[Update] Zwei Interviews des Glaubenspräfekten Müller zur Piusbruderschaft — Ende des Dialogs oder zu leistender Beitrag?

(Vati­kan) In den ver­gan­ge­nen Tagen gab der neue Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Ger­hard Lud­wig Mül­ler zwei Inter­views, in denen er aus­führ­lich zu den Gesprä­chen mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Stel­lung nahm. Ein Inter­view gab er dem ame­ri­ka­ni­schen Wochen­blatt Natio­nal Catho­lic Regi­ster, das ande­re dem Nord­deut­schen Rund­funk NDR Kul­tur. Ton und Inhalt las­sen Unter­schie­de erken­nen, die mit dem  jewei­li­gen Medi­um zu tun zu haben schei­nen. In bei­den Inter­views gibt der Kuri­en­prä­fekt sei­ne per­sön­li­che Mei­nung wie­der, schlägt aber als Deut­scher im deut­schen Sen­der gegen­über der Pius­bru­der­schaft einen schär­fe­ren, teils pro­vo­kan­ten Ton an.

Interview 1: Norddeutscher Rundfunk

Am heu­ti­gen Sams­tag strahlt der Nord­deut­sche Rund­funk NDR Kul­tur um 18 Uhr in der Sen­de­rei­he Das Gespräch ein Inter­view mit dem neu­en Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler aus. Der Sen­der gab bereits vor­ab inhalt­li­che Aus­sa­gen des Glau­bens­prä­fek­ten bekannt, der auch zu den Gesprä­chen des Hei­li­gen Stuhls mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. befragt wur­de:  „Kei­ne Gesprä­che mehr mit der Pius­bru­der­schaft“, zitiert der Sen­der in sei­ner Ankün­di­gung Erz­bi­schof Mül­ler. Die­se Wor­te könn­ten den Schluß­stein in den neun Mona­te dau­ern­den Gesprä­chen set­zen. Die Ver­söh­nungs­ge­sprä­che zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Pius­bru­der­schaft befin­den sich seit Mit­te Juni an einem toten Punkt. Die Pius­bru­der­schaft bringt dies nicht direkt mit der Ernen­nung des neu­en Glau­ens­prä­fek­ten in Ver­bin­dung, sieht dar­in jedoch ein Signal dafür, daß sich in Rom ein Zeit­fen­ster schließt, das sich nach einer von Papst Bene­dikt XVI. ange­sto­ße­nen Ein­la­dung an den Gene­ral­obe­ren der Bru­der­schaft Msgr. Ber­nard Fel­lay im Som­mer 2005 auf­ge­tan hat­te.

„Diese Bruderschaft ist für uns kein Verhandlungspartner“

„Die­se Bru­der­schaft ist für uns kein Ver­hand­lungs­part­ner, weil es über den Glau­ben kei­ne Ver­hand­lun­gen gibt“, so der Glau­bens­prä­fekt in einem pro­vo­kan­ten Ton. Der künf­ti­ge Kar­di­nal wirft der Bru­der­schaft vor, den Glau­ben zu redu­zie­ren, was inak­zep­ta­bel sei, gera­de dann, wenn die­ser auf gül­ti­ge Wei­se durch das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil fest­ge­legt wur­de. Wört­lich, so der Erz­bi­schof: „Es gibt kei­ne Ermä­ßi­gun­gen was den katho­li­schen Glau­ben angeht, gera­de wie er auch vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gül­tig for­mu­liert wor­den ist.“ Die Pius­bru­der­schaft lehnt eini­ge von Tei­len der Kir­che als „Schlüs­sel­the­men“ bezeich­ne­te The­men des Kon­zils ab, so den Öku­me­nis­mus, die Reli­gi­ons­frei­heit und Aspek­te der Bezie­hun­gen zu den ande­ren Reli­gio­nen. Dem setzt Erz­bi­schof Müler im NDR-Inter­view ent­ge­gen: „Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil steht nicht im Gegen­satz zur gesamt­kirch­li­chen Tra­di­ti­on, allen­falls im Gegen­satz zu man­cher fal­schen Inter­pre­ta­ti­on des katho­li­schen Glau­bens.“

„Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse“

In die­sem Zusam­men­hang wird der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on nach den Per­spek­ti­ven für die Gesprä­che zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Pius­bru­der­schaft gefragt: „Wir kön­nen den katho­li­schen Glau­ben nicht den Ver­hand­lun­gen preis­ge­ben. Da gibt es kei­ne Kom­pro­mis­se“. Erz­bi­schof Mül­ler gibt im Inter­view sei­ne per­sön­li­che Mei­nung wie­der, die den Befürch­tun­gen zu ent­spre­chen scheint, die von der Pius­bru­der­schaft seit des­sen Ernen­nung geäu­ßert wur­den. Die wei­te­re Vor­gangs­wei­se gegen­über der Bru­der­schaft wer­de, so der Kuri­en­erz­bi­schof, in der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on in Ein­heit mit dem Papst beschlos­sen wer­den. Die Pius­bru­der­schaft habe noch von sei­nem Vor­gän­ger Kar­di­nal Leva­da eine Erklä­rung erhal­ten, die sie zu akzep­tie­ren habe, so der ehe­ma­li­ge Regens­bur­ger Bischof: „Ich glau­be, es gibt jetzt kei­ne neu­en Gesprä­che mehr.“

Die Pius­bru­der­schaft hat seit der Begeg­nung ihres Gene­ral­obe­ren Fel­lay mit Kar­di­nal Leva­da im Juni noch nicht auf die Neu­fas­sung der „Dok­tri­nel­len Prä­am­bel“ geant­wor­tet. Die in den ver­gan­ge­nen Mona­ten ver­nehm­ba­ren Erklä­run­gen, zuletzt vom Disk­trik­t­o­be­ren des deut­schen Distrikts, Pater Franz Schmid­ber­ger, deu­ten auf ein Non pos­su­mus hin, soll­te es kei­ne Nach­bes­se­run­gen in der Erklä­rung geben.

Mit Blick auf den 500. Jah­res­tag der Refor­ma­ti­on warn­te Erz­bi­schof Mül­ler davor, die­ses Datum „so magisch“ zu betrach­ten.

Interview 2: National Catholic Register

Auch in einem im Sep­tem­ber gege­be­nen und am 2. Okto­ber ver­öf­fent­lich­ten Inter­view in zwei Tei­len mit der ame­ri­ka­ni­schen katho­li­schen Wochen­zei­tung Natio­nal Catho­lic Regi­ster geht Erz­bi­schof Mül­ler auf die Gesprä­che mit der Pius­bru­der­schaft ein. Mehr­fach betont der Glau­bens­prä­fekt, daß es nicht nur die tra­di­tio­na­li­sti­sche Bru­der­schaft gebe, son­dern Pro­ble­me mit der völ­lig ent­ge­gen­ge­setz­ten moder­ni­sti­schen Sei­te. Jede „Rand­grup­pe“, so der Glau­bens­prä­fekt, „muß die voll­stän­di­ge Leh­re der katho­li­schen Kir­che akzep­tie­ren: das Glau­bens­be­kennt­nis und auch das authen­ti­sche päpst­li­che Lehr­amt. Das ist not­wen­dig.“ Die von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re gegrün­de­te Prie­ster­bru­der­schaft müs­se auch „eine gewis­se Form der Ent­wick­lung in der Lit­ur­gie akzep­tie­ren. Der Hei­li­ge Vater hat den ewig gül­ti­gen Wert der außer­or­dent­li­chen Form der Lit­ur­gie aner­kannt, aber dort müs­sen sie auch aner­ken­nen, daß die neue ordent­li­che Form der Lit­ur­gie, die nach dem Kon­zil ent­wickelt wur­de, gül­tig und recht­mä­ßig ist“, so Msgr. Mül­ler.

„Der Heilige Vater hat den ewig gültigen Wert der außerordentlichen Form der Liturgie anerkannt“

Vom Natio­nal Catho­lic Regi­ster befragt, wie die Gesprä­che mit der Pius­bru­der­schaft wei­ter­ge­hen wer­den, sag­te der Erz­bi­schof: „Ich bin immer voll Ver­trau­en in unse­ren Glau­ben und opti­mi­stisch. Wir müs­sen beten, daß es einen guten Wil­len und Ein­heit in der Kir­che gibt.“

Beitrag der Piusbruderschaft: „Betonung dessen, was die Tradition der Kirche ist“

Im Fal­le einer Ver­söh­nung mit der Pius­bru­der­schaft kön­ne die­se „durch Beto­nung des­sen, was die Tra­di­ti­on der Kir­che ist“, ihren Bei­trag für die Kir­che lei­sten. „Sie muß jedoch ihre Sicht­wei­se erwei­tern, weil die apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on der Kir­che nicht nur eini­ge weni­ge Aspek­te betrifft. Die Tra­di­ti­on der Kir­che ist groß und umfas­send“, so Erz­bi­schof Mül­ler. Der Kar­di­nal in spe kri­ti­siert im Inter­view „Miß­bräu­che“ in der Lit­ur­gie und der Glau­bens­leh­re durch pro­gres­si­ve Grup­pen, bezwei­felt jedoch gleich­zei­tig, daß die Pius­bru­der­schaft der Kir­che dabei hel­fen kön­ne, die­se nach­kon­zi­lia­ren „Miß­bräu­che“ zu behe­ben: „Das ist nicht ihre Auf­ga­be, son­dern unse­re. Ein Extrem kann nicht das Gegen­ge­wicht zu einem ande­ren sein. Die Extre­me sind in der Mit­te zu kor­ri­gie­ren.“

Kuri­en­erz­bi­schof Mül­ler weist aus­führ­lich die „unge­recht­fer­tig­te“ Kri­tik der Pius­bru­der­schaft an sei­ner Leh­re über die immer­wäh­ren­de Jung­fräu­lich­keit Mari­ens und die Tran­sub­stan­tia­ti­on in der hei­li­gen Eucha­ri­stie zurück, für die ein­zel­ne Pas­sa­gen „aus dem Kon­text“ sei­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen geris­sen wor­den sei­en. Er habe viel­mehr gan­ze Schrif­ten zur Ver­tei­di­gung die­ser Dog­men ver­faßt.

[Update 6.10.2012: Die Zeit­schrift Kir­che heu­te (10/2012) prä­sen­tiert den deut­schen Wort­laut einer Stel­lung­nah­me des neu­en Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler. Die­ser stellt fest:

„Unser katho­li­scher Glau­be sagt ganz ein­deu­tig, dass bei der Kon­se­kra­ti­on in der hl. Mes­se ein Wan­del erfolgt, so dass die gesam­te Sub­stanz von Brot und Wein in die gan­ze Sub­stanz von Leib und Blut Chri­sti ver­wan­delt wird, und dass die­se Ver­wand­lung zu recht als ‚Trans­sub­stan­tia­ti­on‘ bezeich­net wird. Und wir ver­wer­fen alle ande­ren Inter­pre­ta­tio­nen, sei es Kon­sub­stan­ti­ie­rung, Trans­si­gni­fi­ka­ti­on, Trans­fi­na­li­sa­ti­on usw. Die Kir­che ist auch ganz ein­deu­tig hin­sicht­lich der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens, der Mut­ter Jesu, vor, wäh­rend und nach der Geburt Chri­sti.“

Die­se Klar­stell­lung hat Erz­bi­schof Mül­ler Anfang August dem ame­ri­ka­ni­schen katho­li­schen Fern­seh­sen­der EWTN gegen­über vor­ge­nom­men, nach­dem von ver­schie­de­ner Sei­te Pas­sa­gen aus der „Katho­li­schen Dog­ma­tik“ Mül­lers zitiert wur­den, in denen die­ser Glau­be nicht adäquat zum Aus­druck gekom­men war.]

 

Text: Giu­sep­pe Nardi/ Update Linus Schnei­der
Bild: Mai­er­ho­fer

10 Kommentare

  1. Ich kom­me immer mehr zu der Auf­fas­sung, das EB Mül­ler von Gott aus­er­se­hen ist, den Glau­ben sei­ner Kir­che auf den Prüf­stand zu stel­len.

    Wer als Katho­lik EB Mül­ler und sei­nen fein­füh­li­gen gynä­ko­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen Mari­ens nicht wider­steht trennt sich vom “Glau­ben”. Wer tat­säch­lich die lei­sen Beden­ken Mül­lers hin­sicht­lich der Real­prä­sens nicht teilt, ist eben­falls auf fal­schem Gleis unter­wegs. Denn Glau­be bedeu­tet inzwi­schen Dia­log und Hin­ter­fra­gen. Hin­ter­fra­gen dient ja der Selbst­ver­ge­wis­se­rung im Glau­ben.

