Turkish Airlines werden „islamischer“ — Lippenstiftverbot

Älteres Bild der Fluggesellschaft, die nun islamisiert wird(Anka­ra) Auf vie­len Ebe­nen schrei­tet die Isla­mi­sie­rung der Tür­kei vor­an. Auch die Tur­kish Air­lines wer­den „isla­mi­scher“. Den Flug­ho­stes­sen wur­de der Gebrauch von „zuviel und zu grel­len“ Lip­pen­stif­ten unter­sagt. Die Maß­nah­me ist Teil eines neu­en Kodex der tür­ki­schen Flug­ge­sell­schaft, der das Aus­se­hen sei­ner Mit­ar­bei­ter regelt.

Die Ent­schei­dung führ­te zu erheb­li­chen Dis­kus­sio­nen in der Öffent­lich­keit. Die Regie­rung Erdogan wird beschul­digt, das Land in allen Lebens­be­rei­chen isla­mi­sie­ren zu wol­len. Als Pro­test gegen das Lip­pen­stift­ver­bot der tür­ki­schen Flug­ge­sell­schaft ver­öf­fent­lich­ten zahl­rei­che tür­ki­sche Frau­en und Mäd­chen in den ver­gan­ge­nen Tagen auf Social Net­works Fotos, wie sie sich die Lip­pen anma­len.

Gur­sel Tekin, der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der größ­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei Cum­hu­ri­y­et Halk Par­ti­si (CHP) bezeich­ne­te das Ver­bot als „per­ver­sen Akt“. Die Tur­kish Air­lines recht­fer­tigt ihre Ent­schei­dung nicht mit reli­giö­sen Moti­ven, son­dern mit der Not­wen­dig­keit, den Hostes­sen „Ele­ganz“ zu ver­lei­hen.

Die Oppo­si­ti­on behaup­tet, daß die Ent­schei­dung kla­ren Regie­rungs­vor­ga­ben ent­spre­che, die von der phi­lo­is­la­mi­schen Par­tei Gerech­tig­keit und Auf­schwung (AKP) von Mini­ster­prä­si­dent Recep Tayyin Erdogan aus­ge­hen. Der Staat ist mit einem Anteil von 49 Pro­zent Haupt­eig­ner der Flug­ge­sell­schaft. Zuletzt wur­den eine ganz Rei­he von Ein­schrän­kun­gen umge­setzt, um Tur­kish Air­lines „isla­mi­scher“ zu machen, dar­un­ter ein strik­tes Alko­hol­ver­bot und Uni­for­men mit Schlei­er und Fez für die Hostes­sen in der Art eines neo-osma­nisch-isla­mi­schen Stils mit knö­chel­lan­gen Röcken.

Nach der Regie­rungs­über­nah­me durch Erdogan vor zehn Jah­ren setz­te eine schritt­wei­se Reis­la­mi­sie­rung der Tür­kei ein, die zuvor Jahr­zehn­te des lai­zi­stisch-natio­na­li­sti­schen Kema­lis­mus erlebt hat­te. Die Zahl der Frau­en, die in der Öffent­lich­keit ver­schlei­ert auf­tre­ten, nimmt eben­so zu wie die Orte, an denen Alko­hol­ver­bot herrscht.

Die heu­ti­ge Tür­kei war mit dem Zen­trum Kon­stan­ti­no­pel, dem heu­ti­gen Istan­bul und wei­te­ren füh­ren­den christ­li­chen Zen­tren durch vie­le Jahr­hun­der­te ein christ­li­ches Land. In man­chen Tei­len am Schwar­zen Meer begann die isla­mi­sche Herr­schaft erst vor 500 Jah­ren. Noch vor 100 Jah­ren waren 25 Pro­zent der Bevöl­ke­rung auf dem Gebiet der heu­ti­gen Tür­kei Chri­sten. In Kon­stan­ti­no­pel (Istan­bul) sogar die Hälf­te der Ein­woh­ner.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news