Papst Franziskus und die Liturgie: bischöfliche Indiskretionen – Warum Guido Marini nicht entlassen wurde

Papst Franziskus und die Bischöfe(Rom) Ita­li­ens Bischö­fe tra­fen sich vom 20. bis 24. Mai zu ihrer Früh­jahrs­voll­ver­samm­lung. Papst Fran­zis­kus emp­fing zuvor in Grup­pen die Bischö­fe zum Ad-limi­na-Besuch. Am 13. Mai war dies der Fall für die Bischö­fe Apu­li­ens, die sich anschlie­ßend am gesprä­chig­sten dar­über gaben, was ihnen der Papst gesagt hat­te.

Gesprächige Bischöfe Apuliens – Zwei Enzykliken in Vorbereitung

Da war ein­mal die „Ent­hül­lung“ des Bischofs von Mol­fetta, Msgr. Lui­gi Mar­tel­la, daß im Vati­kan zwei Enzy­kli­ken in Vor­be­rei­tung sei­en. Eine Enzy­kli­ka über den Glau­ben, unter­zeich­net von Papst Fran­zis­kus, aber geschrie­ben von Papst Bene­dikt XVI. Zurück­ge­zo­gen im Klo­ster im Vati­kan lebend, sei der zurück­ge­tre­te­ne deut­sche Papst zur Zeit dabei, die­se Enzy­kli­ka zu Ende zu schrei­ben.

Die Nach­richt einer vier­hän­dig geschrie­be­nen Enzy­kli­ka sorg­te in den Medi­en für so viel Auf­se­hen, daß Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di am 24. Mai sich zu einem Demen­ti genö­tigt sah: „Ich demen­tie­re, daß der eme­ri­tier­te Papst eine Enzy­kli­ka über den Glau­ben schreibt, die dann von Papst Fran­zis­kus unter­schrie­ben wird.“ Pater Lom­bar­di bestä­tig­te erneut, daß Bene­dikt XVI. bei sei­nem Rück­tritt ein weit gedie­he­nes Pro­jekt einer sol­chen Enzy­kli­ka hin­ter­las­sen hat. „Und der Nach­fol­ger hat es auf­ge­grif­fen und wie es scheint, ist er dabei es zu voll­enden, wenn ich auch die dafür bis zur Ver­öf­fent­li­chung noch nöti­ge Zeit nicht zu benen­nen wüß­te“, so der Vati­kan­spre­cher, der zudem Wert auf die Fest­stel­lung leg­te: „Der eme­ri­tier­te Papst hat kei­ne Auf­ga­be bei der Voll­endung des von Papst Fran­zis­kus auf­ge­grif­fe­nen Pro­jekts“.

Neben Enzyklika über den Glauben auch eine über die Armut

Eine zwei­te Enzy­kli­ka, über die Armut, sei hin­ge­gen ganz das Werk des regie­ren­den Pap­stes, wie Papst Fran­zis­kus dem Bischof von Mol­fetta und den ande­ren Bischö­fen Apu­li­ens anver­traut habe. Dazu erklär­te Vati­kan­spre­cher Lom­bar­di nur kurz ange­bun­den: „Wir machen eine Enzy­kli­ka nach der ande­ren“, um zu sagen: Ein Schritt nach dem ande­ren.

Es gab aber durch apu­li­sche Bischö­fe auch die Lit­ur­gie betref­fen­de Indis­kre­tio­nen, wie der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster berich­tet.

Keine Verbürokratisierung der Kirche

Damit ange­fan­gen hat der Erz­bi­schof von Bari, Msgr. Fran­ces­co Cacuc­ci, der nach der Audi­enz beim Papst auf Radio Vati­kan, ita­lie­ni­sche Redak­ti­on, erklär­te, daß Papst Fran­zis­kus die Bischö­fe auf­ge­for­dert hät­te, „das Ver­hält­nis mit der Lit­ur­gie mit Ein­fach­heit und ohne Über­bau zu leben“. Wört­lich sag­te Erz­bi­schof Cacuc­ci auf die Fra­ge, was der Papst den Bischö­fen inhalt­lich gesagt habe: „Es betraf vor allem die Not­wen­dig­keit ein­fa­che und arme Ver­kün­der des Evan­ge­li­ums zu sein. Und dann sag­te er uns mit gro­ßer Ein­fach­heit, daß es wich­tig ist, daß wir die Bezie­hung mit der Lit­ur­gie und mit dem Glau­ben mit Ein­fach­heit und ohne Über­bau leben, weil wir, wahr­schein­lich in über­zo­ge­nem Maße, auch in der Kir­che eine Ver­bü­ro­kra­ti­sie­rung erle­ben.“

Bischöfe klagen bei Papst, daß Traditionalisten Kirche spalten

Dann war die Rei­he an Msgr. Dome­ni­co Pado­va­no, den Bischof von Con­versa­no-Mono­po­li, der sei­nem Kle­rus berich­te­te, daß sich die apu­li­schen Bischö­fe beim Papst beklagt haben. Wor­über aber führ­ten die Bischö­fe der süd­ita­lie­ni­schen Regi­on Kla­ge? Über das durch Abtrei­bung, Glau­bens­ver­dun­stung, Schei­dung, Kor­rup­ti­on, orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät ver­ur­sach­te Leid, über Dis­zi­plin­lo­sig­keit und die „ganz nor­ma­le“ Aus­brei­tung von Häre­si­en unter Theo­lo­gen und im Volk? Nein, nichts der­glei­chen. Die Bischö­fe hät­ten, so Msgr. Pado­va­no dem Papst geklagt, daß die Ver­tre­ter der über­lie­fer­ten Mes­se Spal­tung in der Kir­che ver­ur­sa­chen.

Und was hät­te der Papst geant­wor­tet?

Papst ermahnt Bischöfe sich Schatz der Tradition zunutze zu machen

Folgt man der Dar­stel­lung von Bischof Pado­va­no, hät­te sie Papst Fran­zis­kus auf­ge­for­dert über extre­me Posi­tio­nen bestimm­ter tra­di­tio­na­li­sti­scher Grup­pen zu wachen, aber auch – und das wohl über­ra­schend für die Klä­ger – sich den Schatz der Tra­di­ti­on zunut­ze zu machen und sie in der Kir­che gemein­sam mit der Erneue­rung leben zu las­sen.

Um die­sen letz­ten Punkt genau­er zu erklä­ren, habe der Papst ein Bei­spiel erzählt.

Papst lehnt Forderung „vieler“ nach sofortiger Entlassung Marinis ab

Seht: Sie sagen, daß mein päpst­li­cher Zere­mo­ni­en­mei­ster [Msgr. Gui­do Mari­ni] tra­di­tio­na­li­sti­scher Prä­gung sei. Und vie­le haben mich nach mei­ner Wahl auf­ge­for­dert, ihn sei­nes Amtes zu ent­he­ben und zu erset­zen. Ich habe Nein gesagt, gera­de damit ich selbst für mich durch sei­ne tra­di­tio­nel­le For­mung Nut­zen zie­he und gleich­zei­tig, damit er auf die­sel­be Wei­se es durch mei­ne eman­zi­pier­te­re For­mung tut.

Immer vor­aus­ge­setzt, daß die Wor­te von Papst Fran­zis­kus rich­tig über­lie­fert wur­den, bie­ten sie auf­schluß­rei­chen Ein­blick in das lit­ur­gi­sche Den­ken und den Zele­bra­ti­ons­stil des amtie­ren­den Pap­stes. Vor allem erklä­ren sie, wie es gleich nach sei­ner Wahl zum über­stürz­ten Gerücht kam, Fran­zis­kus wer­de als eine sei­ner ersten Hand­lun­gen den von Papst Bene­dikt XVI. ernann­ten Zere­mo­ni­en­mei­ster Msgr. Gui­do Mari­ni ent­las­sen.

Ein Gerücht, das dadurch zustan­de kam, weil maß­geb­li­che Kir­chen­krei­se sich die sofor­ti­ge Abbe­ru­fung Gui­do Mari­nis erwar­te­ten, den neu­en Papst dazu dräng­ten und ihren Wunsch offen­bar erfolgs­si­cher auf den neu­en Papst pro­ji­zier­ten und offen im Vati­kan von sich gaben. Aller­dings erfolg­los, wie sich her­aus­stel­len soll­te.

Wer sind die „vielen“, die durch Wahl Bergoglios das Ende der liturgischen Erneuerung Benedikts erhofften?

Wer aber sind die „vie­len“, von denen Papst Fran­zis­kus sprach und die offen­sicht­lich direk­ten Zugang zum Papst haben? „Vie­le“, die sich durch die Wahl von Mario Jor­ge Kar­di­nal Ber­go­glio ein Ende der von Bene­dikt XVI. vor­an­ge­trie­be­nen lit­ur­gi­schen Erneue­rung erhoff­ten.

Msgr. Gui­do Mari­ni aus der Schu­le von Kar­di­nal Siri, war 2007 von Papst Bene­dikt XVI. zum päpst­li­chen Zere­mo­ni­en­mei­ster beru­fen wor­den, um des­sen lit­ur­gi­sche Erneue­rung umzu­set­zen, die durch das päpst­li­che Vor­bild auf die Gesamt­kir­che wir­ken soll­te. Kon­kret ging es dar­um, anthro­po­zen­trisch anmu­ten­de Ein­sei­tig­kei­ten zurück­zu­drän­gen und zu einer theo­zen­tri­schen Aus­rich­tung und damit zur Anbe­tung Got­tes als vor­dring­li­cher Auf­ga­be der Lit­ur­gie zurück­zu­füh­ren.

Magisters Zweifel: Haben apulische Bischöfe die Ermahnung von Papst Franziskus verstanden?

Magi­ster hegt jedoch Zwei­fel, ob die apu­li­schen Bischö­fe die von ihnen selbst über­lie­fer­ten Wor­te des Pap­stes auch in sei­nem Sinn ver­stan­den haben.

Ein ande­rer von ihnen, der Bischof von Ceri­gno­la-Asco­li Satria­no, Msgr. Feli­ce di Mol­fetta, schrieb noch am 15. Mai eine Bot­schaft an sei­ne Diö­ze­se über die Begeg­nung mit dem Papst. Dar­in teilt er mit:

„Ich habe es nicht ver­ab­säumt, dem Papst zu sei­nem Zele­bra­ti­ons­stil zu gra­tu­lie­ren: einem von „edler Ein­fach­heit“ gekenn­zeich­ne­ten Stil, wie ihn das Kon­zil beschlos­sen hat, wobei er eine beson­de­re Auf­merk­sam­keit für das The­ma zeig­te, zu dem es von sei­ner Sei­te nicht an Über­le­gun­gen von hoher theo­lo­gisch-pasto­ra­ler Art fehl­te, die von allen anwe­sen­den Mit­brü­dern geteilt wur­den.“

Bischof di Molfetta und Formen liturgischer Blindheit

Bischof di Mol­fetta schrieb wei­ter zum The­ma Lit­ur­gie von einem „Inter­es­se des Hei­li­gen Vaters für die­sen lebens­wich­ti­gen Aspekt des Petrusam­tes“. Papst Fran­zis­kus habe „ange­sichts gewis­ser Phä­no­me­ne der jüng­sten Ver­gan­gen­heit, bei denen nicht weni­ge For­men des Abdrif­tens auf lit­ur­gi­scher Ebe­ne regi­striert wur­den, uns Bischö­fe auf­ge­for­dert, indem er uns auch eini­ge kon­kre­te Bei­spie­le nann­te, die Bezie­hung zur lit­ur­gi­schen Hand­lung, da Wir­ken Got­tes, als wahr­haft Glau­ben­de zu leben jen­seits jedes auf­ge­bla­se­nen Zere­mo­nia­lis­mus, im völ­li­gen Bewußt­sein, daß die ‚edle Ein­fach­heit‘ von der das Kon­zil spricht, kein Pfusch, son­dern Schön­heit ist, Schön­heit groß­ge­schrie­ben.“

Bischof Feli­ce di Mol­fetta legt die Ermah­nung von Papst Fran­zis­kus an die Bischö­fe, die sich über die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Katho­li­ken beklag­ten, ein­sei­tig aus. Er unter­schlägt die­sen Teil zur Gän­ze. „Abir­run­gen“ kann er nur im Wunsch zur Wie­der­ent­deckung der „Alten Mes­se“ und der von Papst Bene­dikt ange­streb­ten lit­ur­gi­schen Erneue­rung erken­nen. Sich den „Schatz der Tra­di­ti­on“ zunut­ze machen, wozu Papst Fran­zis­kus die Bischö­fe auf­for­der­te, davon fin­det sich im Brief des Bischofs von Ceri­gno­la-Asco­li Satria­no an sei­ne Diö­ze­se kein Wort.

