Grablege Jesu in der Grabeskirche wird restauriert

Das seit 1947 eingerüstete Heilige Grab in Jerusalem wird nach mehr als 200 Jahren erstmals restauriert

(Jeru­sa­lem) Nach dem ortho­do­xen Oster­fest, das in die­sem Jahr am 1. Mai statt­fin­det, begin­nen in Jeru­sa­lem die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten am Grab Chri­sti .

Eine Grup­pe von 30 Wis­sen­schaft­lern der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Athen und von Exper­ten der katho­li­schen und der arme­ni­schen Kir­che wer­den den Fort­gang der Arbei­ten stän­dig doku­men­tie­ren.

Nach langwierigen Verhandlungen Einigung erzielt

Mög­lich wur­de die Restau­rie­rung durch ein Abkom­men zwi­schen der grie­chisch-ortho­do­xen, der römisch-katho­li­schen, der arme­nisch-apo­sto­li­schen Kir­che, den drei Haupt­kir­chen, denen die Auf­sicht über das Hei­li­ge Grab obliegt.

Die Finan­zie­rung wird neben den drei Kir­chen durch die grie­chi­sche Regie­rung, dem pri­va­ten World Monu­ments Fund (WMF) mit Sitz in New York, pri­va­ten Wohl­tä­tern und König Abdal­lah II. von Jor­da­ni­en auf­ge­bracht. Die katho­li­sche Kir­che ist durch die Fran­zis­ka­ner-Kusto­die des Hei­li­gen Lan­des ver­tre­ten. König Abdal­lah II. betei­ligt sich in sei­ner Funk­ti­on als Schirm­herr der hei­li­gen Stät­ten Ost-Jeru­sa­lems.

Der Ein­griff dient der Siche­rung des Gra­bes. Abge­nütz­te Tei­le wer­den ersetzt. Das gilt vor allem für die Mar­mor­ver­klei­dung. Mar­mor­plat­ten, die in aus­rei­chend gutem Zustand sind, wer­den hin­ge­gen gerei­nigt und wie­der ein­ge­setzt.

Heiliges Grab bleibt auch während der Arbeiten zugänglich

Ädikula von 1809 über dem Grab Jesu
Ädi­ku­la von 1809 über dem Grab Jesu

Das Hei­li­ge Grab wird auch wäh­rend der Restau­rie­rungs­ar­bei­ten für Zele­bra­tio­nen zugäng­lich sein.

Die Ursa­chen für die Bau­fäl­lig­keit sind zahl­rei­cher Natur. Man­che gehen bereits auf die Errich­tungs­art zurück. Hin­zu­kommt die all­ge­mei­ne Abnüt­zung durch die hohe Besu­cher­fre­quenz. Der Mör­tel habe unter der Feuch­tig­keit gelit­ten, die durch die Aber­tau­sen­den von Pil­gern ver­ur­sacht wer­de. Auch das Ent­zün­den der Ker­zen in unmit­tel­ba­rer Nähe des Gra­bes bedeu­te erheb­li­che Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen für den Mar­mor. Der Ruß habe auf den Mar­mor­plat­ten zu einer Schicht dunk­ler, öli­ger Abla­ge­run­gen geführt, die den Mar­mor angrei­fen.

Seit der  1809 über dem Grab errich­te­ten heu­ti­gen Ädi­ku­la fan­den kei­ne Ein­grif­fe mehr am Hei­li­gen Grab statt. 1947 sicher­te die bri­ti­sche Man­dats­be­hör­de das Grab mit einem Stahl­ge­rüst, um eine Restau­rie­rung durch­zu­füh­ren, die jedoch nie statt­fand. 1948 zogen die Bri­ten ab und das Stahl­ge­rüst ist bis heu­te unver­än­dert geblie­ben. Seit­her weiß man zumin­dest, daß 1809 Tei­le der älte­ren Grab­ka­pel­le in den Neu­bau ein­be­zo­gen wur­den. Grund für die Siche­run­gen durch die Bri­ten waren Erd­be­ben, vor allem im Jahr 1934.

Bau der Grabeskirche vor 1.690 Jahren begonnen

Die Rotun­de über dem Grab ist 1.700 Jah­re alt und stammt aus der im Jahr 335 geweih­ten Kon­stan­ti­ni­schen Basi­li­ka. Bis 1868 war das Hei­li­ge Grab nur zum Teil vor der Wit­te­rung geschützt, da die Rotun­de oben durch einen Ocu­lus offen war, so daß es in das Inne­re reg­ne­te und schnei­te.

Das Hei­li­ge Grab wur­de seit­lich in den Hügel eines Stein­bruchs geschla­gen. Um 135 nach Chri­stus wur­den der Gar­ten der Auf­er­ste­hung und das Grab von den Römern zuge­schüt­tet und von Kai­ser Hadri­an dar­über ein Venus-Tem­pel errich­tet. Um 324 beauf­trag­te Kai­ser Kon­stan­tin der Gro­ße Bischof Maka­ri­us von Jeru­sa­lem die Grab­le­ge Chri­sti wie­der frei­zu­le­gen. Über dem auf­ge­fun­de­nen Grab wur­de eine erste gigan­ti­sche Basi­li­ka errich­tet. Der Stein um das Grab wur­de damals abge­tra­gen und alles mit Mar­mor aus­ge­klei­det und dar­über die erste Ädi­ku­la (Grab­ka­pel­le) in der Rotun­de errich­tet.

614 wur­de sie von den Per­sern teil­wei­se, 1009 von den Mos­lems voll­stän­dig zer­stört. 1014 wur­de über dem Grab eine neue roma­ni­sche Ädi­ku­la errich­tet. Nach Plün­de­run­gen und Brän­den folg­te 1555 die Errich­tung einer goti­schen Ädi­ku­la. Nach dem Brand von 1808 wur­de die heu­ti­gen Kapel­le errich­tet.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons