Menschenrechtsgerichtshof urteilt zu Gunsten christlicher Stiftungen in der Türkei

(Strass­burg) Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR) hat zwei Kla­gen christ­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen gegen die Reli­gi­ons­ge­set­ze der Tür­kei statt­ge­ge­ben. Die Strass­bur­ger Rich­ter urteil­ten am 6. Okto­ber, die Tür­kei habe zu Unrecht die Ein­tra­gung von Grund- und Immo­bi­li­en­be­sitz reli­giö­ser Stif­tun­gen in die Grund­bü­cher ver­wei­gert.

Die Tür­kei müs­se den kla­gen­den Stif­tun­gen 173.000 Euro Ent­schä­di­gung zah­len, wenn sie die Grund­buch­ein­schrei­bung für bestimm­te Grund­stücke wei­ter ver­wei­ge­re, so die Rich­ter. Bei wei­te­ren Immo­bi­li­en, etwa dem Fried­hof einer ortho­do­xen Gemein­de auf einer Insel, einer Kapel­le oder einem ehe­ma­li­gen Klo­ster sei­en statt einer Ent­schä­di­gung allein die rea­le Rück­ga­be und Ein­tra­gung der tat­säch­li­chen Besitz­ver­hält­nis­se zuläs­sig.

Nach Ein­schät­zung des euro­päi­schen Men­schen­rechts­ge­richts­hofs ver­stie­ßen die tür­ki­schen Behör­den gegen das Recht auf Schutz des Eigen­tums. Zudem hät­ten die christ­li­chen geist­li­chen Stif­tun­gen („vakf“) nicht von Geset­zes­än­de­run­gen pro­fi­tiert, mit denen die Tür­kei zuletzt nicht­mus­li­mi­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten grö­ße­re Frei­hei­ten zuge­stan­den hat­te.

In einem wei­te­ren Fall gab der Men­schen­rechts­ge­richts­hof einer pro­te­stan­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on Recht, deren Ein­tra­gung als reli­giö­se Stif­tung ver­wei­gert wor­den war. Mit ihrer Wei­ge­rung hät­ten die tür­ki­schen Behör­den gegen das Recht auf Ver­ei­ni­gungs­frei­heit ver­sto­ßen, so die Rich­ter. Eine sol­che Wei­ge­rung sei „in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft unnö­tig“. Die Grün­der der Stif­tung erhiel­ten je 2.000 Euro Scha­den­er­satz zuge­spro­chen.

(APD)