Wiederbesiedelung des Klosters Neuzelle in Brandenburg durch Stift Heiligenkreuz

Heiligenkreuz bei Wien nimmt Wiederbesiedelung des Kloster Mariä Aufnahme in den Himmel in Neuzelle in der Niederlausitz vor
Heiligenkreuz bei Wien beginnt nach 200 Jahren Wiederbesiedelung des Klosters Mariä Aufnahme in den Himmel in Neuzelle in der Niederlausitz

(Wien) Das Zister­zi­en­ser­stift Hei­li­gen­kreuz bei Wien stellt eine Aus­nah­me unter den Klö­stern im deut­schen Sprach­raum dar. Vor 882 Jah­ren vom hei­li­gen Leo­pold, dem Her­zog von Öster­reich aus dem Haus der Baben­ber­ger gegrün­det, zieht es außer­ge­wöhn­lich vie­le Beru­fun­gen an. Mit 92 Mön­chen hat der Kon­vent den höch­sten Stand seit dem 18. Jahr­hun­dert erreicht. Vor zwei Tagen bra­chen eini­ge Mön­che zu einer Toch­ter­grün­dung nach Bran­den­burg auf.

Wird nach den Grün­den für die­se bemer­kens­wer­te Blü­te gefragt, ver­weist man auf die Gestal­ten der Äbte und deren seit Kriegs­en­de anhal­ten­den Bemü­hun­gen, die hei­li­ge Lit­ur­gie in den Mit­tel­punkt des Mönchs­le­bens zu stel­len. Das Klo­ster mach­te 1970 die Lit­ur­gie­re­form mit, behielt jedoch die latei­ni­sche Sakral­spra­che bei und bemüht sich um eine wür­di­ge und ehr­fürch­ti­ge Zele­bra­ti­on. Die Beru­fun­gen sei­en „eine Gna­de“, die Gott schen­ke.

Die Bemü­hun­gen der Äbte um eine wür­de­vol­le Lit­ur­gie und Treue zum kirch­li­chen Lehr­amt, die in der Aus­bil­dung an der — inzwi­schen nach Papst Bene­dikt XVI. benann­ten — ordens­ei­ge­nen Hoch­schu­le zum Aus­druck kommt, schei­nen das Wohl­wol­len und den Segen Got­tes zu fin­den.

1988: Gründung des Klosters Stiepel in Bochum

Abt Maximilian segnet die Mönche, die zur Wiederbesiedelung von Neuzelle aufbrechen
Abt Maxi­mi­li­an seg­net die Mön­che, die zur Wie­der­be­sie­de­lung von Neu­zel­le auf­bre­chen

Nach dem eben­falls in Öster­reich gele­ge­nen Stift Rein ist Hei­li­gen­kreuz das älte­ste Zister­zi­en­ser­klo­ster der Welt, das unun­ter­bro­chen exi­stiert und nie durch Revo­lu­ti­on, Klo­ster­sturm, Beru­fungs­man­gel oder Natur­ka­ta­stro­phen auf­ge­ho­ben oder auf­ge­las­sen wur­de.

Das Mut­ter­klo­ster von Hei­li­gen­kreuz ist das Klo­ster Mori­mond in Frank­reich. Von Hei­li­gen­kreuz aus wur­den im Mit­tel­al­ter die Stif­te Zwettl und Lili­en­feld, bei­de in Nie­der­öster­reich, gegrün­det. Seit 1881 ist das Klo­ster Neu­klo­ster in Wie­ner Neu­stadt als Prio­rat mit dem Stift ver­bun­den.

In jüng­ster Zeit wur­den zwei neue Toch­ter­klö­ster gegrün­det, die als Prio­ra­te zur Abtei gehö­ren. 1988 erfolg­te die Grün­dung des Klo­sters Stie­pel in Bochum (Bis­tum Essen). Vier Mön­che aus Hei­li­gen­kreuz begann vor 28 Jah­ren mit dem Auf­bau des Mönchs­le­bens an der Mari­en­wall­fahrts­kir­che zur Schmerz­haf­ten Mut­ter von Stie­pel.

In den 90er Jah­ren half Hei­li­gen­kreuz bei der Wie­der­be­sie­de­lung des Zister­zi­en­ser­stif­tes Hohen­furth in Süd­böh­men. Vom tsche­chi­schen Staat bereits nach dem Ersten Welt­krieg um sei­nen Besitz gebracht, nach der Anglie­de­rung des Sude­ten­lan­des an das Deut­sche Reich vom Natio­nal­so­zia­lis­mus und nach dem Krieg erneut vom Kom­mu­nis­mus auf­ge­ho­ben, erfolg­te nach dem Ende der kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur die Wie­der­errich­tung durch die letz­ten noch leben­den Mön­che. Die Beson­der­heit: Die Wie­der­be­sie­de­lung erfolg­te in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus.

