100 Jahre Katechismus von Papst Pius X. – „Großteil der Übel in der Kirche kommt von der Unkenntnis der Glaubenslehre“

„Seit den ersten Augen­blicken unse­res Pon­ti­fi­kats haben wir die größ­te Sorg­falt auf die reli­giö­se Bil­dung des christ­li­chen Vol­kes und beson­ders der Kin­der gelegt, über­zeugt davon, daß ein Groß­teil der Übel die die Kir­che pla­gen, von der Unkennt­nis ihrer Glau­bens­leh­re und ihrer Geset­ze kommt.“ So schrieb der hei­li­ge Pius X. (1835–1914) am 18. Okto­ber 1912, als er die Neu­aus­ga­be des berühm­ten Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che der Diö­ze­se Rom für die gesam­te römi­sche Kir­che geneh­mig­te.

Seit der Ver­öf­fent­li­chung die­ses gro­ßen Wer­kes sind 100 Jah­re ver­gan­gen „und die­ser Kate­chis­mus hat nichts von sei­ner Gül­tig­keit ver­lo­ren, weil er ein außer­ge­wöhn­li­ches Hilfs­mit­tel gegen die reli­giö­se Igno­ranz ist, die heu­te über­all vor­herrscht“ und dem selbst­ge­strick­ten „Glau­ben“ freie Hand las­se, wie die bekann­te katho­li­sche Publi­zi­stin Cri­sti­na Sic­car­di zum run­den „Geburts­tag“ des Kate­chis­mus schrieb. Es war Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, der heu­ti­ge Papst Bene­dikt XVI., der 2003 in einem Inter­view mit der Zeit­schrift 30Giorni sag­te: „Der Glau­ben als sol­cher ist immer der­sel­be. Daher behält auch der Kate­chis­mus des hei­li­gen Pius X. immer sei­ne Gül­tig­keit.“ Das schlie­ße auch mit ein, so der dama­li­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, daß es Per­so­nen und Grup­pe gebe, denen der Kate­chis­mus Pius X. geeig­ne­ter erschei­ne als der aktu­el­le Kate­chis­mus Johan­nes Pauls II. Der seli­ge Johan­nes Paul II. griff 1992 das Anlie­gen des hei­li­gen Pius X. wie­der auf. Auch der neue Kate­chis­mus ist wider die „reli­giö­se Unwis­sen­heit“ gerich­tet, die sich in „beun­ru­hi­gen­der Wei­se“ aus­brei­te.

Der Kate­chis­mus Pius X. stellt eine per­fek­te Zusam­men­fas­sung der katho­li­schen Glau­bens­leh­re dar, die der 1835 in Vene­ti­en unter Öster­reich gebo­re­ne Papst in Auf­trag gege­ben hat­te. Dazu ließ er einen von ihm noch als Bischof von Man­tua ver­faß­ten Text erwei­tern und aus­bau­en. Papst Pius X. hat­te sein Apo­sto­lat als Land­pfar­rer begon­nen und dabei die Wich­tig­keit einer gründ­li­chen Unter­wei­sung im Glau­ben für alle Bevöl­ke­rungs­schich­ten als ersten Bau­stein für eine siche­re christ­li­che Woh­nung einer jeder See­le erkannt. Wenn der Glau­be kein soli­des Fun­da­ment hat, wird er zum blo­ßen reli­giö­sen Gefühl und die Lebens­ent­schei­dun­gen erfol­gen häu­fig los­ge­löst von den Grund­sät­zen der Kir­che, leicht beein­fluß­bar durch den eige­nen Wil­len und ver­füh­re­ri­sche Ein­flüs­se der Welt.

Das beein­drucken­de Werk ent­stand durch eine päpst­li­che Kom­mis­si­on, die trotz der gewal­ti­gen Tie­fe des Aus­ge­sag­ten, sicher­stel­len soll­te, daß es in einer leicht ver­ständ­li­chen Spra­che geschieht. Der Klar­heit und Prä­zi­si­on wegen wähl­te man daher die Fra­ge-Ant­wort-Metho­de. Alle zen­tra­len Fra­ge­stel­lun­gen des Glau­bens wur­den in kur­ze Fra­gen gefaßt, auf die jeweils die Ant­wort folgt. 1930 wur­de eine redu­zier­te Aus­ga­be für Kin­der und Jugend­li­che ver­öf­fent­licht, die eine gerin­ge­re Zahl an Fra­gen ent­hielt.

Fra­gen und Ant­wor­ten wur­den im Reli­gi­ons­un­ter­richt oder der Sonn­tags­schu­le aus­wen­dig gelernt, damit sich die Glau­bens­leh­re tief in das Bewußt­sein ein­präg­te und in jeder Situa­ti­on auch ohne Hilfs­mit­tel abruf­bar war. Die Früch­te des Kate­chis­mus wer­den in den zeit­ge­nös­si­schen Doku­men­ten all­ge­mein gelobt und als her­vor­ra­gend bezeich­net.

Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil geriet der Kate­chis­mus Pius X. schnell außer Mode und wur­de in den 70er Jah­ren fast voll­stän­dig auf­ge­ben. Die offi­zi­el­len Aus­ga­ben der Diö­ze­sen, die oft zahl­rei­che Auf­la­gen erlebt hat­ten, enden durch­wegs anfangs der 60er Jah­re. Die didak­ti­sche Metho­de des Kate­chis­mus wur­de rund­weg in Fra­ge gestellt und ins­ge­samt die Form eines Kate­chis­mus als unge­eig­net für den „moder­nen“ Men­schen abge­tan.

So kam es zwi­schen 1970 und 1992 zu einer kate­chis­mus­lo­sen Zeit, in der fast eine gan­ze Genera­ti­on von Katho­li­ken ohne die­ses Hilfs­mit­tel der Glau­bens­un­ter­wei­sung und der siche­ren Richt­schnur auf­wuchs.

Der seli­ge Gia­co­mo Alber­io­ne (1884–1971) schrieb im Vor­wort zum Buch eines Mit­bru­ders über Erläu­te­run­gen zum Kate­chis­mus für Kate­che­ten, das bis 1963 vier Auf­la­gen erleb­te und dann außer Gebrauch kam: „Heu­te ist es not­wen­dig, sich vor Augen zu hal­ten, daß der Kampf für oder gegen Chri­stus sich immer mehr ver­schärft und daß der Sieg von der reli­giö­sen Bil­dung abhängt. […] Der from­me, gut aus­ge­bil­de­te, vor­bild­li­che Kate­chet, der Kate­chet, der gut kennt, was er leh­ren soll und wie er es leh­ren soll, der Kate­chet, der sei­ne Klas­se gut zu orga­ni­sie­ren ver­steht, der Kate­chet der vor allem die See­len liebt und nichts für sie unter­läßt […] wird viel Gutes für die Jugend und die Erwach­se­nen lei­sten, trotz aller anwach­sen­den, zahl­rei­chen und schwer­wie­gen­den Schwie­rig­kei­ten, die es heu­te tat­säch­lich gibt.“

„Wie alle gro­ßen Mei­ster­wer­ke, die die Kir­che ihren Kin­dern schenkt, kennt auch der Kate­chis­mus des hei­li­gen Pius X. kei­ne Sprün­ge und kein Ablauf­da­tum“, so Cri­sti­na Sic­car­di. In deut­scher Aus­ga­be ist der Kate­chis­mus der katho­li­schen Leh­re des hl. Pap­stes Pius X. seit 1974 im Petrus Ver­lag abseits aller offi­zi­el­ler kirch­li­chen Insti­tu­tio­nen erhält­lich.

In eng­li­scher Spra­che kann der Kate­chis­mus von Papst Pius X. hier abge­ru­fen wer­den. Die Buch­hand­lung der Pius­bru­der­schaft ver­kauft ihn für 5,70 als Taschen­buch.

Text: Paix Liturgique/Giuseppe Nar­di
Bild: Una Fides

1 Kommentar

  1. „Werft eure Kate­chis­men weg“, an die­se nach­kon­zi­lia­re Paro­le kann ich mich noch gut erin­nern. War­um lehr­te man es uns? Weil Dog­men nicht dazu taug­ten, den Glau­ben aus­zu­drücken. „Nicht Ortho­do­xie“, wur­de ein künst­li­cher Gegen­satz auf­ge­baut, son­dern „Ortho­pra­xie“ sei für den Glau­ben ent­schei­dend. Hat­te nicht das Kon­zil auf jede dog­ma­ti­sche Fest­le­gung ver­zich­tet und sich bewusst vor­bild­haft im Rede­stil aus­ge­drückt? Die Ver­ach­tung des Dog­mas war wohl das Haupt­dog­ma, das jeder/jede Stu­die­ren­de damals zu hören bekam. Damals?

    Wie dank­bar bin ich, dass Semi­na­ri­sten einen Erz­bi­schof drin­gend baten, ein eige­nes Semi­nar zu grün­den, um ihre Aus­bil­dung und For­mung zum Prie­ster zu sichern.
    Vor allem die Bücher der Pius­bru­der­schaft haben mir gehol­fen, den abge­ris­se­nen Faden zur gro­ßen katho­li­schen Lehr­tra­di­ti­on wie­der zu knüp­fen. Den „Bas­ler Kate­chis­mus“ aus dem Sar­to Ver­lag kann ich nur emp­feh­len. Natür­lich reicht er nicht. Doch er ent­hält in der gebo­te­nen Kür­ze den katho­li­schen Glau­ben.

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