Ungehorsame LCWR-Schwestern jammern bei internationalem Oberinnentreffen — in Rom

Franzikanerin Florence Deakon, LCWR-Vorsitzende(Rom) In Rom tagt noch bis mor­gen die Inter­na­tio­na­le Uni­on der Gene­ral­obe­ren (UISG), der die Obe­ren von 2000 Frau­en­or­den der katho­li­schen Kir­che mit über 700.000 Ordens­frau­en ver­sam­melt. Die US-Rebel­len­schwe­stern der Lea­dership Con­fe­rence of Women Reli­gious (LCWR) ver­su­chen unter den ande­ren Ordens­frau­en Soli­da­ri­tät und Unter­stüt­zung zu fin­den. Wie es scheint, hof­fen sie viel­leicht eine direk­te Aus­spra­che mit Papst Fran­zis­kus zu erhal­ten. Im LCWR sind rund sechs Pro­zent der UISG-Ange­hö­ri­gen zusam­men­ge­schlos­sen.

Die LCWR steht seit 2012 unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung des Hei­li­gen Stuhls. Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on sprach ein har­tes Urteil über schwer­wie­gen­de Ver­feh­lun­gen und Ver­falls­er­schei­nun­gen in den Frau­en­or­den aus, die in der LCWR zusam­men­ge­schlos­sen sind.

LCWR-Vorsitzende minimiert Konflikt auf „Reihe von Mißverständnissen“

Die LCWR-Vor­sit­zen­de, die Fran­zis­ka­ne­rin Flo­rence Dea­con, auf­grund zivi­ler „Tarn­klei­dung“ wie die mei­sten LCWR-Schwe­stern nicht als Ordens­frau zu erken­nen, sprach in Rom vor den rund 800 Obe­rin­nen der UISG-Voll­ver­samm­lung. Schwe­ster Dea­con trug einen wenig fran­zis­ka­ni­schen Damen­an­zug in Kar­di­nal­s­rot. In ihrer zwan­zig­mi­nü­ti­gen Rede ver­such­te Dea­con die Situa­ti­on aus der Sicht der LCWR dar­zu­stel­len und war bemüht, den lan­ge schwe­len­den und im ver­gan­ge­nen Jahr offen aus­ge­bro­che­nen Kon­flikt auf eine „Rei­he von Miß­ver­ständ­nis­sen“ zwi­schen dem Vati­kan und der LCWR zu redu­zie­ren. Beson­de­ren Wert leg­te sie auf die Beto­nung, daß die LCWR die gro­ße Mehr­heit der US-Ordens­frau­en ver­tritt. Was Dea­con aller­dings nicht erwähn­te, ist die Tat­sa­che, daß die­se Mehr­heit so gut wie kei­nen Nach­wuchs mehr hat und ihr Durch­schnitts­al­ter jen­seits der 70 liegt.

Logo der UISG-Vollversammlung 2013Die LCWR ver­sucht ihre Mög­lich­kei­ten maxi­mal aus­zu­nüt­zen. Mit einer ande­ren zivil geklei­de­ten Fran­zis­ka­ne­rin, Schwe­ster Mary Lou Wirtz FCJM, steht eine LCWR-Ordens­frau vor­teil­haf­ter­wei­se an der Spit­ze der UISG. Die ame­ri­ka­ni­sche Ordens­pro­vinz der von Mut­ter The­re­sia Pfän­der aus dem west­fä­li­schen Hal­len­berg gegrün­de­ten Schwe­stern des hei­li­gen Fran­zis­kus, Töch­ter der hei­li­gen Her­zen Jesu und Mariä haben ihr Orden­s­kleid im Gegen­satz zur deut­schen Pro­vinz abge­legt. Die aus den USA betreu­te UISG-Inter­net­sei­te läßt daher wohl nicht von unge­fähr jedes christ­li­che Sym­bol ver­mis­sen. Ab einer bestimm­ten Füh­rungs­eta­ge scheint die Klei­dungs­ord­nung der katho­li­schen Frau­en­or­den das Able­gen des Orden­s­klei­des gera­de­zu als unge­schrie­be­nes Gesetz vor­zu­schrei­ben.

Ordenskleid in Führungsebenen der Oberinnenkonferenzen tabu?

