Konklave 2013: Der annullierte fünfte Wahlgang

Konklave 2013 und der annullierte fünfte Wahlgang(Vati­kan) Papst Fran­zis­kus wur­de nicht im fünf­ten, son­dern erst im sech­sten Wahl­gang gewählt. Die­ser hät­te laut Wahl­ord­nung erst am Mor­gen des 14. März statt­fin­den sol­len. Ein neu­es Buch ent­hüllt neue Details zum Kon­kla­ve, bei dem im ver­gan­ge­nen März Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst gewählt wur­de. Das Buch stammt von der Jour­na­li­stin Eli­sa­bet­ta Piqué, die als Vati­ka­ni­stin der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung La Naci­on aus Rom berich­tet. La Naci­on ist das füh­ren­de bür­ger­li­che Blatt in der Hei­mat von Papst Fran­zis­kus. Die­ser gab am 16. März einen Emp­fang für die Pres­se, bei dem er die Jour­na­li­sten „aus Respekt vor dem Gewis­sen eines jeden“ nur still seg­ne­te. Eli­sa­bet­ta Piqué war dabei, sie gehör­te zum pri­vi­le­gier­ten Kreis der 50 Jour­na­li­sten, die vom neu­en Kir­chen­ober­haupt per­sön­lich begrüßt wur­den.

Seit dem Kon­kla­ve wur­den durch Kir­chen­krei­se und Vati­ka­ni­sten eini­ge Mythen kon­stru­iert rund um die Wahl von Kar­di­nal Ber­go­glio. Kon­stru­iert ist zum Bei­spiel ein behaup­te­ter Gegen­satz zwi­schen dem Erz­bi­schof von Bue­nos Aires und der Römi­schen Kurie. Eine schwarz-wei­ße Block­bil­dung hat es nie gege­ben: auf der einen Sei­te die Kar­di­nä­le der Kurie, auf der ande­ren Sei­te die in den Erz­diö­ze­sen resi­die­ren­den Kar­di­nä­le, wie sie auch man­che nicht auto­ri­sier­te Papst-Bio­gra­phen behaup­ten (sie­he eige­nen Bericht Wie das Kon­kla­ve ablief – Dolan neu­er star­ker Mann? – Eine erste Rekon­struk­ti­on gegen fal­sche Mythen­bil­dun­gen).

Falscher Mythos Wahl Bergoglios sei Anti-Kurienwahl gewesen

Seit März ist bekannt, daß es viel­mehr eini­ge Kuri­en­kar­di­nä­le waren, die maß­geb­lich die Kan­di­da­tur Ber­go­gli­os erfan­den und insze­nier­ten. Einer davon ist der deut­sche Kuri­en­kar­di­nal Wal­ter Kas­per. Eben­so bekannt ist, daß der ehe­ma­li­ge Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Ange­lo Soda­no die Wahl Ber­go­gli­os unter­stütz­te. Wesent­li­cher Kon­sens der ver­schie­de­nen För­de­rer der Bewer­bung des Argen­ti­ni­ers um das Petrus­amt war der Wunsch nach einem Anti-Bene­dikt-Pon­ti­fi­kat (sie­he eige­nen Bericht Die War­nung an Bene­dikt XVI. von einem … Kas­per – Anti-Ratz­in­ger-Pon­ti­fi­kat in Pla­nung). Nach den acht Jah­ren von Papst Bene­dikt XVI. an der Spit­ze der Katho­li­schen Kir­che fan­den sich ver­schie­de­ne Grup­pen und Inter­es­sen­la­gen im Kar­di­nals­kol­le­gi­um durch die Ent­schlos­sen­heit zusam­men, einen Anti-Bene­dikt auf den Papst­thron zu heben. Für die­se hete­ro­ge­ne Kar­di­nal­s­grup­pe kam daher der Erz­bi­schof von Mai­land, Ange­lo Kar­di­nal Sco­la, der als Favo­rit in das Kon­kla­ve ging, nicht in Fra­ge. Kar­di­nal Sco­la hat­te in der letz­ten Pre­digt vor dem Kon­kla­ve ein Bekennt­nis zur Linie Bene­dikts XVI. abge­legt. Der ursprüng­lich von eini­gen Anti-Ratz­in­ge­ria­nern bevor­zug­te Bra­si­lia­ner Odi­lo Kar­di­nal Sche­rer war im Vor­feld des Kon­kla­ves ins Kreuz­feu­er der Kri­tik gera­ten, wäh­rend der Argen­ti­ni­er Kar­di­nal Ber­go­glio kaum beach­tet wur­de (sie­he eige­nen Bericht Sche­rer läßt Hostie zu Boden fal­len – Sco­la legt Bekennt­nis zu Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät ab). Ob Kar­di­nal Ber­go­glio ohne­hin der eigent­li­che Kan­di­dat die­ser Grup­pe und Kar­di­nal Sche­rer nur ein Ver­suchs­bal­lon war, oder ob Kar­di­nal Ber­go­glio nur Plan B war, ist nicht geklärt. Bekannt hin­ge­gen ist, daß mit Kar­di­nal Ber­go­glio bereits 2005 die Wahl von Bene­dikt XVI. ver­hin­dert wer­den soll­te (sie­he eige­nen Bericht Kon­kla­ve 2005: „Akti­on Ber­go­glio“ zur Ver­hin­de­rung Joseph Ratz­in­gers).

Und damit zum Buch Fran­zis­kus – Leben und Revo­lu­ti­on (Fran­cis­co. Vida y Revo­lu­ci­on, El Atneo, Bue­no Aires 2013) von Eli­sa­bet­ta Piqué und zu den neu­en Mosa­ik­stein­chen, die sie der Rekon­struk­ti­on des Kon­kla­ve hin­zu­fü­gen kann.

Gruppe von Kardinälen hatte Wahl Bergoglios vorbereitet

Dazu gehört vor allem, daß sich in den Stun­den vor dem Kon­kla­ve meh­re­re Kar­di­nä­le dem Erz­bi­schof von Bue­nos Aires genä­hert haben, um ihm zu ver­ste­hen zu geben: „Ach­tung, jetzt bist du an der Rei­he“. Piqué bestä­tigt damit, daß eine Grup­pe von Kar­di­nä­len bereits mit kla­ren Vor­stel­lun­gen in das Kon­kla­ve ging, wer näch­ster Papst wer­den soll­te. Laut Piqué habe Kar­di­nal Ber­go­glio im ersten Wahl­gang am 12. März 25 Stim­men erhal­ten. Das scheint zwar zu hoch gegrif­fen. Über­ein­stim­mung herrscht jedoch, daß Ber­go­glio hin­ter Kar­di­nal Sco­la am zweit­mei­sten Stim­men bekam. Was für den Argen­ti­ni­er das Start­si­gnal sei­nes Auf­stiegs war, war für Sco­la, der in der ersten Run­de 30 Stim­men ver­ei­nen konn­te, eine Ent­täu­schung und läu­te­te das Schei­tern sei­ner Bewer­bung ein.

Am Abend des 12. März habe Ber­go­glio sei­nen Lands­mann, Kuri­en­kar­di­nal Leo­nar­do San­dri gebe­ten, mit ihm zu essen. San­dri habe dem Erz­bi­schof von Bue­nos Aires bei die­ser Gele­gen­heit gesagt: „Mach dich bereit, mein Lie­ber“. Laut Piqué sei Ber­go­glio am 13. März bereits im drit­ten Wahl­gang mit 50 Stim­men in Füh­rung gegan­gen, nach ande­ren Dar­stel­lun­gen erst im vier­ten Wahl­gang. Bekannt ist, daß Kar­di­nal Sco­la nach dem vier­ten Wahl­gang sei­ne Kan­di­da­tur zurück­zog. Damit blieb nur mehr Kar­di­nal Ber­go­glio im Ren­nen. Neben den bei­den Haupt­be­wer­bern Sco­la und Ber­go­glio ver­teil­ten sich die rest­li­chen Stim­men auf ver­schie­de­ne Kar­di­nä­le.

Entscheidender fünfter Wahlgang wurde annulliert und wiederholt

Neu ist an der Dar­stel­lung der argen­ti­ni­schen Vati­ka­ni­stin, daß der fünf­te und ent­schei­den­de Wahl­gang wie­der­holt wur­de. Der fünf­te Wahl­gang war der zwei­te am Nach­mit­tag des 13. März. Kar­di­nal Ber­go­glio fehl­ten nur mehr weni­ge Stim­men. Der Wahl­gang war damit ent­schei­dend. Als mit der Aus­zäh­lung der Stim­men begon­nen wur­de, mach­te Kar­di­nal Re, der den Vor­sitz im Kon­kla­ve führ­te, eine erstaun­li­che Fest­stel­lung. In der Wahl­ur­ne befan­den sich 116 Stimm­zet­tel. Aber nur 115 Kar­di­nä­le waren in der Six­ti­ni­schen Kapel­le ein­ge­schlos­sen wor­den. Die Stim­men wur­den, laut Piqué, gar nicht aus­ge­zählt, die Wahl annul­liert und die Stimm­zet­tel ver­brannt.

Der Wahl­gang wur­de sofort wie­der­holt. Der fünf­te Wahl­gang war damit eigent­lich bereits der sech­ste, der laut Wahl­ord­nung erst am Mor­gen des 14. März statt­fin­den hät­te sol­len. Da der der fünf­te Wahl­gang wegen des 116. Stimm­zet­tels annul­liert wor­den war, wur­de der sech­ste Wahl­gang als zwei­ter und eigent­li­cher Durch­gang des fünf­ten Wahl­gangs gewer­tet. Bei der Wahl­wie­der­ho­lung erreich­te Kar­di­nal Ber­go­glio 89 oder 90 Stim­men. Die Anga­ben vari­ie­ren leicht. Damit über­sprang er die vor­ge­schrie­be­ne Zwei-Drit­tel-Mehr­heit und wähl­te den Namen Fran­zis­kus für sein Pon­ti­fi­kat.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: vati­ca­n­in­fo

11 Kommentare

  1. Wenn man sich auch die­ses Tex­tes mit Vor­sicht nähern mag, so dürf­te eines doch stim­men: Es war ein Kom­plott gegen den Kurs Bene­dikt XVI. Als Zwei­tes dürf­te zutref­fen, dass Ber­go­glio nicht die erste Wahl war, was sich jetzt täg­lich für jeden Sehen­den, Hören­den und Lesen­den offen­bart.
    Was wird der sol­cher­ma­ßen ins Amt Gehiev­te machen ? Am besten still beten.

  2. ist die Wahl dann über­haupt gül­tig? Oder hät­te man nach der Wahl­ord­nung ver­fah­ren und am näch­sten Mor­gen erneut zur Urne schrei­ten müs­sen?
    Na, das mit dem Antiratz­in­ger­pon­ti­fi­kat ist jeden­falls zu 100% geglückt: Plan­soll fast über­erfüllt. Der Rela­ti­vis­mus hat auf der Cather­da Petri Platz genom­men.
    Man darf die Ber­go­glio-Seil­schaft beglück­wün­schen.

    • Plan­soll in der Tat erfüllt. Das ist schon rich­tig. Aller­dings dürf­te die theo­lo­gi­sche Beschei­den­heit des Gewähl­ten (neue­ste Errun­gen­schaft „schwa­cher Gott“ durch unser Gebet) auch brei­te­ren Schich­ten des Kir­chen­volks und hof­fent­lich auch der Kle­ri­ker trotz aller Medi­en­be­weih­räu­che­rung bekannt wer­den.

  3. Ver­gesst bit­te nicht, dass Bene­dikt vor 8 Jah­ren durch ein Kom­plott der „Opus Dei“ gewählt wur­de. Damals war Ber­go­lio lei­der auf Rang 2. Bedankt euch bei der Opus Dei, dass ihr ihn für 8 Jah­re genie­ssen konn­tet.

    • Die Gehäs­sig­kei­ten gegen Bene­dikt XVI sind nur noch wider­wär­tig. Opus Dei soll man wie­der in die böse Ecke. zum glück blieb uns damals noch die­ser Papst erspart. Bene­dikt und Kom­plott ! Das wäre ein höchst segens­rei­ches Kom­plott gewe­sen gegen die­se Kar­di­nä­le.

    • So ein Schmarrn! Im Kon­kla­ve 2005 war J. Ratz­in­ger die Licht­ge­stalt schlecht­hin; theo­lo­gisch wie auch von der Fröm­mig­keit und der Erfah­rung her, führ­te an ihm kein Weg vor­bei. Zudem hat er mit sei­nen Reden, ins­be­son­de­re bei der Trau­er­fei­er von JPII, die Her­zen der Kar­di­nä­le und Gläu­bi­gen berührt. Da bedurf­te es wahr­lich kei­nes Opus Dei. Die­se The­se wird auch schon wider­legt dadurch, dass 8 Jah­re spä­ter die OD-Kar­di­nä­le wie vom Erd­bo­den ver­schluckt waren und nicht mal eine Sperr-Mino­ri­tät gegen den Anti-Ratz­in­ger-Kan­di­da­ten geschafft haben. Bis auf Beweis des Gegen­teils, glau­be ich auch, dass Fran­zis­kus for­mal recht­mä­ßig gewählt wur­de, und nicht weni­ge sind ja auch der Mei­nung, dass er sein Amt gar nicht so schlecht aus­übt. Es bleibt aber, dass die­se Wahl ein Kom­plott der Ent­mach­te­ten und der Revan­chi­sten war.

  4. War die 116. Stim­me viel­leicht gar die des Hei­li­gen Gei­stes!?
    In dem Fal­le stand ver­mut­lich auf dem Zet­tel gehaucht: „Es kann nur EINEN Papst auf Erden geben!“

  5. Mein erster Gedan­ke war: Ver­mut­lich hat die Mani­pu­la­ti­on beim 6. Wahl­gang geklappt. Dumm nur, dass die­se beim 5. Wahl­gang auf­ge­flo­gen ist. Da bleibt doch ein Gschmäck­le, oder nicht? Wer einen Stimm­zet­tel dazu­mo­geln kann, kann das auch mit meh­re­ren — im Aus­tausch ver­steht sich. Und da kann es schon mal vor­kom­men, dass man sich bei aller Ner­vö­si­tät ver­tut. Aber nein, was schrei­be ich da. Alles war bestimmt nur ein Ver­se­hen. Alles ande­re wäre ein­fach nicht vor­stell­bar.

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