    Ein genia­ler Streich Satans, den die­ser gegen die Kir­che führt. Es ist ihm gelun­gen, auf Per­so­nal­ent­schei­dun­gen des Bischofs von Rom Ein­fluß zu neh­men.

    Auch Luther war ein Prüf­stein Got­tes, der sei­ne Kir­che zunächst lähm­te, aber dann zu neu­er Blü­te führ­te. Die­se erneu­te Leu­te­rung steht uns jetzt bevor. Wenn wir von Bru­der­schaf­ten (Pius) spre­chen, so haben wir auf der ande­ren Sei­te Die “Gesell­schaft Jesu (SJ)”, die wie­der­mal aus dem Ruder läuft.

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    Am Ende wird im Inter­es­se der Kir­che die Pius­bru­der­schaft reha­bi­li­tiert und die SJ zwecks Neu­be­sin­nung (wie schon mehr­fach gesche­hen) auf­ge­ho­ben. Zwi­schen­zeit­lich scheint das Schiff Petri vom Anker los­ge­ris­sen und auf den Fel­sen zu trei­ben. Es kommt auf die Aktio­nen der Besat­zung und des künf­ti­gen Kapi­täns an. Die Besat­zung, das sind wir.

    Und:
    Wenn EB Mül­ler der neue Prüf­stein Got­tes ist, dann ist die Pius­bru­der­schaft mög­li­cher­wei­se Got­tes Ein­weck­glas für Zei­ten der Hun­gers­not. An die­sen Not­vor­rat kommt EB Mül­ler nicht ran. Dar­aus erklärt sich sein offe­ner Zorn.

    Irgend­wie scheint das die Pius­bru­der­schaft zu spü­ren.

  3. „.…weil es über den Glau­ben kei­ne Ver­hand­lun­gen gibt..“
    „Es gibt kei­ne Ermä­ßi­gun­gen was den katho­li­schen Glau­ben angeht,…“

    Als ob die Pius­bru­der­schaft uber den Glau­ben ver­han­deln woll­te oder gar Ermä­ßi­gun­gen woll­te! EB Mül­ler scheint das V II. zu einem Groß­dog­ma machen zu wol­len.

    Wenn hier also der Pius­bru­der­schaft indi­rekt der katho­li­sche Glau­be abge­spro­chen wird, dann ist ja wohl gemäß obi­gen Grund­sät­zen es end­lich grund­sätz­lich vor­bei mit der sog. Ölu­mene und allen dar­aus ent­stan­de­nen Pro­ble­men. Eben­so haben alle „Dia­lo­ge“ — mit wem auch immer — mit­samt Asis­si ein end­gül­ti­ges Ende.

    Und dann gibt es hof­fent­lich anläß­lich der 500 Jah­re auch kein „Gruß­wort“ o.ä. der DBK.

  4. Mir ist es inzwi­schen rela­tiv gleich­gül­tig, was Erz­bi­schof Mül­ler sagt, wie oft er etwas sagt, wem gegen­über er etwas sagt.
    Bis vor einem Jahr war für mich Erz­bi­schof Lef­eb­v­re irgend­wie eine „myste­riö­se Gestalt“. Ich kann­te sei­ne Anlie­gen nicht, bis ich sei­ne Reden, Pre­dig­ten, Vor­trä­ge las.
    Heu­te bin ich mir sicher: Haupt­sa­che, die Pius­bru­der­schaft wan­delt wei­ter­hin in den Spu­ren ihres Grün­ders. Dann hat sie wei­ter ihre unver­zicht­ba­re Auf­ga­be in der Kir­che. Ja, unver­zicht­bar!
    Wann sie aus dem Exil her­aus­ge­ru­fen wird, ist allein im Wil­len Got­tes begrün­det. Lebt und wirkt die Pius­bru­der­schaft in der Treue zu ihrem Grün­der, wird sie den Ruf nicht über­hö­ren.
    Im Früh­jahr hat­ten mich nega­ti­ve Reak­tio­nen aus Rom noch erschreckt. Gera­de­zu mit Angst haben mich die Gerüch­te erfüllt, Bischof Mül­ler wird der neue Glau­bens­prä­fekt wer­den.
    Er ist es gewor­den. Na und? Wenn nur das Werk von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re wei­ter­lebt in sei­nen „Prie­ster­söh­nen“, alles ande­re ist für mich jetzt zweit­ran­gig.

