Vatikan erteilt Rebellen-Universtät PUCP „grünes Licht zur Verbreitung von Häresien“

Kardinal Versali am 22. September vor den Universitätsgremien der PCUP, rechts neben ihm Rektor Marcial Antonio Rubio Correa
Kardinal Versali am 22. September vor den Universitätsgremien der PCUP, rechts neben ihm Rebellen-Rektor Marcial Antonio Rubio Correa

(Lima) Kar­di­nal Giu­sep­pe Ver­sal­di, der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für das katho­li­sche Bil­dungs­we­sen besuch­te ver­gan­ge­ne Woche die Päpst­li­che Katho­li­sche Uni­ver­si­tät von Peru (PUCP). Am 22. Sep­tem­ber hielt der Kar­di­nal­prä­fekt vor den ver­sam­mel­ten Uni­ver­si­täts­gre­mi­en eine Anspra­che und gab die Aner­ken­nung der neu­en Uni­ver­si­täts­sta­tu­ten durch den Hei­li­gen Stuhl bekannt.

Vor­aus­ge­gan­gen war ein lang­jäh­ri­ger Streit um die katho­li­sche Aus­rich­tung der Uni­ver­si­tät. 1917 vom Arn­stei­ner Pater Jor­ge Din­til­hac SSCC als katho­li­sche Uni­ver­si­tät gegrün­det, um auf aka­de­mi­schem Boden dem libe­ra­len Gesin­nungs­druck in Peru ent­ge­gen­zu­wir­ken, erhielt sie von Papst Pius XII. das Pri­vi­leg, sich Päpst­li­che Katho­li­sche Uni­ver­si­tät nen­nen zu dür­fen. Groß­kanz­ler war der jeweils amtie­ren­de Erz­bi­schof von Lima und Pri­mas von Peru.

In den 1960er Jah­ren hielt die mar­xi­sti­sche Befrei­ungs­theo­lo­gie Ein­zug an der Uni­ver­si­tät. Gusta­vo Gut­ier­rez, der „Vater der Befrei­ungs­theo­lo­gie“, gehör­te zum Lehr­kör­per. Im Lau­fe der Jah­re kam es zu immer neu­en Kon­flik­te mit Tei­len der Uni­ver­si­tät, die sich kir­chen­feind­li­chen Krei­sen öff­ne­te, der Leh­re der Kir­che wider­spre­chen­de Posi­tio­nen unter­stütz­te, und mit Pro­fes­so­ren, die Häre­si­en lehrten.

Als 1999 Juan Luis Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne vom Opus Dei zum Erz­bi­schof von Lima ernannt und damit auch Groß­kanz­ler der Uni­ver­si­tät wur­de, war es sein Ziel, der Uni­ver­si­tät wie­der ihr katho­li­sches Pro­fil zurück­zu­ge­ben. Die Wider­stän­de dage­gen waren so groß, daß der Kar­di­nal sich an Rom wen­den muß­te. Die Rebel­len­uni­ver­si­tät beharr­te auf der „Frei­heit der Wis­sen­schaft“, die sie über der Auto­ri­tät der Kir­che stell­te. Als auch römi­sche Ulti­ma­ten nach einer Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on kei­nen Erfolg zei­tig­ten, wur­de der Uni­ver­si­tät 2012 von Papst Bene­dikt XVI. die Aner­ken­nung als „päpst­li­che“ und „katho­li­sche“ Uni­ver­si­tät entzogen.

Bloßstellung von Kardinal Cipriani Thorne

Die Uni­ver­si­täts­lei­tung setz­te ihren Wider­spruch fort und wei­ger­te sich die Namens­än­de­rung umzu­set­zen. Die Uni­ver­si­tät sei mit ihrem bis­he­ri­gen Namen bei den staat­li­chen Behör­den regi­striert. Es hand­le sich daher nicht um ein päpst­li­ches Pri­vi­leg oder einen kir­chen­recht­li­chen Sta­tus, son­dern um einen Eigen­na­men. Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne und ande­re kir­chen­treue Krei­se spra­chen seit­her von der „Ex Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Peru“.

