihr seid zu mir gekom­men … Was ihr für einen mei­ner gering­sten Brü­der getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,35–36.40). Ein siche­rer Weg besteht also dar­in, den Sinn für die christ­li­che Näch­sten­lie­be und das brü­der­li­che Tei­len wie­der­zu­er­lan­gen, sich um die leib­li­chen und geist­li­chen Wun­den unse­res Näch­sten zu küm­mern. Soli­da­ri­tät im Tei­len des Schmer­zes und das Schen­ken von Hoff­nung sind Vor­aus­set­zung und Bedin­gung dafür, das für uns vor­be­rei­te­te Reich als Erbe zu erlan­gen. Wer Barm­her­zig­keit übt, fürch­tet den Tod nicht. Denkt gut dar­über nach: Wer Barm­her­zig­keit übt, fürch­tet den Tod nicht! Seid ihr ein­ver­stan­den? Wol­len wir es zusam­men sagen, um es nicht zu ver­ges­sen? Wer Barm­her­zig­keit übt, fürch­tet den Tod nicht. Und war­um fürch­tet er den Tod nicht? Weil er ihm ins Gesicht schaut in den Wun­den der Brü­der und ihn mit der Lie­be Jesu Chri­sti über­win­det.

Wenn wir den gering­sten Brü­dern die Pfor­te unse­res Lebens und unse­res Her­zens öff­nen, dann wird auch unser Tod zu einer Pfor­te, die uns in den Him­mel führt, in die seli­ge Hei­mat, zu der wir unter­wegs sind, mit dem Ver­lan­gen, für immer bei unse­rem Vater, Gott, bei Jesus, bei der Got­tes­mut­ter und bei den Hei­li­gen zu wei­len.

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Ein herz­li­ches Will­kom­men rich­te ich an die Pil­ger deut­scher Spra­che. Der auf­er­stan­de­ne Chri­stus kommt zu allen Zei­ten, um sei­ne Brü­der und Schwe­stern zu beglei­ten, beson­ders die Armen und die Bedürf­ti­gen. Wir wol­len Zeu­gen des neu­en Leben in ihm sein. Von Her­zen erbit­te ich Got­tes Segen und Gna­de für ich euch und eure Lie­ben.