Katar kaufte für Salafisten Lehrstuhl an der Universität Oxford

Tariq Ramadan . islamischer Vorzeigeintelltueller, für den Katar an der Universität Oxford einen Lehrstuhl kaufte
Tariq Ramadan . islamischer Vorzeigeintelltueller, für den Katar an der Universität Oxford einen Lehrstuhl kaufte

(Lon­don) Das isla­mi­sche Golf­emi­rat Katar kauf­te für den Vor­zei­ge­mo­s­lem Tariq Rama­dan einen Lehr­stuhl an der renom­mier­ten Uni­ver­si­tät Oxford, wie die Tages­zei­tung Il Foglio heu­te berich­te­te. Ist Euro­pa käuf­lich?

Von „kul­tu­rel­lem Aus­tausch“ spre­chen die Ver­tei­di­ger des für die Uni­ver­si­tät lukra­ti­ven Deals. Von „Image­pfle­ge“ spre­chen die Ehr­li­che­ren unter ihnen. Von „isla­mi­scher Pro­pa­gan­da“ und dem „Aus­ver­kauf Groß­bri­tan­ni­ens“ hin­ge­gen die Kri­ti­ker.

Der isla­mi­sche Aus­hän­ge­in­tel­lek­tu­el­le hat­te es bereits vor zwei Jah­ren in einem Inter­view mit der fran­zö­si­schen Tages­zei­tung Libé­ra­ti­on ange­deu­tet. „Natür­lich hat Katar mei­nen Lehr­stuhl unter­stützt. Die Ver­wal­tung obliegt aber allein der Uni­ver­si­tät“, so Tariq Rama­dan.

Das sun­ni­tisch regier­te Golf­emi­rat pump­te allein 2015 11 Mil­lio­nen Pfund nach Groß­bri­tan­ni­en, um dort den Islam „zu för­dern“.

Golfemirat Katar unterstützt Islamischen Staat (IS)

Katar gehört zu den eng­sten Ver­bün­de­ten Sau­di-Ara­bi­ens. Das Herr­scher­haus al-Tha­ni, das seit 1850 die Emi­re von Katar stellt, gehört dem sun­ni­ti­schen Zweig des Islam an. Der Clan kam ursprüng­lich aus der Gegend von Riad und folgt dem stren­gen sau­di­schen Waha­bis­mus.

Nicht ein­mal jeder sieb­ter Bewoh­ner Katars ist jedoch Ein­hei­mi­scher. Unter den Aus­län­der, die als Gast­ar­bei­ter im Land leben, über­wie­gen die Schii­ten. Das Herr­scher­haus, besorgt über mög­li­che schii­ti­sche Umsturz­ver­su­che, unter­stützt mit Sau­di-Ara­bi­en den Isla­mi­schen Staat (IS) gegen die Schii­ten im Irak und die Ala­wi­ten in Syri­en.

Wäh­rend im Nahen Osten der Isla­mi­sche Staat (IS) die poli­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se zugun­sten der Sun­ni­ten ver­schie­ben und zugleich chri­sten­frei bom­ben soll, inve­stie­ren Katar, und eben­so ande­re Golf­staa­ten, in Euro­pa Mil­lio­nen für ein gewünsch­tes Islam­bild. Ein Bild des Islam, das den Inter­es­sen der Golf­staa­ten nützt, und das von euro­päi­schen Islam-Ver­ste­hern nur zu gern unter­stützt und unkri­tisch geför­dert wird.

Eine ande­re Inve­sti­ti­on der­sel­ben Art, in die­sem Fall von Sau­di-Ara­bi­en finan­ziert, stellt das König-Abdul­lah-Zen­trum für inter­re­li­giö­sen und inter­kul­tu­rel­len Dia­log (KAICIID) in Wien dar. Eine inter­na­tio­na­le Image­pfle­ge, die sich das waha­bi­ti­sche König­reich jähr­lich 15 Mil­lio­nen Euro kosten läßt.

Tariq Ramadan: Vom Muslimbruder zum (Reform)Salafisten

Tariq Rama­dan, der als Vor­zeug­ein­tel­lek­tu­el­ler in Euro­pa für den Islam wirbt, ist ein Enkel des Grün­ders der ägyp­ti­schen Mus­lim­bru­der­schaft. Sein Vater Said Rama­dan, eben­falls Mus­lim­bru­der, muß­te Ägyp­ten des­halb unter Nas­ser ver­las­sen, wes­halb Tariq Rama­dan in Genf gebo­ren wur­de. 1998 schloß er sei­ne Islam­stu­di­en an der Al-Azhar-Uni­ver­si­tät in Kai­ro ab mit einer Arbeit, in der er sei­nen Groß­va­ter ver­klär­te. Er selbst bezeich­net sich als „Reform­sa­la­fist“.

Sei­ne Schwei­zer Frau, eine Katho­li­kin, kon­ver­tier­te zum Islam. Sein Bru­der, Hani Rama­dan, lei­tet das umstrit­te­ne Isla­mi­sche Zen­trum Genf.

Kri­ti­ker wer­fen Tariq Rama­dan ein „Dop­pel­spiel“ (Il Foglio) vor. Wäh­rend er als häu­fi­ger Ehren­gast poli­ti­scher Insti­tu­tio­nen in Euro­pa über Demo­kra­tie rede, wieg­le er durch Audio­bot­schaf­ten die isla­mi­sche Jugend in den euro­päi­schen Vor­städ­ten auf, beson­ders in den fran­zö­si­schen Ban­lieues. Vor knapp zehn Jah­ren lie­fer­te er sich mit dem dama­li­gen fran­zö­si­schen Innen­mi­ni­ster Sar­ko­zy einen Schlag­ab­tausch im Fern­se­hen, bei dem Rama­dan sich wei­ger­te, sich von der Scha­ria und deren Stei­ni­gungs­ge­bot zu distan­zie­ren.

Seit 2009 hat Rama­dan einen üppig aus­ge­stat­te­ten Lehr­stuhl für Zeit­ge­nös­si­sche Isla­mi­sche Stu­di­en an der Uni­ver­si­tät Oxford, um den ihn jeder Ordi­na­ri­us benei­den kann. Sie­ben Jah­re dau­er­te es, bis öffent­lich bekannt wur­de, daß der Lehr­stuhl von Katar gekauft wur­de.

Text: Andre­as Becker
Bild: Il Foglio (Screen­shot)