Die geist­li­che Aus­rich­tung der Rebel­len-Uni­ver­si­tät änder­te sich nicht. Rek­tor ist nach wie vor Mar­cial Anto­nio Rubio Cor­rea. Geän­dert hat sich jedoch Rom. Dort regiert seit 2013 Papst Fran­zis­kus. Er ließ der Uni­ver­si­tät am ver­gan­ge­nen 12. August mit­tei­len, daß sich die Hoch­schu­le ohne jede Vor­lei­stung wie­der Päpst­li­che Katho­li­sche Uni­ver­si­tät nen­nen darf.

Wäh­rend die Rebel­len an der Uni­ver­si­tät als unein­ge­schränk­te Sie­ger dastan­den, wur­de Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne als Groß­kanz­ler abge­löst. Die neu­en Sta­tu­ten sehen vor, daß nicht mehr der Erz­bi­schof von Lima, son­dern der Vor­sit­zen­de der Perua­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz Groß­kanz­ler der Uni­ver­si­tät ist vor­be­halt­lich einer Son­der­re­ge­lung, daß der Hei­li­ge Stuhl nicht einen ande­ren Prä­la­ten mit die­ser Auf­ga­be betraut.

„Grünes Licht zur Verbreitung von Häresien durch den Vatikan“

Am 22. Sep­tem­ber gab nun Kar­di­nal Ver­sal­di in Lima bekannt, daß die neu­en Sta­tu­ten von Rom appro­biert wur­den. Neben der Ent­mach­tung von Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne, des­sen Stel­lung seit der Regie­rungs­über­nah­me von Papst Fran­zis­kus demon­tiert wird, ent­hal­ten die neu­en Sta­tu­ten eine wei­te­re Über­ra­schung. Der eigent­li­che Kon­flikt hat­te sich nicht um die Uni­ver­si­täts­gre­mi­en gedreht, son­dern um inhalt­li­che Fra­ge. Der Uni­ver­si­tät war 2012 vor­ge­wor­fen wor­den, kein katho­li­sches Pro­fil mehr zu haben, Häre­si­en zu ver­brei­ten und es daher auch intel­lek­tu­ell unred­lich sei, daß sie sich den­noch katho­lisch und päpst­lich nennt. Das sei ein Eti­ket­ten­schwin­del, lei­ste der Ver­wir­rung Vor­schub und scha­de dem Anse­hen und der Glaub­wür­dig­keit der Kirche.

Obwohl Beob­ach­ter kei­ne Ver­bes­se­rung der beschrie­be­nen Lage an der Uni­ver­si­tät fest­stel­len kön­nen, erklär­te Kar­di­nal Ver­sal­di den Uni­ver­si­täts­gre­mi­en, daß Rom die „aka­de­mi­sche Frei­heit“ aner­ken­ne. „Kar­di­nal Ver­sal­di erteil­te damit im Namen des Vati­kans der Ver­brei­tung von Häre­si­en grü­nes Licht“, so die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne, spa­ni­sche Nach­rich­ten­sei­te Secretum meum mihi.

Wört­lich sag­te der Kar­di­nal: „Wir erwar­ten nicht, daß die Wis­sen­schaft­ler wie Auto­ma­ten die Erklä­run­gen des kirch­li­chen Lehr­am­tes wie­der­ho­len“. Sie sol­len sich „dar­in ver­tie­fen, sie berei­chern und für alle Men­schen zugäng­lich machen zum Nut­zen für die See­len (bonum animarum)“.

Ein Sieg der Rebel­len auf gan­zer Linie und eine Bloß­stel­lung von Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne in aller Öffent­lich­keit. Rom signa­li­siert in Peru mit dem Vor­schlag­ham­mer, wer Sym­pa­thien genießt, und wer des­avou­iert wer­den kann. Das Signal an die PUCP wird auch an ande­ren katho­li­schen Uni­ver­si­tä­ten gehört wer­den, deren katho­li­sches Pro­fil sich auflöst.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: PUCP (Screen­shot)