Laut Dea­con, mache der Vati­kan die LCWR für Per­so­nen und Berei­che ver­ant­wort­lich, „die jen­seits unse­rer Auto­ri­tät ste­hen“. Die vom Vati­kan nach einer Inspek­ti­on erho­be­nen Anschul­di­gun­gen sind aller­dings mehr als schwer­wie­gend: In der LCWR haben zahl­rei­che Ordens­frau­en „ern­ste Pro­ble­me mit der Glau­bens­leh­re“. Vie­le Ordens­frau­en haben sich „vom fun­da­men­ta­len chri­sto­lo­gi­schen Mit­tel­punkt und dem Fokus der reli­giö­sen Wei­he“ ent­fernt. Die LCWR, so der Abschluß­be­richt der Inspek­ti­on, orga­ni­sier­te Tagun­gen mit Red­nern, die „häu­fig dem kirch­li­chen Lehr­amt wider­spre­chen oder die­ses igno­rie­ren“. Vor weni­gen Wochen am 15. April teil­te Kuri­en­erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler, der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on der LCWR-Füh­rung mit, daß Papst Fran­zis­kus die kri­ti­sche Bewer­tung der LCWR‑LUISG-Leitungsgremium Amtsperiode 2010-2013: Ordenskleid auf Führungsetage tabu?age, die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung des Dach­ver­ban­des und die Maß­nah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Ord­nung bestä­tigt hat. Die LCWR Lei­tung wur­de jeder Ent­schei­dungs­be­fug­nis ent­ho­ben und durch Papst Bene­dikt XVI. 2012 einem Gre­mi­un von drei ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fen unter­stellt. Apo­sto­li­scher Dele­gat für die Reform der LCWR ist Erz­bi­schof Peter Sar­tain von Seat­tle.

Die rebel­li­schen Schwe­stern lie­ßen es nach dem Rück­tritt von Papst Bene­dikt XVI. nicht an Jubel man­geln. Auch die Wahl von Papst Fran­zis­kus wur­de eupho­risch begrüßt. Inzwi­schen scheint Ernüch­te­rung ein­ge­kehrt zu sein. Eine Ernüch­te­rung, die sich nach der Bestä­ti­gung der Maß­nah­men Bene­dikts XVI. gegen die Rebel­len­schwe­stern ins­ge­samt in den mit einer ordent­li­chen Por­ti­on Rela­ti­vis­mus aus­ge­stat­te­ten pro­gres­si­sti­schen katho­li­schen Krei­sen der USA breit­zu­ma­chen beginnt.

In Dea­cons Rede klang das so: „Wir fra­gen uns, wie­viel in Wirk­lich­keit dem Papst zur Kennt­nis gebracht wur­de. Ich bezweif­le, daß er unse­re Sache beson­ders ver­folgt hat, als er in Argen­ti­ni­en war, und wir fra­gen uns, ob ihm viel von dem Gan­zen gesagt wur­de.“

UmUISG-Vollversammlung 2013 gleich einen ver­all­ge­mei­nern­den Wunsch anzu­fü­gen, indem der Ein­druck erweckt wer­den soll­te, das Schick­sal der LCWR sei das Schick­sal aller katho­li­schen Ordens­frau­en: „Wir beten, daß die Wahl von Papst Fran­zis­kus zu einem neu­en Ver­hält­nis zwi­schen den römisch-katho­li­schen Schwe­stern und der vati­ka­ni­schen Hier­ar­chie füh­ren wird in einer Rei­se von Geschwi­ster­lich­keit, Ver­trau­en und Lie­be, Bischö­fe und Volk zusam­men.“

Deacons hinkende Darstellung der Fakten — Was wird Papst Franziskus den Ordensfrauen sagen?

Die Dar­stel­lung Dea­cons bedien­te vor den aus der gan­zen Welt ver­sam­mel­ten Ordens­obe­rin­nen anti-römi­sche Kli­schees. Es war nicht der Vati­kan, der die Maß­nah­men gegen die LCWR ein­lei­te­te, son­dern die ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fe. Die­se ken­nen die Ver­hält­nis­ses des Dach­ver­ban­des und der dar­in zusam­men­ge­schlos­se­nen Ordens­ge­mein­schaf­ten. Eine jün­ge­re Genera­ti­on von Bischö­fen war nicht mehr bereit, den Ver­falls­er­schei­nun­gen zuzu­se­hen und die Ver­wir­rungs­stif­tung unter Katho­li­ken und in der Öffent­lich­keit zu dul­den. Bei nicht weni­gen Schwe­stern bestehen begrün­de­te Zwei­fel, ob sie noch katho­lisch sind, bei ande­ren sogar Zwei­fel, ob sie über­haupt noch christ­lich sind. Wider­spruch zur Glau­bens­leh­re kann auch kaum als „Miß­ver­ständ­nis“ bezeich­net wer­den.

Papst Fran­zis­kus wird wahr­schein­lich mor­gen das Lei­tungs­gre­mi­um der UISG in Audi­enz emp­fan­gen und zur Voll­ver­samm­lung spre­chen.

Die „anderen“ Ordensfrauen, die kein Problem mit dem Glauben, mit Rom und mit ihrem Ordenskleid haben