2016: Aufbruch zur Wiederbesiedelung des Klosters Neuzelle in Brandenburg

Kloster Neuzelle
Klo­ster­kir­che in Neu­zel­le

Vor zwei Tagen, am 5. Juli, bra­chen drei Hei­li­gen­kreu­zer Mön­che zu einer neu­en Toch­ter­grün­dung auf. Bischof Wolf­gang Ipolt von Gör­litz hat­te die blü­hen­de Zister­zi­en­ser­ab­tei ein­ge­la­den, das Klo­ster Neu­zel­le in der Nie­der­lau­stiz wie­der­zu­be­le­ben. Abt Maxi­mi­li­an Heim, der seit 2011 das Stift lei­tet, seg­ne­te Pater Sime­on, Pater Mein­rad und Fra­ter Albe­rich und ent­sand­te sie nach Neu­zel­le. Pater Sime­on wird die Neu­grün­dung als erster Pri­or lei­ten. Dem­nächst wird noch Pater Kili­an hin­zu­sto­ßen.

Die vier Mön­che haben die Auf­ga­be, zu prü­fen, ob eine Wie­der­be­sied­lung „mög­lich und sinn­voll ist“, wie das Stift Hei­li­gen­kreuz bekannt­gab. Es sei­en noch vie­le Din­ge zu klä­ren, auch recht­li­che, damit mön­chi­sches Leben begin­nen kann. Von der Dia­spo­ra-Situa­ti­on läßt sich Hei­li­gen­kreuz nicht abschrecken. Auf der Inter­net­sei­te der Abtei heißt es dazu, ver­bun­den mit der Bit­te um Gebet für die Wie­der­be­sie­de­lung.

„Dort gibt es kaum Chri­sten, da kann man gut neu anfan­gen.“

Das Klo­ster Mariä Auf­nah­me in den Him­mel in Neu­zel­le wur­de 1268 vom säch­si­schen Mark­gra­fen Hein­rich dem Erlauch­ten aus dem Haus der Wet­ti­ner gestif­tet.

1429 stürm­ten tsche­chi­sche Hus­si­ten das Klo­ster und fol­ter­ten und ermor­de­ten die Mön­che. Die Mär­ty­rer hat­ten sich gewei­gert, dem katho­li­schen Glau­ben abzu­schwö­ren und die Leh­re des Häre­ti­kers Jan Hus anzu­neh­men. Auch nach der pro­te­stan­ti­schen „Refor­ma­ti­on“ blieb das Klo­ster eine katho­li­sche Insel inmit­ten eines pro­te­stan­tisch gewor­de­nen Umlan­des. Die Beru­fun­gen kamen nun vor allem aus Deutsch­böh­men und der bis 1635 öster­rei­chi­schen und daher katho­lisch geblie­be­nen Ober­lau­sitz.

Kloster- und Wallfahrtskirche Neuzelle
Klo­ster- und Wall­fahrts­kir­che Neu­zel­le

Im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg schwer beschä­digt lie­ßen die Mön­che im 17. Jahr­hun­dert die Klo­ster­kir­che barocki­sie­ren und mach­ten sie zum bedeu­tend­sten Sakral­bau der Nie­der­lau­sitz.

Mit dem Wie­ner Kon­greß fiel die säch­si­sche Nie­der­lau­sitz an das pro­te­stan­ti­sche Preu­ßen. Damit war das Schick­sal des Klo­sters besie­gelt. Nur zwei Jah­re spä­ter, 1817, wur­de das Klo­ster im 550. Jahr sei­nes Bestehens vom Staat auf­ge­ho­ben und säku­la­ri­siert. Die Kon­vents- und Wall­fahrts­kir­che Mariä Him­mel­fahrt blieb katho­lisch. Die alte Leut­kir­che wur­de in eine pro­te­stan­ti­sche Kir­che umge­wan­delt.

1955 erfolg­te die Ver­staat­li­chung der Klo­ster­an­la­ge durch die kom­mu­ni­sti­sche DDR. Seit 1996 wird sie von einer Stif­tung ver­wal­tet. Damit begann eine gründ­li­che Sanie­rung und teil­wei­se sogar eine Rekon­struk­ti­on. Die­se ersten Vor­aus­set­zun­gen mach­ten es mög­lich, daß nun die ersten vier Mön­che aus Hei­li­gen­kreuz bei Wien die Wie­der­be­sie­de­lung in Angriff genom­men haben.

Text: Mar­tha Bur­ger-Weinzl
Bild: Wikicommons/Stift Hei­li­gen­kreuz (Screen­shot)