Verbissener Widerstand gegen Summorum Pontificum

Der Sei­ten­hieb von Bischof di Mol­fetta gegen Papst Bene­dikt XVI. kommt aller­dings nicht uner­war­tet. Feli­ce di Mol­fetta, ehe­ma­li­ger Sekre­tär der Lit­ur­gie­kom­mis­si­on der ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz unter Johan­nes Paul II. und weni­ge Tage nach der Wahl Bene­dikts XVI. zum Vor­sit­zen­den der Kom­mis­si­on gewählt, war ein ver­bis­se­ner Geg­ner der lit­ur­gi­schen Erneue­rung des vori­gen Pap­stes, vor allem des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von 2007, mit dem die „triden­ti­ni­sche“ Mes­se als außer­or­dent­li­che Form des Römi­schen Ritus wie­der all­ge­mei­nes Hei­mat­recht in der Kir­che zurück­er­hielt.

Di Mol­fetta ver­such­te im Vor­feld das Motu pro­prio durch eine ent­spre­chen­de For­de­rung an die ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz zu ver­hin­dern. Als dies nicht gelang, dräng­te er die Bischofs­kon­fe­renz gemein­sam mit eini­gen ande­ren Bischö­fen dar­un­ter Erz­bi­schof Bru­no For­te von Chie­ti-Vas­to und Erz­bi­schof Pao­lo Romeo von Paler­mo zu restrik­ti­ven Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen von Summorum Pon­ti­fi­cum, um des­sen Umset­zung mög­lichst unmög­lich zu machen. Er begrün­de­te sei­ne Hal­tung damit, daß die Ekkle­sio­lo­gie des alten Ritus mit jener des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils „unver­ein­bar“ sei. Damit bestä­tig­te er jene Her­me­neu­tik des Bruchs, die Bene­dikt XVI. hin­ge­gen für „inkom­pa­ti­bel“ mit dem katho­li­schen Kir­chen­ver­ständ­nis hielt. Die ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz lehn­te di Mol­fett­as Ver­su­che ab, nach­dem vor allem die Kar­di­nä­le Rui­ni (damals Kar­di­nal­vi­kar von Rom und ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der der Bischofs­kon­fe­renz), Sco­la (damals Vene­dig, heu­te Mai­land) und Caf­farra (Bolo­gna) sich auf die Sei­te des Pap­stes gestellt hat­ten.

Magi­ster sieht in di Mol­fett­as Aus­sa­gen einen der zahl­rei­chen Ver­su­che des pro­gres­si­ven Lagers, Papst Fran­zis­kus zu ver­ein­nah­men. Ein Phä­no­men, das seit des­sen Wahl auf den ver­schie­den­sten Ebe­nen fest­zu­stel­len ist, des­sen Berech­ti­gung der Vati­ka­nist jedoch in Zwei­fel zieht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CTV screen­shot

12 Kommentare

    • Wie Sie mei­nen und ganz wie Sie möch­ten… Ich habe die­se römi­sche Kaf­fe­satz­le­se­rei satt! — Wenn wir nüch­tern den gan­zen katho­li­schen Glau­ben behal­ten und für die Kir­che und den Papst beten, dann erfül­len wir Got­tes Wil­len, egal wie sich der Papst gebär­den mag, ob er ein Hei­li­ger, ein Spin­ner oder ein Ver­bre­cher ist. Die Kir­che hat auch einen Alex­an­der VI. über­lebt und es sind auch damals eher die vom Glau­ben abge­fal­len, die sich zu sehr dar­über gegrämt haben, was da in Rom für ein Leben geführt wird!

      • Was muss ich denn nun lesen? Es könn­te aber auch der Wil­le Got­tes sein, dass wir uns über den Papst grä­men, falls ein Grund vor­liegt, das Grä­men auf­op­fern… und es beim Namen nen­nen. Ohne vom Glau­ben abzu­fal­len, hof­fe ich. Son­dern aus Lie­be zur Kir­che. Es ist schon etwas kniff­lig. Manch­mal ist Beten und Schwei­gen ange­bracht, mit­un­ter ist das Schwei­gen fast „straf­bar“…

        • Cup­pa, da haben Sie mich irgend­wie falsch ver­stan­den. „Grä­men“ ist doch gar kein Aus­druck für das, was in uns vor­geht, oder!? Es geht auch nicht dar­um zu schwei­gen. Nein, was mich hier stört ist die­ses sich krampf­haft an irgend­wel­che, mini­ma­le, dop­pel­deu­ti­ge „Zei­chen“ klam­mern, dass es doch nicht so schlimm ist, wie es aus­sieht, und immer rufen: „Seht, seht, die­ser Papst ist doch irgend­wie auch ein Tra­di­tio­na­list!“ -
          Pfar­rer Milch von Hat­ter­heim hat immer gesagt: Wenn die Wen­de in der Kir­che käme, dann so, dass es jeder merkt und sich kei­ner (von der Gegen­sei­te) mehr der Illu­si­on hin­ge­ben kann, dass es nicht die Wen­de ist. — Für mich heißt das im Klar­text: Man muss nicht gegen jede Offen­sicht­lich­keit des Gegen­teils, wie nach der Nadel im Heu­hau­fen, nach einer ver­meint­li­chen Tra­di­ti­ons­ver­bun­den­heit der Päp­ste suchen gehen. Man muss sich um die Kir­che und das Papst­amt sor­gen, aber nicht um die jewei­li­ge Per­son des Pap­stes. Die­ses dum­me Spiel (nach Infor­ma­tio­nen zu suchen, die uns etwas vor­gauckeln) spie­len wir doch schon seit dem Pon­ti­fi­kat von Paul VI. und bis­her ist alles nur schlim­mer gewor­den! Es ist auch mei­ne Über­zeu­gung, dass, wer zu sehr nach Sym­pto­men der Bes­se­rung heischt, auch schnel­ler ver­zwei­feln wird, wenn sich die­se als Irr­tum her­aus­stel­len. Man soll­te sich im Gegen­teil vor­hal­ten, was die Kir­che in ihren höch­sten Stell­ver­tre­tern alles schon ertra­gen muss­te und über­lebt hat.

          • Sie haben recht: Ich hat­te Sie völ­lig falsch ver­stan­den. Ich stim­me Ihnen voll­um­fäng­lich zu.

  1. Der Pro­gres­sis­mus ist genau­so eine Irr­leh­re, wie der Tra­di­tio­na­lis­mus. Um Ideo­lo­gien geht es ja gera­de nicht! Jede Über­trei­bung ist vom Teu­fel.

    Die Kir­che ist mir ihrer genu­in kon­ser­va­ti­ven Grund­hal­tung immer gut gefah­ren, denn der Kon­ser­v­ti­ve sieht die Ent­wick­lung stets imm Span­nungs­feld von Inno­va­ti­on und Tra­di­ti­on (also nicht Tra­di­tio­na­lis­mus, der ideo­lo­gi­schen Aus­ga­be der Tra­di­ti­on). Sagt doch Pau­lus: „Prü­fet alles, das Gute behal­tet!“. Das ist eine ein­deu­ti­ge Absa­ge sowohl an jeden Tra­di­ti­ko­na­lis­mus, als auch an jeden Pro­gres­sis­mus.

    Kon­ser­va­tiv heißt, tra­di­ti­ons­be­wußt an der Spit­zes des Fort­schitts zu mar­schie­ren. Der Unter­schied zu den Pro­gres­si­ven besteht dar­in, daß Letz­te­re ori­en­tie­rungs­los über die eige­nen Bei­ne stol­pern.

    Der Pro­grs­si­ve lehnt die Tra­di­ti­on und der Reak­tio­när — bis hin zum Epi­go­nen — die Inno­va­ti­on ab. Tra­di­ti­on und Inno­va­ti­on gehö­ren aber zusam­men, wie die bei­den The­men eines sym­pho­ni­schen Sat­zes.

    • Das kann man so undif­fe­ren­ziert nicht ste­hen­las­sen. Sie klä­ren nicht, was die Begrif­fe „Kon­ser­va­ti­vis­mus“, „Tra­di­ti­on“ und „Fort­schritt“ bedeu­ten. Und Sie klä­ren nicht, was die­se Begrif­fe kon­kret im Bereich des katho­li­schen Glau­bens bedeu­ten. Sie spre­chen aber bereits im ersten Satz von „Irr­leh­ren“. Und davon, dass jede „Über­trei­bung vom Teu­fel“ sei.

      Ihre Defi­ni­ti­on „Kon­ser­va­tiv heißt, tra­di­ti­ons­be­wusst an der Spit­ze des Fort­schritts zu mar­schie­ren — (die) Progressive(n) stol­pern ori­en­tie­rungs­los über ihre Bei­ne“ klingt nur pathe­tisch, klärt aber nichts. Jeder Pro­gres­si­ve wür­de Ihnen wider­spre­chen und dar­auf bestehen, dass auch er die „Tra­di­ti­on“ des wah­ren Glau­bens fort­füh­re — eben im „über­tra­ge­nen Sinn“.

      Es geht aber um nichts gerin­ge­res als um die Wahr­heit. Wahr­heit gibt es jedoch nicht „im über­tra­ge­nen Sinn“. Wahr­heit ist kon­kret. Das hat uns Jesus gelehrt: er selbst ist die Wahr­heit. Und Wahr­heit ist leben­dig wie er, aber unver­wech­sel­bar. Wer aus der Wahr­heit ist, hört sei­ne Stim­me.
      Der Pro­gres­sis­mus lässt die Leben­dig­keit und Kon­kret­heit der Wahr­heit ver­schwin­den. Der Glau­be wird zu einer poli­tisch-mora­lisch-büro­kra­ti­schen Theo­rie. Im Dunst­kreis Pro­gres­si­ver erstirbt in aller Regel jedes kon­kre­te Han­deln. Es sind fast immer die soge­nann­ten „Kon­ser­va­ti­ven“, die sozi­al han­deln, per­sön­li­ches Glau­bens­zeug­nis geben. Der Begriff „kon­ser­va­tiv“ gibt aber ange­sichts des Glau­bens nicht „an die“, son­dern „in der Wahr­heit“ kei­nen Sinn. Wie­so soll­te jemand, der in der Wahr­heit lebt nicht „pro­gres­siv“, son­dern womög­lich „reak­tio­när“ sein? Es ist eine absur­de Begriff­lich­keit! Sie stammt übri­gens aus dem Jar­gon der Kom­mu­ni­sten. Dort bedeu­tet „pro­gres­siv“: der Leh­re des Mar­xis­mus fol­gen. Und „reak­tio­när“: dies nicht zu tun, son­dern histo­risch angeb­lich „über­hol­ten“ und auch zu über­ho­len­den Auf­fas­sun­gen fol­gen. Jeder bewusst den­ken­de Katho­lik soll­te sich die­ses Polit­jar­gons im Bereich des Kir­che ent­hal­ten!

    • „Inno­va­ti­on“ ist in die­sem Zusam­men­hang ein abso­lu­tes „Unwort“. — Inno­va­ti­on hie­ße ja, dass es ein „Novum“, einen qua­li­ta­ti­ven Sprung in der katho­li­schen Leh­re geben könn­te. Das wür­de aber hei­ßen, dass die Offen­ba­rung an die Apo­stel nicht die objek­ti­ve Wahr­heit, son­dern nur eine damals gül­ti­ge Erfah­rung Got­tes wäre. Das wür­de logi­scher­wei­se bedeu­ten, dass die Apo­stel nichts wirk­lich „begrif­fen“ hät­ten, weil sie in ihrer Welt­sicht befan­gen waren. Das wür­de wie­der­um kon­se­quen­ter­wei­se bedeu­ten, dass wir uns nicht sicher sein kön­nen, ob wir der­zeit irgend­et­was begrei­fen. Woher lei­ten Sie also das Recht ab, zu wis­sen, dass Inno­va­ti­on und Tra­di­ti­on „zusam­men­ge­hö­ren“?

    • Das ist mit Ver­laub gesagt, genau der Irr­tum lie­ber @Jörg Gut­ten­ber­ger, den Sie da ver­brei­ten, der in der Kir­che viel zuviel Scha­den ange­rich­tet hat.
      Es gibt kei­ne Syn­the­se aus Pro­gres­sis­mus und Tra­di­ti­on, im klein­sten gemein­sa­men Nen­ner NOM, weil dort Wahr­hei­ten auf­ge­ge­ben wor­den sind, die den Glau­ben ele­men­tar betref­fen.
      Die Lit­ur­gie ist sakro­sant und nicht dem Dia­log­wahn aus­zu­set­zen, sonst ist sie eines Tages nicht mehr, sie­he „Evan­ge­li­sche Got­tes­dien­ste“
      Natür­lich bekämp­fen die Bischö­fe in der Mehr­heit die trid.Messe, weil sie in ihrer Eitel­keit und Hof­fart ein gutes Stück zurück­stecken müs­sen, denn der eige­nen Dar­stel­lung wird die von Chri­stus ent­ge­gen­ge­stellt.
      Bemer­kens­wert ist die Tat­sa­che, das das Vat 2 an der Lit­ur­gie nichts änder­te, erst Papst Paul 6. kam und änder­te bra­chi­al alles, inclui­si­ve einer Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Anders­den­ken­den.
      Das spä­te­re Ein­ge­ständ­nis über den Ein­zug Satans in die Kir­che, ist eine Bank­rott­erklä­rung sei­nes völ­lig miß­ra­te­nen und für die Kir­che schlim­men Pon­ti­fi­kats.
      Da aber vom Kon­zil und auch von dem NOM kei­ne dog­ma­ti­schen Ansprü­che aus­ge­hen, ist eine Ände­rung mög­lich, wenn sie auch eine Kir­chen­spal­tung zei­ti­gen wür­de, die längst offen­kun­dig ist.
      Die Moder­ni­sten mögen sich in der Öku­me­ni­schen Kir­che ver­ei­ni­gen, dort ihre Irr­leh­ren ver­kün­den und sich bald selbst abge­schafft haben.
      Viel Glück!

  2. Die katho­li­sche Kir­che bis 1962 war nie „genu­in kon­ser­va­tiv“, pro­gres­si­stisch, libe­ral oder was immer. Die­se Kate­go­rien aus der gesell­schaft­lich-poli­ti­schen Sphä­re waren ihr von ihrem Wesen her völ­lig fremd. Sie fühl­te sich ihrem Stif­ter, dem Gott­men­schen Jesus Chri­stus ver­pflich­tet. Von ihm zu behaup­ten, er sei „genu­in kon­ser­va­tiv“ ist blas­phe­misch.
    Von ihrem Stif­ter her ist sie der Wahr­heit ver­pflich­tet. Den Glau­bens­wahr­hei­ten, die von Gott geof­fen­bart sind.
    Wenn Libe­ra­le die­se Glau­bens­wahr­hei­ten bestrei­ten, muss die Kir­che anti­li­be­ral sein. Das heißt aber nicht, dass sie damit kon­ser­va­tiv wäre.
    Sie ist der Wahr­heit ver­pflich­tet. Seit ihrem Bestehen, bis zum Ende der Zei­ten.
    In der Kon­zils­kir­che frei­lich haben die­se bei­den Sät­ze kei­nen Sinn. Denn es gibt nicht mehr end­gül­tig geof­fen­bar­te Wahr­hei­ten. Dog­men sind frei inter­pre­tier­bar, sie haben sich dem jewei­li­gen Zeit­emp­fin­den, dem Zeit­geist, dem moder­nen Men­schen anzu­pas­sen. Des­we­gen auch der Erzähl- und Pre­digt­stil des 2. Vat. Kon­zils. Er ist die ein­zig ange­mes­se­ne Form, in der der Glau­be wei­ter ver­kün­det wird.
    In der Kon­zils­kir­che, die nur noch von einem rela­ti­ven Wahr­heits­be­griff aus­geht, haben die Begrif­fe kon­ser­va­tiv, libe­ral, pro­gres­si­stisch ihren Sinn. Das ist nicht zu bestrei­ten. Dass dies aber einen radi­ka­len Bruch mit der Ver­gan­gen­heit bedeu­tet, ist evi­dent.

