Missionarinnen der Nächstenliebe: Nein zu Adoptionsrecht für Singles und Homosexuelle


Schwestern der Nächstenliebe
Schwe­stern der Näch­sten­lie­be wider­set­zen sich Adop­ti­ons­recht für Sin­gles und Homosexuelle

(Neu-Delhi) Seit eini­gen Mona­ten gel­ten in Indi­en neue Adop­ti­ons­richt­li­ni­en. Die Regie­rung hat beschlos­sen, daß auch Allein­ste­hen­de Kin­der adop­tie­ren dür­fen. Die von Mut­ter Tere­sa von Kal­kut­ta gegrün­de­ten Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be haben des­halb ent­schie­den, kei­ne Adop­ti­ons­ge­su­che in den fünf­zehn von ihnen geführ­ten Wai­sen­häu­sern mehr zu bearbeiten.

„Wir haben die Adop­tio­nen gestoppt, wer­den aber wei­ter­hin den Auf­trag von Mut­ter Tere­sa befol­gen. Wir ver­trau­en auf Gott, der uns lei­ten wird. Wir wer­den uns wei­ter­hin um die Kin­der küm­mern, nicht aber die neu­en Regeln akzep­tie­ren“, so Schwe­ster Bres­si­la zu Asia­news.

Kardinal Toppo: „Kinder sind doch keine Ware“

Unter­stützt wer­den die Ordens­schwe­stern dar­in von Kar­di­nal Tele­spho­re Top­po, dem Erz­bi­schof von Ran­chi: „Die katho­li­sche Kir­che in Indi­en muß sich mit dem Pro­blem der neu­en Richt­li­ni­en befas­sen. Ich unter­stüt­ze die Mis­si­ons­schwe­stern. Kin­der sind kein Gegen­stand. Jedes ein­zel­ne von ihnen ist ein kost­ba­res Geschenk Got­tes. Die Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be ste­hen im Dienst der Schutz­lo­se­sten. Dazu gehö­ren die­se Kin­der, die nicht irgend­wem anver­traut wer­den kön­nen. Das Gewis­sen sagt den Ordens­schwe­stern, daß es falsch ist, den neu­en Regeln zu fol­gen. Wenn wir Kin­der auf­neh­men, über­neh­men wir auch die Ver­ant­wor­tung für ihre Zukunft. Kin­der sind doch kei­ne Ware. Man nimmt sich ein­fach, was man haben will und weil man es gera­de haben will.“

Der Kar­di­nal erwar­tet sich, daß das The­ma auch bei der Bischofs­syn­ode in Rom zur Spra­che kommt. „Die Kir­che muß Posi­ti­on bezie­hen. In Indi­en sind Tie­re bes­ser geschützt und haben einen höhe­ren Stel­len­wert als unse­re schutz­lo­sen Kin­der“, so der Kardinal.

Politik befürchtet Auswirkungen auf die öffentliche Meinung

Die Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be wer­den in Indi­en sehr geschätzt. Ihre Reak­ti­on auf die neu­en Bestim­mun­gen dürf­te erheb­li­chen Ein­fluß auf die öffent­li­che Stim­mung in Indi­en aus­lö­sen, was nicht ohne Rück­wir­kung auf die Poli­tik bleibt. Die indi­sche Uni­ons­mi­ni­ste­rin für Frau­en und Kin­der, Man­eka Gan­dhi, eil­te bereits in Deckung: „Die Arbeit der Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be ist wich­tig, wir bemü­hen uns, sie zu über­zeu­gen, ihre Hal­tung zu überdenken.“

Man­eka Gan­dhi gehört zur Neh­ru-Gan­dhi-Dyna­stie. Die Sikh ist die Wit­we von San­jay Gan­dhi, dem 1980 bei einem Flug­zeug­ab­sturz ums Leben gekom­me­nen Sohn von Indi­ra Ghan­di. Im Gegen­satz zu ihrem Mann und des­sen Fami­lie, gehört Man­eka Ghan­di nicht der Indi­schen Kon­greß­par­tei an, son­dern der der­zeit regie­ren­den hind­una­tio­na­li­sti­schen Indi­schen Volks­par­tei (BJP).

„Kinder brauchen einen Vater und eine Mutter, die verheiratet sind“

Der Kno­ten liegt in der Bestim­mung, daß auch Allein­ste­hen­de Kin­der adop­tie­ren dür­fen. Das wider­spricht grund­sätz­lich den Vor­stel­lun­gen der Ordens­schwe­stern, die Kin­der in sta­bi­ler Bezie­hun­gen leben­den, sprich ver­hei­ra­te­ten Paa­ren anver­trau­en wol­len, damit sie mit Vater und Mut­ter auf­wach­sen. Die Allein­er­zie­hungs­re­ge­lung erlaubt allein­ste­hen­den Män­ner und Frau­en, auch homo­se­xu­el­len, die Adop­ti­on. Die Ableh­nung der Schwe­stern gilt natür­lich auch homo­se­xu­el­len Paa­ren. Der­zeit könn­te eine allein­ste­hen­de Per­son ein Kind adop­tie­ren und müß­te nur ver­schwei­gen, mit einer gleich­ge­schlecht­li­chen Per­son zusammenzulegen.

Ordensfrauen sind „Mahnung an laue Katholiken, deren Dogma der Kompromiß ist“

„Die Mis­sio­na­rin­nen der Näch­sten­lie­be sind durch ihre kom­pro­miß­lo­se Hal­tung auch ein Vor­bild für uns in Euro­pa, auch mit Blick auf die in Rom tagen­de Syn­ode. Sie sind eine Mah­nung an jene lau­en Katho­li­ken, deren ober­stes Dog­ma der Kom­pro­miß ist, auch und gera­de wenn es um die nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te geht. Jene Katho­li­ken, denen ‚ethi­sche Aus­ge­wo­gen­heit‘ das non plus ultra scheint, und die bei ihrem fei­nen Abwä­gen die Mensch­lich­keit über Bord wer­fen, als erstes das Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der und als näch­stes die Men­schen­wür­de der gebo­re­nen Kin­der, weil sie lie­ber dem ‚Kin­der­wunsch‘ jener Erwach­se­nen augen­zwin­kernd applau­die­ren, die ihre Kin­der­lo­sig­keit dem selbst­ge­wähl­ten Lebens­stil ver­dan­ken“, so Cor­ri­spon­den­za Roma­na.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana