Schönborns Zukunftsforum: Endlosgerede geht weiter – Rebellen hofiert, Tradis gescholten, Seitenhieb auf Benedikt XVI.

Kardinalsschelte für Papst Benedikt XVIvon Mar­tha Weinzl

(Wien) Das End­los­ge­re­de statt Evan­ge­li­sie­rung geht wei­ter. Das ist die knap­pest mög­li­che Bilanz der Pres­se­kon­fe­renz des Vor­sit­zen­den der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born am Ende der Som­mer­voll­ver­samm­lung von Öster­reichs Bischö­fen.

Nichts Neu­es unter Öster­reichs Kir­chen­son­ne, geht es zumin­dest nach dem Wie­ner Erz­bi­schof: häre­ti­sie­ren­de Rebel­len­grup­pen wie „Wir sind Kir­che“ und die „Pfar­rer-Initia­ti­ve“ wer­den wei­ter­hin hofiert, tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Katho­li­ken geschol­ten. Statt einer Evan­ge­li­sie­rungs­of­fen­si­ve bie­tet sich die Kir­che mit einem „Zukunfts­fo­rum“ als Dia­log­mo­de­ra­tor für die Gesell­schaft an zwi­schen Par­tei­en, Reli­gio­nen, „prak­ti­zie­ren­den Chri­sten und distan­zier­ten Agno­sti­kern“, denn: „Kir­che geht uns alle an“, so Ger­da Schaf­fel­ho­fer auf der­sel­ben Pres­se­kon­fe­renz. Kar­di­nal Schön­born begrün­de­te die­sen breit­ge­fä­cher­ten Dia­log ergän­zend: „Es gibt so viel Inter­es­san­tes von­ein­an­der zu ler­nen.“ Und es gehe auch dar­um, „gemein­sa­me Posi­tio­nen zu arti­ku­lie­ren“.

Schaf­fel­ho­fer ist Prä­si­den­tin der Katho­li­schen Akti­on Öster­reichs (KAÖ), die von den Bischö­fen mit der „Mode­ra­ti­on“ des Zukunfts­fo­rums beauf­tragt wur­de.

In der offi­zi­el­len Pres­se­mel­dung der Katho­li­schen Pres­se­agen­tur der öster­rei­chi­schen Bischö­fe fin­det sich eine Anhäu­fung von Leer­for­meln wie: „Kir­che und Gesell­schaft ins Gespräch brin­gen“, „breit ange­leg­ter struk­tu­rier­ter Gesprächs­pro­zeß“, was sagen will, daß das „Zukunfts­fo­rum“ den „Dia­log“ insti­tu­tio­na­li­sie­ren soll, „kon­struk­ti­ver Bei­trag für die Gesell­schaft“, „Lebens­wel­ten der Men­schen inspi­rie­ren“, in Gesprächs­pro­zeß „zu Her­aus­for­de­run­gen der Zeit ein­tre­ten“, die The­men­be­rei­che blei­ben inhalt­lich unde­fi­niert nichts­sa­gend „Fami­lie und Bezie­hung“, „Bil­dung und Arbeit“, Kir­che und Gesell­schaft“, Gerech­tig­keit und Öko­lo­gie welt­weit“, „bewußt Gespräch mit Betrof­fe­nen, Exper­ten, Anders­den­ken­den und jenen, die dem christ­li­chen Glau­ben und der Kir­che auch kri­tisch gegen­über­ste­hen suchen“, „hei­ße Eisen“ sieht Kar­di­nal Schön­born trotz allen Dia­logs mit der Gesell­schaft nur inner­kirch­lich: „Zöli­bat und wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne“.

Die KAÖ-Prä­si­den­tin Schaf­fel­ho­fer erklär­te teils wenig spe­zi­fisch christ­lich oder sogar besorg­nis­er­re­gend: „Evan­ge­li­um ist Kraft zur Umkehr, Ori­en­tie­rung, Ermu­ti­gung und Welt­ge­stal­tung“, Beginn des Dia­log­pro­zes­ses „Fest des Glau­bens und der Hoff­nung“, „Aggior­na­men­to des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils wie­der zum Leben erwecken“, „Wir brau­chen ein neu­es Pfing­sten“, das für Schaf­fel­ho­fer offen­bar nicht von Gott geschenkt wird, son­dern durch „ein neu­es Ver­ste­hen“ her­bei­ge­re­det wer­den kann, denn das „neue Pfing­sten“ „wird nur mög­lich sein, wenn wir den Dia­log mit allen Men­schen suchen und ihre Anlie­gen zu unse­ren machen“. Der Dia­log­pro­zeß „Zukunfts­fo­rum“ sei, so Schaf­fel­ho­fer auch ein „ermu­ti­gen­des Zei­chen für ein neu­es Mit­ein­an­der von Bischö­fen und Lai­en in der öster­rei­chi­schen Kir­che“. Lee­re Wort­mel­dun­gen, die man ger­ne ver­mis­sen wür­de.

Kar­di­nal Schön­born sprach auf der Pres­se­kon­fe­renz auch von einer „Bes­se­rung der kirch­li­chen Groß­wet­ter­la­ge“ durch die Wahl von Papst Fran­zis­kus. „Deut­li­che Zei­chen der Hoff­nung der Erneue­rung“ sei­en auch in Öster­reich spür­bar, ohne die­se jedoch näher zu benen­nen. Den neu­en Papst bezeich­ne­te der Wie­ner Erz­bi­schof als „ein­zig­ar­ti­ges Geschenk für die Kir­che und die Welt“.

Schön­born stell­te Papst Fran­zis­kus einer­seits in eine Rei­he mit des­sem Vor­gän­ger „in sei­ner Beschei­den­heit und der Hin­füh­rung auf das Wesent­li­che“, erteil­te Bene­dikt XVI., sei­nem frü­he­ren Leh­rer und lang­jäh­ri­gen Vor­ge­setz­ten an der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on gleich­zei­tig einen spä­ten Sei­ten­hieb, wenn er hin­zu­füg­te, daß „vie­le zu Recht“ in Papst Fran­zis­kus eine Absa­ge an eine „über­trie­be­ne Ästhe­ti­sie­rung der Ritua­le“ sehen wür­den. Wer Schön­born ein wenig kennt, weiß, daß er, befragt, alles natür­lich nicht so gemeint haben will. Ein Sei­ten­hieb, der zudem über Bene­dikt XVI. hin­aus den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Katho­li­ken gilt, die in Öster­reichs Kir­chen­ap­pa­rat, um es mit maxi­ma­ler Zurück­hal­tung aus­zu­drücken, wenig Unter­stüt­zung, aber viel hoch­nä­si­ge und arro­gan­te Ableh­nung fin­den. Seit (und trotz) dem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI., zele­brier­te noch kein amtie­ren­den öster­rei­chi­scher Diö­ze­san­bi­schof in der außer­or­dent­li­chen Form des Römi­schen Ritus oder wohn­te auch nur einer sol­chen Zele­bra­ti­on bei. Eine viel­sa­gen­de Aus­nah­me unter den west­li­chen Staa­ten. Ein­zig der Lin­zer Bischof Lud­wig Maria Schwarz weih­te noch vor Summorum Pon­ti­fi­cum im Okto­ber 2006 zwei Dia­ko­ne der Petrus­bru­der­schaft im Alten Ritus zu Prie­stern.
Auch die lobend her­vor­ge­ho­be­ne „Absa­ge an kirch­li­ches Macht­den­ken“, ent­behrt aus dem Mund Kar­di­nal Schön­borns nicht eines bit­te­ren Bei­geschmacks, da die Erin­ne­rung an die Abset­zung oder Ver­hin­de­rung von Erz­bi­schof Hans Her­mann Kar­di­nal Gro­er, Bischof Kurt Krenn und Weih­bi­schof Ger­hard Maria Wag­ner noch eini­ger­ma­ßen frisch sind.
Die posi­ti­ven Initia­ti­ven des Wie­ner Erz­bi­schofs sol­len eben­so­we­nig wie jene der ande­ren Bischö­fe unter­schla­gen wer­den. Es soll viel­mehr die Sehn­sucht nach Ober­hir­ten zum Aus­druck gebracht wer­den, die nach innen wie nach außen mit kla­ren Wor­ten, über­zeu­gend ent­schlos­sen und authen­tisch die Kir­che als die gro­ße, ent­schei­den­de Alter­na­ti­ve dar­stel­len und sicht­bar machen als den letzt­lich ein­zi­gen Weg, der dem Men­schen, sei­nem Wesen, sei­ner Wür­de und sei­ner Bestim­mung ent­spricht. Ober­hir­ten, denen die Gläu­bi­gen über die Gehor­sams­pflicht hin­aus fol­gen, weil sie siche­re Ori­en­tie­rungs­punk­te sind und die Her­de wirk­lich füh­ren. Bischö­fe, die über die in Öster­reichs Diö­ze­sen anzu­tref­fen­den Appa­rat­schiks aus einer Mischung von kalo­rien­ar­mem Chri­sten­tum Light bis Zero und viel links­grü­nem „Welt­ethos“ nach dem Mot­to: ret­tet die Welt, aber laßt die Men­schen ster­ben ((Im wört­li­chen Sinn ster­ben täg­lich unge­bo­re­ne Kin­der, legal getö­tet auf Kosten des Steu­er­zah­lers und in öffent­li­chen Kran­ken­häu­sern; auf die Eutha­na­sie­rung älte­rer Men­schen im Sin­ne von „Alt­la­sten“ wird hin­ge­ar­bei­tet, in man­chen Län­dern ist sie schon Rea­li­tät; gemeint ist hier aber zudem und vor allem der geist­li­che Tod, die Fra­ge nach dem ewi­gen See­len­heil, die auch im kirch­li­chen Kon­text, der sich pri­mär dar­um küm­mert, wie man es sich zu irdi­scher Leb­zeit auf die­ser Welt ein­rich­ten kann, kaum zur Spra­che kommt.)) her­aus­ra­gen und ihre Diö­ze­sen wirk­lich zu erneu­ern wis­sen.

Bild: Pray Tell

9 Kommentare

  1. Also die­se Wor­te „Absa­ge an kirch­li­ches Macht­den­ken“, aus dem Mun­de sei­ner Em. Chri­stoph Kar­di­nal Graf Schön­born zu hören, ist ja der Gip­fel der Heu­che­lei, denn ich möch­te wis­sen, in wel­chen vati­ka­ni­schen Dikaste­ri­en die­ser sei­ne Hän­de nicht im Spiel hat. Und das Blind‑, Taub- und Stumm­stel­len im Bezug auf die anti­ka­tho­li­schen, häre­tisch-schis­ma­ti­schen Ver­ei­ne wie WiSi­Ki, POA, KFB, „Pfar­re­rinitia­ti­ve“ (der ja am 16 Juni sein trau­ri­ges 2jähriges Jubi­lä­um „Auf­ruf zum Unge­hor­sam“ fei­ern konn­te) usw. usw. bestä­tigt ja doch auf wel­cher Sei­te die Ö‑Episkopaten wahr­lich ste­hen.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

  2. Manch­mal, wenn man das alles so liest, den Zustand unse­rer Katho­li­schen Kir­che zumin­dest in Öster­reich, der Schweiz, Frank­reich und in Deutsch­land anschaut, dann kann einen das nur zutiefst depri­mie­ren.

    Was sind das für Hir­ten, die ihre Scha­fe im Stich las­sen für das Lin­sen­ge­richt auf der Höhe des Zeit­gei­stes zu sein?

    Wis­sen die Hir­ten denn über­haupt noch, wem sie Ver­ant­wor­tung schul­den?

    Doch nicht den Wöl­fen!

    • Ja,ja,die Wöl­fe!
      Es scheint kein Zufall zu sein,das man in bestimm­ten Län­dern nicht nur die geistigen,sondern auch die rea­len Scha­fe den Wöl­fen aus­lie­fert…
      Das macht schon nach­denk­lich.

  3. Der Kar­di­nal von Stüt­zen­ho­fen , ein aus­ge­spro­che­ner Zög­ling von Bene­dikt XVI. treibt sein Unwe­sen wei­ter, und glaubt aller­hand Grund zu ver­bes­ser­tem Grin­sen zu haben.

  4. Das ist sie: Die Die-Sache-Jesu-geht-wei­ter-Theo­lo­gie. Da lobe ich mir doch die Ret­te-dei­ne-See­le-Theo­lo­gie!

  5. Ich stim­me Land­au und Schön­born in ihrer Kri­tik ten­den­zi­ell zu. Zum Teil hat man schon das Gefühl, dass die Flücht­lin­ge in der Votiv­kir­che ziem­lich scham­los instru­men­ta­li­siert wer­den, ohne Rück­sicht auf ihr per­sön­li­ches Wohl­erge­hen. Oder anders gesagt: Man­chen scheint es eher am Her­zen zu lie­gen, dass es KEINE Lösung gibt statt einer. Wie man das ändern könn­te, weiß ich aber auch nicht.

  6. Die Hand­lun­gen und Unter­las­sun­gen von Kar­di­nal Schön­born machen kei­nen Sinn, wenn man ihnen die Absicht, die Kir­che auf­zu­bau­en, zu för­dern und zu ver­brei­ten, zugrun­de­legt.

    Sie wer­den aber ver­ständ­lich, wenn man die Absicht der Zer­stö­rung zugrun­de­legt. Dann wer­den Stüt­zen­ho­fen, Master­plan, Neu­ler­chen­feld und Baum­gar­ten ver­ständ­lich.
    Emi­nenz will ganz offen­sicht­lich eine ande­re Kir­che und betreibt die­ses Pro­jekt in aller Rück­sichts­lo­sig­keit.

    Unge­ach­tet der from­men Fas­sa­de geht es um kon­kre­te Resul­ta­te („Früch­te“) — an den Früch­ten erkennt man eben den Baum bzw. den Wolf im Schafs­pelz.

  7. Ad Wolf­ram Schrems:
    Ich bin mir nicht im Kla­ren, ob Emi­nenz Schön­born wirk­lich will und weiß, was er tut. Manch­mal hat man den Ein­druck, er ist sich in sei­nem Den­ken und Han­deln nicht der Ein­flüs­se bewußt, denen er gehorcht, eben­so wenig, wie er die Zie­le kennt, zu deren Ver­wirk­li­chung er bei­trägt. Wie auch immer: „An ihren Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen.“ (Mt 7, 16)

    • Die­sen Ein­druck habe ich eben­so.

      Aber eben: In einem hier­ar­chi­schen System ist der Ver­ant­wor­tungs­trä­ger letzt­zu­stän­dig. Er müß­te auch sei­ne Bera­ter bes­ser aus­wäh­len.

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