In den USA gibt es neben den Rebel­len­schwe­stern des LCWR mit dem Coun­cil of Major Supe­ri­ors of Women Reli­gious (CMSWR) noch einen zwei­ten Dach­ver­band weib­li­cher Ordens­ge­mein­schaf­ten. Er war Anfang der 90er Jah­re ent­stan­den, als eini­ge Frau­en­or­den die sich immer wei­ter von Glau­bens­leh­re und Lehr­amt der katho­li­schen Kir­che ent­fer­nen­de LCWR-Linie nicht mehr mit­ma­chen woll­ten. Im CMSWR sind inzwi­schen fast 12.000 der ame­ri­ka­ni­schen Ordens­frau­en zusam­men­ge­schlos­sen. Der Alters­durch­schnitt der LCWR-Schwe­stern liegt heu­te bei 75. Eine Erhe­bung der George­town Uni­ver­si­tät ergab, daß rund die Hälf­te der im CMSWR zusam­men­ge­schlos­se­nen Orden fünf und mehr Novi­zin­nen hat­ten, aber kaum neun Pro­zent der LCWR-Orden. Berück­sich­tigt man, daß das CMSWR nur ein Fünf­tel aller Ordens­schwe­stern der USA sam­melt, wird erst das gan­ze Aus­maß der Gewichts­ver­schie­bun­gen deut­lich. Vie­le der LCWR-Gemein­schaf­ten wer­den nach mensch­li­chem Ermes­sen in abseh­ba­rer Zeit ver­schwun­den sein.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: UISG/LCWR

4 Kommentare

  1. Zumin­dest ver­wir­ren­der Arti­kel !

    Wie­viel auf­rech­te , ech­te Non­nen und Schwe­stern gibt’s noch ?
    Ein paar Ver­rück­te gibt’s über­all !

    Wenn Enten , nach­dem sie ein Ei gelegt haben so quak­ten , wie Hüh­ner gackern ,
    wür­den wir mehr Enten­ei­er essen !

  2. The Vati­can deci­si­on last year to place the main repre­sen­ta­ti­ve group of U.S. Catho­lic sisters under the con­trol of bishops was made without con­sul­ta­ti­on or know­ledge of the Vati­can office that nor­mal­ly deals with mat­ters of reli­gious life, the office’s lea­der said Sunday. That lack of dis­cus­sion over whe­ther to cri­ti­ci­ze the Lea­dership Con­fe­rence of Women Reli­gious (LCWR), said Car­di­nal João Braz de Aviz, cau­sed him „much pain.“ „We have to chan­ge this way of doing things,“ said Braz de Aviz, head of the Vatican’s Con­gre­ga­ti­on for Reli­gious.“

    aus: http://ncronline.org/news/sisters-stories/vatican-religious-prefect-i-was-left-out-lcwr-finding

    So ganz ohne Unter­stüt­zung schei­nen die Damen des LCWR nicht zu sein…

  3. Was ich nicht ver­ste­he: das klingt alles so, als sei­en hier die Frau­en reni­tent in einer anson­sten sta­bi­len und glau­ben­treu­en Umge­bung.

    Was man ihnen vor­wirft ist aber das Bild, das ein gro­ßer Teil der amt­li­chen Hier­ar­chie abgibt, die eben­falls zen­tra­le Sät­ze der Leh­re bestrei­tet oder ver­formt. Genau­so sind auch die mei­sten Prie­ster nicht mehr als Prie­ster erkenn­bar, obwohl sie das müss­ten, leben in Kon­ku­bi­na­ten, wenn nicht in noch viel chao­ti­sche­ren Bezie­hun­gen, obwohl sie eigent­lich ein Zöli­bats­ver­spre­chen abge­ge­ben haben etc. etc.

    Ich ver­ste­he nicht, war­um man nun aus dem Vati­kan auf die Schwe­stern drischt — wenn man das tut, müss­te man auch einen Groß­teil der Prie­ster und Bischö­fe feu­ern. Das aber geschieht nicht.

    Wenn man schon „auf­räumt“, dann — wie wäre es mit der Pfar­rer-Initia­ti­ve, wie mit dem Memo­ran­dum der Prie­ster und Dia­ko­ne im EB Frei­burg, ja, dann gehör­te der Eb Zollitsch gefeu­ert, weil er den Süh­ne­tod Chri­sti leug­net, des Feu­ern wäre kein Ende mehr…

    Nicht, dass man mich falsch ver­steht — ich kann mit die­sem pro­ges­si­sti­schen Non­nen­tum nichts anfan­gen. Aber es stört mich, dass hier ein­sei­tig Frau­en für etwas bestraft wer­den, was Män­ner in zen­tra­len Ämtern ohne Not sowie­so prak­ti­zie­ren… Oder liegt es bloß dar­an, dass die Frau­en rebel­lisch auf­tre­ten, die Män­ner dage­gen halt ein­fach Fak­ten schaf­fen bis hin zum Miss­brauch (in den USA ein Rie­sen­pro­blem…), ohne auch nur ein­mal müde zu dis­ku­tie­ren??

  4. Freue und hof­fe dar­auf das die Ant­wort sei­ner Hei­lig­keit Fran­zis­kus an die­se welt­li­chen Schwe­stern hier zu lesen sein wird. Denn immer öfter wer­den wir in Zukunft erfah­ren ob nun Papst Fran­zis­kus den Auf­trag sei­nes Namens­pa­trons fol­gen wird „Und sei­ne Kir­che wie­der auf­bau­en wird“ oder ob die­ser dabei hel­fen wird die­se abzu­rei­ssen.

    Ich per­sön­lich erwar­te aber ein JEIN den aus Ame­ri­ka kommt zuviel Geld nach Rom und die­sen Geld­fluß will man ja nicht unter­bin­den, las­se mich aber ger­ne eines bes­se­ren beleh­ren.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

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