  5. Doch noch etwas zu Erz­bi­schöf Mül­ler: Könn­te er, statt stän­dig über die Pius­bru­der­schaft zu reden, mal MIT ihr reden? Und wenn das mensch­lich der­zeit zu schwie­rig ist, Kuri­en­erz­bi­schof DiNoia wir­ken las­sen? Na ja, viel­leicht wirkt die­ser ja in der Stil­le. Dann wäre das seit dem Som­mer stän­di­ge Dop­pel­pas­spiel mit Kar­di­nal Koch gegen die Bru­der­schaft wenig pro­duk­tiv.

    Und dann immer der Ver­gleich mit den Tra­di­tio­na­li­sten und den Pro­gres­si­sten: Die einen sind kaum gedul­det, die ande­ren sit­zen an den Schalt­he­beln, da, wo Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Und sie haben die Main­streamm­edi­en hin­ter sich.

    Es tut mir leid: Wer die tota­le Schief­la­ge zu gun­sten der Pro­gres­si­sten leug­net, ist ent­we­der selbst ein Pro­gres­sist oder , sor­ry, mit Blind­heit geschla­gen…

  6. Gibt es denn in der nähe­ren Umge­bung des Hl. Vaters nie­man­den, der die­sem sei­ne Besorg­nis über die Ent­wick­lun­gen in den letz­ten Mona­ten zum Aus­druck brin­gen könn­te? Die anhal­ten­de inner­kirch­li­che Schock­star­re ist mehr als besorg­nis­er­re­gend. War­um sind all die war­nen­den und mah­nen­den Stim­men ver­stummt? Ist Rober­to de Matt­eis „bis­lang unge­schrie­be­ne Kon­zils­ge­schich­te“ an der Kurie über­haupt kein The­ma, das dis­kus­si­ons­wür­dig wäre?

    Viel­leicht soll­te die Pius­bru­der­schaft, sofern die­se nach all den zurück­lie­gen­den Tur­bu­len­zen wie­der inner­lich gefe­stigt und gestärkt ist, selbst noch ein­mal die Initia­ti­ve ergrei­fen und sich in einem drin­gen­den Appell an den Hei­li­gen Vater per­sön­lich wen­den. Die Mil­lio­nen für die Ein­heit gebe­te­ter Rosen­krän­ze kön­nen doch nicht ver­ge­bens gewe­sen sein.

  7. „Ver­söh­nungs­ge­sprä­che“, über­all und immer gebraucht beim Kon­flikt Rom — Eco­ne, ver­deckt mehr als es klärt.
    Denn es geht um die Ein­ord­nung des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Und die­se Ein­ord­nung geht weit über die Pius­bru­der­schaft hin­aus. Es geht um den Glau­ben der katho­li­schen Kir­che, die FSSPX erlei­det stell­ver­tre­tend einen Kon­flikt, der den katho­li­schen Glau­ben ins­ge­samt betrifft.
    Der sich mit dem Kon­zil teil­wei­se geän­dert hat. Der seit­dem nicht mehr direkt aus­sag­bar ist. Der ohne Her­me­neu­tik der Kon­zils­tex­te nicht zu ver­ste­hen ist. Doch eine ver­bind­li­che Her­me­neu­tik des Lehr­am­tes liegt nicht vor. Nur der „Befehl“, „das Kon­zil“ im Sin­ne der Tra­di­ti­on zu ver­ste­hen. Voll­um­fäng­lich, auch wenn es teil­wei­se der Tra­di­ti­on wider­spricht.
    Das betrifft nicht nur die FSSPX, obwohl sie immer wie­der aus­ge­grenzt, ver­ur­teilt, bestraft wird. Eine neue Ver­ur­tei­lung wür­de das Pro­blem nicht lösen. Eher ver­schär­fen.
    Das Kon­zil als Super­dog­ma, als Heil­s­er­eig­nis schlecht­hin, arme katho­li­sche Kir­che…