  3. Wenn die­ser Papst den Zere­mo­ni­ar Bene­dikts bei­be­hält, dann nicht, weil er tra­di­tio­na­li­sten­freund­lich wäre oder Mari­ni auf irgend­ei­ne Wei­se schät­zen wür­de, son­dern weil er zunächst alles ver­mei­den will, was nach wei­te­rer Dis­kon­ti­nui­tät zu sei­nem Vor­gän­ger aus­se­hen könn­te. Mari­ni ist sein lit­ur­gi­sches Fei­gen­blatt, durch das er hofft, die Anhän­ger Bene­dikts für sich ein­neh­men zu kön­nen. Im Grun­de aber wird von Mari­ni erwar­tet, dass er sich von des Pap­stes „eman­zi­pier­ter For­mung“ (eine ein­zi­ge Frech­heit, die­se For­mu­lie­rung!) nach und nach ver­bie­gen lässt, damit es am Ende hei­ssen kann: schaut her, der Mari­ni, der „Tra­di­tio­na­list“ und Siri-Mann, selbst der hat sich zur schlich­ten Lit­ur­gie bekehrt und hängt sein neu­er­dings von aller Spit­ze eman­zi­pier­tes Rochett nach dem fran­zis­ka­ni­schen Win­de.

  4. Das gan­ze ist ja auf­grund von Geschwätz und Gerücht — aber eines scheint sehr deut­lich: die Pro­gres­si­sten bear­bei­ten F. wahr­schein­lich rund um die Uhr. Viel­leicht fin­det F. ein­fach nur die auf­wen­dig-scheuß­li­chen Designs des Vor­gän­ger Mari­nis noch weni­ger „schlicht“, dass er dann lie­ber mit dem aktu­el­len Mari­ni vor­lieb nimmt. Aber am lieb­sten wür­de er sei­nen Sack­schnei­der aus Bue­nos Aires her­ho­len…
    Übri­gens fin­de ich die Alte Lit­ur­gie wirk­lich „ein­fach“: sie ist redu­ziert auf das Wesent­li­che (wie alles Schö­ne) und erha­ben zugleich.
    Die üblich gewor­de­nen Bur­ger King-Mes­sen im Novus ordo dage­gen pas­sen zum kon­sum­ori­en­tier­ten Zeit­geist. Es bricht mir fast das Herz, dass man bei uns teil­wei­se zur Kom­mu­ni­on geht wie Leu­te in der genann­ten Imbiss-Ket­te ans Büf­fet — all you can eat, könn­te man den­ken, wenn man unbe­fan­gen zuschaut, es ist blas­phe­misch, es ist zum Davon­lau­fen. Aber eines ist es nicht: schlicht.
    Inso­fern kann man ja gespannt sein, was F. in sei­ner Armut­s­en­zy­kli­ka schrei­ben wird.
    Ich glau­be, dass wir nicht krampf­thaft „arm“ sein müs­sen (Mot­to: „Eigen­tum ist Dieb­stahl“) — wenn wir Gott alles hin­ge­ben, auch unser Inner­stes, dann wird er aus sei­ner Über­fül­le schen­ken. Ein Christ ist nie­mals arm! Arm ist nur der Sün­der, der auf Got­tes Barm­her­zig­keit bewusst ver­zich­tet. Aus dem Reich­tum der Güter Got­tes darf und soll man IHM auch wie­der alle Ehre erwei­sen. „Spielt ihm auf der zehn­sai­ti­gen Zither!“ singt der Psal­mist, also auf einem rich­tig tol­len und schwie­rig zu spie­len­den Instru­ment. Für IHN ist das beste, das wir auf­brin­gen kön­nen, gera­de gut genug. Und wo ist er näher als in der Hl. Mes­se?

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