Dominikaner geben ältestes Kloster im deutschen Sprachraum auf – Kloster Friesach wird verkauft

(Frie­sach) Der Domi­ni­ka­ner­or­den gibt sein älte­stes noch bestehen­des Klo­ster im deut­schen Sprach­raum auf. Das Domi­ni­ka­ner­klo­ster von Frie­sach in Kärn­ten soll ver­kauft wer­den, wie der Ordens­pro­vin­zi­al gegen­über der öster­rei­chi­schen Tages­zei­tung Klei­ne Zei­tung bestä­tig­te. Ver­kaufs­ge­sprä­che mit der Stadt Frie­sach sind bereits im Gan­ge. Die Stadt­ver­wal­tung über­legt die Nut­zung der Klo­ster­an­la­ge als Senio­ren­wohn­heim oder Jugend­her­ber­ge. Ein Kauf kom­me für die Stadt aus Kosten­grün­den jedoch nicht in Fra­ge. Für die Niko­laus­kir­che hat hin­ge­gen die Diö­ze­se Gurk-Kla­gen­furt Inter­es­se ange­mel­det, wie Gene­ral­vi­kar Engel­bert Gug­gen­ber­ger bestä­tig­te.

Eine Auf­las­sung des Koster ist ordens­in­tern seit eini­gen Jah­ren im Gespräch. Bereits 2006 hat­te das Pro­vinz­ka­pi­tel einen ent­spre­chen­den Beschluß gefaßt. Heu­te leben noch zwei Ordens­män­ner im Klo­ster. Die Super­la­ti­ven schei­nen den Rück­zug des Ordens nicht auf­hal­ten zu kön­nen. Klo­ster Frie­sach ist die älte­ste Nie­der­las­sung des Domi­ni­ka­ner­or­dens im deut­schen Sprach­raum, die 1251 erbau­te Koster­kir­che zum hl. Niko­laus ist die läng­ste Kir­che Kärn­tens.

Bereits im Jahr 1217, nur zwei Jah­re nach Grün­dung des Ordens im damals noch nicht zu Frank­reich gehö­ren­den, aber soeben von den häre­ti­schen Albi­gen­sern befrei­ten Tou­lou­se kamen die ersten Domi­ni­ka­ner nach Frie­sach, das damit noch zu Leb­zei­ten des hei­li­gen Domi­ni­kus Guz­man (er ver­starb 1221) Keim­zel­le der neu­en Gemein­schaft im deut­schen Sprach­raum wur­de. Zu sei­ner Blü­te zähl­te das Klo­ster bis zu 100 Brü­der. Durch schwar­ze Zah­len, die das Klo­ster schrieb, ent­ging es dem Klo­ster­sturm Kai­ser Josephs II. Den­noch erleb­te das Klo­ster durch den gei­sti­gen Kahl­schlag von Auf­klä­rung und fran­zö­si­schem Revo­lu­ti­ons­geist Anfang des 19. Jahr­hun­derts sei­nen Nie­der­gang. 1858 muß­te es wegen Nach­wuchs­man­gels an die Domi­ni­ka­ne­rin­nen der Tiro­ler Stadt Lienz ver­pach­tet wer­den. Durch die Erho­lung des Ordens konn­ten die Domi­ni­ka­ner 1890 durch den Ein­satz des Apo­sto­li­schen Nun­ti­us Andre­as Kar­di­nal Früh­wirth, selbst Domi­ni­ka­ner, Frie­sach zurück­ho­len und das Klo­ster wie­der­be­le­ben. 112 Jah­re spä­ter steht die zwei­te Auf­las­sung bevor.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Dominikaner.org

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