  8. Das Pro­blem liegt bei Erz­bi­schof Mül­ler selbst. Es ist schon schmerz­lich, zu sehen, daß in sei­nem eige­nen Semi­nar, seit man Bischof ist, weni­ger Semi­na­ri­sten Ein­tre­ten als in das Semi­nar der „Schis­ma­ti­ker“. Dabei hät­te er durch­aus ein­mal sei­nen Leh­rer Karl Kar­di­nal Leh­mann fra­gen sol­len, wie man mit einer sol­chen Situa­ti­on umgeht. Es ist lei­fer sein auf­brau­sen­des Tem­pe­ra­ment und sei­ne klar ego­zen­tri­sche Hal­tung, die er schon in sei­nem Bis­tum reich­lich prak­ti­ziert hat, wel­che ihm nun wie­der eine not­wen­di­ge Brücke zer­schla­gen. Wann wird er end­lich ein­se­hen, daß das II. Vati­ca­num als Pasto­ral­kon­zil rein dis­zi­pli­na­risch-asser­ta­to­risch zu ver­ste­hen ist, also nur eine Zeit­etap­pe zum Teil mit noch frag­men­ta­ri­scher Kennt­nis über das Wesen ande­rer Reli­gio­nen ist (Islam, Bud­dhis­mus) und im Hin­ter­grund der Zeit­ge­schich­te (Mau­er­bau in Ber­lin 1961, Kuba­kri­se, Erobe­rung des Welt­alls, Erfin­dung der Pil­le etc.) zu ver­ste­hen ist, also wäh­rend einer Wen­de­zeit statt­ge­fun­den hat.

  9. Fort­set­zung
    Das­sel­be gilt auch für den Hei­li­gen Vater selbst. Es ist ja frap­pie­rend, daß sich der Hei­li­ge Vater in der per­sön­li­chen Pre­digt, in sei­nem ordent­li­chen Lehr­amt also, wie­der­holt von frü­he­ren Aus­sa­gen sei­nes für das Kon­zil so ein­schla­gen­de aka­de­mi­sche Leh­re vom Haus und Volk Got­tes distan­ziert. Statt­des­sen betont er in Über­ein­stim­mung mit „Mysti­ci Cor­po­ris“ von Papst Pius XII. die Leh­re von der Kir­che als der sicht­ba­re Leib Chri­sti. Es ist mir schon bewußt, daß der Hei­li­ge Vater mit Recht auch auf die Theo­lo­gie der Ortho­do­xen Ost­kir­chen hin­weist, da dort die sakra­men­ta­le Natur der Kir­che (munus sanc­ti­fi­can­di) expli­zit betont wird und von dort Anre­gun­gen für die (öku­me­nisch ori­en­tier­te) Theo­lo­gie der Kir­che fin­det. Das Öku­mene­mo­dell des Hei­li­gen Vaters bezieht sich ja auf alle Kir­chen mit einer sakra­men­ta­len Prie­ster­schaft. Aber man kann hier nicht über das Pro­blem des „filio­que“ in bezug auf die Chri­stus­gleich­heit der Prie­ster am Altar hin­weg­se­hen.

  10. So recht die Bemü­hun­gen um eine Öku­me­ne mit den Ortho­do­xen gehen, ohne die über­ein­stim­men­de Leh­re über die gemein­sa­me Her­kunft des Hei­li­gen Gei­stes, ist die Dis­kus­si­on über die Wei­hena­tur zum schei­tern ver­ur­teilt. Die­se Rami­fi­ka­tio­nen der Theo­lo­gie sind es, die EB Mül­ler ein­fach zu wenig berück­sich­tigt. So mü0te er erken­nen, daß sich die histo­risch-kri­ti­sche Auf­ar­bei­tung des Kon­zils immer wei­ter gegen den „Kon­zils­geist“ wen­det und der Tra­di­ti­on wie­der jenen ehr­fürch­ti­gen Platz ein­räumt, den si vor dem Kon­zil gehabt hat. Das Kon­zil war — histo­risch gese­hen — kei­ne Stern­stun­de der Kir­che. Die zahl­lo­sen Ver­stö­ße gegen sei­ne eige­ne Ord­nung haben das Kon­zil schon in der Gene­se beschä­digt. Dazu kamen mensch­li­che Abgrün­de, die der Kir­che abso­lut unwür­dig waren, die Öff­nung eini­ger Archi­ve zeigt, welch mie­ser Stil auf Sei­ten der Pro­gres­si­sten und Moder­ni­ten gepflegt wur­de, bis hin zum ver­ächt­li­chen Lächer­lich-machen der CPI-Väter (Coe­tus Patrum Inter­na­tio­na­li­um). Ein defi­ni­ti­ves „No-Go“!

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